
Das Benninger Ried ist eine Moorlandschaft bei Benningen (Unterallgäu).
Von Memmingen aus kann das Ried bequem zu Fuß erreicht und umrundet werden. Einst war diese Riedlandschaft sehr viel größer. Durch Kultivierungsmaßnahmen (Trockenlegungen) wurde es auf den heutigen unter Naturschutz stehenden Bereich zurückgedrängt.
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Der Illergletscher der sich in der letzten Eiszeit von den Alpen bis in die Gegend vor Grönenbach vorgeschoben hatte, entließ damals die eiszeitlichen Schmelzwässer die sich in mächtigen weitverzweigten Strömen nach Norden ergossen und das heutige “Memminger Trockental” bildeten (Niederterrassenschotter). Heute führt die Autobahn A7 und die Eisenbahnstrecke Kempten - Memmingen durch diese Ebene. Am westlichen Rand des Tals schlängelt sich die heutige Iller. In der Gegend von Memmingen tritt das Grundwasser großflächig zutage, welches sich durch die mächtigen, in den Eiszeiten gebildeten Schotterfalten und Kiesbänke hindurchgearbeitet hat (Günz-, Mindel- Riß- und Würmeiszeit). Auch Wasserläufe des einstigen Rheingletschers, dessen östliche Zungen bis in die Gegend von Leutkirch reichten, treffen sich in der Memminger Gegend. Während seines Durchgangs durch die Schotterschichten löst das kohlensäurehaltige Wasser teilweise den dort reichlich vorkommenden Kalk. Beim Austritt des Wassers in den nach Norden dünner werdenden Schotterdecken wird dann der Kalk wieder ausgeschieden und es bilden sich verdickende Kalkkrusten die auch als Kalktuff bezeichnet werden. Auf den Äckern zeigt sich dieser lockere Kalk als "Alm", als sog. “Weißerde”. Das Wasser für die Memminger Brauerei stammt aus einer Quelle im Benninger Ried.
Auf diesen Kalkböden, zwischen Tümpeln, kleinen Seen, trockenen Riedpolstern, auf Torfmoorpolstern und entlang der Bäche entwickelte sich eine reiche Pflanzenwelt mit z. T. sehr seltenen Arten. Man findet den Kleinen Klappertopf, Wiesenschaumkraut, Teufelskralle, Fettkräuter, Labkräuter, Wollgras, Zittergras, Lilien u.a. Als Prachtstück des Benninger Rieds ist aber die Purpur-Grasnelke zu nennen. Diese Riednelke (das Riednägele) hat, außer am Untersee des Bodensees, hier im Benninger Ried ihren weltweit einzigen Standort und sie gehört somit zu den Endemiten. Von der Pflanze, die früher in dichtem Rasen wuchs, gibt es heute im Ried nur noch wenig Exemplare.
Auch die Tierwelt des Benninger Mooses ist artenreich. Kürzlich wurde ein sehr seltenes Exemplar entdeckt (siehe auch Berichterstattung in der Allgäuer Zeitung vom 5. Juli 2006 (br) unter dem Titel “Einzigartiger Krebs im Benninger Ried”). Demnach soll ein Flohkrebs der Gattung Niphargus mit hoher Wahrscheinlichkeit weltweit nur in Benningen vorkommen. Neben der Riednelke wäre er, wenn sich die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigen, das zweite “Juwel” des Benninger Rieds. Nach umfassenden Untersuchungen der letzten Jahre sind im Ried eine ganze Reihe von Tierarten entdeckt worden die in Bayern und teilweise auch in Deutschland erstmals gesichtet wurden und die zum Teil auf der “Roten Liste” stehen (Wassermilben, Zikaden und Mücken).
Das Benninger Ried ist Schwabens wichtigstes Quell- und Wassereinzugsgebiet. Der Kalkquellensumpf des Rieds leidet unter starker Vegetationsentwicklung und das Quellgebiet droht mit Büschen und Bäumen zuzuwachsen. Ausgelöst wurde die unheilvolle Entwicklung durch Eingriffe des Menschen (Drainagen, Bau von Häusern und Straßen). Der Wasserhaushalt des Rieds, dessen Grundwasserdurchfluss war empfindlich gestört. Wegen seiner weltweiten Bedeutung wurde das Benninger Ried 1996 in ein Naturschutz-Großprojekt aufgenommen, das aus Mitteln der LIFE-Natur-Förderung der Europäischen Union unterstützt wurde. Ziel war es, den Wasserhaushalt im Ried zu optimieren und nachhaltig zu verbessern. Landschaftspflegerische Maßnahmen dienten und dienen noch dazu, den Lebensraum der einzigartigen Vegetation zu sichern. Obwohl das LIFE-Projekt inzwischen ausgelaufen ist, wird die Entwicklung des Benninger Rieds auch weiter wissenschaftlich betreut.
Am Rand des Riedes gibt es auch eine Riedkapelle. Sie wurde im Jahre 1218 erbaut. Alljährlich macht die Benninger Pfarrgemeinde bei ihrer Fronleichnamsprozession Station an der Kapelle. Der Grund für den Bau der Kapelle war ein sogenanntes Hostienwunder, nämlich eine angeblich blutende Hostie.
Nach einer lokalen Legende soll im Jahre 1216 ein Müller nach der Kommunion eine Hostie mit nach Hause genommen haben und dem Nachbarmüller zwischen die Mühlsteine gelegt haben. Am Fest des heiligen Georg begann sie ob dieser Schändung zu bluten.
Innerhalb der Kapelle ist dieses "wundersame Geschehen" vom Maler Johann Friedrich Sichelbein in Gemälden dargestellt. Aus dem Hostienwunder entwickelte sich eine Wunderhostienprozession. Bischof Friedrich von Augsburg legte die Hostie in St. Martin im nahen Memmingen zwecks würdiger Aufbewahrung in ein Schaugefäß. Ein späterer Bischof von Augsburg, Kardinal Peter von Schaumberg hat im Jahr 1447 allerdings nach persönlicher Prüfung den eucharistischen Kult des Heiltums verboten.
Abt Gallus von Ottobeuren ließ die Kapelle 1674 erneuern und vergrößern, nachdem sie 1586 übel zugerichtet wurde. 1718 bekam sie einen neuen Turm. Im jetzigen Zustand wurde sie am 17. Juni 1987 nach einer umfangreichen Renovierung wieder eröffnet.
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