
Kataphrakt (griech. Κατάφρακτος Kataphraktos „mit Eisen Überworfener“) bezeichnet einen schwer gepanzerten Reiter der antiken und frühmittelalterlichen Kavallerie, der hauptsächlich in iranischen, spätrömischen und byzantinischen Armeen eingesetzt wurde.
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Kataphrakten werden in antiken Quellen erstmals in Zusammenhang mit den Sarmaten und Parthern erwähnt. Die Parther setzten Panzerreiter spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. ein. Mit ihrer schweren Kavallerie bekamen es die Römer in den Partherkriegen des 3. und 2. Jahrhunderts n. Chr. zu tun. Die erste große - und für die Römer verheerende - Konfrontation mit östlichen Panzerreitern erfolgte in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr. Neben den leichten berittener Bogenschützen trugen dort auch die schweren Panzerreiter entscheidend zur vernichtenden Niederlage der Römer bei. Auch die Sarmaten an der östlichen Donau, die Palmyrener im Mittleren Osten und die sassanidischen Perser in Kleinasien (als Nachfolger der Parther) setzten eine der der Parther ähnliche schwere Reiterei häufig ein.
Die ersten römischen Kataphrakt-Einheiten wurden, nach Kontakt mit sarmatischen Stämmen an der pannonisch-dakischen Grenze zu Sarmatien, während der Regierungszeit Kaiser Hadrians (76–138 n. Chr.) geschaffen. Die früheste schriftlich belegte Einheit in der römischen Armee ist eine Ala Gallorum et Pannoniorum catafracta, die sich allerdings nicht aus Männern aus dem Osten rekrutierte.
Das Imperium, dessen Heer bis ins 3. Jahrhundert noch stark an der Linieninfanterie orientiert war, hatte den furchterregenden, von Kopf bis Fuß in Eisen gekleideten Kavalleristen zunächst nichts gleichwertiges entgegenzusetzen und musste hierbei einige herbe Rückschläge hinnehmen. Deshalb schuf der große Militärreformer Kaiser Gallienus um 258 n.Chr. eine schwere Reiterei nach persischem Vorbild, die nach Art ihrer Panzerung cataphractarii oder clibanarii genannt wurden und in der Spätantike bald das Rückgrat der römischen Armee darstellte. Diese Spezialeinheiten befanden sich meist in den Reihen der Feldarmeen.
Es existierten auch mehr Kataphrakten und Clibanarier in den oströmischen Provinzarmeen als in den westlichen, da man im Osten des Reiches mit der gut gedrillten, ebenso schwer bewaffneten und gepanzerten Panzerreiterei der Sassaniden konfrontiert war. Vom 4. Jahrhundert bis zum 6. Jahrhundert bildeten Panzerreiter aber auch in der römischen Armee des Westens die Mehrheit der schweren Kavallerie.
Die hauptsächliche Bewaffnung eines Kataphrakten bestand aus einer 3 bis 5 m langen, beidhändig geführten Contus-Lanze und einem langen zweischneidigen Schwert (das sog. sarmatische Langschwert bzw. Spatha-Schwert), in der Spätantike war auch die zusätzliche Ausstattung mit Bögen, als Reaktion auf die hunnischen Reitervölker aus dem Osten, verbreitet. Als Helm wurde ein Kegelhelm, Spangenhelm, Bügelhelm, Brillenhelm oder Maskenhelm getragen. Östliche Kataphrakten trugen auch oftmals Streitkolben oder Keulen anstelle von Schwertern, außerdem waren weitreichende und durchschlagskräftige Reflex-Bögen hier bereits in der klassischen Antike fester Bestandteil der Ausrüstung. Eher selten kamen auch Streitäxte (vor allem in Baktrien) oder Schleudern zum Einsatz.
Der Reiter wurde durch Schuppen-, Ketten- oder Lamellenpanzer geschützt wobei sich Teile aus Ketten-, Schuppen-, Segment- und Lamellenpanzer ergänzen konnten. Die vollständig gepanzerte Version eines Kataphrakts wurde auch als Clibanarius bezeichnet – es ist aber umstritten, worin genau der Unterschied zwischen clibanarii und cataphracti bestand. Die Angelegenheit wird kompliziert als im frühen 4. Jahrhundert neben den herkömmlichen Kataphrakten plötzlich die Clibanarii auftauchen. Wenn auch der persische Ursprung des Clibanarier als weitgehend gesichert gelten kann, so ist umstritten, ob innerhalb der römischen Armee "Kataphrakte und "Clibanarier" als selbe Gattung der schweren Kavallerie galten, oder ob sie ausrüstungstechnisch sehr wohl auseinandergehalten wurden.
Wie es scheint, handelt es sich beim älteren Terminus "Kataphrakt" um einen Überbegriff und beim späteren "Clibanarier" um eine spezielle Untergruppe, also um besonders schwer gepanzerte, hauptsächlich im Osten rekrutierte Truppen. Die älteste Erwähnung eines Clibanariers auf einem lateinischen Grabstein stammt aus Bithynien, um 300 n. Chr. und nennt den Verstorbenen einen catafractarius clibanarius. Da man also mit "Kataphrakten" wohl den Allgemeinen und mit "Clibananariern" einen speziellen Panzerreiter meinte, werden die letzteren sich wohl auch markant in ihrer Ausrüstung unterschieden haben, während es bei den Kataphrakten im Laufe der Zeit in diesem Punkt mehrere Auswahlmöglichkeiten gab.
Das mag auch Häufigkeit und Qualität in puncto Pferdepanzerung betroffen haben. Man muss auch damit rechnen, dass sich die Bezeichnungen Kataphrakt und Clibanarier sich im Laufe der Zeit von ihrer ursprünglichen Bedeutung gelöst haben können. Die Römer dürften also unter Kataphrakten und Clibanariern nicht dasselbe verstanden haben. Dass die Clibanarier im Altertum als eine orientalische Form der schwer gepanzerten Reiterei angesehen wurden, geht aus verschiedenen zeitgenössischen Texten hervor. So heißt es bei Ammianus u.a.:
"...cataphracti equites, quos clibanarios dicticant Persae ...".
Der Autor der um die Wende des 4. zum 5. Jahrhundert entstandenen Historia Augusta legt Kaiser Severus Alexander folgende Worte in den Mund:
"Wir haben die Perser besiegt. ..die Kataphrakten, die jene als Clibanarier bezeichnen."
Demnach könnte die Bezeichnung "clibanarii" auch iranischen Ursprungs sein. Manche meinen sogar es rühre vom altgriechischen Wort für "Ofen" her, das muss aber wohl als eine nachträglich konstruierte Etymologie gelten, wenn auch zugegebenermaßen die in der Hitze des Orients nicht gerade angenehmen Trageeigenschaften für den bedauernswerten Mann unter der Rüstung ein großes Handicap gewesen sein muss.
Auch J.C. Coulston z.B. war der Ansicht, dass die Clibanarier eine besonders schwer bewaffnete, mit Bogen und langer Lanze bewaffnete kleinasiatische Spielart von Kataphrakten gewesen seien, während die normalen Kataphrakten zwar auch eine schwere Panzerung getragen haben, aber im Kampf vor allem die im Westen verbreitete Kombination von leichter Lanze und Schild angewendet hätten. Da Clibanarier mit Pfeil und Bogen und mit einer mit beiden Händen geführten langen Lanze kämpften, konnten sie keinen oder aber nur einen sehr kleinen Schild verwenden. Dieser Umstand machte daher eine besonders massive Panzerung notwendig. Einschließlich der Waffen wog die volle Rüstung eines Clibanariers geschätzte 40 kg, ein Gewicht, das erst Ritterrüstungen des 13. Jahrhunderts wieder erreicht haben.
Diese schweren Panzerreiter wurden von antiken Autoren oft mit Statuen gleichgesetzt. So schildert uns Ammianus Marcellinus die gepanzerte Kavallerie Kaiser Constantius II. beim Einzug in Rom 357 n. Chr.:
"Hierauf nun zog mit runden Schilden und flatternden Helmbüschen eine weitere Abteilung Schwerbewaffneter ein, blitzendes Licht von ihren schimmernden Panzern ausstrahlend, und zwischen diesen marschierten die Kataphraktenreiter auf, die die Perser clibanarii nennen, mit Masken vor dem Gesicht, die Körper schützend gehüllt in die eisernen Schalen ihrer Panzer, dass man glauben könnte, sie seien von des Praxiteles Meisterhand geschaffene Götterstatuen und keinen lebendigen Männern gleich. Die kleinen Schuppen und Ringe schmiegen sich den geschwungenen Konturen des Körpers an, überziehen alle Gliedmaßen, und wo immer ein Gelenk sich bewegt, gibt die fugenlos angemessene Hülle nach."
Die detaillierteste Beschreibung der Rüstung eines parthisch-persischen clibanarius enthält ein im 3. Jahrhundert verfasster Roman des Heliodor. Der Reiterkrieger
" trägt einen genau passenden im Stück getriebenen Helm, der das Gesicht eines Mannes gleich einer Maske nachbildet. Dieser Helm bedeckt den Kopf vom Scheitel bis zum Nacken mit Ausnahme der Augen. In der Rechten hält der Mann eine Stangenwaffe von größerer Länge als eine normale Lanze, mit der Linken führt er den Zügel, an der Seite hängt ein Säbel. Die Panzerung schützt nicht nur die Brust, sondern den ganzen Körper".
Der Panzer ist folgendermaßen beschaffen:
Viereckige geschmiedete Platten, etwa eine Handspanne lang, fügt man so aneinander, dass sie sich horizontal und vertikal überlappen, und nestelt sie an den Rändern zusammen. So entsteht eine schuppige Hülle, die sich bequem um den Körper schmiegt, die Gliedmaßen umschließt und sich zusammenzieht und ausdehnt, ohne die Bewegungen zu behindern; sie hat Ärmel und reicht vom Nacken bis auf die Beine, wobei sie nur zwischen den Schenkeln geteilt ist, um den Sitz auf dem Pferderücken zu ermöglichen. ..die Beinschienen gewähren Schutz von den Fußsohlen bis zu den Knien, wo sie an den großen Panzer anschließen.
..in seiner Rüstung steckend steigt der Reiter nicht auf, indem er selbst aufs Pferd springt, sondern er muss wegen seines Gewichtes von anderen hinaufgehoben werden. Kommt es zum Kampf, lässt er die Zügel schießen, gibt dem Pferd die Sporen und stürmt mit voller Wucht auf den Feind los, wobei er aussieht wie ein in Bewegung gesetztes ehernes Standbild."
Clibinariieinheiten waren den Kataphrakten übergeordnet (seniores). Eine Einheit war in der schola (der Garde) die übrigen bei den palatini (die Kavallerie der dem direkt dem Kaiser unterstellten Palast- oder Feldarmee). Die Kataphrakten zählten ausnahmslos zu den Comitatenses. Dies führte auch zu der Ansicht, dass die später eingeführten Clibinarii eine modernere, weiterentwickeltere Panzerung im Gegensatz zu den Kataphrakten hatten.
Bemerkenswert ist auch, dass es im Römischen Reich vier fabricae gab, die nur für die Erzeugung von clibanaria zuständig waren, vielleicht hatten die clibinarii auch besondere Formen von Panzerung.
Eine der Clibinariereinheiten entspricht jedoch nicht den üblichen zeitgenössischen Beschreibungen dieser Lanzenreiter. Es ist die sog. Equites Sagitarii Clibanarii, aufgelistet in der Notitia Dignitatum (ND) als Teil der Feldarmee in Nordafrika. Diese Einheit dürfte ebenfalls nach dem Vorbild persischer berittener Bogenschützen aufgestellt worden sein, die dann im 6. Jahrhundert zum standardmäßigen römischen Kavalleristen geworden sind. Wir wissen aber nicht, ob deren Pferde ebenfalls gepanzert waren. Manche heutigen Autoren sehen die Existenz dieser Einheit auch als Beweis an, dass alle clibinarii mit Bogen bewaffnet und leichter gepanzert waren als die cataphractarii, aber die Tatsache, dass diese Einheit noch extra als "Sagitarii" ausgewiesen wird belegt wohl ausreichend, dass sie eine Spezialtruppe außerhalb der damals üblichen Norm gewesen sein muss. Auch andere zeitgenössische Berichte beschreiben die clibinarrii und cataphractarii immer als Lanzenreiter.
Die von Ammianus und Heliodor angeführten Maskenhelme konnten für die Zeit nach der Mitte des 3. Jhdts. n. Chr. archäologisch noch nicht bewiesen werden, ganz gewiss waren sie nicht mehr wie noch im 2. Jahrhundert n. Chr. aus einem Stück geschmiedet, sondern vermutlich schon Spangen- oder Kammhelme. Obwohl es hier sicher auch Ausnahmen gab. 2004 wurde beispielsweise im Gemeindegebiet von Biberwier am Fernpass in Tirol/Österreich ein Kammhelm entdeckt, dessen Kalotte aus einem Stück getrieben war. Auch die Wangenklappen waren, wie bei römischen Helmen des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr., mit Scharnieren an der Kalotte befestigt. Die Beschreibung der Panzerteile in Heliodors Werk dürfte für Schuppen- oder Lamellenpanzer gelten, die angegebene Seitenlänge von etwa 20 cm würde aber besser zu einem Segmentpanzer passen.
Eine mit Heliodors Text ungefähr zusammenpassende bildliche Darstellung eines parthisch-persischen (oder römischen?) clibanarius findet man auf einer Ritzzeichnung in der Festungsstadt Dura-Europos. Sie zeigt eine Mischung aus Segmentpanzer, Schuppen- und/oder Kettenpanzer. Während die horizontal geschobenen, reifenartig die Extremitäten umfassenden Schienen den üblichen manicae (Arm- und Beinschutz) entsprechen, wie wir sie auch von anderen Abbildungen kennen, ist die Anordnung von zwei Reihen vertikal aneinandergefügter langer Schienen rund um den Rumpf von der Taille bis zum unteren Teil der Brust eher untypisch. Sie ähnelt einem Mix aus Plattengürtel mit Panzerhemd, die es bei den östlichen Panzertypen bis weit in die Neuzeit hinein gegeben hat. Man hat Parallelen zu ähnlichen Panzern aus Indien gezogen, in denen sich die parthische Art der Clibanarierrüstung bis ins 19. Jahrhundert bewahrt hat. Ortwin Gamber hält ihn für ein Gemisch aus iranischer, altpersischer und griechischer Waffentechnik.
Ausgelöst wurde diese Entwicklung wohl durch die Feldzüge Alexanders des Großen, dessen Kavallerie die Völker des Orients mit der uns aus Xenophons Schilderung bekannten Kataphraktenrüstung vertraut gemacht habe. Das griechische Wort "Bedeckte", hat ursprünglich nur den westlichen Panzerreiter gemeint, dessen Schutzausrüstung mit einem, wahrscheinlich metallunterfüttertem, Klappenpanzer, Maskenhelm und geschobenem Armschutz sich zusammen mit Teilen der Panzerung des Pferdes auch auf einem Fries im anatolischen Pergamon zu sehen ist. Unter Aufgreifen östlicher Traditionen haben dann die Parther als Antwort auf den hellenistischen Kataphrakten wohl ihren Clibanarier entwickelt, für den die Mischpanzerung aus Ketten-, Schuppen-, Lamellen- und Segmentpanzer auch typisch ist.
Der Feldzeichenträger einer Kataphrakten-Einheit führte meist eine Draco-Standarte mit sich und wurde daher Draconarius genannt. Auch diese „Drachen-Standarte“ mit einem oder mehreren Wind-Bändern wurde von sarmatischen Reitervölkern übernommen.
Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurden die traditionellen Feldzeichen (vexillum) der römischen Reiterei allmählich von sogenannten Drachenstandarten abgelöst. Der drago besteht aus einem offenen zylindrischen Metallkörper, dessen vorderes Endstück als Drachenkopf gearbeitet ist. Am hinteren Ende war ein langer Luftsack aus leichtem, gefärbten Stoff befestigt, der sich bei Gegenwind aufbläht. Einer dieser Feldzeichen wurde in Niederbieber gefunden. Er besteht aus versilbertem und zum Teil auch vergoldetem Kupferblech. Ammianus Marcellinus beschreibt, dass Constantius II. von mit Purpurfäden durchwirkten Drachenstandarten umgeben gewesen sei, die auf vergoldeten und mit Edelsteinen (wahrscheinlich Steine aus Glas) dekorierten Lanzenspitzen steckten. Nach antiken Berichten gaben in den Wind gehaltenen Drachenköpfe auch zischende Geräusche von sich, was eine einschüchternde Wirkung auf den Feind gehabt haben soll. Solche Geräusche könnten durch Metalllamellen oder Drähte im Drachenmaul hervorgerufen worden sein.
Die Idee Pferde zu panzern ist sehr alt. Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. wurden die im Kampf besonders exponierten Zugtiere der Streitwagen mit Schutzdecken versehen. In den Armeen der Diadochen gab es Lamellenpanzer zumindest für den vor dem Sattel gelegenen Teil des Pferderumpfes.
In der jüngeren Forschung nahm man oft an, dass erst mit Auftauchen der Cilibanarii des 4. Jahrhunderts gepanzerte Pferde auch bei den Römern aufgetreten seien, doch wäre es unlogisch gewesen, eine neue Bezeichnung für eine Waffengattung zu kreieren, die es ohnehin schon lange in der römischen Armee gab. Der Irrtum kam vor allem dadurch zustande, dass man noch bis vor wenigen Jahren annahm, die auf Soldatengrabsteinen des 1. Jahrhunderts n. Chr. und auf der Trajanssäule abgebildeten Reiter trügen lederne Panzer.
Wir dürfen aber mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass auch römische Kataphrakten wie ihre hellenistischen und orientalischen Vorgänger auf gepanzerten Pferden ritten. In diesem Sinne vermeldet auch Arrian, der in seiner Kriegskunst schreibt, bei den Kataphrakten seien Ross und Reiter geschützt, die Männer mit Kettengeflecht, Leinen oder Horn und Oberschenkelpanzerung, die Pferde mit Stirnblechen und Schutzdecken geschützt. Im Gegensatz zu griechischen Rossstirnen und Bugpanzern, die nur die exponiertesten Teile des Pferdes abschirmten, waren die Reittiere der Kataphrakten fast gänzlich mit Metall-, Leder- oder Hornschuppen, lamellen- oder kettenpanzerverstärkten Decken abgeschirmt.
Das aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammende, schon oben erwähnte Graffiti aus Dura-Europos, dass einem mit eingelegter Lanze herangaloppierenden Kataphrakten auf einem gepanzertem Pferd zeigt, gilt allgemein als Abbildung eines parthischen bzw. persischen Reiters, es könnte sich aber durchaus auch um einen Römer handeln, zumal in Dura-Europos auch hervorragend erhaltene römische Schutzdecken gefunden wurden (s.u.). Ganz ähnlich sahen die von Nazarius beschriebenen Panzerreiter des Maxentius in der Schlacht von Turin 312 n. Chr. aus:
"Welch ein schrecklicher, furchteinflößender Anblick! Die Pferde wie die Reiter in gleicher Weise mit einer Eisenhülle bedeckt! Clibanarier nennt man sie im Heer."
Den raren Bild- und Schriftquellen steht jedoch eine beachtliche Menge von ausgegrabenen Exemplaren gegenüber. In Kurganen (Grabhügel) der Skythen fand man Überreste von Pferdepanzern, vor allem Stirnplatten. Auch griechische Rossstirnen und Brustplatten für Pferde aus Bronze haben sich aus archaischer Zeit in großen Mengen erhalten. Der größte Teil stammt aus Griechenland, sowie Süditalien und Sizilien, ein weiterer Beweis dafür, dass Kavalleriekontingente bei den Westgriechen eine größere Rolle spielte als im Stammland selbst. Diese Rossstirnen schützten den Kopf des Pferdes von vorn, nicht aber die Seiten und Augen. Vielleicht kam ihnen nur eine dekorative Rolle zu.
Maßgebliches Vorbild für die Römer waren auch hierbei wieder einmal die Sarmaten. Ihre Pferde waren manchmal gepanzert manchmal nicht. Pferdepanzer werden u.a. auch in der Literatur erwähnt. Abbildungen auf den Triumphalmonumenten des 1. Jahrhunderts n. Chr. sind aber nur sehr vage:
auf der Trajanssäule werden Sarmaten auf ihren gepanzerten Pferden dargestellt, während spätere Grabstelen Angehörige der
wiederum gepanzerte Reiter auf ungepanzerten Pferden zeigen.
Da uns römische Bildquellen - im Gegensatz zu sassanidischen - fast völlig im Stich lassen, ist es ein großer Glücksfall, dass in Dura-Europos in Syrien drei fast vollständige römische Kataphraktenpferdepanzer aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben wurden.
Sie bestehen aus grobem Leinen, auf den dann Bronze- bzw. Eisenschuppen aufgenäht wurden. Diese Schuppen sind verhältnismäßig groß, 25 x 35 mm. Die Schutzdecken werden entlang dem Rückgrat von einem breiten Lederstreifen zusammengehalten. Für den Sattel ist eine ovale Aussparung freigelassen.
Da die Panzerung unterhalb der Sattelaussparung sonst ohne Unterbrechung durchläuft, kann der Reiter mit seinen Schenkeln nur schwach spürbar auf die Flanken des Pferdes gedrückt haben. Ziemlich sicher wurde die Decke noch durch einen gepanzerten Hals- und Kopfschutz ergänzt. Viele Kataphrakten werden sich wohl auch mit ähnlichen, einfacheren Leder-, Rohhaut-, Filz- oder Leinenpanzern begnügt haben müssen.
Die bestgepanzerten Reiter standen immer in der ersten Reihe der Schlachtordnung.
Ein derart geschütztes Pferd war natürlich weit weniger gegen Waffeneinwirkungen, vor allem den im Osten häufigen Pfeilbeschuss, verletzlicher als ein ungepanzertes. Der Nachteil lag aber in der großen Behinderung der Beweglichkeit des Tieres. Weniger wegen mechanischer Art, da die Panzerung elastisch der Laufbewegung nachgab. Unangenehmer war hier schon das Gewicht, das zu dem des vollarmierten Reiters noch hinzukam.
Legt man alle Abmessungen und Materialien des bronzenen Perdeschuppenpanzers aus Dura zusammen und ergänzt fehlende Teile für Brust und Hals, kommt man auf ein Gesamtgewicht von immerhin 40 kg, zusammen mit der metallenen Rossstirn sogar auf 45 kg.
Das Schlimmste für das Tier war aber zweifellos der Mangel an Frischluft- und Wasserzufuhr. Bedenkt man zudem, dass Kataphrakten vorwiegend im Orient eingesetzt wurden, müssen ihre Pferde bald nach dem Antrab heftig zu schwitzen begonnen haben. Ein hoher Feuchtigkeitsverlust ist, wenn er nicht sofort kompensiert wird, für ein erschöpftes Pferd jedoch sehr gefährlich.
Die Perser züchteten deswegen auch besonders kräftige Kampfpferde. Wie ein Ritter im Mittelalter brauchte sein antiker Kollege also sicher mehrere Pferde um überhaupt kämpfen zu können:
Solche günstigen Bedingungen waren bei weitem nicht immer vor Ort vorhanden, das dürfte auch zum Teil erklären, weshalb die Leistungen der römischen Kataphrakten (und wohl auch die anderer Völker) häufig hinter ihren Erwartungen zurückblieben.
Der große Nachteil der Kataphraktenreiterei bestand im logistischen Aufwand Rösser und Reiter überhaupt erst einmal aufs Schlachtfeld zu bringen. Dort, taktisch richtig eingesetzt, waren sie aber von verheerender Wirkung. Die vorrangige Aufgabe der Panzerreiter bestand darin, die Kampflinie des Feindes als Schockkavallerie, die nach der Einführung des Steigbügels um 600 n. Chr. noch schlagkräftiger geworden ist, zu durchbrechen. Die Angriffswucht einer heranstürmenden Kataphraktenformation war mächtig genug jede andere Art von Reiteraufstellungen zu brechen, auf die sie trafen. Sie waren mit den damals verwendeten Fernwaffen nur sehr schwer außer Gefecht zu setzen. Man musste sie vorher aber ausreichend mit leichten Truppen, hier insbesondere berittene Bogenschützen und anderen Plänklern (Lanciarii), umgeben. Deren erste Attacke diente dazu den Angriff der Panzerreiter vorzuarbeiten, wie es Parther und Perser den Römern oft genug mit Erfolg vorgeführt hatten. Die Attacke wurde ähnlich den mittelalterlichen Rittern im Trott in enger Formation durchgeführt und oft nur ein Trick um die feindliche Infanterie in eine enge Verteidigungsformationen zu zwingen, um anschließend den nachrückenden Bogenschützen hervorragende Ziele zu bieten. Ein Elitekrieger der Kataphrakten war sowohl mit der Lanze als auch den Bogen versiert, konnte also beide Funktionen selbst übernehmen, wie es auch im "Strategikon" des byz. Kaisers Mauricius beschrieben wird.
"In vollem Galopp soll der Reiter ein oder zwei Pfeile abschießen und dann den bespannten Bogen in die Scheide stecken...und nun soll er seine Lanze ergreifen, die er auf dem Rücken getragen hat." (Mauricius, Strategikon, 1.1)
Ähnlich auch Julians Bericht über die Schlacht bei Mursa im Jahre 351 n.Chr:
"Unterstützt von den anderen Reitern, die den Pferden die Sporen gaben und zur Attacke ansetzten, begannen die Kataphrakten mit ihrem Pfeilbeschuß dem Feind alsbald schwere Verluste beizubringen."(Iulianus Imperator, Orationes, 1.30)
Aufgrund ihres Gewichts eigneten sich Panzerreiter aber weniger oder kaum für die traditionelle Aufgabe der Kavallerie, fliehende Feinde zu verfolgen und zu vernichten. Berichten, dass diese Panzerreiter trotzdem relativ leicht außer Gefecht zu setzen waren, indem man ihnen einfach auswich, anschließend den schon ermatteten Pferden von unten die ungeschützten Bäuche aufschlitzte und dann die am Boden liegenden hilflosen Reiter mit Keulenschlägen tötete, sind allerdings mit erheblicher Vorsicht zu begegnen. Auch über die Ritter des Mittelalters werden ähnliche Geschichten verbreitet, man habe sie erst mit Kränen auf’s Pferd hieven müssen und, seien sie erst einmal am Boden gewesen, hätten sie nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen können, geschweige denn laufen. Solche Anekdoten werden auch durch ständige Wiederholung um nichts glaubwürdiger. Sicher nicht umsonst hat der anerkannte Historiker und Offizier Ammianus Marcellinus von einem ,,formidabile genus armorum", einer furchterregenden Waffe gesprochen (16.12,7).
Sarmatische Söldner wurden nach Ableistung ihres Militärdienstes u.a. in Gallien oder Britannien angesiedelt, interessanterweise tragen auch die meisten Einheiten der Cataphractarii gallische oder keltisch klingende Einheitsbezeichnungen wie z.B.:
In der römischen Armee war die Anzahl der Kataphrakten- und Clibanariereinheiten allerdings nie besonders hoch. Ähnlich wie bei den berittenen Bogenschützen ist auch bei den schweren Panzerreitern anzunehmen, dass es mehrere kleinere Kompanien gab, die den regulären Kavallerieeinheiten nur für Spezialaufgaben zugeteilt wurden und sich daher nicht im Namen ihrer Verbände niederschlug. Bei weitem nicht alle Kataphrakten und Clibanarier kamen auch aus dem Osten. Die Namen, die man auf einigen Grabsteinen gefunden hat, lassen auf umfangreiche Rekrutierungen im Westteil des Reiches schließen.
Kaiser Nikephoros II. Phokas (960 - 969) versuchte, die schwere Reiterei der Spätantike wieder zu beleben, indem er die Klibanophoroi und die Kataphraktoi auch bei den Tagmata-Regimentern einführte. Diese waren professionelle Soldaten, die direkt in der Hauptstadt Konstantinopel stationiert waren. Nikephoros II. führte während seiner kurzen Regierungszeit viele Kriege und war damit in den östlichen Themen auch besonders erfolgreich, die ihm auch neue Rekrutierungsgebiete für Reiter erschlossen (sie wurden überwiegend in südöstlichem Europa, Kleinasien und im mittleren Osten ausgehoben), Byzanz war hierbei noch bis 1071 sehr aktiv.
In der Schlacht von Mantzikert wurden aber möglicherweise die meisten Klibanophoroi vernichtet oder zum guten Teil zerstreut und waren damit für das Reich verloren; die Unkosten für diese Panzerreiter waren vermutlich nach dieser Katastrophe zu groß geworden um von den nun erheblich geschwächten Byzanz noch getragen werden zu können.
Kaiser Manuel I. Komnenos wird u.a. die Einführung fränkischer Kavalleriekampfmethoden in der byzantinischen Armee zugeschrieben. Der höhere europäische Sattel wurde ebenfalls, zusammen mit anderen westlichen Kavallerieausrüstungsgegenständen eingeführt, aber überwog nicht vor dem 13. Jahrhundert.
Auch im Reich von Hayasdan (Armenien) gab es Kataphrakte. Hier gehörten sie meist dem Adel an, entweder den Nahrharar- oder den weniger mächtigen Azat-Familien. Sie besaßen hohen gesellschaftlichen und politischen Einfluss und wurden bis ins Mittelalter eingesetzt; sassanidische, türkische und byzantinische Herrscher warben sie oft als Elitesöldner an.
Im oströmischen/byzantinischen Reich gab es beim Pferdezaumzeug ab dem 5. bis zum 9. Jahrhundert massive Änderungen, die meistens Vorbildern aus Zentralasien folgten, sie brachten neue Sättel, Hufeisen und das wichtigste, den Steigbügel mit sich. Zusätzlich wurden die einheimischen Wehrbauern im Gebrauch des durchschlagskräftigen hunnischen Reflexbogens ausgebildet.
Der mittelschwere Kavallerist, der Kataphractos, was für gewöhnlich wie folgt bewaffnet und ausgestattet:
Er trug Schwert und Dolch. Das Standardschwert, dass von Kataphraktoi oder anderer byzantinischer Kavallerie im allgemeinen benutzt wurde, war das Spathion, Speere oder Lanzen waren aber die Hauptwaffe der byzantinischen Kavallerie.
Als Körperschutz diente eine Kombination von Ketten-, Schuppen- oder Lamellenpanzerung, ergänzt durch einen kleinen, runden, mit Eisenbändern verstärkter Schild aus Holz der an den Unterarm gegurtet werden oder von der Taille herabhing. Um das Ganze besser abzurunden, trug man noch zusätzlich einen Unterarmschutz, Panzerhandschuhe und einen Eisenhelm mit Nackenschutz aus Kettengeflecht. Der Eisenhelm war für gewöhnlich dasselbe Modell wie ihn auch die Infanterie trug.
Die Köpfe und die Brust der Pferde, sowie der Offiziere und Reiter in den vordersten Rängen wurden zusätzlich mit Stirnschilden und Eisenplatten gepanzert. Im Sommer trug man eine Leinentunika, im Winter eine aus Wolle. Über der Tunika wurde ein Kettenhemd und darüber meist noch ein Brustpanzer aus Lamellen angelegt. Als Schutz vor Kälte und Nässe trug man einen bräunlichen Fellmantel.
Das Pferd dieser mittelschweren Kavallerie war aber größtenteils ungepanzert. Die Lanzenreiter trugen ein 24-Zoll-Rundschild, die Bogenschützen ein nur 12-Zoll-Rundschild.
Klibanophoros: Dieser schwere Kavallerist war zwar ähnlich wie der Kataphractos ausgerüstet, wurde allerdings von den Byzantinern perfektioniert und noch schwerer gepanzert.
Seine Rüstung umfasste nicht weniger als einen Eisenhelm mit Hals-, Gesichts- und Nackenpanzerung aus Kettengeflecht, einen gepolsterten Waffenrock (Leder, Baumwolle oder Filz) der über den Lamellenpanzer getragen wurde (epilorikion), 2 oder 3 Schichten Kettenpanzerung mit Schlitz an der Taille, taillierte Beinschienen, Panzerhandschuhe, Unterarmschutz und eiserne Schuhe. Der Klibanophoros trug zusätzlich noch denselben Schildtypus wie der Kataphractos.
Zusammen mit anderen asiatischen Völkern (vornehmlich den Awaren) waren die Lamellenpanzer bei den Byzantinern sehr populär und werden oft auf zeitgenössischen Fresken griechischer Heiliger dargestellt. Die Lamellenrüstung war im Aufbau allerdings wesentlich komplizierter als das herkömmliche Kettenhemd.
Die Kataphraktoi sollten im Idealfall entweder Helme mit zwei Wangenklappen tragen, oder einen Nacken- und Halsschutz aus Kettengeflecht, die nur die Augen freilassen sollte, die schwergepanzerten Klibaniarier hingegen waren oft komplett an den oberen Extremitäten mit Eisenplatten eingeschient und trugen darüber gepolsterte Waffenröcke. Derartige Rüstungen überlebten mit kleineren Innovationen bis in das zwölfte Jahrhundert. Dieser schwere Reiter war also wirklich im wahrsten Sinne des Worte von Kopf bis Fuß in Eisen gehüllt. Nur sehr wenig dieser Neuerungen wurden vom Westen beeinflusst.
Diese schwere Panzerung gab es auch für die Pferde. Sie trugen eine extra gehärtete lamellen- oder horngepanzerte Decke die den ganzen Rumpf bis zu den Knien und den Hals bedeckte. Einige Pferde trugen als zusätzlichen Schutz ein Metallchanfron auf dem Kopf.
Solch schwere Kavallerie war vielseitig einsetzbar und viele Einheiten der Klibanophoroi besassen eine Kombinationsbewaffnung aus Lanze und Bogen. Die Lanze - oder kontarion - war ungefähr 12 Fuß lang und wurde von der Schlachtkavallerie geführt, die schwerer als diejenigen Reiter ausgerüstet wurden, die nur einen Bogen trugen.
Die letzteren trugen einen Kompositbogen, der 49-58 Zoll lang war. Der Bogen wurde aus Holz-, Horn- und häufig Knochenteilen zusammengeleimt wie ihn auch die Hunnen verwendeten. Er war eine viel leistungsfähigere Waffe als die skythische Version die vorher verwendet wurde. Außerdem war er von größerer Durchschlagskraft aber viel kleiner als der Langbogen und konnte vom Pferd aus leichter abgeschossen werden.
Manche Klibanophoroi trugen auch leichte Wurfspeere (8-9 Fuß lang), andere trugen kurze, mit Blei beschwerte Wurf-Pfeile, die sog. marzobarboulon , die selben die von den spätantiken Römern als martiobarbulus bezeichnet wurden. Diese Pfeile wurden direkt am Sattel getragen.
Alle Panzerreiter trugen die Standardbewaffnung mit Schwert (spathion) und Dolch, Offiziere hatten häufig eine reich verziertere Version die ihn einer ledernen Scheide am Sattel angebracht wurde.
Klibanophoroi traten häufig in Keilanformation auf dem Schlachtfeld an der 20 Reiter im ersten Rang, 24 im zweiten und jeweils mit 4 Mann mehr in jedem nachfolgenden Rang zählte.
Der hinterste Rang könnte aus bis zu 64 Reitern bestehen. Das würde eine Gesamtmenge von 504 Reitern pro Einheit ergeben, üblicher waren aber 300-400 Mann starke Einheiten.
Die vorderen vier Reihen trugen eine Kombinationsbewaffnung aus Pfeil und Bogen zusammen mit Schwertern und Lanzen, andere leichter ausgerüstete Reiter trugen einen Kompositbogen.
In einer Einheit von 300 Lanzenträgern konnte es bis zu 80 berittene Bogenschützen geben. Sie waren die Elite der byzantinischen Armee und ihre Aufgabe war es durch die feindliche schwere Kavallerie oder Infanterie durchzubrechen, massiv zu stören oder ihre Schlachtordnungen aufzubrechen. Zusätzlich sollten die zu Fall gekommenen Reiter- und Fußsoldaten weitgehend vernichtet werden. Die Milizkataphraktoi wurden durch Einheiten ähnlich bewaffneter regulärer Verbände und Söldnertruppen der schweren germanischen Schlachtkavallerie der Palastarmee des Kaisers unterstützt.
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