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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Mohr (Begriffsklärung) aufgeführt. |
Der Begriff Mohr ist eine seit dem Mittelalter und heute selten verwendete negativ konnotierte Bezeichnung für Menschen mit dunkler Hautfarbe, zum Beispiel historisch in Bezug auf Kuschiter und Mauren oder später allgemeiner für Schwarzafrikaner. Der Versuch, zwischen schwarzafrikanischen „Negern“ und weißafrikanischen „Mohren“ im Zuge der Rassentheorien zu differenzieren, ist heute obsolet.
Ursprünglich bezeichnete das mittelhochdeutsche Wort mōr[1] einen Mauren. Der Begriff Maure stammt allerdings vom Griechischen μαῦρος, was soviel wie „schwarz, dunkel, dunkelhäutig, dunkelhaarig“ bedeutet. Mauretanien bedeutet daher zunächst das Land der Dunkelhäutigen. Das lateinische maurus kennzeichnet in aller Regel bereits den Mauren als Herkunftsbezeichnung (aus der Provinz Mauretania bzw. dem Königreich Mauretanien).
Im Mittelhochdeutschen wurde dann nicht selten zwischen swarzer mōr („Maure mit dunkler Hautfarbe“) und mōr („Maure“) differenziert. Sogar heute noch findet sich im Deutschen die Bezeichnung schwarzer Mohr, was man aber eher als unnötige Doppelung oder als literarische Betonung empfindet. Sehr früh belegt ist auch die Verbindung von mōr und Ethiops.
Andererseits wurden jedoch sowohl das einfache mōr als auch hellemōr („Höllenmohr“) als Synonyme für den Teufel verwendet, den man sich damals mit schwarzer Hautfarbe vorstellte. So dichtete Walter von der Vogelweide: „Nun lehret ihn sein schwarzes Buch, das ihm der Hölle Mohr gegeben hat und aus ihm lesen sie nun vor.“ Von Anfang an ist also eine ambivalente Bedeutung zwischen Herkunft und Hautfarbe gegeben. Da zugleich das griechische Wort μωρός moros („töricht, dumm, gottlos“) mitschwingt, wurde der Begriff schon sehr früh als mehrfaches Stereotyp verwendet.
Erst im 16. Jahrhundert erwarb das Wort Mohr im Deutschen die ausschließliche Bedeutung eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe, während der Maure fortan als solcher bezeichnet wurde. Als im 18. Jahrhundert der Ausdruck „Mohr“ dann zunehmend durch den Begriff „Neger“ ersetzt wurde, kam es dabei auch zur Gegenüberstellung von edlem Mohr (vorkoloniale Vorstellung) und primitivem Neger (koloniale Vorstellung).
Die Bezeichnung Mohr für einen Menschen dunkler Hautfarbe wird heute nur noch in historischen Zusammenhängen verwendet. Wie auch der Ausdruck „Neger“ kann „Mohr“ als ein rassistisch diskriminierender Ausdruck verstanden werden.
In den meisten anderen europäischen Sprachen gibt es keinen Unterschied zwischen „Mohr“ und „Maure“.
Im Französischen wird sowohl le more als auch le maure (auch Lemaure) in der Regel als „der Maure“ verstanden. In den aktuellen Wörterbüchern gilt die Schreibweise mit o daher lediglich als orthographische Variante.[2]
Die Sarden nennen die vier „Mohren“ auf ihrem Wappen und auf ihrer Fahne Sos Bator Moros, wobei Moru mit Braun- bzw. Dunkelhäutiger zu übersetzen ist.[3]
Die Korsen sprechen entsprechend von U Moru. Beides ist im Deutschen eher mit „der Maure“ zu übersetzen als mit „der Mohr“.
Im Italienischen bedeutet il moro zunächst der Mohr im Sinne von „der Dunkle“ (siehe Ludovico Sforza) oder Schwarzbraune[4] , nicht aber „der Schwarze“ (il nero). Es ist eine Bezeichnung, die eher auf die dunkelhäutigen Mauren bezogen wird, denn auf Schwarzafrikaner.
Im Spanischen ist el moro ebenfalls nicht der Mohr, sondern historisch eine Bezeichnung für die arabisch-muslimischen Mauren, die Spanien zwischenzeitlich erobert hatten.[5] Heute wird es hauptsächlich als negativ besetztes bis diskriminierendes Wort für muslimische Araber allgemein verwendet. In diesem Zusammenhang ist auch der Beiname „Matamoros“ für den heiligen Jakobus den Älteren zu sehen, der in der Übersetzung und Ikonographie meist als Maurentöter bzw. Maurenschlächter, nur selten als Mohrentöter bzw. Mohrenschlächter wiedergegeben wird.
Auch im Englischen wurden früher mit „the Moors“ die mittelalterlichen muslimischen Einwohner von al-Andalus, also der Iberischen Halbinsel, und des Maghreb bezeichnet, deren Kultur moorish genannt wird.[6] Der Mohr als schwarzer Afrikaner ist im Englischen dagegen analog zum Mittelhochdeutschen the blackamoor.[7]
Begegnungen zwischen Europäern nördlich der Alpen und Afrikanern hatten bis ins 18. Jahrhundert Seltenheitswert. Zwar lebten und kämpften in der Römerzeit auch dunkelhäutige Afrikaner als Soldaten der römischen Armee in Mitteleuropa, doch endete dies mit der Zeit der Völkerwanderungen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind bildliche Darstellungen von Menschen schwarzer Hautfarbe nördlich der Alpen daher eine bemerkenswerte Ausnahme, während in den italienischen Staaten wie der Republik Venedig der Kontakt zu Afrika nie abriss.
Selten beruhen mitteleuropäische Darstellungen von „Mohren“ auf tatsächlichen Begegnungen, weit eher auf Reisebeschreibungen und überlieferten Darstellungen. Historische Abbildungen von Mohren folgen daher oft einem Stereotyp: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen oder anderen Attributen „wilder Völker“.
Zahlreiche Wortprägungen, historische Namen, Wappen und Abbildungen haben dieses Bild des „Mohren“ bis heute erhalten, auch wenn der Begriff nicht mehr gebräuchlich ist.
Erst seit der Kolonialzeit kommen diese „Mohren“ aus Afrika und Amerika als Sklaven an die europäischen Höfe. An Fürstenhöfen, aber auch bei reichen Bürgern, wird es bis ins 18. Jahrhundert eine Prestigesache bleiben, „Hofmohren“ zu haben, gewöhnlich als Kammerdiener („Kammermohren“) oder soldatisch gekleidete, eher zur Zier dienende Wachen. Viele andere kamen auch zum Militär, meist als Spielleute.
Bekannte Mohren sind beispielsweise Anton Wilhelm Amo († nach 1753), der „hochfürstliche Mohr“ Angelo Soliman († 1796) und Ignatius Fortuna († 1789). Soliman endete makabrerweise als ausgestopftes Präparat in der Sammlung des Naturhistorischen Museums [8]
Schließlich dienten einige von ihnen auch als Ausstellungsattraktionen auf Jahrmärkten und speziellen Völkerschauen (beispielsweise seitens der Firma Hagenbeck, die heute für ihren Tierpark bekannt ist).
Im Jahr 1784 erschien Samuel Thomas von Soemmerrings Buch Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer. Offiziere aus Hessen-Darmstadt hatten dem Mediziner Körper von in Deutschland verstorbenen Sklaven zur Sezierung überlassen. Diese „Mohren“ waren aus Amerika mitgebracht worden, sind hier aber an der mangelnden klimatischen Anpassung, durch Infektionskrankheiten oder durch Selbstmord gestorben. Aufgrund seiner mangelhaften Methodik glaubte von Soemmerring, das bereits gängige Vorurteil, dass Mohren bzw. Neger intellektuell und körperlich näher beim Affen seien als europäische Männer, „bestätigen“ zu können.
Aus der Sicht von May Ayim, eine der Pionierinnen der afro-deutschen Bewegung und der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland übt in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an der christlich-abendländischen Farbsymbolik, die die Farbe Schwarz von jeher mit dem Verwerflichen und Unerwünschten in Verbindung gebracht habe.
Heute wird der Begriff „Mohr“ mit Menschen aus Subsahara-Afrika in Verbindung gebracht, der historische Sprachgebrauch zielt dagegen auf Menschen aus nordafrikanischen Regionen, vor allem aus Nordostafrika (Äthiopien, Eritrea, Abessinien, Aksum, Nubien) und Nordwestafrika (Mauretanien, Westsahara, Mali, Marokko, Algerien, siehe Bidhan).
Im Deutschen hat das Wort „Mohr“ allem Anschein nach historisch eine stärkere Affinität zum altgriechischen Wortes ethiopos (für verbranntes Gesicht). Die Identifizierung von Mohren mit Mauren kommt von der zugrundeliegenden Lautähnlichkeit und dem spanischen Einfluss, wo moro aus historischen Gründen das Wort für den arabisch-islamischen Mauren ist.
Wenn im Mittelalter, so zum Beispiel auch im Zusammenhang mit dem "Freisinger Mohr", latinisiert von caput aethiop(i)s bzw. caput ethiopicum die Rede ist, hat dies im damaligen Kontext daher nicht unmittelbar etwas mit Äthiopien zu tun, sondern ist bereits allgemein mit „Mohrenkopf“ zu übersetzen.
In diesem Sinne übersetzt auch Martin Luther das Land Kusch, das sich südlich an Ägypten anschloss (Ezechiel 29,10) und im griechisch-römischen Sprachraum den Namen Äthiopien erhielt (so auch in der Septuaginta), konsequent mit „Mohrenland“. Dabei gibt der Prophet Jeremia (Jer 13,23) den Ausschlag, wo es heißt: „Kann etwa der Kuschite seine Haut wandeln oder der Panther seine Flecken?“. Auch hier steht bei Luther „der Mohr“. Der Prophet Jesaja hat dagegen bei seiner Beschreibung der Kuschiten (Jes 18) nicht auf die Hautfarbe angespielt, sondern stattdessen auf ihre Körpergröße („hochgewachsen“) und Unbehaartheit („blank“). Im Blick auf den äthiopischen Kämmerer scheint Luther außerdem die Begriffe „Morgenland“ und „Mohrenland“ miteinander zu identifizieren.
1670 schrieb Jeronimo Lobo über die „wahre Beschaffenheit des Mohrenlandes, sonderlich des abbysinischen Kayserthums“. Andererseits verstand Giovanni Antonio Cavazzi da Montecuccolo 1694 bei seiner historischen Beschreibung des „occidentalischen Mohrenlandes“ darunter neben anderen Gebieten die drei Königreiche Congo, Matamba und Angola. 1728 erschien erstmals in Deutsch der Bericht von Bartolomeo de Rogatis Von dem Verlust des Königreichs Spanien und dessen Wieder-Eroberung aus denen Händen der Mohren, womit wiederum die Mauren gemeint sind.
1894 wurde das Buch Dr. Adschai Samuel Crowther, der erste evangelische Neger-Bischof, oder Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott veröffentlicht. Hier liegt also auch Nigeria im Mohrenland.
Sogar Anfang der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts erschienen noch Titel wie Als Mohrenland noch christlich war ... (G. von Massenbach, 1933), Der Erstling aus Mohrenland (Biographisches von Samuel Ali Hussein, 1932) oder Altes und Neues aus dem Mohrenland (Kirchen- und Missionsgeschichtliches von Christoph Schomerus, 1934), wobei hier sowohl „Mohr“ und „Neger“ austauschbar werden als auch zunehmend ganz Afrika zum „Mohren-“ bzw. „Negerland“ wird.
Die Sibylle Agrippina wird als einzige unter den Sibyllen als Mohrin im Purpurgewand dargestellt.[10]
Da Luther in seiner Bibelübersetzung die Kuschiter generell mit Mohren identifizierte, gelten heute auch einige biblische Gestalten als Mohren bzw. Mohrinnen. Dagegen sprechen die Einheitsübersetzung von Kuschitern und die King James Bible von Äthiopiern.
Moses heiratete eine Kuschitin (siehe Zippora). Die entsprechende Passage im Buch Numeri 12,1 heißt bei Luther: „Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum dass er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte...“
Auch beim kuschitischen Heereszug gegen König Asa (2 Chr 14,7-8) ist bei Luther vom „Sieg Asas über die Mohren“ die Rede und von deren Anführer „Serah, der Mohr“. Im Zweiten Buch der Könige (19,9) und in Jesaja (37,9) nennt er Thirhaka „König der Mohren“ bzw. „der Mohren König“. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Taharqa, König von Kusch bzw. Nubien. [11]
In der Apostelgeschichte (Apg 8,26) ist von einem äthiopischen Kämmerer der Königin Kandake - bei Luther aus dem „Mohrenland“ - die Rede, der vom Diakon Philippus getauft wird. Dieser Mohr gilt als Gründer, Philippus als Vater der äthiopischen Kirche. Schon der Kuschite, bei Luther wieder „Mohr“, Ebedmelech war zu Zeiten des Propheten Jeremia als Hofkämmerer beschäftigt (Jer 38-39). Immerhin rettet dieser den Propheten aus der Zisterne.
Anders verhält es sich in Bezug auf das Hohenlied der Liebe, das allgemein dem König Salomo zugeschrieben wird. Er beschreibt dort seine Geliebte als dunkelhäutig (1,5-6): „Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomos. Sehet mich nicht an, dass ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt.“ Aufgrund dieser Beschreibung, also nicht aufgrund einer Übersetzung folgte der Schluß, dass es sich um eine Mohrin handeln müsse.
Diese Figur wird der Tradition gemäß mit der Königin von Saba identifiziert. Daher haben mittelalterliche Künstler geschlossen, dass die Königin von Saba eine Mohrin gewesen sein müsse. Eine frühe und recht eindrückliche Darstellung in diesem Sinne findet sich im romanischen Verduner Altar in Klosterneuburg aus dem Jahr 1181.[12]
Und ebenfalls am Ende des 12. Jahrhunderts findet sich eine Statuen-Darstellung der Königin als mittelalterliche Prinzessin durch Antelami Benedetto in Parma (um 1196-1216), dunkelhäutig mit blondem Haar. [13]
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Königin von Saba als Mohrin in Konrad Kyesers Bellifortis, 1405 |
Königin von Saba und Salomon |
Königin von Saba, 1862 |
Vermutlich in der allegorischen Übertragung des Hohenliedes auf Jesus (Gott) und Maria (Kirche) und in Anlehnung an die Darstellungen der Königin von Saba kam es zu Darstellungen von Maria, der Mutter des Jesus von Nazareth, als Mohrin, siehe Schwarze Madonna. Die ältesten, der Legende nach wie viele Ikonen dem Evangelisten Lukas zugeschriebenen, Bildnisse von Schwarzen Madonnen, stammen wohl aus dem 6. bis 9. Jahrhundert, die entsprechenden Statuen aus dem 12 und 13. Jahrhundert. Die Tradition von Oropa im Piemont erzählt davon, dass der heilige Bischof Eusebius von Vercelli († 381) im 4. Jahrhundert, nach seiner Teilnahme am Konzil von Nicaea, eine Schwarze Madonna mitgebracht und in die von ihm gegründete Klosterzelle gebracht habe. Die heute dort verehrte Statue stammt dagegen eher aus dem 13. Jahrhundert.[14]
Siehe auch: commons:Category:Black Madonna
Einer der Heiligen Drei Könige wird seit dem 12. Jahrhundert, verstärkt seit etwa Anfang des 14. Jahrhundert[15] als schwarzer Afrikaner dargestellt. Hintergrund ist die schon ältere Auffassung von Augustinus und Hrabanus Maurus, dass die drei Könige Nachfahren der drei Söhne Noahs seien und die drei damals bekannten Erdteile repräsentieren.
Je nach Region und Tradition unterschiedlich wird Caspar (der „jüngste“ König, der Weihrauch bringt), Melchior (unter anderem in der Geschichte König Melchior von Karl Heinrich Waggerl) oder Balthasar als Mohr dargestellt. Zunächst war es wohl überwiegend Balthasar, der auch als König von Saba aufgefasst wurde, doch später in der Volkstradition am häufigsten Caspar, der diese Kennzeichnung erhielt.[16] Die Volkstradition kann sich zudem auf Pseudo-Bedas Codex Vaticanus (traditionell ins 10. Jh. dateiert) berufen, wo Kaspar als Mohr genannt wird.[17]
Die dunkle Hautfarbe, die man dem König zuschrieb, entstammt wohl einer Fehldeutung eines überlieferten Textes. Dennoch hat sich die Darstellung eines Königs als Mohr in der Bildenden Kunst bis heute erhalten und ist, wenn auch zunehmend weniger, an Kostümen beim Dreikönigsfest zu sehen.
Besonders eindrückliche Darstellungen, bei denen sich zudem chronologisch der dunkelhäutige zum schwarzen König entwickelt, finden sich:
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Darstellung in einem Tiroler Wappenbuch aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Dort wird zwar der König selbst hellhäutig, auf der Wappenfahne jedoch ein Mohr dargestellt.[26]
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Dreikönigsbild des Wildunger Altars von Conrad von Soest, 1403 |
Epiphanie von Hieronymus Bosch, um 1475/80 |
Krakauer Hochaltar von Veit Stoß, vor 1489 |
Albrecht Dürer, 1504 für Wittenberg, jetzt Uffizien zu Florenz |
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Dreikönigsbild des Meister von Meßkirch, um 1538 |
Im Blick auf den Mohrenkönig wird auch im religiösen Brauchtum des Sternsingens ein König geschwärzt. Auf diesen Brauch abhebend zeigt eine bundesdeutsche Briefmarke von 1971 einen Mohrenkönig.
Der hl. Mauritius († um 290), der - ähnlich wie auch der Hl. Maurus aufgrund seines Namens in langer Tradition als Mohr gesehen wurde. Nicht selten wurde im deutschen Alltagssprachgebrauch aus dem Vornamen Mauritius bzw. Maurus die geschliffene Kurzform Mohr.
Mauritius war zunächst Schutzpatron Burgunds. Nach der Heirat Otto I. 951 mit Adelheid, der Tochter von König Rudolf II. von Burgund, schenkte dieser zum Weihnachtsfest 960 die Reliquien des hl. Mauritius aus der Abtei Saint-Maurice im Schweizer Kanton Wallis für den Magdeburger Dom, der der hl. Katharina von Alexandrien und dem hl. Mauritius geweiht ist. Dort befindet sich auch eine der ältesten figürlichen Statuen des hl. Mauritius, auf denen er ebenfalls als Mohr dargestellt ist. Er gilt als zugrundeliegende Figur für das Wappen von Coburg. Mauritius findet sich auf dem ältesten Siegel der Stadt Ingolstadt von 1291, aber wohl nicht als Mohr.[27] Außerdem gilt er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als zugrundliegende Figur im Wappen der Adelsfamilie Wolffskeel bzw. Grumbach.
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Mauritiusschrein (12. Jh.), Abtei Saint-Maurice |
Kopf des Hl. Mauritius im Magdeburger Dom |
Kopf des Hl. Mauritius von Matthias Grünewald (1475-1528) |
Kopf des Hl. Mauritius, ebenfalls von Grünewald |
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Hl. Katharina, um 1401 |
Moses der Äthiopier ist ein christlicher Einsiedlermönch in Ägypten, Glaubensbote bei den Sarazenen und späterer Bischof. Er wurde um 320 in Athiopien geboren und starb dort um 390/395. Als Äthiopier hatte er dunkle Hautfarbe und galt daher als "Mohr".
Die schöne Sarazenenkönigin Belakane in Wolfram von Eschenbachs Parzival ist eine Mohrin.[32]. Ihr und Gahmurets Sohn Feirefiz wird als Elster-Mischling vorgestellt („schwarz-weiß-gescheckt“). Der Sohn von Feirefiz und Repanse de Schoye wird dereinst der sagenumwobene Priesterkönig Johannes sein. Die Spekulationen über einen historischen Hintergrund dieser Figuren sind vielfältig und umstritten.
Herzog Ludovico Sforza (1452-1508) hat bei den Italienern den Beinamen il Moro („der Dunkle“), ebenso wie Herzog Alessandro de Medici (1510-1537), wobei bei ihm il Moro meist mit „der Maure“ wiedergegeben wird.
Der Mohr von Venedig, der später durch Shakespeares Schauspiel Othello und durch die Opern von Gioacchino Rossini (1816) und Giuseppe Verdi (Otello, 1887) bekannt wurde, war ursprünglich nur dem Familiennamen, nicht der Hautfarbe nach ein Mohr. Er hieß Cristoforo bzw. Cristofalo Moro und zog 1505 als Gouverneur der Republik des heiligen Markus nach Zypern, um dort die Insel gegen die heidnischen Türken zu verteidigen. Als er nach drei Jahren zurückkehrte, starb auf der Rückfahrt seine Frau, was ihn in tiefe Trauer stürzte. Die Sage hat daraus einen wirklichen Mohren gemacht, der als Befehlshaber von Zypern seine Frau aus Eifersucht ermordet hat.
1692 wurde vom Kapuziner-Missionar Dionigi de Carli eine davon unabhängige Schrift mit dem Titel Der nach Venedig überbrachte Mohr in Deutsch veröffentlicht.
Benedikt der Mohr (um 1526 in San Fratello bei Messina in Italien, † 4. April 1589 in Palemero auf Sizilien) war Ordensoberer in Palermo und wurde 1807 von der katholischen Kirche heilig gesprochen.
Der Mohr Peters des Großen mit Namen Abraham Petrowitsch Hannibal[33] war ein abbessinischer Fürstensohn und Vorfahr von Alexander Sergejewitsch Puschkin. Puschkin hat dessen Lebensschicksal in einem Roman ausgestaltet. Ibrahim Hannibal wurde 1707 getauft, wurde vom Zaren wie ein Sohn geliebt, fiel aber in Ungnade, als er sich nicht verheiraten lassen wollte. Über diesen Mohren wurde 1976 im Stile eines Märchens der russische Film Wie Zar Peter seinen Mohren verheiratete gedreht.
In mittelalterlichen Schachbüchern wird der Schwarze König als Mohr charakterisiert, so zum Beispiel im Konstanzer Schachzabelbuch von 1479 (heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien).[34]
Die Fasnet in Riedlingen an der Donau kennt einen Mohren, die Riedlinger selbst sind die dazugehörigen „Mohrenwäscher“. Für diesen Umstand wird folgende Geschichte als Begründung angeführt: In Riedlingen gastierte einmal ein Zirkus, bei dem unter anderem ein Schwarzer, ein „Mohr“ war. Da die Einwohner Riedlingens bislang noch nie einen Schwarzen gesehen hatten, glaubten sie, es handle sich dabei um einen Weißen, der sich nicht gewaschen habe. Sie packten ihn, brachten ihn zum Marktbrunnen und versuchten, den Mohr weiß zu schrubben, was jedoch nicht gelingen wollte.
Bereits ein alter Wappenschild der Grafen von Kirchberg zeigt eine gekrönte Frauengestalt (Jungfrau) mit vermutlich dreiblütiger Blume (Rose, Lilie oder Distel) in der Hand[35], die zu dieser Zeit als Symbol der Trinität steht, weshalb ein Bezug zu Maria möglich erscheint. Auf einem Siegel des Grafen Konrads von Kirchberg auf einer Urkunde des Klosters Wiblingen aus dem Jahr 1313 hält die gekröhnte Jungfrau (Mohrin) eine Kugel in der rechten Hand.
Bei den Kirchbergern erhält die Mohrin spätestens ab dem 15. Jahrhundert statt einem „schwarzen Hut“ eine Bischofsmütze, zunächst anstelle der Krone auf dem Kopf, dann in die Hand. Dies hat allem Anschein nach Eberhard von Kirchberg veranlasst, nachdem er 1407 Bischof von Augsburg geworden war.
Eine Frau mit Mitra zeigt aber noch das Wappen von:
Auch das Wappen der Grafen von Fugger, Kirchberg und Weißenhorn zeigt diese Mohrin mit Mitra [40] [41]
Der Eichstätter Fürstbischof Raymund Anton Graf von Strasoldo (1757–1781) hatte nach allgemeiner Deutung in zwei Vierteln seines Wappens das Brustbild einer Mohrin mit silberner Stirnbinde mit abflatternden Bändern sowie roten Ohrringen. Das Stammwappen derer von Strasoldo zeigt noch einen wachsenden Äthiopier mit kurzen und eine wachsende Äthiopierin mit langen Haaren. 1641/1673 kommt beim Äthiopier eine silberne Kopfbinde hinzu, dann auch bei der Äthiopierin.[42]
Der Wappenschild der Ebersteiner wird seit etwa dem 15. Jahrhundert geziert von einem offenen Turnierhelm, der wiederum eine weiß bekleidete, goldgekrönte und mit einer weißen Kopfbinde (Zindelbinde) nach orientalischer Art versehene Mohrin ohne Arme als Helmaufsatz trägt. Mitunter wurde die Auffassung vertreten, dieses Element rühre von einer im Zuge der Kreuzzüge gefangen genommene Mohrenprinzessin her. Da die Ebersteiner seit 1303 als Marschalle des Hochstifts Würzburger Vasallen waren, reichten auch sie einem Aufruf folgend das Wappen 1540 an ihren Lehenhof ein. Dennoch findet sich wie schon vor 1540 auch später - vor allem in der Gehofener Linie - noch statt der weißen Kopfbinde ein Zopf oder sogar wehende Haare und statt dem weißen Kleid ein blaues.[43]
Wolffskeel´scher Mohr[44]: Das Wappen der Adelsfamilie Wolffskeel zeigt einen nach rechts schreitenden Mohr mit drei roten Rosen. Es erscheint erstmals beim Würzburger Fürstbischof Wolfram von Grumbach (1322-1333). Der Tradition nach handelt es sich um den hl. Mauritius. Er soll durch Ritter Eberhard von Wolfskeel, den Stammvater der Wolfskeels, in das Wappen gekommen sein.
Die Grabsteine Bischofs Wolframs und seines Neffen Otto II. von Wolfskeel (†1345), der ihm 1333 als Bischof von Würzburg nachfolgte, sind im Würzburger Dom zu sehen. Zwei weitere Grabsteine befinden sich heute im Mainfränkischen Museum:
Grumbach´scher Mohr: Die Grumbachs sind gleichen Ursprungs mit den Wolfskeels und führten anfangs auch das gleiche Wappen.
So findet sich auch der Mohr im Wappen und somit auf dem Zeremonienschwert und auf Münzen des Würzburger Fürstbischofs Johann III. von Grumbach (Bischof von 1455-1466).[47] [48] Als die Wolfskeels eine Wappenänderung forderten, um sich von den ihnen bald unbeliebten Grumbachs unterscheiden zu können, legte Kaiser Maximilian 1492 fest, dass der Mohr der Grumbacher nach links, der Mohr der Wolfskeels nach rechts schreiten soll.
Das Mohrenwappen findet sich auch auf den zumeist von Riemenschneider gefertigten Grabmälern folgender Grumbacher Adeligen:
Auch einige andere Ortswappen ehemaliger Besitzungen der Wolffskeels und Grumbachs zeigen daher auch einen derartigen Mohren.
Davon abhängig ist zum Beispiel der Mohr von Uettingen und der Mohr von Unterpleichfeld.
Bis 1974 befand sich der Wolffskeel´sche Mohr auch im Wappen des Landkreises Würzburg
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Wappen von Uettingen mit dem Wolffskeelschen Mohr |
Wappen von Unterpleichfeld mit dem Wolffskeelschen / Grumbachschen Mohr |
Altes Landkreiswappen Würzburg von 1957 - 1974 |
Freisinger Mohr: Auch das Bistum Freising und der Landkreis Freising tragen einen „Mohren“ im Wappen. Der gekrönte Afrikaner („caput aethiopis“) erschien zum ersten Mal 1284 im Wappen des Bischofs Emicho Wildgraf von Wittelsbach (1283–1311). Der Titel „Wildgraf von Wittelsbach“ verdeckt, dass er väterlicherseits von den Kyrburgern und über seine Großmutter von den Kirchbergern abstammt. Bereits sein Onkel Konrad war Bischof von Freising († 1278), so dass ein Bezug zum Kirchberger Wappen naheliegt.
Der Legende nach wurde aber bereits vorherigen Bischöfen, insbesondere Bischof Otto von Freising im Zuge seiner Teilnahme am zweiten Kreuzzug, der Mohr im Wappen verliehen. Ende des 15. Jahrhunderts ordnete man zum Beispiel auf einer Wandmalerei Otto von Freising selbstverständlich einen Mohren zu. 1586 weist der Maler Stephan Andreas Mayr ihm allerdings ein anderes Wappen mit zwei Mohren zu.[53]. Auch dieses Bild befindet sich in Klosterneuburg.
Nach einer verbreiteten Interpretation entstand der Mohr aber aus der Fehldeutung einer Darstellung, auf der eigentlich einfach ein gekröntes Haupt dargestellt war, mit dem Bischof Emicho die Reichsunmittelbarkeit seines Gebiets anzeigen wollte. Denkbar ist, dass es sich eigentlich um ein Porträt des Rudolf von Habsburg oder von Emicho selbst handelte. Eine weitere mögliche Herleitung ist der Bezug auf eine Stelle in der Apostelgeschichte, wo ein äthiopischer Kämmerer von dem Apostel Philippus getauft wird (Apg. 8,26).
In kolorierter Fassung wurde er dann im Jahr 1316 – eindeutig als „Mohr“ – auf dem Deckblatt des Haus- und Notizbuches von Bischof Konrad III. (1314–1322) abgebildet. Bis zur Auflösung des Hochstifts Freising im Jahr 1803 stand er dauerhaft im Wappen der Bischöfe von Freising. Ab 1846 durfte das neue Erzbistum München-Freising den Mohren wieder im Wappen tragen.
Auch Sebastian Münsters Cosmographie Universalis mit einem Freisinger Stadtbild von 1550 trägt ein Wappen, das in zwei Wappenvierteln Mohren zeigt, allerdings mit zwei unterschiedlichen Gesichtern.[54]
Wappen mit dem „Freisinger Mohr“ haben einige Städte und Orte, die früher dem Hochstift Freising angehörten:
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Wappen des Landkreises Freising |
Wappen der Gemeinde Eching (Landkreis Freising) |
Wappen von Fahrenzhausen (Landkreis Freising) |
Wappen der Gemeinde Zolling (Landkreis Freising) |
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Wappen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen |
Wappen der Gemeinde Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) |
Wappen der Gemeinde Pastetten (Landkreis Erding) |
Wappen der Gemeinde Wörth (Landkreis Erding) |
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Ismaninger Wappen (Landkreis München) |
Unterföhringer Wappen (bei München) |
Wappen der Gemeinde Huisheim (Landkreis Donau-Ries) |
Wappen der Statutarstadt Waidhofen an der Ybbs (Niederösterreich) |
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Wappen von Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) |
![]() Wappen von Neuhofen an der Ybbs (Niederösterreich) |
![]() Wappen von Oberwölz Stadt (Steiermark) |
![]() Innichen (Südtirol) |
Das Mittenwalder Wappen ist insofern von besonderem Interesse, weil es in der Frühform (ab 1408) ein Frontalporträt eines Mohrenkopfes bietet.[55]
Zusätzlich in Niederösterreich:
Viele Freisinger Bischöfe haben den Mohren in ihr Wappen übernommen, zum Beispiel:
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Porträt von Bischof Albrecht Sigismund von Bayern mit Mohrenwappen über Portal |
Gedenkstein für Kardinal Faulhaber |
Wappen von Papst Benedikt XVI. mit dem „Freisinger Mohr“ |
Wappen von Erzbischof Reinhard Marx mit dem „Freisinger Mohr“ |
Lauinger Mohr: In Lauingen (Schwaben) findet sich bereits ein altes Siegel von 1270 im Stadtarchiv, das einen Männerkopf mit langem Haupthaar, Bart und Bügelkrone zeigt, wobei es sich vermutlich um Friedrich Barbarossa handelt. 1451 wendet sich der seither mehrmals veränderte Kopf nach rechts ins Profil. Dabei ist erstmals deutlich ein Mohrenkopf mit Halskette, Ohrring und Mauerkrone zu erkennen. Lauingen ist neben Eisenberg auch die Stadt, die gerne als Mohrenstadt bezeichnet wird.
Eine im Hofturm der Stadt Lauingen abgemalte Sage berichtet dagegen: Zur Zeit, als die Heiden oder Hunnen bis nach Schwaben vorgedrungen waren, rückte ihnen der Kaiser mit seinem Heere entgegen und lagerte sich unweit der Donau zwischen Lauingen und dem Schloß Faimingen. Nach mehreren vergeblichen Anfällen von beiden Seiten kamen endlich Christen und Heiden überein, den Streit durch einen Zweikampf entscheiden zu lassen. Der Kaiser wählte den Marschall von Calatin (Pappenheim) zu seinem Kämpfer, der den Auftrag freudig übernahm und nachsann, wie er den Sieg gewiß erringen möchte. Indem trat ein unbekannter Mann zu ihm und sprach: "Was sinnst du? Ich sage dir, daß du nicht für den Kaiser fechten sollst, sondern ein Schuster aus Henfwil (später Lauingen) ist dazu ausersehen." Der Calatin versetzte: "Wer bist du? Wie dürfte ich die Ehre dieses Kampfes von mir ablehnen?" – "Ich bin Georg, Christi Held", sprach der Unbekannte, "und zum Wahrzeichen nimm meinen Däumling." Mit diesen Worten zog er den Däumling von der Hand und gab ihn dem Marschall, welcher ungesäumt damit zum Kaiser ging und den ganzen Vorfall erzählte. Hierauf wurde beschlossen, daß der Schuster gegen den Heiden streiten sollte. Der Schuster übernahm es und besiegte glücklich den Feind. Da gab ihm der Kaiser die Wahl von drei Gnaden sich auszubitten. Der Schuster bat erstens um eine Wiese in der Nähe von Lauingen, daß diese der Stadt als Gemeingut gegeben würde. Zweitens, daß die Stadt mit rotem Wachs siegeln dürfte (welches sonst keinem mittelbaren Ort verstattet war). Drittens, daß die Herrn von Calatin eine Mohrin als Helmkleinod führen dürften. Alles wurde ihm bewilligt und der Daumen St. Georgs sorgfältig von den Pappenheimern aufbewahrt, die eine Hälfte in Gold gefaßt zu Kaisheim, die andre zu Pappenheim.[73]
Diese Sage legt nahe, dass es sich beim Lauinger Mohren ebenfalls um eine Mohrin handelt und das Wappen in direkter Verbindung zum Pappenheimer Wappen steht.
Pappenheimer Mohr und Pappenheimer Mohrin: Das Stadtwappen von Pappenheim zeigt einen Mohrenkopf mit gekräuseltem Haar und einer Stirnbinde. Die Pappenheimer Marschälle haben diese Figur in ihre Helmzier aufgenommen. Auf den ältesten Siegeln der Marschälle findet sich ein edler Kaiserkopf (1251), der wohl eher das Haupt des Hiero von Syrakus darstellt. Dieser Männerkopf trägt auf einem Stadtsiegel 1335 eine Stirnbinde. Aufgrund einer vergröbernden Darstellung sei aus dem ursprünglichen Kaiserkopf ein Mohrenkopf geworden, so auf einem Siegel 1378, wobei auf dem recht fratzenhaften Gesicht eine hohe dreizackige Krone sitzt.
Interessant ist, dass diesem Kopf im 15. Jahrhundert - in Übereinstimmung mit der von den Brüdern Grimm übermittelten Sage - ein weiblicher (!) Oberkörper beigefügt wird, der im 16. Jahrhundert einen Zopf oder zwei abstehende Zöpfe hat[74] und später eine Mohrin wird. [75][76]
Coburger Mohr (14. Jahrhundert): Einen „Mohren“ zeigt das Stadtwappen von Coburg. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Darstellung des Stadtpatrons Hl. Mauritius. Denn die älteste Kirche Coburgs ist die Morizkirche. Sie geht zurück auf eine romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert. Ab 1380 hat dann auch ein Coburger Münzmeister als Meisterzeichen einen Mohrenkopf. 1493 taucht in alten Akten das erste Mal das Wort "Mohrenkopf" auf, der von der Stadt verpflichtet wurde, neben seinem Meisterzeichen seine Ware auch mit dem Mohrenkopf zu versehen. Aus dem Jahr 1521 stammt schließlich der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf. Nachdem der Mohr während des Nationalsozialismus aus dem Wappen verschwinden musste[77], wurde er 1953 in veränderter Form wieder aufgenommen [78]
Heute hat u.a. eine Tanzsportgarde des Coburger Faschings den Namen "Coburger Mohr" und ein Coburger Stadtmagazin ist nach dem Mohr benannt.
Zwickauer Mohr: Auch von Zwickau ist der Stadtpatron der hl. Mauritius, nachdem er bereits 1212 als Patron der Stadtpfarrkirche erwähnt wird. Daher stellt der im aktuellen Großen Stadtwappen am Schildrand hinzugefügte Mohr auch ihn dar.
Schauensteiner Mohr: In der ersten erhaltenen farbigen Zeichnung des Wappens von Schauenstein (Oberfranken) aus dem Jahr 1581 ist der vorher schon traditionelle Mann schwarz und hält einen kleinen roten Stein empor. Es ist eindeutig ein Bergmann mit einem Erzbrocken in der Hand, um den Ortsnamen zu verbildlichen: ein zur Schau gestellter Stein. Seit 1692 wird der Bergmann nun als Mohr fehlgedeutet. Ab 1812 ist der Mann nackt dargestellt mit einem Stück Fleisch in der Hand, es gibt auch Abbildungen, auf denen der Mohr einen Spiegel hält.
Sulzener Mohr: Im Stadtwappen von Bad Sulza findet sich ein Mohr in Ritterrüstung. Er findet sich bereits im ältesten bekannten Siegel aus dem Jahre 1567 mit einer gefähnelten Lanze in der Hand. Dieser Mohr verweist auf den heiligen Mauritius als Patron der Soldaten und Salzsieder.
Mehringer Mohr: Das Adelsgeschlecht der Moringer scheint seit dem 8. Jahrhundert im Besitze von Mehring gewesen zu sein. Sie starben allerdings Mitte des 14. Jahrhunderts aus. Im Wappen trugen sie einen Mohren mit roter Kopfbedeckung. Dieser fand als beredtes Zeichen für den Ortsnamen auch Eingang in das heutige Gemeindewappen.
Zeigt das Wappen der früheren Stadt Möhringen an der Donau (seit 1973 ein Stadtteil von Tuttlingen). Das Wappen ist von Kaiser Friedrich III. aus Wien 1470 an Möhringen verliehen worden.
Möhringer Mohr: Zeigt das Stadtteilwappen von Möhringen bis 1942 einen ungekrönten Mohren, so findet sich ab 1957 darauf ein gekrönter Mohr.
Eisenberger Mohr: Der Eisenberger Mohr geht auf eine Sage über einen Mohren als Diener des Grafen von Eisenberg zurück, die sich sowohl in einer Standfigur am Marktplatz als auch im Wappen niederschlug, interessanterweise als „korsischer Mohr“ mit verbundenen Augen. [79]. Mitunter wird Eisenberg ebenso wie die Stadt Lauingen daher auch Mohrenstadt genannt.
Mörlauer Mohren: Die historisch exakte Herkunft der Mohren im Wappen von Ober-Mörlen ist nicht geklärt. Jedoch entstand das aktuelle Gemeindewappen auf Basis der Heraldischen Zeichen (Eppsteiner Sparren, Kurmainzer Rad und dem Mohren) eines Gerichtssiegels aus dem Jahr 1716. Im Codex Laureshamensis, einem Kopialbuch des 12. Jahrhunderts, findet sich für das Jahr 790 die Bezeichnung „Moruller Marca“, was meist als „Mark des Mohren“ gedeutet wird. An das Wappen angelehnt tritt der Mohr von Mörlau seit 1948 als Figur der Ober-Mörler Fassenacht auf; in früheren Zeiten im Dienerlivree (ähnlich „Sarottimohr“), seit 2003 begleitet er in seinem „orientalischen“ Fantasie-Kostüm (siehe rechts) das jeweilige Ober-Mörler Prinzenpaar bei seinen offiziellen Auftritten.
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altes Ober-Mörler Gemeindewappen nach einem Gerichtssiegel von 1716 |
Wappen der 1. KG "Mörlau" seit 1948 |
Wappen von Ober-Mörlen seit 1967 |
Mohr von Mörlau 2004 |
Die Nürnberger Patrizierfamilie Tucher hatte sehr bald einen Mohren im Familienwappen, der auch zum Markenzeichen der mit ihr verbundenen Brauerei wurde.[80] Aber auch die Nürnberger Landgemeinde Simmelsdorf hat aufgrund der historischen Verbundenheit mit dieser Familie einen Mohren ins Wappen aufgenommen.
Die Herren „Mohr vom Wald“ bei Daun nahmen um 1482 ein horizontal zweigeteiltes Wappen an, der obere Teil gold und schwarz geschacht, der untere gold. Das Zimier war eine Mohrenbüste ohne Arme, gekleidet in den Farben des Schilds. Das Rittergeschlecht derer von Mohr von Wald geht auf das 12. Jahrhundert zurück, die sich ab 1241 nach ihren Besitzungen im Peterswald „de Walda“ nannten.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in der zwischen 1335 und 1345 entstandenen Zürcher Wappenrolle auf dem Schild selbst oder im Wappenzier insgesamt neun Mohren vorkommen. In heutigen Wappen findet sich der Mohr in folgenden Gemeinden:
Mohrener Mohr: Das Wappen von Mohren in der Schweiz trägt ein besonders aufschlussreiches Kopfbild eines Mohren.
Mandacher Mohr: Das Wappen von Mandach geht auf einen Helmschild der Herren von Mandach (13. Jahrhundert) zurück, der volkstümlicher Deutung nach den hl. Mauritius darstellt, der auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist.
Flumenthaler Mohr: Das heutige Gemeindewappen von Flumenthal in der Schweiz zeigt ein Mohrenhaupt mit weißem Stirnband und Kragen sowie roten Lippen. Dieser ist so ähnlich schon im Vogteiwappen zu finden, bei dem man einen Zusammenhang mit dem heiligen Mauritius vermutet, der allem Anschein nach früher der Patron der Kirche war. Zudem ist der Weihetag der Kirche der Mauritzentag (22. September) 1514.
Oberweninger Mohr: Das heutige Gemeindewappen von Oberweningen zeigt ebenfalls einen Mohr.
Möriken-Wildegger Mohr: Und auch das Gemeindewappen von Möriken-Wildegg trägt einen Mohrenkopf.
Mohr von Avenches/Waadtland: Das Wappen des Städtchens Avenches zeigt in rot einen schwarzen Mohrenkopf mit weißem Stirnband.
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Wappen der Gemeinde Flumenthal |
Wappen der Gemeinde Mandach |
Wappen der Gemeinde Oberweningen |
Wappen der Gemeinde Möriken-Wildegg |
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Wappen von Avenches/Waadtland |