|
|
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Novalis (Begriffsklärung) aufgeführt. |
Novalis (* 2. Mai 1772 auf Schloss Oberwiederstedt; † 25. März 1801 in Weißenfels), eigentlich Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, war ein deutscher Schriftsteller der Frühromantik, Philosoph und Bergbauingenieur.
Inhaltsverzeichnis |
Friedrich von Hardenberg wurde auf dem Gut Oberwiederstedt am Harz in Kursachsen geboren. Der dortige elterliche Besitz war ein kleines Renaissanceschloss mit Gutshof. Novalis entstammte altem, niederdeutschem Adel, die Familie Hardenberg brachte in verschiedenen Linien einflussreiche Beamte und Ministeriale hervor, so z. B. den preußischen Staatskanzler Karl August von Hardenberg (1750–1822), bekannt geworden u. a. durch die Stein-Hardenbergschen Reformen.
Abgesehen von einem Ölgemälde ist ein ihm zugeschriebenes Taufhäublein die einzige dingliche Überlieferung des Dichters. In der Kirche in Wiederstedt wurde der freiherrliche Sprössling auf den Namen Georg Philipp Friedrich getauft. Andere Namen, vor allem Leopold, dürfen als bloße Zueignungen oder Widmungen an Bekannte und Verehrte durch den Vater und Friedrich von Hardenberg selbst gelten, der in Abgrenzung zu seinem jüngeren, Georg gerufenen Bruder vor allem auf Friedrich hörte. Auf dem Gut verbrachte Novalis seine Kindheit und Jugend und machte es zum Ausgangspunkt für seine Reisen in den Harz.
Sein Vater, der Gutsbesitzer und Salinendirektor von Dürrenberg, Artern und Kösen (seit 1784) Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738–1814) war ein streng pietistischer Mensch, der auf Grund früherer Erlebnisse Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine geworden war. In zweiter Ehe war er verheiratet mit Auguste Bernhardine Freifrau von Hardenberg, geborene von Bölzig (1749–1818), die elf Kindern das Leben schenkte, so auch – als dem zweiten Kind – Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, der sich selbst später „Novalis“ (Neuland, Brachfeld, wahrscheinlich nach dem Namen eines Guts in Familienbesitz) nannte.
Zunächst wurde der Junge von Hauslehrern unterrichtet, so auch von Christian Daniel Erhard Schmid (1762–1812), dem er zu Beginn seiner Hochschulbildung in Jena erneut begegnete. Novalis besuchte 1790 die Prima des Gymnasiums in Eisleben unter Rektor C. D. Jani, wo er die damals üblichen Kenntnisse der Rhetorik und der antiken Literatur erwarb.
Der Onkel, Friedrich Wilhelm Freiherr von Hardenberg, Landkomtur des Deutschen Ordens, nahm Novalis als Zwölfjährigen fast ein Jahr in seine Obhut auf dem Schloss in Lucklum.
Im Juni 1794 schloss Novalis das 1790 begonnene Jurastudium in Jena (dort betreut unter anderem von seinem früheren Hofmeister Christian Daniel Erhard Schmid), Leipzig und Wittenberg mit bestem Examen ab. Im Zuge dieses Studiums hörte er 1791 Schillers Geschichtsvorlesung und knüpfte zu ihm während dessen Krankheitszeit enge persönliche Kontakte. Weiterhin begegnete er Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder und Jean Paul, schloss Freundschaft mit Ludwig Tieck, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und den Brüdern Friedrich und August Wilhelm Schlegel.
Im Oktober 1794 wurde Novalis nicht – wie eigentlich geplant – in den Staatsdienst aufgenommen, sondern verdingte sich zunächst in Tennstedt als Aktuarius bei dem Kreisamtmann August Coelestin Just, der nicht nur sein Vorgesetzter, sondern auch Freund und schließlich Biograph wurde, gemäß seiner Devise: „Jeder Anfang ist ein Akt der Freiheit“. Während dieser Zeit lernte er im nahen Grüningen die junge Sophie von Kühn kennen, am 15. März 1795 verlobte er sich mit ihr, an ihrem dreizehnten Geburtstag.
Im Januar des Folgejahres wurde Novalis Akzessist an der Salinendirektion in Weißenfels an der Saale, dem Ort, der seit 1785 zum Wohnort der Familie geworden war. Der frühe und qualvolle Tod seiner dann kaum 15-jährigen Verlobten im März 1797 prägte Novalis stark.
1795/96 setzte sich Novalis intensiv mit der Wissenschaftslehre (1794) Johann Gottlieb Fichtes auseinander, die erheblichen Einfluss auf seine Weltsicht erlangte, denn auf die bloße Rezeption der Schriften folgte die Weiterentwicklung des Konzepts. Aus dem „Ich“ Fichtes, das sich von allem „Nicht-Ich“ abgrenzte, machte Novalis den Ausgangspunkt für eine Liebesreligion. Nun war das „Nicht-Ich“ ein „Du“, ein gleichwertiges Subjekt.
An der Bergakademie in Freiberg, einer der zu dieser Zeit ersten Hochschuladressen für Naturwissenschaften, begann Novalis 1797 sein Studium. Dort war er Schüler von Wilhelm August Lampadius und Abraham Gottlob Werner. Letzterem fühlte er sich bald freundschaftlich verbunden.
Das Studium an der Bergakademie Freiberg umfasste Bergwerkskunde, Mathematik, Chemie u. a. m. sowie die praktische Tätigkeit in den Gruben und war damit eine ausgesprochen weitreichende, umfassende Ausbildung, zumal die „Naturlehre“ damals mehr umfasste als die späteren Naturwissenschaften. Sein Bildungsweg hatte in seiner Familie bereits Tradition.
1798 erschienen seine ersten Fragmente unter dem Titel „Blüthenstaub“ und unter der erstmaligen Verwendung des Namens Novalis als Pseudonym im Athenaeum, der Zeitschrift der Frühromantiker Friedrich und August Wilhelm Schlegel. Seinen Publikationsnamen wählte Friedrich von Hardenberg nicht ohne Grund, denn er selbst bemerkte in einer Notiz an August Wilhelm Schlegel, es handele sich um einen uralten Beinamen seiner Familie: „De novali“, die „Neuland roden“, abgeleitet vom Gut seiner Vorfahren, Großenrode oder 'magna Novalis' bei Nörten.
Seine zweite Verlobung ging Novalis im Dezember 1798 mit der Tochter des Berghauptmanns und Freiberger Professors Johann Friedrich Wilhelm Toussaint von Charpentier (1738–1805) ein: Julie von Charpentier (1778–1811). Pfingsten 1799 arbeitete Novalis wieder in der Salinendirektion und wurde bereits im Dezember desselben Jahres zum Salinenassessor und Mitglied des Salinendirektoriums ernannt.
Im Spätherbst 1799 traf er in Jena auf andere Schriftsteller der so genannten „Jenaer Romantik“, nachdem er im Juli bereits die Bekanntschaft von Ludwig Tieck gemacht hatte. Schon im darauf folgenden Jahr, am 6. Dezember 1800, erfolgte die Ernennung des nun 28-jährigen zum Supernumerar-Amtshauptmann für den Thüringischen Kreis, eine Stellung, die mit der eines heutigen Landrates vergleichbar ist. Der umtriebige und fleißige Friedrich von Hardenberg war im Jahre 1800 an der ersten geologischen Vermessungen der Region beteiligt.
Am 25. März 1801 starb Friedrich von Hardenberg in Weißenfels an einem Blutsturz infolge der „Schwindsucht“ (Tuberkulose). Wahrscheinlich hatte er sich während der Pflege von Friedrich Schiller angesteckt. Wohl bereits ab August 1800 war er unheilbar an dem Lungenleiden erkrankt, das es ihm unmöglich machte, seinen Beruf auszuüben. Neuere Forschungen unterstellen allerdings die Erbkrankheit Mukoviszidose als eigentliche Todesursache; seit seiner Kindheit litt Novalis an Lungenentzündungen und allgemeiner Körperschwäche, was diese These stützt.
Nach seinem Tod wurde er in Weißenfels auf dem Alten Friedhof beigesetzt.
Er selbst erlebte lediglich die Veröffentlichung der „Blüthenstaub“-Fragmente, der Fragmentsammlung „Glauben und Liebe oder der König und die Königin“ (1798) und der „Hymnen an die Nacht“ (1800). Die unvollendeten Romane „Heinrich von Ofterdingen“ und „Die Lehrlinge zu Sais“ sowie die später so genannte Rede „Die Christenheit oder Europa“ wurden der Öffentlichkeit erst durch die posthume Drucklegung durch die Freunde Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel zugänglich.
Der rastlose, kreative und reflektierte Friedrich von Hardenberg gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Frühromantik. Nur wenige Jahre hatte er, um seine Fähigkeiten zu entdecken, zu erkennen und weiterzuentwickeln. Der mit umfassenden Kenntnissen der Naturwissenschaften, des Rechts, der Philosophie, Politik und Wirtschaft ausgestattete Friedrich von Hardenberg wurde früh schreibend aktiv. Schon das Jugendwerk macht deutlich, dass der Autor bereits früh ausgesprochen belesen und gebildet war. Sein Werk hat enge Verbindungen zu seiner beruflichen Tätigkeit, einschließlich der Zeit seines Studiums, denn abgesehen von den Dichtungen, den Fragmenten und Essays, ist eine erstaunliche Fülle von Aufzeichnungen zu Geschichte und Politik, Philosophie, Religion, Ästhetik und Naturwissenschaftsgeschichte bekannt.
Hardenberg sammelte alles das, was ihn selbst gebildet hatte, und reflektierte es, sah und zeichnete Zusammenhänge im Sinne einer allumfassenden Enzyklopädie der Künste und Wissenschaften. Diese Aufzeichnungen aus den Jahren 1798/99 werden auch als das „Allgemeine Brouillon“ bezeichnet.
Zusammen mit Friedrich Schlegel entwickelte Hardenberg das Fragment zu einer spezifisch romantischen literarischen Kunstform.
Den Kern seines literarischen Schaffens macht ein Streben nach der „Romantisierung der Welt“ und die Suche nach der Verbindung von Wissenschaft und Poesie aus. Das Ergebnis sollte eine „progressive Universalpoesie“ sein. Hardenberg war weiterhin davon überzeugt, dass die Philosophie und die ihr übergeordnete Dichtung in einem engen Verhältnis der ständigen Wechselbeziehung stehen müssen.
Dass gerade das romantische Fragment die geeignete Form der Darstellung einer progressiven Universalpoesie ist, zeigt sich an dem Erfolg dieses damals neuen Genres in der späteren Rezeption.
Der Anspruch, den Hardenberg an die Dichtkunst und somit auch an seine eigene Arbeit stellte, wird in folgenden Äußerungen deutlich:
Dem gesamten Werk liegt ein Bildungsgedanke zu Grunde („Wir sind auf einer Mission: Zur Bildung der Erde sind wir berufen“). Es soll vermittelt werden, dass sich alles in einem stetigen Prozess befindet. So auch der Mensch, der immer versucht, sich einem früheren – hypothetisch angenommenen – Zustand anzunähern, der davon geprägt ist, dass Mensch und Natur harmonieren. Diesem Gedanken der romantischen Universalpoesie wurde durch die romantische Triade eine adäquate Darstellungsform gegeben, die dem Rezipienten immer wieder vor Augen führt, dass der beschriebene Moment genau der richtige (der günstigste) Zeitpunkt (Kairos) ist - ein Begriff, den Hardenberg von Lessing übernommen hatte -, der Augenblick der Krise, an dem sich entscheidet, welche Wendung der Lauf der Dinge nehmen wird. Diese immer wieder dargelegten Umbruchszeiten korrespondieren mit einem Gefühl für die Gegenwart des Künstlers, das Novalis mit einigen Zeitgenossen teilte.
Deswegen lässt sich in den Werken meist eine Triadenstruktur erkennen, das heißt, dass es innerhalb eines Werkes drei miteinander korrespondierende Strukturelemente gibt (in der antiken griechischen Dichtung waren dies die der Strophen: Strophe, Antistrophe und Epode), die inhaltlich und ggf. auch formal (zumindest die dritte sogenannte Epode) unterschiedlich ausgestaltet werden.
Von besonderer Bedeutung ist ferner der Einfluss des Mystikers Jakob Böhme, mit dessen Werken er sich ab dem Jahr 1800 intensiv auseinandersetzte. Eine mystische Weltsicht, ein sehr hoher Bildungsstand und die häufig spürbaren pietistischen Einflüsse verbinden sich bei Novalis in dem Versuch, zu einer neuen Auffassung von Christentum, Glaube und Gott zu gelangen und diese mit seiner Transzendentalphilosophie zu verbinden. Ein Ergebnis dieser Bemühungen sind auch die „Geistlichen Lieder“, herausgegeben 1802 (z. B. „Wenn alle untreu werden“ und „Wenn ich ihn nur habe“). Einzelne dieser Lieder werden schon bald Bestandteil lutherischer Gesangbücher.
Im August 1800 erschien – rund acht Monate nach ihrer Fertigstellung – im „Athenäum“ die zuvor revidierte Fassung der Hymnen an die Nacht. Sie gelten als der Höhepunkt des lyrischen Schaffens Hardenbergs und auch als bedeutende Dichtung der Frühromantik.
Die sechs Hymnen verweben Autobiografisches mit Erdichtetem; sie reflektieren die Erlebnisse Hardenbergs aus den Jahren 1797-1800. Das Thema ist die romantische Deutung von Leben und Tod, der Grenze, für die das Bild der Nacht dient. Leben und Tod werden zu relativen, ineinander verschränkten Bereichen, so dass letztlich „der Tod […] das romantisierende Prinzip des Lebens“ ist (Novalis). Des Weiteren sind Einflüsse der damals aktuellen Literatur nachweisbar. Die Metaphorik der Hymnen an die Nacht weist Parallelen zu Werken auf, die Hardenberg zur Zeit der Niederschrift gelesen hat, unter anderem die Übersetzung von Shakespeares „Romeo und Julia“ 1797 (durch A. W. Schlegel) und Jean Pauls „Unsichtbare Loge“ von 1793.
In den Hymnen an die Nacht wird eine universale Mittlerreligion entfaltet, die auf der Idee beruht, dass es zwischen dem Menschen und dem Göttlichen stets einen Mittler gibt. Dieser Mittler kann Christus sein – wie in der christlichen Mythologie – oder aber auch die verstorbene Geliebte – wie in der 3. Hymne dargelegt.
Je zwei der Hymnen können zusammengefasst werden. Die so entstandenen kleinen Zyklen im Zyklus folgen demselben Schema: In den jeweils ersten Hymnen wird mittels der romantischen Triade der Weg von einem angenommenen glücklichen Erdenleben über die schmerzhafte Entfremdung hin zur Befreiung in der ewigen Nacht gezeigt. Die jeweils darauf folgenden Hymnen erzählen vom Aufwachen aus dieser Vision und der Sehnsucht nach der Rückkehr zu der Vision. Kontinuierlich steigern sich die Hymnenpaare und vermitteln jeweils eine höhere Stufe von Erfahrung und Wissen.
Die Romanfragmente „Heinrich von Ofterdingen“ und „Die Lehrlinge zu Sais“ spiegeln deutlich die Idee wider, mit Hilfe der Dichtung eine allumfassende Weltharmonie zu vermitteln. Dem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ entstammt die „Blaue Blume“, ein Symbol, das für die gesamte Romantik zum Sinnbild wurde. Ursprünglich sollte der Roman ein Gegenstück zu dem zwar begeistert gelesenen aber als unzulänglich beurteilten „Wilhelm Meister“ Goethes werden. Die Einstellung Novalis' zu diesem Werk Goethes wird deutlich in den „Fragmenten und Studien“ der Jahre 1799-1800:
Die sogenannte Europarede „Die Christenheit oder Europa“, entstanden bereits 1799, doch erst 1826 veröffentlicht, ist ein poetisches, kulturhistorisches Programm mit klaren Schwerpunkten auf einer politischen Utopie im Spiegel der Mittelalterrezeption, die ein neues Europa auf den Grundfesten eines 'poetischen Christentums', das Einheit und Freiheit zur Symbiose führt, errichten will. Die Anregungen für diese theoretisch verdichtete Schrift finden sich in Friedrich Daniel Ernst Schleiermachers „Über die Religion“, ebenfalls von 1799.
Die ersten umfassenden Ausgaben des Werkes: Schriften, hrsg. v. Friedrich Schlegel u. Ludwig Tieck, 2 Bde., Berlin 1802, 1837, Bd. 3 hrsg. v. Ludwig Tieck u. Eduard von Bülow, Berlin 1846.
Das Werk des Dichters hatte – obschon aufgrund der kurzen Lebenszeit des Künstlers auch in kurzer Schaffensperiode entstanden – teils beträchtlichen Einfluss auf das Schaffen anderer Künstler. So las und bearbeitete beispielsweise Karoline von Günderrode die literarische Hinterlassenschaft Novalis' bereits 1802, also noch im Jahr der Erstausgabe seiner Schriften. Sie exzerpierte die Schriften, ließ sich selbst inspirieren und verglich eigene Gedichte mit denen Friedrich von Hardenbergs. Früher und näher am Arbeitsprozess lasen die Brüder Schlegel und andere Frühromantiker immer wieder einzelne Texte.
Heinrich Heine erarbeitete sich einen eigenen Zugang zu Novalis, freilich ohne ihn ausreichend zu würdigen. Auch Joseph Freiherr von Eichendorff fand in seiner Literaturgeschichte Platz für den Frühromantiker. Weiterhin arbeiteten sich Philosophen – unter ihnen Georg Wilhelm Friedrich Hegel – und Kulturtheoretiker, zum Beispiel Wilhelm Dilthey und Rudolf Haym, an dem umfangreichen Werk des Novalis ab.
Nicht zuletzt durch die Kanonisierung als Schul- und Studienlektüre wurde das Lesen der (vor allem literarischen) Texte Novalis' allen Literaturinteressierten möglich. Von besonderer Problematik ist die Rezeption des Werkes vor allem zur Zeit der NS-Diktatur und der frühen DDR-Literaturwissenschaft.
Lange Zeit wurde das gesamte Werk des jungen Dichters, in dessen Mittelpunkt die Hymnen an die Nacht – ein Zyklus von sechs Gedichten – gestellt wurden, zu eng biographisch, vor allem in Blick auf den frühen Tod seiner ersten Verlobten, Sophie von Kühn, hin ausgedeutet.
Einen interessanten Effekt hatte die Rezeption des unvollendeten Romans „Heinrich von Ofterdingen“: die noch junge Germanische Philologie begann, sich um den damals noch für eine historische Figur gehaltenen Heinrich von Ofterdingen zu kümmern. Die durch Novalis dargelegte potentielle Wirkkraft des Sängers führte bereits 1812 dazu, dass ihm zunächst August Wilhelm Schlegel, dann auch Friedrich Schlegel und F. H. v. d. Hagen fälschlicherweise das Nibelungenlied zuschrieben. Doch bereits 1820 wurde die These von Karl Lachmann entkräftet. Die Gesänge des Bergmanns im „Heinrich von Ofterdingen“ fanden Eingang in bergmännische Liedersammlungen, einige seiner Geistlichen Lieder wurden – in mehr oder weniger überarbeiteter Form – in lutherische Gesangbücher aufgenommen und es entstanden zahlreiche Vertonungen der Gedichte.
Seine Poetik fand u. a. unter den französischen Symbolisten begeisterte Rezipienten.
Weitere Rezeption und eine intensive Auslegung erfuhr das Werk Novalis' durch Rudolf Steiner und immer noch beschäftigen sich die Anthroposophen mit einer sehr speziellen Interpretation der Weltsicht des Künstlers.
Auch Wagners Musikdrama Tristan und Isolde ist ohne Novalis' Hymnen an die Nacht undenkbar. Vor allem die Umdeutung der Nacht von Chaos und Bedrohung hin zu einem transzendentalen Raum utopischer Liebeserfahrung spielt eine wesentliche Rolle.
„Ein Mensch, der nie krank war ist wie einer, der nie gereist ist, er bleibt irgendwie immer beschränkt.“
„Es ist nichts schwerer, als mit sich selbst Geduld zu haben – seine eigene Schwachheit zu tragen.“
„Wo Kinder sind, da ist ein goldnes Zeitalter.“ (Blüthenstaub, § 96)
„Jeder geliebte Gegenstand ist der Mittelpunkt eines Paradieses.“
„Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll und ohne Vorurteile, dann hast du es schon halb zum Freund gewonnen!“
„Die Philosophie ist eigentlich Heimweh – Trieb überall zu Hause zu sein.“
„Die Welt ist ein Universaltropus des Geistes – ein symbolisches Bild desselben.“
„Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts, als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. (…) Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe so romantisiere ich es.“
„Die Poesie heilt die Wunden, die der Verstand schlägt.“
„Gott will Götter“ (Fragmente und Studien 1797-1798, § 60)
„Für den vollkommenen Christen (…) müßte wohl alles Mittler sein“
„Trägt nicht alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht?“
„Das größte Rätsel ist der Mensch sich selbst.“
„Je länger ein Mensch Kind bleibt, desto älter wird er.“
„Wo gehn wir denn hin? Immer nach Hause.“
Das „Allgemeine Brouillon“ umfasst die enzyklopädistischen Materialien, die 1798/99 zusammengetragen wurden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Novalis |
| ALTERNATIVNAMEN | Hardenberg, Georg Philipp Friedrich Freiherr von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dichter der Frühromantik |
| GEBURTSDATUM | 2. Mai 1772 |
| GEBURTSORT | Oberwiederstedt |
| STERBEDATUM | 25. März 1801 |
| STERBEORT | Weißenfels |
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History