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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Agent Orange (Begriffsklärung) aufgeführt. |
Agent Orange ist der militärische Codename eines Entlaubungsmittels (CAS 39277-47-9), das aus einem 1:1-Gemisch der Butylester von 2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure (2,4,5-T) und 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D) besteht.[1] Das Herbizid wurde im Vietnamkrieg erstmals gegen Ende 1963 bei der Operation Ranchhand durch die US Army zur Entlaubung von Wäldern und Nutzpflanzen eingesetzt. Da das Herbizid aufgrund von Verunreinigungen TCDD (ein Dioxin) enthielt, erkrankten in Folge viele Bewohner der betroffenen Gebiete, aber auch US-Soldaten. Bei einer Kontamination, die auch heute noch auf Grund der Rückstände im Boden auftritt, wird das Erbgut der betreffenden Person geschädigt, was zu erheblichen Behinderungen ihrer Kinder führen kann.
Der Name stammt von den orangefarbenen Streifen, mit denen die entsprechenden Fässer gekennzeichnet waren.[2] Das englische Wort agent kann u. a. „Mittel“ oder „Wirkstoff“ bedeuten. Weitere, weniger bekannte Gifte sind Agent Blue, Agent Purple, Agent Green, Agent Yellow, Agent Pink und Agent White.
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Von 1963 bis 1970 wurden von der US-Luftwaffe bei der Operation „Ranch Hand“ („Bauernhilfe“ bzw. „Aushilfsarbeiter“ oder „Knecht“), die im Jahre 1960 von John F. Kennedy unterzeichnet wurde, mehr als 6.000 Einsätze durchgeführt. Deren Ziel war die Entlaubung der Wälder, um einerseits Verstecke und Versorgungswege des Gegners aufzudecken (Ho-Chi-Minh-Pfad) und andererseits eigene Militärbasen und Flugplätze im dichten Dschungel erweitern zu können. Darüber hinaus wurden auch Ackerflächen bespritzt, um dem Feind die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Agent Orange ist flüssig und wurde als Aerosol aus Flugzeugen oder Helikoptern versprüht.
Hergestellt und geliefert wurde Agent Orange damals von der Firma Dow Chemical und dem Agrar-Konzern Monsanto sowie vom tschechischen Unternehmen Spolana in Neratovice (als das Elbehochwasser 2002 das Firmengelände überschwemmte, kam die Firma noch einmal in die Schlagzeilen, weil eine Verbreitung von hochgiftigen Substanzen befürchtet wurde).
Laut einem Artikel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 1991 lieferte die Deutsche Firma Boehringer Ingelheim 1967 eine Menge von 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an Dow Chemical. Trichlorphenolatlauge diente zur Herstellung von Agent Orange.[3]
Da das Mittel eine Verunreinigung von bis zu 0,05 mg/kg TCDD (ein Dioxin) enthielt, führt es bis heute zu erheblichen irreversiblen gesundheitlichen Problemen bei der Bevölkerung der ehemaligen Einsatzgebiete. Insgesamt, so wird von der AG Friedensforschung der Universität Kassel angenommen[4], wurden in Vietnam über 300 kg reines Dioxin in Verbindung mit den eingesetzten Herbiziden freigesetzt. Zum Vergleich: In Seveso kamen insgesamt 1,5 kg TCDD frei.
Laut Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes leiden zirka 500.000 Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange. Diese sind: Missbildungen (insbesondere Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten), Immunschwächen und Erbgutveränderungen. Viele vietnamesische Neugeborene kommen auch drei Generationen nach dem Einsatz von Agent Orange noch mit schweren Missbildungen zur Welt. Auch Krebs zählt zu den Spätfolgen. Es gibt zwar bis heute keine Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der Exposition mit Agent Orange und der Tumorentstehung bestätigen, jedoch ist Dioxin als krebserregend bekannt.
Der Einsatz von Agent Orange erreichte seinen Höhepunkt in der intensivsten Phase des Krieges in den Jahren 1967 und 1968 und wurde 1971 eingestellt. Insgesamt wurden schätzungsweise rund 72 Millionen Liter Herbizide über Vietnam, Kambodscha und Laos versprüht, davon 55 Prozent, oder 40 Millionen Liter, Agent Orange.
Die US-Regierung und das Militär leugnen bis heute einen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und den oben genannten Krankheiten. Agent Orange wurde vom US-Militär als harmloses Entlaubungsmittel beschrieben, das keinerlei Nebenwirkung aufzeigt. So wurden während des Abzugs der amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam tausende Liter Agent Orange auf dem Boden ausgeschüttet.
Eine Gruppe vietnamesischer Opfer hat gegen die amerikanischen Hersteller Klage eingereicht, die jedoch im März 2005 abgewiesen wurde, da im Falle der Anerkennung der Ansprüche dies „die Türen der Gerichte des amerikanischen Rechtssystems für Bürger und Soldaten früherer Feinde, die behaupten, von den Streitkräften der Vereinigten Staaten während des Krieges geschädigt worden zu sein, öffnen würde.“[5]
Nach neuesten Forschungen versprühte die US-Armee während des Vietnamkrieges 80 Millionen Fässer toxischer Chemikalien. Weil der vietnamesischen Regierung das Geld für großflächige Bodenversiegelungen fehlt, ist das Gift auch 30 Jahre nach Kriegsende noch im Nahrungskreislauf. Schätzungsweise zwei bis vier Millionen Menschen sind von den Spätfolgen betroffen.[2]
Noch immer werden auf schwerste Weise verkrüppelte und kranke Kinder geboren. Die meisten Opfer können gar nicht oder nicht angemessen medizinisch versorgt werden. Die vietnamesische Regierung investiert zur Zeit vorwiegend in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Einzelne, wie ein katholischer Priester, kämpfen aus eigener Initiative, bauen aus Spenden, die sie selbst sammeln, Heime und Gesundheitsstationen für die Opfer von Agent Orange. 1998 wurde das unter Mithilfe amerikanischer Kriegsveteranen aufgebaute Dorf der Freundschaft eröffnet, ein Behandlungszentrum für Opfer des Entlaubungsmittels. Dennoch sind auch dies nur einzelne Aktionen, die nur einer Minderheit der Betroffenen zu Gute kommen.
Auch im Vietnamkrieg eingesetzte US-Soldaten waren durch Schäden in Folge von Agent Orange betroffen. Als der Zusammenhang zwischen den Gesundheitsschädigungen und dem Dioxin anerkannt wurde, erhielten die betroffenen Soldaten nach einem Gerichtsbeschluss von 1984 von den Herstellerfirmen Dow Chemical und Monsanto 180 Millionen Dollar als Entschädigungszahlungen, was einem Schuldanerkenntnis gleichkommen kann, aber nicht unbedingt einem Schuldanerkenntnis entsprechen muss, da Öffentlichkeitswirkung für amerikanische Unternehmen eine übergeordnete Rolle spielen kann. Nur die leidenden vietnamesischen Kinder erhielten bis heute (2008) keine Unterstützung aus den USA. Im selben Jahr wurden auch Soldaten, die aus einem englischsprachigen Land kamen, außergerichtlich entschädigt. Korea 1999: 6.800 von 20.000 Klagenden wurden von der Fa. Dow Chemical & Monsanto entschädigt.
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