| Dieser Artikel erläutert die allgemeine Bedeutung von Fundamentalismus, die philosophische erkenntnistheoretische Position wird unter Erkenntnistheoretischer Fundamentalismus erläutert. |
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Fundamentalismus ist allgemein gesehen eine Überzeugung, die sich zu ihrer Rechtfertigung auf eine Grundlage beruft, die auf einer Letztbegründung beruhe und absolut wahr sei. Nicht nur Religionen, sondern auch Philosophien, Weltanschauungen oder politische Theorien vertreten so nicht selten den Anspruch auf den Besitz der absoluten Wahrheit, was praktisch einhergeht mit einer Aufspaltung der Mitmenschen in Rechtgläubige und Falschgläubige bzw. im Konfliktfall in Freund und Feind.
Im weitesten Sinne wird als fundamentalistisch eine religiöse oder weltanschauliche Bewegung bezeichnet, die eine Rückbesinnung auf die Wurzeln einer bestimmten Religion oder Ideologie fordert, welche notfalls mit radikalen und teilweise intoleranten Mitteln durchgesetzt werden soll.
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In seiner ursprünglichen Bedeutung geht der Begriff Fundamentalismus auf eine konservative Reformbewegung gegen modernistische Tendenzen innerhalb des US-amerikanischen Protestantismus zurück. Zwischen 1910 und 1915 verfasste eine Gruppe Geistlicher am Princeton Theological Seminary und dem Westminster Theological Seminary eine weit verbreitete Reihe von Traktaten (Auflage drei Millionen) unter dem Titel The Fundamentals: A Testimony to the Truth. Als 1920 ein sympathisierender Journalist, Curtis Lee Laws, die Verfechter der Reformbewegung fundamentalists nannte, bekam die Bewegung damit einen bleibenden Namen.[1]
Inhaltlich richtete man sich gegen die moderne Theologie, insbesondere gegen die Anwendung der historisch-kritischen Methode auf die Bibelexegese. Auch die moderne darwinsche Evolutionslehre wurde zurückgewiesen, weil sie im Widerspruch zur wörtlich verstandenen Schöpfungsgeschichte im Alten Testament stand. Federführend für diese Gedanken waren Leiter aus der amerikanischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Höhepunkt war der Scopes-Prozess 1925 in Dayton (Tennessee), bei dem es um die Evolutionslehre im Widerspruch zur Schöpfungslehre ging.
Die vier „Fundamente“ der Bewegung waren:
Durch den Absolutheitsanspruch und die emotionale Spannung der sich bedroht fühlenden Fundamentalisten wurde Fanatismus geweckt, der sich ebenfalls bewusst und ausdrücklich durch Intoleranz auszeichnet und durch Ablehnung einer Wirklichkeit, die als Korruption der Glaubenswerte verstanden wird.[2] Toleranz ist, nach Ansicht der Fundamentalisten, nichts anderes als das Akzeptieren von Entwicklungen, die ihren Glauben und Leben gefährdeten, indem sie sie vom tragenden Fundament entfernten.
Die transreligiöse Verwendung verdankt der Begriff der islamischen Revolution im Iran 1979. Unter dem Einfluss des Ayatollah Khomeini (s.u.), der auf Grund seiner wörtlichen Auslegung des Korans Körperstrafen wie Auspeitschen, Handabhacken und Steinigungen wieder einführte, griffen Publizisten auf diesen Begriff zurück, weil sich der protestantische Fundamentalismus ebenfalls auf eine absolute, wörtliche Auslegung ihrer heiligen Schrift bezog. In Bezug auf den Islam erschwert "Fundamentalismus" nach Meinung von Kritikern dieses Begriffs eine Differenzierung verschiedener Strömungen und Ursachen.Quellenangabe fehlt! Eventuell, weil jede Strömung einen anderen Kanon an fundamentalen Texten heranzieht, etwa mit oder ohne Scharia. Siehe Islamischer Fundamentalismus.
Im populären Sprachgebrauch werden unter dem Begriff Fundamentalismus zuweilen unterschiedslos konservative religiöse Gruppen, gewalttätige Mitglieder einiger Volksgruppen mit mehr oder weniger religiöser Motivation, oder Terroristen zusammengefasst, was diesen Begriff heute problematisch macht. Obwohl es unter diesen Gruppentypen Überschneidungen gibt, lassen sie sich nicht prinzipiell gleichsetzen; auch büßt der Begriff an Bedeutung ein, wenn nicht auf die jeweiligen Fundamente Bezug genommen wird. Fundamentalisten charakterisiert man im allgemeinen dadurch, dass sie sich auf bestimmte konkrete Grundlagen (oder das, was sie darunter verstehen) ihrer Religion (oder gelegentlich auch im weiteren Sinne verwendet: ihrer Partei, Ideologie) beziehen und darüber keine Diskussion zulassen, mit dem Begriff sollen Intoleranz, Radikalismus und auch daraus entstehende Gewaltbereitschaft suggeriert werden, wobei dies teilweise dem selbst geäußerten Selbstverständnis der Gruppe entspricht, teilweise nicht.
Fundamentalismus, der als eine grundsätzliche Gegenbewegung gegen die Moderne gesehen werden kann ("Fundamentalismus ist misslungene Modernisierung. Er ist ... eine Reaktion auf Modernisierungsprozesse, die mit der Vorstellung verbunden ist, der Komplexität der Moderne müsste man ganz einfache Antworten entgegensetzen.")[3], sieht die grundlegenden Prinzipien einer Religion durch Relativismus, sexuelle Selbstbestimmung, Pluralismus, Historismus, Toleranz und das Fehlen von Autorität gefährdet. Er propagiert die Rückkehr zu traditionellen Werten und striktes Festhalten an religiösen Dogmen. Ein Mittel dazu sieht er im politischen Engagement. Typisch für ihn ist, dass er die in westlichen Ländern übliche Trennung von Kirche und Staat aufgibt, um seine Ziele auch mit politischen Mitteln durchsetzen zu können.
Die fundamentalistische Weltanschauung ist in der Regel durch ein dualistisches Konzept des Niedergangs, nach dem die Anhänger des Wahren und Guten im Kampf gegen die Schlechten, das "Böse", anders Denkenden und anders Gläubigen begriffen sind, geprägt. Dazu vertreten sie eine Lehre, der zufolge Sünde weniger das persönliche Fehlverhalten, sondern eine gesellschaftliche Kraft darstellt. Dieser politisch verstandenen Sünde kann in der Konsequenz nur mit der Errichtung einer Theokratie entgegengewirkt werden.
Strittig ist insbesondere die Abgrenzung zu Anhängern konservativer oder orthodoxer Richtungen von Religionen oder Ideologien. Diese stehen ebenfalls gegenwärtigen Entwicklungen kritisch oder ablehnend gegenüber, nehmen dabei aber eine eher moderate Haltung ein. Konservative und Orthodoxe wollen auch eher die real existierenden Traditionen ihrer unmittelbaren Vorfahren fortsetzen, während Fundamentalisten zu einem angenommenen "Urzustand" vergangener Zeiten zurücklenken zu können meinen.
Charakteristisch für den Fundamentalismus ist ferner die oft kritiklose Rezeption heiliger Texte bzw. die Ablehnung kritischer, wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit religiösen Texten (siehe Verbalinspiration).
Typisch ist auch die "Annahme einer in baldiger Zukunft bevorstehenden Weltwende", etwa durch die - buchstäblich vorgestellte - Wiederkunft Christi (christlich), die Ankunft des 12. Imam (schiitisch), die apokalyptische Endschlacht zwischen Gut und Böse oder den Beginn des Jüngsten Gerichts.
Religionssoziologisch bilden die Fundamentalisten oft kleinere Gruppen innerhalb großer Religionen, die sich von der Mehrheit absetzt, weil diese die grundlegenden Prinzipien der Religion verraten habe. Versteht man Fundamentalismus als eine Bewegung zurück zu den Quellen der Religion, so waren die Reformatoren in vergröberter Sicht ebenfalls eine Art Fundamentalisten. Islamwissenschaftler wie zum Beispiel Oliver Roy (u.a. in seinem Buch "Der islamische Weg nach Westen - Globalisierung|Entwurzelung|Radikalisierung", dt. Ausg. Pantheon 2006) unterschieden im Islamismus unter anderem einen militanten Islamismus (oder islamistischen Terrorismus) und einen Neofundamentalismus.
Solche Gruppen können theologisch Fundamentalisten sein, aber sie kommen ebenso unter neuen religiösen Bewegungen vor. (Siehe auch: Totalitarismus)
Terroristische Gruppen üben Gewalt undifferenziert gegen Unbeteiligte aus, um ihre, gewöhnlich politischen, Ziele zu erreichen. Die Motivation kann ganz oder teilweise aus einer religiösen oder ideologischen Überzeugung stammen; diese ist aber nicht notwendigerweise fundamentalistisch.
Die Verwendung des Begriffes auf die Politik ist recht jung (1990er Jahre), und seine Verwendung noch problematischer als in Bezug auf Religion. Die Politik von McCarthy, oder von Diktatoren entspricht in vielerlei Hinsicht der Definition von Fundamentalismus, fußt aber nicht auf einem bereits überlieferten Fundament, außer der jeweiligen Heiligen Schrift.
In der Politik wird Fundamentalismus allerdings als Problem diskutiert: Im späten 20. Jahrhundert erlangten einige fundamentalistische Bewegungen vor allem wegen ihrer Verbindung mit Gewalt und Terrorismus weltweite Aufmerksamkeit. Der sich gewaltsam äußernde Fundamentalismus wird deshalb von einigen als eines der größten weltpolitischen Probleme des 21. Jahrhunderts gesehen (siehe auch Huntingtons Theorie vom Kampf der Kulturen). Gewalttätige politische fundamentalistische Gruppen sind beispielsweise die deutsche RAF, der griechische 17. November, Al-Qaida, die libanesische Hisbollah (Hizb Allah "Partei Allahs"), der peruanische Sendero Luminoso ("Leuchtender Pfad") und die US-amerikanischen Ku Klux Klan und Jewish Defense League.
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