Colonia Claudia Ara Agrippinensium (kurz CCAA, deutsch: Kolonie des Claudius und Opferstätte der Agrippinensier) war der Name der römischen Kolonie im Rheinland, aus der sich die heutige Stadt Köln entwickelt hat. Die CCAA war Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermanien und Hauptquartier des niedergermanischen Heeres. Mit der diokletianischen Verwaltungsreform wurde sie zur Hauptstadt der Provinz Germania Secunda. Zahlreiche Zeugnisse der antiken Stadt blieben bis heute erhalten, darunter eine Inschrift des Kürzels CCAA auf einem Bogen des römischen Stadttors, der sich heute im Römisch-Germanischen Museum befindet.
Die Ubier, ein Germanenstamm, wurden um 38 v. Chr. oder 20 v. Chr. durch den römischen Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa vom rechten Rheinufer auf das linke Ufer der Kölner Bucht in den römischen Herrschaftsbereich umgesiedelt,[1] nachdem Gaius Iulius Caesar den bis dahin hier lebenden Stammesverband der Eburonen bei einem Rachefeldzug ausgelöscht hatte.[2]
Als zentralen Siedlungsplatz ihres neuen Lebensraums wählten die Ubier eine Insel im Rhein aus, eine natürliche, hochwassergeschützte Bodenerhebung. Die Lage dieser heute nicht mehr existierenden Insel entspricht in etwa dem zwischen Heumarkt, Alter Markt und Rhein gelegenen Teil der Kölner Altstadt. Die Siedlung konnte durch archäologische Ausgrabungen auf die erste Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts datiert werden. In ihr war bereits das typisch römische, schachbrettartige Straßennetz angelegt. Der Name der Siedlung ist ungesichert, wenn man nicht die Bezeichnung Oppidum Ubiorum, „Siedlung der Ubier“, dafür annehmen will. Mit diesem Oppidum beginnt die römische Geschichte Kölns.
In der Regierungszeit des Kaisers Augustus (30 v. Chr. bis 14 n. Chr.) wurde die Ara Ubiorum („Altar der Ubier“) im Stadtgebiet errichtet. Dieser Altar war möglicherweise als zentrales Heiligtum der durch das noch zu erobernde transrhenanische Germanien zu bildenden großgermanischen Provinz vorgesehen. Für das Jahr 9 v. Chr. ist der aus der Familie des Arminius stammende cheruskische Adelige Segimundus als Priester der Ara schriftlich bezeugt [3]. Nach der Niederlage des Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 n. Chr. in der so genannten „Schlacht im Teutoburger Wald“ wurde von den groß angelegten Eroberungsplänen für das rechtsrheinische Germanien Abstand genommen. Dennoch behielt der Altar eine gewisse Bedeutung, da die Stadt auf zahlreichen Inschriften als „Ara Ubiorum“ erscheint.
Zwischen den Jahren 9 und 30 n. Chr.[4] waren in der Nähe der Stadt die Legio I Germanica (1. „Germanische“Legion) und die Legio XX Valeria Victrix (20. Valerianische Legion mit dem Beinamen „Die Siegreiche“) stationiert [5]. Der Platz des Doppellegionslagers erhielt den Namen Apud Aram Ubiorum („Beim Altar der Ubier“).
Von 13 n. Chr. bis zu seiner Abberufung durch Tiberius im Jahr 17 n. Chr. befand sich in Köln das Stabsquartier des Germanicus bei dessen Bemühen, die Rheingrenze zu stabilisieren und neuerliche Offensiven gegen das rechtsrheinische Germanien vorzubereiten und durchzuführen. Beim Tode des Augustus (14 n. Chr.) meuterten[6] die Kölner Legionen und beabsichtigten den Germanicus zum Kaiser auszurufen[7] . Dieser verhielt sich jedoch loyal dem Thronfolger Tiberius gegenüber, verhinderte die geplante Kaiserproklamation und beschwichtigte die meuternden Soldaten durch weitreichende Konzessionen.
Nach ihrem gut zwei Jahrzehnte währenden Aufenthalt im Kölner Raum wurde die Legio I nach Bonna, dem heutigen Bonn, und die Legio XX nach Castrum Novaesium, dem heutigen Neuss, verlegt.
Agrippina die Jüngere, Tochter des Germanicus und Gattin des Kaisers Claudius, die im Jahre 15 n. Chr. in Köln geboren worden war, erreichte es, dass Claudius im Jahre 50 n. Chr. ihre Geburtsstadt zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium („Kolonie des (Kaisers) Claudius (und) Opferstätte der Agrippinenser“) erhob [8]. Eine Colonia verfügte über weiter reichende Rechte als ein Oppidum. Die zu diesem Zeitpunkt etwa 30.000 Einwohner zählende Colonia wurde die Verwaltungshauptstadt Niedergermaniens, das zu dieser Zeit noch keine Provinz, sondern ein vom Heer verwalteter Bezirk (exercitus Germaniae inferioris) war.
Bis 70 n. Chr. erhielt die Stadt eine mächtige Stadtmauer von etwa 8 m Höhe und 2,5 m Breite. Das heute im Stadtbild noch teilweise zu sehende, aufgehende Mauerwerk entstammt aber in weiten Bereichen einer Bauphase des 3. Jahrhunderts. Die Fläche des ummauerten Stadtgebietes betrug etwa einen Quadratkilometer. An den Ausfallstraßen lagen fünf große Gräberfelder, deren bedeutendste Stelen und Grabbeigaben im Römisch-Germanischen Museum zu sehen sind.
Mit dem Tode des Kaisers Nero im Jahre 68 n. Chr. stellte sich in Rom die Nachfolgefrage, die im Reich einen Bürgerkrieg auslöste. Während in Rom der zunächst vom Senat eingesetzte Servius Sulpicius Galba von seinem Konkurrenten Marcus Salvius Otho und der Praetorianergarde ermordet wurde, riefen die Legionen in der CCAA ihren Oberbefehlshaber Aulus Vitellius zum Kaiser aus [9]. Dieser marschierte mit dem überwiegenden Teil des rheinischen Heeres nach Italien ab und besiegte die Truppen Othos, der sich nach der (ersten) Schlacht von Bedriacum tötete.
An der von den Truppen entblößten Rheingrenze kam es zu einem Machtvakuum. Im Nordosten Niedergermaniens erhoben sich die Bataver. Die zu dieser Zeit noch überwiegend von der ubischen Bevölkerung geprägte und nicht vollends romanisierte CCAA schloss sich ihnen an. Nachdem die Bataver aber den Abriss der Stadtmauer forderten, wechselte die CCAA wieder zur römischen Seite. [10]
Nach acht Monaten wurde Vitellius durch Titus Flavius Vespasianus gestürzt, da dessen Truppen zuvor bereits Otho anerkannt hatten und nun Nachteile befürchteten. Vitellius wurde getötet und in den Tiber geworfen.
Mit der Provinzgründung der Germania Inferior unter Domitian um 89 n. Chr. wurde die CCAA Sitz des Statthalters. Unweit der CCAA war die Classis Germanica, die römische Rheinflotte stationiert. Sie lag südlich der Stadt im Flottenkastell Alteburg, das 276 n. Chr. bei Angriffen der Franken zerstört wurde. Dieser Bereich wurde später Alte Burg genannt, wonach heute der „Alteburger Wall“ und der „Alteburger Platz“ benannt sind.
In der Zeit als Provinzhauptstadt war die CCAA kein Legionsstützpunkt mehr. Die Legionen der Provinz waren in den Lagern Castra Vetera II nahe der Colonia Ulpia Traiana (in der Nähe des heutigen Xanten), Novaesium und Bonna stationiert. Der Name der Stadt variierte im Sprachgebrauch der Jahrhunderte. Im 4. Jahrhundert wurde sie meist noch „Colonia Agrippina“, ab dem 5. Jahrhundert schließlich nur „Colonia“ genannt.
Nach Plünderungen im 4. Jahrhundert (die Franken eroberten 355 die Stadt) fiel die CCAA schließlich im 5. Jahrhundert an die Rheinfranken (Ripuarier). Zwei reiche Bestattungen im Dombereich zeugen von dieser Zeit.
Die Topographie der antiken CCAA unterschied sich von der des heutigen Kölns. Der Unterschied ist heute nicht mehr allzu offensichtlich, lässt sich aber vom aufmerksamen Beobachter teilweise noch im Stadtbild nachvollziehen.
Die Stadt war durch eine Stadtmauer geschützt, die heute noch an einigen Stellen in gut sichtbaren Resten erhalten ist. Beachtenswert ist die Inschrift CCAA vom Stadttor des cardo maximus unmittelbar beim Kölner Dom (heute im Römisch-Germanischen Museum) und der Römerturm aus dem 3. Jahrhundert.
Die Errichtung der Stadtmauer war die umfangreichste Baumaßnahme, die in der CCAA jemals durchgeführt wurde. Sie begann mit der Erhebung des oppidum zur colonia und dürfte in weniger als einem Vierteljahrhundert abgeschlossen gewesen sein. Die erforderlichen logistischen Maßnahmen stellen eine Leistung für sich dar. So mussten die benötigten Steine auf dem Wasserweg über nicht geringe Entfernungen herangeschafft werden, da in der Umgebung der Stadt selbst keine ausbeutbaren Natursteinvorkommen existieren.
Die Mauer war über 3,9 Kilometer lang und umfasste eine Fläche von annähernd 97 Hektar. Sie war in einer einheitlichen Konzeption entworfen worden, orientierte sich an den topographischen Gegebenheiten des Geländes und vollzog die Konturen des hochwasserfreien Plateaus im wesentlichen nach. Nur an der Ostseite der Kolonie zog sie tief in die Rheinaue hinab. Die Stadtmauer war mit insgesamt 19 Türmen im Abstand zwischen 77 und 158 m bewehrt. Auch hier stellte die östliche Mauerfront wieder insofern eine Besonderheit dar, als an ihr die Türme gänzlich fehlten. Den Zugang zum Inneren der Stadt ermöglichten neun Stadttore von jeweils individueller Gestaltung. Vor der Mauer diente auf den drei Feldseiten der Stadt ein Graben, der eine Breite von bis zu 13 m und eine Tiefe von bis zu 3,30 m erreichte, als Annäherungshindernis. Diese Funktion scheint er jedoch im Laufe des 2. Jahrhunderts - infolge der sich ausbreitenden Bebauung des Geländes außerhalb der Stadtmauer - zunehmend verloren zu haben.
Die 19 Türme wurden – wie die Mauer selbst – nach einem einheitlichen Konzept entwickelt (sogenannter „Kölner Normaltyp“). Sie ruhten auf jeweils 9,80 m mal 9,80 m großen Fundamentplatten. Das aufgehende Mauerwerk war zur Stadtseite 1,20 m bis 1,30 m stark, zur Feldseite hin betrug seine Mächtigkeit 2,40 m bis 2,50 m. Die höchste nachgewiesene Turmhöhe lag bei insgesamt sieben Metern, wovon 1,50 m auf das Fundament entfielen.
In die Stadtmauer waren insgesamt neun Tore (eins auf der Nordseite, drei im Westen, zwei im Süden und drei zum Rhein hin, auf der Ostseite) von unterschiedlicher Größe und Bedeutung eingelassen. Die größten Tore, jeweils mit drei Bögen und zugehörigen Torbauten versehen, lagen an den nördlichen, westlichen und südlichen Enden des Cardo Maximus und des Decumanus Maximus. Hier gingen diese Hauptachsen des innerstädtischen Straßennetzes in die Fernstraßen über.
Das gesamte Befestigungswerk war aus vermörtelten Natursteinen errichtet. Für die repräsentativen Toranlagen wurden Kalksteine und rote Sandsteine verwendet, das übrige Steinmaterial bestand zu rund 80 % aus Grauwacke, zu 5 % aus Basalt und zu 3 % aus Trachyt. Die restlichen 12 % verteilten sich auf diverse andere Gesteine.
Der relativ gute Erhaltungszustand der römischen Stadtmauer ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sie in der Völkerwanderungszeit und im frühen Mittelalter nicht dem Steinraub zum Opfer fiel, von dem die meisten römischen Bauwerke betroffen waren. Sie wurde weiterhin als Wehrmauer genutzt und war noch im 11. Jahrhundert der einzigen Schutz der mittelalterlichen Stadt Köln. Ihr Verlauf ist aufgrund der erhaltenen Fragmente und anhand der Straßenverläufe noch immer sehr gut im modernen Stadtbild nachzuvollziehen. Die Stadtverwaltung Köln hat darüber hinaus metallene Markierungen an den wichtigsten Punkten installiert.
Im heutigen Stadtbild entspricht der Verlauf der römischen Stadtmauer im wesentlichen den folgenden Straßenzügen:
Sichtbare Spuren der römischen Stadtbefestigung, ihr vom Kölner Dom in westliche Richtung folgend:
Die römische Stadtmauer blieb bis zur mittelalterlichen Stadterweiterung und Bau der neuen umfassenderen Mauer von 1180 in Benutzung.
Das so genannte „Ubiermonument“, in der Literatur auch als „Hafenturm“ bezeichnet, befindet sich an der Ecke Mühlenbach/An der Malzmühle. Das 1965/66 entdeckte Monument ist der älteste datierte römische Steinbau in Deutschland. Es handelt sich bei diesem Bauwerk um einen annähernd quadratischen Steinturm auf einer Fundamentplatte von nahezu 11 m², deren Unterkante sich etwa sechs Meter unterhalb des Laufniveaus der CCAA befindet. Über der Fundamentplatte erhebt sich ein Fundamentsockel aus drei Lagen von Tuffquadern. Das aufgehende Tuffsteinmauerwerk ist mit bis zu neun Quaderlagen noch 6,50 m hoch erhalten. Vor dem Hintergrund der Masse des Bauwerks war eine Verfestigung des Baugrunds in der Rheinaue notwendig. Zu diesem Zweck wurden Eichenpfähle in den Boden gerammt. Die dendrochronologischen Untersuchungen ergaben, dass die Bäume im Jahre 4 n. Chr. gefällt worden sind. Der archäologische Befund zeigte darüber hinaus, dass der Turm zum Zeitpunkt des Baus der Stadtmauer schon zerstört war. Er ist also eindeutig älter als die CCAA und dem Oppidum Ubiorum zuzuweisen. Seine Funktion ist nicht geklärt. Es könnte sich um einen Bestandteil der Stadtbefestigung des Oppidums oder/und um einen den römischen Hafen kontrollierenden Wachturm handeln.
Das „Ubiermonument“ wurde konserviert und kann besichtigt werden.[29][30]
Die Stadttore erschlossen das Straßensystem mit den noch heute bedeutenden Straßen. Im Straßenplan des heutigen Kölns lässt sich noch das Raster der römischen Straßen erkennen. Aus dem Cardo maximus entwickelte sich die heutige „Hohe Straße“, aus dem decumanus maximus die Schildergasse. Die heutige „Aachener Straße“ folgt im wesentlichen der Via Belgica, die als Verlängerung des decumanus maximus über u. a. Jülich, Heerlen und Maastricht nach Amiens in Frankreich führte. Weitere Ausfallstraßen aus der Römerzeit sind die heutige Severinsstraße und in ihrem weiteren Verlauf die Bonner Straße, die über Confluentes (Koblenz) nach Mogontiacum (Mainz) führte, dann die Luxemburger Straße, welche über Zülpich (Tolbiacum) quer durch die Eifel nach Augusta Treverorum (Trier) führte und der Straßenzug „Eigelstein“ – „Neusser Straße“ – „Niehler Straße“. Dabei handelt es sich um die den Rhein entlang führende Heerstraße über Neuss (Novaesium) nach Xanten (Colonia Ulpia Traiana).
Das Niveau dieser Straßen lag deutlich unter dem heutigen. So liegt der Cardo maximus bis heute unter der „Hohen Straße“ in etwa 5,5 m Tiefe. Bei Kanalisationsarbeiten im August 2004 wurde im Schutt der spätrömischen Straße der Torso einer Venus-Figur gefunden.
Das Praetorium diente als Wohn- und Amtssitz sowie Verwaltungsgebäude des Statthalters der Provinz Germania Inferior. Der Statthalter vereinigte in seiner Person den militärischen Oberbefehl über das niedergermanische Heer (Exercitus Germaniae Inferioris) und den zivilen Oberbefehl über die Provinz. Seine zivile Gewalt umfasste sowohl die Judikative wie auch die Exekutiv- und – im regionalen Rahmen – die Legislativgewalt. Statthalter einer Provinz war als Legatus Augusti Pro Praetore (Gesandter des Kaisers im Range eines Praetors) immer ein ehemaliger römischer Consul. Er unterstand nur dem Kaiser direkt. Zur Bewältigung seiner Aufgaben war ihm ein umfangreicher Verwaltungsapparat sowie eine Kohorte Infanterie und eine Ala Kavallerie unmittelbar unterstellt.
Das Praetorium der CCAA befand sich in der antiken Stadt unmittelbar an der östlichen Stadtmauer, nordöstlich des Forumsbezirkes. Es ist der einzige Verwaltungsbau dieser Art im gesamten Gebiet des eheamligen Imperium Romanum, bei dem der Name „Praetorium“ als solcher inschriftlich überliefert ist [31]. Im Wesentlichen konnten bei dem Gebäude, das im Laufe seiner Geschichte wiederholte Neu- und Erweiterungsbauten erlebte, vier verschiedenen Bauphasen differenziert werden:
Beim Bau des neuen Rathauses 1953 wurde der Bezirk des Praetoriums weitgehend ausgegraben und archäologisch untersucht. Die steinernen Überreste der verschiedenen Bauphasen wurden konserviert und können unter dem so genannten „Spanischen Bau“ des Rathauses besichtigt werden. [35][36]
Wie in jeder größeren römischen Stadt befand sich im Zentrum der CCAA, am Schnittpunkt von Cardo und Decumanus maximus der Forumsbezirk. Der gesamte Forumsbezirk des antiken Köln umfasste vermutlich sechs Insulae („Wohnblocks“). Im Bereich der beiden westlichen Insulae wurde der Platz von einem großen Ring-Kryptoportikus, einer unterirdischen Hallenanlage abgeschlossen, deren Außenduchmesser rund 135 m betrug. In diesem unterirdischen Bauwerk ist vermutlich das Heiligtum der Stadt, die Ara Ubiorum zu suchen. Über dem Kryptoportikus, auf dem antken Laufniveau, erhob sich vermutlich ein Portikus, eine zur eigentlichen Platzanlage – dem Forum – hin offene Säulenhalle entsprechender Größe. Das Forum selbst nahm vermutlich den Raum von vier Insulae in Anspruch, wovon sich zwei westlich und zwei östlich des Cardo Maximus befanden.
Im heutigen Stadtbild von Köln ist von den antiken Relikten dieses Bezirks oberirdisch nichts mehr zu sehen. Auch die modernen Straßenverläufe stimmen mit denen, die im antiken Köln den Forumsbezirk abgrenzten, nicht überein. Das ungefähre Areal wäre im Kreuzungsbereich „Hohe Straße“/„Gürzenichstraße“ und dann weiter nach Osten Richtung „Schildergasse“ hin zu suchen. Im Untergeschoss des Kaufhauses „Schildergasse“/Ecke „Herzogstraße“ wurde ein Mauerblock des Forums konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[30][37][38]
Auch wenn der direkte archäologische Nachweis auf der Grundlage entsprechender Baubefunde bislang noch aussteht, so kann die Existenz mindestens eines Amphitheaters in der CCAA als gesichert angenommen werden. Einzelfunde aus dem Stadtbild belegen epigraphisch die Existenz beispielsweise eines Vivariums[39] oder den Fang von 50 Bären[40], die vermutlich zu Tierhatzen benutzt wurden. Diese inschriftlichen Hinweise stehen zudem in inhaltlichem Zusammenhang mit Weihungen an die Diana Nemesis, die als Schutzgöttin der Gladiatoren galt. Abgerundet wird das Bild durch die Funde zweier Inschriftensteine aus Deutz bzw. aus dem südlichen Gräberfeld, die in den 1950er Jahren gemacht wurden [41]. Bei dem ersten Stein handelt es sich wiederum um einen Weihestein für die Diana Nemesis[42], bei dem zweiten um den Grabstein eines „Doctors“ der Gladiatoren. Die Inschrift lautet:
Es handelt sich also um einen den Totengöttern (Dis Manibus) geweihten Grabstein eines „Doctors“ der Gladiatoren mit dem Namen Germanius Victor.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Fund eines Grabsteines für zwei Gladiatoren, der sich auf die erste Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts datieren lässt [43]. Der Stein zeigt im unteren Bereich seiner Frontseite zwei Gladiatoren in Kampfstellung und mit typischer Bekleidung und Ausrüstung versehen.
Die Kartierung aller Einzelfunde, die mit den Theaterspielen in unmittelbarem Zusammenhang stehen (darunter auch noch einschlägige bildliche Darstellungen in Mosaiken oder auf Tafelgeschirr), lässt ein Amphitheater am ehesten in den nördlichen Randbezirken der CCAA vermuten.
Nach römischem Vorbild gab es auch in CCAA einen Kapitolstempel, der den Göttern Jupiter, Juno und Minerva geweiht war, an dessen Stelle im 11. Jahrhundert die Kirche St. Maria im Kapitol errichtet wurde. Diese liegt in der südlichen Altstadt am „Marienplatz“.
Ein Marstempel ist ebenfalls überliefert. Die Straßennamen „Marspfortengasse“, „Obenmarspforten“ und „Marsplatz“ deuten noch heute auf seinen ehemaligen Standort hin. Vor dem eigentlichen Eingang zum Marstempel befand sich ein Torbogen, die Porta Martis. Diese musste durchschritten werden, um den Tempel zu erreichen. Deshalb auch der Name „Marspfortengasse“. Der Tempel selbst dürfte etwa an der Position des heutigen Wallraf-Richartz-Museum gestanden haben. Den Überlieferungen nach soll in diesem Tempel auch ein Schwert Cäsars aufbewahrt worden sein, das dieser nach seiner Schlacht gegen die Eburonen zurückgelassen haben soll.
Von den spätantiken Bauten ist vor allem der polygonale Baukern der heutigen Kirche St. Gereon hervorzuheben.
Die Existenz eines frühchristlichen Kultraumes in Köln wird von Ammianus Marcellinus für das Jahr 355 überliefert. Wo sich dieser Kultraum befand, ist nicht bekannt. Als Bischofssitz - der erste namentlich bekannte Bischof war Maternus - muss in Köln bereits vorher eine Kirche existiert haben. Im Bereich des Doms sind Kirchenbauten seit dem frühen Mittelalter nachweisbar, die Platzkontinuität einer Bischofskirche seit der Spätantike ist dort aber nicht ausgeschlossen.
Durch die andauernde Neubebauung der Stadt ist nur wenig von der antiken Wohnbebauung bekannt. Dennoch konnten immerhin mittlerweile über 36 Wohngebäude mit Mosaikfußböden lokalisiert werden [44]. Das am besten erhaltene ist das Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik, das ins Römisch-Germanische Museum integriert wurde.
Vom 1. bis zum 3. Jahrhundert wurde die Stadt am Rhein durch die Eifelwasserleitung mit frischem Trinkwasser versorgt. Mit ca. 95 Kilometer Länge war sie eine der längsten Wasserleitungen des römischen Reichs und die längste nördlich der Alpen, von der man weiß. Sie ist ausschließlich archäologisch bezeugt. Ferner gab es Thermen (im Gebiet von St. Peter/Museum Schnütgen).
Zur Abwasserentsorgung existierten in Köln unterirdische Leitungen. Die Abwässer wurden ungeklärt in den Rhein entsorgt. Ein längerer Abschnitt der Abwasserleitungen wurde begehbar gemacht und ist vom Praetorium aus zugänglich.
Die Kölner Thermen waren bereits Anfang der 1950er Jahre durch Grabungen der Römisch-Germanischen Museums um St. Cäcilien nachgewiesen. Genauere Beobachtungen konnten aber erst 2007 bei den Bauarbeiten für den Bürokomplex Cäcilium an der Ecke Cäcilien-/Leonard-Tietz-Straße getroffen werden. Zu Tage kamen 1,20 Meter breite und bis zu 1,70 Meter hohe Fundamente eines Rundbaues von 18 Metern Außenweite aus opus caementitium, die wohl aus dem 2./3. Jahrhundert stammen und bis ins 4. Jahrhundert benutzt wurden. Die Anlage reicht damit an die Größe von kaiserlichen Badeanlagen in Baiae heran. An zwei Seiten sind noch Reste der Hypokaustenanlagen sichtbar. Die Funde werden nicht abgeräumt sondern unter einer 400 m² großen Bodenplatte abgedeckt bleiben. Der Bauherr verzichtet dabei auf entsprechend zu nutzende Flächen. Die zur Straße Nord-Süd-Fahrt hin gelegenen Bereiche der Thermen wurden seinerzeit beim Straßenbau „tiefgründig zerstört“. [45]
Die erste feste Brücke über den Rhein entstand vermutlich im Jahre 310 unter Konstantin I. [46]. Sie verband das rechtsrheinische Kastell „Divitia“ (im heutigen Stadtteil Deutz), in dem bis zu 1.000 Soldaten untergebracht waren, mit der CCAA. Die Brücke überspannte den Strom auf einer Länge von rund 420 Metern. Insgesamt fünfzehn bisher nachgewiesene Brückenpfeiler trugen in ungleichmäßigen Abständen die etwa zehn Meter breite Fahrbahn. Die Brücke wurde möglicherweise noch im hohen Mittelalter genutzt. Ihr Ende ist nicht sicher geklärt. Der Überlieferung nach soll ihr Abriss als Präventivmaßnahme gegen nächtliche Überfälle auf das mittelalterliche Köln durch den Erzbischof Bruno I. (953-965) veranlasst worden sein [47]. Danach dauerte es bis zum Jahr 1822, bevor die Stadt erneut durch eine Brücke mit Deutz verbunden wurde.
Das Brückenkopfkastell DIVITIA befand sich rechtsrheinisch, auf dem Gebiet des heutigen Kölner Stadtteils Deutz. Die Gründungsinschrift des Kastells wurde 1128 bei Abbrucharbeiten auf dem Kastellgelände entdeckt. Ihr zu Folge wurde das Militärlager unter Konstantin I. durch die Legio XXII (22. Legion) um das Jahr 310 errichtet. Es sollte der Verstärkung der Rheingrenze gegen die in spätantiker Zeit immer häufiger auf linksrheinisches Gebiet übergreifenden Germanen dienen. Die Überlieferung der Gründungsinschrift [48] wurde durch archäologische Funde (Konstantinische Münzen und Ziegelstempel der Legio XXII) bestätigt, die Mauerzüge des Kastells durch Ausgrabungen im 19. und 20. Jahrhundert nachgewiesen.
Es handelt sich bei dem Deutzer Kastell um ein quadratisches Steinkastell, das bei einer Seitenlänge von 142,35 m eine Fläche von rund zwei Hektar vereinnahmte. Umgeben war es von einer 3,30 m mächtigen Mauer, die mit vierzehn vorspringenden Rundtürmen bewehrt war. Darüber hinaus waren die beiden Lagertore von je zwei halbrunden Wehrtürmen flankiert, die Tore selbst waren mit Fallgittern armiert. Mit seiner Westseite grenzte das Kastell unmittelbar an den Rhein. Die drei Landseiten besaßen als Annäherungshindernis einen zwölf Meter breiten und drei Meter tiefen Spitzgraben, der sich rund 30 Meter vor den Kastellmauern befand. Ein weiterer, etwa gleich breiter Graben zwischen dem äußeren Graben und dem Kastell wurde in der Forschung zwischenzeitlich als karolingisch interpretiert[49], gehört aber wahrscheinlich ebenfalls der Gründungsphase des Lagers an.
Das Kastell wurde von einer nur 5,10 m breiten Lagerhauptstraße in westöstlicher Richtung durchschnitten. Diese Straße verband die beiden einzigen Tore der Fortifikation miteinander und führte auf der Westseite des Lagers unmittelbar hinter dem Westtor auf die Rheinbrücke zur CCAA. Nördlich und südlich der Lagerstraße befanden sich jeweils acht, mit ihren Schmalseiten zur Straße hin ausgerichtete Kasernenbauten, die Platz für eine Besatzung von bis zu 1.000 Mann boten. Die vier Bauten im Zentrum des Lagers unterschieden sich durch zur Lagerhauptstraße hin vorgesetzte Portiken von den übrigen Gebäuden und dürften wohl als Stabs- und Verwaltungsgebäude sowie als Offiziers- und Unteroffizierswohnungen gedient haben. Bei den restlichen zwölf Kasernen hat es sich vermutlich um die Unterkünfte genau so vieler Centurien gehandelt. Aufgrund des Fehlens entsprechender Zerstörungshorizonte kann davon ausgegangen werden, dass während der Frankeneinfälle in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts das Kastell nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vermutlich wurde es zu Beginn des 5. Jahrhunderts planmäßig geräumt. Anschließend diente es als fränkische Königsburg.
Im heutigen Stadtbild sind noch einige Spuren der ehemaligen Fortifikation sichtbar:
Wie im gesamten Römischen Reich befanden sich auch in der CCAA keine Bestattungsplätze innerhalb der Wohngebiete. Schon das Zwölftafelgesetz aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert hatte es verboten die Toten innerhalb der Stadt zu begraben oder zu verbrennen („Hominem mortuum in urbe ne sepelito neve urito.“ Tafel X) [53]. Dieses Gebot wurde über die Jahrhunderte in allen römischen Siedlungen eingehalten. Stattdessen waren die Ortschaften entlang ihrer Ausfallstraßen von weitläufigen Friedhofsanlagen umgeben. So umschloss auch die CCAA ein Ring aus Friedhöfen. In der Literatur wird zwischen fünf verschiedenen Gräberfeldern unterschieden. Die frühesten Grablegungen hielten noch einen bis zu mehrere hundert Meter weiten Abstand von der Stadtmauer. Im städtischen Umland von Köln sind außerdem Gräberfelder bekannt, die aufgrund ihrer Lage und Größe zu stadtnahen Villen gehört haben.
Die weiteste Ausdehnung der Gräberfelder wurde an der nach Bonna führenden Limesstraße mit einer Länge von drei Kilometern ermittelt. Im heutigen Stadtbild entspricht dieses so genannte Südliche Gräberfeld dem Severinsviertel resp. der Severinstraße und der Bonner Straße. Seine Belegungsdauer reicht vom frühen ersten Jahrhundert kontinuierlich bis in die fränkische Zeit. Nahezu alle Bestattungsformen sind vertreten. Bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. herrschen Brandgräber in Urnen, Erdgruben und Steinkisten vor. Im Verlauf des 3. Jahrhunderts lösen Körperbestattungen die Brandgrabstätte ab. Körperbestattungen werden in Holzsärgen, Sarkophagen aus Stein und Bleisärgen angelegt, manchmal sind keine Reste eines Sarges nachgewiesen. Auch vereinzelte Grabkammern sind lokalisierte worden. Unter den bemerkenswerteren Einzelgräbern finden sich das monumentale Grabmal des Lucius Poblicius[54], eines Veteranen der Legio V Alaudae aus den 40er Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts und die ebenfalls dem frühen ersten Jahrhundert entstammende Grabstele des Sklavenhändlers Caius Aiacius. [55][56]
Eine ähnlich große Fläche nimmt das Gräberfeld Luxemburger Straße mit einer Länge von rund 2,5 km und einer Breite von bis zu 400 m ein. Die heutige „Luxemburger Straße“ entspricht weitestgehend dem Verlauf der römischen Staatsstraße von der CCAA zur Augusta Treverorum. In diesem Gräberfeld fanden sich nur wenige größere Grabmonumente, ansonsten konnten alle gängigen Grabtypen mit zum Teil aufwändiger Gestaltung und üppigen Beigaben nachgewiesen werden. Eine Besonderheit ist der archäologische Nachweis zentraler Verbrennungsplätze, so genannter Ustrinae.
Eine Ausdehnung von mehr als zwei Kilometern nimmt das Gräberfeld Aachener Straße ein. Die heutige „Aachener Straße“ entspricht in ihrem Verlauf dem der römischen Staatsstraße, die Köln über Iuliacum, Tongeren und Bavai mit der Kanalküste verband. Auch hier sind die monumentalen Grabbauten relativ selten zú finden, allerdings stammen mit zwei Diatretbechern gleich zwei der spektakulärsten römischen Einzelfunde auf dem Kölner Stadtgebiet aus dieser Nekropole.
Die Achse des Nordwestlichen Gräberfeldes bildete eine nicht klar bestimmbare, in nordwestliche Richtung die antike Stadt verlassende Nebenstraße. Während die übrigen Gräberfelder der CCAA zumindest in der Anfangszeit ihrer Belegung einen gewissen Abstandsraum zur Stadtmauer gelassen hatten, schloss das Nordwestliche Gräberfeld schon zu Beginn seiner Belegungsgzeit unmittelbar an die Stadtmauer an. Rund 1.200 Bestattungen sind bekannt, davon etwa 800 Brand- und 400 Körpergräber. Bemerkenswert ist die Belegungsdauer der Nekropole, deren Nutzung in frührömischer Oppidumszeit beginnt und weit über das Ende der römischen Herrschaft bis in das 9. Jahrhundert fortdauert. Aus dem Bereich des Gräberfeldes konnten zahlreiche Grabsteine geborgen werden. Auffällig die Stele des spätantiken Offiziers Vitorinus, der im 4. Jahrhundert bei Divitia von einem Franken erschlagen wurde [57].
Das ganz im Norden des antiken Kölns gelegene Gräberfeld Neusser Straße orientierte sich – wie das „Südliche Gräberfeld“ – wieder am Verlauf der Limesstraße, hier in Richtung Novaesium. Die Belegung des Gräberfeldes setzte – von vereinzelten Ausnahmen abgesehen – im Wesentlichen erst in der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts mit der Bestattung von Militärpersonen ein. Monumentale Grabbauten wurden nur vereinzelt aufgefunden. Kleinere Bestattungsformen aller Variationen dominierten die nördliche Nekropole. Vielfältige Berufsbezeichnungen auf den geborgenen Grabstelen vermitteln einen Eindruck vom Wirtschaftsleben der antiken Stadt, die große Variationsbreite der Kleinfunde spiegelt die breite Fächerung der ausgeübten Religionen wider.
In den folgenden Pubikationsreihen waren und sind Forschungsergebnisse zur Archäologie und Geschichte des römischen Kölns regelmäßig vertreten: