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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Labyrinth (Begriffsklärung) aufgeführt. |
Labyrinth bezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das mit zahlreichen Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abgehen seines verschlungenen Musters zu einem Rätsel macht. Labyrinthe gibt es außerhalb Europas auch vereinzelt auf anderen Kontinenten der Nordhalbkugel. Sie können als Bauwerk, Ornament, Mosaik, Hecken-Irrgärten, Maislabyrinthe, Rasenlabyrinthe, als Zeichnung oder Felsritzung ausgeführt sein. Auch in gedruckter Form existieren Abbildungen labyrinthischer Muster. Darüber hinaus wird der Begriff im übertragenen Sinne verwendet, um einen Sachverhalt als verworren oder schwierig zu kennzeichnen.
Das Wort Labyrinth (griechisch: λαβύρινθος labyrinthos) ist ein Lehnwort aus der vorindoeuropäischen Sprache auf Kreta. Die Herkunft des Wortes, das seit dem 18. Jahrhundert häufig mit Doppelaxt, Haus der Labrys übersetzt wird, muss als ungeklärt gelten, seine ursprüngliche Bedeutung ist nicht mehr nachvollziehbar. Es ist allgemein bekannt durch die Theseus-Sage.
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Die Formen von Labyrinthen sind vielfältig. Die Art der Linienführung (des Wegemusters) erlaubt eine Typisierung. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten unterschieden:
Unklar ist, ob es sich bei dem in der Theseus-Sage genannten Bauwerk des Daidalos', das dieser für den kretischen König Minos als Gefängnis für das Fabelwesen Minotauros errichtete, um ein Gebäude mit einem verzweigten Gangsystem handelte, wie es der zur Orientierung verwendete Ariadnefaden nahelegt. Auch der Palast von Knossos, der als namensgebendes Objekt ebenfalls vermutet wird, bestand aus einer Vielzahl von Gängen und Kammern. An einem Haus in der römischen Stadt Pompeji findet sich eine einfache Graffito-Darstellung eines kretischen Labyrinths mit dem lateinischen Text LABYRINTHUS HIC HABITAT MINOTAURUS („Labyrinth, hier wohnt der Minotauros“). Auch später wurden ornamentale Labyrinthmuster gemeinsam mit Elementen der Minotaurossage dargestellt.
Abwandlungen labyrinthischer Muster, die Verzweigungen enthalten, sind vereinzelt frühestens ab dem 15. Jahrhundert belegt, echte Irrgärten entstehen im 16. Jahrhundert. Die ersten mit hohen Hecken oder Spalierhecken ausgestatteten Anlagen, die betreten werden können und ein wirkliches Verirren ermöglichen, finden sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Verona, um 1570). Ihre Entstehung ist dem italienischen Manierismus zuzurechnen.
Von der Form her können bei den Labyrinthen im engeren Sinn drei Arten von Mustern unterschieden werden, die – mit einigen Varianten – häufiger auftreten:
Aus diesen Grundformen entwickelten sich differenziertere Muster. So wurden die Gangsysteme des römischen Labyrinths in dreierlei Weise abgewandelt: Es kamen Muster mit Serpentinen, Spiralen und einfachen oder komplexen Mäandern zustande.
Das früheste bekannte Labyrinth in einer christlichen Kirche befindet sich in der Kirche von Reparatus in El Asnam (Algerien). Es handelt sich um die römische Form. Die Darstellung stammt von 324 v. Chr. In der Mitte befindet sich ein Anagramm mit dem Schriftzug Sancta Ecclesia in einem quadratischen Feld.
Bildliche Darstellungen der Neuzeit nehmen die zeitgenössisch übliche Form des Labyrinths auf, auch wenn der antike Sachverhalt thematisiert wird. Es ist daher unzulässig, derartige Abbildungen als historische Quellen anzusehen und aus ihnen die authentische Form eines Ur-Labyrinths herleiten zu wollen.
Die ältesten Labyrinthe sind kaum sicher datierbar. Sie finden sich als Felsritzungen im Alpenraum, auf Sardinien und im Rocky Valley in Cornwall (bei Tintagel). Bei allen Darstellungen handelt es sich fast ausschließlich um unverzweigte Systeme. Die ältesten sicher datierbaren Funde in Pylos (Griechenland) und Tell Rifa'at (Syrien) stammen aus der Zeit um 1220 v. Chr.
Der Totentempel des Königs Amenemhet III. (1844–1797 v. Chr.) mit vermutlich 3000 Räumen legt über die Irrgartenstruktur ein Zeugnis ab, nicht aber über das Urlabyrinth als solches. Herodot und andere antike Autoren berichten über ein gewaltiges Bauwerk in Ägypten, das Herodot als das Labyrinth bezeichnet (II 148). Es handelt sich dabei um den Totentempel bei der Pyramide von Amenemhet III. in Hawara; er hieß in der hieroglyphischen Schreibweise l-p-r-n-t, was heutzutage als lo-pe-ro-hunt gelesen wird und „Palast am See“ bedeutet.
Die Ruinen des Palastes von Knossos werden häufig als „Labyrinth von Knossos“ bezeichnet. Eine Struktur, die auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit einem labyrinthischen Muster aufweist, wurde bis heute nicht aufgefunden. Die Existenz eines Labyrinths, wie es die sagenhaften Berichte unterstellen, ist nicht beweisbar. Ob eine derartige architektonische Struktur jemals bestanden hatte und bei einer der schweren Naturkatastrophen zerstört wurde (etwa durch die Folgen eines Ausbruchs des Santorin), bleibt Spekulation. Möglicherweise beschränkt sich das Phänomen Labyrinth auf ornamentale Darstellungen im Zusammenhang mit dem kretischen Stierkult. Das Wort Labyrinth bezeichnete im mykenischen Griechisch (um 1200 v. Chr.) offenbar nur den Palast in Knossos. Dort wird es als „da-pu-ri-to“ bezeichnet.
Labyrinthe wurden etwa 400 v. Chr. auf kretische Münzen geprägt. Labyrinthmuster finden sich später als dekorative Motive römischer Fußbodenmosaiken. Hinweise auf Labyrinthe in Asien und Amerika stammen aus jüngerer Zeit.
Mittelalterliche Labyrinthe finden sich in vielen Kathedralen, zum Beispiel in Notre-Dame de Chartres, Notre-Dame de Amiens und im Dom von Siena als Fußbodenlabyrinthe. Es handelt sich um die Form des christlichen Labyrinths, das manchmal als Labyrinth vom Chartres-Typ bezeichnet wird.
Ein Fingerlabyrinth befindet sich am Eingang des Doms in Lucca, Norditalien. Es handelt sich um eine relieferte Steinplatte mit einem runden Labyrinth, das Gangsystem des Musters kann mit dem Finger abgefahren werden.
Ein anderes Relief eines Labyrinths befindet sich auf einer Sandsteinplatte, dem einzigen Überrest der Klosterkirche San Pietro de Conflentu in Pontremoli (bei La Spezia, Italien). Als Wandzeichnungen finden sich Labyrinthe in skandinavischen Kirchen wie:
Irrgärten sind eine kulturhistorisch eigenständige Entwicklung. Die ersten begehbaren Irrgärten finden sich bereits in den Gärten der späten Renaissance, Anlagen mit kopfhohen Wänden entstehen im italienischen Manierismus. Die frühen Irrgärten sind meist aus Spalierhecken gebildet, geschnittene Hecken treten verstärkt erst im Barock auf. Im Gegensatz zum unverzweigten Labyrinth zeichnen sich Irrgärten durch ein komplexes Wegenetz mit zahlreichen Abzweigungen, Kreuzungen und Sackgassen aus. Irrgärten vermitteln die Gefahr des Irrgangs, das Vergnügen der Zielsuche und das Spiel des Versteckens. Viele Irrgärten der Barockzeit wurden in den Lustgärten von Residenzschlössern zum Zeitvertreib der höfischen Gesellschaft angelegt, sie finden sich aber auch als Attraktion für jedermann in den Gasthausgärten in den Niederlanden des beginnenden 17. Jahrhunderts.
Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Labyrinthe von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wiederentdeckt. Der Reiz des Geheimnisvollen und der nicht klärbare Ursprung des Labyrinthsymbols ließen es vor allem für esoterische, feministische (Zeughausplatz Zürich, Frauengedenklabyrinth Frankfurt) und christliche Gruppen zur Projektionsfläche für ihre Vorstellungen werden. Zahlreiche neue Labyrinthe wurden angelegt, werden gepflegt und für Veranstaltungen genutzt. Es gibt sowohl im anglo-amerikanischen als auch im deutschen Sprachraum eine Labyrinth-Bewegung, die sich mit der Bedeutung und der Rätselhaftigkeit des Labyrinthsymbols beschäftigt.
Auch in Literatur und Film spielen Labyrinth und Irrgarten eine Rolle, so bei Jorge Luis Borges, im Roman Der Name der Rose von Umberto Eco und in Stanley Kubricks The Shining.
An Gebäuden, etwa auf Fensterbänken, angebrachte Labyrinthmuster dienten als Abwehrzauber gegen böse Mächte, auch zur Irreführung des Teufels, der christlichen Umdeutung des Minotaurus'.
Der Weg durch ein begehbares Labyrinth kann auch als Meditation und Erneuerung aufgefasst werden. Er kann als Abbild des verschlungenen Lebensweges verstanden werden und der Selbstfindung dienen, fordert zur Umkehr und zum Überdenken des eigenen Lebens auf. In den christlich umgedeuteten Labyrinthen wird das Erreichen der Mitte als Erlösung verstanden.
Der Pfad eines kirchlichen Fußbodenlabyrinths galt als heilige oder magische Linie, die mit Bedacht und Konzentration abgeschritten werden sollte. In Reims ist dieser rituelle Weg mehr als einen Kilometer lang. Die christliche Umdeutung des antiken Labyrinthsymbols mag einen magischen Platz der Ruhe und Besinnung definiert haben, an dem Augenblicke der Erleuchtung und Einkehr gesucht wurden. Auf Knien rutschende, büßende Mönche sind allerdings Zuschreibungen des 18. Jahrhunderts, für die es keine Belege gibt.
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