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Neoklassizismus (alternative Bezeichnung Neuklassizismus) ist gemäß deutschem Sprachgebrauch und deutschsprachiger Kunstgeschichte eine historistische Kunstrichtung im frühen 20. Jahrhundert, die vor allem für Architektur Anwendung findet.
Der Begriff Neoklassizismus wird in der Kunstgeschichte anderer europäischer Sprachen und Kulturräume anders verwendet:
Im französischsprachigen europäischen Kulturraum bezeichnet "Néoclassicisme" bildende Kunst und Literatur der Zeit zwischen 1750 und 1830. In etwa denselben Zeitraum umfasst im englischsprachigen europäischen Kulturraum der Begriff "Neoclassicism" (alternative Bezeichnungen "Neo-Classicism" und "Neo-classicism") und im spanischsprachigen Kulturraum "Neoclasicismo". Auch im niederländischsprachigen europäischen Kulturraum wird die bildende Kunst dieser Zeit zum Teil als "Neoclassicisme" bezeichnet.
Die Ursache für diesen unterschiedlichen Gebrauch des Stilbegriffs liegt darin begründet, dass im deutschsprachigen Kulturraum die Kunst nach Renaissance bzw. Manierismus als "Barock" bezeichnet wurde und wird. Die anschließende Rückbesinnung auf die antike Kunst nach 1750 hieß dementsprechend Klassizismus. Demhingegen wurde die bildende Kunst nach der Renaissance im französisch-, englisch- und niederländischsprachigen Kulturraum als "Classicisme" (französisch, niederländisch) und "Classicism" (englisch) bezeichnet und stand im Bereich der Architektur unter dem zentralen Einfluss des italienischen Architekten Andrea Palladio.
Die folgenden Ausführungen entsprechen der Verwendung des Kunststilbegriffs im deutschsprachigen Kulturraum und der deutschsprachigen Kunstgeschichte.
Der Neoklassizismus ist der letzte formal einheitliche Kunststil des Historismus, der einerseits in tektonischer Struktur, räumlicher Disposition und Erscheinungsbild starke Anleihen bei der griechischen und römischen Antike, aber auch bei klassizistischen Tendenzen der Renaissance (Andrea Palladio), des Barock und des Klassizismus nimmt und andererseits bautechnische und formale Prinzipien der Architektur der klassischen Moderne in sich trägt. Die scheinbar antimoderne Haltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit 'harten' Formen gegenüber dem 'weichem Jugendstil' (Art Nouveau, Liberty), richtet sich zumeist gegen das Ornament. Nationalsozialismus (Deutsches Reich), Sozialismus/Kommunismus (Sowjetunion), Faschismus (Italien) und Kapitalismus (USA) nutzen den Neoklassizismus als nobilitierende Würdeformel oftmals parallel zu Bauformen, die der klassischen Moderne verpflichtet sind. Neoklassizistische Bauten überschreiten zum Teil ihren maßstäblichen Bezug zum Menschen in einem Umfang, der in der psychologischen Wahrnehmung sowohl als erhebend, aber auch als erdrückend empfunden wurde und wird. Hier zeigt sich hinsichtlich der Wirkung eine zum Teil deutliche Verbindung zur sogenannten Revolutionsarchitektur von Claude-Nicolas Ledoux und Étienne-Louis Boullée.
In den USA wurde der Neoklassizismus, wie in Frankreich, seit den 1920er Jahren bis in die 1940er Jahre von Bauten im Stile des Art Deco begleitet. Für den sowjetischen Einflussbereich blieb der Neoklassizismus bis weit in die 1950er Jahre verbindlich. In Deutschland und Österreich folgten vor dem nationalsozialistischen "Revival" des Neoklassizismus die Architektur des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und der Klassischen Moderne beziehungsweise des Internationalen Stils. In Italien verhinderte die faschistische Variante der Klassischen Moderne bis weit in die 1930er Jahre ein Wiederaufleben des Neoklassizismus. Sowohl französische, wie auch skandinavische Bauten vereinfachen und reduzieren das Dekorum des Neoklassizismus derart, dass zum Teil eine große Ähnlichkeit mit Bauten der klassischen Moderne entsteht (Krematorium von Stockholm, Palais de Tokyo in Paris).
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