
Hasselblad ist ein schwedisches Traditions- und Familienunternehmen der Fotowirtschaft und der optischen Industrie. Gründer ist Arvid Victor Hasselblad (1906-1978).
Heute hat Hasselblad nur noch 70 Angestellte und gehört der in Hongkong angesiedelten chinesischen Unternehmensgruppe Shriro. Kurz vor seinem Tod verkaufte Victor Hasselblad das (seit 1984 börsennotierte) Unternehmen, das seitdem von einem Kapitalfond zum anderen weitergereicht wurde und dabei einen langsamen wirtschaftlichen Niedergang erlebte, dem man seit 2005 durch die Übernahme des dänischen Scanner- und Digitalrückteilherstellers Imacon zu begegnen sucht. An bessere Zeiten dieses Unternehmens, das nach Eigendarstellung einst „die besten Kameras der Welt“ herstellte und stets die hervorragenden Objektive von Carl Zeiss verwendete, erinnert eine Bronzestatue seines Gründers in Göteborg.
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Victor Hasselblad entwickelte seit den 1940er Jahren vor allem Mittelformatkameras mit dem quadratischen 6×6-Format (tatsächlich 56 mm × 56 mm). Bei den Kameramodellen werden die 200-/2000-Serie mit eingebautem schnellen Schlitzverschluss und die bekanntere 500-Serie mit Zentralverschluss (im Objektiv) unterschieden. Mittelformatmodelle waren bzw. sind: 1600F, 1000F, SWA, 500C, 500C/M, 503CX, 503CXi, 501C, 501CM, 503CW, 500EL, 500EL/M, 500ELX, 553ELX, 555ELD, 2000FC, 2000FC/M, 2000FCW, 2003FCW, 201F, 202FA, 203FE, 205TCC, 205FCC, SWC, SWC/M, 903SWC, 905SWC,. Zwischenzeitlich bot Hasselblad auch Kleinbild- und Panoramakameras an (XPan von 1998 und XPan II von 2002 in Kooperation mit Fujifilm und Horseman). Weiterhin wird seit ein paar Jahren auch die H-Serie (Aufnahmeformat 4,5×6, tatsächlich 56 mm × 42 mm) angeboten. Die Kameras dieser Serie sind vollautomatisch (Autofokus, Motor, Belichtung) und optimal für die aktuellen digitalen Rückteile geeignet (Sensorgröße). Viele Zubehörteile/Objektive sind zueinander kompatibel und können mit unterschiedlichen Kameragehäusen verwendet werden. Mit der Einführung der H-Serie endete auch die Kooperation mit Carl Zeiss, die neuen Objektive werden nun nach Hasselblad-Spezifikationen vom japanischen Optik-Spezialisten Fuji hergestellt.
Am 6. Oktober 1948 präsentiert Victor Hasselblad in New York der Weltöffentlichkeit die erste Kamera von Hasselblad für den Privatgebrauch: die "Hasselblad 1600F". Sie war vom Industriedesigner Sixten Sason (1912–1967) entworfen worden, der auch für Saab arbeitete. Diese Kamera war für ihre Zeit revolutionär mit ihrem modularen Design, das den Austausch von Objektiven, Suchern und Filmmagazinen erlaubt. Es war weltweit die erste einäugige Spielreflexkamera im Mittelformat (6x6 cm) mit auswechselbarem Objektiv und Magazin.[1] Als Verschluss diente ein Schlitzverschluss aus sehr dünner Stahlfolie mit einer kürzesten Verschlusszeit von 1/1600 s. Besonders die erste Serie der 1600F war technisch noch nicht ausgereift, so dass im Lauf der Produktion eine Reihe von Detailverbesserungen an der Verschlusskonstruktion vorgenommen wurde. Abgelöst wurde die 1600F von der 1000F (1953–1957), die zwar "nur" noch eine kürzeste Verschlusszeit von 1/1000 s aufwies, dafür aber zuverlässiger und robuster war. Als Objektive wurden von Hasselblad zu Anfang die Objektive 2,8/80 mm-Ektar und 3,5/135 mm-Ektar von Kodak angeboten. Später wechselte man zu Carl Zeiss/Oberkochen mit den Objektiven Distagon 5,6/60 mm, Tessar 2,8/80 mm, Sonnar 3,5/135 mm, Sonnar 4,0/250 mm und Sonnar 5,6/250 mm. Außerdem war gegen Ende der Produktion der 1000F auch ein 5,6/508 mm-Objektiv von Dallmeyer erhältlich, das aber nicht das volle Format ausleuchtete.
Das ursprüngliche Design der 1600F bzw. 1000F ist auch in den späteren Hasselblad-Kameras der V-Serie erhalten geblieben. Allerdings ging man im Jahr 1957 mit der Einführung der Hasselblad 500C neue Wege, indem man den Schlitzverschluss durch einen Zentralverschluss, der in jedem Objektiv untergebracht ist, ersetzte. Dieser hat als kürzeste Verschlusszeit nur noch 1/500 s zu bieten, dafür lässt sich mit allen Zeiten Elektronenblitz nutzen. Diese Umstellung führte dazu, dass eine neue Objektivserie aufgelegt werden musste mit entsprechenden Übertragungselementen im Objektivbajonett. Daher lassen sich die Objektive nicht zwischen den Kameras 1600F/1000F und der 500C (und allen nachfolgenden Modellen) wechseln. Die Sucher und Magazine blieben (mit wenigen Ausnahmen) aber kompatibel.
Insbesondere das vollmechanische Modell 500C und die über 20 Jahre lang gebaute Nachfolgerin 500C/M (1970–1992, mit wechselbarer Mattscheibe, im Set von 1990–1992 auch als 500 Classic bezeichnet) sind ein Standard in der professionellen Fotografie geworden. Alle weiteren Modelle dieser Kamerareihe sind nur geringfügig modifizierte Varianten bzw. behutsame Modernisierungen des Grundkonzeptes. In chronologischer Reihe wurden folgende Kameramodelle gebaut: 503CX (1988–1994, TTL-Blitzsteuerung und neue Innenbeschichtung), 501C (1994–1998), 503CXi (1994–1996, TTL-Blitzsteuerung, Winderanschlussmöglichkeit), 501CM (1997–2005, vignettierungsfreier Spiegel), 503CW (1996–..., TTL-Blitzsteuerung , vignettierungsfreier Spiegel, Winderanschlussmöglichkeit), 503CWD (2006, wie 503CW, aber ausgeliefert mit Digitalrückteil CFV).
Im Jahr 1964 brachte Hasselblad die motorisierte Hasselblad 500EL auf den Markt, die bis auf den mit NiCd-Akkus gespeisten motorischen Antrieb in Aussehen und Funktionalität der Hasselblad 500C entspricht. Diese Kamera und die direkt abgeleiteten Nachfolger 500EL/M (1970–1984, mit Wechselmattscheibe), 500ELX (1984–1988, zusätzlich TTL-Blitz-Sensor und vignettierungsfreier Spiegel), 553ELX (1988–1999, neue Innenbeschichtung und Umstellung auf AA-Batterien) und 555ELD (1998–2006, neue Spiegelmechanik und Kontakte für Digitalrückteile) wurden und werden vor allem als unermüdliche Arbeitstiere in Fotostudios eingesetzt. Zu großer Berühmtheit gelangten sie durch ihre Verwendung im Apollo-Programm der USA. Eine umfangreich modifizierte 500EL, die Hasselblad EL Data Camera (HDC), ausgerüstet mit einem speziellen Biogon 5,6/60 mm Objektiv und Filmmagazin für 150 bis 200 Aufnahmen, wurde 1969 während der ersten Mondlandungsmission Apollo 11 auf der Mondoberfläche benutzt. Auch alle weiteren NASA-Missionen hatten Hasselblad-Kameras an Bord.
Hasselblad hat die Mittelformatfotografie zwar nicht erfunden, wird jedoch aufgrund der hohen Akzeptanz häufig synonym verwendet. Hasselblad-Kameras dienten auf zahlreichen NASA-Missionen der fotografischen Dokumentation, so beispielsweise 1962 eine Hasselblad 500C in der Mercury (Walter Schirra), 1966 eine Hasselblad SWC in der Gemini 9, 1969 bei der ersten Mondlandung eine Hasselblad 500 EL/70 (Apollo 11), 1975 eine Hasselblad 500 EL/M bei dem Apollo-Sojus-Projekt sowie 1998 fünf Hasselblad 553 ELS auf der Discovery. Zum großen Ansehen der Hasselblad-Kameras aufgrund ihrer hohen Zuverlässigkeit haben auch insbesondere die leistungsfähigen Objektive von Carl Zeiss beigetragen. Aufgrund des hohen konstruktiven Aufwands bei der Herstellung ist ein Hasselblad-System sehr teuer in der Anschaffung, dafür aber auch vergleichsweise wertbeständig.
Das aktuelle H-System entstand offenkundig in Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Fujifilm, das die älteren Kameras das H-Systems unter der eigenen Marke vertreibt. Hersteller der Objektive des H-Systems ist offensichtlich die Fujifilm-Tochter Fujinon.
| Brennweite | Ausgangsblende | Anmerkung |
|---|---|---|
| 28 mm | f/4 | Weitwinkel |
| 35 mm | f/3.5 | Weitwinkel |
| 50 mm | f/3.5 | Weitwinkel |
| 80 mm | f/2.8 | Standard |
| 50 - 110 mm | f/3.5-4.5 | Standardzoom |
| 100 mm | f/2.2 | Kurzes Tele |
| 120 mm | f/4 | Makro |
| 150 mm | f/3.2 | Tele |
| 210 mm | f/4 | Tele |
| 300 mm | f/4.5 | Tele mit Stativhalterung |
Im Bereich der digitalen Fotografie bietet Hasselblad digitale Kamerarückwände an, die an die analogen Modelle montiert werden können. So werden aus analogen Modellen vollwertige Mittelformat-Digitalkameras. Die Auflösung der Rückwände reicht von 16 bis 50 Megapixel.
2005 hat Hasselblad mit der von Fujifilm in Japan produzierten H2D eine rein digitale Spiegelreflexkamera mit 22 Megapixeln auf den Markt gebracht, 2006 folgte das 39-Megapixel-Nachfolgemodell H2D-39.[2] 2007 folgte die 0,2 Sekunden schnellere 31-Megapixel-Version. Das derzeit neueste digitale Modell ist die H3D II. Sie wurde zunächst für 39 Megapixel herausgebracht, 2008 für 50 Megapixel (Sensorfläche 36 x 48 mm) und soll nach Ankündigung auf der Messe Photokina im Jahre 2009 als 60-Megapixel-Version erscheinen [3]. Zudem ist eine Multishot-Version verfügbar.[4]
Ansel Adams, Anton Corbijn, Neil Armstrong und Edwin Aldrin im Rahmen von Apollo 11, sowie der bekannte Aktfotograf Petter Hegre aus Norwegen und der Fotokünstler Andreas Gursky.
Michael Collins verlor während der Gemini 10 Mission bei einem Außenbordeinsatz seine Hasselbladkamera, worauf einige schwedische Zeitungen diese Kamera als ersten schwedischen Satelliten bezeichneten.[5]
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