Chemnitz


Dieser Artikel beschreibt die Stadt Chemnitz in Sachsen. Weitere Bedeutungen unter Chemnitz (Begriffsklärung).
Wappen Karte
Wappen der Stadt Chemnitz Lage der kreisfreien Stadt Chemnitz in Deutschland
Leitspruch
InnovationsWerkStadt (von xxx bis xxx)
Stadt mit Köpfchen (bis 2007)
Stadt der Moderne (ab 2007)
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Chemnitz
Kreis: Chemnitz, Stadt
Fläche: 220,85 km²
Einwohner: 245.096 (30. September 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.110 Einwohner je km²
Arbeitslosenquote: 13,8 % (28. Juni 2007)
Geographische Lage: 50° 50′ N, 12° 55′ O Koordinaten: 50° 50′ N, 12° 55′ O
Tiefster Punkt: 267 m ü. NHN
Höchster Punkt: 523 m ü. NHN
Höhe Marktplatz: 296 m ü. NHN
Postleitzahlen: 09001-09247 (alt 90xx)
Vorwahlen: 0371
037200 (Wittgensdorf)
037209 (Einsiedel)
03722 (Röhrsdorf)
03726 (Euba)
Kfz-Kennzeichen: C
Gemeindeschlüssel: 14 1 61 000
UN/LOCODE: DE CHE
Stadtgliederung: 39 Stadtteile inkl.
8 Ortschaften
Adresse der Stadtverwaltung: Markt 1
09111 Chemnitz
Offizielle Website: www.chemnitz.de
E-Mail-Adresse: pressesprecher@chemnitz.de
Politik
Oberbürgermeisterin: Barbara Ludwig (SPD)
Blick über Chemnitz
Blick über Rosenhofarkaden
Blick über die Türme der Stadt
Mittelstandsmeile – Innere Klosterstraße

 Chemnitz ?/i [ˈkʰɛmnɪʦ] (1953–1990: Karl-Marx-Stadt), ist eine Stadt im Westen des Freistaates Sachsen. Sie befindet sich im Erzgebirgsbecken, am Nordrand des Erzgebirges. Mit etwa 245.000 Einwohnern ist sie nach Leipzig und Dresden die drittgrößte Stadt sowie eines der sechs Oberzentren des Bundeslandes. Chemnitz hat den Status einer kreisfreien Stadt und ist Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks.

Der Name „Chemnitz“ leitet sich vom Fluss gleichen Namens her, der die Stadt durchfließt. Dessen Name wiederum geht auf die slawische Bezeichnung Kamjenica (sorbisch: Steinbach; vgl. Kamenz) zurück (von kamjeń – der Stein).

Im Jahre 1143 erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich die Stadt in der Zeit der Industrialisierung zu einer der wichtigsten Industriestädte Deutschlands. Die Einwohnerzahl der Stadt Chemnitz überschritt Anfang 1883 die Grenze von 100.000. Zwischen 1953 und 1990 hieß Chemnitz Karl-Marx-Stadt. Heute bildet die im Strukturwandel begriffene Stadt neben Zwickau einen Kern der „Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau“ und ist Bestandteil der „Metropolregion Sachsendreieck“.

Inhaltsverzeichnis


Geographie

Chemnitz liegt im Erzgebirgsbecken, umrahmt von Ausläufern des Erzgebirges im Süden und von Höhen des Mittelsächsischen Berglandes im Norden auf etwa 300 Metern über Normalhöhennull. Der durch die Stadt verlaufende Fluss Chemnitz (Flusssohle auf ca. 290 Metern über Normalhöhennull) hat mit dem Ausschürfen eines breiten Tales das Anlegen einer Stadt begünstigt. Er wird neben den beiden Mittelgebirgsflüssen Zwönitz und Würschnitz als Hauptquellarme von zahlreichen im Stadtgebiet verlaufenden kleinen und mittleren Bachläufen gespeist.

Der geologische Untergrund von Chemnitz lässt sich in drei verschiedene große Einheiten gliedern. Die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile lassen sich zum Granulitgebirge zuordnen, welches sich als Teil des Mittelsächsischen Hügellandes zwischen Glauchau und Döbeln erstreckt. Das Granulitgebirge ist nach den Granuliten benannt, welche vornehmlich aus präkambrischen Sedimentgesteinen durch Metamorphose hervorgingen. Weiterhin wird diese geologische Zone von Norden nach Nordwesten in das Auerswalder Lößhügelland, das Untere Chemnitztal, in die Wittgensdorfer Lößplatte sowie das Röhrsdorfer Schieferhügelland unterteilt.

Das bei Chemnitz mit rund sieben bis acht Kilometer schmale Erzgebirgsbecken zieht sich in Südwest-Nordost-Richtung durch das Stadtgebiet. Innerhalb des Beckens befindet sich der Beutenberg (420,9 m), welcher die Stadt im Nordosten abgrenzt. Vorherrschende Gesteine des Erzgebirgischen Beckens sind neben Rotliegend-Sedimenten, die sich seit dem Oberkarbon gebildet haben, Tuffe und Lößlehmauflagen. Im Bereich Chemnitz wird das Erzgebirgsbecken in den Zschopau-Hochtalboden, die Kohlung-Platte, das Zeisigwald-Struth-Hügelland, das Chemnitztal, den Chemnitz-Terrassenriedel, Siegmar-Bornaer Hügelland, das Neukirchener Hügelland und das Untere Würschnitztal untergliedert.

Der Nordrand des Erzgebirges zeigt im Raum Chemnitz sein deutlichstes Relief. In dieser geologischen Einheit südlich der Linie vom Galgenberg in Euba (471,2 m) über den Adelsberg (508,4 m) nach Klaffenbach herrschen tonschieferähnliche Phyllite und Auensedimente vor. Zerschnitten durch die Täler der Würschnitz und Zwönitz erreicht diese Geländestufe südwestlich des Zusammenflusses zur Chemnitz Höhen von 500 bis 550 m über Normalhöhennull. Auch befindet sich hier der im Stadtgebiet höchste Berg – die Klaffenbacher Höhe mit 523,4 m über Normalhöhennull. Der Raum findet mit den Bezeichnungen Erzgebirgsnordrandstufe, Unteres Zwönitztal, Harthauer Würschnitztal, Berbisdorfer Riedelgebiet, Dittersdorfer Riedelgebiet eine weitere Unterteilung.[2]

Das Stadtgebiet umfasst nach zahlreichen Eingemeindungen kein einheitliches geschlossenes Siedlungsgebiet. Die ländlichen Siedlungen vornehmlich östlicher Stadtteile sind vom Siedlungsgebiet der Chemnitzer Kernstadt getrennt, wogegen sich dieses teilweise über die westlichen Stadtgrenzen nach Limbach-Oberfrohna und Hohenstein-Ernstthal fortsetzt.

Nachbargemeinden

Die nachfolgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Chemnitz. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Chemnitz ist in 39 Stadtteile eingeteilt. Die Stadtteile Einsiedel, Euba, Grüna, Klaffenbach, Kleinolbersdorf-Altenhain, Mittelbach, Röhrsdorf und Wittgensdorf sind zugleich Ortschaften im Sinne der §§ 65 bis 68 der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese Stadtteile kamen im Zuge der letzten Eingemeindungswelle nach 1990 als ehemals eigenständige Gemeinden zur Stadt Chemnitz hinzu und genießen daher diese Sonderstellung gegenüber den anderen Stadtteilen. Für diese Ortschaften gibt es je einen Ortschaftsrat, welcher, abhängig von der Einwohnerzahl der betreffenden Ortschaft, zwischen zehn und 16 Mitglieder sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden derselben umfasst. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Eine endgültige Entscheidung obliegt jedoch dem Stadtrat der Gesamtstadt Chemnitz.[3] Die amtliche Kennzeichnung der Stadtteile durch Nummern erfolgt nach folgendem Prinzip: Ausgehend vom Stadtzentrum (Stadtteile Zentrum und Schloßchemnitz) werden allen anderen Stadtteilen im Uhrzeigersinn in aufsteigender Folge die Zehnerstelle ihrer Kennzahl zugeordnet, die Einerstelle wird in Richtung Stadtperipherie in aufsteigender Folge vergeben.

Chemnitz-Wittgensdorf Chemnitz-Röhrsdorf Chemnitz-Borna-Heinersdorf Chemnitz-Glösa-Draisdorf Chemnitz-Furth Chemnitz-Ebersdorf Chemnitz-Hilbersdorf Chemnitz-Euba Chemnitz-Grüna Chemnitz-Rabenstein Chemnitz-Rottluff Chemnitz-Altendorf Chemnitz-Schloßchemnitz Chemnitz-Kaßberg Chemnitz-Zentrum Chemnitz-Sonnenberg Chemnitz-Lutherviertel Chemnitz-Gablenz Chemnitz-Yorckgebiet Chemnitz-Adelsberg Chemnitz-Kleinolbersdorf-Altenhain Chemnitz-Mittelbach Chemnitz-Reichenbrand Chemnitz-Siegmar Chemnitz-Schönau Chemnitz-Stelzendorf Chemnitz-Kappel Chemnitz-Kapellenberg Chemnitz-Helbersdorf Chemnitz-Morgenleite Chemnitz-Hutholz Chemnitz-Markersdorf Chemnitz-Altchemnitz Chemnitz-Harthau Chemnitz-Klaffenbach Chemnitz-Bernsdorf Chemnitz-Reichenhain Chemnitz-Erfenschlag Chemnitz-Einsiedel
Über dieses Bild
Die Stadtteile mit ihren amtlichen Nummern:

Adelsberg (25)
Altchemnitz (41)
Altendorf (92)
Bernsdorf (42)
Borna-Heinersdorf (13)
Ebersdorf (14)
Einsiedel ¹ (46)
Erfenschlag (44)
Euba ¹ (16)
Furth (11)
Gablenz (24)
Glösa-Draisdorf (12)
Grüna ¹ (95)
Harthau (45)
Helbersdorf (61)
Hilbersdorf (15)
Hutholz (64)
Kapellenberg (81)
Kappel (82)
Kaßberg (91)
Klaffenbach ¹ (47)

Kleinolbersdorf-Altenhain ¹ (26)
Lutherviertel (22)
Markersdorf (62)
Mittelbach ¹ (87)
Morgenleite (63)
Rabenstein (94)
Reichenbrand (86)
Reichenhain (43)
Röhrsdorf ¹ (96)
Rottluff (93)
Schloßchemnitz (02)
Schönau (83)
Siegmar (85)
Sonnenberg (21)
Stelzendorf (84)
Wittgensdorf ¹ (97)
Yorckgebiet (23)
Zentrum (01)

¹ zugleich Ortschaft


Klima

Klimadiagramm von Chemnitz
Klimadiagramm von Chemnitz

Chemnitz liegt mit seinem vollhumidem Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.

Im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 waren Juni und Juli mit 16,6 bzw. 16,4 °C Durchschnittstemperatur die wärmsten Monate, das mittlere Temperaturminimum betrug im Januar −1,2 °C. Die jährliche Durchschnittstemperatur lag bei 7,9 °C. Die mittleren Tagestemperaturen im Stadtgebiet im Januar liegen zwischen 0 und −2 °C, im Juli zwischen 16 und 18 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei rund 1530 Stunden im Jahr, mit 200 Sonnenscheinstunden ist der Juli sonnenscheinintensivster Monat.

Aufgrund der Lage der Stadt auf der Luv-Seite des Erzgebirges gibt es erhöhte Niederschlagsmengen. So liegen die Jahresniederschlagmengen im Stadtgebiet zwischen 650 und 800 mm. Am Standort Küchwald wurde im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von 775 mm verzeichnet. Niederschlagsreichster Monat im Stadtgebiet ist hierbei der Juni mit 85 bis 90 mm Niederschlagshöhe, mit 35 bis 45 mm ist der Februar niederschlagsärmster Monat.[4]

Geschichte

Siehe Hauptartikel: Geschichte der Stadt Chemnitz

Im Jahre 1136 wurde bei Chemnitz durch König Lothar III. das Benediktinerkloster St. Marien gegründet, das 1143 das Marktrecht erhielt. In einiger Entfernung des Klosters wurde vermutlich nach 1170 durch den König in der Nähe einer Furt durch den Fluss Chemnitz eine stadtähnliche Siedlung gegründet, die schon bald darauf in die Aue verlegt wurde. Bis 1308 war Chemnitz freie Reichsstadt und schon im Mittelalter ein Wirtschaftszentrum, insbesondere durch das im 14. Jahrhundert erhaltene Bleichprivileg.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde Chemnitz ein Standort der Industrie mit sehr großer Wirtschaftskraft, ab 1800 wurde die Spinnerei maschinell betrieben. Die Ursprünge gehen auf Johann Esche aus Limbach zurück. Daraufhin wuchs er rasch an, man bezeichnete ihn als „Sächsisches Manchester“, „Ruß-Chamtz“ oder auch als „Rußnitz“. Chemnitz wurde eine der bedeutendsten Industriestädte Deutschlands.

Chemnitz wurde schon früh Sitz eines Verwaltungsbezirks (Amtshauptmannschaft) innerhalb der Kreishauptmannschaft Zwickau des Staates Sachsen. Im Jahre 1874 schied die Stadt aus der Amtshauptmannschaft Chemnitz aus und wurde eine „exemte Stadt“, welche man später als kreisfreie Stadt bezeichnete. Sie blieb aber weiterhin Sitz der Amtshauptmannschaft, aus welcher 1952 der Landkreis Chemnitz hervorging. 1900 wurde die Kreishauptmannschaft Chemnitz als Vorläufer des heutigen Regierungsbezirks Chemnitz gebildet. 1910 entstand die Amtshauptmannschaft Stollberg aus Teilen der Amtshauptmannschaft Chemnitz.

Ein ehemaliges Ortseingangsschild der Stadt
Ein ehemaliges Ortseingangsschild der Stadt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs rückte Chemnitz ins Visier alliierter Luftangriffe. In Chemnitz wurden zu dieser Zeit u. a. Motoren für die Tigerpanzer gebaut. Die Bombardierungen am 13./14. Februar und 5. März 1945 durch britische und US-amerikanische Flugzeuge richteten sich im Wesentlichen gegen die Innenstadt, die Rüstungsbetriebe und die Bahnhöfe. Die Chemnitzer Flak war zu diesem Zeitpunkt schon an andere Frontabschnitte verlegt worden. Ein Viertel des Wohnungsbestandes wurde vollständig zerstört, die historische Innenstadt brannte aus und wurde in den folgenden Jahren in veränderter Form bebaut, alte Straßenzüge sind zum Teil komplett verschwunden.

Nach Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 wurde Chemnitz Sitz eines Bezirks, der infolge der am 10. Mai 1953 auf Beschluss der DDR-Regierung erfolgten Umbenennung der Stadt Chemnitz in „Karl-Marx-Stadt“, zu Ehren von Karl Marx, ebenfalls in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt wurde. Im Vorfeld des Beitritts Sachsens zur Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. April 1990 eine Volksabstimmung über den künftigen Namen der Stadt abgehalten. Dabei stimmten 76 % der Bürger für den alten Namen „Chemnitz“. Die offizielle Rückbenennung erfolgte am 1. Juni 1990, also noch vor dem formellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Nach Wiedererrichtung des Landes Sachsen 1990 wurde auch der Bezirk Chemnitz aufgelöst.

Im Rahmen der Kreisreform in Sachsen 1994 wurde der Landkreis Chemnitz aufgelöst. Ein Teil wurde mit den Landkreisen Hohenstein-Ernstthal und Glauchau zum neuen Landkreis Chemnitzer Land zusammengeschlossen. Der andere Teil ging im Landkreis Mittweida auf, einige Gemeinden kamen auch zum Mittleren Erzgebirgskreis und zum Landkreis Stollberg. Chemnitz selbst blieb eine kreisfreie Stadt.

Mitte der 1990er Jahre begann die Bebauung der innerstädtischen Bauflächen um das Rathaus zu einem neuen Stadtkern, welche nach rund 10 Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Zu dieser Bildung einer neuen Mitte wurde vor allem Einzelhandelsfläche im Bereich des Marktes angesiedelt.

Eingemeindungen

Eingemeindungen nach Chemnitz
Eingemeindungen nach Chemnitz

Im 19. Jahrhundert erlebte Chemnitz und deren umliegenden Gemeinden durch die Industrialisierung einen rasanten industriellen Aufschwung, jedoch siedelten sich die Fabriken und Manufakturen zumeist aus Platz- und Steuergründen außerhalb der Stadt an. Doch schon bald gab es die ersten Vorschläge der umliegenden Gemeinden aus wirtschaftlichen Gründen nach Chemnitz eingemeindet zu werden. Der Eingemeindungsprozess begann im Jahr 1880, abgesehen von der Eingemeindung der Niklasgasse 1844, mit dem Zusammenschluss mit Schloßchemnitz. Bis einschließlich 1900 wurden die stark industriell geprägten Gemeinden Altchemnitz, Altendorf, Gablenz und Kappel nach Chemnitz eingemeindet. Weitere Gemeinden, z. B. Borna und Hilbersdorf, folgten bis 1914 teils aus wirtschaftlichen Aspekten, als auch zur Nutzung von Siedlungsraum für die nach Chemnitz zugezogenen Arbeiter. Die westlich von Chemnitz gelegenen, ebenso industriell erstarkten Gemeinden Schönau, Siegmar und Rottluff lehnten grundsätzlich die Verschmelzung mit der Stadt ab. Letztere wurde jedoch in der nächsten Eingemeindungswelle vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit u. a. Ebersdorf und Markersdorf eingemeindet. Erst nach der Gründung der DDR wurden auf Beschluss Siegmar und Schönau, inzwischen zur Stadt Siegmar-Schönau erhoben, zusammen mit weiteren rings um Chemnitz gelegenen Gemeinden mit Chemnitz verschmolzen. Danach gab es nur geringfügige Grenzverschiebungen, darunter z. B. die Einziehung eines Territoriums von Neukirchen für die Errichtung des „Fritz-Heckert-Gebiets“. Die bisher letzte Eingemeindungswelle erfolgte zwischen 1994 und 1999, in der u. a. Einsiedel, Röhrsdorf und Grüna in die Stadt einbezogen wurden.

Eine erste Erweiterung der Fluren der Stadt Chemnitz erfolgte bereits im Jahr 1402 mit dem Kauf der wüsten Ortschaften Borssendorf und Streitdorf sowie Teilen der Klosterdörfer Bernsdorf, Gablenz und Kappel. Seit längerem gibt es auch Bestrebungen, die Gemeinde Neukirchen nach Chemnitz einzugliedern. Dies scheiterte bis heute am Widerstand des Landkreises Stollberg und der Gemeinde Neukirchen selbst.

Einwohnerentwicklung und Demografie

Einwohnerdichte der einzelnen Stadtteile
Einwohnerdichte der einzelnen Stadtteile

Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Chemnitz

Im Jahre 1883 wurde Chemnitz mit über 100.000 Einwohnern die 15. Großstadt Deutschlands. Ihren Bevölkerungshöchststand hatte die Stadt 1930 mit einer Einwohnerzahl von über 360.000. Chemnitz ist seit der Wende 1989 von einem starken Bevölkerungsrückgang betroffen. So verlor die Stadt – gemessen am heutigen Gebietsstand – seit 1990 mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner. Trotz zahlreicher Eingemeindungen in den 1990er Jahren (siehe oben) konnte der negative Bevölkerungstrend nur kurzzeitig gestoppt werden. Die Einwohnerzahl der Stadt fiel im Dezember 2003 unter die Grenze von 250.000. Am 31. Juli 2007 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ von Chemnitz nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen 245.079 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Prognosen der Stadt Chemnitz aus dem Juli 2007 ergaben, dass sich die Einwohnerzahl der Stadt Chemnitz beim derzeitigen Gebietsstand von 220,86 km² Stadtfläche bis zum Jahre 2020 zwischen 225.800 und 232.600 Einwohnern einpendeln wird.[5] Diese Schätzung sieht somit für die Zukunft einen geringeren Rückgang der Einwohnerzahl vor als zurückliegende Prognosen verschiedener Institutionen. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass Einwohnerrückgänge seit 2006 nur noch natürlichen Bevölkerungsbewegungen, also einem negativen Geburtensaldo, unterlagen. Die räumliche Wanderungsbewegung des Jahres 2006 umfasste mit mehr Zuzügen als Wegzügen einen positiven Wanderungssaldo zu Gunsten der Stadt Chemnitz.

Neben dem Rückgang der Einwohnerzahl findet eine Verschiebung der Altersstruktur statt.[6] Aufgrund einer niedrigen Geburtenrate liegt der Anteil der Unter-15-Jährigen bei 10,1 %. Das ist der niedrigste Stand einer Großstadt in Deutschland. Der Anteil der 15- bis 25-Jährigen liegt bei 12,3 %, der der 25- bis 60-Jährigen bei 47,5 %. Der Anteil der Über-60-Jährigen liegt bei 30,1 %, was der höchste Wert einer deutschen Großstadt ist.

Religionen

Etwa 80 % der Bevölkerung gehören keiner Religion an.

Synagoge am Stephanplatz, Ansichtskarte um 1900
Synagoge am Stephanplatz, Ansichtskarte um 1900
Gedenkstein für die am 10. November 1938 zerstörte Synagoge am Stephanplatz
Gedenkstein für die am 10. November 1938 zerstörte Synagoge am Stephanplatz

Die Bevölkerung der Stadt Chemnitz gehörte anfangs zum Bistum Meißen. Die Stadt war bereits ab 1254 Sitz eines Archidiakonats. Ab 1313 war der jeweilige Abt des Benediktinerklosters der Archidiakon. 1539 wurde die Reformation eingeführt und mit dem Pfarrer in St. Jacobi eine Superintendentur verbunden. 1540 wurden die noch bestehenden Klöster aufgehoben. Danach war Chemnitz über viele Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, doch kamen im 16. Jahrhundert auch reformierte Bestrebungen auf, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Chemnitz blieb innerhalb Sachsens stets Sitz einer Superintendentur. Heute bezeichnet man diesen Verwaltungsbezirk als Kirchenbezirk. Die Kirchengemeinden der Stadt gehören alle zu diesem Kirchenbezirk innerhalb der Region Chemnitz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Der Kirchenbezirk Chemnitz umfasst auch Gemeinden außerhalb der Stadt Chemnitz. Innerhalb der Evangelischen Landeskirche gibt es in Chemnitz eine Landeskirchliche Gemeinschaft.

Im 19. Jahrhundert zogen wieder Katholiken in die Stadt. Diese gründeten alsbald eine eigene Pfarrgemeinde. Wie alle Katholiken im damaligen Königreich Sachsen gehörte auch die Gemeinde in Chemnitz zum Apostolischen Vikariat mit Sitz in Dresden, das seit 1743 zuständiger Verwaltungsbezirk in der Nachfolge des in der Reformationszeit aufgelösten Bistums Meißen war. Aus diesem Verwaltungsbezirk entstand 1921 (wieder) das Bistum Meißen, seit 1980 Bistum Dresden-Meißen, das heute zur Kirchenprovinz Berlin (Erzbistum Berlin) gehört. Chemnitz wurde innerhalb des Bistums Meißen Sitz eines Dekanats, zu dem auch Pfarrgemeinden außerhalb von Chemnitz gehören.

Neben den beiden großen Kirchen können auch viele Gemeinden verschiedener Freikirchen auf ein langes Wirken in Chemnitz zurückblicken. Darunter befinden sich eine Altlutherische Gemeinde, die Elim-Gemeinde (Mitglied im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden), eine Evangelisch-Freikirchliche Baptistengemeinde, die Heilsarmee, eine Evangelisch-Freikirchliche Brüdergemeinde, zwei Evangelisch-methodistische Gemeinden (Methodisten) sowie ein in der Evangelisch-methodistischen Kirche beheimatetes Klinikum (Bethanien). Weiterhin eine Evangelisch-reformierte Gemeinde (diese gehört zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer), eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten und eine freie evangelische Gemeinde. Außerdem gibt es 14 Gemeinden der Zeugen Jehovas.

Das Leben der Stadt Chemnitz wurde durch eine, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene, lebendige jüdische Gemeinde stark geprägt. Im Jahr 1879 fand die erste Bestattung auf dem jüdischen Friedhof im Stadtteil Altendorf statt und 1899 konnte die erste Chemnitzer Synagoge am Stephanplatz eingeweiht werden. 1923 hatte die jüdische Gemeinde mit 3.500 Mitgliedern ihren Höchststand erreicht. Es gab 26 jüdische Vereine und jeder dritte der 600 Chemnitzer Fabrikanten, jeder zehnte Arzt sowie viele Künstler waren Juden. Durch den Nazi-Terror verloren, wie in ganz Europa, viele jüdische Bürger ihr Leben oder mussten fliehen. Auch die Synagoge wurde zerstört. Ab 1945 gab es wieder eine winzige Gemeinde. 1957 hatte sie gerade noch 35 Mitglieder und 1989 war die Gemeinde auf zwölf Personen geschrumpft. Nach dem Beitritt der DDR zur BRD stieg die Zahl durch Zuwanderung aus ehemaligen GUS-Ländern auf heute ca. 650 Mitglieder. Außerdem wurde im Jahr 2002 eine neue Synagoge geweiht.

Zudem existiert eine muslimische Gemeinde, deren Gebetsräume sich im Stadtteil Zentrum befinden.

Politik

Im Jahre 1298 ist für Chemnitz bereits ein Bürgermeister und ein Rat bezeugt, die beide an der Spitze der Stadtverwaltung standen.

Altes und Neues Rathaus
Altes und Neues Rathaus
Altes und Neues Rathaus
Altes und Neues Rathaus

Im 14. Jahrhundert hatte der Rat mit dem Bürgermeister insgesamt zwölf Mitglieder. Ab 1415 gab es drei Räte, der „alte Rat“ (vom Vorjahr), der „neue Rat“ und der „ruhende Rat“, wobei der alte und neue Rat zusammen den „voll sitzenden Rat“ ergaben. Ihm stand der Bürgermeister vor. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es nur noch ein Ratskollegium. 1831 wurde eine neue Städteordnung eingeführt. Danach wählten die Bürger ihre Vertretung, die ihrerseits den Bürgermeister und die besoldeten Stadträte wählte. Mit dem Ausscheiden der Stadt Chemnitz aus der Amtshauptmannschaft 1874 erhielt der Bürgermeister den Titel Oberbürgermeister. Bekannte Bürgermeister aus der Zeit vor 1874 waren Ulrich Schütz (um 1500), Georgius Agricola (1546, 1547, 1551 und 1553), Paul Neefe (1556), Atlas Crusius (1663–1675), Christian Friedrich Wehner (1831–1846) sowie Johannes Friedrich Müller (1848–1873).

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die sowjetische Besatzungsmacht den „Rat der Stadt“ beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung ein. In der DDR fanden Wahlen statt, bei denen es oft nur eine Möglichkeit gab zu wählen. Es wurde starker direkter und indirekter Druck auf nicht linienkonforme Teile der Bevölkerung ausgeübt, die Wahlen waren nicht frei und unabhängig.

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium, wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein besonderer Vorsitzender (ab 1990 Reinhold Breede, CDU). Heute ist der Oberbürgermeister Vorsitzender des Stadtrats. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister jedoch direkt von den Bürgern der Stadt gewählt.

Georgius Agricola (1494–1555)
Georgius Agricola (1494–1555)

Liste der Oberbürgermeister seit 1874

  • 1874–1896: Heinrich Friedrich, Wilhelm André
  • 1896–1908: Dr. Gustav Heinrich Beck
  • 1908–1917: Dr. Heinrich Sturm
  • 1917–1930: Dr. Hermann Max, Johannes Hübschmann
  • 1930–1933: Albert Traugott, Walter Arlart
  • 1933–1936: Dr. Otto Härtwig (amtierend)
  • 1936–1938: Walther Schmidt (amtierend, NSDAP)
  • 1938–1945: Walther Schmidt
  • 1945: Dr. Ernst Ring
  • 1945: Dr. R. Fritz Gleibe
  • 1945: Heinrich Engelke (amtierend)
  • 1945: Dr. Kurt Wuthenau
  • 1945–1952: Max Müller (SED)
  • 1952–1960: Kurt Berthel (SED)
  • 1960–1961: Fritz Scheller (SED)
  • 1961–1986: Kurt Müller (SED)
  • 1986–1990: Dr. Eberhard Langer (SED)
  • 1990–1991: Dr. Dieter Noll (CDU)
  • 1991–1993: Dr. Joachim Pilz (CDU)
  • 1993–2006: Dr. Peter Seifert (SPD)
  • seit 2006: Barbara Ludwig (SPD)

(siehe auch: Liste seit ca. 1450)

Peter Seifert hat im Frühjahr 2006 seinen Rücktritt zum 31. Juli 2006 aus Altersgründen angekündigt. Am 11. Juni 2006 fand die erste Runde der Neuwahl des Stadtoberhauptes statt, bei der kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erreichen konnte. Die zweite Runde am 25. Juni 2006 gewann Barbara Ludwig (SPD) mit 49,65 % der abgegebenen Stimmen. Barbara Ludwig konnte jedoch zunächst das Amt des Oberbürgermeisters nicht antreten, da eine Klage gegen die Wahlumstände vorlag. Sie wurde im September 2006 vom Stadtrat zunächst zur Amtsverweserin gewählt, die den Titel Oberbürgermeisterin führt. Die Vereidigung als gewählte Oberbürgermeisterin erfolgte erst nach Beendigung des juristischen Verfahrens zum 18. Juli 2007. Die Zeit als Amtsverweserin wird auf die Wahlperiode der Oberbürgermeisterin angerechnet.

Wappen, Flagge und Dienstsiegel

Die Stadt Chemnitz führt ein Wappen, eine Flagge und ein Dienstsiegel.

Kleines Wappen der Stadt Chemnitz

Das „Große Wappen“ der Stadt Chemnitz zeigt im gespaltenen Schild rechts in Gold zwei blaue Pfähle, links in Gold einen aufgerichteten, schwarzen, rot bewehrten Löwen. Über dem rot ausgeschlagenen Bügelhelm mit Medaillon und blausilbernen Decken zeigt es eine goldene Krone, daraus wachsend zwei mit Mundlöchern versehene silberne Büffelhörner, beide außen mit je fünf dreiblättrigen silbernen Lindenzweigen besteckt. Als „Kleines Wappen“ wird nur der Schild verwendet. Das Dienstsiegel zeigt das „Kleine Wappen“ der Stadt mit der Umschrift „Stadt Chemnitz“.[3]

Flagge von Chemnitz

Die Krone weist auf die ehemalige Reichsstadt Chemnitz hin, die aber von dem aus Bayern stammenden Kaiser Ludwig IV. (daher die blausilbernen Farben) 1324 an die sächsischen Fürsten verpfändet und nicht wieder eingelöst wurde. Auf diese Besitzveränderung deuten der Löwe für die Markgrafschaft Meißen und die Landsberger Pfähle für die Mark Landsberg hin. Beide Wappensymbole sind bereits seit dem 15. Jahrhundert in den Siegeln der Stadt nachweisbar (vgl. auch das Wappen von Leipzig und Dresden). Sie wurden auch von den Kurfürsten von Sachsen als Herrscher über die Stadt Chemnitz geführt. Seit dem 18. Jahrhundert werden beide Wappensymbole in gespaltenem Schild dargestellt.

Als Flagge führt die Stadt Chemnitz die Farben Blau (oben) und Gold (unten). Diese Stadtfarben, statt Gold häufig Gelb, finden oftmals auch bei stadteigenen Unternehmen Verwendung.

Stadtrat

Die Zusammensetzung des Chemnitzer Stadtrates zeichnet sich durch ein breites parteipolitisches Spektrum aus, welches auch Parteien der politischen Ränder umfasst. Durch den Fraktionswechsel zweier Stadträte änderten sich die Stimmgewichte der Fraktionen. Die FDP erreichte bei der Wahl von 2004 ursprünglich vier Sitze, die Fraktion Perspektive hingegen drei. Nach dem Wechsel eines Stadtrates kurz nach der Stadtratswahl zur FDP konnte diese einen Sitz hinzugewinnen, währenddessen die Fraktion Perspektive nur noch zwei Abgeordnete stellt. Nach dem Verlassen eines Stadtrates aus der Fraktion der Republikaner stellen diese statt ursprünglich fünf noch vier Sitze; seitdem umfasst der Stadtrat ein fraktionsloses Mitglied.

Die Sitzverteilung im Stadtrat seit 1990

Chemnitzer Stadtratswahl 2004
Chemnitzer Stadtratswahl 2004
Stadtratswahl 13. Juni 2004 14. Juni 1999 12. Juni 1994 6. Mai 1990
PDS 15 16 13 13
CDU 14 21 15 29
SPD 10 18 21 14
FDP 5 2 2 2
Bündnis 90/Die Grünen 3 2 6
Republikaner 4 1
Fraktion Perspektive 2
Fraktionslose 1
DSU 5
BFD 4
Grüne Liste 4
Neues Forum 4
DA 1
DFD 2 1
DFP 1
UFV 1
Behindertenverband 1
Sitze gesamt 54 60 60 80
Wahlbeteiligung in Prozent 43,4 48,7

Städtepartnerschaften

Chemnitz unterhält in Europa mit Tampere in Finnland (seit 1961), Ljubljana (Laibach) in Slowenien (seit 1966), Arras und Mulhouse (Mülhausen) in Frankreich (seit 1967 bzw. 1981), Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) in Tschechien (seit 1970), Łódź in Polen (seit 1981), Manchester, im Vereinigten Königreich (seit 1983) und mit Wolgograd in Russland (seit 1988), Städtepartnerschaften. In Afrika gibt es mit Timbuktu in Mali seit 1968 eine Partnerschaft. Des Weiteren werden noch Partnerschaften zu Akron im Bundesstaat Ohio (USA), seit 1997 und zu Taiyuan in China seit 1999 gepflegt. In Deutschland ist die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf seit 1988 Partnerstadt. Daneben pflegen auch einzelne Stadtteile Partnerschaften zu anderen Gemeinden. Auch bestand eine Partnerschaft mit Irkutsk.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur

Kennzahlen

Chemnitz stellt eines der beiden Oberzentren des Ballungsraums Chemnitz-Zwickau dar, welcher zu den bedeutendsten Wirtschaftsräumen der neuen Bundesländer gezählt wird. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2004 rund 6,3 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 25.100 Euro pro Einwohner bzw. 43.100 Euro je Erwerbstätigen.[8] Die lokale und regionale Wirtschaftsstruktur ist vorrangig durch die Schwerindustrie mit den Branchen Fahrzeugbau, Maschinenbau und Metallverarbeitung geprägt. Aber auch die Solarindustrie hat Chemnitz als Produktionsstandort entdeckt. Die Stadt gehörte in den vergangenen Jahren zu den zehn wachstumsstärksten in Deutschland.

Die Arbeitslosenquote in Chemnitz lag im Juni 2007 bei 13,8 %[9]. In Chemnitz arbeiten rund 100.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die Stadt ist mit rund 46.000 Einpendlern täglich eine Einpendlerstadt.[10] 16,3 Prozent der Beschäftigten in Chemnitz waren im Jahr 2005 hochqualifizierte Arbeitskräfte mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss; ein Wert mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt.

Ansässige Unternehmen

  • AUTANIA Service GmbH
  • Becker Umweltdienste (ältestes Entsorgungsunternehmen Deutschlands)
  • Braustolz GmbH
  • Bruno Banani
  • Cetex Institut für Textil- und Verarbeitungsmaschinen gGmbH
  • Deutsche Telekom AG
  • enviaM (envia Mitteldeutsche Energie AG)
  • ESKA Automotive GmbH
  • EST Automatisierungstechnik GmbH
  • Getränke Pfeifer, Traditionsunternehmen seit 100 Jahren
  • Hörmann-Rawema
  • IAV GmbH (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr)
  • IT-Services and Solutions GmbH
  • KARL MAYER Malimo Textilmaschinenfabrik GmbH, Kettenwirkautomaten für technische Textilien
  • KUNEX GmbH
  • Lucas Textilmaschinenbau GmbH, Textimaschinenbau
  • NILES-SIMMONS-Hegenscheidt Gruppe
  • Oskar Böttcher GmbH & Co. KG Obeta Fachgroßhandel für Elektrotechnik
  • oerlikon Barmag,
  • Sanacorp Pharmahandel AG
  • Samputensili GmbH, Zahnradschleifmaschinenbau
  • Sächsische Nadel- und Platinenfabrik GmbH, Hersteller für Nadeln und Platinen für Textilindustrie
  • SCHÖNHERR Textilmaschinenbau GmbH, Webmaschinen und Jacquardmaschinen
  • Siemens AG Chemnitz
  • StarragHeckert AG (ehemals Heckert bzw. Wanderer). Maschinenbau – insbesonderen Fräsmaschinen
  • Terrot GmbH, Strickmaschinen
  • ThyssenKrupp Krause GmbH; früher Systemtechnik GmbH KST (Krause SystemTechnik) seit 2006: ThyssenKrupp KST GmbH
  • Union Werkzeugmaschinen GmbH Chemnitz (älteste existierende Werkzeugmaschinenfabrik Deutschland und Europa)
  • UNITUBE Technology GmbH, Rohrendenbearbeitungsmaschinenbau
  • Volkswagen Sachsen GmbH, Motorenfertigung Chemnitz

Stadtentwicklung

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der Umbenennung in Karl-Marx-Stadt wurde für die Stadt sehr ambitioniert versucht, ein Stadtzentrum zu errichten, das die klassischen Auffassungen vom Städtebau einer sozialistischen Stadt symbolisieren sollte. Dabei wurden die bisherigen Stadtgrundrisse in der Innenstadt zu Gunsten eines neu zu schaffenden Straßennetzes verworfen. Die Pläne wurden allerdings auf Grund des Mangels an Finanzen und eines Prioritätenwechsels zugunsten der Wohnraumschaffung nie komplett verwirklicht. In den 60er- und 70er-Jahren kam es zum großflächigen Aufbau von Wohngebieten in industrieller Plattenbauweise im Zentrum als auch in peripheren Lagen, wie das Fritz-Heckert-Gebiet, das Yorckgebiet oder auch das Beimlergebiet in Gablenz. Dagegen wurde die Altbausubstanz der Gründerzeit, welche vor allem in Kaßberg, Sonnenberg und Schloßchemnitz zu finden ist, wohl aus finanziellen als auch ideologischen Gründen vernachlässigt, woraufhin diese zunehmend verfiel.

Gläsernes Kaufhaus von Helmut Jahn
Gläsernes Kaufhaus von Helmut Jahn

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands stand die Stadt Chemnitz vor mehreren schwierigen Aufgaben. Die Einwohnerzahlen, vor allem in den früher begehrten Plattenbaugebieten, gingen durch Abwanderung in die alten Bundesländer sowie in das Umland stark zurück; und noch immer hatte Chemnitz keine klassische Innenstadt, welche aber immer stärker zur politischen Forderung wurde.[11] Diese Situation verschärfte sich mit der Errichtung großer Einkaufszentrum in der Stadtperipherie zu Beginn der 1990er-Jahre.

Restaurierte Jugendstilgebäude
Restaurierte Jugendstilgebäude

Damit handelte es sich um die einzige deutsche Großstadt, für die, ähnlich dem Wiederaufbau der direkten Nachkriegsjahre, erst seit 1990 ein Stadtzentrum geplant und realisiert werden musste, welches sich den Grundsätzen der „Europäischen Stadt“ verpflichtet fühlt. Planungen zur Wiedergewinnung einer verdichteten Innenstadt rund um das historische Rathaus führten 1991 zu einem städtebaulichen Wettbewerb. Dieser wurde seitens der Stadt international ausgeschrieben und mit Hilfe der Partnerstadt Düsseldorf durchgeführt. In seinen Dimensionen ist das bis dahin im Wesentlichen als Freifläche brachliegende Gelände an der Stelle der ehemaligen Innenstadt nur mit dem Bauvorhaben „Potsdamer Platz“ in Berlin vergleichbar.[11] Zahlreiche international renommierte Architekten wie Hans Kollhoff und Helmut Jahn prägten so das Bild der neuen Innenstadt. Die Bebauung verzögerte sich jedoch und war rund um den historischen Neumarkt erst 2003 mit der Eröffnung des Modekaufhauses Peek&Cloppenburg vollendet. Nach wie vor sind zwei Baufelder des zur Bebauung vorgesehenen Chemnitzer Zentrums noch nicht bebaut.

Des Weiteren wurden zahlreiche Gründerzeit- und Jugendstilbauten in verschiedenen Stadtteilen größtenteils durch private Initiative saniert, weswegen Stadtteile wie Kaßberg, Schloßchemnitz ihre Einwohnerzahlen seit rund 15 Jahren stabil halten konnten. Die Nachfrage nach Wohnungen in solchen Stadtteilen ist trotz höheren Preisniveaus vor allem in der jüngeren und arbeitsfähigen Bevölkerung sehr stark. Der auch mit dem „Stadtumbau Ost“ verbundene Abriss von teilweise geschichtlich wertvollen Denkmälern aus der Gründerzeit zu Gunsten der Aufwertung von Plattenbaugebieten ist daher sehr umstritten.[12][13] Auch fand, unterstützt durch den staatlich geförderten Eigenheimbau, seit Mitte der 1990er-Jahre eine starke Wanderungsbewegung in das Umland statt, wodurch aber auch eher ländlich geprägte Stadtgebiete wie Reichenhain und Adelsberg profitieren konnten.

Verkehr

Autobahn

Chemnitz im sächsischen Autobahnnetz
Chemnitz im sächsischen Autobahnnetz

Chemnitz wird von zwei Autobahnen durchzogen. Durch das nordwestliche Stadtgebiet führt als Ost-West-Achse die A 4 Erfurt – Dresden, welche am Kreuz Chemnitz auf die von Hof über die westlich gelegenen Stadtteile kommende A 72 trifft. Die Weiterführung der A 72 nach Leipzig befindet sich in Bau und ist bisher über eine Länge von ca. 11 km bis zur Anschlussstelle Niederfrohna freigegeben. Im Chemnitzer Stadtgebiet gibt es acht Anschlussstellen zu den beiden Autobahnen.

Die geplante Bundesautobahn 74 zwischen Chemnitz und Komotau über Zschopau, Marienberg und Hirtstein wurde bereits im Planungsstadium zurückgesetzt. Ein vierstreifiges Teilstück der B174 zwischen Stadtgrenze Chemnitz und Zschopau lässt die ehemals geplante A74 gut erahnen.

Bundesstraßen

Innenstadtring Chemnitz mit Blick auf die Kreuzung Annaberger Straße
Innenstadtring Chemnitz mit Blick auf die Kreuzung Annaberger Straße

Ferner führen die Bundesstraßen B 95, B 107, B 169, B 173 und B 174 durch das Chemnitzer Stadtgebiet.

Sämtliche Bundesstraßen bilden den südöstlichen Teil des sogenannten Cityrings, welcher das Stadtzentrum vollständig umschließt. Um die Innenstadt vom ortsfremden Durchgangsverkehr zu entlasten, soll der bereits vorhandene Cityring, durch einen vorgelagerten und in Teilen bereits existierenden Innenstadtring ergänzt werden. Zudem wird mit der Erweiterung des Südrings in nordöstlicher bzw. nordwestlicher Richtung, dieser in seiner Bedeutung als Tangentialverbindung gestärkt, so dass in Zukunft der Transitverkehr aus Richtung Erzgebirge über diese Verbindung zu der im Norden befindlichen Autobahn A4 geführt werden kann. Eine indirekte Verbindung mit der westlich der Stadt liegenden A72 ist bereits vorhanden.

Die Idee von zwei Stadtringen um das historische Zentrum wurde bereits im frühen 20. Jahrhundert geboren. Bis heute konnte keiner der beiden Ringe komplett verwirklicht werden. Es existiert jedoch bereits ein Teilstück des so genannten Innenstadtrings im Bereich zwischen Zschopauer- und Zwickauer Straße sowie ein größerer Teil des außeren Stadtringes, dem Südring weiter stadtauswärts.

Eisenbahn

Seit der Fertigstellung der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn 1852 ist die Stadt über Riesa mit der Eisenbahn an die beiden anderen sächsischen Großstädte Leipzig und Dresden angeschlossen. 1858 folgte die Erweiterung der Bahnstrecke nach Zwickau, hinzu kamen in der Folgezeit weitere Bahnstrecken nach Annaberg 1866, nach Dresden und Hainichen 1869, nach Leipzig und Limbach 1872, nach Aue und nach Marienberg/Reitzenhain 1875, nach Stollberg 1895 und 1902 nach Wechselburg und Rochlitz. 1903 folgte die für den Güterbahnverkehr bestimmte Güterumgehungsbahn nach Grüna. Die Strecke nach Leipzig wurde in den vergangenen Jahren für eine Geschwindigkeit von 160 km/h ausgebaut.

Heute verkehren nach Dresden und Zwickau Regionalbahnen im Stundentakt, darüberhinaus bedienen ausgehend von Dresden Regionalexpress- und Interregioexpresszüge die Sachsenmagistrale bis Hof bzw. Nürnberg. Der Interregioexpress verknüpft Chemnitz über die Mitte-Deutschland-Verbindung mit Erfurt und Göttingen. Stündlich stellen Regionalexpresszüge die Verbindung zum nationalen Knoten Leipzig Hbf. sicher. Auf den Strecken in Richtung Vejprty (Weipert) und Olbernhau über Flöha sowie nach Aue verkehren Regionalbahnen der Erzgebirgsbahn; der Anschluss nach Annaberg-Buchholz ist durch günstige Umsteigezeiten gesichert. Die Strecken nach Stollberg, Burgstädt und Hainichen werden durch die City-Bahn Chemnitz befahren. Täglich stellt die Vogtlandbahn eine Verbindung zwischen Berlin und Chemnitz her. Die Strecken nach Grüna/Wüstenbrand und Limbach-Oberfrohna werden weder für Personen- noch für Güterverkehr in Anspruch genommen.

Gemessen an seiner Stadtgröße ist Chemnitz jedoch sehr schlecht an nationale Bahnverbindungen angebunden.[14] Seit Dezember 2006 gehört Chemnitz zu den größten deutschen Städten ohne Fernverkehr der Deutschen Bahn. Direktverbindungen zu anderen Großstädten gibt es lediglich mit Dresden, Leipzig, Nürnberg, Gera, Jena, Erfurt, Göttingen und Berlin.

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es durch diese Umstände Diskussionen in der Stadt, welche die politisch Verantwortlichen auffordern, sich um eine Verbesserung der Anbindung zu bemühen. Diesen negativen Umstand wollte die Deutsche Bahn mit dem am 11. Dezember 2005 in Betrieb gesetzten Chemnitz-Leipzig-Express (CLEX) und der Kampagne „Start-Ziel-Sieg: 59 Minuten von Chemnitz nach Leipzig“ beheben, jedoch ist die Bahnstrecke teilweise eingleisig und zudem unelektrifiziert. Auch im Eisenbahngüterverkehr ist Chemnitz nach Stilllegung und Abbruch des Rangierbahnhofes Chemnitz-Hilbersdorf kein Eisenbahnknoten mehr.

Öffentlicher Nahverkehr

Der Prototyp mit der Wagennummer 601 der heute in Chemnitz verkehrenden Variobahnen an der Haltestelle „Südring“
Der Prototyp mit der Wagennummer 601 der heute in Chemnitz verkehrenden Variobahnen an der Haltestelle „Südring“

Den innenstädtischen öffentlichen Personennahverkehr bedienen fünf