Maarat an-Numan, auch Maara, Marra, Maarrat, Maʿarrat al-Numān (arabisch: معرة النعمان) ist eine kleine Marktstadt im westlichen Syrien, an der Autobahn von Aleppo (Richtung Damaskus) nach Hama. Der gegenwärtige Name ist eine Kombination aus dem traditionellen Namen und dem Namen ihres ersten islamischen Gouverneurs Al Numan ibn Bashir, einem Gefährten des Propheten Mohammed.
Heutzutage findet man in der Stadt ein Museum mit Mosaiken aus den „Toten Städten“ (Ruinen frühchristlich-byzantinischer Siedlungen), eine Moschee mit Minarett (wiederaufgebaut nach dem Erdbeben von 1170), die Madrasa „Abu al-Farawis“ von 1199 und die Überreste der mittelalterlichen Zitadelle.
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Das ebenso bekannte wie schreckliche Ereignis in der Geschichte der Stadt geschah Ende 1098, während des Ersten Kreuzzuges. Es steht in Zusammenhang mit der Belagerung von Antiochia, wo sich das Kreuzzugsheer von Oktober 1097 bis Januar 1099 aufhielt. Zunächst belagerten die Kreuzritter die Stadt und wurden nach deren Eroberung ihrerseits in der Stadt belagert. Vor allem der Winter 1097/98 traf sie völlig unvorbereitet, ohne ausreichende Verpflegung, Kleidung und Unterkünfte. Dies betraf zunächst vor allem die einfachen Kreuzzugsteilnehmer, schließlich aber auch die Ritter, nachdem unaufhörliche Beutezüge in die Umgebung keinen ausreichenden Nachschub mehr brachten. Anfangs wurden Esel und einfache Pferde zum Fleischverzehr getötet, schließlich auch die wertvollen Schlachtrösser sowie jede Art von Kleingetier, z.B. auch Hunde. Die Chronisten berichten, dass Schuhsohlen gekocht wurden. Dazu kam, dass die einfachen Kreuzzugsteilnehmer nur noch zerlumpte Gewänder besaßen und kein Dach über dem Kopf hatten:
Der fränkische Chronist und Augenzeuge Albert von Aachen berichtet:
Auf einem dieser Raubzüge erreichten die Kreuzritter unter dem Kommando von Raimund von Toulouse und Graf Robert von Flandern am 27. November 1098 auch Maarat an-Numan, das in Luftlinie etwa 100 Kilometer südöstlich von Antiochia liegt. Nachdem sie Verstärkung durch den Fürsten Bohemund bekommen hatten, eroberten sie am 12. Dezember 1098 die Stadt und plünderten sie. Die männlichen Einwohner wurden sämtlich erschlagen; die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft. Die Zahl der Opfer dieses Massakers wird in den Quellen mit 22.000 angeben. Wenn auch hier – wie stets in entsprechenden mittelalterlichen Quellen – mit stark überhöhten Zahlen zu rechnen ist, so kann doch kein Zweifel daran bestehen, dass die Zahl der Opfer ungewöhnlich hoch war. Andererseits war dies keineswegs ein Einzelfall auf dem Ersten Kreuzzug, wie letzten Endes auch die grausam blutige Eroberung von Jerusalem zeigt, über die selbst die fränkischen Chronisten mit einigem Entsetzen berichten. Albert von Aachen: "Pudet referre quod audierim, quodque dedicerim ab ipsos pudoris auctoribus." ("Es ist beschämend zu berichten, was zu hören war und was bezeugt wird von den schamerfüllten Chronisten.")[2]
Es ist jedoch nicht die Tatsache dieses Massakers an sich, die Maarat an-Numan zu trauriger Berühmtheit brachte, sondern die Begleitumstände. Denn die Eroberung der Stadt hatte die Notlage nicht abwenden können:
Der fränkische Chronist und Augenzeuge Raoul de Caen berichtet, wie mit den Getöteten umgegangen wurde:
Über diese Vorgänge schrieben der Erzbischof Daimbert von Pisa, Gottfried von Bouillon und Raimund von Toulouse bald darauf im Jahre 1100 an den Papst:
Übersetzung: „An unseren Heiligen Vater den Papst, an die Römische Kirche, an alle Bischöfe und an alle Christen:"
Der fränkische Chronist Petrus Tudebodus berichtet:
Diese Ereignisse hinterließen einen starken Eindruck bei den Einwohnern des Nahen Ostens. Die Kreuzritter bekamen den Ruf besonderer Grausamkeit und Barbarei gegenüber Moslems, Juden und sogar orthodoxen (nicht-katholischen) Christen (denn die Kreuzzüge begannen ja bald nach dem Großen Schisma von 1054. Noch Jahrhunderte nach diesen Ereignissen war ihr Bild als fanatische Kannibalen in der arabischen Literatur lebendig, und die Kreuzritter werden noch heute in vielen nahöstlichen Ländern als „Kannibalen“ bezeichnet. Manche arabische Autoren deuten an, dass das Verhalten der Kreuzritter nicht aus dem Hunger entstand, sondern aus ihrem fanatischen Glauben, dass die Moslems noch tiefer als die Tiere stünden.
Ohne Kenntnis dieser Ereignisse und ihrer Verarbeitung in islamischer Sicht ist es für den Blick aus dem Westen nicht ohne Weiteres verständlich, warum Al Quaida und Kombattanten so erfolgreich den Kampf gegen die "Kreuzritter"" propagieren. Der Sachbuchautor Amin Maalouf, libanesischer Christ, in Paris lebend und mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, hat die Absicht seines Werks "Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber" [6] wie folgt erklärt:
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