Hans Rothfels


Free Web Hosting with Website Builder

Hans Rothfels (* 12. April 1891 in Kassel; † 22. Juni 1976 in Tübingen) war ein deutsch-amerikanischer Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rothfels wuchs als Sohn des angesehen Rechtsanwalts und Notars Max Rothfels in Kassel auf und studierte Geschichte und Philosophie in Heidelberg. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Reserveoffizier bereits 1914 bei einem Sturz vom Pferd schwer verletzt. Seit 1926 Professor an der Albertina in Königsberg, wurde er 1934 wegen seiner jüdischen Herkunft von seinem Lehrstuhl vertrieben. Bis 1938 konnte er im preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin, das von Albert Brackmann geleitet wurde, Quellenstudien betreiben.[1] Rothfels emigrierte 1939 über England in die USA und kehrte 1951 nach Deutschland zurück. Er galt als stark konservativ und antikommunistisch und war Mitglied der wissenschaftlichen Kommission für die Dokumentation der Vertreibung der Deutschen in den 1950er Jahren.

1950 nahm er einen Ruf an die Universität Tübingen an, setzte aber gleichzeitig seine Lehrtätigkeit an der Universität Chicago fort und behielt auch die amerikanische Staatsbürgerschaft bis 1969. Als konservativer Remigrant besaß er eine besondere Stellung in der deutschen Historikerschaft. Als Mitherausgeber und eigentlicher Kopf der 1953 erstmals erschienenen Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte nahm er bis zu seinem Tod maßgeblichen Einfluss auf die thematische und konzeptionelle Entwicklung der westdeutschen Zeitgeschichtsschreibung. Zu seinen akademischen Schülern gehören unter anderem Hans Mommsen, Heinrich August Winkler, Wolfram Fischer, Waldemar Besson oder Friedrich Hiller von Gaertringen.

In der jüngsten Zeit ist Hans Rothfels zum Gegenstand einer geschichtswissenschaftlichen Kontroverse geworden. Im Kern geht es darum, inwieweit er als deutschnationaler Historiker zu seiner Königsberger Zeit einer Politik das Wort geredet hat, die sich später nahtlos in die NS-Ideologie einfügte.

Werke

  • Zeitgeschichte als Aufgabe. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ) 1, 1953, S. 1-8.
  • Bismarck, der Osten und das Reich. Darmstadt 1960.
  • Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Vorträge und Aufsätze. 2. Aufl., Göttingen 1963.
  • Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung. Frankfurt a. M. 1969 (häufige Neuaufl.).

Anmerkungen

  1. Ingo Haar, „Revisionistische“ Historiker und Jugendbewegung: Das Königsberger Beispiel, S. 88 f. In: Peter Schöttler (Hg.), Geschichtsschreibung als Legitimationswissenschaft 1918-1945, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1999, S. 52-103.

Literatur

  • Jan Eckel: Hans Rothfels. Eine intellektuelle Biographie im 20. Jahrhundert, Göttingen 2005 (ISBN 3-8924-4975-9), 479 S. ausführliche Rezension von Volker Ullrich in: DIE ZEIT Nr. 4 vom 19. Januar 2006 Seite 54 "Literatur - Politisches Buch".
  • Johannes Hürter/Hans Woller (Hrsg.): Hans Rothfels und die deutsche Zeitgeschiche, München 2005 (ISBN 3-486-57714-X).
  • Hans Mommsen: Hans Rothfels in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Deutsche Historiker. IX Bde., Göttingen 1971/82, Bd. IX, S. 127-147.
  • Karl-Heinz Roth: Hans Rothfels: Geschichtspolitische Doktrinen im Wandel der Zeiten. Weimar - NS-Diktatur - Bundesrepublik, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG) 49 (2001), S. 1061-1073.
  • Theodor Schieder: Hans Rothfels zum 70. Geburtstag am 12. April 1961, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ) 9 (1961), S. 117-123
  • Wolfgang Neugebauer: Artikel H.R. in: Die Albertus-Universität und ihre Professoren Duncker & Humblot, Berlin 1995, S. 245 - 256 ISBN 3428085469 (ausf. Literatur)

Weblinks







Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History