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Karlshorst |
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| Koordinaten | 52° 28′ 57″ N, 13° 31′ 33″ O52.482513.5258333333337Koordinaten: 52° 28′ 57″ N, 13° 31′ 33″ O | |
| Einwohner | 20.961 (30. Juni 2008) | |
| Eingemeindung | 1. Okt. 1920 | |
| Postleitzahl | 10318 | |
| Ortsteilnummer | 1102 | |
| Verwaltungsbezirk | Lichtenberg | |
| Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg | ||
Karlshorst ist ein Ortsteil im Berliner Verwaltungsbezirk Lichtenberg. Er entstand im 19. Jahrhundert.
Inhaltsverzeichnis |
Die erste urkundliche Erwähnung Karlshorsts erfolgte am 11. September 1825 als Vorwerk Carlshorst. Als eigentliches Gründungsdatum gilt jedoch der 25. Mai 1895, als mit der Kolonie Karlshorst die ersten Wohnhäuser, unter anderem in der heutigen Lehndorffstraße, errichtet wurden. Die nachfolgende Bebauung entlang der früheren „Straße nach Cöpenick“ vollzog sich nach den grundlegenden Vorstellungen von Oscar Gregorovius über mehrere Jahrzehnte je nach der Finanzlage der Grundstückskäufer. Die Schreibweise Karlshorst wurde am 24. Juni 1901 offiziell festgelegt.
Nach der Fertigstellung des S-Bahnhofs 1902 konnte man sowohl Berlin als auch das Naherholungsgebiet um den Müggelsee in Köpenick problemlos und schnell erreichen. So avancierte die Villenkolonie schnell zu einem der beliebtesten Vororte der Hauptstadt und wurde oft als „Dahlem des Ostens“ bezeichnet.
Nach Plänen des Architekten Peter Behrens entstand zwischen 1919 und 1921 südwestlich der Eisenbahnstrecke die „Waldsiedlung“ mit zweigeschossigen Ein- bis Vierfamilienhäusern sowie Hausgärten und Stallungen für Kleintierhaltung.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde im Offizierskasino der Pionierschule 1 in Karlshorst, das während der Schlacht um Berlin das Hauptquartier der 5. Stoßarmee der Roten Armee war, jene Kapitulationsurkunde unterzeichnet, die die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht bestätigte. Dasselbe Gebäude diente dann bis 1949 als Hauptquartier der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Der Name „Karlshorst“ diente während dieser Zeit oft in der Presse als Synonym für die SMAD.
Zwischen 1945 und 1962 war der nördliche Bereich von Karlshorst zu großen Teilen sowjetisches Sperrgebiet, das ab 1949 jedoch von deutschen Bewohnern betreten werden konnte. Ein sogenanntes „Russenmagazin“ avancierte in dieser Zeit zu einer Einkaufsmöglichkeit mit moderaten Preisen und ohne Lebensmittelmarken. Die im Sperrgebiet stehenden kirchlichen Anlagen wie die Marienkirche oder die evangelische Kirche Zur frohen Botschaft wurden von den Militärs entwidmet und meist zu Lagerzwecken benutzt.
Zunächst wurde das besetzte Gebiet auf die östlich der Treskowallee gelegenen Straßen und Plätze verkleinert, die Sperrmauer von der Magistrale zurückgezogen. Die frühere Wehrmachtsschule diente dem Oberkommando der Sowjetischen Streitkräfte in der DDR bis zum späteren vollständigen Truppenabzug als Hauptstandort. In dem Raum der Kapitulation wurde mit Unterstützung von DDR-Politikern ein sogenanntes „Kapitulationsmuseum“ eingerichtet. Daraus entstand ab 1991 das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst, das der Kapitulation und der Entwicklung der deutsch-sowjetischen bzw. deutsch-russischen Beziehungen seit 1945 gewidmet ist.
In den folgenden Jahren führte die „Paradestrecke“ für Staatsgäste der DDR über die Treskowallee, die damals Hermann-Duncker-Straße hieß. Als neuer Standort für die in Karlshorst stationierten Truppen wurde ein größeres Areal südlich der Trabrennbahn mit Kasernen bebaut und mit einer Mauer umgeben. Daneben kamen in den 1970er-Jahren für die Offiziere und deren Familien noch einige Plattenbauten, die nach 1994 abgerissen wurden.
1994 wurden gemäß den Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages die letzten russischen Soldaten aus Karlshorst abgezogen.
Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Wohnhäusern und der Ausbau der Infrastruktur führten ab 1994 dazu, dass sich Karlshorst wieder zu einem gefragten Wohngebiet entwickelte. Der Erhalt der Trabrennbahn, der Neubau exklusiver Ein- und Zweifamilienhäuser und zahlreiche neue Siedlungsprojekte sind dabei besonders erwähnenswert.
Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich in Karlshorst Industriebetriebe an: In erster Linie ist die Fliegerstation relevant, für die am östlichsten Rand der Wohnbebauung Hallen für die Unterbringung und Wartung von Flugzeugen errichtet wurden. Bald folgten am westlichen Rand, teilweise übergreifend auf Rummelsburg, ein großes Gaswerk mit eigener Wohnsiedlung sowie das Kraftwerk Klingenberg.
Das schnelle Wachstum der Bevölkerung in Karlshorst machte den Bau mehrerer Schulen erforderlich: In der Treskowallee wurde 1914 ein großer Schulkomplex errichtet (Kant-Gymnasium und Lyzeum), aus dem ab 1950 die „Hochschule für Ökonomie“ gebildet wurde, die heutige Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW). Wenige hundert Meter weiter, im Römerweg, entstand 1935 eine weitere Gemeindeschule, in der seit 1994 das 8. Gymnasium des Bezirks Lichtenberg untergebracht ist. In der Gundelfinger Straße wurde eine weitere Gemeindeschule eingeweiht.
Im Dritten Reich wurde die „Pionierschule I“ zwischen Rheinsteinstraße und Zwieseler Straße mit etwa 20 Einzelgebäuden gebaut, darunter ein großes Hörsaalgebäude und ein Hochbunker. Nach der Umbenennung in „Festungspionierschule“ diente sie ab 1942 der Ausbildung von Offizieren für die faschistische Wehrmacht.
Bereits 1910 wurde auf einer großen Fläche am südlichen Rand von Karlshorst an der Grenze zu Oberschöneweide das „Königin-Elisabeth-Hospital“ errichtet. Ab 1950 diente das Krankenhaus ausschließlich der medizinischen Versorgung der sowjetischen Militärangehörigen; nach deren Abzug standen die denkmalgeschützten Häuser lange Jahre leer. Erst seit Beginn der 2000er-Jahre sind einige Häuser saniert und werden von einer Behindertenschule genutzt.
Um 1930 wurde das „St.-Antonius-Hospital“ in der Rheinsteinstraße erbaut, aus dem die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) entstand.
Die ersten Straßen der Kolonie trugen Namen nach der königlichen Familie, die später angelegten Straßenzüge benannte man nach Persönlichkeiten aus Karlshorst sowie nach Städten oder Burgen vom Rhein (Boppard, Marksburg, Stolzenfels). Die frühere Ohm-Krüger-Straße wurde 1975 in Johannes-Zoschke-Straße umbenannt. Die Rheinsteinstraße hieß von 1976 bis 1992 Fritz-Schmenkel-Straße. Die Warmbader Straße bekam 1976 den Namen Robert-Siewert-Straße nach dem Antifaschisten Robert Siewert und trägt diese Bezeichnung noch heute.
→ siehe Hauptartikel Treskowallee (Kreise 1, 14, 15, 17, 18)
Weitere Straßen (von Norden nach Süden)
Gregoroviusweg: Benannt nach dem Baumeister Oscar Gregorovius, der für die Entstehung von Karlshorst Wesentliches geleistet hat
Brascheweg: Benannt nach Jägermeister Brasche, einem Karlshorster Original aus dem 19. Jahrhundert
Römerweg 34–36: Am Wohnhaus von Hans und Hilde Coppi war eine Gedenktafel angebracht.[1]
Das Gebäude des „8. Gymnasiums Lichtenberg“ im Römerweg trug den Namen „Hans-und-Hilde-Coppi-Schule“ und steht unter Denkmalschutz.[2]
Römerweg 36–38: Hier wird mit einer Tafel Robert Siewert geehrt. (alle Kreis 3)
Robert-Siewert-Straße 67: Friedhof mit Kapelle[3] und Grabmalen von Gregorovius [4] und Georg Knorr (Kreis 2)
Zwieseler Straße 4, 10–50: Ehemalige Wehrmachts-Pionierschule aus den Jahren 1936-1938, heute Museum Karlshorst[5] (Kreis 6) mit historischem Hochbunker[6]
Cäsarstraße: Einige Reihenhäuser, die als erste in Deutschland errichtete Häuser in Plattenbauweise gelten (für Lasten bis zu sieben Megapond), stehen hier. Die Platten wurden auf der Baustelle angefertigt und mit einem Portal-Bockkran weiter verarbeitet.[7] (Kreis 4)
Hönower Straße Ecke Treskowallee: Dieses Eckhaus war bis ca. 1980 Sitz der Chinesischen Botschaft, später der Iranischen Botschaft, etwa 15 Jahre stand es leer, im Jahre 2008 wurde begonnen, es als Büro- und Geschäftshaus herzurichten. (Kreis 5)
Waldowallee: Straßenname zu Ehren von Wilhelm von Waldow vergeben
Waldowallee 117: Bundesamt für Strahlenschutz
Östlich der Köpenicker Allee schließen sich noch weitere Denkmalensembles an: das ehemalige St.-Antonius-Hospital sowie sechs ehemalige Flugzeughallen der „Fliegerstation Friedrichsfelde“.[8][9] (Kreis 7)
Weseler Straße: Kirche Zur frohen Botschaft (Kreis 9)
Gundelfinger Straße 37: St. Marienkirche und Gemeindehaus (Kreis 8) sowie
Gundelfinger Straße 42–45 und 52–54 Wohnhäuser unter Denkmalschutz[10] [11] und Gundelfinger Straße 10/11 Baudenkmal Gemeindeschule[12] (alle Kreis 8)
Marksburgstraße 46–52: Doppelhäuser aus den Jahren um 1900[13]
Dönhoffstraße: Trägt ihren Namen seit 1898 nach August Karl Reichsgraf von Dönhoff-Friedrichstein.
Dönhoffstraße 3: Historische Apotheke im Fachwerkstil
Dönhoffstraße 11: Wohnhaus von Hedwig Courths-Mahler mit Gedenktafel
Dönhoffstraße 31: Feuerwache von 1905[14]
Dönhoffstraße 38: Ehemaliges Laboratorium des Vereins deutscher Portland-Cement-Fabrikanten – Das 1901 für das „Cement-Labor“ errichtete Gebäude (Erweiterungen 1927) diente nach dem Zweiten Weltkrieg erst der Botschaft Algeriens, dann der Mongolei; unter einem Garten ist ein Luftschutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen; heute Wohn- und Bürohaus sowie Sitz der Außenstelle des „Archivs der Parteien und Massenorganisationen in der DDR“, auch eine Ausstellung über den Verein deutscher Portland-Cement-Fabrikanten ist darin zu sehen. (alle Kreis 10)[15][16]
Stolzenfelsstraße 1–9: Mietvillen und –häuser von 1910/1911 bzw. 1929 unter Denkmalschutz[17] (alle Kreis 11)
Stolzenfelsstraße 2–4: Der grau verputzte Bau mit einer Grundfläche von etwa 1600 m² wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als deutsche Reparationsleistung für Angehörige der Roten Armee errichtet und diente als Offiziers-Kasino. Nach dem Abzug der Russischen Armee wurde es bis etwa 2000 durch das Theater Karlshorst bespielt. Das (nun vorerst teilweise genutzte) Bauwerk ist ein Beispiel für einfache Funktionsbauten der Nachkriegszeit und deshalb unter Denkmalschutz gestellt.[18][19]
Einzugsbereich Ehrlichstraße/Blockdammweg:
Ehrlichstraße 12/12a: Standort des früheren Wohnhauses von Oscar Gregorovius mit einer vom Bildhauer Achim Kühn 1998 angefertigten Gedenktafel
Lehndorffstraße 3, 7–8 und 10: Denkmalensemble mit Siedlungshäusern von 1895, Teil der einstigen Kolonie Carlshorst (hierzu gehören außerdem die Liepnitzstraße, Müritzstraße, Stechlinstraße, Üderseestraße und weitere)[20]
Waldsiedlung Wuhlheide (gelegen um den Hegemeisterweg mit Gleyeweg, Oskarstraße): In den Jahren 1919/1920 ausgeführte erste Etappe einer von Peter Behrens geplanten Siedlung von zweigeschossigen Reihenhäusern, die unter Denkmalschutz steht. (Kreis 16)[21] – Die zweite Etappe des Ausbaus erfolgte 1937 nicht nach den Originalplänen.
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Luftbild von Karlshorst |
Marienkirche und Gemeindehaus in der Gundelfingerstraße |
„Portland-Cement-Haus“ in der Dönhoffstraße |
Ehemaliges Kreiskulturhaus Karlshorst, jetzt Musikschule Lichtenberg |
Vom Beginn des 20. Jahrhunderts an gehörte die Trabrennbahn Karlshorst zu den wichtigsten Attraktionen des Ortes und war ein wesentlicher Faktor bei dessen Aufschwung.
Die evangelische Kirche „Zur frohen Botschaft“, 1960 wieder als Kirche geweiht, birgt die berühmte Amalien-Orgel. Diese wurde 1753/1755 von Johann Peter Migendt für die Prinzessin Anna Amalia von Preußen, die Schwester Friedrichs des Großen, gebaut und ist die älteste erhaltene Orgel Berlins.
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