Haubarg


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Der „Rote Haubarg“ bei Witzwort
Bild:Jacobsenhaus Haubarg.jpg
Der ehemalige Hof Jacobs in Seeth, Kreis Nordfriesland
Fassadendetail des ehemaligen Hofes Jacobs mit "Sägezahnmuster" und Kreuzverbandmauerung

Ein Haubarg, selten auch Hauberg, ist das typische Bauernhaus der Halbinsel Eiderstedt. Es kam im späten 16. Jahrhundert zusammen mit westfriesischen Einwanderern, die den Bautyp des Gulfhauses mitbrachten, und bewährte sich bis ins späte 19. Jahrhundert als Bauernhaus.

Das Wort „Haubarg“ bezeichnet eine Stätte zum Bergen (Stapeln) von Heu. Mensch und Tier lebten in Haubargen jahrhundertelang unter einem Dach, wenn auch in getrennten Räumen.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Haubarge haben einen rechteckigen, nur beim vierständrigen Haubarg quadratischen, Grundriss. Es handelt sich um Ständerbauten, bei denen das Haus hauptsächlich von, je nach Größe, vier, sechs oder acht, in seltenen, nicht mehr erhaltenen Fällen, zehn Ständern, getragen wird, die durch Längs- und Querbalken (Fetten) verbunden sind. Diese Bauweise trägt unter anderem dazu bei, das Haus widerstandsfähig gegen Naturgewalten, insbesondere Stürme und daraus resultierende Sturmfluten, zu machen. Selbst wenn eine Sturmflut die Mauern eindrückt, halten die Ständer noch das Dach. Die Grundstruktur des Hauses bleibt unbeschädigt. Diese Bauweise erleichterte außerdem die Erneuerung des Mauerwerkes, welches nach etwa 100 Jahren auszusalzen begann und daher ersetzt werden musste.

Je vier Ständer bilden in der Mitte des Haubargs einen Vierkant, in dem das Stroh, welches nach dem Dreschen anfiel, gelagert wurde. Darum herum angeordnet sind die (Loo), wo unter anderem gedroschen wurde, Wohnräume (Döns) und Schlafverschläge, (Alkoven) für das Hofgesinde zusammen mit den Stallungen für die Pferde (Peerboos), Rinder (Boos) und das Kleinvieh. Der Großbauer hatte, mit seiner Familie sein Schlafgemach in Wandbetten (Alkoven) in dem sogenannten „Pesel“, welcher sogar beheizbar war, während das Hofgesinde nur durch das Vieh und das gelagerte Stroh und Heu gewärmt wurde. Das Heu, welches dem Haustyp seinen Namen gab, lagerte über der Boos, während Getreide über dem Wohnteil des Hauses lagerte. Über der Loo lagerten die nicht gedroschenen Garben der Ernte auf einer Art Spaltenboden. Wenn nicht gerade geerntet wurde, diente die Loo als Wagenremise.

Ein weiteres Merkmal ist das oft 15 oder 20 Meter hohe, mit Reet gedeckte Dach, unter dem das Heu für den Winter gelagert wird.

Lage

Solange der Küstenschutz noch unzureichend war, wurden Haubarge zum Schutz vor Überschwemmungen infolge von Sturmfluten auf Warften errichtet. Bis ins 18. Jahrhundert wurden Haubarge in West-Ost Ausrichtung erbaut, danach zumeist aus Repräsentationsgründen in Süd-Nord Ausrichtung.

Jüngere Geschichte und Gegenwart

Haubarge werden seit ca. 100 Jahren nicht mehr neu errichtet. Als in der Zeit des Nationalsozialismus der damalige Adolf-Hitler-Koog in Dithmarschen eingedeicht wurde, um dort eine germanische Mustersiedlung zu erschaffen, orientierten sich die gebauten Häuser an dem für Dithmarschen vollkommen untypischen Haubarg.

Gab es 1860 noch 360 Haubarge, sind 2008 nur noch etwa 100 erhalten. Waren Haubarge ursprünglich aufgrund ihrer ökonomischen Zweckmäßigkeit gebaut worden, sind sie mittlerweile zu teuer für ihre landwirtschaftlichen Besitzer geworden. Besonders das Reetdach, das oft um 1.000m² hat, ist in seiner Erhaltung sehr teuer. Deshalb weichen die meisten Bauern auf andere Gebäude für ihren Betrieb aus. Die Haubarge werden an andere, meist auswärtige Eigentümer abgegeben, die zwar die Fassade erhalten, im Innenraum aber oft zu anderer Nutzung großzügige Umbauten vornehmen. Einzelne Haubarge in Privatbesitz lassen sich auch von innen besichtigen.

Bekanntester historischer Haubarg ist der Rote Haubarg, mit 99 Fenstern, in der Nähe von Witzwort. Neben einer Gastronomie in den historischen Räumen beinhaltet er ein Museum, das einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt der ehemaligen Bewohner gibt. Der Tofthof in Westerhever ist einer der wenigen Haubarge, die 2005 noch landwirtschaftlich genutzt wurden. In dem Haubarg Die Riep bei Oldenswort wurde der Soziologe Ferdinand Tönnies geboren.

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