
David Ricardo (* 18. April 1772 in London; † 11. September 1823 in Gatcombe Park) war ein britischer Ökonom und ein früher Vertreter der „Klassischen Nationalökonomie“.
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David Ricardo wurde am 18. April 1772 als drittes von 17 Kindern in eine streng gläubige jüdische Familie geboren.[1] Diese stammte ursprünglich aus Portugal und war erst kurz zuvor aus den Niederlanden nach London immigriert.[2] Ricardos Vater war als Börsenmakler tätig und galt als einer der reichsten Männer seiner Zeit. Dieser führte seinen Sohn im Alter von 14 Jahren in seinen Beruf ein, nahm ihn mit zur Londoner Börse und ließ ihn dort arbeiten. Einige Jahre später, im Alter von 21 Jahren, lernte Ricardo die christliche Priscilla Anne Wilkinson kennen, die dem Quäkertum angehörte. Diese heiratete er kurz darauf und entsagte somit dem jüdisch-orthodoxem Glauben. Ricardos Vater enterbte seinen Sohn daraufhin und brach alle Kontakte zu ihm ab.[3] Ricardo erhielt von Freunden ein Darlehen und eröffnete bald ein eigenes Maklerbüro. Bereits wenige Jahre darauf war er zu Reichtum gekommen, was ihm erlaubte sich bald aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen.[2]
Neben seinen Geschäften befasste sich Ricardo auch mit Mathematik und Naturwissenschaften. Nach der Lektüre des Buches »The Wealth of Nations« von Adam Smith (1723–1790) befasste er sich ab 1799 intensiv mit der Ökonomie. Zunächst fertigte er nur Studien an, aber 1809 veröffentlichte erstmals kritische Zeitungsbeiträge zu diesem Thema.[2] Allerdings beschäfte er sich erst ab 1814 ausschließlich mit seinen Studien.[3] Ricardo stand in den folgenden Jahren in engem Kontakt zu anderen führenden Ökonomen seiner Zeit, wie James Mill (1773–1836) und Thomas Robert Malthus (1766–1834), mit denen ihn Freundschaft verband, auch wenn sie fachlich anderer Auffassung waren. Teilweise als Resultat dieser Dialoge, besonders mit Mill, entstanden schließlich »Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock« (1815) und »On the Principles of Political Economy and Taxation« (1817) die Hauptwerke Ricardos. Ab 1819 saß Ricardo als Abgeordneter des irischen Bezirks Portalington im britischen Unterhaus. Dort setzte er sich für den Freihandel und die Abschaffung der Getreidezölle ein. Schließlich verstarb Ricardo am 11. September 1823 in Gatcombe Park an den Folgen einer Mittelohrentzündung.[4]
Den Zeitgenossen zufolge war Ricardo ein „freundlicher, nie rechthaberischer, überlegter und etwas zurückhaltender Mensch“[1]
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David Ricardo veröffentlichte 1817 Principles of Political Economy and Taxation und entwickelte die Theorie der komparativen Kostenvorteile, einem Kernpunkt der Außenhandelstheorie. Nach Ricardo lohnt sich Außenhandel für alle Volkswirtschaften, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben. Weil jedes Land den größtmöglichen Güterertrag erzielt, wenn es die Produkte mit den geringeren Arbeitskosten selbst herstellt und die übrigen Güter im Austausch bezieht, wobei schon die relativen Kostenvorteile die internationale Arbeitsteilung und ihre weitere Spezialisierung gewährleisten. Weitere wichtige Schriften Ricardos sind Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (1815), worin er die freie Korneinfuhr empfahl und die 1820 verfasste Essay on the Funding System, worin er Steuererhöhung statt der Anleihen forderte.
Ricardo konnte sich gemeinsam mit Robert Torrens mit der These durchsetzen, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Damit war die gegenteilige These John Fullartons und Thomas Tookes widerlegt, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich ganz von alleine regeln würde.
Ricardos Name ist eng verknüpft mit der Theorie der Grundrente, welche die Entstehung der letzteren darauf zurückführt, dass von verschiedenen vorhandenen Bodenqualitäten die besseren nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, und deshalb der Preis der Bodenprodukte so hoch stehen müsse, dass die Kosten für Bebauung des schlechtesten noch unentbehrlichen Grundstücks gerade gedeckt würden.
Ricardos pessimistische Haltung zum technischen Fortschritt (s. dort), wie sie später auch Marx teilte, gilt heute als wenig plausibel. Der Marxismus beinhaltet außerdem Ricardos Definition von Wert, wonach dieser von der menschlichen Arbeit abhängt, der an der Ware verrichtet wurde. Marx baute darauf seine Version der Arbeitswertlehre und seine Theorie vom Mehrwert auf.
Heute spricht man von der „Neoricardianischen Schule“, wenn Wirtschaftswissenschaftler wie Joan Robinson oder Piero Sraffa auf Teile von Ricardos Theorie zurückgreifen. Ricardos "Kornmodell" gilt auch als ein frühes Beispiel einer Ein-Gut-Parabel. Nach Ricardo ist auch die sogenannte Ricardianische Äquivalenz benannt.
Ricardo zu Ehren führte später der Lehrstuhl der politischen Ökonomie an der Londoner Universität seinen Namen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ricardo, David |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Nationalökonom |
| GEBURTSDATUM | 18. April 1772 |
| GEBURTSORT | London, Großbritannien |
| STERBEDATUM | 11. September 1823 |
| STERBEORT | London, Großbritannien |
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