Burg Gleichen


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Dieser Artikel ist mehrdeutig. Zum ehemaligen Burgenpaar im Landkreis Göttingen siehe Die Gleichen
Burg Gleichen von Südwesten
Der Bergfried
Palas und Wohnbau vom Bergfried aus
Blick über die Burg
Totalansicht von der Mühlburg aus
Burg Gleichen von Osten aus, am Fuße die Gaststätte Freudental (August 2006)

Die Burg Gleichen (auch Wanderslebener Gleiche, Wandersleber Schloss) ist eine mittelalterliche Burgruine in Thüringen in der Nähe von Wandersleben bei Gotha. Sie gehört zum Burgenensemble der Drei Gleichen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Burg, die heute nur noch als Ruine existiert, liegt auf einem Kalksteinfelsen 365 m ü. NN, etwa 150 m über der umgebenden Landschaft. Zwischen ihr und der Mühlburg im Süden ist eine Talsenke, in der sich früher ein See befand. Heute verläuft die Autobahn A4 hier durchs Tal.

Beschreibung

Die Burganlage besitzt eine vollständig erhaltene Ringmauer. Der Grundriss der Burganlage entspricht der ovalen Form des Felsplateaus. Die innerhalb dieser Ringmauer erhaltenen Ruinenteile stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Nach dem mittelalterlichen Palas mit romanischen Rundbogenfenstern wurde im 13. Jahrhundert der Bergfried gebaut. Später wurde der an der Westseite befindliche repräsentative Wohnbau (1587/88) errichtet. Die etwas flachere Nordseite Richtung Wandersleben, die nur durch eine kleine Senke von einem Höhenzug Richtung Wechmar getrennt ist, wurde durch ein gewundenes System von Graben und Wall geschützt. Durch ein Tunneltor erreicht man den großen Burghof, der heute alljährlich für Burgfestspiele genutzt wird.

Die äußeren Mauern der im Rund um den Burghof stehenden Gebäude bilden gleichzeitig die äußere Burgmauer. Der Bergfried mit quadratischem Grundriss, z.T. aus dem 11. Jahrhundert, beherrscht den Burghof und die südliche Hauptangriffseite, sowie den um den Berg herum ansteigenden Burgweg. Im 12. Jahrhundert wurde der Palas gebaut sowie eine Kapelle.

Torhaus und Speicher datieren aus dem 16. Jahrhundert. Der Palas wurde 1588 im Renaissance-Stil erneuert. Ab 1631 verfiel die Burg nach dem Ableben der letzten Grafen von Gleichen.

Geschichte

Erstmalig erwähnt wird die Burg Gleichen im Jahr 1034 in den Annalen des Klosters Reinhardsbrunn als Gliche. Den Namen hat sie vermutlich vom keltischen „glich“, was „Felsen“ bedeutet.

1088–89 wurde die Burg (gleichzeitig mit der Mühlburg gleich gegenüber) vergeblich von Truppen Kaiser Heinrichs IV. in einer 18-wöchigen Aktion belagert. Auf der Burg hatte sich mit Markgraf Ekbert II. von Meißen der Führer der sächsischen Adelsopposition gegen Heinrich verschanzt. Ein überraschender Ausbruch am Weihnachtsabend sprengte den Belagerungsring, und die Belagerer wurden in die Flucht geschlagen.

Um 1130 kam die Burg in den Besitz des Erzstifts des Erzbischofs von Mainz. Von dort gelangte 1162 die Burg als Lehen an die Grafen von Tonna, welche sich fortan nach der neu erworbenen Burg Grafen von Gleichen nannten. Diese residierten auf der Burg bis 1455.

1587 begann unter Graf Philip Ernst der Neubau des Palas. 1590 zogen dann die Grafen von Gleichen in das Schloss Ehrenstein bei Ohrdruf um und vernachlässigen die Burg.

Danach folgende häufige Wechsel der Besitzer sind ein Spiegelbild der thüringischen Regionalgeschichte. Ab 1735 war die Burg eine Ruine und nicht mehr bewohnt. Sie verfiel seitdem. Die Besitzverhältnisse wechselten aber weiterhin häufig.

1803 fiel die Burg durch den Reichsdeputationshauptschluss an Preußen, 1806 geriet sie unter die Herrschaft der Franzosen, und 1816 kam sie an Preußen zurück,. Ab Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit Sicherungsmaßnahmen und es wurde im Bergfried ein kleines Burgmuseum eingerichtet.

Die Burg gehört heute der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Die Sage vom zweibeweibten Grafen von Gleichen

Bekannt ist die Burg durch die Sage über einen Grafen Ernst von Gleichen, der 1227 am fünften Kreuzzug teilgenommen habe. Dabei sei er in Gefangenschaft geraten, und die Tochter des Sultans habe ihm zur Flucht verholfen, nachdem er ihr die Ehe versprach. Der Papst habe sie getauft und seine Zustimmung zur Zweitehe des Grafen gegeben. Die Stelle, wo sich die beiden Frauen bei der Rückkehr des Grafen zum ersten Mal am Fuße des Berges getroffen haben sollen und sich heute ein Restaurant befindet, wurde „Freudenthal“ genannt.

Der Hintergrund dieser Sage ist die Grabplatte des Grafen Lambert II. von Gleichen, die sich im Erfurter Dom befindet. Auf dieser sieht man Lambert mit seiner ersten Ehefrau und jener Frau, die er nach deren Tod geheiratet hatte. Veit Winsheim, ein Schüler von Philipp Melanchthon, formte die Sage in einen historischen Tatsachenbericht um, offenbar um die Nebenehe von Landgraf Philipp I. von Hessen mit Margarethe von der Saale zu rechtfertigen.

Der Stoff wurde danach immer wieder literarisch verarbeitet, z.B. von Johann Karl August Musäus als Melechsala (1786) in seinen Volksmährchen der Deutschen. Franz Schubert nahm den Stoff als Vorlage zur unvollendet gebliebenen Oper Der Graf von Gleichen (1827–28), für die Eduard von Bauernfeld das Libretto schrieb.

Weblinks

Commons Commons: Burg Gleichen – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 52' 49" N, 10° 50' 20" O







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