
Die Guardia di Finanza (dt. „Finanzwacht“, in Südtirol „Finanzpolizei“) ist eine spezielle italienische Polizeitruppe, die direkt dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen untersteht. Sie ist vor allem für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität zuständig. Die Guardia di Finanza ist militärisch organisiert und übernimmt im Verteidigungsfall im Rahmen der Streitkräfte Grenzsicherungsaufgaben. Ihre etwa 68.000 Angehörigen haben Kombattantenstatus.
Inhaltsverzeichnis |
Die Guardia di Finanza ist eine Finanz- und Zollpolizei und als solche für die Bekämpfung des gesamten Spektrums der Wirtschaftkriminalität zuständig (Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Geldwäsche, Wucher, Betrug, illeg. Glücksspiel, Geldfälschung, Schmuggel, Drogenhandel, Produktpiraterie, Urheberrechtsvergehen, unlauterer Wettbewerb, organisierte Wirtschaftskriminaliät, Terrorismusfinanzierung usw.). Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang besonders die allgemeine Steuer- und Zollverwaltung (Agenzia delle Entrate, Agenzia delle Dogane) und die separate Steuer- und Zollfahndung, die in der Guardia di Finanza zusammengefasst ist. Eine der Hauptaufgaben liegt in der Überwachung der Zollgrenze. Damit einher gehen Aufgaben des allgemeinen Grenzschutzes. Wegen der langen Küstenlinie verfügt die Guardia di Finanza über eine große Flotte an bewaffneten Patrouillenbooten und Hubschraubern, sowie über einige Seeaufklärungsflugzeuge vom Typ ATR 42MP. Im Verteidigungsfall können diese Kräfte als integraler Bestandteil der Streitkräfte verwendet werden. Zusammen mit Polizei und Carabinieri kann sie nach Weisung des Innenministeriums (das für die Koordinierung aller Polizeien in Italien zuständig ist) auch allgemeine Polizeiaufgaben übernehmen. Die Notrufnummer ist 117.
Das Comando Generale (Oberkommando) der Guardia di Finanza hat seinen Sitz in Rom. Dem Comandante Generale, einem Viersternegeneral, unterstehen fünf Bereiche:
Das Personal der Guardia di Finanza gliedert sich in Offiziere (höherer Dienst), Unteroffiziere mit Portepee (gehobener Dienst), sowie in Unteroffiziere ohne Portepee und Mannschaften (mittlerer Dienst). Das Äquivalent des einfachen Dienstes besteht nach Einführung der neuen, gehobenen Unteroffizierslaufbahn nicht mehr. In diese neue Laufbahn können Abiturienten direkt einsteigen, wobei in der Ausbildungszeit ein dreijähriges Studium (Bachelor) zu absolvieren ist.
| Dienstgrad | Einheiten |
|---|---|
| Offiziere | 3.200 |
| Unteroffiziere m. Portepee | 23.500 |
| Unteroffiziere o. Portepee | 13.500 |
| Mannschaften | 28.000 |
Nachstehend eine Auswahl der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände:
Die Zahlen geben an, wieviel Boote einer Klasse beschafft wurden oder in Dienst sind (in Klammern Verdrängung in Tonnen, Höchstgeschwindigkeit in Knoten und feste Bewaffnung).
Die Guardia di Finanza ist als offiziell älteste italienische Polizeitruppe eng mit der Geschichte des italienischen Nationalstaates und seiner Keimzelle, dem Königreich Sardinien-Piemont verwoben. Fast alle italienischen Institutionen sind älter als der italienische Nationalstaat selbst, da sie piemontesischen Ursprung haben (Bsp.: Carabinieri, gegr. 1814 in Piemont; Staatspolizei, gegr. 1852 ; usw.) Nach offizieller Darstellung wurde die Guardia di Finanza (bzw. deren Vorläuferorganisation) am 1. Oktober 1774 von König Viktor Amadeus III. als Legione Truppe Leggere („Legion leichte Truppen“) aufgestellt und mit der Bewachung der Grenzen, insbesondere mit der Bekämpfung des Schmuggels beauftragt (Zölle waren damals eine der wichtigsten Einnahmequellen der europäischen Staaten). In den 1820er Jahren wurde die Legione Truppe Leggere in die allgemeinen Revolten gegen die Restauration verwickelt und aufgelöst. Ihre Aufgaben wurden von einem neuen bewaffneten Ableger der zivilen Zollverwaltung (corpo dei preposti doganali) übernommen. Etwa ein Jahrzehnt danach gab Österreich seiner Zoll- bzw. Finanzwache in der Lombardei und in Venetien den italienischen Namen „Guardia di Finanza“, der auch schon während der napoleonischen Zeit in Italien Verwendung gefunden hatte.
Nach der Einigung Italiens konnten die Zolldienste der anderen italienischen Staaten auf Grund sehr unterschiedlicher Strukturen nicht ohne weiteres in die piemontesische Verwaltung eingegliedert werden. Mit den vorhandenen Ressourcen baute man eine neue Zollverwaltung auf und stellte 1862 das Corpo delle Guardie Doganali auf, weshalb dieses Jahr eher als Gründungsjahr bezeichnet werden kann. Bereits 1881 erfolgte unter Bezugnahme auf frühere Modelle die Umbenennung in Corpo della Regia Guardia di Finanza („Königliches Finanzwachtkorps“), weil zu den Zollfahndungsaufgaben bereits andere finanzpolizeiliche Aufgaben hinzugekommen waren. Auch unter Berufung auf die Legione Truppe Leggere erhielt die Guardia di Finanza 1907 den Status einer militärisch organisierten Polizei und nahm somit auch am Ersten Weltkrieg und am Zweiten Weltkrieg, sowie an einigen Kolonialkriegen teil. Die letzte Umbenennung erfolgte 1946. Mit der Abschaffung der Monarchie entfiel die Bezeichnung „Königliches“ (Finanzwachtkorps), doch behielt die Guardia di Finanza ihre militärische Ausrichtung, trotz mancher Reformvorschläge der Radikalen Partei bei. Traditionell wurde die Position des Comandante Generale (Chef der GdF) extern durch einen 3-Sterne-General des Heeres besetzt. Seit 2000 (im Zug der Konstituierung der Carabinieri als 4. Teilstreitkraft) hat auch der kommandierende General der Guardia di Finanza vier Sterne und kann aus den eigenen Reihen kommen.
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History