
Karl Wilhelm Fricke (* 1929 in Hoym) ist ein deutscher Publizist und Herausgeber mehrerer Standardwerke über den Widerstand in der DDR.
Fricke gehörte zu mehreren hundert Entführungsopfern, die vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gewaltsam in die DDR gebracht wurden. Bis zum Mauerbau 1961 wurden so über 600 Menschen vom Westteil Berlins in den Ostteil verschleppt.
Als erst Sechzehnjähriger erlebte er, wie die sowjetische Geheimpolizei im Juni 1946 seinen Vater verhaftete. Dieser wurde 1950 im Rahmen der Waldheimer Prozesse zu zwölf Jahre Zuchthaus verurteilt und verstarb 1952 im Zuchthaus Waldheim an den Folgen einer Ruhr- und Grippeepidemie.[1] Nach dem Abitur arbeitete Fricke kurze Zeit als Junglehrer. Durch Denunziation einer Kollegin wurde er 1949 verhaftet. Er konnte jedoch aus dem Polizeigewahrsam entkommen und über die innerdeutsche Grenze in den Westen fliehen. Nach seiner Flucht studierte er bis 1953 an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven sowie der Freien Universität Berlin Politische Wissenschaften und begann journalistisch zu arbeiten. Seine Beiträge für Presse und Rundfunk, in denen er unter anderem Informationen der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit und des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen verarbeitete, widmeten sich vorwiegend der Verfolgung Oppositioneller in der DDR durch Justizorgane.
Das MfS ließ ihn im April 1955 durch einen Bekannten, der sich später als Stasi-Mitarbeiter entpuppte, mit in Weinbrand aufgelösten Schlaftabletten betäuben und nach Ost-Berlin entführen. Anschließend wurde Fricke 15 Monate lang im Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen verhört. Das Oberste Gericht der DDR verurteilte ihn schließlich in einem Geheimprozess im Juli 1956 wegen „Kriegs- und Boykotthetze“ zu vier Jahren Zuchthaus, die er in Brandenburg-Görden und in der Bautzen II in Einzelhaft verbrachte. Nach seiner Haftentlassung 1959 wirkte er als freier Journalist und Publizist zunächst in Hamburg. Von 1970 bis 1994 arbeitete Fricke schließlich als Leitender Redakteur beim Deutschlandfunk in Köln. Seine damals - gegen erhebliche politische Widerstände - erschienenen Bücher gelten heute als Standardwerke in den Bereichen Widerstand und Opposition in der DDR, Strafjustiz und Staatssicherheit. Das Ministerium für Staatssicherheit ließ Fricke bis 1989 in der Bundesrepublik überwachen.
In den 90er Jahren war Fricke als Sachverständiger zweier Enquête-Kommissionen des Bundestages tätig, die zum einen die Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland und zum anderen die Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit behandelten. Für seine Beiträge zur Geschichte des Widerstandes in der DDR bekam er 1996 die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Fricke ist Vorsitzender des Beirats der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sowie des Fachbeirates Gesellschaftliche Aufarbeitung der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fricke, Karl Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Autor und Entführungsopfer |
| GEBURTSDATUM | 1929 |
| GEBURTSORT | Hoym |
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