Office of Strategic Services


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Ärmelabzeichen des OSS

Das Office of Strategic Services (OSS), deutsch: Amt für strategische Dienste, war ein Nachrichtendienst des US Department of War von 1942 bis 1945 und der militärische Vorläufer der zivilen CIA.

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Die Aufgabengebiete des OSS umfasste die operative Beschaffung von Informationen, Desinformation, psychologische Kriegführung, Partisanen-Unterstützung, Asymmetrische Kriegführung, Sabotage und Spionageabwehr.

Organisation

Das OSS unterstand direkt den Vereinigten Stabschefs des Kriegsministeriums und arbeitete ihnen zu. Damit stand es in direkter Konkurrenz zum G2 (Heeresnachrichtendienst) der Army. Obwohl zuständig für die Aufklärung Im Ausland, gab es auch Regionen in denen das OSS nicht aktiv war. So z.B. Lateinamerika, wo das FBI für die Auslandsspionage verantwortlich zeichnete, gleichzeitig wurden die Aktivitäten vom militärischen Nachrichtendienst G-2 und dem Marinenachrichtendienst argwöhnisch beobachtet und die zuständigen Stellen versuchten eifersüchtig ihre Zuständigkeitbereiche zu verteidigen, da es etliche Überschneidungen und Parallelarbeit gab.

Rekrutierung und Ausbildung

Der Leiter des OSS Major General Donovan war anfangs Mitglied des Room gewesen, einer monatlich konspirativ tagenden Geheimloge führender US-Industrieller, die diskret Wirtschaftsinformationen aus dem Ausland austauschten. Die Söhne seiner Geschäftsfreunde, die sich vom OSS Ruhm versprachen, wurden bevorzugt rekrutiert.

Das Personal des OSS empfand sich als elitär und war mehrheitlich rechtskonservativ eingestellt.

Ausrüstung

Da eines der Hauptätigkeitsfelder die konspirativen Nachrichtenbeschaffung und die Partisanenunterstützung war, experimentierte Major General Donovan hauptsächlich mit technischen Neuentwicklungen im Bereich getarnter Waffen (Stich- und Schusswaffen sowie Schalldämpfer) und Ausrüstungsgegenstände, deren eigentliche Funktion nicht gleich erkenntlich sein sollte und die so den Agenten bei einer Kontrolle hinter den feindlichen Linien nicht verraten würde. Auch Techniken der nachrichtendienstlichen Kommunikation und Informationsweitergabe (Geheimtinte etc.) wurden genutzt und stetig weiterentwickelt.

Geschichte

Gründung

Das 1941 von Präsident Franklin D. Roosevelt ins Leben gerufene, zunächst zivile Office of the Coordinator of Information (COI) wurde am 13. Juli 1942 in das Office of Strategic Services umgewandelt. Er war ein operativ arbeitender Nachrichtendienst, der den Vereinigten Stabschefs im Kriegsministerium direkt unterstand und zuarbeitete. Alle Abteilungen bestanden bereits im COI. Bei der Gründung des OSS stand der britische Auslandsnachrichtendienst MI6 Pate.

Erster und einziger Leiter des OSS war der Kriegsveteran, Spion und Wallstreet-Anwalt Major General „Wild Bill” Donovan (1883–1959), ein Freund des Präsidenten, der bereits den Vorläufer der Behörde geleitet hatte. Viele Pläne erwiesen sich als praxisuntauglich und man musste erst einen hohen Blutzoll (einschließlich des einheimischen Widerstandes) leisten, um die notwendige Erfahrung zu sammeln, wie ein Kampf hinter feidlichen Linien optimal zu führen war.

Einsätze

Partisanenunterstützungseinsätze

Die reine Aufklärungsarbeit war weniger erfolgreich, da die Hauptlast der Informationsgewinnung durch die Luftaufklärung der US Army Air Force (durch Luftbildauswertung) getragen wurde. Dagegen erzielte das OSS recht gute Ergebnisse mit der Ausbildung, Ausrüstung und Führung einheimischer Partisanengruppen hinter den feindlichen Linien und führte Operationen in Italien, Griechenland, Jugoslawien, Norwegen und Frankreich durch.

Vorbereitungen für D-Day

So sprangen in den Monaten vor der alliierten Landung in der Normandie (Operation Overlord) etliche 3-Mann-Teams, die so genannten Jedburgh Teams (benannt nach ihrem schottischen Ausbildungsort Jedburgh), im deutsch-besetzten Frankreich ab, um Kontakt mit der Resistance aufzunehmen und sie im Partisanenkampf und in der Vorbereitung der Invasion zu unterstützen. Die nächstgrößere Einheit war die Operational Group (OG) mit 34 Mann, die sich aber auch bei Bedarf in zwei 16-Mann-Teams aufteilen konnte. Die OSS-OGs waren die direkten Vorläufer der Special Forces der Green Berets Detachments.

Pazifik

Das OSS war trotz der Ablehnung durch General Douglas MacArthur, dem Oberbefehlshaber des pazifischen Kriegsschauplatzes, der die Arbeit des G2 bevorzugte, dennoch auch im südostasiatischen und pazifischen Raum aktiv, in dem es Mao Zedongs Rote Armee Guerillakampf unterstützte.

Nachrichtendienstliche Einsätze

Ertragreichster OSS-Agent war Allen Dulles, der im neutralen Bern eine nahezu ungetarnte Anlaufstelle für Überläufer unterhielt, wo u. a. Fritz Kolbe vorstellig wurde und Vermittler von Karl Wolff die Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien verhandelten. Erfolgreicher waren Operationen der psychologischen Kriegführung mit Flugblatt- und Radiokampagnen, die den Feind demoralisieren sollten. Bekannteste OSS-Partnerin war Marlene Dietrich, die neben Fronttheater auch über den Hörfunk an die Deutschen zur Kapitulation appellierte.

Mitarbeiter des OSS waren u. a. auch der deutsche Philosoph Herbert Marcuse, zeitweilig Chef der Europa-Sektion des Dienstes, sowie der Schriftsteller Klaus Mann. Dieser verfasste einige Monate nach der alliierten Landung auf Sizilien, welche das OSS unter dem Decknamen Operation Husky zusammen mit dem Marinenachrichtendienst (ONI) vorbereitet hatte, für die nach Norden vorrückende 5. US-Armee Flugblätter zum Abwurf hinter den deutschen Linien und Texte für Grabenlautsprecher. Er verhörte während des Italien-Feldzuges auch deutsche Kriegsgefangene, damit die Stimmung in der Truppe genauer analysiert werden konnte.[1]

1944 nahm das Londoner Büro des OSS Kontakte zur Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien auf, um aus ihren Reihen geeignete Kandidaten anzuwerben. Die Kontaktaufnahme erfolgte über Jürgen Kuczynski, den damaligen Leiter der Freien Deutschen Bewegung. Die Kandidatenliste wurde von Seiten der deutschen Emigranten mit der GRU abgestimmt. Die sieben ausgewählten Kandidaten sollten per Fallschirm hinter den deutschen Linien abspringen. Zwei der Agenten, Anton Ruh, später Botschafter der DDR in Rumänien und Paul Lindner, wurden 2006 postum von der Regierung der USA mit dem Silver Star gewürdigt.[2] [3] Der Historiker Brian Nelson Macpherson hob in seiner Dissertation hervor: „Keine andere Quelle des Nachrichtendienstes war so hilfreich in der zuverlässigen Wahrnehmung von Einzelheiten während der letzten Kriegsmonate.“

Mit der Operation Sunrise etablierte das OSS bereits früh eine amerikanische Zusammenarbeit mit Personen des späteren Bundesnachrichtendienstes. Generalmajor Reinhard Gehlen leitete von 1942 bis 1945 im Generalstab des Heeres die Spionageabteilung Fremde Heere Ost. Unmittelbar nach dem Krieg wurden Gehlen und seine gesamte Organisation (die vor allem aus SS-, SD- und Abwehr-Leuten bestand) in den Dienst des amerikanischen Geheimdienstes gestellt. Gehlen wurde damit beauftragt, einen deutschen Auslandsnachrichtendienst aufzubauen, der sich vor allem gegen die Sowjetunion richten sollte. Die Organisation Gehlen wurde später durch die CIA übernommen.

Auflösung

Das vom Militär von Anfang an mit Argwohn bedachte OSS wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 20. September 1945 wieder aufgelöst. Einige Veteranen installierten einen OSS-Mythos durch eine Vielzahl entsprechender Abenteuerromane, Comics und Spielfilme. Die Übernahme der ehemaligen OSS-Agenten in die 1947 gegründete Central Intelligence Agency oder das American Committee for a United Europe verlief jedoch keineswegs automatisch: viele verweigerten sich und suchten nach anderen Betätigungsfeldern. Die ehemalige Mitgliedschaft im OSS erwies sich zwar für manche als Sprungbrett für wirtschaftliche Karrieren - andere sahen nach Kriegsende eher kritisch auf die historische Rolle des OSS zurück.[4]

Die Akten des OSS wurden teilweise in den 1970er und 1980er Jahren freigegeben. Im August 2008 veröffentlichte das Nationalarchiv der USA 35 000 weitere Personalakten sowie Dokumente über geheime Einsätze.[5]

Mediale Rezeption

Verweise

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Uwe Naumann: Klaus Mann. RoRoRo, Hamburg 1984 ISBN 3-499-50332-8 (S.114 ff)
  2. Junge Welt, 13. Juni 2006
  3. Klaus Wiegrefe: Falsche Freunde DER SPIEGEL 45/2004 vom 30. Oktober 2004
  4. Max Corvo: O.S.S. in Italy 1942-1945: A Personal Memoir of the Fight for Freedom: 1943-1945. Enigma Books, New York 2005, ISBN 1929631456
  5. „Das Who is Who berühmter US-Spione“, Süddeutsche Zeitung, 14. August 2008






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