
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Brandenburg | |
| Landkreis: | Teltow-Fläming | |
| Höhe: | 43 m ü. NN | |
| Fläche: | 109,30 km² | |
| Einwohner: | 24.177 (31. Dez. 2007) | |
| Bevölkerungsdichte: | 221 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 14974 (alt: DDR 1720) | |
| Vorwahl: | 03378 | |
| Kfz-Kennzeichen: | TF (alt ZS) | |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 72 240 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt, elf Ortsteile, ein Wohnplatz | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Rathausstraße 3 14974 Ludwigsfelde |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Frank Gerhard (SPD) | |
Ludwigsfelde ist eine Mittelstadt im Norden des Landkreises Teltow-Fläming in Brandenburg. Sie liegt rund acht Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze und rund acht Kilometer östlich von Potsdam in der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Das Stadtrecht besteht seit dem 18. Juli 1965.
Die Kernstadt Ludwigsfelde, die der gesamten Stadt den Namen gab, befindet sich auf der Teltow-Hochfläche, während die zwischen 1997 und 2003 als Ortsteile eingemeindeten elf Dörfer überwiegend in angrenzenden Niederungen liegen. Ortsteile wie Ahrensdorf und Gröben entstanden im 12. Jahrhundert mit der Deutschen Ostsiedlung als Kolonistendörfer. Die Kernstadt ist eine Neugründung von 1750/1753 unter Friedrich dem Großen im Zuge der Binnenkolonisation. Mit dem Bau eines Flugzeugmotorenwerks durch Daimler-Benz erhielt Ludwigsfelde 1936 den entscheidenden Entwicklungsimpuls zur heutigen Industriestadt.
Von den rund 24.000 Einwohnern leben rund 80 % in der Kernstadt, die von technologieintensiven Industriezweigen, insbesondere in den Bereichen Automotive und Luft- und Raumfahrttechnik, geprägt ist. In den dörflichen Ortsteilen, die 87 % der Gesamtfläche (~ 110 km2) einnehmen, dominiert nach wie vor die Landwirtschaft. Die naturnahen Dörfer, zum Teil im Naturpark Nuthe-Nieplitz gelegen, haben zudem Anteil am touristischen Aufschwung, der seit der Deutschen Wiedervereinigung Teile des südlichen Berliner Umlands erfasst hat.
Die Gesamtstadt Ludwigsfelde ist von folgenden Städten und Gemeinden umgeben: im Nordwesten von dem Stahnsdorfer Ortsteil Sputendorf, im Norden von Großbeeren, im Nordosten von Blankenfelde-Mahlow, im Osten mit einem kurzen Stück am Rangsdorfer See von Rangsdorf und dann von dem Zossener Ortsteil Glienick, im Südosten von dem Zossener Ortsteil Nunsdorf, im Süden von den Trebbiner Ortsteilen Märkisch-Wilmersdorf, Thyrow, Glau und Blankensee, im Westen von den Nuthetaler Ortsteilen Tremsdorf, Fahlhorst und Saarmund.
Die Kernstadt wird in West-Ost-Richtung von der Autobahn 10, dem Berliner Ring, durchlaufen und in Ludwigsfelde-Nord und -Süd geteilt. Mit einem Bahnhof hat Ludwigsfelde Anschluss an die Anhalter Bahn, die Berlin über Wittenberg mit Halle an der Saale verbindet. In Nord-Süd-Richtung durchläuft das Stadtgebiet die zur „Gelben Autobahn“ ausgebaute Bundesstraße 101 (oder B 101n) mit mehreren Anschlussstellen in der Gesamtstadt.
Am 31. Dezember 1997 kamen neun Dörfer als Ortsteile zu der Stadt. Seit dem 30. November 2001 gehören auch Ahrensdorf und seit dem 26. Oktober 2003 Groß Schulzendorf zu Ludwigsfelde. Struveshof bildet bereits seit 1961 einen Wohnplatz der Stadt. Neben der Kernstadt umfasst Ludwigsfelde somit elf Ortsteile und einen Wohnplatz. Hinzu kommen in den Ortsteilen der Gröbener Kietz und die Löwenbrucher Siedlung am Weinberg.[1] In Klammern sind die jeweiligen Einwohnerzahlen (Stand 30. September 2007) angegeben:
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Die Kernstadt (einschließlich Wohnplatz) hatte zum 30. September 2007 19.462 und die Gesamtstadt 24.292 Einwohner:[2]
Die Gesamtstadt Ludwigsfelde zählt kulturräumlich zum Teltow. In geologischer Hinsicht liegt allerdings nur die Kernstadt auf dem Teltow-Plateau, denn die geologische Grenze des Teltow ist enger gefasst als die kulturräumliche, wie die beiden Grenzziehungen auf der nebenstehenden Karte verdeutlichen. Danach befindet sich die Kernstadt auf der südwestlichen Teltowzunge, die im Süden an der Thyrower Pforte durch die eiszeitliche Saalow-Christinendorfer Abflussbahn von der Trebbiner Platte getrennt ist. Die Ortsteile hingegen liegen überwiegend in angrenzenden Niederungen. Westlich geht der Teltow in die Trebbin-Potsdamer Abflussbahn über, deren Niederung heute die Flüsse Nuthe und Nieplitz durchfließen. Nach Osten fällt die Teltow-Zunge zur Löwenbrucher Talsandfläche und zur ehemaligen Rangsdorf-Thyrower Abflussbahn ab, die heute von einem ausgedehnten Grabensystem mit dem Hauptgraben Nuthekanal durchzogen ist.[3]
Die flachwellige, im Durchschnitt zehn bis zwanzig Meter mächtige Grundmoränenoberfläche des Teltow entstand vor rund 20.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichseleiszeit. Die Höhenunterschiede zwischen dem Plateau und den glazialen Abflussbahnen spiegeln sich im unterschiedlichen Höhenniveau des Ludwigsfelder Stadtgebietes wieder. Während die Kernstadt auf einer Höhe von 43 m ü. NN liegt, befindet sich Schiaß auf einem Niveau von 35 m ü. NN und Ahrensdorf als niedrigst gelegener Ortsteil auf 32 m ü. NN. Bei Groß Schulzendorf auf der östlich der Teltowzunge gelegenen Glienicker Platte erreicht die Stadt dann wieder 43 m ü. NN. [4]
→ Hauptartikel: Pechpfuhl
Die Kernstadt ist umgeben von der Ahrensdorfer Heide, der Siethener Heide am Landschaftsschutzgebiet (LSG) Pechpfuhl, der Genshagener Heide, der Damsdorfer Heide und der Ludwigsfelder Heide. Dabei musste die Genshagener Heide seit 1936 in weiten Teilen den Industriebauten weichen. Aufgrund der trockenen, sandigen Teltow-Böden dominieren in den Wäldern ausgedehnte Kiefernbestände. Angewehte Sandablagerungen veranschaulichen die Etikettierung des Kurfürstentums Brandenburg als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ in Ludwigsfelde fast idealtypisch.
Am Rand der Binnendünen bildeten sich auf lehmigem Grund des Teltow einige feuchte Senken mit Bruchgebieten und stehenden Gewässern heraus. Dazu zählt das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Pechpfuhl, das direkt an die Wohngebiete der nordwestlichen Ludwigsfelder Kernstadt grenzt. Die ehemalige Glaziale Abflussbahn entwässert über den Leopoldsgraben in den Siethener See und weiter in den Gröbener See. Ursprünglich floss sie westlich der Nuthe entgegen der heutigen Fließrichtung der Nieplitz weiter über den Schiaßer See und den Grössinsee bis zum Blankensee. Der Pechpfuhl ist im langgestreckten Südteil geprägt von vier offenen Wasserflächen und im Nordteil, in dem er Hochmoorcharakter annimmt, von Wollgras-Moorrasen und Erlenbruchwald. Unter der Flora und Fauna sind der in Deutschland besonders geschützte[5] fleischfressende Sonnentau (Drosera) und der streng geschützte Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), Vogel des Jahres 2004, bemerkenswert.
Die Rinne der Trebbin-Potsdamer Abflussbahn westlich des Teltow durchfließen heute die Nuthe und die Nieplitz. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung liegen die Ortsteile Schiaß, Mietgendorf, Jütchendorf, Siethen, Gröben und Ahrensdorf, die sämtlich zum Naturpark Nuthe-Nieplitz gehören. Die Niederung ist geprägt durch Bruchgebiete und seenartige Erweiterungen im hypertrophen Fluss-See-System im Unterlauf der Nieplitz, das auf dem Ludwigsfelder Gebiet aus dem Grössinsee und dem Schiaßer See besteht. Bei Mietgendorf verläuft die südwestliche Grenze Ludwigsfeldes durch die Glauer Berge, die mitten in der Niederungslandschaft eine isolierte Stauchmoräne aus Vorschüttsanden der Weichseleiszeit bilden. Die mit 93 Metern höchste Erhebung der Glauer Berge bildet zugleich die höchste Erhebung Ludwigsfeldes.[6]
Die östlichen Ortsteile Kerzendorf, Löwenbruch, Genshagen und Wietstock befinden sich in der ehemaligen Rangsdorf-Thyrower Abflussbahn am Rand der Löwenbrucher Talsandfläche, die heute von einem Grabensystem mit dem Hauptgraben Nuthekanal durchzogen ist. Die Gemarkungen dieser Dörfer gehören zum Teil dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Notte-Niederung an. Dabei zieht sich ein Teil Wietstocks bereits wieder an der östlich folgenden Glienicker Platte hoch und der östlichste Ortsteil Groß Schulzendorf liegt vollständig auf diesem Plateau. Mit einem kleinen Zipfel dehnt sich Ludwigsfelde in diesem Bereich noch weiter nach Osten bis zum Rangsdorfer See aus.
Ludwigsfelde liegt in einer gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich vom atlantisch geprägten Klima Nord-/Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Der Temperaturverlauf entspricht ungefähr dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind geringer als im üblichen kontinentalen Klima, aber höher als im ausgeglicheneren Seeklima der Küstenregionen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 9,0 °C. Die jährliche Sonnenscheindauer liegt bei 1618 Stunden im Durchschnitt. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von 551,2 mm ist geringer als der bundesweite Durchschnitt von rund 800 mm. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 69 mm im Juni. Der Oktober weist mit 33 mm den geringsten Niederschlag auf. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.[7]
Die feuchten, fruchtbaren Niederungen und die trockenen Hochflächen Ludwigsfeldes zogen schon sehr früh Siedler an, wie Funde von Tierknochen, Tonscherben und Herdsteinen beispielsweise in Jütchendorf zeigen.[8] Die Denkmalliste des Landes Brandenburg führt eine Reihe von Fundstellen in nahezu allen Ortsteilen auf[9], darunter Siedlungen aus der Ur- und Frühgeschichte, Rast- und Werkplätze aus dem Mesolithikum, ein Großsteingrab aus dem Neolithikum, Siedlungsplätze aus der Bronzezeit sowie Gräberfelder und Siedlungen aus der Eisenzeit. Ferner wurden Siedlungen zur Zeit der Römischen Kaiserzeit nachgewiesen. Nach der Abwanderung der Sueben, dem elbgermanischen Teilstamm der Semnonen, ab dem 5. Jahrhundert in Richtung Schwaben zogen in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren Raum Slawen ein. Aus dem slawischen Mittelalter gibt es in Ludwigsfelde fast flächendeckend Bodendenkmäler. Die ersten deutschen mittelalterlichen Siedlungen entstanden mit dem Landesausbau im Zuge der Ostkolonisation im 12./13. Jahrhundert.
Die westlichen Ortsteile Ludwigsfeldes gehörten lange zum Grenzbereich nach Osten. Die Flüsse Nuthe und Havel bildeten bis in das 12. Jahrhundert die Grenze zwischen den slawischen Stämmen der Heveller in der Zauche und der Stodoranen im Teltow, die bei der Gründung der Mark Brandenburg 1157 durch den Askanier Albrecht den Bären eine mitentscheidende Rolle spielten. Bereits kurz nach der Gründung der Mark folgte die Familie von Gröben aus Gribehne (Sachsen-Anhalt) dem Ruf der Askanier nach Siedlern für das neue Land und gründete 1170 das Dorf Gröben, das damit sehr wahrscheinlich der älteste Ludwigsfelder Teil ist. Die Zisterzienser, die im 12./13. Jahrhundert in Techniken wie der Fischerei oder dem Mühlenbau führend waren und den Landesausbau der askanischen Markgrafen missionierend und wirtschaftend unterstützten, waren auch in Ludwigsfelde tätig: 1242 übereigneten die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III. auf Veranlassung Heinrichs von Steglitz und seines Neffen den heutigen Ortsteil Ahrensdorf an das Kloster Lehnin.[10]
Die Gutsherren, die bis in die frühe Neuzeit die Entwicklung der Ortsteile und auch die Anfänge der beiden späten Gründungskolonien der Kernstadt bestimmten, gehörten zu den bekanntesten märkischen Uradels- und Adelsfamilien. Dazu zählten die Familien Torgow, Gröben, Thümen, Schlabrendorf, Boytin, Alvensleben, Knesebeck, Hake, Scharnhorst und Jagow.
Die Kernstadt selbst entstand erst zwischen 1750 und 1753. Auf dem Areal der Wüstung Damsdorf ließ Friedrich der Große im Zuge der Binnenkolonisation und Repeuplierung (Wiederbevölkerung verlassener Orte) zwei Kolonien beziehungsweise Etablissements als Vorwerke anlegen und durch 12 „ausländische kleine Wirthe“ besiedeln. Das eine Etablissement gehörte zum Gut Genshagen unter dem Hauptmann von Haacke und erhielt den Namen der Wüstung Damsdorf. Die andere Kolonie lag auf der Löwenbrucher Gemarkung unter dem Gutsherrn und Kurmärkischen Kammerpräsidenten Ernst Ludwig von der Gröben (1703–1773) und wurde nach dessen zweiten Vornamen Ludwigsfelde benannt. Erst mit der Brandenburger Gemeindereform 1928 schlossen sich beide Kolonien zusammen, und zwar zuerst unter dem Namen Damsdorf. Bereits ein Jahr später, am 22. Februar 1929, wurde der Name aufgrund von Einwohnerwünschen auf Ludwigsfelde geändert. Ein weiterer Grund der Änderung lag in dem 1886 gebauten Bahnhof Ludwigsfelde an der Anhalter Bahn, der den Namen Ludwigsfelde sehr viel bekannter gemacht hatte als den Namen Damsdorf.[11] Der Name Damsdorf ist heute lediglich in der Bezeichnung des Waldgebiets „Damsdorfer Heide“ nördlich der Stadt erhalten.
Der nebenstehende Pharus-Plan von 1903 zeigt beide Gründungsteile der Kernstadt, die noch im 19. Jahrhundert deutlich unbedeutender war als viele ihrer heutigen Ortsteile. So hieß es beispielsweise 1800 über Ludwigsfelde: „Kolonie bei Löwenbruch, die mit Damsdorf einen Ort ausmacht“.[12] Erst nach der Anbindung an die Anhalter Bahn und dann insbesondere mit den ersten Industrialisierungen in den 1930er Jahren überholte die Kernstadt ihre heutigen Ortsteile und explodierte im Vergleich zu den stagnierenden Dörfern in der Bevölkerungszahl.
Zwischen 1997 und 2003 fand auf dem Gelände des Gewerbegebiets Preußenpark Ludwigsfelde/Löwenbruch auf einer Fläche von 25.000 m2 eine der größten Ausgrabungen einer mittelalterlichen Dorfwüstung in den Neuen Bundesländern statt. Die Untersuchungen galten der Vorgängersiedlung Damsdorf. Analysen ergaben für die Spuren einer zweischiffigen Holzkirche eine Entstehungszeit um 1180, für Holzreste eines Brunnens eine Bauzeit vor 1240 und für eine Feldsteinkirche eine Bauzeit um 1250. Der mittelalterliche Brunnen wurde rekonstruiert und im Jahr 2000 im Preußenpark, dessen erster symbolischer Spatenstich am 1. November 1992 erfolgt war, eingeweiht.[13]
Die erste überlieferte Erwähnung fand das Dorf 1375 im Landbuch Kaiser Karl IV. als Danstorff prope Trebbin. 1413 findet sich ein Eintrag als die dorffere Damstorff und 1479 war bereits die Rede von der halben wusten veltmarck zu Domstorff. 1540 ist das Dorf endgültig als Wüstung verzeichnet: die wuste veltmarcke Dambstorff, ebenso 1644, dabei wieder in der Schreibweise Damstorff. Nach Gerhard Schlimpert fiel das Dorf Ende des 15. Jahrhunderts wüst und 1610 bestand auf der wüsten Feldmark lediglich eine Schäferei.[14] Wie bei den Reichenwalder und Müncheberger Orts- beziehungsweise Gemeindeteilen Dahmsdorf leitet Reinhard E. Fischer den Namen Damsdorf etymologisch aus der Benennung „nach einem Mann mit dem deutschen Personennamen Thomas (biblischer Name, aus dem Hebräischen), mittelniederdeutsch »Domes, Domas«“, ab.[15]
Johann von Torgow, Herr zu Zossen, wurde 1413 durch Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg (später Friedrich I. von Brandenburg) mit Hebungen aus dem Zoll zu Berlin sowie mehreren umliegenden Dörfern, so auch Damsdorf, belehnt. Auch nach Urkunden von 1462 und 1472 war das Dorf im Besitz der Herren von Torgow, zu dem auch die heutigen Ludwigsfelder Ortsteile Genshagen, Kerzendorf und Löwenbruch sowie Kleinbeeren, Rangsdorf und der heutige Berliner Teil Steglitz zählten. Ungeklärt ist, warum Damstorf wüst fiel. Möglicherweise hing die Aufgabe des Dorfes mit dem Aussterben des Geschlechtes derer von Torgow zusammen[16], wogegen allerdings spricht, dass alle anderen Torgowschen Güter weiter existierten.
Die beiden Etablissements Damsdorf und Ludwigsfelde waren 1750/1753 in erster Linie als Spinner-Kolonien angelegt worden, die Garn für die Textilfabriken in Berlin und Brandenburg spannen. Daneben betrieben die angesiedelten Familien etwas Ackerbau. Zu Ludwigsfelde gehörten „3 Felder, deren jedes 3 Wispel Aussat hatte.“[17]Beide Kolonien entstanden südöstlich des heutigen Bahnhofs in unmittelbarer Nähe zueinander, nur durch eine Straße getrennt, dabei Ludwigsfelde am heute noch bestehenden Alten Krug. Der mehrfach umgebaute und ursprünglich reetgedeckte Alte Krug von 1753 ist das älteste noch bestehende Gebäude der Kernstadt. Das Baudenkmal beherbergt seit seiner Gründung gastronomische Einrichtungen.
Ob die beiden kleinen Kolonien zwischen 1756 und 1763 vom Siebenjährigen Krieg betroffen waren, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass heutige Ortsteile wie beispielsweise Gröben unter den Verwüstungen und Plünderungen des Krieges hart zu leiden hatten. Das Gröbener Kirchenbuch enthält den Eintrag:[18]:
„1760 am 11.,12. und 13. October ist Gröben von einigen herumschweifenden Östreichern, nebst etlichen von der Reichsarmee, heimgesucht worden. Bei welcher Gelegenheit der Ort nicht allein an 700 Thlr. Brandschatzung hat geben müssen, sondern sind auch noch die Einwohner geplündert und ihnen ihre Pferde weggenommen worden. Desgleichen ist auch die Kirche und das Pfarrhaus nicht verschont geblieben.“
– Gröbener Kirchenbuch, zitiert nach Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Spreeland
Im Jahr 1791 gehörten zu Ludwigsfelde „11 Feuerstellen, 9 Büdner, 1 Krüger und 59 Seelen“. [19] 1805 lebten in beiden Kolonien, die „faktisch einen Ort […] bildeten“, insgesamt 85 Einwohner.[20] Nach dem Freitod des Majors a. D. Karl Wilhelm von der Gröben am 29. November 1805 erlosch der Mannesstamm dieser Familie und über Elisabeth von der Gröben, verheiratet mit Wilhelm Leopold von dem Knesebeck (1735–1803) aus Karwe am Ruppiner See, kam Löwenbruch und damit auch die Kolonie Ludwigsfelde zu den von dem Knesebeck und ging 1823 testamentarisch an Wilhelm von dem Knesebeck über.[12][21] Erst mit der Bodenreform der Sowjetischen Besatzungszone 1945 wurden die Gutsbesitzungen der von dem Knesebecks aufgelöst. Am 22. August 1813 , am Vortag der Schlacht von Großbeeren, wurde Ludwigsfelde im Zusammenhang mit den Gefechten um die Wietstocker Schanzen stark in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Feld zwischen Wietstock und Ludwigsfelde blieben insgesamt rund eintausend tote Soldaten zurück.[22]
Die Industrielle Revolution ging an Ludwigsfelde und den Spinnerfamilien lange spurlos vorüber. Mit dem Bahnbau der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn-Gesellschaft zwischen 1839 und 1841 begann ein erster bescheidener Aufschwung. Die Bahntrasse verlief durch die Gemarkung und 1843 erhielt der immer noch kleine Ort auf Betreiben der Gutsbesitzer, die am technischen Fortschritt teilhaben wollten, einen Haltepunkt mit dem Namen Ludwigsfelde. Der Haltepunkt entwickelte sich zu einem Umschlagszentrum für sämtliche umliegenden Gutshöfe. Aus Löwenbruch, Genshagen, Gröben, Siethen und Kerzendorf „rollten die schweren Ackerwagen heran. Die Fuhrknechte bekamen Kontakt mit den Eisenbahnern und erfuhren auf diese Art von den Vorgängen in einer Welt, die bis dahin außerhalb ihres Vorstellungsbereiches gelegen hatte.“[23] Noch im gleichen Jahr 1843 erhielt Ludwigsfelde eine Postanstalt der Königlich-Preußischen Post.
1861 gab es in der Kolonie Damsdorf neun Haushaltungen. Die ausnahmslos evangelische Einwohnerschaft setzte sich zusammen aus drei Aufsehern, einer Wirtschafterin, fünf Knechten, drei Mägden, einem Handwerker und einer größeren Anzahl von Tagelöhnern. Die Haushalte verfügten über neun Hausschweine und fünfzehn Hausziegen.„Darüber hinaus lebten in Dahmsdorf sechs Beamte der Privat-Eisenbahngesellschaft und drei Personen, die »theilweise von Almosen lebten«.“ Die Kolonie Ludwigsfelde hatte im selben Jahr 25 Einwohner, gleichfalls sämtlich evangelischen Glaubens, die sich auf sechs Haushaltungen verteilten und über zwei Schweine und elf Ziegen verfügten. Bis auf ein Wohnhaus und einen Stall gehörten alle Ludwigsfelder Gebäude den Gutsherren zu Löwenbruch.[24]
1886 wurde der Bahnhof Ludwigsfelde als repräsentativer Backsteinbau fertiggestellt, der heute als Museum dient und als zweitältestes erhaltenes Gebäude der Kernstadt unter Denkmalschutz steht. Mit dem Aufschwung durch die Bahnanbindung ging ein Ausbau des Straßennetzes einher, zu dessen Finanzierung am Ortseingang ein Chausseehaus zur Erhebung von Straßenzoll eingerichtet worden war. 1904 erhielt der Ort ein Telegraphenamt.
Den entscheidenden Impuls zum Industriestandort erhielten die nunmehr zu Ludwigsfelde vereinigten Kolonien 1936 mit dem Bau eines Flugzeugmotorenwerks. Die Bevölkerungszahl explodierte von rund 100 Einwohnern im Jahr 1900 über 229 im Jahr 1933, 1.032 im Jahr 1937, 3.640 im Jahr 1939, 5.810 im Jahr 1950, 13.009 im Jahr 1960, 16.663 im Jahr 1970 auf 22.900 im Jahr 1983.[25] Seit 1936 sind die Siedlungs- und die Industriegeschichte Ludwigsfeldes eng verflochten.
1936/1937 beschloss das auf Luftkriegsführung ausgerichtete NS-Regime, in der Genshagener Heide ein Flugzeugmotorenwerk zu errichten. Die Kurmärkische Kleinsiedlungsgesellschaft baute billige Wohnungen, um einen Stamm von Arbeitern an das Werk zu binden. So entstand damals eine der größten Siedlungsanlagen Deutschlands, die Daimler-Werkssiedlung, beiderseits der heutigen Ernst-Thälmann-Straße. Den nördlichen Abschluss dieses Ortsteils bildet die 1944 entstandene Holzhaussiedlung, für die 1992 die Stadtverordneten eine Erhaltungssatzung beschlossen haben. Der Bedarf an Arbeitskräften in der Kriegsphase war so hoch, dass immer mehr Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in der Produktion eingesetzt wurden, im Frühjahr 1944 waren es 11.000 Angehörige aus fast allen besetzten Ländern. Dazu kamen Insassen des Arbeitserziehungslagers Großbeeren und 1.200 Häftlinge des SS-Straflagers Danzig-Matzkau, die unter unmenschlichen Bedingungen hausen mussten. Obwohl durch alliierte Luftangriffe teilweise schon zerstört, wurde im September 1944 auf dem Werksgelände ein Außenlager des KZ Sachsenhausen für 1.100 Frauen aus dem KZ Ravensbrück errichtet. Auch sie mussten unter schrecklichen Bedingungen arbeiten. Viele starben an Hunger und Krankheiten, von der Gestapo wurden 43 Arbeiter exekutiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zerstörte Flugzeugmotorenwerk demontiert. Ab 1952 setzte mit der Errichtung des Industriewerks Ludwigsfelde (IWL), später Lkw-Werk mit rund 10.000 Beschäftigten, eine erneute Zuwanderung ein, insbesondere durch zahlreiche Umsiedler aus den deutschen Ostgebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze. Für die Neubürger wurden mehrere Siedlungen in unterschiedlichen architektonischen Formen errichtet. Besonders herausragend ist die in Formen der Nationalen Bautradition in den 1950er Jahren errichtete "sozialistische Wohnstadt" um den Heinrich-Heine-Platz (Dichterviertel).
Nach vom Projekt „17. Juni 1953“ veröffentlichten Stasi-Protokollen[26] fand bei dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 in Ludwigsfelde eine Demonstration statt, bei der die Streikenden Transparente mit Losungen wie Freie Wahlen, mehr Butter, HO-Preissenkung, Auflösung der Nationalen Streitkräfte trugen. Die 1.500 beteiligten Arbeiter stammten nicht aus dem Industriewerk, sondern waren Bauarbeiter des Wohnungsbaus der Bauunion Potsdam. Nach den Protokollen zogen die Streikenden zum Industriewerk und forderten die IFA-Arbeiter auf, die Arbeit gleichfalls niederzulegen. Als diese dem Wunsch nicht nachkamen, haben die Streikenden angeblich versucht, im Werk Maschinen zu zerstören. Nach zwischenzeitlicher Auflösung der Ansammlungen durch die Stasi fanden sich am Abend 200 Personen vor dem Industriewerk ein, um eine dort inhaftierte Person zu befreien. Die Stasi nahm 15 sogenannte Rädelsführer fest. Allerdings blieb das MTS Ludwigsfelde […] noch von den Protestdemonstranten besetzt. Zu dieser Zeit hatte die Stasi nach ihren Protokollen 35 Mitarbeiter im Industriewerk und weitere 35 im Ort. Am Morgen des Folgetags, des 18. Juni 1953, versammelten sich rund 400 Bauarbeiter vor der Bürgermeisterbaracke Ludwigsfelde und verlangten Freiheit für die Streikleitung. Die Stasi schickte daraufhin weitere 35 Mitarbeiter in den Ort.[27] Als die Arbeit im Industriewerk nur sehr zögerlich aufgenommen wurde, erzwang die Volkspolizei mit Hilfe der Sowjetarmee die Arbeitsaufnahme mit Gewalt:[28]
„Nach Abrücken des Kommandos unter Zurücklassung von fünf VP-Angehörigen wurde nach 20 Minuten gemeldet, dass die Belegschaft des Barackenlagers sich auf der Straße sammelte und die Traktoren der MTS nicht herunter ließ. Daraufhin wurde in Verbindung mit einem Kommando der Sowjetarmee ein zweiter Einsatz gestartet, wobei die Provokateure, etwa 400-500 Mann, umzingelt wurden und durch die erstmalige Anwendung des Gummiknüppels auseinander getrieben wurden. Drei der Rädelsführer wurden festgenommen und die vollkommene Ruhe hergestellt.“
– Volkspolizeibericht, zitiert nach dem Projekt 17. Juni 1953
Ein weiterer Ausbau der Industriewerke erforderte neue Wohnsiedlungen, sodass in den späten 1950er und 1960er Jahren die Zweite Wohnstadt und Ludwigsfelde West und in den 1970er und 1980er Jahren die in mehreren Bauabschnitten in Plattenbauweise errichtete Wohnsiedlung Ludwigsfelde-Nord errichtet wurden. Als Gemeinschaftseinrichtung mit entsprechender Nutzung entstand 1959 das Kulturhaus Ludwigfeldes, in dem der Ort 1965 das Stadtrecht erhielt.
Nach der Wiedervereinigung zerschlugen sich für die 9.700 im IFA-Werk Beschäftigten die anfänglichen Hoffnungen auf ein Joint Venture mit Daimler-Benz. Am 17. Dezember 1990 verließ der letzte IFA W50 LKW das Montageband.[29] Allerdings nahm Daimler-Benz seine alte Tradition in Ludwigsfelde schon 1991 wieder auf, sodass die Kontinuität des Industriestandorts Ludwigsfelde gewahrt blieb. Die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Bildung von Industrie- und Gewerbeparks in den 1990er Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sorgte für ein ständiges Wachstum der Stadt (siehe unten: Industrieproduktion), der mit neuen Wohnvierteln und repräsentativen Bauten Rechnung getragen wurde. Am 30. November 1996 weihte die Stadt ein neues Rathaus ein, das zuvor in einer Baracke des NS-Zwangsarbeiterlagers untergebracht war. 1999 baute DaimlerChrysler in der Ahrensdorfer Heide eine Wohnanlage, es folgten das Wohngebiet Preußenpark und 2001 die Kiefernsiedlung. 2006 eröffnete mit der Kristalltherme eine neuer Anziehungspunkt in Ludwigsfelde (siehe unten).
Die Entwicklung der Einwohnerzahlen zeigt insbesondere die Schübe nach der Ansiedlung der Daimler-Benz Motoren GmbH 1936 und nach der Errichtung des Industriewerks Ludwigsfelde (IWL) in den 1950er/1960er Jahren. Die Einwohnerzahlen der beiden Gründungskolonien 1750/1753 sind bis zu ihrem Zusammenschluss 1928 zusammengerechnet. Die Zahlen verstehen sich inclusive der Einwohner der 1997, 2001 und 2003 eingemeindeten Ortsteile (siehe oben Stadtgliederung). Soweit Angaben dazu vorliegen, siehe zu den Einwohnerzahlen der Ortsteile vor ihrer Eingemeindung die einzelnen Ortsteilartikel.[30][31]
| Einwohnerentwicklung in Ludwigsfelde von 1750 bis 2007 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner |
| 1750/53 | 12 Siedlungsfamilien | 1939 | 3.640 | 31.12.1998 | 22.726 | 31.12.2003 | 24.164 |
| 1805 | 83 | 31.08.1950 | 5.810 | 31.12.1999 | 22.942 | 31.12.2004 | 24.260 |
| 1900 | 100 | 1960 | 13.009 | 31.12.2000 | 23.031 | 31.12.2005 | 24.157 |
| 1933 | 229 | 1970 | 16.663 | 31.12.2001 | 23.809 | 31.12.2006 | 24.371 |
| 1937 | 1.032 | 1983 | 12.900 | 31.12.2002 | 23.652 | 30.08.2007 | 24.292 |
Bis zur Säkularisation des Klosters Lehnin im Jahr 1542 übten die Zisterzienser einen großen Einfluss auf das kulturelle und religiöse Leben in den heute Ludwigsfelde zugehörigen Dörfern aus und waren am Bau mehrerer Dorfkirchen beteiligt. Im Jahr 1539 führte der Kurfürst von Brandenburg Joachim II. die Reformation ein. Danach war Brandenburg über Jahrhunderte eine überwiegend protestantisch geprägte Region. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis neben der reformierten Kirche. Im Jahr 1817 wurden die beiden evangelischen Konfessionen innerhalb Preußens zur Unierten Kirche vereinigt. Im Jahr 1918 entstand die Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, die 1947 zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wurde. Im Jahr 2004 fusionierte die Kirche mit der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Ludwigsfelde ist in die drei Gemeinden Ahrensdorf, Ludwigsfelde und Löwenbruch aufgeteilt, die zum Kirchenkreis Zossen im Sprengel Cottbus gehören.[32]
Bis 1955 gab es in den beiden Spinnerkolonien Damsdorf und Ludwigsfelde beziehungsweise in der späteren Kernstadt kein Kirchengebäude. Zum Gottesdienst gingen die Gläubigen in die benachbarten Kirchen in Löwenbruch, Genshagen oder Siethen. Die am 8. Mai 1955 eingeweihte Kirche St. Michael soll im Baustil den Stall von Bethlehem verkörpern und bekam eine dazu passende, schlichte Holzinnenausstattung. Die Gemeinde der Kernstadt umfasst rund 2.000 Mitglieder (Stand 2007). Des weiteren bestehen innerhalb der evangelischen Kirche als organisatorisch freie Gruppierungen die Landeskirchliche Gemeinschaft, die das Gemeindezentrum Schalom betreibt, und die Freikirche Siebenten-Tags-Adventisten mit einem Gemeindehaus. Die Katholische Kirche verfügt über ein Pfarramt mit der St. Pius X-Kirche und die Neuapostolische Kirche über einen Gemeinderaum.[33]
Die Stadtverordnetenversammlung hat neben dem hauptamtlichen Bürgermeister Heinrich Scholl (SPD) derzeit 28 Mitglieder. Diese teilen sich nach der Kommunalwahl am 26. Oktober 2003 wie folgt auf die Parteien und Wahlbündnisse auf (Wahlbeteiligung: 39,12 Prozent):
| Partei/Wahlbewerber – Fraktion | Stimmenanteil (%) | Sitze |
|---|---|---|
| SPD | 33,22 | 9 |
| Die Linke | 20,94 | 6 |
| CDU | 16,86 | 5 |
| Parteilose Bürger Ludwigsfelde | 12,02 | 3 |
| Bürgerinitiative für ein lebenswertes Ludwigsfelde e.V. | 8,81 | 3 |
| Frauen in Ludwigsfelde | 3,92 | 1 |
| FDP | 2,79 | 1 |
Bürgermeister war von 1990 bis 2008 Heinrich Scholl (SPD), der wegen Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren Anfang 2008 zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Frank Gerhard (SPD).
Von 1952 bis 1993 gehörte Ludwigsfelde zum Landkreis Zossen im Bezirk Potsdam, ab 1990 Land Brandenburg. Mit der Verwaltungsreform 1993 kam die Stadt zum neugebildeten Landkreis Teltow-Fläming.
Ludwigsfelde unterhält seit 1998 eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Kleinstadt Zdzieszowice in der Woiwodschaft Oppeln. Die Partnerschaft besteht im Austausch und gegenseitigen Besuch auf politischer, kultureller und sportlicher Ebene. Im Jahr 2001 trat beispielsweise das „Ludwigsfelder Männerballett“ des Ludwigsfelder Karnevalsvereins in der Stadt an der Oder auf.[34] Weitere freundschaftliche Verbindungen bestehen zu Paderborn, Rheinfelden und Gaggenau, die bislang nicht in offiziellen Partnerschaften mündeten. Die Verbindung zur Universitätsstadt Paderborn, in der es einen Ludwigsfelder Ring gibt, besteht seit der Deutschen Wiedervereinigung. Ursprung der Verbindung war die Nutzung des Paderborner Rechenzentrums durch die Stadt Ludwigsfelde. Mit Rheinfelden besteht ein Besuchsverkehr auf kulturellem, insbesondere musikalischem Gebiet.[35] Das Blasorchester Ludwigsfelde gastierte mehrfach in dem Mittelzentrum an der Schweizer Grenze.[36] Die Verbindung zu Gaggenau, Mittelzentrum in der Region Mittlerer Oberrhein, geht auf das dortige Mercedes-Benz Werk der Daimler AG zurück, das eng mit dem Ludwigsfelder Mercedes Werk kooperiert.
Blasonierung: „Gespalten von Schwarz und Silber, darin eine bewurzelte Kiefer in verwechselten Farben, rechts begleitet von einem goldenen Zahnrad und links von einem roten Vogelfang. Die Flagge der Stadt Ludwigsfelde besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus zwei Längsstreifen in den Farben weiß und schwarz mit dem auf der Nahtstelle aufgelegten Stadtwappen.“[37]
Die Krone der Kiefer überdacht das Zahnrad und den Vogelfang, ihr ausgebreitetes Wurzelwerk bildet den Wappengrund. Die zentrale Stellung der Kiefer steht für die ausgedehnten Wälder (Heiden) um die Zentralstadt, die auf den trockenen Teltow-Böden hauptsächlich von ausgedehnten Kiefernbeständen geprägt sind. Das goldene Zahnrad symbolisiert die industrielle Entwicklung und Bedeutung der Kernstadt und wurde als einziger Bestandteil des ehemaligen Wappens übernommen. Das rote Vogelbein ist ein Adlerfang und dem Wappentier des Landes Brandenburg, dem roten Märkischen Adler, entlehnt. Es zeigt die Zugehörigkeit der Stadt zum Land und erinnert an die askanische Besiedlung der Dörfer, da der Märkische Adler auf den askanischen Adler zurückgeht.
Nach der Stadterhebung 1965 führte Ludwigsfelde zunächst ein anderes Wappen, dessen Schild bei Nutzung durch die Stadt wie der Umriss eines Motorblockes geformt war.
Wappenbeschreibung: „Geteilt in Rot und Gold. Oben ein stilisiertes goldenes Hochhaus, unten an der Teilungslinie eine stilisierte schwarze Brücke. Beide Teile des Schildes waren belegt mit einem schwarzen Zahnrad, das oben hinter dem Hochhaus und unten vor der Brücke lag.“
Die Brücke stellt die Verbindung Nord- und Südludwigsfeldes unter der Autobahn dar, die vor der weitgezogenen Trassenneuführung auf Betonpfeilern aus einem engen Nadelöhr bestand. Das alte Wappen ist bemerkenswert, weil es in der DDR nur sehr wenige Wappen-Neuschöpfungen gab. Zudem befindet sich das stilisierte Hochhaus heraldisch rechts an einem fiktiven Spalt und in der heraldischen Farbenlehre ist die Kombination Schwarz und Rot nebeneinander (Farbe neben Farbe) eigentlich ausgeschlossen. In einer korrekten Blasonierung würde auch der Passus der verwechselten Farben auftauchen, denn ein schwarzes Zahnrad über einer schwarzen Brücke ist sonst nicht darstellbar.
Kulturelles Zentrum der Stadt ist das Kulturhaus aus dem Jahr 1959, das über einen großen Saal mit 500 Plätzen und eine Kleinkunstbühne verfügt. Hier finden Veranstaltungen aller Art, beispielsweise Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte statt. Auf dem Rathausplatz vor dem Kulturhaus weihte die Stadt im Mai 2005 die Skulptur Stundeneiche der Künstlerin Franziska Uhl ein. Das Kunstwerk erinnert an die in Brandenburg legendäre und 2004 gefällte sogenannte Stundeneiche. Die markante Eiche stand an der Autobahn bei Ludwigsfelde und erhielt den Namen von den Autofahrern, die zu DDR-Zeiten von dort mit dem Trabi noch eine Stunde bis in die Ostberliner City brauchten.[38] Der Regisseur Gerd Kroske drehte dazu 2006 für den RBB den Dokumentarfilm „Die Stundeneiche“.
Ein am 18. Mai 1994 eröffnetes Museum mit Sammlungen zur Stadtgeschichte ist seit 2001 im restaurierten ehemaligen Bahnhofsgebäude untergebracht.
Im April 2006 eröffnete das Kristall Schwimm- und GesundheitsCenter Ludwigsfelde, das aus einer großen Saunatherme und einem Sportbad besteht. Die Kristalltherme bietet zwei Thermalsolebecken im Innenbereich und ein damit verbundenes Außenbecken mit Strömungskanal. Dazu ein Süßwasserbecken und das Sporthallenbad. Die Kristalltherme ist die größte FKK-Therme Europas.
Ludwigsfelde ist eine der Partnerstädte des Fußballclubs Hertha BSC. Der Ludwigsfelder FC spielt in der Saison 2005/2006 in der Oberliga Nord-Ost und war 2003 Pokalsieger im Fußball-Landesverband Brandenburg. Der Ludwigsfelder Handball Club spielt in der Handball-Berlin-Brandenburgliga. Deutsche Meister gibt es im Radball und Modellsegelflug. Im Motorbootsport brachte der MC IFA Ludwigsfelde – die IFA-Werke produzierten unter anderem Motore für Rennboote – mehrere Deutsche Meister (DDR) und mit Peter Rosenow einen Weltmeister hervor. Einer der größten Sportvereine in der Stadt ist der Ludwigsfelder Leichtathleten e.V. mit den Sektionen Leichtathletik, Skaten und Nordic Walking. Des Weiteren gibt es zwei Basketballvereine, den Panthers e.V. und den Basketballverein Ludwigsfelde (BVL). 2001 wurde Ludwigsfelde der Titel "Sportlichste Stadt" im Land Brandenburg vom Ministerium für Jugend, Bildung und Sport verliehen. Insgesamt sind derzeit rund 4.100 Sportler in den Ludwigsfelder Sportvereinen aktiv, davon allein 1.100 im Kinder- und Jugendbereich.
1936 kam es zur Gründung der Daimler-Benz Motoren GmbH Genshagen/Ludwigsfelde. Baubeginn des Flugmotorenwerkes war auf einer Fläche von 375 Hektar. Damit wuchs auch die Einwohnerzahl mit dem Bedarf an Arbeitskräften. Zur Zeit der DDR wurden im VEB Automobilwerke Ludwigsfelde - auch IFA-Werk genannt - die Roller „Pitty“, „Troll“, „Wiesel“ und „Berlin“ gebaut, später die LKW W50 und ab 1986 der L60 produziert. 1990 musste die Produktion aufgrund sinkender Nachfrage bedingt durch die Währungsumstellung zur D-Mark und der Übernahme durch die Treuhand eingestellt werden. Ab Mitte der 1990er Jahre konzentrierte man sich in Ludwigsfelde auf die Fertigung von Kleintransportern wie Vario und den Van Vaneo, dessen Produktion im Sommer 2005 eingestellt wurde. Am 23. Juni 2006 startete die Produktion des neuen Mercedes-Benz Sprinter und des VW Crafter in allen offenen Versionen mit großem Erfolg. Ebenfalls siedelte sich die MTU Maintenance Berlin Brandenburg GmbH in dem aufstrebenden Mittelzentrum an und knüpfte somit an die Luftfahrtgeschichte Ludwigsfeldes an. Das Turboprop-Triebwerk TP400-D6 für den Airbus A400M wird in Ludwigsfelde endmontiert. Außerdem haben sich ThyssenKrupp, Coca-Cola sowie diverse Logistikfirmen angesiedelt. Seit Juni 2006 betreibt der Volkswagen-Konzern (OTLG) ein Logistikcenter für Originalteile, von dem aus 600 VW-Händler in den neuen Bundesländern zwei Mal am Tag beliefert werden.
Auf dem Industriepark Ludwigsfelde sind auf einer Fläche von 256 ha über 70 Unternehmen konzentriert. Hinzu kommen drei Gewerbeparks mit einer Fläche von 618 ha. Insgesamt bieten rund 900 Unternehmen mit Schwerpunkten in den Bereichen Fahrzeugbau, Verkehrstechnologie, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Spedition und Logistik ca. 10.000 Arbeitsplätze.[40] Die Stadt ist als Wachstumskern im Wirtschaftsförderungssystem des Landes Brandenburg ein wichtiger Industriestandort und hat erheblich dazu beigetragen, dass der Landkreis Teltow-Fläming nach Studien des Magazins "Focus Money" in den Jahren 2006 und 2007 zweimal hintereinander als erfolgreichster Wirtschaftsstandort in den neuen Bundesländern abschnitt.[41]
In der Stadt befinden sich
1998 fand in Ludwigsfelde die Deutsche Mathematik-Olympiade statt. In Zusammenarbeit mit der Wohnungsgesellschaft Märkische Heimat ist die Stadt im Lokalen Bündnis für Familie engagiert und erhielt 2006 den Titel „familienfreundliche Stadt“ des Landes Brandenburg. Für die Betreuung der Kinder stehen 14 Tageseinrichtungen zur Verfügung. Zudem gibt es verschiedene Spiel- und Bolzplätze und für die Jugendlichen einen Freizeittreff und einen Jugendclub. Für Senioren bietet die Stadt mehrere Begegnungsstätten und die Akademie „2. Lebenshäfte e.V.“ an.[42] Die rund 100 Vereine Ludwigsfeldes decken vom Schützenverein über Blasorchester, Förderverein, Kleingartenverein, Selbsthilfegruppe, Sportverein bis zum Wanderverein ein breites Interessen-Spektrum ab.[43]
Die Freiwillige Feuerwehr Ludwigsfelde besteht seit 1932 und verfügt neben der Feuerwache in der Kernstadt über acht Ortslöschgruppen in den Dörfern und eine Jugendfe