Lech


Dieser Artikel befasst sich mit dem Fluss Lech, weitere Bedeutungen unter Lech (Begriffsklärung)

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Lech
Der Lech in Augsburg, Blick vom Hochablass flussabwärts

Der Lech in Augsburg, Blick vom Hochablass flussabwärts

Daten
Lage Vorarlberg, Tirol (Österreich), Bayern (Deutschland)
Länge 264 kmdep1
Quelle in der Nähe des Formarinsees in Österreich (Vorarlberg)Vorlage:Infobox Fluss/QUELLKOORDINATE_fehlt
Quellhöhe 2.789 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/HÖHENBEZUG-QUELLE_fehlt
Mündung Bei Marxheim in die DonauVorlage:Infobox Fluss/MÜNDUNGSKOORDINATE_fehlt
Mündungshöhe 392 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/HÖHENBEZUG-MÜNDUNG fehlt
Höhenunterschied 2.397 mdep1
Flusssystem Donau
Einzugsgebiet 4.126 km²dep1
Abflussmenge 49 m³/s – 2.300 m³/s
Großstädte Augsburg
Mittelstädte Landsberg am Lech
Kleinstädte Füssen und Schongau
Rechte Nebenflüsse Halblech
Linke Nebenflüsse Vils, Wertach
Schiffbar nur auf größeren Stauseen möglich
Energiegewinnung mittels 30 Kraftwerken und 24 Stauseen

Der Lech ist ein rechter Nebenfluss der Donau in Österreich und Deutschland. Der 264 km lange Fluss entspringt in Vorarlberg und fließt durch Tirol und Südbayern, wo er in die Donau mündet. Nach der deutsch/österreichischen Grenze nimmt er die Vils auf, stürzt am Lechfall bei Füssen hinunter und durchquert auf seinem Weg Schwaben und Oberbayern. Die größten Städte am Lech sind Landsberg am Lech und Augsburg, wo er die Wertach aufnimmt. Bei Rain am Lech mündet der Fluss in die Donau.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Quellenangaben
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Der Name Lech leitet sich vom lateinischen Licus und vom keltischen Lik ab. Diese zwei Begriffe bedeuten der Schnellfließende, oder der Steinreiche, was man dem Lech heute noch ansehen kann. Andere Formen sind Licias, Licca oder Lika. Lech oder Lik könnte jedoch auch den gleichen Wortstamm haben wie fr. lac (See) engl. lake (See), dt. Lache (Pfütze), vergleiche auch Dialektörter wie „auslicher“ (für auswaschen) oder „es lichert na“ (es regnet herunter) und damit ein Urwort für Wasser an sich sein.

Im Bereich des früheren keltischen Siedlungsgebietes leiten sich eine Reihe von Flussnamen von dem Wort ab:

Lechinsel bei Kaufering
Lechinsel bei Kaufering

Neueste Forschungen weisen aber darauf hin, dass der keltische Begriff bereits vor den Kelten benutzt wurde und vom Altbaskischen abstammt. Wenn sich bei einem entsprechenden Vergleich dann aber auch der Charakter des Flusstyps bestätigt, könnte die althergebrachte Bedeutung einer Wortwurzel wie lik besser eingegrenzt werden, die dann doch so etwas wie „steinreich“ oder „kiesig“ bedeuten würde. Man jedenfalls geht auch von der genannten lik-Wurzel bzw. lik-Bedeutung aus: Man erkennt darin, bei entsprechender konsequenter linguistischer Begründung und aufbauend auf einer Theorie, ein vaskonisches Wort, und zwar „leg-“, das im baskischen Gattungswort legar heute noch lebendig ist und wie gesagt so viel wie Kies und Geröll heißt. Von diesem paläobaskischen leg- als einem Lehnwort ausgehend, das in die altindogermansichen Dialekte vorgedrungen ist, kann man für den Lech ein ursprüngliches „lekia“, das sich zusammensetzt aus lek- (bzw. leg für Stein, Geröll), aus -i- als einer Art Adjektivierung (steinig, steinreich) und aus -a- als dem bestimmten Artikel, ein Urname sozusagen, der dann entsprechend ins Keltische und dann ins Römische und Germanische übernommen wurde.

Geografie

Flusslauf des Lechs
Flusslauf des Lechs

Flusslauf

Der Lech entspringt im Lechquellengebirge (Vorarlberg) aus seinen zwei Quellbächen Formarinbach (Quelle nahe dem Formarinsee) und Spullerbach, der aus dem Spullersee abfließt, die sich bei Lech vereinigen. Er fließt zunächst in nordöstlicher Richtung zwischen den Allgäuer Alpen und den Lechtaler Alpen durch Tirol. Auf seinem Weg durch das Lechtal verläuft er durch die Gemeinden Warth, Steeg, Holzgau, Bach, Elbigenalp, Häselgehr, Elmen, Stanzach, Forchach, Weißenbach, Ehenbichl, Höfen und Lechaschau. Reutte ist der größte am Lech liegende Ort auf österreichischem Gebiet. Im unteren Lechtallauf durchquert der Lech unterhalb Reutte Pflach, Musau und Pinswang. Kurz vor der Grenze nimmt der Lech die Vils auf.

Nach der Grenze zu Südbayern stürzt der Fluss über den etwa 12 m hohen Lechfall. Kurz dahinter passiert er Füssen und durchfließt den Forggensee, den größten von insgesamt 24 Stauseen, unterhalb der Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. An ihm befinden sich auch die Orte Roßhaupten, Halblech, Rieden und Schwangau. Im weiteren Verlauf nach Norden passiert der Lech Prem, Lechbruck und das Gemeindegebiet Steingaden. Dahinter verläuft der Lech durch ein Gebiet, bei dem er noch naturbelassen ist, der Litzauer Schleife. Hinter ihr wird der Lech von seiner längsten Brücke überquert, der Lechtalbrücke Schongau, bei der er die Grenze der Orte markiert. Bei Hohenfurch verlief der frühere Rand des früheren mächtigen Lechgletschers. Weitere Ortschaften an der hier relativ ununterbrochenen Seenkette sind Kinsau, Apfeldorf, Epfach, Reichling, Seestall, Mundraching, Unterdießen und Pitzling, einem Ortsteil der mittelalterlichen Stadt Landsberg am Lech, die vom Lech darauffolgend durchquert wird. Es folgen Kaufering, Schwabstadl, Scheuring, Prittriching und Unterbergen am weiterhin oft aufgestauten Lech. Am Mandichosee bei Merching wird der Lech auch freizeitlich genutzt. Folgend durchfließt er das Trinkwasser- und Naturschutzgebiet Augsburger Stadtwald. Letztendlich trifft er auf das besiedelte Gebiet der mehr als 2.000 Jahre alten Stadt Augsburg. Dort wird am Hochablass ein Teil des Lechwassers in das Augsburger Kanalsystem abgeleitet.

Am nördlichen Ende von Augsburg nimmt der Lech das Wasser der Wertach auf. Ab diesem Punkt ist der Flusslauf sehr stark begradigt und eingedeicht worden. Es folgt die Brücke der Bundesautobahn 8 und das Stauwehr von Gersthofen, wo ein Teil des Wassers in den Lechkanal abgeleitet wird, der unter anderem das Wasserkraftwerk in Gersthofen speist. Der Kanal verläuft in geringem Abstand parallel zum Lech auf dessen linker Seite und mündet hinter Meitingen wieder in den Fluss. Weitere Ortschaften am unteren Lech sind Thierhaupten, Ellgau, Münster am Lech, Oberndorf am Lech, Rain am Lech und Niederschönenfeld.

Gegenüber von Marxheim, etwa 12 km donauabwärts von Donauwörth, mündet der Lech in die Donau. Das zu Marxheim gehörende Dorf Lechsend liegt wegen Veränderungen im Mündungsbereich heute nicht mehr genau der Mündung gegenüber.

Länge und Einzugsgebiet

Einzugsbereich des Lechs
Einzugsbereich des Lechs

Über die Länge des Lechs gibt es unterschiedliche Angaben zwischen 248 und 285 km. Die bayerischen Wasserwirtschafts- und Flussbauämter geben einen Wert von 256 km an. Auch für die Isar gibt es unterschiedliche Werte von 263 km, 283 km und 295 km. Die meisten für den Lech angegeben Werte liegen jedoch niedriger, sodass man davon ausgehen kann, dass der Lech nach Inn und Isar der drittlängste Nebenfluss der Donau auf deutschem Gebiet ist.

1896 wurde das gesamte Einzugsgebiet des Lechflusses mit 4.126 km² angegeben, 1927 sogar mit 4.400 km². Das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft gibt heute 3.926 km² an. Etwa ein Drittel des Einzugsgebietes liegt auf österreichischem Gebiet.

Zuflüsse

Die größten Zuflüsse des Lechs sind die 159 km lange Wertach, deren Abflussmenge aus Zahlen des Hochwassernachrichtendienstes von Bayern auf rund 32 m³/s geschätzt wird, und die Vils (7,68 m³/s).

Kleinflüsse wie der Zürser-, Bocks-, Streim-, Horn-, und Schwarzwasserbach sind Zuflüsse erster Ordnung, genauso wie der Rotlech, die Planseeache (Archbach) und der Halblech. Weitere kleinere Zuflüsse sind das Doldensee- und das Reiserbächlein, die Peitnach, der Rossgraben, die Schönach und die Illach. Ein letzter Zufluss ist die Münsterer Alte, bevor der Lech sich mit der Donau vereinigt.

Insgesamt gibt es ohne die Quellbäche Formarinbach und Spullerbach und ohne die Friedberger Ach, die bis 1555 in den Lech floss, 56 Lechzuflüsse, jeweils 28 in Deutschland und Österreich.

Bei Warth mündet der Krumbach in den Lech. Der Krumbach entspringt beim Hochtannbergpass. Der Höhenbach ist der nächste bedeutende Seitenbach. Er mündet bei Holzgau in den Lech. Der Höhenbach entwässert den bedeutenden Taleinschnitt südlich des markanten Allgäuer Hauptkamms. Er beginnt mit dem Zusammenfluss von Schochenalpbach und Rossgumpenbach. Im Unterlauf des Höhenbachs befindet sich der Simms-Wasserfall.

Lech zwischen Kaufering und Landsberg, Flussaufwärts
Lech zwischen Kaufering und Landsberg, Flussaufwärts

Der Bernhardsbach mündet beim Ort Elbigenalp in den Lech. Dieser Bach entwässert den Taleinschnitt zwischen der zentralen Hornbachkette und dem südlich vorgelagerten Bernhardseck.

Erst am Ende der langen Hornbachkette mündet der nächste größere Seitenbach ein, der Hornbach. Er entwässert das Hornbachtal, ein längeres Tal zwischen der Hornbachkette im Süden und dem Allgäuer Hauptkamm mit dem Hochvogel im Norden. Am Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Hornbach zwei Kilometer vor der Einmündung in den Lech durch eine 15 Meter hohe Geschiebesperre (Staumauer) gestaut. In den folgenden Jahren hat die Geschiebesperre hundertausende Kubikmeter Geröll zurückgehalten. Im Rahmen des neuen Naturschutzgebiets Tiroler Lechtal (siehe beim Abschnitt Schutzgebiete) wurde nun die Geschiebesperre in zwei Stufen in den Jahren 2003 und 2005 teilweise abgetragen. In der Folge verlagerten sich bereits über 100.000 Kubikmeter Geröll in Richtung Lech. Dort trugen Sie zu einer Erhöhung der Lechsohle um mehrere Meter bei.

Ein wichtiges Seitental des Hornbachtals ist das Jochbachtal. Der Jochbach entspringt unterhalb des Hornbachjochs und mündet bei Hinterhornbach in den Hornbach. Im unteren Teil bildet der Jochbach eine interessante Klamm aus. Sie ist nicht begehbar, jedoch kann man von der Gufelbrücke in Hinterhornbach sowie von den Wanderwegen ins Jochbachtal aus in die Klamm hinabsehen. Das Jochbachtal ist ein Tal der Superlative. Hier handelt es sich um das wildeste und ursprünglichste Tal der Allgäuer Alpen. Zu den Jochbachhütten (Alphütten), die sich ungefähr in Talmitte befinden, führt nicht einmal ein Fahrweg. Sie sind - wie das gesamte Tal - nur auf einem teilweise mühsam zu begehenden Pfad erreichbar. Verglichen mit den Tälern auf der anderen - deutschen - Seite des Allgäuer Hauptkamms stellt dieses Tal eine andere Welt dar.

Zwischen Stanzach und Forbach mündet der Schwarzwasserbach. Um Verwechslungen mit dem gleichlautenden Bach im Kleinen Walsertal zu vermeiden, sagt man auch Tiroler Schwarzwasserbach. Das Tiroler Schwarzwassertal befindet sich zwischen der Rosszahngruppe im Süden und den Vilsalpseebergen im Norden.

Der Weißenbach mündet beim gleichlautenden Ort in den Lech. Es kommt mitten aus den Vilsalpseebergen aus dem Birkental zwischen der Leilachspitze im Süden und dem Litnisschrofen im Norden.

Der Lech zwischen Warth und Füssen zählt mit seinen Seitenbächen zu den bedeutendsten noch erhalten gebliebenen Wildflüssen der Alpen. Er wird auch „Tagliamento des Nordens“ genannt. (Der Tagliamento in den Südlichen Kalkalpen ist der bedeutendste noch erhalten gebliebene Wildfluss der Alpen). Bestrebungen zur Unterschutzstellung des Lechs endeten Ende des Jahres 2004 mit der Ausweisung weiter Teile des Lechtals und seiner Seitentäler als Naturschutzgebiet und Naturpark. Eine zunächst anvisierte Ausweisung des Gebiets als Nationalpark ließ sich nicht durchsetzen. Trotz der Unterschutzstellung werden auch in Zukunft die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Interessen weitergehen. Denn ein Wildfluss mit seiner ganzen Dynamik und besiedelte Talräume lassen sich nur schwer vollumfänglich in Einklang miteinander bringen.

Bei Reutte mündet der Archbach ein, Er ist der einzige Abfluss des Plansees, daher wird er auch Planseeache genannt. In seinem anfangs steilen Tal ist auch das 110-kV-Umspannwerk-Reutte zu finden. Über dieses Tal wurde auch eine große Spannbetonbrücke errichtet.

Der Lechfall bei Füssen
Der Lechfall bei Füssen

Kurz vor dem Austritt ins Alpenvorland mündet der bedeutendste Nebenfluss in den Lech, der aus den Allgäuer Alpen kommt: die Vils, der wasserreichste Wasserlieferant des Lechs. Sie entwässert weite Teile des Tannheimer Tals und des Taleinschnitts bei Pfronten. Die Vils entspringt südlich des Vilsalpsees. Nach dem Verlassen des Sees verläuft sie nach Norden zum Ort Tannheim. Dort mündet die Berger Ache, die aus dem Haldensee im östlichen Tannheimer Tal kommt. Die Vils wendet sich nun nach Westen bis zum Ort Schattwald. Dort wendet sie sich nach Norden und verläuft in einer Schlucht zwischen den Gipfeln des Sorgschrofen und des Schönkahler. Dort befindet sich auch der Vilsfall. Dieser Wasserfall ist wegen eines Kraftwerks etwas dezimiert. Vor Pfronten wendet sich die Vils nach Osten und erreicht Pfronten. Bei Pfronten Steinach mündet die Steinacher Achen, die im Oberlauf auf österreichischem Gebiet Seebach heißt. Dieser Bach verläuft im Taleinschnitt zwischen dem Einstein und dem Aggenstein. Hinter Pfronten mündet der Reichenbach ein, der vom Aggenstein her kommt und eine sehenswerte Schlucht, die Reichenbachschlucht bildet. Kurz vor dem Ort Vils mündet noch der Kühbach ein. Auch dieser Bach bildet in seinem Unterlauf interessante Wasserfälle. Hinzu kommen weitere viele Vilszuflüsse, die zusammen mit dem hohen Niederschlag das hohe Abflussverhalten ermöglichen.

Der Lech muss sich kurz vor Füssen durch eine Engstelle zwängen. Dort ist der Lechfall. Dieser Wasserfall ist ebenfalls durch die Wasserkraftnutzung etwas beeinträchtigt. Bei Füssen erreicht der Lech das Alpenvorland und mündet in den Forggensee, dem größten deutschen Stausee, in dem die kleinen Zuflüsse Füssener Achen und Mühlberger Ach einmünden.

Unterhalb der Talsperre mündet der Halblech ein. Sein kiesiges Flussbett kann bei totalem Niedrigwasser völlig austrocknen, während ein Hochwasserabfluss von 200 m³/s es vollkommen überflutet. Diese Schwankungen hängen mit den alpinen Niederschlägen zusammen. Der Halblech fließt in seinem Gebiet ausschließlich durch die gleichnamige Gemeinde Halblech und deren Ortsteile Buching, Halblech und Eschenberg. Sein flaches Tal verläuft am östlichen Rand des Allgäus. Sein wichtigster Zufluss ist die Trauchgauer Ach.

Bei Steingaden mündet die Illach ein. Ihr Abflussverhalten schwankt ebenfalls stark (zwischen einem Abfluss von 1 m³/s Niedrigwasser, bis 60 m³/s Hochwasser). Diese Schwankungen hängen auch mit voralpinen Niederschlägen zusammen.

Der Lech in Lechbruck flussabwärts
Der Lech in Lechbruck flussabwärts

In der Nähe von Hohenfurch fließt die Schönach dem Lech zu. Sie stellt eine besondere Rolle dar: Ihr Tal widerspiegelt exakt den früheren Rand des Lechgletschers. Wie bei der Illach treten hohe Abflussschwankungen auf, die bis zu 50 m³/s ansteigen können.

Nach der Litzauer Schleife ist der nächste nennenswerte Zufluss die Peitinger Ache, auch als Peitnach bezeichnet. Dieser kleine Zufluss ist bekannt für sein reichhaltiges Fischvorkommen. Aufgrund der Überfischung wurde das Angeln eingestellt, um den naturbelassenen Kleinfluss im natürlichen Zustand erhalten zu lassen. Dennoch gibt es heute Angelvereine.

Aufgrund seines gradlinigen Verlaufs in Richtung Norden mündet als nächster großer Zufluss die Wertach nach ca. 60 Kilometern Flussstrecke ein. Sie ist mit 159 km zugleich der längste und mit 32 m³/s der zweitwasserreichste Lechzufluss. Sie entspringt im Oberallgäu nahe der Marktgemeinde Wertach und fließt über Marktoberdorf und Schwabmünchen nach Augsburg. Die ersten 30 Flusskilometer ist sie noch relativ natürlich belassen. Trotzdem wird sie bereits von der Wasserkraft genutzt, ein bekannter Stausee ist der Grüntensee. Gegen Pfingsten 1999 fand ein Jahrhunderthochwasser statt, bei dem die Wertach einen Abfluss von 423 m³/s erreichte und den Augsburger Stadtteil Pfersee komplett überflutete. Daraufhin wurde das Projekt „Wertach vital“ begonnen, dessen Ziel es war, das Flussbett der Wertach zu renaturieren.

Der letzte Zufluss ist die Münsterer Alte, ein kleiner Fluss, der fast parallel entlang des Lechs verläuft.

Abflussverhalten

Der Lech entwässert die Lechtaler Alpen, sowie Teile der bayerischen Alpen nach Norden zur Donau und damit letztendlich zum Schwarzen Meer hin. Insgesamt umfasst das Einzugsgebiet etwa 4.000 Quadratkilometer. Da der Niederschlag im Winter vor allem in den Alpen zumeist als Schnee fällt, führt der Lech während der Schneeschmelze im Frühling und Sommer besonders viel Wasser. Mit einem mittleren Abfluss zwischen 100 und 200 Kubikmetern pro Sekunde ist er mit mittelgroßen deutschen Flüssen wie der Mosel, dem Main oder dem Neckar vergleichbar, die zwar mehr als doppelt so große Einzugsgebiete entwässern, jedoch einen ähnlichen Abfluss aufweisen. Der Abfluss des Lechs liegt bei Extremwerten zwischen einem Niedrigwasserabfluss von 49 m³/s und einem HQ-200 Wert von 2.300 m³/s.

Zu einem genauen mittleren Abfluss gibt es verschiedene Quellen mit jeweils unterschiedlichen Angaben:

In Bezug auf langjährige Messreihen des Hochwassernachrichtendienstes Bayern (am letzten bayerischen Pegel vor der Mündung) weist der Lech einen mittleren Jahresabfluss von 115 m³/s auf („Augsburg u. d. Wertachmündung“, 1960-2003) und belegt damit Platz sechs hinter Donau (1.490 m³/s), Inn (740 m³/s), Salzach (250 m³/s), Isar (175 m³/s) und Main (164 m³/s). Der Vergleich der Donauabflüsse in Donauwörth (192 m³/s) und in Ingolstadt (314 m³/s) (jeweils Jahresreihe 1924-2003 des Hochwassernachrichtendienstes) ist ein Hinweis, dass der Lechabfluss kleiner als 314 m³/s − 192 m³/s = 122 m³/s ist.

Im Buch „Lechauf-Lechab“ wird von den Sätzen berichtet „… Geht man aber von der Wassermenge aus, kommt er auf den zweiten Platz, vor der Isar … Nicht nur an Normaltagen, auch bei Hochwasser führt, solange es ein innerbayerischer Vergleich erlaubt, mehr Wasser als die Isar.“, dass der Lech auf Rang vier in der Liste der größten Flüsse Bayerns sei. Demnach müsste der Wert der Wassermenge des Lechs mindestens 175 m³/s betragen.

Daher muss man sich zunächst an einem durchschnittlichen Abflusswert zwischen 100 m³/s und 200 m³/s orientieren.

Geologie

Urlech

Obgleich die Oberläufe des Lechs heutzutage verhältnismäßig kleiner sind, ist der Lech geologisch einer der jüngeren Flüsse, da die Alpen vergleichsmäßig mit anderen Gebirgen nicht zu den Ältesten gehören.

Oberes Lechtal im WInter
Oberes Lechtal im WInter

Noch vor der letzten Eiszeit begann der Rhein erst an der südwestlichen Spitze des Schwarzwaldes. Das Wasser der Alpen, das heute in den Rhein fließt, wurde damals in der Urdonau nach Osten getragen, die bis zur Rißeiszeit weiter nördlich im Tal der heutigen Altmühl und des Wellheimer Trockentals entlangfloss. Südlich der Donau floss der Urlech nach Norden, dessen damaliger Verlauf bis heute noch nicht geklärt ist. Dafür gibt es drei Theorien:

  • Der Urlech floss nach der letzten Eiszeit im heutigen Paartal in Richtung Kelheim, wo er die damalige Urdonau während der Wende vom Tertiär zu der Phase der großen Eiszeiten (Pleistozän) aufnahm und im weiteren Urdonauverlauf entlangfloss.
  • Der frühere Lech floss nahe Schongau nach Osten, wo er Amper und Isar aufnahm und im jetzigen unteren Isartal auf die Donau zustrebte. Auf der Höhe Augsburgs wäre die Uriller entlanggeflossen.
  • Der frühere Verlauf des Lechs führte nach Westen, wo der Lech zusammen mit der Donau den Weg durch die Alb nahm. Erst während des Mittel-Pleistozäns habe der „Durchbruch bei Steppberg“ den jetzigen Verlauf ermöglicht.

Dass der Lech heute einen fast süd-nördlichen Verlauf hat und bereits bei Donauwörth einmündet, liegt auch an einem Meteoriteneinschlag, der vor 15 Millionen Jahren auf der Höhe von Nördlingen stattfand (Ries-Impakt).

Inseln

Verlandete Schotterinsel
Verlandete Schotterinsel

Die meisten kleinen Inseln und Kiesbänke des Lechs werden durch die jährlichen Hochwasser immer wieder in Umfang und Form verändert. Der Bau von Stauanlagen und Talsperren hat die Dynamik des Lechs deutlich eingeschränkt. Heute ist der Lech bei Hochwassereignissen außer Lage neue Schottermengen aus dem Alpenraum heranzutragen. Die Kiesbänke zählten zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu artenreichen Lebensräumen. Schwemmlinge und Sämerein aus dem Alpenraum konnten auf den Biotopen siedeln. Durch ausbleibende Hochwässer, die wegen der Stauseen aufgehalten wurden, und dem damit verbundenen Verlanden der Kiesbänke müssen sich konkurrenzschwache Pflanzenarten der voranschreitenden Verbuschung beugen. Heute werden die Kiesbankflächen bei Niedrigwasser gerne als Bade- oder Sonnenplatz genutzt. Auch diese Eingriffe führen zu negativen Folgen für die Natur. Vor allem bodenbrütende Vogelarten werden durch den Menschen in ihrem natürlichen Verhalten gestört. Einige Inseln im unmittelbaren Bereich von (größeren) Städten wurden im 19. Jahrhundert verbaut oder der Fluss wurde kanalisiert. Diese Flussbegradigungen schädigen ebenfalls den Naturraum.

Gewässergüte

Dass ein Fluss bei Hochwasser im Normalfall die Farbe beige („dreckig braun“) hat, versteht man sofort. Der Grund liegt an der lösshaltigen Lehm- und Humuserde, die das Wasser färbt. Oder wenn der Boden durch Algenbefall braun wirkt, was viel deutlicher bei der Wertach zu sehen ist, erklärt sich die Sache von selbst. Doch interessanter ist die Frage, warum der Lech so grünblau leuchtet.

Der Lech bei Schongau im Winter
Der Lech bei Schongau im Winter

Bereits im 19. Jahrhundert wurde vom Wissenschaftler Tyndall bewiesen, dass die Farbe eines Flusses nicht am Wasser (reines H2O), sondern an den Mineralien liegt, die der Fluss mit sich bringt. Weil der Anteil an Feinstsedimenten sehr gering ist, wie in Schnee oder Gletschereis, wird das Sonnenlicht gefiltert und abgespiegelt, das den Fluss bläulich erscheinen lässt. Bei Zunahme der aufgelösten Mineralstoffen, bei denen es sich im Lech häufig um Kalkgesteine handelt, verwandelt sich die Färbung ins Grünliche.

Die Klarheit und Reinheit des Lechs, die seine durchsichtige, glas- bis smaragdhafte Farbigkeit unterstützt, hängt mit den niedrigen Jahresmitteltemperaturen zusammen, die wenig planktonartiges Leben aufkommen lassen. Ebenfalls trägt der hohe Kalkanteil (insbesondere das Hauptdolomit Magnesiumcarbonat), der eher lebensfeindlich ist dazu bei.

Nach der Wertachmündung sieht der Lech braun aus, weil sich die Wertach auf den Lech „schiebt“, und damit ihr grünbraunes Wasser zu sehen ist. Ein ähnlicher Vorgang ist die Innmündung.

Der Lech bei Kaufering, im Hintergrund Landsberg und die Alpen
Der Lech bei Kaufering, im Hintergrund Landsberg und die Alpen

Typisch für das Lechwasser ist der hohe Geröllanteil, der sich bei den Stauseen nachweisen lässt. Bestes Beispiel ist der Forggensee, bei dem die Speicherkapazität um 30.000 m³ reduziert wurde.

Die Sauberkeit des Lechwassers ist enorm. Man könnte ihn definitiv zum saubersten Fluss über 200 km Deutschlands küren. Man unterscheidet in Gewässergüten (I unbelastet; I–II gering; II leicht; II–III mäßig; III kritisch; III–IV stark; III–IV sehr stark; IV extreme Belastung), die in Grafiken aufsteigend mit den Farben blau, grün, gelb, orange und violett markiert sind. Ab der Quelle bis Elmen ist die Klasse I nachgewiesen worden. Bis Füssen ist es die Klasse I–II, obwohl es beim Forggensee früher eine starke Verschmutzung gab, die behoben wurde. Bis Augsburg ist es permanent die Güteklasse II, wenn sich nicht doch kleine Klasse II–III Lücken zwischen Landsberg am Lech und Schongau gibt. Bis in die 1970er-Jahre wurde der Lech ab Augsburg sehr stark verschmutzt. Das lässt sich auf das früher als Abwasser benutzte Kanalsystem zurückführen. Heute steht hinter Augsburg ein Klärwerk, das 99 % des Wassers reinigt, und damit sank der Wert auf Klasse II. Da heute das Abwasser sowieso nicht mehr in die Kanäle gekippt wird, lässt sich die Güteklasse heute sogar auf I–II regulieren.

Zudem weist der Lech eine extrem niedrige Wassertemperatur auf (Sommer:14 °C Winter:1 °C), wodurch nur wenige Algen wachsen können. Im Winter kann der Lech regelrecht zufrieren.

Geschichte am Lech

Der Lech in Füssen, flussaufwärts
Der Lech in Füssen, flussaufwärts

Der Lech bildete während der Zeit der Völkerwanderung und im frühen Mittelalter die Grenze zwischen dem alemannischen Stammesgebiet im Westen und dem baierischen im Osten und markiert auch heute noch ungefähr die Grenze zwischen den bairischen und den schwäbischen Dialekten. Der Lech widerspiegelte auch die Grenze zwischen Altbayern und Schwaben, dies lässt sich auch an den Ortsendungen -ing (bayrisch) und -ingen (schwäbisch) absehen, auch wenn der schwäbische Dialekt südlich von Landsberg über den Lech bis zum Ammersee greift. Am Flusslauf des Lechs, wurde unter anderem auch Gold aus den Flussablagerungen gewaschen. Die so gewonnenen Mengen des Edelmetalls hatten allerdings keine große wirtschaftliche Bedeutung.

Ereignisse

Der Lechrain wurde im Frühmittelalter, zum Ende der römischen Provinz Rätien, vor allem von Alemannen besiedelt, dürfte jedoch bald unter bairischen Einfluss gekommen sein. Schon 576 verortet der langobardische Autor Venantius Fortunatus in einer Epistel an Gregor von Tours den Lech in bajuwarischem Gebiet (PL 88,62A). Die Zugehörigkeit des Lechrains zum Herzogtum Baiern kann entsprechend ab dem 6. Jahrhundert angenommen werden; historisch gesichert ist die Lechgrenze zwischen Baiern und Schwaben ab dem 8. Jahrhundert. Davon unberührt bleibt der Lechrain allerdings bis heute Teil des schwäbischen Bistums Augsburg.

Im Jahre 955 wurden die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld vom deutschen Heer unter der Führung von König Otto I. und Bischof Ulrich von Augsburg besiegt. Die Schlacht am 10. August 955 war der Endpunkt der Ungarnkriege und größte militärische Sieg Ottos des Großen gegen die ungarischen Reiter, die zuvor mit ihren Plünderzügen weite Teile Mitteleuropas durchzogen hatten. Benannt ist die Schlacht nach dem Lechfeld bei Augsburg.

Der eingezwängte Lech bei Kaufering
Der eingezwängte Lech bei Kaufering

Nachdem zunächst Welfen, Staufer und die Grafen von Dießen-Andechs im Lechrain herrschen, fällt das Gebiet im 13. Jahrhundert an die Wittelsbacher, die hier die Landgerichte Landsberg, Friedberg, Mering und Schongau einrichten. Als Grenzstädte nach Schwaben hin kommen Landsberg und Friedberg in den Genuss zahlreicher herzoglicher Privilegien, die zeitweise zu beachtlichem Wohlstand führen. Auf der anderen Seite war vor allem Friedberg immer wieder Opfer der beständigen Auseinandersetzungen zwischen Baiern und der wohlhabenden Reichsstadt Augsburg.

1632 hatten die Truppen unter König Gustav II. Adolf von Schweden hatten Nürnberg und dann Donauwörth eingenommen. Nun waren sie im Begriff gegen Ingolstadt zu ziehen. Feldmarschall Graf von Tilly wollte dies verhindern, indem er sie mit dem quantitativ unterlegenen, bayrischen Heer bei Rain am Lech-Übergang aufhielt, es folgte die Schlacht bei Rain am Lech. Nach zwei Tagen des Dauerfeuers auf beiden Seiten des Flusses, gelang den Schweden etwas weiter südlich der Übergang, worauf Tilly zu spät reagieren konnte. Bei den weiteren Kampfhandlungen wurde Tilly von einer Falkonettkugel in den rechten Oberschenkel getroffen, die diesen dabei völlig zertrümmerte. Maximilian I. befahl den Rückzug nach Ingolstadt, wo Graf von Tilly am 30. April 1632 seiner Verletzung erlag. Es gelang Gustav II. Adolf nicht, Ingolstadt zu erobern.

Der Lech bei Seestall
Der Lech bei Seestall

Mit der 1803/1806 erfolgten Eingliederung Augsburgs und Ostschwabens in das spätere Königreich Bayern verliert der Lechrain seine Grenzfunktion in politischer Hinsicht – mental ist sie bis heute lebendig geblieben.

Im Zuge der Verwaltungsreformen des frühen 19. Jahrhunderts werden die Landgerichte Landsberg, Schongau und Friedberg (mit dem 1799 eingegliederten Mering) Oberbayern zugeteilt. 1944 kommt der Landkreis Friedberg dann aber zum Bezirk Schwaben, wo er 1972 mit dem nördlich angrenzenden Landkreis Aichach zum neuen Landkreis Aichach-Friedberg vereinigt wird. Schongau wird im gleichen Jahr mit seinem östlichen Nachbarn Weilheim zum neuen Landkreis Weilheim-Schongau zusammengelegt, bleibt aber wie der weiterbestehende Landkreis Landsberg am Lech beim Bezirk Oberbayern.

Trotz dieser politisch-administrativen Zersplitterung wird der Lechrain bis heute als kulturell, sprachlich und historisch besonders geprägte Landschaft wahrgenommen und von den benachbarten Regionen (Allgäu, Oberland, Ballungsraum München) abgegrenzt. Zahlreiche Vereine, aber auch kulturelle Einrichtungen und Firmen führen heute den Lechrain in ihrem Namen.

Neubau Lechbrücke Gersthofen

Die ursprüngliche Lechbrücke wurde 1935/36 im Zuge des Autobahnbaues der Strecke MünchenUlm mit nur einem Überbau für den 2-streifigen Verkehr gebaut. Nach der Sprengung in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges, am 26. April 1945, wurde der Überbau mit Teilen aus dem Bestand, mit einzelnen Neuteilen, neuen Lagern und neuen Widerlagern aufgebaut. Der zweite südseitige Überbau wurde komplett neu errichtet. 1982 wurde die vorhandene Stahlbeton-Fahrbahnplatte abgebrochen und durch eine neue Stahlbetonplatte inkl. Abdichtung und Belag ersetzt.

Die Lechbrücke in Gersthofen während des Augusthochwassers 2005
Die Lechbrücke in Gersthofen während des Augusthochwassers 2005

Da beim Neubau der im Krieg gesprengten Brücke teilweise auch Stahl der damaligen Brücke verwendet worden war, zeigten sich in den letzten Jahren vermehrt durch Brückenschwingungen verursachte Ermüdungsrisse in den Stahlträgern. Dies führte seit August 2004 zu Verkehrsbeschränkungen auf der Brücke (maximal 80 bzw. 60 km/h für Pkw bzw. Lkw). Die Brücke konnte deshalb nicht mit wirtschaftlichem, vertretbaren Aufwand saniert und ertüchtigt werden.

Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn wird die bestehende Brücke abgerissen und durch zwei neue Brücken ersetzt. Unter Aufrechterhaltung des Autobahnverkehrs auf der bestehenden Brücke wird zunächst mit dem Bau der neuen Südbrücke in südlicher Seitenlage begonnen. Hierzu werden Behelfswiderlager gebaut und Behelfspfeiler im Lech errichtet, die für den Längsverschub des Südüberbaus notwendig sind. Um die Behelfspfeiler im Lech sicher gründen zu können, wurde der Flussuntergrund im Rahmen einer Vorwegmaßnahme sowohl von den Trümmern der gesprengten Vorkriegsbrücke als auch Granaten und Munition des Krieges befreit.

Im Juli 2005 wurde die errichte Südbrücke über den Lech geschoben, wo sie bis zum Abriss der alten Lechbrücke und Neubau der Nordbrücke als Ausweichstrecke des Verkehrs dienen soll. Erst danach, geplant war hierfür der November 2006, sollte die Brücke in ihre endgültige Position nach Norden verschoben werden.

Während des Hochwassers im August 2005 kam es zu einem Rückschlag beim Bau. Das provisorische östliche Fundament wurde unterspült, die neue Brücke sackte einseitig ab und drohte in den Lech zu stürzen. Durch diesen Vorfall musste die A 8 im Abschnitt zwischen Augsburg-Ost und Augsburg-West über einen Tag lang total gesperrt werden. Das Fundament konnte zwar stabilisiert werden, jedoch dauerte es bis Dezember 2005, bis der Schaden repariert und die Brücke wieder angehoben war.

Die Fertigstellung der gesamten Brücke wird sich aufgrund des Vorfalles auf Mitte 2007 verzögern.

Am 23. Juli 2006 wurde die alte Brücke von großen Kränen abgebaut.

Der Lechrainer Dialekt

Der Lechrainer Dialekt (sprachwissenschaftlich: Vorostschwäbisch) vereinigt ostschwäbische und mittel- bzw. südbaierische Dialektformen mit mittelhochdeutschen Relikten. Während das Schwäbische und das Baierische ansonsten recht klar voneinander geschieden sind, hat sich im Lechrain eine eigentümliche Mischform entwickelt, die wohl auf eine ursprünglich alemannische Bevölkerung zurückzuführen ist, die in Jahrhunderten baierischer Herrschaft zahlreiche baierische Dialektmerkmale übernommen hat.

Auffällige Merkmale des Lechrainischen sind das harte, kehlige -kch-, das man sonst im Allgäu und in Tirol hört, die Beibehaltung eines -ch- anstelle des stummen -h- (ziehen → ziacha, leihen → leicha) und eine Lautverschiebung vom hochdeutschen -i- zum -u- (Kirche → Kurcha, Wirt → Wurt).

Die Ausprägung des Lechrainer Dialekts verläuft parallel zum Verlauf des Lechs: Die stärksten Formen findet man in den Gemeinden am Fluss, während nach Osten hin – oft innerhalb weniger Kilometer – lechrainische Merkmale abnehmen und immer mehr baierische Formen auftauchen.

Lebensraum-Lechtal

Natur- und Umweltschutz

oberes Lechtal
oberes Lechtal
unteres Lechtal
unteres Lechtal

In Österreich besitzt er noch weitgehend den Charakter eines Wildflusses mit ausgedehnten Schotterbänken. Hier ist ein Naturschutzgebiet – der Naturpark Tiroler Lechtal eingerichtet. Mehrere Kraftwerksprojekte konnten verhindert werden, weil mehrere Bürgerinitiativen sich für den Erhalt der Wildflusslandschaft eingesetzt haben.

Im Flussbereich zwischen Landsberg und Augsburg sind noch seltene Lech-Urlandschaften erhalten geblieben. Man fasst die Einzelflächen unterschiedlicher Heiden und Trockenrasen unter dem Begriff Lechtalheiden zusammen. Sie stellen nur noch wenige Gebiete der ursprünglichen Flächen dar und stehen unter strengstem Naturschutz. Es handelt sich um einen der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas.

Fischtreppe am Lechwehr in Landsberg am Lech
Fischtreppe am Lechwehr in Landsberg am Lech

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der natürliche Verlauf des Lechs durch verschiedene Hochwasserschutzmaßnahmen und den Bau von Stauseen stark eingeschränkt – mit weitreichenden Folgen für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt des Lechtals. Die Durchgängigkeit des Fließgewässers wird zum Beispiel häufig durch Wehre gestört. Dadurch wird die Möglichkeit der Wanderung und der Verbreitung von Fischen nach flussauf- bzw. flussabwärts erschwert oder sogar unmöglich gemacht. Ebenso wurde die Funktion des Lechs als Biotopbrücke stark eingeschränkt. Tier- und Pflanzenarten die die Schotterstrasse des Lechs zum Austausch ihrer Biotope nutzten können heute nur noch auf geschützten Restrefugien überleben. Auch die Eindeichung in einigen Bereichen bedeutete einen Eingriff in das ursprünglich bestehende, ökologische Gleichgewicht. Die Auwälder wurden durch die Deiche vom natürlichen Wasserzufluss abgeschirmt, so dass der Auwaldbestand nur noch in Restbeständen vorhanden ist. Um zumindest in Teilbereichen die ursprüngliche Flusslandschaft zu erhalten, wurden mehrere Naturschutzgebiete ausgewiesen. So gehören die Schutzzonen Tiroler Lechtal, Litzauer Schleife bei Steingaden, die Lechtalheiden zwischen Landsberg und Augsburg und der Augsburger Stadtwald dazu. (Siehe auch: Ramsar-Konvention)

Flora/Pflanzenarten

Auf den Heide- und Auwaldflächen des Augsburger Bereichs haben sich viele Pflanzen unterschiedlicher Regionen eingebürgert. Der Lech dient dabei als Florenbrücke. So konnten hier einige Alpenpflanzen Einzug halten, darunter finden sich viele Enzian. Insgesamt finden sich auf den Lechheiden 28 unterschiedliche Orchideenarten. Zudem finden sich noch sogenannte Eiszeitrelikte, dabei handelt es sich um Arten, welche die letzte Eiszeit überdauert haben.

Lech zwischen Kaufering und Landsberg
Lech zwischen Kaufering und Landsberg
  • Dealpine Arten

Alpengewäche wie Kugelblume oder Enzian

  • Kontinentale Arten

Arten östlicher Steppengebiete wie Kalkaster oder Geißklee

  • Submediterrane Arten

Pflanzen des Mittelmeerraumes, auf den Lechheiden vier sehr seltene Ragwurzarten

  • Orchideen des Lechtales

Die Lechtalheiden erlangten durch das hohe Artenaufkommen unterschiedlicher Orchideengattungen Berühmtheit in der botanischen Welt. Dies wird durch den abwechslungsreichen Lebensraum Trockenrasen begünstigt. Viele Einzelcharackterisiken der Böden ermöglichen auch das Wachstum von Arten die auch hier eher untypisch wären. Eine der häufigsten Orchideen der Lechheiden sind Mücken-Händelwurz, Helm-Knabenkraut, Brand-Knabenkraut und die Sumpf-Stendelwurz. Diese Arten zeigen ein stabiles und konstantes Auftreten. Das Brand-Knabenkraut ist auf den Lechheiden in deutlicher Ausbreitung begriffen. Das Große Zweiblatt ist in Deutschland eine der am häufigsten Orchideen, hier kommt sie nur zerstreut vor. Die südmediterranen Ragwurzarten sind exotisch anmutende Schönheiten mit sehr zerstreutem bis seltenem Vorkommen. Die Fliegen-Ragwurz und Hummel-Ragwurz haben ein relativ konstantes Auftreten. Seltenheiten stellen die Bienen-Ragwurz und die Große Spinnen-Ragwurz dar, sie sind unstet und können mehrere Jahre ausbleiben. Die Bienen-Ragwurz wurde erst 1964 neu entdeckt. Ebenfalls vereinzelt wachsen die Pyramiden-Hundswurz, Korallenwurz sowie das Kleine Knabenkraut. Eine entlang des Lechs fast ausschließlich in den Lechleiten und Auwäldern vorkommende Orchidee ist der Gelbe Frauenschuh. Allgemein selten und zerstreut sind Rotes Waldvöglein, Weißes Waldvöglein und Schwertblättriges Waldvöglein, auf den großen Heideflächen sind sie praktisch nicht zu finden. Zudem kommen noch folgende Orchideen auf dem Gebiet des Lechfeldes vor: Braunrote Stendelwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Vogel-Nestwurz, Herbst-Drehwurz, Zweiblättrige Waldhyazinthe, Wohlriechende Händelwurz, Wanzen-Knabenkraut und Fuchs' Knabenkraut. Wie alle in Deutschland vorkommenden Orchideen, sind auch diese vom Aussterben bedroht und strengstens geschützt. Die Hauptblüte- und Wachstumszeit der meisten Orchideen liegt zwischen Mai und August. (siehe auch: Orchideen)

  • Enzianarten
Den seltenen zweiblättrigen Blaustern findet man in Auwäldern
Den seltenen zweiblättrigen Blaustern findet man in Auwäldern

Die kalkhaltigen Böden sind für Enzianarten eine willkommene Heimat. Ihr Blütenbild begleitet die Heiden vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Frühblüher ab April sind der Stängellose Enzian und der Frühlings-Enzian. Bereits im Mai setzt der Schlauch-Enzian blaue Akzente. Ein typischer Sommerenzian ist der Schwalbenwurz-Enzian der immer seltener auf den Lechheiden vorkommt. Der Deutsche Enzian zählt mit seinen zahlreichen Einzelblüten zu den schönsten Enzianarten am Lech. Von August bis Oktober bildet das dunkelblau des Fransen-Enzian letzte Farbtupfer in der herbstlichen Wiese, auch diese Art nimmt in ihrer Ausbreitung ab. (siehe auch: Enziane)

  • Typische Vegetation der Lechhaiden

Auf den Lechheiden finden sich einige Pflanzen, deren Ausbreitungsgrenzen auf diesem Gebiet enden, wie z. B. der Regensburger Geißklee. Viele Arten sind nur im Bereich des Lechs anzutreffen, darunter die Schwarze Akelei oder der Klebrige Lein. Andere sind typische und allgemeine Präge- oder Zeigerarten für den Lebensraum. Trockenrasen, lichte Schneeheide-Kiefernwälder oder Auwälder werden von ihnen bewachsen. Hier sind zu nennen: Silberdistel, Brunelle, Hauhecheln, Knollige Kratzdistel, Wiesen-Flockenblume oder die Skabiosen-Flockenblume. Zu diesen gesellen sich noch allgemeine Wiesenblumen und Wiesenpflanzen wie: Wald-Engelwurz, Baldrian, Akelei, Glockenblume oder die Herbstzeitlose.Durch die vielen Blütenpflanzen, welche fast über das ganze Jahr blühen, werden viele Insekten und Tagfalter angelockt. Durch die Besonderheiten im Detail können aber auch besonders bedrohte Arten Fuß fassen. Sumpf-Siegwurz, Türkenbund und Taglilien bilden dabei botanische Schönheiten. Aber auch kleine, weniger auffällige Blümchen haben hier letzte Refugien gefunden. Absolute Seltenheiten sind die Gewöhnliche Kugelblume und die Herzblättrige Kugelblume. An feuchten Stellen kommen dagegen untypische Gewächse wie der Salomonssiegel, das Vergissmeinnicht, Echte Mondraute, Echte Schlüsselblume, Sumpfdotterblume oder die seltene und bedrohte Mehlprimel vor. Echte Einwanderer der Alpenregionen sind Alpen-Pippau und Schneeheide. (siehe auch Blumenwiese)

Fauna/Tierwelt

Die Heidegebiete beherbergen eine artenreiche Tierwelt. Der große Blüten- und Pflanzenreichtum bietet unterschiedlichsten Insekten Lebensräume. Die Flächen sind für spezialisierte Tagfalterarten unersetzbar. Der Artenreichtum kann hier nur reduziert auf Zeige- oder Prägearten aufgelistet werden.

Die Schlingnatter findet am Lech Lebensraum
Die Schlingnatter findet am Lech Lebensraum

Viele Arten sind infolge der monotonen Landwirtschaftsflächen heimatlos geworden und vom Aussterben bedroht. Die Heideflächen sind zu klein und zu weit auseinanderliegend, als dass sie Tierarten retten könnten. Praktisch über das gesamte Sommerhalbjahr können blüten- und nektarspendende Pflanzen angeflogen werden. Die Imkerei hat in den Lechauen Tradition. Wiesenflockenblumen sind ausgiebige Futterquellen für Bienen. Auf den Heiden finden sich seltene Ameisengattungen wie: große Knotenameise, große Kerbameise, Schmalbrust-Ameise und die Harpa-Ameise.Eine winzige, nur 3 mm große Wanze, die Nestwanze, kommt nur hier vor. Ihr nächster Fundort liegt in Ungarn, ihr eigentlicher Lebensraum ist das südöstliche Russland. Die besonnten Freiflächen bieten wärmeliebenden Reptilien einen abwechslungsreichen Lebensraum. So hat die Schlingnatter einen ihrer größten Ausbreitungsräume im Lechtal. Zauneidechsen und Mauereidechsen stellen hier dem seltenen Sandlaufkäfer nach. Kreuzottern und Blindeschleichen ziehen waldige und unterwuchsreiche Orte vor. Die Ringelnatter lauert an feuchten Stellen Fröschen und anderen Kleintieren auf. Moore und Tümpel des Augsburger Stadtwaldes sind wichtige Amphibienhabitate. Hier tummeln sich Grasfrosch, Springfrosch, Laubfrosch und Erdkröte. Die Wechselkröte bevorzugt kiesiges Ödland. Das Vogelschutzgebiet der Lechstaustufe 23 ist ein wichtiges Brutgebiet unserer Wildvögel geworden. Naturbelassene Auwälder sind gedeckte Tische für Vögel und Kleinsäugetiere. Zahlreiche Spechte finden Nahrung in Althölzern. Viele Singvögel, darunter das berühmte Rotkehlchen sind regelmäßige Gäste. Unterholzreiche Wälder bieten zahlreichen Kleintieren Unterschlupf. Durch ihre Unzugänglichkeit schützt sich die Natur fast selbst. Im direkten Lechbereich bieten Schotterfelder und Steilufer weitere Naturflächen. Sie sind Heimat von Wasseramseln, Eisvogel und Flussregenpfeifer. Der mosaikartige und unterschlupfreiche Lebensraum wird von zahlreichen Wildtieren wie Kaninchen, Eichhörnchen, Reh und Fuchs gerne angenommen. An Altarmen und Nebenflüssen breitet sich der Biber aus, dies wird von einigen Menschen bereits wieder skeptisch gesehen.

In der sommerlichen Wiese lauert die Veränderliche Krabbenspinne auf einer Blüte verharrend, anfliegenden Insekten auf. Allgemein in Ausbreitung begriffen ist die Wespenspinne. Zur Geräuschkulisse der Heide gehören neben Vögeln auch Insekten wie: Heidegrasgrashüpfer, Schwarzfleckiger Grashüpfer und Feldgrille. Ein typischer Käfer der Blumenwiese ist der Blattkäfer, ein Pflanzenfresser der oft auf Blüten gefunden werden kann.

Der abwechslungsreiche Lebensraum bietet seltenen Tierarten Rückzugsmöglichkeiten. So bildet die Schlingnatter im Lechfeld eines der größten deutschen Vorkommen. Für zahlreiche Vogelarten ist das Lechgebiet als Brutplatz unersetzbar geworden. Der Augsburger Stadtwald beherbergt zahlreiche Flachmoore und Tümpel, diese stellen wichtige Amphibien-Habitate dar.

Initiative „Lebensraum Lechtal“

Die Initiative Lebensraum Lechtal wurde vom Verband für Landschaftspflege ins Leben gerufen. Seitdem ist diese treibender Motor in allen Naturschutzbelangen wie Biotopverbund, Informationstafeln oder Pflegeverantwortung. Die Arbeit wird auf dem gesamten Bereich vollzogen, von der Donaumündung bis Schongau. Zahlreiche Informationstafeln wurden im gesamten Lechgebiet errichtet und zeigen dem Lechbesucher die Wichtigkeit dieser Lebensräume auf. Die ansprechend und modern gestalteten Tafeln wollen den Menschen die Besonderheit dieser heimatlichen Kulturlandschaft ans Herz legen. Zusätzliche Informationen sind als Broschüre oder via Internet erhältlich. Das umfangreiche Projekt ist nur unter Mithilfe der betroffenen Gemeinden, Landkreise, Wasserversorgern, Landwirten und dem Bund-Naturschutz e. V. möglich. Betroffene Landkreise:

Wirtschaftsraum Lech

Das Lechwehr in Landsberg
Das Lechwehr in Landsberg

Der Lech hat keine Bedeutung für die Binnenschifffahrt und somit für den Transportverkehr, da der Fluss über seinen gesamten Verlauf nicht schiffbar ist. Es ist aber anzumerken, dass früher auf dem Lech Holz und andere Güter in beträchtlichen Mengen von Füssen über Landsberg und Augsburg bis an die Donau geflößt wurden. Seit dem Aufkommen von Eisenbahn und Kraftfahrzeugen wird dieser Transportweg so gut wie nicht mehr genutzt. Wirtschaftliche Bedeutung erlangt der Fluss durch seine Wasserkraft, die zur Stromerzeugung genutzt wird. Der Umfang der so erzeugten Energie erreicht allerdings nur wenige Prozent des heutigen Strombedarfes in Bayern.

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