Günzburg


Marktplatz mit Blick auf das Untere Tor
Marktplatz mit Blick auf das Untere Tor

Günzburg ist eine Große Kreisstadt im schwäbischen Landkreis Günzburg und liegt an der Mündung der Günz in die Donau.

Günzburg ist heute der Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises, der 1972 aus der kreisfreien Stadt Günzburg sowie den Landkreisen Günzburg und Krumbach gebildet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Günzburg wurde um ca. 70 n. Chr. als Kastell „Guntia“ (auch „Contia“ oder „Gontia“) von den Römern zur Verteidigung der Donaugrenze gegründet. Der Name leitet sich von einer keltischen Flussgöttin ab. Es bestanden mindestens zwei zeitlich aufeinanderfolgende Kastelle: das erste ab ca. 70 n. Chr., das zweite nach Rücknahme der Grenze vom Rätischen Limes zur Donau infolge der Alamanneneinfällen von 260 n. Chr., die vermutlich der Sicherung einer wichtigen Donaubrücke dienten. Vermutlich war diese Brücke die letzte in römischer Hand nach dem Alamannensturm 260 n. Chr. – Die Brücke scheint ein feststehender, allgemein bekannter geographischer Begriff in der römischen Welt gewesen zu sein, sie wird als „Transitus Guntiensis“ in einer Lobrede (Pan. VIII,2,1) auf den Regenten Constantius Chlorus aus dem Jahre 297 n. Chr. erwähnt: “[…] a ponte Rheni usque ad Danubii transitum Guntiensem […].”

Stationiert waren in Günzburg unter anderem eine Ala, eine 500 bis 600 Mann starke römische Elite-Reitereinheit; in der Spätantike die „Milites Ursariensis“, eine angesehene Truppe unbekannter Herkunft und Waffengattung (Quelle: Notitia Dignitatum), wahrscheinlich bestand die Einheit zu einem guten Teil aus Germanen. Neben dem Kastell entwickelte sich eine größere, zeitweise recht wohlhabende Zivilsiedlung (Vicus) mit guter Einbindung in das römische Fernstraßennetz. Die Ergebnisse der umfangreiche Ausgrabungen römischer Bestattungsplätze sind im Heimatmuseum zu besichtigen, es handelt sich dabei um die größten ausgegrabenen römischen Gräberfelder nördlich der Alpen (mehrere tausend Bestattungen).

Um 488 befahl Odoaker den Rückzug der Römer aus Raetien, wobei unklar ist, in wie weit diesem Befehl in der Region Folge geleistet wurde; vermutlich blieben zumindest Reste der Römer bzw. Romanen zurück, da die nahe gelegenen Siedlungen Waldstetten und Waldkirch als Orte, an welchen Walchen bzw. Welsche gesiedelt haben (Wald leitet sich hier von Walch ab), identifiziert wurden. Ab 493 hatten in diesem Gebiet die Ostgoten zumindest formell die Oberhoheit. Diese siedelten ab 506 alemannische Siedler als Grenzschutz gegen die Franken an. Im Jahr 536 mussten die Ostgoten das Gebiet dann aber doch an die Franken abtreten. Wahrscheinlich bestand ein fränkischer Königshof, der Unterbau des Kirchturms von Sankt Martin soll ein Überrest dieses Hofes sein. Die nahe gelegene Burg Reisensburg wurde als „Ricinis“ bereits um 700 vom „Geographen von Ravenna“ als eine der fünf wichtigsten Burgen Alemanniens erwähnt.

1065 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als „Gunceburch“. 1301 kam die Stadt an das Haus Habsburg, welche Günzburg zum Hauptort der Markgrafschaft Burgau und zeitweise für ganz Vorderösterreich ausbauten. Schon bald nach Inbesitznahme durch die Habsburger wurde die ursprünglich im Mündungstal der Günz zur Donau liegende Stadt um eine schematisch-planmäßig auf einem Riedelvorsprung errichtete „Oberstadt“ erweitert, welche die „Unterstadt“ infolge der Verlegung des Marktes rasch überflügelte. 1418 erhielt die Stadt die Hochgerichtsbarkeit.

Die Günzburger Oberstadt im Jahr 1643 nach einem Stich von Matthäus Merian aus der "Topographia Sueviae"
Die Günzburger Oberstadt im Jahr 1643 nach einem Stich von Matthäus Merian aus der "Topographia Sueviae"

Von 1609 bis 1618 wurde die Stadt Residenz des Markgrafen Karl von Burgau, eines strengen Katholiken und Sohns Ferdinands des II. von Tirol. Für ihn ließ sein Vater 1577–1580 ein großes Schloss erbauen. Karl starb kinderlos, woraufhin Günzburg zurück an die Habsburgische Hauptlinie fiel. Im Dreißigjährigen Krieg nahm die Stadt schweren Schaden: von den mehr als 2.400 Einwohnern erlebte nur jeder Dritte das Ende dieses katastrophalen Krieges, einige kleinere umliegende Dörfer (so etwa Kleinkötz) traf es noch härter. Auch ein Stadtbrand im Jahr 1735 traf die Stadt schwer, jedoch wurde dadurch erst der Bau der Frauenkirche von Dominikus Zimmermann ermöglicht, eines Meisterwerks des Rokoko. Kaiserin Maria Theresia war der Stadt sehr wohlgesinnt, während ihrer milden Herrschaft wurde unter anderem eine Münzprägestätte errichtet, die über alle Maßen erfolgreich tätig war. In ihr wurde bis zum Ende der österreichischen Herrschaft der Maria-Theresien-Taler, die weitverbreitetste Silbermünze der Welt, geprägt.

Nach dem Frieden von Pressburg wurde die Stadt 1806 schließlich bayrisch, worüber die Einwohner anfangs gar nicht glücklich waren. Ein Pfarrer notierte damals in sein Tagebuch: „nun sind wir also bairisch, Gott steh uns allen bei“. Jahrelang weigerten sich die Günzburger standhaft, den österreichischen Bindenschild aus dem Stadtwappen zu entfernen und stattdessen die bayerischen Rauten zu übernehmen.

Ganz in der Nähe von Günzburg wurde auch im deutschen Bauernkrieg 1525 der Leipheimer Haufen (ca. 5.000 Bauern) von dem Heer des schwäbischen Bundes massakriert.

Das neu entwickelte Luftwaffen-Flugzeug Messerschmitt Me 262 absolvierte 1942 seinen Jungfernflug auf dem Fliegerhorst Leipheim.

Stadtteile

  • Deffingen
  • Denzingen
  • Leinheim
  • Nornheim
  • Reisensburg
  • Riedhausen
  • Wasserburg

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat hat 24 Mitglieder. Seit der Kommunalwahl 2008 verteilen sich die Sitze auf folgende Listen:

  • CSU: 8 Sitze (2002: 8); 28,0%
  • SPD: 7 Sitze (8); 29,4%
  • Unabhängiger Wählerblock (UWB): 4 Sitze (4); 16,9%
  • Freie Wählergemeinschaft (FWG): 4 Sitze (3); 15,2%
  • Günzburger Bürgerliste (GBL): 1 Sitz (1); 7,2%

Aufgrund der Listenverbindung von CSU, UWB und FDP (3,3%) fielen die Stimmen der FDP der CSU zu.

Oberbürgermeister ist seit 2002 Gerhard Jauernig (SPD). Er wurde mit 96,4% im Amt bestätigt. Zweiter Bürgermeister ist derzeit Anton Gollmitzer (FWG), dritte Bürgermeisterin Dr. Angelika Fischer (GBL).

Vorgänger Jauernigs ist Altbürgermeister Dr. Rudolf Köppler.

Partner- und Patenstädte

  • Partnerstadt ist die bretonische Kleinstadt Lannion (20.000 Einwohner) im Departement Cote d’Armor.
  • Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Sternberg in Mähren – seit dem 20. Juni 1955
  • Freundschaftsvertrag mit Neustadt in Sachsen – seit 1990

Sehenswürdigkeiten

Touristische Attraktionen Günzburgs sind die von Dominikus Zimmermann zwischen 1736 und 1741 erbaute Frauenkirche, die Vorgängerin der Wieskirche, das markgräfliche Schloss (das einzige von Habsburgern erbaute in Deutschland), die Reisensburg (heute Tagungszentrum der Universität Ulm) sowie die umfassend sanierte, fast vollständig erhaltene Altstadt, daneben auch der 2002 eröffnete Freizeitpark Legoland Deutschland.

Mitte November 2005 meldete die dpa, dass ein Investor die seit zwei Jahren brachliegende, 27 Hektar umfassende ehemalige Bundeswehrliegenschaft in Günzburg gekauft habe. Zusätzlich zu dem vorhandenen Legoland-Themenpark soll dort auf dem Gelände der früheren Prinz-Eugen-Kaserne ein weiterer großer Freizeitpark mit Feriendorf, Badesee, Tauchturm und Großkino errichtet werden.

Wirtschaft

Wirtschaftsunternehmen

Verkehrslage und Investitionen

Günzburg ist ein IC-Bahnhof an der Strecke MünchenAugsburgUlmStuttgart. Außerdem beginnen hier die Donautalbahn und die Mittelschwabenbahn. Die Stadt liegt an der Autobahn A 8 München–Stuttgart, die sich bei Günzburg mit der Bundesstraße 16 kreuzt. Durch die Stadt führt außerdem die Bundesstraße 10.

Der Bahnhof wird derzeit (2006) mit einem Kostenvolumen von 8,3 Millionen Euro modernisiert. Ferner wird ein Operationstrakt der Neurochirurgischen Klinik (8,6 Mio. Euro) auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses und die Grundschule Südost (3,5 Mio. Euro) neu gebaut.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

  • Johann Eberlin von Günzburg (* um 1470 in Kleinkötz), reformatorischer Prediger und Autor
  • Leopold Wilhelm Günzburg Simpert (* 28. November 1695; † 19. Mai 1696 in Günzburg), Erbprinz von Baden-Baden
  • Therese Huber (1764–1829), Schriftstellerin, Übersetzerin, Redakteurin
  • Karl Kempter (* 17. Januar 1819 in Limbach bei Günzburg, † 11. März 1871 in Augsburg), deutscher Komponist und Kirchenmusiker
  • August Wetzler (1821–1881), Apotheker und Geologe
  • Alexander Heilmeyer (1872–1940), Schriftsteller
  • Franz Xaver Schwarz (* 27. November 1875; † 2. Dezember 1947 im Internierungslager bei Regensburg), Reichsleiter und einziger Reichsschatzmeister der NSDAP
  • Max Baur (* 4. Februar 1898; † 16. Dezember 1988 in Aschau im Chiemgau) gilt als einer der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts
  • Josef Mengele (* 16. März 1911; † 7. Februar 1979), ein Sohn der Industriellenfamilie Mengele, der KZ-Arzt von Auschwitz
  • Leo Wagner (1919-2006), Politiker, von 1963 bis 1975 parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag
  • Bruno Merk (* 15. April 1922 in Großkötz) Politiker, ehemaliger bayerischer Innenminister, „Vater der Gebietsreform“
  • Petra Kelly (* 29. November 1947; † 1. Oktober 1992 in Bonn), Politikerin, Friedensaktivistin und Gründungsmitglied der Partei Die Grünen
  • Conny Glogger (* 14. Juli 1956), Schauspielerin und Radiomoderatorin
  • Diana Damrau (* 1971), Sopranistin
  • Alpay Hekimler (* 1973 in Günzburg), Wirtschaftswissenschaftler

Kurioses

Aus „Rache“ für die jahrhundertelange Geringschätzung der Unterstadt durch die Oberstädtler erlaubte sich ein Steinmetz bei der Sanierung des oberstädtischen Marktplatzes einen Scherz: ins Pflaster verbaute er einen großen hinterteilförmig gestalteten Stein, der ausdrücken soll, was die Unterstädter von den Oberstädtern halten.

Der Name Günzburg schmückt sogar den Triumphbogen in Paris. Dafür verantwortlich war Napoleon, der 1805 übrigens auch vergaß, in Günzburg seine Zeche zu bezahlen. Doch 1989 beglich der französische Staatspräsident François Mitterrand in Begleitung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl bei einem Besuch der historischen Altstadt die Altschulden symbolisch.

Auf dem Gelände eines Möbelhauses in Günzburg stand zeitweilig der größte Stuhl der Welt, hergestellt aus Holz.

Veranstaltungen

Bekannteste Veranstaltung ist das alljährliche Guntiafest, das immer am letzten Wochenende im Juni stattfindet.

Alljährlich findet um den Mariä-Himmelfahrts-Tag (15. August) das Günzburger Volksfest statt.

Literatur

  • Wolfgang Wüst: Historische Einleitung, in: Klaus KRAFT, Landkreis Günzburg, Bd. 1: Stadt Günzburg (Die Kunstdenkmäler von Bayern, Teil Schwaben IX), München 1993, S. 1-49.
  • Sven Keller: Günzburg und der Fall Josef Mengele - Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher, ISBN 978-3-486-64587-3

Weblinks

Commons
 Commons: Günzburg – Bilder, Videos und Audiodateien

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