
Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW; russ.: Совет экономической взаимопомощи, CЭB, SEW; fr.: Conseil d'assistance économique mutuelle, CAEM; engl.: Council for Mutual Economic Assistance, COMECON), wurde am 25. Januar 1949 in Moskau als sozialistisches Gegengewicht zum Marshallplan und zur OEEC gegründet. Die Gründungsmitglieder waren die Sowjetunion, Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und die Tschechoslowakei. Am 22. Februar 1949 trat Albanien bei (dessen Mitgliedschaft später „ruhte“). Der RGW war (neben dem militärischen Warschauer Pakt, der im Ostblock als Warschauer Vertrag bezeichnet wurde) der wirtschaftliche Zusammenschluss der sozialistischen Staaten Osteuropas. Im September 1950 trat auch die DDR diesem Bündnis bei. Kuba, die Mongolei und Vietnam wurden später ebenfalls Mitglieder. Am 16. Mai 1973 unterzeichnete Finnland ein Kooperationsabkommen mit dem RGW.
Der RGW hatte zum einen die Aufgabe, eine bessere wirtschaftliche Spezialisierung und Arbeitsteilung zwischen den sozialistischen Staaten zu erreichen und zum anderen eine allmähliche Angleichung der sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen. Als Folge der arbeitsteiligen Spezialisierung entstand eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen der UdSSR und den anderen RGW-Staaten. Mit der Spezialisierung sollten Kosten für doppelte Industriebereiche eingespart werden (Synergie). Zum Beispiel wurden die größeren Busse der RGW-Staaten in Ungarn gebaut (Ikarus-Busse), die leistungsstärksten Traktoren und Dieselloks in der UdSSR, Fischverarbeitungsschiffe in der DDR. Die im Namen formulierte „gegenseitige Wirtschaftshilfe“ geschah vor allem dadurch, dass die wirtschaftlich verhältnismäßig starken Länder (Sowjetunion, DDR, Tschechoslowakei, Ungarn) die schwächeren (Bulgarien, Rumänien, Kuba, Mongolei und Vietnam) wirtschaftlich unterstützten. Gleichzeitig wurde damit eine ideologische Stärkung im Sinne des Marxismus-Leninismus verfolgt.
Der Außenhandel zwischen den Mitgliedern war ganz in der Logik des zentralverwaltungswirtschaftlichen Systems durch mehrjährige bilaterale Verträge gekennzeichnet. Obwohl vom System her nicht vorgesehen, war der Handel zwischen den Mitgliedern annähernd ausgeglichen, da es aufgrund der fehlenden Konvertibilität der Währungen wenig attraktiv war, Gläubigerpositionen im Außenhandel aufzubauen. Der Zahlungsverkehr wurde von der Internationalen Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit (IBWZ) abgewickelt, als RGW-Organ 1957 mit Sitz in Moskau gegründet. Zahlungsmittel waren Transferrubel und Goldreserven.
Einzelnen Ländern waren Spezialisierungsgüter zugewiesen, die sie in andere RGW-Länder exportierten. Mit dem Ende des zentralverwaltungswirtschaftlichen Systems durch die politischen Umwälzungen in Osteuropa seit 1989 löste sich der RGW am 28. Juni 1991 auf.
Der RGW ist in Analogie zur 1957 gegründeten westeuropäischen EWG sowie im Rahmen der Herausbildung des Kalten Krieges und der Zwei-Lager-Theorie zu sehen.
Unter dem Dach des RGW kam es auch zu Standardisierungsbemühungen, so etwa am 23. Dezember 1968 zum Vertrag über ein Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik (ESER) der auf die Entwicklung einer standardisierten Rechentechnik abzielte.
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