
Haspelmoor ist ein Ortsteil der Gemeinde Hattenhofen im Landkreis Fürstenfeldbruck und liegt in Bayern auf circa 540 m ü. NN.
Benannt ist der Ort Haspelmoor nach dem gleichnamigen Moor, welches im Süden direkt an den Ort angrenzt.
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Haspelmoor liegt direkt an der Bahnlinie München-Augsburg und besitzt einen Bahnhof. Die Ortschaft wird durch die Bahnlinie in einen größeren nördlichen Ortsteil und einen kleineren südlichen Teil getrennt. Die Bahnlinie München - Augsburg wurde am 4. Oktober 1840 eröffnet. Der Ort Haspelmoor entstand erst 1853. In diesem Jahr wurde der Bahnhof Haspelmoor errichtet; 1855 kam die Poststation Haspelmoor dazu. Außerdem gab es ein Wirtshaus und zwei weitere Häuser. 1862 war Haspelmoor ein Weiler, bestehend aus dem Bahnstationsgebäude und im Moor das Torfbetriebsgebäude mit Kesselhaus und fünf Magazinen, einer „Arbeiterkaserne“ mit Zubehör sowie einer Schmiede- und Zimmermannwerkstätte.
Ab 1915 wurde in Haspelmoor ein Kriegsgefangenenlager für 176 russische Kriegsgefangene errichtet. An sie erinnert der „Russengraben“, der von diesen ausgehoben werden musste. Weitere Entwässerungsarbeiten im Moor wurden ab 1933 vom Reichsarbeitsdienst sowie ab Kriegsbeginn wiederum von Kriegsgefangenen durchgeführt. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurden mehrere Gebäude durch Bombardierung zerstört. 1946 entstand in Haspelmoor eine Siedlung für Heimatvertriebene. Um 1950 gab es 51 Wohngebäude mit 312 Einwohnern. 1974 wurde der ehemalige Hörbacher Ortsteil nach Hattenhofen eingegliedert. Die Bahntrasse an der Schnellfahrstrecke Augsburg–München ermöglichte schon 1954 Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h.
Die Ortskapelle trägt den Namen Pater Rupert Mayer Kapelle.
Außerdem wird die Ortschaft von ihren Einwohnern „Moos“ genannt.
Historische Namen des Moores: Fürchelmoos (1362), Fuhrmoos (1791), Hattenhofer Moos (um 1800) und Haspelmoos.
Dieses Moor ist der nördlichste Hochmoorrest des bayerischen Alpenvorlandes. Es liegt in einem flachen, rissglazialen Toteisbecken (Gelände-Hohlform) der Altmoränenlandschaft, entstanden durch den Isar-Loisach-Vorlandgletscher. Die Ablagerungen des Gletschers bilden die besondere Bodenform des betroffenen Landkreises Fürstenfeldbruck.
Die Moorbildung begann nach den Eiszeiten im Holozän, die Mächtigkeit des Torfkörpers kann im zentralen Bereich bis zu drei Meter betragen (Torfzuwachs im Jahr max. 1mm). Die Altmoränen stammen aus dem Pleistozän, ihr Gestein/Untergrund besteht aus sandigem Kies bis tonigem Material, welches durch den Gletscher herangeschoben wurde. Die obersten Schichten weisen eine starke Witterungsschicht auf. Das Haspelmoor umfasst Nieder-, Zwischen- und Hochmooranteile. Das Gebiet ist bekannt als archäologische Fundlandschaft mit Siedlungshinterlassenschaften aus dem Spätpaläolithikum, dem Frühmesolithikum, dem Neolithikum, der Bronzezeit und der Latènezeit.
In den Jahren 1838/39 wurden Teile für den Bau der Eisenbahnstrecke München - Augsburg zum Teil entwässert. Es war die erste Eisenbahntrasse die durch ein Moor geführt wurde. 1853 wurde der Bahnhof Haspelmoor errichtet. Nach dem Bahnhof entstand die Königliche Torfgewinnungs-Anstalt in Haspelmoor. Von 1846 bis 1875 ist großflächig Torf für den Betrieb von Lokomotiven gestochen worden. In den Jahren von 1888 bis 1931 baute das Torfstreu- und Mullewerk Haspelmoor Torf ab. Er diente als Stallstreu und Isoliermaterial für Eiskeller und wurde in ganz Europa vertrieben.
Neben der Torfnutzung hatte bereits 1910 die Kultivierung der abgetorften Flächen begonnen. Die Königliche Moorkulturanstalt bewirtschaftete 120 ha Anbaufläche die sie durch Entwässerung und Melioration herstellte. Weitere Entwässerungsarbeiten wurden ab 1933 vom Reichsarbeitsdienst und ab Kriegsbeginn von Kriegsgefangenen durchgeführt. Bis ca. 1958 wurde von Anwohnern Torf als Brennmaterial gestochen. Das neben dem Bahnhof erbaute Moorversuchsgut, welches die Kultivierungsmaßnahmen durchführte, wurde 1972 geschlossen. Seit 1990 wird durch den Anstau der alten Entwässerungsgräben eine Wiedervernässung des Moores erreicht. Das Moor wurde erst 1985 unter Naturschutz gestellt.
Weite Teile der Moorflächen sind bewaldet, es handelt sich überwiegend um lichte Kiefern-Birkenwälder mit Übergang zu Mischwaldflächen. In den Randbereichen des Moores befinden sich Buchenbestände, die an den nährstoffarmen Boden angepasst sind. In den unwegsamen Waldflächen stößt man immer wieder auf flache Moortümpel; hierhin haben sich seltene Pflanzenarten wie der Rundblättrige Sonnentau zurückgezogen.
In weiten Teilen zeigt das Gebiet den Charakter einer offenen Landschaft. Es existieren ausgedehnte Flächen, die von der Luft aus gesehen länglichen Rechtecken gleichen. Diese Strukturen entstanden durch den Torfabbau, diese Flächen sind meist von einer dominierenden Pflanzenart bewachsen. Das Ergebnis ähnelt regelrecht Feldern die z.B. einen reinen Wollgras- oder Besenheidebewuchs aufweisen. Auf einigen Bereichen hat sich eine Moorheide entwickelt, welche einen trockenen Charakter besitzt. Diese Flächen werden von zahlreichen Kleinseggen unterschiedlicher Art bevölkert. Auch die ganzjährigen Wasserflächen bestehen aus länglichen Rechtecken, das größte Staugewässer erreicht dabei eine Länge von 230 Metern bei einer Breite von 30 Metern.
Flächenangaben:
Das Naturschutzgebiet „Haspelmoor“ ist 157 Hektar groß; inklusive der umliegenden Feucht-Torfwiesen erreicht das Gebiet eine Größe von ca. 370 ha. Im süd-östlichen Teil befindet sich das Zentralmoor, durch die Bahnlinie getrennt, im nördlichen Teil, befindet sich das Rote Moos und das Biermösl.Im äußersten Süden stößt man auf das Nassenmoos. Das Moor wird nach Osten über das Einzugsgebiet der Maisach und nach Westen über den Finsterbach in die Paar (Fluss) entwässert. Durch den östlichen Teil des Moores führt ein Exkursionspfad. Dieser ist mit einem roten Pfeil markiert. Der Exkursionspfad beginnt am Ortsrand von Haspelmoor an der Straße von Haspelmoor in Richtung Westen. Er endet an der Bahnlinie Augsburg - München. Dieser Weg ist auf den gängigen topografischen Karten nicht eingezeichnet.
Der angelegte Pfad sollte nicht verlassen werden, da Hochmoorflächen äußerst trittempfindlich sind. Durch "inoffizielle" Pfade entsteht ein beträchtlicher Schaden an seltenen Pflanzen des Moores. Ferner nutzt der Sandlaufkäfer offene Stellen als Kinderstube für seine Larven. Diese lauern in ihren bis zu 50 cm tiefen Wohnröhren vorbeilaufenden Insekten auf. Durch Bodenverdichtung infolge von Trittschäden kann dieser Bestand gefährdet werden. Das NSG ist von starker regionaler Bedeutung für Flora, Fauna als auch für den Mensch. Dieser spezielle Lebensraum bietet angepassten Tieren und Pflanzen letzte Rückzugsmöglichkeiten und ist daher absolut schützenswert.
In jüngster Zeit wird versucht, den Wasserspiegel des Moorgebiets anzuheben, die Maßnahmen ließen einen idyllisch anmutenden See entstehen. Derlei Unternehmungen führen zwar zu einer Renaturierung des Moores, verdrängen aber auch bestimmte Gräser. Ein gewollter und positiver Nebeneffekt ist, dass durch den erhöhten Wasserspiegel Bäume und Sträucher auf den Hochmoorflächen absterben. Eine botanische Besonderheit dieses Moorgebiets ist das Vorkommen der Rosmarinheide. Die Ausbreitung dieser seltenen Pflanze ist im Großraum Augsburg auf dieses Naturschutzgebiet begrenzt. Zudem kommt der überaus seltene Rundblättrige Sonnentau vor. Er wächst selbst im Moor nur an bestimmten Stellen mit besonderem Boden, Licht und Feuchteklima.
Das Scheidige Wollgras bildet auf den Hochmoorflächen einen konstanten Massenbestand aus, die Pflanze ist ein Relikt der Eiszeit. Das sonst triste Moor bietet zu einigen Jahreszeiten auch Blühaspekte. Das Scheidige Wollgras zeigt seine buttergelben Blütenstände ab April und setzt später im Sommer leuchtend weiße „Schneeflocken“ in die grüne Moorwiese. Die spätsommerliche Blüte der purpurfarbenen Besenheide beginnt im September.
Das Gebiet wurde in die Liste der bayerischen Geotope aufgenommen. Im Umland des Moorgebietes befinden sich noch zahlreiche anmoorige Feuchtwiesen. Im Rahmen der Unterschutzstellung des Moores (Zentralmoor und Feuchtwiesen) wurde festgelegt, dass diese Streuwiesen weder entwässert, gedüngt, umgebrochen, beweidet oder aufgeforstet werden dürfen. Eine landwirtschaftliche Nutzung ist lediglich im Rahmen einer jährlichen Mahd vorgesehen, die der Freihaltung von Gehölzen dient.
Noch immer befindet sich das Moor in einer Phase der Renaturierung, die Narben und Spuren früheren Abbaus sind noch immer sichtbar. Im Laufe der Zeit haben sich Gräben und Vertiefungen mit Wasser gefüllt und "verheilen" langsam. Ein großes Problem stellt die zunehmende "Verbuschung" dar. Ein gesundes Moor sollte in weiten Teilen baumfrei sein, doch es breitet sich Buschwerk immer mehr auf den Hochmoorflächen aus. Es besteht hauptsächlich aus Faulbaum, Kiefer und Birke. Das bayerische Forstamt versucht diese Entwicklung durch Rodungen aufzuhalten.
Ein solches Moorgebiet ist, ähnlich wie unsere Heiden, eine Kulturlandschaft. Diese entstanden über Jahrhunderte hinweg durch menschliche Eingriffe. Werden diese Landschaften nicht mehr gepflegt, verlieren sie ihren kulturlandschaftlichen Charakter. In Bereichen, die bereits völlig "verbuscht" sind, sterben die spezialisierten Hochmoorgräser ab. Der Moorcharakter geht durch den erhöhten Eintrag von Nährstoffen auf Grund absterbender Pflanzenteile (Laub und Geäst von Bäumen) immer weiter verloren.
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Buchen |
Wollgrasfrucht |
Wollgrasbult im Winter |
Bäume im Winter |
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Koordinaten: 48,225°N, 11,10° O
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