Arkebuse


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Hakenbüchsen und Arkebusen nennt man eine vielfältige Familie von vorderladenden Gewehren des 15. und 16. Jahrhunderts (Spätmittelalter) in Europa und Asien mit Luntenschloss und einem Kaliber von ca. 18-20 mm[1] (nach anderen Angaben bis zu 25 mm).

Hakenbüchse

Die früheren und schwereren Hakenbüchsen waren noch klobige Weiterentwicklungen der Faustrohre, die man allerdings mittels Kolben und Luntenschloss entscheidend verbessert hatte. Sie eigneten sich aufgrund ihrer Schwerfälligkeit ausschließlich als Verteidigungswaffen, quasi um von der Burgmauer herab zu schießen; einige frühe Modelle mögen sich auch nur durch Kolben und Haken von einem Handrohr unterschieden haben und wurden (wie gehabt) abgefeuert, indem man die Lunte händisch an das Zündloch führte. Aus den Hakenbüchsen wurden Anfang des 16. Jahrhunderts die deutlich handlicheren Arkebusen entwickelt. Sie waren die kürzeren und leichteren Zwillinge der Musketen – die so schwer waren, dass sie stets eine Stützgabel erforderten – und konnten auch von Reitern genutzt werden; somit ermöglichten sie erstmals berittene Schützen und stellen also die Vorläufer der Karabiner dar.[1]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie, Begriffsklärungen

Arkebuse ist von der französischen Bezeichnung arquebuse abgeleitet, einer Verballhornung des deutschen Wortes Hakenbüchse.[1] Beide Bezeichnungen verweisen auf einen eisernen Haken unter dem Lauf von frühen Hakenbüchsen: mit diesem konnte man die Feuerwaffe auf einer Unterlage wie einer Mauer oder einem Ast fixieren (einhaken) um den enormen Rückstoß abzufangen.[1]

Die Begriffe Hakenbüchse und Arkebuse werden teils speziell (Hakenbüchse für die älteren, klobigeren Modelle, Arkebuse für die moderneren, handlicheren Bauarten), teils synonym verwendet.

Obwohl sowohl Hakenbüchsen als auch Arkebusen den Haken im Namen führen, ist er nur bei frühen Ausführungen der Hakenbüchse anzutreffen; Arkebusen haben ihn generell nicht.

Während moderne Büchsen einen gezogenen (spiralförmig gerillten) Lauf haben, war dieser bei Hakenbüchse und Arkebuse stets glatt (einfachere Konstruktion, höhere Austrittsgeschwindigkeit, geringere Zielgenauigkeit) wie bei einer modernen (Schrot-) Flinte.

Historische Entwicklung

Die frühen Hakenbüchsen waren noch sehr schwer (nach Brockhaus[1] ca. 7 kg, nach anderen Angaben sogar bis zu 25 kg).

Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden dann in Frankreich leichtere Modelle entwickelt, die man in Deutschland als Arkebusen bezeichnete, und die sich auch für die Kavallerie eigneten. Daraus entstand die Truppengattung der Arkebusierreiter.

Die Treffgenauigkeit sowohl der Hakenbüchsen als auch der Arkebusen (sowie der Musketen) war relativ gering, so dass ihr Einsatz nur auf kurze Distanz oder massiert als Batterie sinnvoll war.

Verwendung in Europa und Japan

Japanische Arkebusen (Hinawajuu)
Japanische Arkebusen (Hinawajuu)

Insbesondere während der Schlacht bei Pavia im Jahre 1525 stellten die Arkebusiere die Schlagkraft ihrer Feuerwaffen unter Beweis. 1575 entschieden 3000 Arkebusenschützen in Japan die Schlacht von Nagashino gegen Kavallerieangriffe der gegnerischen Samurai für Oda Nobunaga. Danach wurden diese Feuerwaffen, die im Gegensatz zu ihren europäischen Gegenstücken wetterfest waren, bis zum Boshin-Krieg (1868/69) seitens der Samurai als unehrenhaft geächtet.

Im späten 16. Jahrhundert bildeten die Musketiere die schwere Infanterie, während die Arkebusiere die leichte Infanterie darstellten. Jene traten zuerst um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Piemont und Frankreich auch als berittene Truppe auf, die zum Gefecht aber meistens absaß und aus der sich später die Dragoner entwickelten.

Die dem französischen Vorbild in Deutschland nachgebildeten Abteilungen berittener Arkebusiere nannte man Hakenschützen oder Bandelierreiter – nach dem quer über die Schulter getragenen Bandelier zum Anbringen der Patronenhülsen.

Fußnoten

  1. a b c d e Artikel ‚Arkebuse‘ in der Brockhaus Enzyklopädie, Leipzig 1996, ISBN 3-7653-3100-7

Literatur

  • Noel Perrin: Keine Feuerwaffen mehr - Japans Rückkehr zum Schwert 1543-1879 (aus dem Englischen von Udo Rennert). Stuttgart: Klett-Cotta Verlag, 1996 170 S.

Weblinks


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