Der Begriff Guerilla ([geˈʁiːja], spanisch Guerrilla [geˈriʎa]), und davon abgeleitet Guerillakrieg, über das Französische aus dem Spanischen entlehnt, bedeutet Kleinkrieg mit nichtregulären Kombattanten. Wer ihn betreibt, wird auch Guerrillero genannt.
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Das spanische Wort guerrilla ist die Verkleinerungsform von guerra („Krieg“) und bedeutet daher „kleiner Krieg“. Der Ausdruck „kleiner Krieg“ oder „Kleinkrieg“ war in der deutschen Sprache schon früher gebräuchlich, um eine durch kleinere Scharmützel und Überfälle und weniger durch große Schlachten gekennzeichnete Kriegführung zu charakterisieren. Im Zusammenhang mit den als neuartig empfundenen Formen der kriegerischen Auseinandersetzung, die im Zuge der Koalitions- und Befreiungskriege auftraten, wurde im Deutschen der neue Begriff des „Volkskrieges“ geprägt, der den Ausdruck „kleiner Krieg“ zunehmend verdrängte. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass der Kleinkrieg gegen die napoleonischen Truppen vom „Volk“ getragen war und als Ausdruck eines wachsenden Freiheitswillens und Nationalbewusstseins angesehen wurde. In analoger Weise wurde der Begriff guerrilla im Spanischen zum Synonym für den vornehmlich in der Form des „kleinen Krieges“ mit irregulären Kräften ausgetragenen Widerstandskampf gegen Napoleon im spanischen Unabhängigkeitskrieg. Die deutsche Schreibweise mit nur einem r geht auf das Französische zurück, das den spanischen Begriff in der Schreibweise Guérilla übernommen hatte. In dieser Form ist das Wort als Fremdwort wieder ins Deutsche gelangt.
Berücksichtigt man den germanischen Ursprung des Wortes guerra, das aus dem gotischen werra („Krieg“, „Kampf“, verwandt mit „Wehr“) ins Mittellateinische und von dort ins Spanische gelangte (und ebenso Ursprung des französischen guerre ist), handelt sich nicht nur in begrifflicher (Kleinkrieg → Guerrilla → Guérilla → Guerilla), sondern auch in etymologischer Hinsicht um eine Rückentlehnung (Näheres unter diesem Stichwort).
Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) entwickelte sich die Kampfesweise des kleinen Krieges erstmals nicht nur als Widerstandsoperationen kleiner bewaffneter Milizen gegen überlegene konventionelle Heere, sondern als umfassende strategische Antwort einer kriegführenden Partei. Die taktisch unflexiblen und schlecht motivierten britischen Truppen wurden in einen zermürbenden Abnutzungskrieg verwickelt, den sie schließlich verloren. Seitdem hat sich die Kleinkriegführung als asymmetrische Antwort auf die Stärke konventioneller Streitkräfte etabliert.
Als erster „Guerillakrieg“ mit diesem Namen gilt der spanische Unabhängigkeitskrieg gegen die französischen Besatzungstruppen 1807 bis 1814, der sich zum Volkskrieg ausweitete. Die regulären spanisch-englischen Truppen entschieden zwar den Krieg, irreguläre Freischärler oder Guerrilleros trugen jedoch erheblich zur Niederlage der Franzosen bei. Dies lag vor allem an der guten Organisation des Widerstands und der für einen Kleinkrieg günstigen Topographie der Berglandschaften, die gute Unterschlupfmöglichkeiten boten. Im offenen Gelände konnte sich die Guerilla gegen konventionelle Truppen dagegen nicht behaupten.
Konventionelle Truppen waren damals in erster Linie auf intensive Gefechte und Schlachten im „großen Krieg“ ausgerichtet (Linientaktik). Sie übernahmen später allerdings die Kampfesweise der Guerilla, die sich durch Überfälle, Hinterhalte und Angriffe auf die Versorgungslinien im Rücken des eigentlichen Kriegsgeschehens auszeichnete. So wurde der Guerillakrieg zu einer taktischen Variante, für die auch auf Einheiten mit speziell ausgebildeten Soldaten (meist so genannte Jäger) zurückgegriffen wurde, weil diese flexibler und mobiler waren als die konventionellen Linientruppen. Charakteristisch für den kleinen Krieg waren militärische Auseinandersetzungen, bei denen zahlenmäßig kleine Abteilungen Operationen zur Schwächung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeiführen zu können. Sie konnte neben großen Operationen des Hauptheeres geführt werden. Typische Beispiele sind der Einsatz der Freikorps der Koalitionstruppen 1813 und der Franc-tireurs 1870. Eine wichtige Rolle spielte auch der Rückhalt der Bevölkerung für den Widerstandskrieg irregulärer Truppen und Banden, wie sich etwa im Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer zeigte.
In Spanien hat das Wort „Guerrilla“ aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, ähnlich wie in Deutschland die „Befreiungskriege“ oder der Begriff „Volkskrieg“, wie er in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.
Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Taktik des Guerillakrieges geführt.
Als Analytiker der Guerilla sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Zedong, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.
Das Wort „Guerilla“ bezeichnet
Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als 'rechtmäßiger Kombattant' (also keine Uniformen etc.). Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihr gelingt die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort und zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerilla operiert meist aus den Bergen heraus, welche optimales Rückzugsgebiet bilden. Sie ist auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.
Unter dem Vorwand, dass man die Guerilla nach Guerillaart bekämpfen müsse, bestand die Antwort angegriffener konventioneller Streitkräfte immer wieder darin, selbst mit einem eigenen Kampfverhalten zu reagieren, das nicht mehr den Normen regulärer Kriegführung entsprach. Nicht nur die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist dafür ein Beispiel, auch in der jüngeren Geschichte gingen sogar demokratische Staaten angesichts massiver Guerillaangriffe auf die eigenen Truppen dazu über, die Zivilbevölkerung in den entsprechenden Ländern zu schädigen. Im Algerienkrieg griff die französische Regierung zur routinemäßigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen, im Vietnamkrieg gehörte die Entwaldung ganzer Landstriche durch Chemikalien, die Zerstörung von Ernten, Säuberungen und vereinzelte Massaker zu den Maßnahmen der US-Streitkräfte und der südvietnamesischen Armee.
Die Kampfesweise der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konventionen und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegführung bezeichnet. Hier handelt es sich allerdings um internationale Verträge, die zwischenstaatliche bewaffnete Konflikte behandeln. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levée en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch "Volkskrieg"). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Revolutionsarmee vollzogen hat, entsprechen ihre Kämpfer als Teil einer militärischen Befehlsstruktur den Kombattanten der Haager Landkriegsordnung.
Die meisten modernen Verfassungen enthalten ein Widerstandsrecht (Beispiel Grundgesetz: "Gegen jeden, der es unternimmt, diese (verfassungsmäßige) Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.") oder sogar eine Widerstandspflicht (Französische Verfassung).
Von großer Bedeutung für die Guerillabewegung ist die Frage der "Belligerenz", die Anerkennung als kriegführende Partei. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Partei können gefangene Guerilla-Kämpfer ihren Rechtsstatus als Kriegsgefangene geltend machen. Ohne den Status als völkerrechtlich legal bewaffnete Kriegsteilnehmer („Kombattanten“) werden Guerilla-Kämpfer wie Franctireurs (Heckenschützen) angesehen, also als Schwerkriminelle behandelt.
Die militärisch-politischen Gegner der Guerilla hingegen werden immer versuchen, die Anerkennung als kriegführende Partei zu verhindern und die Guerilla sprachlich wie politisch zu kriminalisieren: Verbrecherbanden, Terroristen, Agenten einer fremden Macht etc.
Demgegenüber ist die Guerilla stets bemüht, ihre Legitimität (die revolutionäre Richtigkeit ihres Tuns) und ihre Legalität (die Gesetzlichkeit ihrer Kriegshandlungen) unter Beweis zu stellen. Dazu gehört die Schaffung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Parlament der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenüber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist tatsächlich die Belligerenz hergestellt.
Erfolgreiche Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:
Der Guerillakrieg stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:
Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Armee sich der flexiblen Kriegführung der Guerilla anzupassen (Vietnam). (Nicht zu verwechseln mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen - siehe Contra (Organisation)).
Die Regierungsarmee wird also immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerilla voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der Regierungsarmee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerilla. Eine freiwillige Aussiedlung von Menschen aus den von der Guerilla kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich. Da die unvermeidlich unterschiedslose Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Armee nicht nur die Guerilla trifft, sondern jeden, der sich dort befindet, werden die dort lebenden Menschen gezwungen, sich in den Schutz der Guerillaeinheiten zu begeben. Das herrschende Regime treibt so oft neutrale Teile der Bevölkerung auf die Seite der Guerilla.
Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerilla politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
Ein Anti-Guerillakrieg ist mit militärischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es auf Grund der fehlenden Unterscheidbarkeit der Guerilla von der übrigen Bevölkerung nicht möglich ist, die jedenfalls in den frühen Phasen eines Konfliktes überlegene militärische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerilla immer wieder aus der Bevölkerung verstärken, solange die Guerilla die Unterstützung der Bevölkerung genießt oder die Guerilla über ausreichend Mittel zur Zwangsrekrutierung verfügt.
Die meisten Guerillakriege wurden daher nur politisch, das heißt durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenüber den Zielen der Volksbewegung, gelöst.
Siehe auch Partisan
Das Wort „Partisan“ stammt aus dem Italienischen, während Guerilla spanischen Ursprungs ist. Militärisch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die in Europa gegen die faschistische Besatzung kämpfenden irregulären Einheiten werden gewöhnlich als Partisanen bezeichnet, während die Befreiungskämpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem 2. Weltkrieg in der Regel Guerilla genannt werden.
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