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Dieser Artikel befasst sich mit dem grammatischen Geschlecht; für weitere Bedeutungen siehe Genus (Begriffsklärung). |
Das Genus ([ˈgeːnʊs/ˈgɛnʊs], Pl.: Genera [ˈgeːnəʁa/ˈgɛnəʁa]; von lat. genus ‚Art, Gattung, Geschlecht‘, als grammatischer Terminus technicus nach agr. γένος) oder grammatische Geschlecht ist ein in vielen Sprachen vorkommendes Klassifikationsmerkmal von Substantiven, das neben Kasus und Numerus die Deklination bestimmt. Es gibt Sprachen, die drei Genera (Maskulinum 'männlich', Femininum 'weiblich', Neutrum 'keines von beiden') unterscheiden (z.B. Latein oder Deutsch); andere kennen die zwei Genera Commune 'Gemeinsames' bzw. Utrum 'Beides' (Belebt) und Neutrum (Unbelebt) (z.B. Schwedisch) oder Maskulinum und Femininum (z.B. Hebräisch oder Französisch). In vielen Sprachen gibt es keine Genus-Differenzierung.
Bei Personenbezeichnungen, aber auch bei Bezeichnungen für Tiere entspricht das benutzte Genus im Deutschen meist dem Sexus des betreffenden Menschen oder Tieres (zum Beispiel die Frau, der Mann; typische Ausnahme sind die Verkleinerungsformen (Diminuitiva), welche immer sächlich sind: das Mädchen). Ist das biologische Geschlecht unbekannt oder nicht wichtig oder soll über eine gemischtgeschlechtliche Gruppe gesprochen werden, so besteht im Deutschen die Möglichkeit, Oberbegriffe in der Form eines generischen Maskulinums („der Mensch“, „der Hund“), eines generischen Femininums („die Person“, „die Katze“) oder generischen Neutrums („das Opfer“, „das Pferd“) zu benutzen. Bei Personenbezeichnungen überwiegen generische Maskulina.
Durch die feministische Linguistik wird die Methode, generische Maskulina zu benutzen, allerdings stark kritisiert.
Bei Bezeichnungen für Gegenstände (der Tisch) oder Abstrakta (die Freiheit) gibt es im Deutschen keinen verallgemeinerbaren Zusammenhang zwischen der Bedeutung (Semantik) des Wortes und seinem Genus.
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Sprachwissenschaftlich ist das Genus eine morphologische Kategorie der Substantive. Bei Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Übereinstimmung gebracht werden (Kongruenz), müssen Wörter, die sich auf das Substantiv beziehen, so flektiert werden, dass sie zum Genus des Substantivs passen (Genuskongruenz). In einigen Sprachen sind auch Verben vom Genus abhängig, zum Beispiel im Russischen und Arabischen.
Die italienische Sprache und die deutsche Sprache zeigen Genuskongruenz, aber in unterschiedlichem Ausmaß:
Im Italienischen kongruieren Demonstrativpronomen (questa/questo), Artikel (una/un) und Attribut (seria/serio) mit dem Substantiv (faccenda ist weiblich, problema männlich), im Deutschen hingegen nur Artikel und Attribut.
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Das Genus-System, das vor allem in den indogermanischen und semitischen Sprachen sowie in einigen afrikanischen Sprachen vorkommt, wird von manchen Wissenschaftlern als eine spezielle Ausprägung eines Nominalklassen-Systems angesehen, wie es sich in anderen Ausprägungen auch noch in vielen anderen Sprachgruppen findet. Zum Beispiel findet man bei den Bantusprachen bis zu zehn solcher Klassen. Viele andere Sprachen, z.B. die Turksprachen, kommen jedoch ohne Nominalklassen aus. Das Vorhandensein von grammatischem Geschlecht in einer Sprache wurde in der Zeit des Kolonialismus ideologisch als Merkmal für kulturelle Überlegenheit angesehen (Hamitentheorie).
Flexionsklassen unterscheiden sich von Genus in ihrer Eigenschaft zur Kongruenz. Während sich Flexionsklassen ausschiesslich an ihrem Träger bemerkbar machen, kann Genus an verschiedene Konstituenten innerhalb einer Phrase vererbt werden.
Im Deutschen, beispielsweise, gibt es drei Genera: Feminimum, Maskulinum und Neutrum. Diese werden nicht nur am Nomen in Form spezieller Kasus- und Numerusmarker gekennzeichnet, sondern auch in der Flexion vorangestellter Artikel, Adjektive und Adverbien:
Flexionsklassen dagegen werden nur am Nomen selbst in Form von speziellen Kasus- und Numerusendungen gekennzeichnet, welche aber nicht an vorangestellte Artikel, Adjektive oder Adverbien vererbt werden. Beispielsweise gehören Planet und Mann im Deutschen zur Klasse der maskulinen Nomen, aber zu unterschiedlichen Flexionsklassen, was sich zum Beispiel an unterschiedlichen Dativendungen an ihnen bemerkbar macht. Während der Dativ von Planet durch die Endung -en gekennzeichnet wird, unterscheidet sich die Dativform von Mann heute meisst nicht mehr von seiner Nominativform, bzw. der Dativ wird veraltet durch die Endung -e gekennzeichnet. Die flektierten Formen vorangestellter Konstituenten der Nominalphrase bleiben jedoch von der Flexionsklasse der Kopfnomen unberührt und richten sich nur nach den Genus, die in beiden Fällen gleich, nämlich maskulin sind:
Die Diathese geht von der Bedeutungsebene (Semantik) der Wörter aus. Werden Diathesen systematisch in grammatikalische Formen des Verbs umgesetzt, spricht man vom Genus verbi (lateinisch: "Geschlecht des Verbs"). Der Bezug zwischen Diathese und Genus verbi ist nicht immer eindeutig (Beispiel: Genus verbi und Diathese im Neugriechischen).
In folgenden indoeuropäischen Sprachen existiert keine Genus-Kategorie:
Von den nicht-indoeuropäischen Sprachen z.B.:
Auch die meisten Plansprachen, wie z. B. Esperanto. Dieses unterscheidet wie das Englische das Pronomen nach dem Sexus (li, ŝi, ĝi), während das vom Esperanto abgeleitete Ido ein zusätzliches Pronomen (lu) hat, das für alle drei geschlechtsgebundenen Pronomina stehen kann.
Die meisten romanischen Sprachen:
Viele indoiranische Sprachen
Die noch lebenden baltischen Sprachen
Die keltischen Sprachen
Eine einzige slawische Sprache unter italienischem Einfluss
Andere Indo-europäische Sprachen:
Semitische Sprachen:
Die festlandskandinavischen Sprachen:
Außerdem:
Von den germanischen Sprachen haben sechs die drei indoeuropäischen Genera bewahrt:
Von den romanischen Sprachen:
Die slawischen Sprachen mit Ausnahme des Moliseslawischen, darunter:
Andere indoeuropäische Sprachen wie:
Kasus: Nominativ | Genitiv | Dativ | Akkusativ Numerus: Singular | Plural | Singularetantum | Pluraletantum Genus
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