
Gustav V. (* 16. Juni 1858 in Schloss Drottningholm bei Stockholm; † 29. Oktober 1950 ebenda) war von 1907 bis 1950 konstitutioneller König von Schweden.
Gustav V. war der älteste Sohn von Oskar II. von Schweden und dessen Gemahlin Sophia von Nassau. Er war in der schwedischen Geschichte der am längsten regierende Herrscher. Schüchtern, reserviert und Pomp verabscheuend, verweigerte er eine Krönungszeremonie, was ihn zum ersten „ungekrönten“ König von Schweden machte. Seit 1917 regierte er als de facto parlamentarischer Monarch.
Inhaltsverzeichnis |
Durch sein außenpolitisches Agieren entstand während seiner Herrschaft ein enges Bündnis der skandinavischen Staaten, obwohl Norwegen sich erst 1905 für unabhängig von Schweden erklärt hatte. Nicht zuletzt wegen seines außenpolitischen Einflusses konnte Schweden während des Ersten Weltkrieges seine Neutralität erhalten.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Symbol der nationalen Einheit. Zwar war der König formell das Staatsoberhaupt, praktisch allerdings eher Besprechungspartner und Ratgeber der Staats- und Außenminister. Nuancen hat er doch beeinflusst. So lehnte er in einem Diktat zum Regierungsprotokoll in Februar 1940 Finnlands wiederholte Frage, ob Schweden im Winterkrieg militärisch Hilfe leisten werde, mit diplomatischeren Worten ab als der Staatsminister in seinem Kommuniqué.
Innenpolitisch nahm er die Rolle des Monarchen zurück und sorgte dafür, dass Schweden vollends eine parlamentarische Demokratie wurde. Dennoch setzte er sich 1911 gegen die Liberalen durch, als er einen stärkeren Ausbau der Streitkräfte erreichte, und er wirkte von 1917 entschieden, unter anderem gegen seine eigene Gattin, an der Durchsetzung der sozialdemokratischen Forderungen nach einer Demokratisierung durch eine Wahlrechtsreform mit. In Oktober dieses Jahres beauftragte er eine Regierung unter der Leitung von Nils Edén mit dem Sozialdemokraten Hjalmar Branting als Finanzminister. Die Revolutionswelle, die Europa erfasste, konnte dadurch abgewehrt werden.
Gustav musste praktisch während seines ganzes Leben die Monarchie gegen politische Kräfte von links und von rechts verteidigen. Liberale und Demokraten, darunter viele Freikirchliche, sahen die Konstitution und die Monarchie als ungeeignet für eine erfolgreiche moderne Gesellschaft. Kreise, die in der skandinavischen Geschichte oft als Aktivisten bezeichnet werden, sahen dagegen das Königshaus als zu nachgiebig gegenüber den separatistischen und radikalen Norwegern, die "immer neue Krisen erfanden", um die Personalunion (1814-1905) zwischen Schweden und Norwegen zu beenden. Als Schwäche wurde es dem König auch angekreidet, nicht an der Seite Deutschlands in den Ersten Weltkrieg eingetreten zu sein oder Finnlands Regierung während des Sozialistischen Aufruhrs 1918 nicht militärisch unterstützt zu haben.
Den konservativen Kritikern war Gustav zu demokratisch, den "aktivistischen" Kritikern zu weich und friedlich, und vielen anderen schien er zu konservativ zu sein. Des Königs geschiedener Sohn Prinz Wilhelm lebte nach dem Ersten Weltkrieg "in Unzucht" mit einer unebenbürtigen Lebensgefährtin, und mit nur einer Ausnahme wünschten alle Enkelkinder "unebenbürtig" zu heiraten, was zu wiederholten Konflikten in der Familie und auch in der Presse führte. Die unebenbürtigen Ehen wurden letztlich genehmigt, die Prinzen mussten jedoch aus dem Königshaus austreten und auf die königlichen und adligen Rechte verzichten. Nach dem Tod des Erbprinzen Gustav Adolf 1947 auf dem Flugplatz Kastrup bei Kopenhagen bestand die Schar der thronfolgeberechtigten Prinzen nur noch aus dem neun Monate alten Erbprinzen und einigen älteren Prinzen, die kaum Aussichten auf eigene Söhne hatten (siehe auch: Thronfolge (Schweden)).
Nach dem Tod Gustavs führten Veröffentlichungen über homosexuelle Beziehungen von Regierungsbeamten zu einigen Skandalen. Durch die Haijby-Affäre wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass ein "Herr G." angeblich auch Liebesgeschichten mit anderen Männern kannte. Dies war das Pseudonym, unter dem der König zeit seines Lebens seine Leidenschaft, das Tennisspiel, betrieben hatte.
Gustavs Ehe mit Victoria von Baden vereinigte die Linie Bernadotte mit der des früher regierenden Hauses Wasa. Ihr entstammten drei Söhne:
Folke Bernadotte (Graf von Wisborg) war Neffe des Königs.
König Gustav V. liegt in der Stockholmer Riddarholmskyrkan begraben.
| Vorgänger |
König von Schweden 1907–1950 |
Nachfolger |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gustav V. |
| KURZBESCHREIBUNG | König von Schweden (1907–1950) |
| GEBURTSDATUM | 16. Juni 1858 |
| GEBURTSORT | Schloss Drottningholm bei Stockholm |
| STERBEDATUM | 29. Oktober 1950 |
| STERBEORT | Schloss Drottningholm |
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History