
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Tübingen | |
| Landkreis: | Zollernalbkreis | |
| Höhe: | 528 m ü. NN | |
| Fläche: | 66,44 km² | |
| Einwohner: | 19.371 (31. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 292 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 72375–72379 (alt: 7450) | |
| Kfz-Kennzeichen: | BL | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 4 17 031 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt und 8 Stadtteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Marktplatz 1 72379 Hechingen |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Jürgen Weber (FWV) | |
Die Zollernstadt Hechingen, etwa 60 Kilometer südlich von Stuttgart, war früher die Residenz der Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und bis 1973 Kreisstadt. Heute ist Hechingen drittgrößte Stadt im Zollernalbkreis und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Inhaltsverzeichnis |
Hechingen liegt zentral in Baden-Württemberg, nördlich des Albtraufs, dem Rand der Schwäbischen Alb, unterhalb der Burg Hohenzollern. Durch das Stadtgebiet verlaufen die Starzel (im Killertal nach Schlatt, weiter in die Hechinger Unterstadt und schließlich nach Stein) und der Reichenbach (von Boll über Stetten in die Hechinger Unterstadt, wo er in die Starzel mündet).
Die Talsohle der Starzel westlich von Stein an der Gemarkungsgrenze zu Rangendingen ist der niedrigste Punkt Hechingens mit 453 m über N.N. Die Altstadt und der Stadtkern, welche sich auf einem Bergvorspung oberhalb der Starzel befinden, sind auf einer Höhe von 510 m über N.N. In der Kernstadt liegen der Schlossberg und der Martinsberg. Auf dem Schlossberg befindet sich die so genannte Schlossackersiedlung. Der Martinsberg, benannt nach dem Schutzpatron des ehemaligen Dorfs, das sich dort befand, befindet sich in einer Naturlandschaft.
Im Nordosten der Gemeindefläche, auf der Gemarkung des Teilorts Beuren befindet sich der Dreifürstenstein. Dessen Gipfel ist der höchste Punkt der Gemarkung.
Hechingen liegt in der gemäßigten Klimazone und befindet sich in einer Höhe von 453-854 über N.N. Die durchschnittliche Jahrestemperatur gemessen an der auf 520 über N.N. liegenden Station Hechingen beträgt 8,3 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 837 mm. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17.3°C, der kälteste der Januar mit -0.5°C im Durchschnitt. Der meiste Niederschlag fällt im Juli mit durchschnittlich 105 mm, der geringste im Januar mit durchschnittlich 48 mm.
(im Uhrzeigersinn von Norden; die Gemeinden gehören zum Zollernalbkreis, sofern nicht anders angegeben)
Bodelshausen ¹, Mössingen ¹, Burladingen, Jungingen, Albstadt, Bisingen, Grosselfingen, Rangendingen und Hirrlingen ¹.
¹ Landkreis Tübingen
Zur Stadt Hechingen gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Bechtoldsweiler, Beuren, Boll, Schlatt, Sickingen, Stein, Stetten und Weilheim.
| Wappen | Ortsteil | Einwohner (2007) | Fläche | Eingemeindung |
|---|---|---|---|---|
| Hechingen (Stadt) | 12962 | 2472 ha | - | |
| Bechtoldsweiler | 699 | 278 ha | 1. April 1972 | |
| Beuren | 173 | 356 ha | 1. April 1972 | |
| Boll | 1189 | 1256 ha | 1. April 1972 | |
| Schlatt | 856 | 678 ha | 1. April 1972 | |
| Sickingen | 1042 | 215 ha | 1. April 1972 | |
| Stein | 992 | 386 ha | 1. April 1972 | |
| Stetten | 1864 | 630 ha | 1. April 1971 | |
| Weilheim | 752 | 694 ha | 1. April 1972 |
Die Kernstadt ist in weitere (zum Teil nicht amtliche) Stadtteile aufgeteilt. Diese tragen die Bezeichnung Oberstadt, Unterstadt, Lindich und Friedrichsstraße.
Von der Gesamtgemarkungsfläche der Stadt Hechingen von 6644 Hektar sind 1070 Hektar (16,1 %) als Siedlungs- beziehungsweise Verkehrsfläche genutzt, 2860 Hektar (43,0 %) als Landwirtschaftsfläche, 2613 Hektar (39,3 %) sind Waldflächen und 35 Hektar (0,5 %) Wasserflächen. Anderweitig genutzt sind 65 Hektar (1,0 %).
Die erste sesshafte Besiedlung ist auf etwa 1500 v. Chr. datiert (belegt durch Funde beim Ausbau der Bundesstraße 27). Ein Zeugnis der frühen römischen Besiedlung ist die Villa Rustica im Teilort Stein.
Hechingen selbst wurde als alemannisches Dorf gegründet. Es wird angenommen, dass ein Hacho mit seinen Söhnen sich im sechsten oder siebten Jahrhundert in Hechingen niederließ [2]. Spuren dieser eigentlichen Altstadt sind mit Ausnahme der Klosterkirche St. Luzen nicht vorhanden. Erstmalig wurde Hahhingum westlich der heutigen Stadt am Martinsberg gelegen mit abgegangener Martinskirche im Jahr 786 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Es gingen noch zwei weitere Dörfer der Stadtgründung durch die Zollerngrafen voraus: Oberhechingen mit der Sankt-Gallischen Missionskirche St. Luzen und das seit dem 18. Jahrhundert genannte Schadenweiler am Fuß der mittelalterlichen Stadt.[3]
Im Herzogtum Schwaben gehörte das Gebiet Hechingens zur großen Berchtoldsbaar. Nach deren Auflösung, zur Zeit Karls der Großen, kam das Gebiet des heutigen Hechingens zum Gau Hattenhuntare, bevor es im 11. Jahrhundert an die Grafen von Zollern ging. An der Stelle des späteren Stadtschlosses befand sich ein befestigter Herrensitz mit einer Handwerker- und Gesindesiedlung, an die dann die planmäßige Stadtanlage durch die Grafen von Zollern angeschlossen wurde. In einer vom Zollergrafen Friedrich am 31. Dezember 1255 auf der Burg Hohenzollern aufgestellten Urkunde ist als Zeuge erstmals ein „sculteto de haechingen“ erwähnt. Die Existenz dieses Schultheiß, eines höchstrichterlichen Beamten, ist der Beleg dafür, dass Hechingen das Stadtrecht damals schon innehatte.
Hechingen lag bereits im Mittelalter an einer Reichsstraße, die vom mittleren Neckarraum nach Süden über Rottweil zum Hochrhein und zu den Alpenpässen führte. Hechingen war die Hauptstadt der Grafschaft Zollern, die Grafschaft wurde durch Erbverträge immer wieder geschwächt. Die Grafen hatten sehr bald erhebliche finanzielle Probleme. Graf Eberhard II. von Württemberg erwarb 1388 die Pfandschaft über die Stadt. Die Zollerngrafen verpflichteten sich, in den folgenden sechs Jahren seine Parteigänger zu sein und ihm die Stadt und ihre Stammburg zu öffnen. Nach dem großen Stadtbrand von 1401 entwickelte sich die Stadt schnell zum Mittelpunkt der Grafschaft. Der Wiederaufbau der Stadt führte dazu, dass Friedrich von Zollern, genannt der Öttinger, 1415 seinen gesamten Besitz an Württemberg verkaufte. Doch dies reichte nicht aus, um seine Gläubiger zu befriedigen. Das Rottweiler Hofgericht sprach deshalb die Acht über ihn aus. Ein Vermittlungsversuch der brandenburgischen Vettern scheiterte. Die schwäbischen Reichsstädte und Gräfin Henriette von Württemberg vollstreckten 1423 die Acht, indem sie die Burg Hohenzollern eroberten und zerstörten. Nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft starb Friedrich von Zollern auf einer Fahrt ins Heilige Land. Auch sein Bruder Eitelfriedrich verpfändete seinen Anteil an der Grafschaft an Württemberg und erkannte die Erbfolge Württembergs an, falls er keinen Sohn bekommen sollte. 1433 zeugte er dann aber fast 50-jährig seinen Erben Jos Niklaus, und bis zu seinem Tode im Jahr 1439 gelang es ihm, die Hälfte seines Besitzes zurück zu erwerben. Graf Jos Niklaus von Zollern konnte gegen den Widerstand des Schwäbischen Städtebundes beim Kaiser die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Burg erwirken. Außerdem gelang es ihm, den Erbvertrag mit Württemberg zu lösen. Damit konnte die Stadt Hechingen dauerhaft im Besitz der Zollern bleiben.
Graf Eitelfriedrich I (1576-1605) machte Hechingen zu einem Zentrum der Kunst und Musikpflege und der Renaissancearchitektur. Zahlreiche, von ihm initiierte Bauten prägen noch heute das Stadtbild: die Klosterkirche St. Luzen, das Spital und der Untere Turm als letztes Zeugnis der ehemaligen Stadtbefestigung. Das ebenfalls unter Eitelfriedrich erbaute Renaissanceschloss, die Friedrichsburg, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen und durch das Neue Schloss ersetzt.
Durch die Erbteilung im Jahre 1567 entstanden die Grafschaften Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch (welches ab 1634 zu Hohenzollern-Sigmaringen gehörte). Hechingen war fortan Residenz der Grafen von Hohenzollern-Hechingen. Dieses Territorium, das aus der Stadt Hechingen und 26 Dörfern bestand, veränderte sich bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr grundlegend.
In der Zeit der Reformation blieb Hechingen nach den Regelungen des Augsburger Religionsfriedens mit seinem Landesherrn katholisch („Cuius regio, eius religio“). Durch die Rangerhöhung des Landesherrn war die Stadt seit 1623 Fürstenresidenz.
Der Dreißigjährige Krieg ging nicht spurlos an der Residenzstadt vorbei, die kaiserlichen Truppen erreichten Hechingen jedoch erst 1625. Der Fürst hatte damals die Kosten für die Kompanie Truppen zu zahlen, die Abgaben der Menschen um Hechingen stiegen ins Unermessliche. Durch mehrere Missernten und plündernde Soldaten starben zu dieser Zeit viele Menschen. 1632 erfolgte ein Angriff der Schwedischen Truppen, durch den 500 Pferde abhanden kamen.1633 erfolgte der Einmarsch in Hechingen mit der gesamten Schwedischen Armee unter Führung des Feldmarschalls von Horn, auch hessische und württembergische Truppen gehörten dazu. Sie forderten die Übergabe der Burg. Der Burgkomandant Matthäus Weinmann lehnte ab oder antwortete nicht, da sich auf der Burg die Grafen von Hohenzollern-Haigerloch und von Hohenzollern-Hechingen mit Gefolge und Familien befanden. Die Truppen zogen weiter nach Sigmaringen. Herzog Eberhard von Württemberg wollte sich, nachdem er die Grafschaft Hohenzollern-Haigerloch bereits erhalten hatte, auch die Grafschaft Hohenzollern-Hechingen einverleiben. Am 5. Juli 1633 wurde die Stadt mitsamt Schloss von den württembergischen Truppen eingenommen. Die Burg wurde von 2000 Mann eingekesselt und belagert. Neun Monate dauerte diese an, der Proviant musste unterirdisch, im Schutz der Dunkelheit herbeigeschaffen werden. Die Bauern mussten gegen Ende mit Wertgegenständen, die auf der Burg in Sicherheit gebracht waren, bezahlt werden, da sie durch die Besatzer kaum noch Geld besaßen.
Am 3. April 1634 wurde die Burg an Württemberg übergeben. Dies verschlimmerte die Lage jedoch nur. Die Soldaten stahlen jetzt alles. Die Bauern besaßen keine Tiere mehr und waren nicht mehr in der Lage, ihre Felder zu bearbeiten. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen zogen die württembergischen Soldaten ab. Nur die Burg blieb in den Händen der Württemberger. Es kamen erneut kaiserliche Truppen, diese waren jedoch vom Krieg so mitgenommen, dass sie nicht stärker waren als die Württemberger. 1635 brach die Pest aus, diese forderte in der geschwächten Stadt viele Menschenleben. Im selben Jahr gelang die Burg durch ein Täuschungsmanöver an den Kurfürsten Maximilian von Bayern. 1637 zogen dessen Truppen ab und die Burg erhielt nun wieder eine Zollerische Besatzung.
1638 wurde die Stadt von den Truppen des mit Frankreich verbündeten Bernhards von Weimar innerhalb von zwölf Tagen völlig ausgeraubt. Die Menschen sollen sich sogar von Nesseln und Schnecken ernährt haben. Hunde und Katzen soll es keine mehr gegeben haben. 1639 kam die Burg erneut in bayrischen Besitz und wurde erst 1650 wieder geräumt. 1640 waren die Menschen schließlich so verarmt, dass sie die Kontributionen nicht mehr bezahlen konnten. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 blieben die verstreuten Soldaten noch weitere zwei Jahre wegen nichtbezahlter Kontributionen. 1650 war der Krieg endgültig vorbei. Im ganzen Hohenzollerischen Land wurden Dankgottesdienste abgehalten.
Das Stadtbild wurde ab 1764 entscheidend durch den fürstlichen Baudirektor Pierre Michel d’Ixnard geprägt, der als Wegbereiter des Frühklassizimus in Süddeutschland zu den gefragtesten Architekten gehörte. Von ihm stammt unter anderem die katholische Stiftskirche.
Diese lobt Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Reise in die Schweiz 1797: „Hechingen zum Teil im Grunde, ein Teil der Stadt mit dem Schlosse auf der Anhöhe. Links weiter unten zwischen Wiesen und Feldern ein Kloster, hinter dem Zwischenraume Hohenzollern auf dem Berge, die Ansicht bei der Einfahrt in Hechingen sehr schön. Auf der Brücke seit langer Zeit der erste heilige Nepomuk; war aber auch wegen der schlechten Wege nötig. Sehr schöne Kirche.“
Als Papst Pius VII. 1821 aus machtpolitischen Gründen das alte und in seinen Augen zu liberale und der Aufklärung verpflichtete Bistum Konstanz aufhob und das Erzbistum Freiburg gründete, schlossen sich die hohenzollerischen Fürsten dieser Neugründung an. Das viel näher gelegene Rottenburg am Neckar wurde dagegen zum Landesbistum für die württembergischen Katholiken.
Ab 1826 wurde Hechingen unter Fürst Konstantin und seiner Gemahlin Eugénie de Beauharnais zu einem kulturellen Zentrum in Süddeutschland. Berühmte Persönlichkeiten waren Gäste: Eugénies Vetter, der spätere Kaiser Napoleon III., Hector Berlioz und Franz Liszt. Die Hofkapelle genoss einen guten Ruf und das Fürstenpaar entfaltete eine rege Bautätigkeit im Stil des Klassizismus. Eugénie engagierte sich auch sozial und ließ eine große Kinderbewahranstalt und ein Altenheim errichten.
Aufgrund der persönlichen Beziehungen zu Napoléon Bonaparte konnten sich die Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen der Mediatisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts entziehen. In Hechingen entwickelte sich unter dem letzten regierenden Fürst Friedrich Wilhelm Constantin eine kulturelle Blütezeit. Dieser unterhielt eine weithin berühmte Hofkapelle, mit der zusammen Musiker wie Franz Liszt und Hector Berlioz konzertierten. Die Fürstin Eugenie, eine Stiefenkelin von Napoléon Bonaparte, brachte mit ihren Verbindungen zum europäischen Hochadel weiteren Glanz in die kleine Residenzstadt.
Nachdem Fürst Konstantin wegen Amtsmüdigkeit im Anschluss an die Märzrevolution von 1848 auf sein Erbe verzichtete, fiel das katholische Hechingen zusammen mit dem gesamten Fürstentum Hohenzollern-Hechingen 1850 an das protestantische Königreich Preußen. Die Stadt erhielt den Status einer Oberamtsstadt im preußischen Regierungsbezirk Sigmaringen, der auch als Hohenzollernsche Lande bezeichnet wurde und bis auf die Militärverwaltung die Befugnisse einer Provinz hatte. Trotz der verkehrstechnisch günstigeren Lage, der damals besseren wirtschaftlichen Bedingungen und der höheren Einwohnerzahl Hechingens wurde Sigmaringen Provinzhauptstadt. Der Architekt des Königs, Friedrich August Stüler, begann im selben Jahr mit dem Wiederaufbau der Burg Hohenzollern und errichtete einige Jahre später auch die Evangelische Pfarrkirche St. Johannes.
Unter preußischer Herrschaft gelang die Industrialisierung der Stadt, die fast ausschließlich von jüdischen Unternehmern getragen wurde. Juden lebten in Hechingen seit dem 16. Jahrhundert, seit 1754 hauptsächlich im Stadtteil Friedrichsstraße. Bereits seit 1546 besaßen sie eine eigene Synagoge.[4] Arbeitsplätze für die Bürger der Stadt, aber auch für die Bevölkerung des Umlands boten unter anderen die Webstühle und Strickmaschinen der ehemaligen jüdischen Unternehmen Benedikt Baruch, Julius Levi und Carl Löwengard. Juden gab es in Hechingen bereits seit der frühen Neuzeit. Deren Anteil an der Bevölkerung erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts mit rund 25 % seinen Höhepunkt, nahm danach jedoch rasch ab.
Noch 1903 lebten in der Stadt 192 Juden.[5] In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 35 Juden deportiert und ermordet (Riga, Ghetto Izbica, Mauthausen, etc.), 53 konnten rechtzeitig das Land verlassen. Die bei den Novemberpogromen von Reutlinger und örtlicher SA demolierte Hechinger Synagoge wurde Ende der 1970er Jahre restauriert und dient heute kulturellen Zwecken, der Erinnerung an die jüdische Geschichte des Ortes und seit kurzem auch wieder als Synagoge.
Im Zuge einer Gebietsreform wurde Hechingen 1925 zur Kreisstadt des neu gebildeten Landkreises Hechingen.
Im Rahmen der Kreis- und Gemeindereform von 1973 kam die Stadt zum neu gegründeten Zollernalbkreis, Kreisstadt wurde Balingen, das bis auf das Landgericht alle wesentlichen Behörden erhielt. Die bis dahin selbständigen Gemeinden Bechtoldsweiler, Beuren, Boll, Schlatt, Sickingen, Stein, Stetten und Weilheim wurden nach Hechingen eingemeindet.
Die Maßnahmen des NS-Regimes gegen die Juden hatten auch der Hechinger Wirtschaft erheblich geschadet. Im wirtschaftlichen Neuanfang in der Nachkriegszeit entstanden, neben der immer noch dominierenden Textilindustrie, vermehrt Betriebe der Metallverarbeitung, der Elektrotechnik sowie der Kunststoffindustrie. Die Textilindustrie blieb Motor der Wirtschaft. Die „Hausfirma“ der Stadt, die Firma VOLMA, wurde vom amerikanischen Jockey-Konzern gekauft, bevor dieser sein europäisches Zentrum in Hechingen ansiedelte. Jockey war lange Zeit größter Arbeitgeber der Stadt, vor wenigen Jahren wurde die Produktion geschlossen.
Die industrielle Weiterentwicklung und die Aufnahme von Heimatvertriebenen erforderten die Erschließung neuer Wohngebiete sowie den Bau von Sozialwohnungen. An den Siedlungen Fasanengarten, Schlossacker, Schlossberg sowie Stockoch wird diese Entwicklung sichtbar. Die Wohngebiete, die in naher Zukunft erschlossen werden sollen, sind das verbleiende „First-Areal“, um die Lücke zwischen First und Altstadt zu schließen, und das Gebiet um den eigentlichen Killberg (momentan Erdmülldeponie) als Folge der Eröffnung des Gewerbegebiets Nasswasen.
Der Um- und Ausbau der Grund- und Hauptschulen (1959-1974), der Neubau eines Realschulzentrums mit Großturnhalle und der Bau einer Sonderschule (1970-1972) sowie die Übernahme der Trägerschaft des bis dahin staatlichen Gymnasiums (1974) verweisen auf kommunale Leistungen im schulischen Bereich. Die Schaffung und Weiterentwicklung kultureller Einrichtungen (Städtische Volkshochschule, Stadtbücherei, Zweckverband Jugendmusikschule Hechingen und Umgebung) sowie umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in der Innenstadt und in den Stadtteilen wurden vorangetrieben. Zur Wiederbelebung der Innenstadt wurde die Aktionsgemeinschaft Pro Innenstadt gegründet.
Am Abend des 2. Juni 2008 kam es bei einem Gewitter zu schweren Regenfällen und Überflutungen, in deren Folge drei Frauen ertranken. Das „Killer valley“ machte so internationale Schlagzeilen.[6][7][8]
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
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¹ Volkszählungsergebnis
Die Bewohner Hechingens sind mit 52% mehrheitlich katholisch. 25% sind evangelisch und 23% gehören anderen Religionen an oder sind konfessionslos. Die Grafen von Zollern waren immer katholisch und die Stadt blieb auch zur Zeit der Reformation mitsamt den Landesherren katholisch. Überliefert ist jedoch, dass ein evangelischer Apotheker aus Mössingen mit seiner Familie in Hechingen lebte. Da dies der einzige Apotheker in der Stadt war, wurde er geduldet. Hechingen besaß einst eine große jüdische Gemeinde.
Im Jahre 1850 wurde Hechingen in den preußischen Staat eingegliedert. Mit diesem Ereignis kamen viele evangelische Funktionäre und Offiziere aus dem evangelischen Preußen in die katholische Stadt. Sie siedelten im sogenannten Zylinderviertel zwischen Fürstengarten und Heiligkreuzstraße und benötigten rasch eine Kirche. Aus diesem Frund wurde die evangelische Kirche St. Johannes gebaut.
Die katholische Stiftskirche St. Jakobus bildet den Mittelpunkt der Stadt. Weitere katholische Gotteshäuser sind das Klosterkirche Hechingen-Stetten, die Klosterkirche St. Luzen, Maria Zell, die Pfarrkirche St. Nikolaus, die Pfarrkirche St. Wendelin und andere Kirchen in den Ortsteilen.
In der Hechinger Altstadt befindet sich eine Synagoge und die erste Moschee der Region, zur Zeit entsteht im Norden der Stadt ein Neubau. Südlich der Altstadt steht in der Zollernstraße die Evangelische Pfarrkirche St. Johannes. Auf dem Schlossberg befindet sich die Neuapostolische Kirche.
Mit den Nachbargemeinden Jungingen und Rangendingen hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Hechingen weist 2008 eine Verschuldung von 12,9 Millionen Euro auf. Zusammen mit den Stadtwerken, dem Betriebshof und dem Eigenbetrieb zur Entsorgung sind es 39,9 Millionen Euro.
Der Gemeinderat wird für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Bei der letzten Gemeinderatswahl am 13. Juni 2004 ergab sich folgende Sitzverteilung:
An der Spitze der Stadt stand seit dem 12. Jahrhundert ein herrschaftlicher Schultheiß als Vorsitzender von zwölf Richtern. Im Jahre 1461 ist erstmals ein Rathaus in Hechingen nachgewiesen. In den heutigen Ortsteilen standen von den Fürsten eingesetzte Vögte den Dörfern vor. Ab 1729 ist ein Bürgermeister von Hechingen belegt. Die Bürgermeister der Stadt Hechingen mitsamt der Stadträte werden seit dem Erlass einer neuen Stadtverordnung zur Selbstverwaltung im Jahre 1835 gewählt. Die Vögte werden erst seit der Revolution von 1848 für eine Amtszeit von acht Jahren frei gewählt.
Die laufende Amtszeit des Bürgermeisters Jürgen Weber endet 2011.
Das Wappen der Stadt Hechingen zeigt ein geviertes Schild, in Silber und Schwarz, den Farben der Hohenzollern. Die Farben der Stadtflagge sind Schwarz und Weiß. Das älteste Siegel der Stadt stammt aus dem Jahr 1318. Das Wappen veränderte sich im Laufe der Jahre weder in Form noch in Farbe.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieg wurde Hechingen Patenstadt für die Stadt und den Kreis Oels in Schlesien.
Die Stadtteile haben ebenfalls Partnerschaften, so unterhält Stetten freundschaftliche Beziehungen zu vielen gleichnamigen Orten. Jährlich findet ein Fußballturnier zwischen den verschiedenen Orten namens Stetten statt. Außerdem hat Stetten seit 1973 eine Paertnerschaft mit Fehraltorf in der Schweiz. Weilheim hat seit 1988 eine Partnerschaft mit Graun in Südtirol.
Hechingen liegt an der Hohenzollernstraße und an der Römerstraße.
Die Stadt mit Ortsteilen hat über 50 Sportvereine. Die bekanntesten sind als Fußball-Bezirksligist der TSV Boll, der FC 07 Hechingen, der Golfclub Hechingen und der TC Hechingen (Veransalter der Hechinger Ladys-Open, ein Turnier der German Masters Series).
Links der Starzel im Weiher befindet sich ein großes Sportgelände, welches den Namen Weiherstadion trägt. In der näheren Umgebung zum Weiherstadion befindet sich ein Hallenbad mit kombiniertem Freibad, ein Skatepark, die Tennisplätze und die Tennishalle des TC Hechingen, eine Minigolfanlage im Rapphof und Schießsportanlagen. Beim Schloss Lindich befindet sich das Reitgelände des Reitverein Hechingen, auf dem Weg dorthin ein 18-Loch-Golfplatz.
Nahe dem Realschulzentrum der Stadt befinden sich zwei Schulsporthallen, ein Lehrschiwmmbecken und die Kreissporthalle. In der Oberstadt beim Gymnasium befindet sich ebenfalls ein Lehrschwimmbecken und ein großes Sportgelände.
In den Teilorten Boll, Stetten und Stein gibt es weitere Tennisplätze. Alle Teilorte verfügen über Fußballplätze. Außer Bechtolsweiler und Beuren hat jeder Teilort eine Sporthalle.
Jährlich finden Oldtimertreffen in Hechingen statt. In der Stadthalle finden regelmäßig Musikaufführungen statt. Das Hohenzollerische Landesmusem hat ganzjährig verschiedene Sonderaustellungen.
Hechingen war lange eine von der Agrarwirtschaft geprägte Stadt. Die Industrialisierung kam erst in Schwung mit dem Übergang an Preußen und dem Bau der Eisenbahn.
Heute ist die Firma Gambro, welche Dialysegeräte herstellt, größter Arbeitgeber. Im Laufe der Zeit siedelten in Hechingen weitere Medizintechnikfirmen an (z. B. Maquet, Jotec, Joline und Translumina). Um gegenseitig voneinander profitieren zu können, wurde im Jahr 2002 auf Betreiben der Stadt Hechingen das Kompetenznetzwerk Medical Valley gegründet.[9]
Die Stadt besitzt fünf Gewerbegebiete. Die Gewerbegebiete Nasswasen und Walkenmühle befinden sich unmittelbar an der B 27. Die Gewerbegebiete Lotzenäcker und Etzental/Ettenbach an der B 32 im Norden der Stadt.
Hechingen liegt an der Bundesstraße 27. Diese verbindet die Stadt im Norden mit dem Großraum Stuttgart und im Süden mit Schaffhausen in der Schweiz. Im Nordwesten verläuft die Bundesstraße 32 durch das Killertal, bevor sie im Norden Hechingens, östlich des Teilorts Sickingen, in die B 27 mündet. Die B 32 verbindet Hechingen mit Sigmaringen, Ravensburg, dem Allgäu und dem Bodensee. Die L 410 verbindet Hechingen über Rangendingen und Haigerloch mit der Bundesstraße 463, die ein Zubringer zur Bundesautobahn 81 ist.
Seit dem 26. Juni 1869 ist Hechingen durch dem Bau der Zollernalbbahn mit dem Zug aus Richtung Tübingen erreichbar. Am 18. März 1901 wurde die heute Zollernalbbahn 2 genannte Strecke nach Burladingen und weiter nach Sigmaringen und 24. Dezember 1912 die Bahnstrecke über Haigerloch nach Eyach und Rottenburg eröffnet.
Der DB-Bahnhof befindet sich nördlich der Stadt oberhalb des Bahnhofs der Hohenzollerischen Landesbahn. Die beiden Bahnhöfe sind durch eine Spitzkehre verbunden. Hechingen hatte noch fünf weitere, heute stillgelegte, Bahnhöfe: Güterbahnhof, Stein, Sickingen/Friedrichsstraße, Schlatt und Zollern.
In Hechingen kreuzen zwei Eisenbahnstrecken. Die Zollernalbbahn und die ehemalige Stichbahn Eyach-Hechingen von Haigerloch. Die letztere wurde in den 1970er-Jahren stillgelegt. Sie wird nur noch durch die Güterzüge des Salzbergwerks in Haigerloch-Stetten bedient. Auf der Zollernalbbahn verkehrt alle zwei Stunden ein IRE (Stuttgart–Reutlingen–Tübingen-Hechingen-Balingen– Sigmaringen–Aulendorf(–Ulm). Stündlich verkehrt eine Regionalbahn der Hohenzollerischen Landesbahn nach Burladingen, Sigmaringen, Tübingen oder Balingen.
In Hechingen befindet sich der Firmensitz der Hohenzollerische Landesbahn, das Stellwerk für die Züge ist seit jeher in Gammertingen.
Bereits um das Jahr 1900 gab es eine Buslinie vom Bahnhof zum Obertorplatz. Heute bedienen Busse der Hechinger Verkehrsbetriebe (HVB Wiest + Schürmann mbH) und Busse der Hohenzollerischen Landesbahn den Nahverkehr im Stadtgebiet und im Mittelbereich Hechingen. Es existieren vier Knotenpunkte, an denen der Busverkehr zusammenläuft: Die Martinsstraße, wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Realschulzentrum; der Obertorplatz wegen seiner zentralen Lage in der Kernstadt, die Gymnasiumsstraße wegen des Gymnasiums (wird allerdings nur zu den Schulzeiten bedient) und der Zentrale Omnibusbahnhof, welcher sich direkt am Bahnhof befindet. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) nutzbar, hierbei befindet sich Hechingen in der Wabe 332.
In Hechingen mit entsprechendem Lokalteil erhältlich sind die Tageszeitungen Hohenzollerische Zeitung, Zollernalbkurier und Schwarzwälder Bote. Über Kabel ist der regionale TV-Sender RTF.1 zu empfangen.
Hechingen beherbergt ein Landgericht, zu dem die Amtsgerichte Albstadt, Balingen, Hechingen und Sigmaringen gehören. Des Weiteren befindet sich in Hechingen das Kreismedienzentrum, ein Notariat, ein Arbeitsamt, ein Gefängnis (Außenstelle des Hofgerichts Rottweil), eine Agentur für Arbeit und die Außenstelle des Landratsamts Balingen.
Zum 1. Januar 2009 wird die Finanzierung des Krankenhauses durch die Zollernalbklinikum GmbH eingestellt. Bis zum Ende des Jahres bleibt die Chirurgie in vollem Betrieb, die Gynäkologie ist bereits geschlossen. Bis zur Fertigstellung des Krankenhauses in Balingen werden vorübergehend Teile der Abteilung Innere Medizin in Hechingen untergebracht sein. Es wurde ein Förderverein zum Erhalt der Klinik namens Hohenzollernklinik e. V. gegründet. Mithilfe von diesem, einigen niedergelassenen Ärzten und dem Anbau eines Dialysezentrums bleibt der Klinikbetrieb bestehen.
Die Stadt ist Sitz des Dekanats Zollern des Erzbistums Freiburg.
Hechingen ist als Mittelzentrum ein wichtiger Bildungsstandort. Das Einzugsgebiet reicht von Rangendingen im Westen bis Burladingen im Osten und von Grosselfingen/Bisingen im Süden bis Bodelshausen im Norden. Die erste Hechinger Schule befand sich in der heutigen Schulstraße in der Altstadt, unweit der Stiftskirche. 1775 wurden ein Gymnasium und eine Lateinschule gegründet. Zwischen 1907 und 1909 wurde das Gymnasium auf der Lichtenau für 300.000 Mark errichtet. Dieses war bis 1974 staatlich, heute befindet es sich in der Trägerschaft der Stadt. 1929 wurde das Gebäude der Hechinger Haupt- und Werkrealschule erbaut, in den 1930er Jahren die Volkshochschule, in der heute auch die Stadtbücherei untergebracht ist. Anfang der 1970er Jahre wurde das Bildungsangebot durch den Bau des Realschulzentrums, des vom Landkreis getragenen Wirtschaftsgymnasiums, der Beruflichen Schule und des Kaufmännischen Schulen vollendet. Die Stadt unterhält außerdem eine Förderschule und vier Grundschulen (GS Hechingen, GS Zollernstraße, GS Sickingen und GS Stetten). Die Grundschüler der Stadtteile Beuren und Schlatt in der Nachbargemeinde Jungingen unterrichtet, diejenigen aus Bechtolsweiler in Sickingen, aus Boll in Stetten, aus Weilheim in Hechingen und aus Stein in der Nachbargemeinde Rangendingen. Auch die Hauptschüler aus Stein werden in Rangendingen unterrichtet.
Albstadt | Balingen | Bisingen | Bitz | Burladingen | Dautmergen | Dormettingen | Dotternhausen | Geislingen | Grosselfingen | Haigerloch | Hausen am Tann | Hechingen | Jungingen | Meßstetten | Nusplingen | Obernheim | Rangendingen | Ratshausen | Rosenfeld | Schömberg | Straßberg | Weilen unter den Rinnen | Winterlingen | Zimmern unter der Burg
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