Bielefeld


Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen; zu weiteren Bedeutungen siehe Bielefeld (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Stadtwappen der kreisfreien Stadt Bielefeld Lage der kreisfreien Stadt Bielefeld in Deutschland
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Status: Kreisfreie Stadt
Geografische Lage: 52° 1′ N, 8° 31′ O7Koordinaten: 52° 1′ N, 8° 31′ O
Höhe: 118 m ü. NN
Fläche: 257,8 km²
Einwohner: 324.912 [1](31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 1.260 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 33501–33739 (alt 4800)
Vorwahlen: 0521, 05202, 05203, 05205, 05206, 05208, 05209
Kfz-Kennzeichen: BI
Gemeindeschlüssel: 05 7 11 000
NUTS: DEA41
UN/LOCODE: DE BFE
Stadtgliederung: 10 Stadtbezirke
Hausanschrift der Stadtverwaltung: Niederwall 23
33602 Bielefeld
Website: www.bielefeld.de
Politik
Oberbürgermeister: Eberhard David (CDU)
Schulden: 49,5 Mio. € (2008)[2]
Bevölkerung (Stand: 31. Dezember 2006)
Ausländeranteil: 12,0 %
Arbeitslosenquote: 9,9 % (1. Juli 2008)
Altersstruktur: [3]
0–20 Jahre: 19,6 %
20–65 Jahre: 59,8 %
ab 65 Jahre: 20,6 %
Lage
Lage Bielefelds im Regierungsbezirk Detmold

Bielefeld ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Detmold im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Mit knapp 325.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe und gilt als ihr wirtschaftliches Zentrum. Zusammen mit seinem dichtbesiedelten Umland in den Kreisen Herford, Lippe und Gütersloh bildet Bielefeld einen der Verdichtungsräume Deutschlands. Prägend ist die Lage an einer der „Döhren“ (Übergänge) des Teutoburger Waldes.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Bielefeld hat Anteil an drei recht unterschiedlichen Naturräumen. Der Norden und Nordosten liegen in der Hügellandschaft der Ravensberger Mulde. Auch das Stadtzentrum gehört noch dazu, es wird aber schon von dem sich unmittelbar südlich anschließenden Teutoburger Wald überragt. Jener durchzieht Bielefeld mittig von Westnordwest nach Ostsüdost. Eine günstige Querungsmöglichkeit des Mittelgebirgszuges und daher von jeher wichtige Verkehrsader ist der Bielefelder Pass, von dem aus sich der Stadtbezirk Gadderbaum (mit Bethel) in die Quertäler hinein erstreckt. Im Süden hat Bielefeld mit den Stadtbezirken Brackwede, Senne und Sennestadt Anteil an der Emssandebene, erwähnenswert ist hier insbesondere das Gebiet der Senne im Südosten.

Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich in Lämershagen mit 320 m über Normalnull, der niedrigste in Brake mit 73 m. Das Rathaus liegt auf einer Höhe von 114 m. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 19 und in West-Ost-Richtung 21 km. Es gibt keinen größeren Fluss im Stadtgebiet von Bielefeld. Der nordöstliche Teil der Stadt entwässert über die Aa in die Weser, während das Wasser aus dem südwestlichen Teil der Ems zufließt.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Hannover (ca. 100 km nordöstlich), Osnabrück (ca. 45 km nordwestlich), Münster (ca. 65 km westlich), Hamm (ca. 60 km südwestlich) und Paderborn (ca. 40 km südöstlich).

Nachbargemeinden

Bielefeld grenzt an folgende Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden):
Spenge, Enger, Herford (alle Kreis Herford), Bad Salzuflen, Leopoldshöhe, Oerlinghausen (alle Kreis Lippe) sowie Schloß Holte-Stukenbrock, Verl, Gütersloh, Steinhagen, Halle (Westf.) und Werther (Westf.) (alle Kreis Gütersloh)

Stadtgliederung

Lage der Stadtbezirke im Stadtgebiet
Lage der Stadtbezirke im Stadtgebiet

Das Stadtgebiet Bielefelds ist in zehn Stadtbezirke eingeteilt. Jeder Stadtbezirk hat eine von der Bevölkerung gewählte Bezirksvertretung, die aus 19 Mitgliedern besteht. Vorsitzender der Bezirksvertretung ist der Bezirksvorsteher. Die Stadtbezirke sind wiederum amtlich in 92 Statistische Bezirke gegliedert. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird für Ortsangaben in Bielefeld üblicherweise eine informelle Einteilung in Stadtteile verwendet. Diese Stadtteile entsprechen oftmals den ehemals selbständigen Gemeinden, die bei den Gebietsreformen von 1930 und 1973 nach Bielefeld eingemeindet wurden.

Die zehn Stadtbezirke mit ihren Stadtteilen sind:

Vorlage:Großes Bild/Wartung/Breite mit Einheit

Blick von der Sparrenburg auf die Bielefelder Innenstadt
Blick von der Sparrenburg auf die Bielefelder Innenstadt

Natur

Botanischer Garten
Botanischer Garten

Mitten durch das Bielefelder Stadtgebiet verläuft der Gebirgszug des Teutoburger Waldes. Er ist stark bewaldet und weist in Bielefeld einige Berge, wie die 302 m hohe Hünenburg auf. An seinen Berghängen entspringen zahlreiche Bäche, die sich durch Bielefeld schlängeln und entweder zur Weser oder zur Ems hin entwässern. Über den Teutoburger Wald führen zahlreiche Wanderwege durch das Bielefelder Stadtgebiet, der bekannteste unter ihnen ist der Hermannsweg. Neben dem Teutoburger Wald in der Mitte der Stadt haben die nördlichen Stadtteile Bielefelds auch Anteil am Ravensberger Hügelland, einer flach hügeligen Landschaft mit Feldern, Wiesen, Bächen sowie kleinen Flüssen. Im Süden des Stadtgebietes hat Bielefeld Anteile an der Senne, einem Heidegebiet mit sehr sandigen Böden. Im Norden der Stadt liegt der künstlich angelegte Obersee. Dieser stellt die größte Wasserfläche der Stadt dar und wurde zur Regulierung des Johannesbaches angelegt.

Bielefeld ist die Großstadt mit den meisten Grünflächen pro Einwohner in Deutschland. Es gibt zahlreiche Parks und Grünflächen innerhalb der Stadt, wie zum Beispiel den Nordpark, den Bürgerpark oder den Botanischen Garten.

Geschichte

Stadtgründung und Mittelalter (1214–1500)

Alter Markt (1980)
Alter Markt (1980)

Die erste Erwähnung der Stadt Bielefeld stammt aus dem Jahr 1214 und findet sich in einer Vertragsurkunde des Grafen Hermann von Ravensberg und des Klosters Marienfeld. Vorher befand sich an dieser Stelle eine Bauernsiedlung, die bereits 1015 als „Biliuelde“ erwähnt wurde, jedoch kaum Bedeutung hatte. Die neu gegründete Stadt sollte der Landessicherung dienen, da sie an der Südgrenze der Grafschaft Ravensberg lag. Außerdem war beabsichtigt, die Stadt zur Kaufmannsstadt und Hauptstadt der Grafschaft auszubauen. Aufgrund ihrer Lage an der Kreuzung mehrerer alter Handelswege und an einem wichtigen Pass über den Teutoburger Wald entwickelte sie sich schnell zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Grafschaft Ravensberg. Sie zog viele Kaufleute aus dem Umland und dem nahe gelegenen Münster an. Wie in der damaligen Zeit üblich, war auch Bielefeld durch Wassergräben und Mauern vom Umland abgetrennt. Man konnte nur tagsüber durch die Stadttore in die Stadt gelangen. Das Stadtbild wurde durch das damals wichtigste Handelszentrum der Stadt geprägt, den heutigen Alten Markt, sowie das Rathaus und die Altstädter Nicolaikirche.

Ab 1293 entwickelte sich aufgrund des Baubeginns der Sparrenburg parallel neben der Altstadt die Neustadt. Sie beheimatete die Bauarbeiter der Sparrenburg und wuchs, anders als die Altstadt, ungeplant, hatte mit der Neustädter Marienkirche eine eigene Kirche und einen eigenen Rat. Auch die Neustadt verfügte über eine eigene Stadtmauer. In der Neustadt gab es drei Siedlungskerne:

  • Das Marienstift
  • Die Handwerkersiedlung (heutige Breite Straße)
  • Adelshöfe (heutige Kreuzstraße)

Nachdem die Ravensberger Grafen ausgestorben waren und es keine Nachkommen gab, fiel die Grafschaft und damit auch die Stadt Bielefeld im Jahr 1346 an die Grafschaft Berg (ab 1423 Jülich-Berg).

Frühe Neuzeit (1500–1700)

Im Jahr 1520 wurden die bis dahin eigenständigen Städte „Neustadt“ und „Altstadt“ zu einer Stadt vereinigt. Die nun geeinte Stadt konnte sich frei entwickeln, da sie weit entfernt vom Machtzentrum der neuen Machthaber (Jülich-Berg) lag. Ein wichtiger Schritt für die Stadt war der Beitritt zur Hanse Ende des 15. Jahrhunderts. Das begünstigte ab dem Ende des 16. Jahrhunderts die Entwicklung Bielefelds zur „Leinenstadt“, was in damaliger Zeit vor allem Leinenhandel bedeutete. Die Bauern des Ravenberger Landes bauten auf ihren für einen ausreichenden Getreideertrag zu kleinen Ackerflächen Flachs an und verarbeiteten ihn in Heimindustrie zu Leinwand. Dieses Leinen wurde in der Legge, einer Art Leinenbörse gesammelt und gehandelt. Daraus resultierte auch ein gewisser Wohlstand, von dem heute noch die Patrizierhäuser am Alten Markt zeugen.

1498 wurde am Jostberg ein Franziskanerkloster gegründet, doch schon 1507 zog dies aufgrund von Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung an den heutigen Klosterplatz in die Altstadt. Dieses Kloster wurde 1829 aufgelöst. Am 30. Oktober 1612 ereignete sich ein schweres Erdbeben in der Stadt, das große Schäden anrichtete. Als Folge des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites kam die Grafschaft Ravensberg mit Bielefeld erstmalig 1609 zum Kurfürstentum Brandenburg (in Bielefeld unterzeichneter „Recess“), endgültig allerdings erst 1666 im Erbvergleich von Kleve. Für das 1618 erworbene Herzogtum Preußen erhandelten sich die brandenburgischen Hohenzollern 1701 die Königswürde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die (abgesehen vom Kloster) lutherische Stadt von der spanischen Besatzung der oberhalb gelegenen Sparrenburg bombardiert.

Industrialisierung (1700–1900)

Bielefeld um 1895
Bielefeld um 1895

Im Jahr 1717 wurde in Bielefeld die erste Straßenbeleuchtung eingeführt. In der Regierungszeit Napoleons bildete der Johannisbach (1929-1973 Nordgrenze der Stadt Bielefeld) mit den anschließenden Flüssen Aa und Werre die Grenze zwischen dem Königreich Westphalen und dem Kaiserreich Frankreich, das damals auch die nordwestdeutsche Küstenregion umfasste.

1830 geriet die Leinenindustrie in eine schwere Krise, da in Irland mit der Produktion maschinell gewebter Stoffe begonnen wurde. Da konnte der handgesponnene Leinen qualitativ als auch quantitativ nicht mehr mithalten. Verschlimmert wurde die Situation der Einwohner Bielefelds neben der Krise auch durch eine Ernährungskrise im Jahr 1844. Als jedoch 1847 die Anbindung an die Cöln-Mindener Eisenbahn erfolgte, entwickelten sich rasch Fabriken, da nun Rohstoffe und fertige Waren in großen Mengen in die Stadt gelangen bzw. aus der Stadt geschafft werden konnten. Eine der größten Fabriken zur damaligen Zeit entwickelte sich 1854 mit der „Ravensberger Spinnerei“, die sich zur größten Flachsspinnerei Europas entwickelte. Schon im Jahr 1870 war Bielefeld das Zentrum der Textilindustrie in Deutschland. Hier befanden sich etwa 11 % aller Spindeln und Webstühle Deutschlands. Die Anknüpfung der Industrialisierung an ländliche Heimproduktion und die damit verbundene Herkunft der meisten Industriearbeiter aus bäuerlicher Nebenerwerbswirtschaft spiegelt sich in der Stadtstruktur: Man wohnte weder in Mietskasernen noch in planmäßig angelegten Siedlungen, sondern vorzugsweise in vom Westfalenhaus abgeleiteten freistehenden Häusern. So begann die Zersiedlung in und um Bielefeld schon lange vor der Massenmotorisierung.

Am 1. Oktober 1878 wurde die Stadtgemeinde Bielefeld aus dem Kreis Bielefeld ausgegliedert und bildete seitdem einen Stadtkreis. Die Kreisverwaltung des Kreises Bielefeld blieb in der Stadt.

Neben der Textilindustrie entwickelte sich auch der Maschinenbau, womit zum Ende des 19. Jahrhunderts keine Maschinen mehr importiert werden mussten. Auch heute noch ist Bielefeld der fünftgrößte Maschinenbaustandort Deutschlands. Die Nahrungsmittelindustrie entwickelte sich ebenfalls zum Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Oetker-Konzern entstand einer der größten Nahrungsmittelhersteller Europas. Begonnen hat August Oetker in seiner Apotheke in der Niedernstraße mit dem Verkauf und Weiterentwicklung von Backpulver.

Auch verkehrstechnisch entwickelte sich die Stadt weiter. 1900 fuhr die erste Straßenbahn, von Anfang an elektrisch.
1901 wurden die Bielefelder Kreisbahnen nach Schildesche, Werther und Enger eröffnet (Schmalspurbahn, stillgelegt im Februar 1954).

Entwicklung zur Großstadt (1900–1933)

Dank der florierenden Industrie stieg die Einwohnerzahl stark an. Daran konnte auch der Erste Weltkrieg nichts ändern. Der entscheidende Schritt in Richtung Großstadt aber waren die Eingemeindungen von 1930. In diesem Jahr wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Schildesche, Sieker, Stieghorst sowie Teile von Heepen und Gadderbaum eingemeindet. Die Einwohnerzahl stieg von 89.719 im Jahr 1929 auf 129.963 nach den Eingemeindungen, womit Bielefeld zur Großstadt wurde.

Nationalsozialismus und II. Weltkrieg (1933–1945)

Als im Jahr 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde wie in anderen deutschen Städten auch, der regierende Oberbürgermeister durch einen Mann aus der NSDAP ersetzt. In Bielefeld wohnten 900 Juden, und die Stadt verfügte über eine prächtige Synagoge mit einer weithin sichtbaren Kuppel. Diese wurde 1938 in der Reichspogromnacht zerstört. Die meisten der in Bielefeld lebenden Juden kamen in Vernichtungslagern ums Leben (siehe z.B. Tana Berghausen und Ruben Baer). Nur wenige überlebten die Lager oder hatten rechtzeitig ins Ausland fliehen können. Die Stadt war außerdem Sitz einer übergeordneten Gestapostelle, von der aus Massendeportationen für die Länder Lippe, Schaumburg-Lippe und für den Regierungsbezirk Minden organisiert wurde.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Industrie in der Stadt auf die Rüstung um. Da immer mehr Männer aufgrund des Krieges eingezogen wurden, mangelte es recht schnell an Arbeitern. Infolgedessen wurden insgesamt 14.721 Menschen, überwiegend Ukrainerinnen und Polen, in die Region Bielefeld verschleppt und zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Die ersten Bombenangriffe auf Bielefeld fanden im Juni 1940 statt, richteten jedoch keinen großen Schaden an. Der größte Bombenangriff auf die Stadt ereignete sich am 30. September 1944. Bei diesem Angriff kamen 649 Menschen ums Leben und der Großteil der Altstadt wurde zerstört. Während der Krieg vor diesem Zeitpunkt in Bielefeld recht ruhig verlief, brach nun Chaos aus, da ein großer Teil der Infrastruktur zerstört wurde. Insgesamt kamen in Bielefeld 1.347 Menschen durch Bombenangriffe ums Leben. Allerdings sind hier jene Toten, die im Landkreis durch Bombenangriffe starben, nicht mitgezählt. Es wurden 15.688 Wohnungen beschädigt oder zerstört.

Die Stadt wurde am 4. April 1945 weitgehend kampflos an US-amerikanische Truppen übergeben.

Wiederaufbau (1945–1960)

Die Zeit nach dem Krieg war durch eine große Aufbruchstimmung geprägt. Viel zerstörte historische Bausubstanz wurde durch moderne Bauten ersetzt, die der Stadt ein völlig neues Gesicht gaben. Die Einwohnerzahl stieg durch den Zustrom von Ostvertriebenen sprunghaft an. 1955 betrug sie schon 155.000. Bielefeld übernahm Patenschaften für die Städte Gumbinnen/Ostpreußen (heute Gussew, Russland), Wansen/Schlesien (heute Wiazów, Polen), Münsterberg/Schlesien (heute Ziębice, Polen). Die Textilindustrie verlor immer mehr an Bedeutung, und die Stadt entwickelte sich, wie fast alle Großstädte, zu einem Dienstleistungszentrum. Bielefeld wurde außerdem eine Garnisonstadt der britischen Rheinarmee.

Jüngere und aktuelle Entwicklungen (1960 bis heute)

Im Jahr 1969 wurde die Universität Bielefeld, die einzige in der Region Minden-Ravensberg, gegründet. Seitdem bevölkert zunehmend auch studentisches Publikum die alte Leineweberstadt.

1973 wurden infolge des Bielefeld-Gesetzes der Kreis Bielefeld und die kreisfreie Stadt Bielefeld aufgelöst und (mit Ausnahme weniger Gebiete) zur „neuen“ kreisfreien Stadt Bielefeld zusammengefasst. Die Einwohnerzahl stieg auf über 300.000 an. Verkehrstechnisch war das Jahr 1991 besonders wichtig, da es seitdem ein modernes Stadtbahnsystem, die Stadtbahn Bielefeld, mit unterirdischen Innenstadttunneln gibt. Betrieben wird die Stadtbahn seitdem von der moBiel GmbH, einer Ausgliederung aus den Stadtwerken Bielefeld.

Die wichtigsten Daten im Überblick

Die Bielefelder Skyline bei Nacht: Sparrenburg, Neustädter Marienkirche, Ravensberger Spinnerei
Die Bielefelder Skyline bei Nacht: Sparrenburg, Neustädter Marienkirche, Ravensberger Spinnerei
Jahr Ereignis
1214 Erste Erwähnung als Stadt
1. Hälfte des 13. Jh. Bau der Sparrenburg, die Sitz der Grafen von Ravensberg wird
1236 Entstehung der Nicolaikirche als Pfarrkirche
Ende des 13. Jh. Entwicklung der Neustadt
1340 Baubeginn der jetzigen Altstädter Nicolaikirche
1346 Die Stadt fällt mit Ravensberg an Berg
Ende des 15. Jh. Beitritt zur Hanse
1502 Gründung eines Franziskanerklosters
1520 Zusammenlegung von Alt- und Neustadt
1530 Bau des Crüwell-Hauses
ab 1533 Ausbreitung der Reformation, Zentrum ist die Marienkirche
1538 Errichtung eines neuen Rathauses am Alten Markt
1540 Der Spiegelshof wird erbaut
1558 Gründung des Ratsgymnasiums
Ende des 16. Jh. Beginn der Leinenindustrie
1632 Die Nicolaikirche wird endgültig lutherisch
1614 Die Stadt fällt an (Brandenburg-)Preußen
1717 Erste Straßenbeleuchtung in Bielefeld
um 1830 Krise der Leinenindustrie
1844 Ernährungskrise
1847 Anbindung an die Köln-Mindener Eisenbahn
1854 Gründung der Ravensberger Spinnerei
1856 Gründung des Ceciliengymnasiums als Mädchenschule
um 1870 Bielefeld ist das Zentrum der Textilindustrie in Deutschland
1878, 1. Oktober Bielefeld wird Immediatstadt
1895 Bau des „Eisernen Antons
1896 Gründung der Helmholtz-Schule
1900, 20. Dezember Die erste Straßenbahn rollt
1901, April Die Bielefelder Kreisbahnen fahren nach Enger und Werther
1904 Fertigstellung des Rathauses
1904 Eröffnung des Stadttheaters
1905, 3. Mai Gründung des DSC Arminia Bielefeld
1910 Der Bielefelder Hauptbahnhof wird in Betrieb genommen
1926 Bau der Bielefelder Alm
1928 Eröffnung des Heimat-Tierparks Olderdissen
1930 Bielefeld wird Großstadt
1930, 31. Oktober Eröffnung der Rudolf-Oetker-Halle
1938, 9. November Zerstörung der Synagoge
1941 Anfang der Judendeportationen
1944, 30. September Größter Bombenangriff auf Bielefeld
1968 Eröffnung der Kunsthalle Bielefeld
1969 Gründung der Universität Bielefeld
1971 Gründung der Fachhochschule Bielefeld
1973, 1. Januar Bielefeld-Gesetz: Zusammenlegung des Kreises Bielefeld mit der kreisfreien Stadt Bielefeld
1990 Eröffnung der Stadthalle
1991, 28. April Eröffnung der Stadtbahn Bielefeld
1993 Eröffnung der Seidensticker Halle

Eingemeindungen

Folgende Städte und Gemeinden bzw. Gemeindeteile wurden nach Bielefeld eingegliedert:

Einwohnerentwicklung

Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Bielefeld

Die Bevölkerungszahl Bielefelds überschritt 1930 (in den damals gültigen Grenzen) die Marke von 100.000 und machte die Stadt damit zur Großstadt. 1950 hatte sie über 150.000 Einwohner. Bis 1973 verdoppelte sich diese Zahl durch die Eingemeindung der meisten zum Kreis gehörenden Orte, darunter Brackwede (39.856 Einwohner 1970), Sennestadt (20.187 Einwohner 1970) und Senne I (17.421 Einwohner 1970), auf rund 320.000. Am 31. Dezember 2006 betrug die „ Amtliche Einwohnerzahl“ für Bielefeld nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 325.846 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Damit steht die Stadt unter den deutschen Großstädten an 18., innerhalb Nordrhein-Westfalens an achter Stelle.

Religion

Neustädter Marienkirche
Neustädter Marienkirche

Bielefeld gehörte seit der Gründung zum Bistum Paderborn und war dem Archidiakonat in Lemgo unterstellt. Die erste katholische Kapelle wurde 1236 von der Kirche in Heepen abgetrennt. Um 1553 fasste die Reformation Fuß. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis. Doch gab es nach dem Übergang der Stadt an Preußen ab 1682 auch eine reformierte Gemeinde mit einer eigenen Pfarrkirche. Die Stadt war somit überwiegend protestantisch. Nachdem in ganz Preußen 1817 die Union der lutherischen und reformierten Gemeinden vollzogen wurde, vereinigten sich auch in Bielefeld beide protestantischen Gemeinden zu einer evangelischen Gemeinde. Bielefeld wurde im 19. Jahrhundert auch Sitz einer Kreissynode mit einem Superintendenten innerhalb der Evangelischen Kirche in Preußen bzw. dessen westfälischer Provinzialkirche. Hieraus entstand der heutige Kirchenkreis Bielefeld. 1949 wurde die Verwaltung der nunmehr als Evangelische Kirche von Westfalen bezeichneten Landeskirche von Münster (Westfalen) nach Bielefeld verlegt. Heute umfasst der Kirchenkreis Bielefeld 33 evangelische Kirchengemeinden innerhalb der Stadt Bielefeld. Einige Gemeinden im südlichen Stadtgebiet Bielefelds (Brackwede, Senne und Sennestadt) gehören zum Kirchenkreis Gütersloh.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken in die Stadt. Sie gehörten und gehören bis heute zum 1821 neu umschriebenen Bistum Paderborn, das 1930 zum Erzbistum erhoben wurde. Bielefeld wurde Sitz eines Dekanats, zu dem bis 2006 alle Pfarrgemeinden der Stadt gehörten. Am 1. Juli 2006 wurden die bisherigen Dekanate Bielefeld und Lippe zum neuen Dekanat Bielefeld-Lippe mit Sitz in Bielefeld zusammengelegt.

In Bielefeld waren im Mai 2002 insgesamt 152.092 Personen evangelisch, 52.965 römisch-katholisch, und 117.556 gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder waren konfessionslos.

Ein besonderes Merkmal von Bielefeld sind die zahlreichen diakonischen Werke, die dort seit der Mitte des 19. Jahrhunderts tätig sind. Dazu gehören beispielsweise die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, das Evangelische Johanneswerk und die Evangelische Stiftung Ummeln.

Neben den evangelischen und katholischen Gemeinden in Bielefeld gibt es auch noch verschiedene Freikirchen, darunter eine Freie Evangelische Gemeinde (Christengemeinde – Philadelphia- Kirche), Baptistengemeinden, die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, die Jesus Freaks (Kraftwerk-Gemeinde), die Christusgemeinde Bielefeld, mehrere Mennonitengemeinden und die Koinonia-Gemeinde Bielefeld e. V.

Im Stadtteil Sieker findet jeden Sonntag Nachmittag ein spanischer Gottesdienst in der Ev. Freikirche Sieker statt.

In Schildesche hat die Christengemeinschaft, orientiert an den anthroposophischen Weltanschauungen nach Rudolf Steiner, ihren charakteristischen Kirchenneubau, in der Nähe der Waldorfschule gebaut.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) ist seit 1896 in Bielefeld vertreten und zählt heute etwas 360 Mitglieder. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Bielefeld mit 15 Gemeinden vertreten. Für sie ist Bielefeld eine historische Keimzelle und wichtiger Startpunkt ihrer Ausbreitung in Deutschland. Eine katholisch-apostolische Gemeinde kommt jeden Sonntag zu Gottesdiensten zusammen.

Bielefeld hat eine jüdische Gemeinde mit rund 250 Mitgliedern: die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld K.d.ö.R..

Politik

Altes Rathaus
Altes Rathaus

An der Spitze der Altstadt Bielefeld stand zunächst der vom Landesherrn ernannte Bürgermeister. Doch ist seit 1243 auch ein Rat nachweisbar, der zugleich das Schöffenkollegium bildete. Vorsitzender war ein eigens eingesetzter Richter. Der Rat trat zunächst als „sitzender Rat“ auf. Ab 1520 gab es einen sitzenden und einen „geheimen Rat“. In der Neustadt ist seit 1317 ein Rat und ab 1336 ein Bürgermeister genannt. Der Rat hatte 7 bis 9 Mitglieder. Nach der Zusammenlegung beider Städte 1510 wurde 1520 auch die Verwaltung neu organisiert. Danach wurde jährlich der Bürgermeister ernannt und der Rat gewählt. Ab dem 16. Jahrhundert waren Teile des Rats zugleich Schöffen. Vermutlich hat es ab 1590 eine weitere Umbildung des Rates gegeben. Es erscheinen zwei Bürgermeister, von denen einer als „regierender Bürgermeister“ auftrat. 1719 wurde vom preußischen König eine Neuordnung des Magistratskollegiums verfügt. Der Magistrat bestand danach aus zwei Bürgermeistern, einem Kämmerer, einem Sekretär, vier Ratsherren und sechs Vorstehern. Diese Verwaltungsorganisation wurde erst mit der Einführung der revidierten Städteordnung 1831 geändert. An der Spitze der Stadt stand danach der Bürgermeister, der später den Titel Oberbürgermeister erhielt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone einen neuen Oberbürgermeister ein, und 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten „Rat der Stadt“, dessen Mitglieder man als „Stadtverordnete“ bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, der ehrenamtlich tätig war. Außerdem wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. 1994 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wurde 1999 erstmals direkt vom Volk gewählt.

Bürgermeister, ab 1930 Oberbürgermeister

  • 1780–1812: Florens Consbruch
  • 1812–1817: Conrad Wilhelm Delius
  • 1817–1831: Ernst Friedrich Delius
  • 1831–1834: Adam Junkermann (kommissarisch, da Johann Dietrich Kurlbaum nicht anerkannt wurde)
  • 1835–1853: Friedrich Wilhelm Eduard Körner
  • 1853–1857: Friedrich Clairant Krohn
  • 1857–1881: Ludwig Huber
  • 1881–1910: Gerhard Bunnemann
  • 1910–1932: Rudolf Stapenhorst
  • 1932–1934: Paul Prieß
  • 1934–1945: Friedrich Budde, NSDAP
  • 1945–1946: Josef Niestroy
  • 1946–1952: Artur Ladebeck, SPD
  • 1952–1954: Dr. Hermann Kohlhase, FDP
  • 1954–1961: Artur Ladebeck, SPD
  • 1961–1962: Dr. Rudolf Nierhoff, CDU
  • 1963–1975: Herbert Hinnendahl, SPD
  • 1975–1989: Klaus Schwickert, SPD
  • 1989–1994: Eberhard David, CDU
  • 1994–1999: Angelika Dopheide, SPD
  • 1999 bis heute: Eberhard David, CDU

In der Stichwahl zum Oberbürgermeisteramt am 10. Oktober 2004 erhielt Eberhard David (CDU) 50,06 % der abgegebenen Stimmen und damit 137 Stimmen mehr als SPD-Kandidat Pit Clausen, für den 49,94 % stimmten.

Oberstadtdirektoren 1946–1994

  • 1946–1959: Eberhard Vincke
  • 1959–1974: Heinz-Robert Kuhn
  • 1974–1978: Herbert Krämer
  • 1978–1983: Eberhard Munzert
  • 1984–1987: Klaus Meyer
  • 1987–1994: Volker Hausmann

Stadtrat

Der Rat der Stadt Bielefeld hat gegenwärtig 61 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen (Kommunalwahl vom 26. September 2004):

Wappen

Stadtwappen der kreisfreien Stadt Bielefeld
Stadtwappen der kreisfreien Stadt Bielefeld

Das Wappen der Stadt Bielefeld ist golden, belegt mit einer roten Zinnenmauer mit zwei runden Zinnentürmen und breitem offenen Torbogen [als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung], in diesem ein fünfmal von Silber und Rot gesparrter Schild [von der Grafschaft Ravensberg].

In der Grundform gibt es dieses Wappen seit 1263; damals galt es als Wappen der Altstadt. Als 1520 die Alt- mit der Neustadt vereinigt wurde, wurde das Wappen offizielles Wappen der nun vereinigten Stadt. Bis ins 19. Jahrhundert hat sich daran nichts geändert, doch dann kamen Löwen innerhalb von Wappen immer mehr in Mode, so dass das Wappen von da an von zwei Löwen getragen wurde. Seit 1973 ist das Wappen in Schildform und ohne Löwen das offizielle Wappen der Stadt Bielefeld.

Städtepartnerschaften

Bielefeld unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Öffentliche Einrichtungen

Es gibt einige öffentliche Einrichtungen in Bielefeld aus den unterschiedlichsten Kategorien. Beispielsweise hat die Evangelische Kirche von Westfalen hier ihren Sitz. Daneben gibt es noch zahlreiche andere kirchliche Einrichtungen, wie die Von Bodelschwinghschen Anstalten im Stadtteil Bethel oder das Evangelische Johanneswerk e.V. Abgesehen von den Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft existieren zahlreiche Einrichtungen in staatlicher Trägerschaft, so etwa die ortsansässige Handwerkskammer Ostwestfalen - Lippe und die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld. Auch gibt es zahlreiche Kliniken in der Stadt (insgesamt 11). Hiervon zu nennen wären zum Beispiel die Städtischen Kliniken Mitte einschließlich den dazugehörigen Kliniken an der Rosenhöhe. Außerdem das Evangelische Krankenhaus Bielefeld, welches aus dem Johanneskrankenhaus und den Kliniken Gilead und Mara besteht. In katholischer Trägerschaft existiert das Franziskushospital Bielefeld.

Infrastruktur und Wirtschaft

Der Jahnplatz – ein Verkehrsknotenpunkt
Der Jahnplatz – ein Verkehrsknotenpunkt

Verkehr

Luftverkehr

Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt (ca. 45 km süd-südwestlich von Bielefeld), der über die A 33 zu erreichen ist.

Daneben verfügt Bielefeld im Stadtbezirk Senne in unmittelbarere Nähe der B68 / A2 über einen eigenen kleinen Flugplatz, den Verkehrslandeplatz Bielefeld (EDLI), der vornehmlich von ostwestfälischen Geschäftsleuten, aber auch von Hobbypiloten und Segelfliegern genutzt wird. Über den mittlerweile abgeschlossenen Ausbau der Start- und Landebahn auf 1.300 Meter Länge wurde jahrelang heftig gestritten.

Schienen- und Busverkehr

Bielefeld liegt an der elektrifizierten zwei- bis viergleisigen Hauptbahn KölnDortmundHannover (KBS 370 und KBS 400, siehe auch Bahnstrecke Hamm–Minden), der historischen Köln-Mindener Eisenbahn. Im Stadtteil Schildesche überquert die Strecke auf dem nördlichsten Viadukt Deutschlands das Tal des Johannisbaches. Am Hauptbahnhof zweigt die Begatalbahn nach Lemgo über Oerlinghausen und Lage ab. Am Bahnhof Brackwede zweigen die eingleisigen Nebenbahnen Haller Willem nach Osnabrück über Halle (Westf) und die Senne-Bahn nach Paderborn über Sennestadt ab. Im Stadtgebiet gibt es 11 Bahnhöfe bzw. Haltepunkte.

Für die Zugverbindungen im Fern- und Nahverkehr siehe Hauptartikel Bielefeld Hauptbahnhof.

Den öffentlichen Personennahverkehr bedienen vier Stadtbahnlinien, Regionalbahnen und Stadtbusse. Die Stadtbahn Bielefeld fährt im Innenstadtbereich unterirdisch. Alle Stadtbahnen halten an den U-Bahnhöfen Hauptbahnhof und Jahnplatz sowie am Rathaus. Am Wochenende (Fr/Sa, Sa/So) und vor Feiertagen fahren Nachtbusse auf einem besonderen Nacht- und Frühverkehrsnetz (sonntags bis ca. 8.30 Uhr).

Siehe auch: Nahverkehr in Bielefeld.

In allen Stadtbahnen, Regionalbahnen und Bussen (ausgenommen Nachtbusse und NachtExpress) gilt der Sechser-Tarif des Verkehrsverbundes OstWestfalenLippe.

Straßen

Ostwestfalendamm
Ostwestfalendamm

Durch das Stadtgebiet Bielefelds führen die Bundesautobahnen A 2 und A 33 sowie die Bundesstraßen B 61, B 66 und B 68, wobei letztere voraussichtlich mit der Fertigstellung der A 33 im Bereich Bielefeld nicht mehr als Bundesstraße gewidmet sein wird.

In den 1950er-Jahren plante man für die Hauptverbindungen in Richtung Gütersloh, Herford, Lippe und Werther leistungsfähige Straßen, die zum Teil bestehende Straßenzüge verwenden und zum Teil über neue Trassen verlaufen sollten. Die Neubaustücke waren weitgehend anbaufrei vorgesehen.

Etwa ein Jahrzehnt später ging man noch einen Schritt weiter, indem man die geplanten Straßenzüge als Autobahn vorsah. Bislang wurde davon lediglich der Ostwestfalendamm im Zuge der B 61 zwischen den Stadtteilen Brackwede und Mitte verwirklicht. Nach Fertigstellung der A 33 wird er ebenso als Autobahnzubringer für Bielefeld-Zentrum genutzt werden können. Immer noch vorgesehen, aber durchaus umstritten, sind Schnellstraßen im Zuge der B 66 im Osten und der L 712 (Ostwestfalenstraße) im Nordosten der Stadt. Weitergehende Planungen wurden verworfen und sollen in der nächsten Zeit aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden.

Fahrradverkehr

Bielefeld ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Am Bahnhof befindet sich eine Fahrradstation mit Parkhaus, ein Rad-Center mit Werkstatt und Verkauf sowie eine Geschäftsstelle des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.

Wirtschaftsprofil

Bielefeld war lange Zeit das Zentrum der Leinenindustrie. Doch die Industriezweige haben sich gewandelt. Heute ist Bielefeld vor allem Standort der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Druck- und Bekleidungsindustrie, sowie der Bauwirtschaft und des Maschinenbaus.

34 % der Beschäftigten sind im verarbeitenden Gewerbe tätig, 18 % im Handel und 48 % im Dienstleistungssektor. In Bielefeld arbeiten 11 % der Beschäftigten im Gesundheitssektor, das ist über Landes- und Bundesdurchschnitt. Größter Arbeitgeber in Bielefeld sind die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel.

Handel

Neben Großhändlern wie EK, AVA und Beauty Alliance hat Bielefeld als Oberzentrum in OWL auch im Einzelhandel eine wichtige Rolle. Der erste SB-Markt stand z.B. in Bielefeld. Wichtige Einzelhändler der Innenstadt sind sowohl im EHV OWL engagiert, wie auch in zahlreichen Werbegemeinschaften. Hier sind besonders die Werbegemeinschaft in der City Bahnhofstraße sowie die Werbegemeinschaft Altstadt zu nennen.

Medien

WDR Studio Bielefeld
WDR Studio Bielefeld

In Bielefeld hat der WDR ein Studio eingerichtet. Hier werden die Regionalprogramme in Radio und Fernsehen für Ostwestfalen-Lippe produziert und ausgestrahlt. Im Gebäudezentrum finden wechselnde Kunstausstellungen statt.

Als Tageszeitungen erscheinen in Bielefeld die Neue Westfälische und das Westfalen-Blatt. Das Lokalradio Radio Bielefeld ist in der ganzen Stadt auf 98,3 MHz und 97,6 MHz zu empfangen. Mit 50 Watt sendet außerdem das Campusradio Hertz 87,9 in weite Teile der Stadt und das nichtkommerzielle Einrichtungsradio Antenne Bethel ist im Stadtteil Gadderbaum werktäglich von 18 bis 19 Uhr auf 94,3 MHz zu hören. Am 17. November 2005 startete der lokale Fernsehsender Kanal 21. Das „Bielefelder Bürgerfernsehen“ kann mit einer Lizenz als so genannter Offener Kanal mehr als 80.000 Kabelhaushalte erreichen. Im Ortsteil Brackwede befindet sich das "Medienarchiv Bielefeld", das sich u. a. zum Ziel gesetzt hat, Spiel- und Dokumentarfilme sowie Tondokumente für spätere Generationen zu erhalten. Der Bestand des Archivs umfasst 2008 ca. 7.700 Filme auf über 40.000 Rollen und mehrere tausend Magnetbänder.[4]

Seit 1989 erscheint alle 14 Tage die Stadtillustrierte ULTIMO, seit 1996 auch in Form einer Internetausgabe. Im Jahr 2000 startet das Internetangebot WebWecker, das ebenfalls Themen rund um das Bielefelder Stadtleben behandelt. Auch einige Blogs befassen sich mit dem Bielefelder Stadtgeschehen, etwa das Sparrenblog von Mischael-Sarim Verollet, sowie das hauptsächlich auf Themen rund um den Bundesligisten Arminia Bielefeld spezialisierte blog05.

Ortsansässige Unternehmen

Siehe Liste der Unternehmen in Bielefeld

Bildung

Universität Bielefeld
Universität Bielefeld
Zentrale Halle der Universität
Zentrale Halle der Universität
Die Hans-Ehrenberg-Schule, eines von zehn Bielefelder Gymnasien
Die Hans-Ehrenberg-Schule, eines von zehn Bielefelder Gymnasien

Staatliche Hochschulen

Die Universität Bielefeld ist die einzige Universität in der Region Minden-Ravensberg und mit 18.000 Studenten die größte Hochschule in Bielefeld. Sie wurde 1969 gegründet.

Die Fachhochschule Bielefeld unterhält eine Abteilung in Bielefeld selbst, sowie eine weitere in Minden. Sie bietet zahlreiche Studiengänge aus den Feldern Ingenieurwissenschaften, Gestaltung, Soziales/Pflege/Gesundheit und Wirtschaft an. Die FH beherbergt heute 6.800 Studenten und wurde 1971 gegründet.

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW unterhält in Bielefeld eine von insgesamt sechs Abteilungen. Der Bielefelder Abzweig wurde 1976 gegründet und beinhaltet die Fachbereiche Kommunaler Verwaltungsdienst, Staatlicher Verwaltungsdienst und Polizeivollzugsdienst.

Kirchliche Hochschulen

Die Kirchliche Hochschule Bethel wurde 1905 gegründet und ist Teil der von Bodelschwinghschen Anstalten und staatlich anerkannt. Sie geht auf die Ideen Friedrich von Bodelschwinghs zurück. Die Studiengänge für Evangelische Religion (Lehramt) und zum Evangelischen Pfarramt laufen demnächst aus. Die „KiHo“ wird als Hochschule für Diakonie weitergeführt.

Private Hochschulen

Es gibt in Bielefeld zurzeit vier private Hochschulen:

Die Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld (kurz FHM), wurde im Jahr 2000 gegründet und bietet speziell auf den Mittelstand ausgerichtete, staatlich anerkannte Studiengänge aus den Bereichen Medien, Informatik und Wirtschaft an.

Die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) wurde 1993 in Paderborn durch das Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe gegründet. Die staatlich anerkannte Schule unterhält seit 2001 einen Standort in Bielefeld mit dem einzigen Fachbereich Wirtschaft. Weitere Standorte befinden sich in Bergisch Gladbach, Hannover, Paderborn, Celle und Gütersloh.

Das Euro Business College gibt es in Bielefeld seit 2001. Die staatlich nicht anerkannte Schule unterhält zahlreiche weitere Standpunkte über ganz Deutschland und Europa verteilt. Es werden Studiengänge aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Marketing und Logistik angeboten.

Die Fachhochschule der Diakonie (FHdD) wurde 2006 in Bielefeld durch die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, dem Johanneswerk sowie weiteren diakonischen Trägern gegründet; der Lehrbetrieb wurde im Oktober 2006 aufgenommen. Die FH bietet Studiengänge im Sozial- und Gesundheitsbereich sowie eine Ausbildung zum Diakon an.

Andere Schulen

Daneben gibt es ein breites Spektrum an allgemein bildenden und beruflichen Schulen, und zwar 47 Grundschulen, elf Hauptschulen, 15 Sonderschulen, zehn Realschulen, vier Gesamtschulen, zehn Gymnasien, eine Waldorfschule, sieben Berufsbildende Schulen, neun Privatschulen, eine Musikschule, eine Kunstschule, zwei Staatliche Versuchsschulen (Oberstufen-Kolleg und Laborschule) und zwei Fachschulen (Diätlehranstalt, Fachschule für Altenpflege).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und weitere Hauptsehenswürdigkeiten

Kirchen

Altstädter Nicolaikirche
Altstädter Nicolaikirche

Die Altstädter Nicolaikirche ist die älteste der Bielefelder Stadtkirchen. Sie war ursprünglich eine dreischiffige gotische Hallenkirche, die Anfang des 14. Jahrhunderts vergrößert und zur Bürger-/Kaufmannskirche ausgebaut wurde. Zuvor wurde sie 1236 vom Paderborner Bischof Bernard zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Dreimal täglich (um 9.00, 12.30 und 18.00 Uhr) gibt es ein Glockenspiel zu hören. Der wertvollste Besitz dieser Kirche ist ein Antwerpener Retabel, das mit neun geschnitzten Szenen und über 250 Schnitzfiguren verziert ist. In ihrer heutigen Form ist die Kirche bis auf den unteren Teil des Turmes ein Neubau, der in Anlehnung an die am 30. September 1944 zerstörte Vorgängerkirche entstanden ist. Die Kirche verfügt über ein kleines Museum, in dem unter anderem Überbleibsel aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sowie alte Fotografien und diverse andere Ausstellungsstücke gezeigt werden.

Die Neustädter Marienkirche ist eine hochgotische Hallenkirche mit zwei Türmen von 1293. Die Türme wurden jedoch erst Anfang des 16. Jahrhunderts mit gotischen Turmhelmen vollendet. Die gotischen Turmhelme wurden bei einem Sturm zerstört und durch barocke Hauben ersetzt. Diese Kirche ist das kunsthistorisch gesehen wertvollste Baudenkmal Bielefelds und hat eine Länge von 52 m, sowie eine Höhe von 78 m. Im Jahr 1553 war sie Ausgangspunkt der Bielefelder Reformation. Sie verfügt über einen wertvollen Flügelaltar mit 13 verschiedenen Bildern, den sogenannten Marienaltar. Die Bilder wurden von einem anonymen Maler im Jahr 1400 geschaffen. Auf ihnen sind Situationen, die Himmel und Erde, Gott und Mensch, Christus und Maria deuten, zu sehen. Die Kirche diente eine Zeit lang als Grablege der Grafen von Ravensberg. An der Nordseite des Chores befindet sich die Tumba des Grafen Otto III. von Ravensberg und seiner Gemahlin Hedwig zur Lippe, die wohl kurz nach 1320 entstanden ist. Auf der Südseite Tumba des Grafen Wilhelm II. († 1428) und seiner Gemahlin Adelheid von Tecklenburg († 1429). Zur weiteren Ausstattung gehören ein spätgotischer Kruzifixzus vom Anfang des 16. Jh. und eine geschnitzte Kanzel von 1681–83 vom Bielefelder Meister Bernd Christoph Hattenkerl. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Unter anderem wurden bei einem Luftangriff die bis dato barocken Turmhelme zerstört. Nach dem Krieg wurden diese 1965 in gotischer Form neu errichtet und erhielten ihre extrem spitze Form.

Mitten in der Altstadt steht die im 16. Jahrhundert entstandene Süsterkirche. An dieser Stelle wurde es im Jahr 1491 zwölf Augustinerinnen gestattet, ein eigenes Kloster zu gründen. Sie widmeten sich der Kranken- und Armenversorgung. Im Jahr 1616 jedoch, wurde das Kloster auf Grund von mangelnder Wirtschaftlichkeit aufgegeben und an die Stadt übergeben. Heute ist sie die Kirche der einzigen evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bielefelds. Von den anschließenden Gebäuden des ehemaligen Klosters zum Marienthal blieb nur Süsterplatz 2 erhalten. Der quadratische zweigeschossige Bau mit Satteldach entstand im Kern bereits zwischen 1500 und 1600 und dient heute als Pfarrhaus. Im 18./19. wurde er durchgreifend umgebaut unter Veränderung der Geschosshöhen. Der Vordergiebel zum Süsterplatz wurde dabei in neugotischen Formen dekoriert.

Heilig Geist Kirche
Heilig Geist Kirche

Die katholische Pfarrkirche St. Jodokus war ursprünglich die Kirche eines Franziskanerklosters und wurde 1511 erbaut. Zunächst (ab 1498) befand sich dieses Kloster am Jostberg, wurde dort jedoch schon 1507 aufgrund von Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung wieder aufgegeben und an den heutigen Klosterplatz verlegt. Von diesem alten Kloster am Jostberg sind teilweise noch Ruinen erhalten. Das Kloster in der Altstadt wurde 1829 aufgelöst. Im Innern der Kirche befinden sich die „Schwarze Madonna“ von 1220, eine Holzplastik des hl. Jodokus von 1480 sowie die Ikonenwand von Saweljew aus dem Jahr 1962.

Die Kirche Heilig Geist an der Spandauer Allee im Bielefelder Ortsteil Dornberg gilt als ein Kleinod unter den modernen Kirchen im ostwestfälischen Raum. Sie wurde Anfang der 1990er Jahre in Bielefeld-Dornberg als Nachfolgekirche für die beiden für die wachsende Gemeinde zu klein gewordenen Kirchen Heilig Geist im Wellensiek und Heilige Familie, Bielefeld-Uerentrup, erbaut.

Profanbauten

Das Crüwellhaus am Alten Markt
Das Crüwellhaus am Alten Markt

Der Alte Markt bildet das Herzstück der Bielefelder Altstadt. An seiner Nordseite befindet sich das Theater am Alten Markt. Der äußerlich unscheinbare Bau lässt kaum erahnen, dass in ihm noch umfangreiche Reste des mittelalterlichen Rathauses stecken. Das Altstädter Rathaus wurde 1424 erstmals urkundlich erwähnt. Der erste Rathausbau war an dieser Stelle vermutlich wohl bereits im 13. Jh. entstanden. Von diesem dürften noch Teile im jetzigen Kellergeschoss vorhanden sein. Ab 1538 begann man mit einem Neu-, bzw. Erweiterungsbau, der spätestens 1569 vollendet war. Hiebei handelte es sich um einen zweigeschossigen Bruchsteinbau über hohem Sockelgeschoss mit zwei in Werkstein aufgeführten Schaugiebeln. Der auf einer Zeichnung des 19. Jh. überlieferte westliche Staffelgiebel war in Anlehnung an das Münsteraner Rathaus und das nahe gelegene Crüwellhaus noch in spätgotischen Formen gestaltet. Über dem schon Renaissanceformen aufweisenden Hauptportal an der Niedernstraße war ein 1562 bezeichnetes Adam und Eva-Relief (jetzt im Foyer des Neuen Rathauses) angebracht. 1820–1821 erfolgte ein durchgreifender Umbau und die Erhöhung des Wandkastens, um das Innere besser nutzen zu können. Dabei wurde der Abbruch der beiden Giebel vorgenommen. Anschließend kam es zu einer Dekorierung des Außenbaus in klassizistischen Formen und zur Verlegung des Haupteingangs mit Freitreppe an die Marktseite. Das hohe Satteldach wurde außerdem durch ein niedriges Krüppelwalmdach ersetzt. Nach der Erbauung des Neuen (heute: Alten) Rath