| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Thüringen | |
| Landkreis: | Unstrut-Hainich-Kreis | |
| Höhe: | 216 m ü. NN | |
| Fläche: | 86,34 km² | |
| Einwohner: | 36.560 (31. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 423 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 99974 | |
| Vorwahl: | 03601 | |
| Kfz-Kennzeichen: | UH | |
| Gemeindeschlüssel: | 16 0 64 046 | |
| Stadtgliederung: | 5 Stadtteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Ratsstraße 19 99974 Mühlhausen/Thüringen |
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| Webpräsenz: | ||
| Oberbürgermeister: | Hans-Dieter Dörbaum (parteilos) | |
| Lage der Stadt Mühlhausen/Thüringen im Landkreis Unstrut-Hainich-Kreis | ||
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Mühlhausen/Thüringen ist die Kreisstadt des Unstrut-Hainich-Kreises im Nordwesten Thüringens. In der Raumordnung des Freistaates Thüringen nimmt die Stadt den Rang eines Mittelzentrums mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ein. Die nächstliegenden Großstädte sind Erfurt (etwa 55 Kilometer südöstlich), Göttingen (etwa 60 Kilometer nordwestlich) und Kassel (etwa 85 Kilometer westlich). Mühlhausen war im Mittelalter nach Erfurt die zweitmächtigste Stadt im Thüringer Raum. Sie ist bekannt für die größte Stadtkirmes Deutschlands (Mühlhäuser Kirmes), welche 1877 das erste Mal stattfand.
Inhaltsverzeichnis |
Mühlhausen liegt in der Mitte Deutschlands am Nordwestrand des Thüringer Beckens. Das Stadtgebiet wird im Westen durch den Hainich und im Norden durch das Obereichsfeld begrenzt. Mühlhausen liegt an der Unstrut, einem Nebenfluss der Saale.
Die Stadt besteht aus den Ortsteilen:
(Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2006)
967 wurde Mühlhausen erstmals urkundlich als „mulinhuson“ durch Otto II. erwähnt; es war Zentrum eines bedeutenden Reichsgutbezirkes mit befestigtem Königshof, dessen Ursprünge bis in das fränkische Reich Karls des Großen zurückreichen.
Im 11. Jahrhundert begann die Entstehung der Altstadt (Marktsiedlung), im 12. Jahrhundert folgte die der Neustadt um die Marienkirche unter Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1135 söhnte sich Kaiser Lothar III. in der erstmalig so bezeichneten „villa regia“ Mühlhausen endgültig mit Konrad von Staufen aus. Mit dem Jahr 1135 ist Mühlhausen der erste Ort Thüringens, der die Stadtrechte erhielt. Heinrich der Löwe eroberte Mühlhausen, das sich zu einem bedeutenden Zentrum der Reichsgewalt entwickelt hatte, 1180.
Um 1200 wurde die Stadtmauer um die Innenstadt (49 Hektar) mit sieben Doppeltoren und 38 Wehr- und Kanzeltürmen und einer Länge von 2,7 Kilometern erbaut. Mühlhausen, ursprünglich ein königliches Kammergut, erhielt zu Anfang des 13. Jahrhunderts Münz- und Zollrecht. Gegen die Burg, auf der ein königlicher Burggraf waltete, schloss sich die Stadt in der gleichen Zeit durch Mauern ab. Um 1220 wurde das Mühlhäuser Rechtsbuch nach des Reiches Recht (das älteste Stadtrechtsbuch in deutscher Sprache) aufgezeichnet. Es war auch für die Reichsstadt Nordhausen geltendes Recht. 1251 erhielt die Stadt Mühlhausen das Recht einen Schultheißen zu ernennen und wurde dadurch freie Reichsstadt, wenn auch jenes Amt noch im 14. Jahrhundert eine Zeit lang an den Grafen von Henneberg verpfändet war. Inzwischen hatte auch die Burggrafschaft ihr Ende erreicht, und ihre Befugnisse wurden von der Stadt erworben. Unter Karl IV., also Mitte des 14. Jahrhunderts, erhielten die Zünfte Vertretung im Rat. Die freie Reichsstadt Mühlhausen war seit 1286 Mitglied der Hanse. 1292 wurde die Breitsülze, der an der Stadt entlang fließende Bach, in einem künstlichen Bachlauf zur Wasserversorgung in die Oberstadt geleitet. Dies war für mittelalterliche Verhältnisse ein ingenieurtechnisches Meisterwerk. Der Bach wurde in einem Graben von 5350 Metern Länge mit einem Gefälle von nur 0,33 Millimeter pro Meter in die Oberstadt geleitet. Die Pläne für dieses Bauvorhaben stammen von einem Mönch, welcher der Sage nach einen Pakt mit dem Teufel traf und kurze Zeit nach der Fertigstellung verschwand.
1430 trat Mühlhausen gemeinsam mit Erfurt und Nordhausen, mit diesen beiden Städten seit 1310 im Thüringer Dreistädtebund vereinigt, dem starken Goslarer Bund innerhalb der Hanse bei. 1500 wird Mühlhausen Teil des Niedersächsischen Reichskreises.
Mit dem Bauernkrieg im Jahre 1525 wurde Mühlhausen durch Thomas Müntzer und seinen Mitstreiter Heinrich Pfeiffer zum Zentrum der radikalreformatorischen Bewegung der Bauern, die durch die Stadt niedergeschlagen wurde. 1556 nahm sie die Reformation an. Nach der Niederlage der Bauern wurde der radikale Reformator Thomas Müntzer vor den Toren der Stadt hingerichtet. An dieser Stelle erinnert heute ein Denkmal an ihn. Die Stadt verlor ihre Reichsfreiheit; die Fürsten von Sachsen und Hessen wurden Schutzherren. Durch den Ankauf der Liegenschaften des Deutschen Ritterordens (1599) erwarb die Stadt einen großen Grundbesitz (im Ganzen 220 km²).
Auf dem Fürstentag zu Mühlhausen (März 1620) gab der Kurfürst von Sachsen die Sache der Union preis und erklärte sich mit den rheinischen Erzbischöfen für den Kaiser.
1707/1708 war Johann Sebastian Bach Organist an der Hauptkirche Divi Blasii (Sankt Blasius). Zum Ratswechsel am 4. Februar 1708 entstand die Kantate Gott ist mein König BWV 71 .
1802 kam Mühlhausen an Preußen, 1807 an Westfalen und 1815 wieder an Preußen. 1831 wanderte Johann August Röbling, geboren 1806 in Mühlhausen, in die USA aus und wurde dort zum Konstrukteur der größten Drahtseilhängebrücke der Welt, der Brooklyn Bridge in New York (1883). 1861 wurde Mühlhausen an das Telegrafennetz angeschlossen. 1870 wurde die Bahnstrecke Gotha-Leinefelde eingeweiht und somit ein Eisenbahnanschluss für die Stadt hergestellt. 1887 wurde sie schließlich auch an das Telefonnetz angebunden.
Am 20. Mai 1933 wurden auf dem Blobach Bücher verschiedener deutscher Schriftsteller verbrannt.
Von 1934 bis 1943 wurden im Städtischen Krankenhaus 140 Menschen Opfer von Zwangssterilisationen.
1935 wurde die Stadt im Zuge der Aufrüstung Garnisonsstadt der Wehrmacht.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde verwüstet und der Rabbiner durch Pistolenschüsse schwer verletzt. Mindestens 59 jüdische Menschen wurden bis 1945 Opfer des Holocaust.
Seit dem 1. April 1943 bis 1945 waren in der Landesheilanstalt Pfafferode mindestens 2.420 Kranke Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde in der Aktion Brandt. Seit 2000 erinnert im Foyer des heutigen Landesfachkrankenhauses ein Gedenkstein an diese Opfer.
1944 wurden in Mühlhausen zwei Außenlager des KZ Buchenwald (Martha I und Martha II) eingerichtet. Die mehr als 1.870 internierten Häftlinge wurden zur Arbeit in Rüstungsbetrieben gezwungen.
Am 4. April 1945 nahmen amerikanische Truppen die Stadt ein. Nach der Übergabe der Stadt an die Rote Armee am 5. Juli 1945 lag Mühlhausen in der sowjetischen Besatzungszone.
Nach 1945 wurden in Mühlhausen zahlreiche Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten angesiedelt, darunter auch viele aus dem böhmischen Saaz (heute Zatec). Sie bilden im Unstrut-Hainich-Kreis eine mitgliederstarke Gruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Zum 450. Todestag von Thomas Müntzer erhielt Mühlhausen 1975 den amtlichen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“. Am 21. Februar 1991 strich die Stadtverordnetenversammlung den Beinamen „Thomas-Müntzer-Stadt“ aus dem Stadtnamen und beschloss als offizielle Bezeichnung der Stadt „Mühlhausen/Thüringen“, die am 2. Mai 1991 wirksam wurde.
Im August 1976 fand in Mühlhausen die 26. Pugwash-Konferenz statt.
Am 9. November 1998 wurde die rekonstruierte Synagoge in der Jüdenstraße als Ausstellungs- und Begegnungsstätte wiedereröffnet.
Im Jahr 2005 trat Mühlhausen als erste deutsche Stadt dem Verein Deutsche Sprache bei.
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Die Stadtrat Mühlhausen besteht aus 36 Stadträten und dem Oberbürgermeister. Die Sitzverteilung stellt sich seit dem Wechsel zweier SPD-Abgeordneter zur FDP und dem Austritt einer SPD-Fraktionärin aus der SPD-Fraktion im Jahr 2006 wie folgt dar:
| CDU | : 12 Sitze |
| Die Linke | : 10 Sitze |
| SPD | : 5 Sitze |
| FDP | : 5 Sitze |
| FW-MHL | : 3 Sitze |
| parteilos | : 1 Sitz |
Der fraktionslose Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum wurde am 7. Mai 2006 wiedergewählt.
Blasonierung: Geteilt von gold und rot. Oben einen wachsenden, schwarzen, rotbewehrten Adler und unten in Rot ein silbernes Mühleisen.
Bedeutung: Der Adler verweist auf den Status der Stadt als freie Reichsstadt und das Mühleisen auf den Namensursprung der Stadt. Die Farbpaarung silber-rot im unteren Teil des Wappens ist auf den jahrhunderte langen Einfluss des Erzbistums Mainz zurückzuführen.
Der Freundschaftsvertrag zwischen Mühlhausen und Tourcoing in Frankreich wurde 1961 geschlossen und 1979 durch einen weiteren Vertrag bekräftigt. Ein gegenseitiger Austausch war aus politischen Gründen sehr begrenzt und beschränkte sich auf Besuche französischer Gäste. Am 21. Mai 1993 wurde deshalb der Vertrag erneuert. Seitdem entwickelten sich rege sportliche, kulturelle und bildungspolitische Kontakte.
Eine Besonderheit stellt der Freundschaftsvertrag mit der Stadt Eschwege in Hessen dar, denn dieser wurde nach dem Mauerfall, aber vor der Wiedervereinigung Deutschlands als erster aller deutschen Städte in dieser Zeit geschlossen. Das Ziel des am 22. Dezember 1989 geschlossenen Vertrages war die traditionell vorhandenen Gemeinsamkeiten in Kultur, Wirtschaft und Tradition neu zu beleben. Durch vielfältige Kontakte von kommunalen Einrichtungen, Vereinen und Institutionen konnte das Zusammenwachsen der Regionen gefördert werden.
Am 14. September 1990 wurde der Vertrag über eine Städtefreundschaft im Rathaus zu Münster unterzeichnet. Die ersten Kontakte wurden durch die Konditor- und Bäckerinnungen geknüpft. Während des Aufbaus der Verwaltung nach der politischen Wende leistete die Stadtverwaltung Münsters Hilfestellung durch das Bereitstellen von dringend benötigten Arbeitsmitteln und -geräten und Materialien. Verschiedene Gruppen und Initiativen haben bisher die Städtefreundschaft mit Leben erfüllt.
Am 18. März 1995 wurde der Städtepartnerschaftsvertrag mit der russischen Stadt Kronstadt geschlossen. Die Stadt war Ausgangspunkt der ersten russischen Weltumsegelung, an der der Mühlhäuser Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau teilnahm. Es werden vielfältige Beziehungen auf kulturellem, politischem, ökonomischem und wissenschaftlichem Gebiet gepflegt. Beide Städte arbeiten daran, bestehende Verbindungen auszubauen und neue herzustellen. Ein wesentlicher Aspekt der Partnerschaft sind Schüleraustausche und gegenseitige Besuche.
Eine Städtepartnerstadt mit dem US-amerikanischen Saxonburg wurde am 23. Mai 2008 abgeschlossen. Der etwa 1600 Einwohner zählende Ort im Westen von Pennsylvania wurde 1832 von dem in Mühlhausen aufgewachsenen Johann August Röbling gegründet.
Von 1840 bis 1945 hatte Mühlhausen ein bürgerliches Schauspielhaus und ein eigenes Sinfonieorchester. Das Theatergebäude wurde 1957 abgebrochen. Seit 1991 erarbeitet das Projekt 3K Kunst, Kultur und Kommunikation, zuerst unter dem Dach des Vereins Arbeiten und Lernen in Mühlhausen e.V. und seit 1998 als eigenständiger Verein, Theaterstücke, Performances, Spielaktionen mit Jugendlichen und Erwachsenen und nutzt seit 2006 das vollständig zum Theater umgebaute Gebäude der Kilianikirche am östlichen Rand der Altstadt.
Mit dem Thuringia Funpark beherbergt Mühlhausen einen der größten Skateparks in Deutschland.
Die Lage an der Unstrut und mehreren ganzjährig fliessenden Bächen erlaubte intensive Mühlenwirtschaft. Der Name der Stadt und das Mühleisen im Wappen verweisen darauf. Um 1800 sind im engeren Stadtgebiet 19 Wassermühlen nachweisbar. Das Frischwasser war auch Voraussetzung für Woll-, Tuch-, und Lederverarbeitung (Loh- und Weißgerber). In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es ca 50 lederverarbeitende Manufakturen. In Mühlhausen gefertigte Stoffe wurden u.a. von der international tätigen Großhandelsfirma Lutteroth in ganz Europa verkauft.
Im 19. Jahrhundert entwickelten sich hier ansässige Kleinunternehmen zu Industriebetrieben, so z.B. Stephan Lederwarenwerk (Fahrradsattel und Schulranzen), Binkebank & Hammer (Weberei), Claes & Flentje OHG (Nähmaschinen, Strickmaschinen, Fahrräder).
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden durch Verstaatlichungen in den Jahren 1952 bis 1972 unter anderem folgende Volkseigene Betriebe:
1952 wurde das VEB Röhrenwerk zur Produktion von Elektronenröhren gegründet. Das Werk wurde 1971 in “VEB Mikroelektronik Wilhelm Pieck Mühlhausen” umbenannt und wurde Teil des Kombinats Mikroelektronik Erfurt. Seit dem Beginn der 80er Jahre (des 20. Jahrhunderts) stellte der Betrieb elektronische Taschenrechner (darunter den einheitlichen Schultaschenrechner SR-1) her. Später kam die Produktion der verbreitetsten Heimcomputer-Serie der DDR hinzu: die sogenannten Kleincomputer KC 85/2, KC 85/3 und KC 85/4.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde im Stadtgebiet Travertin gebrochen.
Mühlhausen liegt am Kreuzungspunkt von B 247 (Leinefelde–Gotha) und B 249 (Sondershausen–Eschwege). Landesstraßen gibt es nach Anrode, Heyerode, Eisenach, Bollstedt und Menteroda.
Mühlhausen besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Gotha-Leinefelde auf der unter anderem der Regionalexpress von Göttingen über Erfurt nach Chemnitz verkehrt. In der Vergangenheit gab es außerdem Bahnstrecken nach Treffurt und Sondershausen, die inzwischen stillgelegt wurden.
Von 1898 bis 1969 verkehrte in der Stadt die Straßenbahn Mühlhausen/Thüringen.
Seit 1953 gab es in Mühlhausen eine Pädagogisches Institut, das ab 1969 ein Standort der Pädagogische Hochschule Erfurt-Mühlhausen war. Dieser Standort wurde 1990 geschlossen, der Erfurter Standort wurde 2001 in die Universität Erfurt eingegliedert.
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