Aarau


Aarau
Wappen von Aarau
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Aarau
BFS-Nr.: 4001Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5000
UN/LOCODE: CH AAR
Koordinaten: (645779 / 249468)Koordinaten: 47° 23′ 40″ N, 8° 2′ 42″ O; CH1903: (645779 / 249468)
Höhe: 381 m ü. M.
Fläche: 8.94 km²
Einwohner: 15'791Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Stadt

(31. Dezember 2007)

Website: www.aarau.ch
Karte
Karte von Aarau

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Aarau (ˈaːraʊ, im einheimischen Dialekt ˈɑːraʊ)[1] ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde im Kanton Aargau in der Schweiz. Sie ist Hauptstadt dieses Kantons und gleichzeitig Sitz des Bezirks Aarau. Aarau liegt 39 Kilometer südöstlich von Basel, 38 km westlich von Zürich und 67 Kilometer nordöstlich von Bern (jeweils Luftlinie).

Die Stadt am Fluss Aare liegt am Nordrand des Schweizer Mittellandes und am Übergang zum Jura-Gebirge. Die westliche Stadtgrenze bildet gleichzeitig die Grenze zum Kanton Solothurn. Mit knapp 16'000 Einwohnern ist Aarau nach Wettingen und Baden die drittgrösste Stadt des Kantons; die Agglomeration zählt über 70'000 Einwohner.

Um 1240 von den Kyburgern gegründet, erhielt die Stadt rund vierzig Jahre später von den Habsburgern das Stadtrecht. Ab 1415 war Aarau eine Untertanenstadt Berns und ab 1531 einer der Tagsatzungsorte der Eidgenossenschaft. Von März bis September 1798, im ersten Jahr der Helvetischen Republik, war Aarau die erste Hauptstadt der damaligen Schweiz. Seit 1803 ist Aarau Kantonshauptstadt und erfüllt als bedeutendes Verwaltungs-, Handels- und Dienstleistungszentrum zahlreiche zentralörtliche Funktionen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Altstadt von Aarau
Altstadt von Aarau

Die mittelalterliche Altstadt Aaraus steht auf felsigem Untergrund an einer Engstelle des Aaretals. Neuere Stadtquartiere liegen auf der östlich und südlich an den Felssporn anschliessenden Hochterrasse sowie beidseits der von West nach Nordost fliessenden Aare. Der stellenweise von Flussauen gesäumte Fluss bildet die Grenze zwischen zwei unterschiedlich geprägten Landschaften, dem Schweizer Mittelland auf der Südseite und den Kettenjura auf der Nordseite.

Durch zwei schmale Inseln wird die Aare in zwei Flussarme getrennt; im Westen liegt die 2,3 km lange Schacheninsel (davon 850 m auf Stadtgebiet), im Nordosten die 1,9 km lange Zurlindeninsel. Beide Inseln sind durchschnittlich 50 bis 100 m breit. Von Südost nach Nordwest fliesst der Stadtbach, ein im 13. Jahrhundert angelegter künstlicher Wasserlauf. Er wird durch Grundwasser gespeist, durchquert die Altstadt und mündet in die Aare. Die Suhre bildet die östliche Stadtgrenze, im äussersten Nordosten fliesst sie ebenfalls in die Aare.

Die angrenzenden Gemeinden sind Küttigen im Norden, Rohr und Buchs im Osten, Suhr im Südosten, Unterentfelden im Süden sowie die solothurnischen Gemeinden Eppenberg-Wöschnau im Westen und Erlinsbach im Nordwesten. Aarau ist mit beinahe sämtlichen Nachbargemeinden zusammengewachsen und bildet mit diesen ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet.

Etwa neun Zehntel des Stadtgebiets befindet sich südlich der Aare, ein Zehntel nördlich davon. Ganz im Norden steigt das Gelände steil zum Hungerberg an. Im Süden bzw. Südwesten der Stadt befinden sich die ausgedehnten Waldgebiete Gönhard und Zelgli, die eine natürliche Grenze zu Unterentfelden und Eppenberg-Wöschnau bilden, den beiden einzigen Nachbargemeinden, deren Siedlungsgebiete nicht vollständig mit dem Aaraus verbunden sind.

Die Gesamtfläche beträgt 894 Hektaren. Davon sind 301 Hektaren bewaldet und 491 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle ist mit 471 Metern der Hungerberg an der Grenze zu Küttigen, der tiefstgelegene Punkt befindet sich auf 365 Metern am Ufer der Aare bei der Suhremündung.

Geschichte

Die Stadt Aarau in der Stumpfschen Chronik 1548
Die Stadt Aarau in der Stumpfschen Chronik 1548

Frühzeit

Auf dem Gemeindegebiet von Aarau wurden einzelne Gegenstände aus der Jungsteinzeit gefunden. Beim heutigen Bahnhof wurden Reste einer Siedlung aus der Bronzezeit (um 1000 v.Chr.) ausgegraben. Zur Zeit der Römer verlief ungefähr dort die Römerstrasse zwischen Salodurum (Solothurn) und Vindonissa, ihr Verlauf stimmte mit demjenigen der heutigen Bahnhofstrasse überein. 1976 fanden Taucher in der Aare einen Teil einer sieben Meter breiten hölzernen Brücke aus der spätrömischen Zeit; es bestand also schon damals ein fester Übergang über den Fluss.

Mittelalter

Um das Jahr 1200 wurde das Schlössli errichtet, eine Turmburg aus Megalithmauerwerk. Im Gebiet der heutigen Vorstadt, an der Kreuzung zweier Strassen, befand sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine kleine dörfliche Siedlung. Zwischen 1240 und 1250 gründeten die Kyburger Grafen Hartmann IV. und Hartmann V. auf einem vorspringenden Felskopf über der Aare die Stadt Aarau. Die erste Erwähnung als Arowe erfolgte 1248, der älteste gesicherte Hinweis auf das Bestehen einer städtischen Siedlung stammt aus dem Jahr 1256. Das Städtchen wurde vom Turm «Rore» beherrscht, dem Sitz des kyburgischen Amtsmannes; dieser Turm ist heute in das Rathaus integriert. Die Stadt Aarau lag im Sprengel der alten Grosspfarrei Suhr.

1263 starben die Kyburger aus. Agnes von Kyburg, die keine männlichen Verwandten mehr hatte, verkaufte die gesamten Ländereien ihrer Familie an ihren Patenonkel, König Rudolf I. von Habsburg. Dieser verlieh Aarau am 4. März 1283 das Stadtrecht. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt in zwei Etappen erweitert und erhielt einen zweiten Mauerring. Ein breiter Graben trennte die Stadt von der unbefestigten «Vorstadt». Ihren Verlauf markiert heute eine breite Gasse namens «Graben». Die Stadtbürger sicherten sich das Recht der freien Wahl der Schultheissen und erreichten 1337 die Abschaffung der Steuervorrechte des Adels. Es entwickelte sich ein durchlässiges Patriziat aus ländlichen Adligen, Grundbesitzern und Handwerkern.

Rore-Turm
Rore-Turm
Turm der Stadtkirche
Turm der Stadtkirche
Oberer Turm
Oberer Turm

1415 eroberte Bern mit der Hilfe von Solothurn den unteren Aargau; Aarau kapitulierte nach kurzem Widerstand und musste den neuen Herrschern Treue schwören. Im Gegenzug durften die Aarauer ihre erworbenen Freiheiten behalten. Ab 1461 war die Stadt Bern Alleinherrscherin über Aarau, nachdem die Solothurner allmählich ausgegrenzt worden waren. Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts wurden die politischen Rechte der unteren Schichten der Bürgerschaft abgeschafft, die Oberschicht vergab alle Ämter nur noch in den «regimentsfähigen» Familien.

Am 1. März 1528 beschlossen die Bürger Aaraus auf Druck von Bern die Einführung des protestantischen Glaubens. Ab 1531 diente Aarau als Tagsatzungsort der reformierten Orte der Eidgenossenschaft. Das Bevölkerungswachstum im 16. Jahrhundert führte zu einer Aufstockung der Häuser und zu einer verdichteten Bauweise. In Aarau entwickelten sich Frühformen der Industrie, es wurden vor allem Glocken, Waffen und Messer hergestellt. Im Gegensatz zu anderen Städten bildeten die Handwerker jedoch keine Zünfte.

Ab dem frühen 18. Jahrhundert etablierte sich die Textilindustrie. Vor allem deutsche Einwanderer trugen zum Wohlstand der Stadt bei, indem sie die Baumwollweberei und die Seidenfabrikation einführten. Tonangebend waren die Frey aus Lindau und die Herosé aus Speyer. Diese hoch gebildeten Einwanderer waren es auch, die in Aarau das Schulwesen reformierten und einen aufklärerischen, revolutionären Geist entwickelten.

1798: Hauptstadt der Helvetischen Republik

Am 27. Dezember 1797 fand in Aarau die letzte Tagsatzung der alten Eidgenossenschaft statt. Zwei Wochen später liess sich ein französischer Gesandter in Aarau nieder, der die revolutionäre Stimmung noch weiter anheizte. Hier war der Gegensatz zwischen einem hohen Bildungsniveau und fehlenden politischen Rechten besonders gross. Die Stadt weigerte sich, Soldaten zum Schutz der bernischen Grenzen zu senden. Mitte März 1798 wurde Aarau durch französische Truppen unter dem Kommando von General Guillaume-Marie-Anne Brune besetzt.

Am 22. März 1798 erklärten die französischen Besatzer Aarau zur Hauptstadt der Helvetischen Republik und damit zur ersten Hauptstadt der Schweiz überhaupt. Das Parlament tagte im städtischen Rathaus, das Direktorium (Regierung) im «Haus zum Schlossgarten». Zwar plante der elsässische Architekt Johann Daniel Osterrieth den Bau eines repräsentativen Regierungsviertels, doch Aarau war schlicht zu klein, um die Funktionen einer Hauptstadt problemlos ausführen zu können. Immerhin konnte die erste Etappe des Regierungsviertels, die Nordseite der Laurenzenvorstadt, fertiggestellt werden. Am 20. September zog die Regierung nach Luzern um. Bis 1803 blieb Aarau Hauptort des helvetischen Kantons Aargau und des Distrikts Aarau.

Aarau als Kantonshauptstadt

Am 19. Februar 1803 ordnete Napoléon Bonaparte in der Mediationsakte die Verschmelzung der Kantone Aargau, Baden und Fricktal an. Aarau wurde Hauptstadt des erweiterten Kantons Aargau. Dieser Entscheid führte zum Bau mehrerer repräsentativer Regierungsbauten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erweiterte Aarau seinen Gemeindebann auf Kosten der Nachbargemeinde Suhr auf den heutigen Umfang. 1820 schleifte man die Stadtmauern mit Ausnahme einzelner Türme und Tore und schüttete die Gräben zu.

In den 1950er Jahren entstand mit der Bauordnung der Stadt Aarau eines der ersten modernen Baurechts- und Planungsinstrumente der Schweiz. Sie wurde unter Stadtammann Erich Zimmerlin und Hans Marti als beauftragtem Planer entwickelt. Unmittelbar nach Abschluss dieser Arbeit reichten diese noch einen 300seitigen Kommentar nach.[2]

Ausbau der Verkehrswege

Die aus dem Mittelalter stammende Holzbrücke wurde innerhalb von dreissig Jahren dreimal bei Überschwemmungen zerstört und 1851 durch die Kettenbrücke, eine Hängebrücke aus stählernen Gliederketten, ersetzt. Eine Betonbrücke löste sie 1952 ab. Am 9. Juni 1856 erhielt die Stadt Anschluss an das noch junge Eisenbahnnetz der Schweiz, als die Schweizerische Centralbahn die Strecke von Aarau über Olten nach Emmenbrücke eröffnete. Die Strecke der Schweizerischen Nordostbahn nach Brugg folgte am 15. Mai 1858. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt: Die Schweizerische Nationalbahn nahm am 6. September 1877 die kurze Zweigstrecke nach Suhr in Betrieb. Kurz nach der Jahrhundertwende wurden zwei elektrische Strassenbahnen eröffnet; am 19. November 1901 die Aarau-Schöftland-Bahn und am 5. März 1904 die Wynentalbahn nach Menziken. Beide Bahnen fusionierten 1958 zur Wynental- und Suhrentalbahn.

Wirtschaftliche Entwicklung

Wegen der protektionistischen Zollpolitik der Nachbarstaaten brach die bisher dominierende Aarauer Textilindustrie um 1850 zusammen. Inzwischen waren jedoch andere Industriezweige entstanden; dazu gehörte die Herstellung von Reisszeug, Zement, Schuhen und Stahl. Ab 1900 entstanden zahlreiche Unternehmen der elektrischen und grafischen Industrie. Ab den 1960er Jahren arbeiteten mehr Menschen in Dienstleistungsbetrieben und in der kantonalen Verwaltung als in der Industrie. In den 1980ern erlebte Aarau einen durchgreifenden Strukturwandel; zahlreiche renommierte Industrieunternehmen wurden zerstückelt oder verschwanden ganz.

Gesellschaftliche Entwicklung

1802 wurde die Aarauer Kantonsschule gegründet, das erste Gymnasium der Schweiz, dessen Lehrer nicht der Geistlichkeit angehörten. Die Schule schuf sich einen hervorragenden Ruf und viele berühmte Persönlichkeiten erwarben hier ihre Matura. Dazu zählen die Nobelpreisträger Albert Einstein, Paul Karrer und Werner Arber, die Bundesräte Friedrich Frey-Herosé, Emil Welti, Edmund Schulthess und Kaspar Villiger sowie die Schriftsteller Frank Wedekind, Hermann Burger und Franz Hohler.

Durch den Kauf der Sammlung Zurlauben wurde 1803 der Grundstein zur Aargauer Kantonsbibliothek gelegt. Mehrere Zeitungen erschienen in der Stadt, die den revolutionären Geist der Stadt aufrechterhielten. Ab 1820 war Aarau Zufluchtsort für politische Flüchtlinge. In Aarau gegründete gesamtschweizerische Institutionen förderten die Schaffung eines Bundesstaates: 1824 entstand der Schweizerische Schützenverein am ersten eidgenössischen Schützenfest, 1832 der Eidgenössische Turnverband an einem grossen Turnfest. Der Eidgenössische Sängerverein wurde 1842 gegründet, der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein 1888. Hauptschauplatz der Novelle «Das Fähnlein der sieben Aufrechten», mit der Gottfried Keller die Errungenschaft des Schweizer Bundesstaates feierte, ist das Eidgenössische Freischiessen, das 1849 in Aarau stattfand.[3]

Das städtische Bildungs- und Kulturangebot wurde durch zahlreiche neue Institutionen erweitert. 1873 wurde ein Lehrerseminar gegründet, 1883 der Saalbau (Theater- und Konzerthalle) gebaut, 1995 bis 1996 nach Plänen von Jost Zumbach und Franz Maissen umgebaut und erweitert, 1922 das Aargauische Naturmuseum eröffnet. In der ehemaligen Tuchlaube ist seit 1974 ein Kleintheater eingerichtet, in einer ehemaligen Tierfutterfabrik die alternative Institution KiFF (Kultur in der Futterfabrik) und das Kleintheater «Fabrikpalast».

Bei einer Volksabstimmung am 24. Februar 2008 hat die Gemeinde einer Fusion mit Rohr zugestimmt. Mit über 18.000 Einwohnern wird die Stadt dann die zweitgrösste des Kantons sein.[4]

Name

Der frühste Beleg des Ortsnamens stammt aus dem Jahr 1248 (Arowe) und bezeucht sich wahrscheinlich noch auf eine schon vor der Stadtgründung bestehende Dorfsiedlung. Er setzt sich zusammen aus dem Flussnamen Aare (in den ältesten Belegen Arula, Arola, Araris) und dem Worte Au, mhd. ouwe, ahd. ouwa ‚Land am Wasser‘.[1]

Wappen

Die Blasonierung des Stadtwappens lautet: «Unter rotem Schildhaupt in Weiss rot bewehrter und gezungter schwarzer Adler.» Das städtische Siegel von 1270 zeigte einen Adler und eine dreiblättrige Linde mit Blüten. Eine Wappenabbildung in der Tschachtlanchronik von 1470 kommt ohne die Linde aus, dagegen ist erstmals ein rotes Schildhaupt über dem Adler zu sehen. Der Adler verdankt seine Verwendung als Wappentier der Stadt Aarau wohl einer volksetymologischen Umdeutung des Namens als Au des Aars.[5]

Sehenswürdigkeiten

Altstadt

Bemalte Unterseite eines Dachgiebels
Bemalte Unterseite eines Dachgiebels

Die historische, auf einem Felssporn gelegene Altstadt besteht aus einem unregelmässigen Viereck, das in vier Teile (Stöcke genannt) unterteilt ist. Südlich davon liegt die Vorstadt, die einst durch einen Graben getrennt war. Eine Besonderheit stellen 70 Dachgiebel dar, deren Unterseiten reich bemalt sind. Aarau wird deswegen manchmal auch als «Stadt der schönen Giebel» bezeichnet.

Die Bausubstanz der Altstadt geht zu einem grossen Teil auf Bauvorhaben aus dem 16. Jahrhundert zurück, als fast alle aus dem Mittelalter stammenden Gebäude ersetzt oder aufgestockt wurden. Die architektonische Entwicklung fand im späten 18. Jahrhundert ihren Abschluss, als die Stadt begann, sich jenseits der damals noch existierenden Stadtmauern auszudehnen. Die meisten Häuser der Vorstadt stammen aus dieser Zeit.

Seit dem 13. Jahrhundert weitgehend unverändert geblieben sind das «Schlössli», der «Rore-Turm» und der Obertorturm. Das «Schlössli» ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Es entstand bei der Stadtgründung kurz nach 1200; das genaue Datum lässt sich nicht mehr ermitteln. Wenige Jahrzehnte darauf entstand der «Rore-Turm», die Zehntscheune, wo die Bauern der Umgebung ihre Zehnten abzuliefern hatten. 1515 baute die Stadtgemeinde um den Turm herum das heutige Rathaus.

Der Obertorturm steht unmittelbar neben dem im äusseren Mauerring liegenden südlichen Stadttor zu den Landstrassen nach Luzern und nach Bern; darin war seit dem Mittelalter das Gefängnis untergebracht. Auf dem hohen Dach ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Glockenspiel eingerichtet, das die in Aarau seit Jahrhunderten tätige Glockengiesserei lieferte.

Die Stadtkirche entstand zwischen 1471 und 1478. Während der Reformation von 1528 wurden die zwölf Altäre und die in der Kirche angebrachten Bilder zerstört. Auf dem Platz vor der Kirche steht der Gerechtigkeitsbrunnen. Der 1643 aus französischem Kalkstein errichtete Brunnen mit einer Justitia-Statue aus Sandstein befand sich bis 1905 mitten in der Rathausgasse, wurde dann aber wegen zunehmenden Verkehrs an seinen heutigen Standort verlegt.[6]

In der 1608 errichteten Oberen Getreidemühle nahm 1893 das erste Elektrizitätswerk den Betrieb auf. Aus einem kleinen Wasserkraftwerk einer Zementfabrik an der Aare entstand wenig später das neue städtische Elektrizitätswerk.

Am Rande der Altstadt entstanden im 18. Jahrhundert mehrere herrschaftliche Gebäude. Das im Barockstil errichtete Anwesen der damals bedeutenden Industriellenfamilie Frey beherbergt heute die Stadtbibliothek. Das im Jahr 1777 errichtete «Haus zum Schlossgarten» diente 1798 der Helvetischen Republik als provisorischer Regierungssitz. In diesem ersten Bundeshaus der Schweiz ist heute die kulturelle Institution «Forum Schlossplatz» domiziliert.

Übriges Stadtgebiet

Regierungsgebäude
Regierungsgebäude

Ausserhalb der Altstadt entstanden seit 1800 zahlreiche repräsentative Gebäude. Im Süden, auf einem flachen Hügel westlich des Bahnhofs, liegt das Regierungsviertel des neuen Kantons Aargau. Den mittleren Trakt des Regierungsgebäudes bildet das 1739 errichtete, barocke herrschaftliche Palais der Industriellenfamilie Rothpletz. Die Kantonsregierung erwarb das Haus im Jahr 1807 und liess es in ein klassizistisches Regierungsgebäude umbauen. Die Erweiterung um zwei Flügel nahm 23 Jahre in Anspruch. Hinter dem Regierungsgebäude entstand zur selben Zeit das Grossratsgebäude. In diesem halbrunden, nach dem Vorbild eines antiken griechischen Theaters errichteten Gebäude tagt das Kantonsparlament. Zwischen dem Regierungsviertel und dem Bahnhof liegt die Bahnhofstrasse. Die Hauptgeschäftsstrasse Aaraus wird von grossen Gebäuden im neoklassizistischen Stil gesäumt (Grossbanken, Hauptpost).

Das Gebiet östlich der Altstadt hätte das Regierungsviertel der Helvetischen Republik werden sollen. Der «Plan d'Agrandissement de la Commune d'Aarau» (Erweiterungsplan der Gemeinde Aarau) des elsässischen Architekten Johann Daniel Osterrieth sah den Bau einer Prachtstrasse nach französischem Vorbild vor, die von repräsentativen Häusern im klassizistischen Stil gesäumt werden sollte. Nachdem die helvetische Regierung nach Luzern umgezogen war, wurde lediglich eine Häuserzeile auf der Nordseite der Laurenzenvorstadt gebaut.

Auf der Südseite der Laurenzenvorstadt entstanden einige Villen im klassizistischen Stil sowie die in einem Park gelegene Alte Kantonsschule. Die beiden älteren Schulgebäude wurden im Stile der deutschen Renaissance bzw. im neoklassizistischen Stil erbaut. Ein aus den 1960er Jahren stammender Neubau, ein moderner Beton-Glasturm, die katholische Kirche und das kantonale Naturmuseum «Naturama» ergänzen diese Zone mit öffentlichen Institutionen.

Überbauung Telli
Überbauung Telli

Im Nordosten der Stadt entstand in den 1960er Jahren auf der letzten noch vorhandenen Baulandreserve die nach damals modernen Grundsätzen gestaltete Grosssiedlung «Telli». In den vier lang gestreckten, hohen Wohnblöcken lebt ein Fünftel der Bevölkerung Aaraus. Zu dieser «Stadt in der Stadt», die auf Planungen von Hans Marti zurückgeht, gehören auch ein Einkaufszentrum und das Telli-Hochhaus, in dem ein Teil der kantonalen Verwaltung untergebracht ist. Zwischen dem Telli-Gebiet und der Altstadt befindet sich der «Telliring»: Dieser von Bäumen umgebene kreisrunde Rasenplatz gilt als erste öffentliche Turnanlage der Schweiz und ist der Gründungsort des Schweizerischen Turnverbandes.

Eine weitere Besonderheit sind die Meyerschen Stollen, ein kilometerlanges Netz von unterirdischen Wasserkanälen, das um 1800 im Geheimen als Zuleitung zum Antrieb einer Seidenbandfabrik von Johann Rudolf Meyer gebaut wurde.

Ein Planetenweg verläuft von Aarau (Echolinde) durch den Wald nach Kölliken. Er stellt das Sonnensystem im „planetaren Massstab“ von 1:1 Milliarde dar und ist sechs Kilometer lang.[7]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1558 1764 1798 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner ca. 1200 1868 2458 4657 7831 11'666 14'280 17'045 16'881 15'788 16'481 15'470

Am 31. Dezember 2007 lebten 15'791 Menschen in Aarau, der Ausländeranteil betrug 19,4 %.[9] Bei der Volkszählung vom Dezember 2000 wurde ein Ausländeranteil von 20,4 % ermittelt, er liegt damit knapp über dem kantonalen Durchschnitt von 19,3 %. Etwa ein Drittel der ausländischen Bevölkerung ist Bürger einer der Staaten des ehemaligen Jugoslawien, dahinter folgen Italiener und Deutsche. 84,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,3 % Italienisch, 2,9 % Serbokroatisch, 1,4 % Spanisch, 1,1 % Französisch, je 1,0 % Albanisch und Türkisch, je 0,5 % Englisch und Portugiesisch.[10]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl verlief seit 1800 kontinuierlich; innerhalb von 150 Jahren wuchs die Bevölkerung um mehr als das Fünffache. 1960 wurde mit 17'045 der Höchststand erreicht. Bis 2000 nahm die Einwohnerzahl jedoch wieder um über 8 % ab. Drei Gründe waren dafür ausschlaggebend: Erstens hatte die Stadt mit der Fertigstellung der Grosssiedlung «Telli» keine nennenswerten Baulandreserven mehr. Zweitens sank die Anzahl der Personen pro Haushalt; dadurch wurde der vorhandene Wohnraum weniger stark genutzt. Drittens wurde das Bevölkerungswachstum von den angrenzenden Agglomerationsgemeinden absorbiert und zahlreiche Aarauer zogen aus der Stadt «ins Grüne». Seit der Jahrtausendwende konnte dieser Negativtrend gestoppt werden. Durch die vermehrte Umnutzung von brach liegenden Industriegebäuden für Wohnzwecke wird die vorhandene Bebauung besser ausgenutzt.

Die Bevölkerung Aaraus war früher vorwiegend reformiert. Durch die Einwanderung aus der übrigen Schweiz und vor allem aus dem Ausland nahm der Anteil der Menschen protestantischer Konfession kontinuierlich ab und betrug 43,5 % im Dezember 2000. Dahinter folgten Römisch-Katholische (29,2 %), Moslems (4,8 %), Christlich-Orthodoxe (3,2 %) und andere Glaubensgemeinschaften (2,1 %). Etwas mehr als 17 % der Bevölkerung bezeichnete sich als konfessionslos oder machte keine Angaben.[10]

Politik und Recht

Legislative

Rathaus
Rathaus

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt seit 1970 der von den Aarauer Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern und wird im Proporzwahlverfahren gewählt. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite; ausserdem kann er Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.

Bei den beiden letzten Wahlen erreichten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Partei 2001 2005
FDP 13 12
SP 12 12
SVP 11 9
CVP 4 4
Pro Aarau 4 4
Grüne 2 4
EVP 3 3
JETZT! 1 2

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Stadtrat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Stadtammann seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Stadträte im Nebenamt.

Die sieben Stadträte der Amtsperiode 2006–2009 sind:

  • Dr. Marcel Guignard, (FDP), Stadtammann
  • Beat Blattner (SP), Vize-Stadtammann
  • Jolanda Urech (SP)
  • Rudolf Zinniker (FDP)
  • Lukas Pfisterer (FDP)
  • Carlo Mettauer (CVP)
  • Michael Ganz (Pro Aarau)

Judikative

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Die Stadt Aarau bildet einen Friedensrichterkreis.

Wirtschaft

Grösster Arbeitgeber in Aarau ist die kantonale Verwaltung, die in zahlreichen Standorten über die ganze Stadt verteilt ist. In rund 1600 Betrieben werden mehr als 23'000 Arbeitsplätze angeboten, davon 0,3 % in der Landwirtschaft, 18 % in der Industrie und 81 % im Dienstleistungsbereich.[11] Dies bedeutet, dass Aarau mehr Arbeitsstellen als Einwohner hat.

In Aarau befindet sich einer der beiden Hauptsitze der Aargauer Zeitung, der fünftgrössten Tageszeitung der Schweiz, daneben auch das Studio des regionalen Fernsehsenders Tele M1 und das Regionalstudio Aargau/Solothurn von SF und Radio DRS sowie die Studios von Radio Argovia und Kanal K. Auch zwei Banken haben ihren Hauptsitz in Aarau, die Neue Aargauer Bank und die Aargauische Kantonalbank.

Eine auch international bekannte Firma war der geodätische Instrumentenhersteller Kern & Co. AG (gegründet 1819), die 1988 durch Wild Leitz übernommen, aber 1991 geschlossen wurde. Aarau besitzt eine über 600-jährige Tradition im Bereich des Glockengiessens; diese wird heute von der Firma H. Rüetschi AG fortgeführt.[12]

Mehr als die Hälfte der in Aarau arbeitenden Menschen lebt in den Agglomerationsgemeinden oder in der weiteren Umgebung. Dadurch entstehen an Werktagen grosse Pendlerströme, die regelmässig zu Verkehrsstaus führen. Keine Schweizer Stadt besitzt mehr Arbeitsplätze im Verhältnis zur Einwohnerzahl als Aarau.

Durch die Kleinräumigkeit des Stadtgebiets stösst Aarau zunehmend an Wachstumsgrenzen. Die Agglomeration liegt in der Mitte des so genannten «goldenen Dreiecks» zwischen Zürich, Bern und Basel und bekundet zunehmend Mühe, sich zwischen diesen Grossstädten als eigenständiges Wirtschaftszentrum zu behaupten. Seit kurzem gibt es Überlegungen, Aarau mit den benachbarten Agglomerationsgemeinden zu fusionieren und damit den langsam voranschreitenden Bedeutungsverlust zu stoppen.[13]

Märkte und Messen

Jeden Samstagmorgen findet im «Graben» am Rande der Altstadt ein Gemüsemarkt mit regionalen Produkten statt. Ebenfalls dort wird in der letzten Septemberwoche der MAG (Markt Aarauer Gewerbetreibender) veranstaltet, an dem regionale und überregionale Firmen ihre Produkte feilbieten.[14] Am gleichen Ort jeweils am ersten Mittwoch im November bietet der «Rüeblimärt» alle Spielarten und Produkte von und aus Karotten an.[15] In und um die Halle der Kunsteisbahn findet jeweils im Frühjahr die AMA (Aargauer Messe Aarau) statt, die grösste Aargauer Publikums- und Erlebnismesse.[16]

Verkehr

Aarau liegt am Schnittpunkt verschiedener Verkehrsströme. Der Bahnhof der Stadt ist einer der meistfrequentierten des Landes und liegt an der wichtigen Ost-West-Hauptlinie zwischen Zürich und Bern. Diese Eisenbahnlinie unterquert in zwei parallel verlaufenden, rund 500 Meter langen Tunnels das Regierungsviertel. Es verkehren direkte Schnellzüge u. a. nach Zürich, Bern, Basel und Genf. Eine weitere SBB-Linie führt über Lenzburg nach Zug. Aarau ist auch der Ausgangspunkt von zwei Strecken der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB). Diese strassenbahnähnlichen Vorortsbahnen verkehren nach Menziken im Wynental und Schöftland im Suhrental. Das Hauptgebäude des Bahnhofes soll bis 2010 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Die Verkehrsgesellschaft AAR bus+bahn, Eigentümerin der WSB, betreibt zahlreiche Stadtbuslinien, die auch die Vororte Aaraus erschliessen. Zusätzlich verkehren zwei Postautolinien über die Jurahöhen ins Fricktal, eine über das Benkerjoch, die andere über die Staffelegg. In Aarau kreuzen sich drei Radfernwege; die Nord-Süd-Route, die Aare-Route und die Mittelland-Route.

Südlich von Aarau verläuft die wichtigste Autobahn der Schweiz, die A1. Die Anschlussstelle Aarau-West bei Oberentfelden befindet sich rund fünf Kilometer südlich der Stadt. Der sechs Kilometer östlich gelegene Anschluss Aarau-Ost bei Hunzenschwil ist durch eine vierspurige Schnellstrasse (T5) mit der Stadt verbunden.[17]

Die Ostumfahrung der Altstadt mit dem Sauerländertunnel wurde im März 2003 eröffnet. Bedingung für den Bau der Umfahrung war eigentlich gewesen, dass die Altstadt gleichzeitig vom Durchgangsverkehr befreit werden musste. Dies verzögerte sich jedoch aufgrund zahlreicher Beschwerden bis zum 4. März 2006. Gebaut werden ferner eine zweite Aarebrücke und daran anschliessend eine Umfahrung von Küttigen als direkte Verbindung zwischen dem Autobahnzubringer T5 und dem Staffeleggpass.

Kultur

Das 1956–59 errichtete Aargauer Kunsthaus besitzt eine der grössten und bedeutendsten Sammlungen Schweizer Malerei. Schwerpunkte bilden die Werke der Maler Caspar Wolf, Johann Heinrich Füssli, Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und Giovanni Giacometti. Der moderne Anbau (2001–03) wurde vom renommierten Architekturbüro Herzog & de Meuron und dem Künstler Rémy Zaugg gestaltet.[18]

Ein weiteres Museum von nationaler Bedeutung ist das Naturama, das Aargauische Naturmuseum. Es befasst sich mit der Tier- und Pflanzenwelt des Aargaus, mit Fossilien und Mineralien und mit Fragen der Ökologie. Den Grundstock bildeten Sammlungen bekannter Persönlichkeiten wie Heinrich Zschokke und Friedrich Frey-Herosé, die dem Kanton vermacht wurden.[19] Das Stadtmuseum im Schlössli befasst sich mit der Stadtgeschichte Aaraus und bietet auch eine Ausstellung über Vermessungsinstrumente und Fotografie.

Aarau besitzt zwei Bibliotheken, die Stadtbibliothek und die Aargauer Kantonsbibliothek (mit der Sammlung Zurlauben).[20]. Weitere kulturelle Institutionen sind die Tuchlaube (Kleintheater), der Kunstraum Aarau das Forum Schlossplatz (Kunstausstellungen), der Saalbau (Kultur- und Kongresshaus), die Stadtkirche (klassische Konzerte), das Kino Freier Film (alternative Filme), das JugendKulturhaus Flösserplatz, das alternative Kulturzentrum KiFF (Kultur in der Futtermittelfabrik), die Jugendräume Wenk, die Buchhandlung und Galerie Goldenes Kalb und Literatur im Lift (Performance-Literatur).[21]

Seit 2005 wird jedes Jahr der «Kulturpreis der Stadt Aarau» verliehen, der mit 10'000 Franken dotiert ist und mit dem regionale Künstler aller Sparten gefördert werden.[22] Aarau ist Sitz der Stiftung ProSpecieRara, die sich für die Artenvielfalt bei Kulturpflanzen und Nutztierrassen einsetzt.

Bildung

Aarau ist der bedeutendste Bildungsstandort des Kantons. Es gibt sechs Kindergärten sowie sechs Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Daneben gibt es eine Heilpädagogische Sonderschule und eine städtische Musikschule.

Aarau verfügt über zwei Kantonsschulen (Gymnasien). Die 1802 eröffnete Alte Kantonsschule ist das älteste nichtkirchliche Gymnasium der Schweiz. Die Neue Kantonsschule wurde 1975 gegründet und ist im Gebäude des ehemaligen Lehrerinnen-Seminars untergebracht.

Weitere Schulen von Bedeutung sind die Berufsschule, die Handelsschule KV, die Schweizerische Bauschule, die Grafische Fachschule, die Volkshochschule und die Maturitätsschule für Erwachsene. Die Fachhochschule Nordwestschweiz ist mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst sowie der Pädagogischen Hochschule vertreten. Weitere Fachhochschulen sind das Theologisch-Diakonische Seminar und das Weiterbildungszentrum für Gesundheitsberufe.

Sport und Freizeit

Der FC Aarau wurde 1902 gegründet und spielt in der obersten Fussball-Liga der Schweiz (Axpo Super League). Er war bisher dreimal Schweizer Meister (1912, 1914, 1993) und einmal Cupsieger (1985). Das Stadion Brügglifeld mit 9'249 Plätzen liegt auf dem Gemeindegebiet von Suhr und wurde am 12. Oktober 1924 eröffnet. Es war Austragungsort einiger Spiele der U-16-Fußball-Europameisterschaft 1991 und der U-19-Fußball-Europameisterschaft 2004.

Wegen seiner begrenzten Kapazität soll das Stadion Brügglifeld durch einen Neubau auf dem brachliegenden Industriegelände Torfeld Süd beim Bahnhof ersetzt werden. Das erste Projekt scheiterte im September 2005 an der Urne; Hauptgrund der Ablehnung war die vorgesehene Mantelnutzung mit einem neuen Einkaufszentrum. Ein zweites Projekt mit einer deutlich verkleinerten Einkaufsfläche wurde im Februar 2008 hingegen angenommen. Das neue Stadion soll zu Beginn der Saison 2011/12 in Betrieb genommen werden.[23]

Der Handballverein TV Suhr (Schweizer Meister 1999 und 2000) spielt in Aarau in der Schachenhalle. Das Gebiet Schachen ist das sportliche Zentrum Aaraus; neben einem Schwimmbad gibt es hier auch eine Pferderennbahn, auf der mehrmals jährlich viel beachtete Rennen ausgetragen werden.[24] Auch fand hier Ende August 2007 (zum zweiten Mal nach 1964) das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt, in einer eigens zu diesem Zweck errichteten temporären Arena für 40'000 Zuschauer. Ebenfalls im Schachen befindet sich die Leichtathletikanlage mit Finnen- und Tartanbahn. In Aarau wurde 1832 das erste Turnfest der Schweiz durchgeführt (ausserdem in den Jahren 1843, 1857, 1882, 1932 und 1972). Der Schweizerische Turnverband hat in der Stadt seinen Hauptsitz.

Neben dem Fussballstadion Brügglifeld befindet sich eine überdachte Kunsteisbahn in dem auch der 1.-Liga-Verein EHC Aarau spielt. Der Eishalle, in der mehrere Spiele der B-Gruppe der Eishockey-Weltmeisterschaft 1976 ausgetragen wurden, ist eine Curlinghalle angegliedert. Im Gebiet Telli befindet sich auch ein Hallenbad.[25] In einer ehemaligen Fabrikhalle im Torfeld ist das Rolling Rock domiziliert, eine Freizeitanlage mit Kletterwand, Skatepark und Hockeyfeld.[26]

Die ausgedehnten Wälder um Aarau sind beliebte Naherholungsgebiete. So befindet sich beispielsweise drei Kilometer südwestlich des Stadtzentrums der ganzjährig geöffnete Tierpark Roggenhausen. Die gemeinnützige Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt» (Aarau unsere gesunde Stadt) betreibt auf auf lokaler und regionaler Ebene Gesundheitsförderung und Prävention, wobei sie vor allem sportliche Aktivitäten fördert.[27]

Partnerstädte

Partnerstädte Aaraus sind Neuchâtel, das niederländische Delft und das deutsche Reutlingen. Die Partnerschaft mit Delft begann 1969. Kontakte zu Reutlingen bestanden schon kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, wurden 1970 wieder aktiviert und 1986 formell besiegelt. Ebenfalls 1986 begann die Partnerschaft mit Neuchâtel.[28]

Persönlichkeiten

In Aarau gelebt

In Aarau geboren

Einzelnachweise

  1. a b Andres Kristol, Aarau AG (Aarau) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG), Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 73.
  2. Bauordnung der Stadt Aarau: erläutert von Dr. iur. Erich Zimmerlin, Stadtammann [etc. siehe Literatur], nach: Claude Ruedin et al.: Hans Marti – Pionier der Raumplanung. GTA, 2008.
  3. Kellers Quelle: Beschreibung des eidgenössischen Freischiessens, abgehalten in Aarau vom 1. bis 8. Juli 1849, Verlag J. J. Christen, Aarau und Thun 1849.
  4. Gemeinden fusionieren landauf und landab – Tages-Anzeiger, 24. Februar 2008
  5. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  6. swissworld.org - Bilder des Gerechtigkeitsbrunnens und Beschreibung
  7. Planetenweg Aarau–Kölliken
  8. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Aarau - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  9. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  10. a b Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  11. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  12. Geschichte der Aarauer Glockengiessereien
  13. Aarau morgen – ein Bericht aus dem Jahre 2003 mit Zukunftsvisionen und Denkanstössen für die Stadt Aarau
  14. Markt Aarauer Gewerbetreibender
  15. Rüeblimärt Aarau
  16. AMA - Aargauer Messe Aarau
  17. Projekt Neue Staffeleggstrasse
  18. Aargauer Kunsthaus
  19. Naturama
  20. Aargauer Kantonsbibliothek
  21. Übersicht Kultur - Website der Stadt Aarau
  22. Kulturpreis der Stadt Aarau
  23. Deutliches Ja zu neuem Fussballstadion für den FC Aarau - Tages-Anzeiger, 24. Februar 2008
  24. Pferderennbahn Schachen
  25. Sportanlage Telli
  26. Rolling Rock
  27. Aarau eusi gsund Stadt
  28. Partnerstädte - Website der Stadt Aarau

Literatur

  • Bauordnung der Stadt Aarau: erläutert von Dr. iur. Erich Zimmerlin, Stadtammann, unter Mitarbeit von Hans Marti, dipl. Architekt ETH, Zürich. Aarau: Verlag der Stadtkanzlei, 1960.
  • Irma Noseda, Christoph Schäppi: Aarau Stadt Architektur – Stadtentwicklung in zehn Schritten 1240–2001. AT-Verlag, Aarau 2001. ISBN 3-85502-700-5.
  • Richard Buser: Die Stadtkirche von Aarau. Schweizerischer Kunstführer. Bd 576. GSK, Bern 1995. ISBN 3-85782-576-6.
  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau - Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948.

Weblinks

Commons
 Commons: Aarau – Bilder, Videos und Audiodateien
Wiktionary
 Wiktionary: Aarau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Wikisource
 Wikisource: Aarau – Artikel der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon
Dieser Artikel wurde in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.
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