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Closewitz
Stadt Jena
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| Koordinaten: | 50° 58′ N, 11° 34′ O50.9611.57257Koordinaten: 50° 57′ 36″ N, 11° 34′ 21″ O |
| Fläche: | 4,1 km² |
| Einwohner: | 144 (2006-12-3131. Dez. 2006) |
| Eingemeindung: | 1994-07-011. Juli 1994 |
| Postleitzahl: | 07751 |
Closewitz ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Jena in Thüringen.
Inhaltsverzeichnis |
Closewitz liegt auf der Ilm-Saale-Platte im nördlichen Stadtgebiet von Jena. Im bzw. nahe dem Dorf treffen 5 Kreisstraßen aufeinander. Das Stadtzentrum liegt ca. 7,5 km entfernt. Nach Weimar sind es 17 km und zur Landeshauptstadt Erfurt 40 km. Die nächstgelegenen Bundesstraßen sind die B 7 4 km westlich und die B 88 4 km östlich. Die nächste Autobahn ist die A 4 13 km südlich.
| Stadtteil Krippendorf (2 km) | Gemeinde Lehesten (5 km) | ||
| Stadtteil Lützeroda (1 km) | |||
| Stadtteil Cospeda (1,5 km) | Jena Stadtzentrum (7,5 km) |
Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung durch die kürzeste Straßenverbindung bis zum Ortszentrum.
Das zu Closewitz gehörende Gebiet liegt im nördlichen und südwestlichen Bereich auf den Höhen der Ilm-Saale-Platte. Auf den südlichen Höhen befindet sich das Naturschutzgebiet Windknollen. Im östlichen Teil der Gemarkung liegt das Rautal, ein Waldgebiet, in dem flächenhaft Winterlinge angesiedelt wurden und in dessen unteren Teil früher Weinbau betrieben wurde. In einem nördlichen Seitental befindet sich der Burschenplatz, ein historischer Treffpunkt der Burschenschaften. Nahe dem Ort entspringt der Steinbach, welcher 4 km weiter östlich in die Saale mündet. Die höchste Erhebung der Gegend ist der Dornberg mit 383 m ü. NN nordwestlich des Dorfes.
Der Ort ist als Bestandteil des Stadtgebiets bzw. als Jenaer Stadtteil kaum wahrnehmbar, da das eigentliche Jenaer Stadtgebiet sich ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Ortes auf der Sohle des Saaletales erstreckt. Zudem sorgen der Closewitzer Forst und das Rautal für eine räumliche Abgrenzung der eingemeindeten Orte auf der Ilm-Saale-Platte zum Weichbild der Großstadt, so dass der ländliche Charakter der Region erhalten geblieben ist.
In der Zeit von ca. 600 bis 800 n. Chr. erfolgte vermutlich die erste slawische Besiedlung des Territoriums. Der Name des Dorfes hat ebenfalls einen slawischen Ursprung. Close ist vermutlich abgeleitet vom slawischen Begriff für Ähre. Die Endung -witz deutet auf eine Siedlung hin: vergleichbar mit -dorf, -stadt usw. und ist in der Saaleregion häufig anzutreffen. Frei übersetzt ließe sich Closewitz somit als Ährendorf übersetzen.
Am Beispiel Closewitz ist gut zu erkennen, was eine falsche Abschrift einer Urkunde bewirken kann. Die auf das Jahr 1259 datierte Urkunde, die als Grundlage für die 725-Jahrfeier von Closewitz diente, beinhaltet allerdings nur Cospeda und Clöchwitz, eine Wüstung im Ziegenhainer Tal. In späteren Abschriften dieser Urkunde wurde, wahrscheinlich in Anlehnung an das benachbarte Cospeda aus der inzwischen in Vergessenheit geratenen Wüstung „Clochwitz“ dann einfach „Closwitz“ gemacht. Eine genaue Betrachtung dieser Problematik ist 2005 in einem Aufsatz durchgeführt worden.[1]
Die heute offizielle Ersterwähung des Ortes Closewitz stammt aus dem Jahr 1346, wo die Heldrungschen Halsgerichte in „Kloßwitz“ an Heinrich von Molewitz verkauft werden. Eventuell schenken die von Molwitz im selben Jahr einige dieser Güter dem Nonnenkloster zu Jena. Bereits vor diesem Datum wurden in Urkunden Personen mit dem Namen Closewitz erwähnt. 1309 wird ein Theodericus de Closwitz genannt[2] und 1317 verschenkt ein Heinrich von Closewitz einen Weinberg dem Nonnenkloster zu Jena.[3] Im Jahr 1351 verkaufen die von Molwitz Vogtei und Gericht zu Closewitz und das wüste Dorf Ziskau, welches sie von den Herren von Heldrungen erhalten hatten dem Nonnenkloster zu Jena. Bis zur Reformation wird Closewitz vom Propst zu St. Michael in Jena kirchlich versorgt. Nach Schließung des Klosters 1545 kommt Closewitz an das Amt Jena.
In der Nähe von Closewitz finden sich zwei Wüstungen, welche wahrscheinlich beide im Thüringer Grafenkrieg von 1342 bis 1346 zerstört wurden. Die Wüstung Ziskau (auch Czizow, Czischko oder Zittkau) liegt westlich des Dorfes und wurde 1351 als wüst bezeichnet. In Urkunden des 14. Jahrhunderts kommt der Famlienname „Cyscowe“ oder „Cystowe“ vor. Die Wüstung Schondorf oder Schöndorf genannt liegt nordöstlich von Closewitz. Noch heute existiert der Flurname „der Schöndorfer Garten“ und auf alten Karten findet sich der Schondorfer Graben nördlich des Rautals. Der Ort wurde 1355 als wüst bezeichnet. Die Einwohner beider Dörfer siedelten vermutlich nach Closewitz um.
1672 soll bei Closewitz ein festes Schloss gestanden haben, die Huneburg oder Wimmelburg, was aber umstritten ist.
1875 wird im Ort eine Dorfschule errichtet die bis in die 1940er Jahre genutzt wurde.
Der vergleichsweise kleine Ort erhält im Jahr 1874 eine eigene Hebamme. Im Jahr 1897 muss die Hebamme Steiniger ihr Amt wegen Krankheit jedoch niederlegen. Neue Hebamme für Closewitz wird Emilie Linz, eine Zimmermannsfrau aus dem Nachbarort Lützeroda. Die neue Hebamme betreut die drei Orte Cospeda, Closewitz und Lützeroda. Bei armen Schwangeren erhält die Hebamme 5 Mark je Entbindung, welche die 3 Gemeinden aufbringen mussten.
1908 findet der Bau der Wasserleitung und eines Speicherbeckens nordöstlich des Ortes statt. 1939 wird ein 110 ha großen Grundstück im Closewitzer Forst an den Reichsfiskus verkauft. Daraufhin wurde ein Exerzierplatz für die Wehrmacht eingerichtet der mit weiteren angekauften Grundstücken der Nachbargemeinde Cospeda erweitert wurde.
1943 bis 1945 werden in Closewitz Obdachlose aus den Industriestädten untergebracht. Mit ihnen und den Umsiedlern aus den deutschen Ostgebieten steigt die Bevölkerungszahl zeitweise auf ca. 300 Einwohner an. Weiterhin werden ab Anfang der 1940er Jahre auf die Bauernhöfe des Ortes Zwangsarbeiter aus Polen und Frankreich verteilt, um den Arbeitskräftemangel durch die sich im Wehrdienst befindenden Männer des Ortes auszugleichen.
Ende 1943/Anfang 1944 wird ein britisches Kampfflugzeug in der Nähe des Ortes abgeschossen. Der Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten, bleibt weitgehend unverletzt und wird von den Einwohnern des Ortes festgesetzt.
Im Frühjahr 1945 werden bei einem Luftangriff auf Jena die für das Stadtgebiet bestimmten Bomben von einem angloamerikanischen Piloten zu früh ausgeklinkt und verfehlen den Ort nur um einige hundert Meter. Noch heute sind im Rautal, nahe der sogenannten Panzerstraße, einige von den ursprünglich etwa 10 Bombentreffern im Wald zu sehen. Die Ursache für das verfrühte Ausklinken der Bomben ist nicht bekannt. Es wird jedoch von den Orstansässigen vermutet, dass die über Closewitz anfliegenden Piloten durch die unvollständig durchgeführte Verdunkelung annahmen, dass sie bereits über dem Stadtgebiet von Jena seien. Der Bombenangriff soll zudem in den frühen Morgenstunden bei starkem Nebel stattgefunden haben. Da gegen Ende des Krieges bereits eine hohe Effektivität der angloamerikanischen Bomberverbände in Bezug auf Navigation, Treffsicherheit und Zielmarkierung der Einsatzgebiete erreicht wurde, darf diese Vermutung jedoch stark angezweifelt werden.
Während des Zweiten Weltkrieges finden im Gebiet des Ortes keine Kampfhandlungen statt. Allerdings wird beim Einmarsch der Amerikaner im April 1945 ein Einwohner getötet, als US-amerikanische Soldaten mit Panzern einrücken und auf dem Dorfplatz das Feuer mit Maschinengewehren auf ihnen verdächtig erscheinende Bauernhöfe eröffnen.
Durch das Potsdamer Abkommen werden Thüringen und Sachsen Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Die Amerikaner ziehen somit im Sommer/Herbst 1945 aus Closewitz ab und die sowjetischen Streitkräfte ziehen in den Ort kurzzeitig ein, bevor sie im Norden Jenas eine Garnison in den Kasernen der Wehrmacht einrichten. Der für die Wehrmacht 1939 angelegte Exerzierplatz wird von nun an von der in Jena-Zwätzen und Jena-Löbstedt ansässigen sowjetischen Armee bis in die 1990er Jahre genutzt.
Am 10. August 1945 wird die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt. In der Nachkriegszeit werden die Bürgermeister in den Dörfern um Jena angewiesen, dass Schnapsbrennereien in den Dörfern zu unterbinden sind. Hintergrund sind sich häufende Diebstähle großer Mengen von Zuckerrüben in Closewitz und den umliegenden Dörfern. Im Dezember 1945 ist die Schulstelle in Closewitz verwaist. Ein Lehrer aus dem Nachbarort Krippendorf übernimmt für 3 Tage wöchentlich eine Vertretung. In der Schule in Closewitz findet in der Nachkriegszeit jedoch kaum noch regulärer Unterricht statt und bereits in den 1950er und 1960er Jahren wurde die Schule in Cospeda von den Closewitzer Schulkindern besucht. Durch den Neubau einer Schule im Nachbarort Stiebritz im Jahr 1975 verliert das Gebäude seine Funktion als Schulgebäude endgültig, wird aber als Gemeinderaum teilweise weiter genutzt.
Ende Dezember 1945 mussten etwa 50 Umsiedler in Closewitz untergebracht werden. Sie wurden von den Dorfbewohnern mit Pferdegespannen vom Bahnhof abgeholt und ihre Verpflegung musste von der Gemeinde gesichert werden. Am 19. April 1946 wird vom Gemeinderat ein Wohnungsausschuss gebildet, um die Umsiedler besser unterzubringen.
Zur ersten Wahl nach dem 2. Weltkrieg 1950 zählte der Ort 152 Wahlberechtigte.
In den 1950er Jahren fanden verschiedene Bautätigkeiten im Ort statt: 1953 Bau des Feuerlöschteiches, 1953/1954 Bau der Kanalisation zum Schindergraben, 1954/1956 Bau der sogenannten Panzerstraße im Rautal. 1955/1956 werden die Straßen im Dorf gepflastert. Weitere Baumaßnahmen folgen in den 1960er Jahren: Bau der Straße nach Isserstedt (1963), Bau der Gehwege im Ort (1965), Bau der Straße nach Rödigen zum Jägerberg (1968). 1974 wird Closewitz an die Trinkwasserversorgung der Ohra-Talsperre angeschlossen. Ein Sportplatz wird 1975 errichtet.
In den frühen 1970er Jahren beginnt die sowjetische Armee mit dem Ausbau des Closewitzer Exerzierplatzes. Es werden mehrstöckige Beobachtungstürme, Garagen, Zufahrtsstraßen, Trainingsstraßen für Panzerfahrzeuge u.a. auf dem Platz errichtet bzw. weiter ausgebaut. Insbesondere der etwa 13m hohe Beobachtungsturm und die Fahrzeuggaragen sind durch ihre exponierte Lage auf dem höchsten Punkt einige hundert Meter nordöstlich des Windknollen weithin sichtbar. Der Platz versteppt durch die intensive Nutzung als Fahrtrainingsgelände während der 1980er Jahre, erholt sich aber nach dem Abzug der Garnison rasch bis Mitte der 1990er Jahre, so dass er heute wieder einen fast kompletten Grasbewuchs aufweist.
1977 wurde im Gebäude der Dorfschule ein Arztzimmer eingerichtet.
1984 war die Festwoche zum 725-jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung.
Während der Koalitionskriege fand am 14. Oktober 1806 unmittelbar am Dorf die Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen Napoleons und der preußischen Teilarmee unter Führung des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen statt, die in die Geschichte als Schlacht bei Jena und Auerstedt einging. An den Vorabenden der Schlacht erstreckt sich die preußische Aufstellung von Vierzehnheiligen, dem späteren Brennpunkt der Schlacht, bis nach Closewitz und Rödigen.
Für Closewitz beginnt am 14. Oktober die Schlacht bereits in den frühen Morgenstunden. Der Ort wird nach heftigen Kämpfen durch die Franzosen besetzt. Zwischen Closewitz und dem westlich gelegenen Lützeroda stößt die französische Armee in ein Nadelöhr der preußischen Armee. Die Preußen müssen sich daraufhin zurückziehen und die Schlacht verlagert sich ab den späten Vormittagsstunden nach Vierzehnheiligen und Krippendorf. Napoleon befahl, die vorgeschobenen preußisch-sächsischen Stellungen erst bei den Dörfern Lützeroda und Closewitz und danach bei Rödigen und Lehesten anzugreifen. Es gelang den französischen Truppen, diese Einheiten von dem nebeligen Schlachtfeld abzudrängen.
Zur Erinnerung an die Schlacht wurden an den ehemaligen Schauplätzen zahlreiche Gedenksteine aufgestellt. Bereits zu Zeiten der DDR wurde begonnen, dieses Ereignis, welches zur Niederlage Preussens führte, in einem 10-Jahreszyklus nachzustellen. 1996 fand eine erste große Nachstellung der Schlacht von Jena und Auerstedt in einem Reenactment statt. 2006 wurde zum 200-jährigen Jubiläum ein Reenactment auf dem Schlachtfeld zwischen den Gemeinden Closewitz, Cospeda und Lützeroda mit einem großen Volksfest durchgeführt.
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Bereits Ende des 14. Jahrhunderts besaß die Gemeinde Closewitz ein eigenes Siegel. Es zeigt einen Raubvogel, dessen Hals mit einem Pfeil durchbohrt ist und der mit seinen Fängen einen Hasen schlägt.
1922 wird Closewitz im Zuge einer Gebietsreform dem Landkreis Jena-Roda zugeschlagen.
Mit der Gründung der DDR und der Gebietsreform wird Closewitz in den 1950er Jahren eine Gemeinde des Landkreises Jena-Land.
1974 schließen sich die geografisch dicht beieinander liegenden Gemeinden Cospeda, Closewitz und Lützeroda zusammen.
Bis 1993/1994 gehören die 3 Gemeinden zum Landkreis Jena-Land.
Im Jahre 1994 werden alle drei Orte von Jena eingemeindet und werden nicht Bestandteil des neuen Saale-Holzland-Kreises, der ebenfalls 1994 gegründet wurde und den größten Teil des ehemaligen Landkreises Jena-Land aufgenommen hatte.
Die Land- und Forstwirtschaft war die Haupterwerbsquelle des Ortes über viele Jahrhunderte hinweg. Bedingt durch die typisch kleinteilige Thüringer Siedlungsstruktur verfügten die Bauernhöfe in Closewitz über eine mittlere Hofgröße von nur ca. 8 bis 16 ha land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche, ein selbst im 19. Jahrhundert geringer Wert im Vergleich zu Bauern- und Gutshöfen z.B. in Preußen und Pommern, den damaligen Kornkammern des Deutschen Reiches.
Im Vergleich zu umliegenden Gemeinden ähnlicher Größe, verfügte Closewitz zum Ende des 19. Jahrhunderts über einen höheren Anteil an Forstfläche. Dies äußerte sich auch in den gelegentlich abgeschlossenen Jagdpachtverträgen mit dem Thüringischen Forstamt bzw. Fabrikanten und Kaufleuten aus Apolda und Jena. So bestand im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Jagdpachtvertrag mit dem Thüringischen Forstamt. Nach Auflösung des Vertrages im Jahre 1926, wurde am 1. April 1928 ein neuer Jagdpachtvertrag auf 9 Jahre mit dem Fabrikanten Emil Volkholz, dem Rechtsanwalt D. Hobeni und dem Kaufmann Arthur Weikardt aus Apolda abgeschlossen. Der Pachtzins betrug 1.260 Reichsmark für eine Fläche von 400 Hektar.
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigte die aufblühende Industrie des Saaletales zunehmend die Einwohner des Ortes. Vor allem die Zeiss-Werke, Schottwerke und Jenapharm hatten einen enormen Bedarf an Arbeitskräften. Die Bedeutung und der Arbeitsbedarf der Landwirtschaft sanken hingegen stetig. Zahleiche Bauernhöfe des Ortes wurden ab Beginn des 20. Jahrhunderts zu Nebenerwerbshöfen: nur noch ein Teil der jeweils auf dem Hof ansässigen Familie beschäftigte sich mit Land- und Forstwirtschaft, während zumeist die jüngeren, männlichen Einwohner in den Industriebetrieben Jenas arbeiteten.
Nach Ende des 2. Weltkrieges und mit Gründung der DDR wurden die Land- und Forstflächen der Gemeinde in LPGs eingebracht. Die Flächen selbst blieben Eigentum der Familien. Im Gegensatz zu den großen landwirtschaftlich geprägten Gebieten wie in Preußen, Pommer, Ostelbien u.a. fanden in Closewitz keine Enteignungen im Zuge der ab 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone durchgeführten Bodenreform statt. Die Betriebsgrößen unterschritten die für Enteignungen angesetzte 100ha-Grenze bei weitem.
Im Jahre 1948 hatte Closewitz 370 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bei einer - durch den Zuzug von Aussiedlern bedingten - Einwohnerzahl von 280. Die Einwohnerzahl sank in den Folgejahren wieder ab, da der Ort wirtschaftlich keine Perspektiven bot für eine derartige Zahl von Einwohnern. Zudem war die Verkehrsinfrastruktur und -anbindung an die Stadt Jena bis in die 1970er Jahre sehr unzureichend.
Am 6. März 1958 wurde die LPG Typ I Rautal in Closewitz gegründet. In den 1960er und 1970er Jahren fanden verschiedene Änderungen, Neugründungen und Zusammenlegungen von LPGs statt. Generell wurde die Landwirtschaft der DDR bis in die 1970er Jahre immer stärker in größeren Genossenschaften und Betrieben konzentriert. Die kleineren Wirtschaftseinheiten der 1950/1960er Jahre waren in den 1980er Jahren bereits unüblich. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den LPGs von Closewitz und der Nachbargemeinden. So fand bereits 1959 der Übergang der LPG Rautal vom Typ I zum Typ III statt (siehe auch Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) und am 31. März 1960 wurde eine weitere LPG vom Typ I gegründet mit dem Namen Frischer Wind. Diese trat jedoch am 1. Januar 1967 zur LPG Rautal über. Ähnlich wie beim Zusammenschluss der 3 Gemeinden Cospeda, Closewitz und Lützeroda im Jahr 1974, wurde auch bei den LPGs verfahren: die 3 einzelnen LPGs der Orte wurden zur LPG Typ (T) Vereinte Kraft zusammengeschlossen. Diese LPG wiederum, wird der am 1. Januar 1979 gegründeten LPG Pflanzenproduktion 30. Jahrestag der DDR mit Sitz in Altengönna angeschlossen.
Die Bewirtschaftung des 1939 eingerichteten Exerzierplatzes erfolgte bis Mitte der 1990er Jahre durch eine ortsansässige Schäferei die zeitweise bis zu 900 Tiere im Betrieb führte.
Im Ort gibt es heute keine nennenswerten landwirtschaftlichen Betriebe mehr. Die landwirtschaftlichen Flächen der früheren LPGs Vereinte Kraft und 30. Jahrestag werden seit den 1990er Jahren im wesentlichen durch die Gönnatal Agrar e.G. im benachbarten Altengönna bewirtschaftet. Die Bewirtschaftung des Exerzierplatzes findet ab Mitte der 1990er Jahre durch eine am Jägerberg ansässige Schäferei statt. Allerdings geschieht dies heute in einem weit geringeren Masse, was auch durch die Einrichtung eines Naturparkes auf dem Gebiet des ehemaligen Exerzierplatzes bedingt ist.
Die Dorfkirche ist eine kleine Saalkirche mit einem Chorpolygon. An der Nordwand sind noch die romanischen Mauern des Vorgängerbaus vorhanden. Der Chor wird von einem Kreuzgratgewölbe abgeschlossen. Ihn trennt ein gotischer Triumphbogen vom Kirchenschiff. 1818 fiel die Kirche einem Brand zu Opfer, bei dem das Dachgeschoss, das obere Langhaus, der Chor und ein Teil des Turmes zerstört wurden. 1820 wurde die Kirche wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Fenster und Türen des Kirchenschiffs sowie das Dach und ein Dachturm, der 1974 beseitigt werden musste. Im Inneren befinden sich Emporen und eine Orgel aus der Zeit des Wiederaufbaus.[5]
Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt die Closewitzer Kirche verschiedene Schenkungen: eine Taufkanne 1746 (gestiftet von Ernestina Christiana Agatha Herrgottin) und ein Kruzifix aus Zinn 1759 (gestiftet Hans Andreas Preiser).
Nordöstlich der Strasse nach Cospeda und unmittelbar vor dem Westeingang des Ortes befindet sich in einem Waldstück ein Naturschutzgebiet: der Naturkundehain Closewitz. Der Hain ist weitgehend eingezäunt und verfügt über befestigte und markierte Wege, sowie zahlreiche Schautafeln an einem besonders markierten Lehrpfad. Vor allem die für diese Region typischen Frosch- und Lurchteiche werden gezeigt. Er eignet sich für den Naturkundeunterricht von z.B. Grundschulklassen und wird von diesen auch häufig besucht.
Der Hain grenzt fast unmittelbar an den Ort, befindet sich aber auch teilweise auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz und wurde Mitte der 1990er Jahre im Rahmen einer ABM-Maßnahme eingerichtet. Unmittelbar neben dem Naturkundehain befindet sich ein kleiner Parkplatz.
Im Closewitzer Forst befindet sich ein weiteres Naturschutzgebiet welches ein größeres Vorkommen des Winterlings umfasst. Dieser Frühblüher wurde mit dem Weinbau in die Saaleregion eingebürgert und entfaltet im Frühjahr eindrucksvolle gelbe Blütenteppiche. Das Vorkommen des Winterling ist ein Beleg für das für Frühblüher und Orchideen günstige Mikroklima des Mittleren Saaletales.
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