Nairi


Die Nairi waren eine Koalition von Königreichen der mittleren Eisenzeit, die in der ost-türkischen Provinz Van und wohl auch teilweise in der Nachbarprovinz Hakkari herrschte. Erwähnt wurden die Nairi-Länder zum ersten Mal in assyrischen Quellen im 13. Jahrhundert v. Chr. Eine Tontafel aus Assur belegt, dass in mittelassyrischer Zeit Pferde aus Nairi nach Assyrien gebracht wurden[1].

Die Nairi lebten in Nachbarschaft zu den Hethitern und den Assyrern. Die Bezeichnung Nairi wurde ihnen von den Assyrern gegeben. Nairi bedeutete auf assyrisch Flüsse. Damit war dann das von den Nairi bewohnte Land das Land der Flüsse. Kontakte mit den Urartäern dürften bestanden haben, sofern sie nicht gar identisch mit diesen waren.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Theorie eines hurritischen Ursprungs von Nairi und Urartu geht auf Albrecht Götze zurück, der annimmt, dass das Reich von Urartu aus einem Zusammenschluss der verschiedenen Nairi-Reiche zurückgeht. Nach Benedict (1960) gibt es jedoch keinerlei Belege für eine hurritische Präsenz im Gebiet des Van-Sees.

Territorium

Das Territorium von Nairi erstreckte sich zwischen dem Tur Abdin und dem südwestlichen Ufer des Van-Sees.

Geschichte

Die Assyrer unternahmen einige Feldzüge gegen die Nairi. Anfangs, so unter Tukulti-Ninurta I., kämpften sie noch gegen mehrere lokale Nairifürsten. Nachdem Tukulti-Ninurta I. (1244-1208) Kudmuhi (zwischen dem Berg Kašiari und Alsche)erobert hatte, das zur Zeit Salmanassers das assyrische Joch abgeschüttelt hatte, floh der König des angrenzenden Alsche daraufhin vor den assyrischen Truppen nach Nairi und von dort weiter in ein "unbekanntes Land", also, nach den damaligen assyrischen geographischen Vorstellungen, zu den Grenzen des Erdkreises. Tiglat-pileser I. (um 1114 v. Chr.) rühmt sich auf der Inschrift Tigris II dreier Feldzüge gegen Nairi und berichtet, 23 Könige der Nairi unterworfen zu haben. Erst später schlossen sich die Nairi zu einer Konföderation zusammen. Des Weiteren nennen assyrische Quellen Urartu als eines der Nairifürstentümer. Später wird Urartu als Regionalmacht die Konföderation ablösen.

Salmanasser I. nennt acht Könige, Tukulti-Ninurta 23 Könige und Tiglat-Pilesar I. 60 Könige. Sevin interpretiert dies als Beleg für vermutlich nomadische Einzelstämme ohne eine zentrale Herrschaft, die ihren archäologischen Niederschlag in den Nekropolen wie Karagündüz, Dilkaya und Ernis fanden.

Tiglat-pileser I. (I, 236) berichtet, wie er gegen die Länder von Nairi ins Feld zog, "die am Ufer der Oberen See [Vansee] liegen und noch nie unterworfen worden waren." Danach zählt er die Herrscher auf, denen er entgegen stand, die 23 Herrscher von Nairi, die ihre Streitwagen zusammengezogen hatten:

  • Der König von Tumme
  • Der König von Tunube
  • Der König Tuali
  • Der König von Kindari
  • Der König von Uzula
  • Der König von Unzamuni
  • Der König von Andiabe
  • Der König von Pilakinni
  • Der König von Aturgini
  • Der König von Kulibarzini
  • Der König von Šinibirni
  • Der König von Himua
  • Der König von Paiteri
  • Der König von Uiram
  • Der König von Šururia
  • Der König von Albaia
  • Der König von Ugina
  • Der König von Nazabia
  • Der König von Abarsiuni
  • Der König von Daiaeni

Salmanasser III. kennt ebenfalls Tumme, Daiaeni und Tunube.

Literatur

  • Warren C. Benedict, Urartians and Hurrians. Journal of the American Oriental Society 80/2, 1960, 100-104.
  • Albrecht Götze, Hethiter, Churriter und Assyrer, Instituttet for Sammenlignende Kulturforskning, Serie A: Forelesninger XVII (Oslo, 1936).
  • H. F. Russell, Shalmaneser's Campaign to Urartu in 856 B.C. and the Historical Geography of Eastern Anatolia according to the Assyrian Sources. Anatolian Studies 34, 1984, 171-201.
  • Veli Sevin, The Origins of the Urartians in the Light of the Van/Karagündüz Excavations, Anatolian Studies 49, 1999, 159-164.
  • Ralf-Bernhard Wartke, Urartu, Das Reich am Ararat, Verlag Philipp von Zabern, Mainz/Rhein 1993.

Einzelnachweise

  1. http://www.assur.de/Themen/Ausgrabung/Assur2001/Schriftfunde/schriftfunde.html

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