Die Operation Pastorius war ein in groben Umrissen von der Abwehr entworfenes Kommandounternehmen während des Zweiten Weltkrieges, bei dem deutsche Sabotagegruppen in den Industriezentren der USA Anschläge begehen sollten.
Beauftragt mit den Vorbereitungen im Einzelnen war der ehrgeizige Abwehroffizier Oberleutnant Walter Kappe, der in Chicago und New York zwölf Jahre in der Auslandsorganisation der NSDAP Propagandarbeit geleistet hatte. Sein Plan bestand darin, Deutsche, die in den USA gelebt und gearbeitet hatten, die mit der Sprache und den Lebensgewohnheiten vertraut waren, zu rekrutieren, sie mit einem U-Boot an der Atlantikküste abzusetzen und sie kriegswichtige Industriebetriebe, Staudämme und Eisenbahnverbindungen zerstören zu lassen und so möglichst viel Panik zu erzeugen.
Im Winter 1941 begann Kappe mit der Suche nach geeigneten Kandidaten. Er sprach auf Kongressen des Auslandsinstituts mögliche Bewerber an, überprüfte Personalakten der Wehrmacht und suchte auch auf Listen wieder eingebürgerter Deutscher der Gestapo nach in Frage kommenden Kandidaten. Am 10. April 1942 wurde eine Gruppe Freiwilliger auf dem Gut Quenzsee bei Berlin zusammengezogen, unter anderen:
In Quenzsee erhielten sie eine Spezialausbildung in Sprengstoff, Brandsätzen, Handgranatenwerfen, Schießübungen, Nahkampf, Sabotagetechniken und Geheimschriften. Sie wurden unterrichtet, welche in jedem Drugstore leicht erhältlichen Materialien für ihre Zwecke einsetzbar seien, wie man mit primitiven Mitteln Zeitzündeeinrichtungen herstellt, mit einem Gewehrschuss auf einen Transformator ein ganzes Aluminiumwerk wochenlang lahmlegt und geheime Nachrichten übermittelt. Am 29. April wurden sie einer Prüfung durch den Befehl, die Attrappe eines durch Wachmannschaften der Sabotageschule bewachten Rüstungsbetriebes, eines Verschiebebahnhofs und anderer Ziele auszukundschaften und binnen 36 Stunden zu zerstören.
Nachdem alle bis auf zwei Mitglieder ihre Prüfung bestanden hatten, wurden sie durch Kappe in zwei Gruppen eingeteilt: Burger, Heinck und Quirin sollten unter Daschs Führung die Aluminiumwerke in Alcoa, Tennessee, in East St. Louis, Illinois und in Massena, New York sowie die Kryolithwerke in Philadelphia sabotieren, aber auch die Schleusen am Ohio River zwischen Pittsburgh und Louisville zu sprengen. Neubauer, Thiel und Haupt hatten unter Befehl von Kerling die Eisenbahntunnel und -brücken, die Hellgate-Brücke über den East River und die Wasserversorgung von New York City zu zerstören. Jeder Einzelne hatte den Auftrag von Kappe, unbedingt weitere Deutschamerikaner zu rekrutieren und möglichst mit diesen zusammen ihre Befehle auszuführen. Falls einer weich werden sollte, so hätte jeder jeden aus dem Kommando zu erschießen. Kappe selbst wollte in die USA nachkommen, sobald das Kommando ein Agentennetz angeworben hätte. Verschlüsselte Anzeigen in der Chicago Tribune sollten der Kommunikation dienen. Jeder der Agenten erhielt 4.400 US$ und die beiden Anführer weitere 50.000 US$. Dasch fiel jedoch auf, dass ein erheblicher Teil des Bargeldes aus Golddollarnoten bestand, die seit 1933 nicht mehr im Umlauf waren.
Am 28. Mai 1942 gingen sie in Lorient, Bretagne, an Bord der deutschen U-Boote U 202 und U 584. U 202 setzte sie kurz nach Mitternacht am 14. Juni 1942 vor Amagansett auf Long Island, New York mit Schlauchboot und vier wasserdichten Kisten mit Sprengstoffen sowie Zeit- und Fernzündern ab. U 584 setzte sein Kommando am 17. Juni vor Ponte Vedra Beach, südlich von Jacksonville mit Schlauchboot und Kisten ab.
Das erste Kommando mit Dasch wurde von einem jungen, aufmerksamen Wachmann bereits am Strand gesehen, noch bevor es Zeit hatte, Schlauchboot und Kisten verschwinden zu lassen. Die vier Agenten steckten ihm Bargeld zu und verlangten von ihm, den Vorfall zu vergessen, was natürlich sein Misstrauen erregte. Bevor der Wachmann Hilfe holen konnte, waren sie bereits verschwunden, hatten den Pendlerzug nach New York genommen und sich in Manhattan im Hotel Governor Clinton in der 31. Straße bzw. einen Block entfernt im Hotel Martinique einquartiert. Die Kisten wollten sie später mit einem Auto in ein Versteck in den Catskills nordwestlich von New York schaffen. Doch Dasch kamen bereits am ersten Abend Bedenken bezüglich des ganzen Unternehmens, und er fühlte bei Burger vor, wie man aus der Sache wieder herauskommen könnte.
Das zweite Kommando war per Bus nach Jacksonville, von dort per Zug nach Cincinnati, Ohio gelangt, wo Kerling und Thiel untertauchten, während Haupt und Neubauer nach Chicago, Illinois reisten.
Dasch rief beim New Yorker Büro des FBI an, um sein Kommen in Washington für die folgende Woche anzukündigen. Der Beamte nahm den Anruf nicht sonderlich ernst und legte eine kurze Notiz an. Dasch pokerte noch ein wenig mit seinen alten Kollegen aus Kellnertagen in New York und fuhr dann fünf Tage später nach Washington (D.C.), wo er seinen Zuhörern weitschweifig und detailliert zwei volle Tage Auskunft über ihren Auftrag, ihre Identität, ihre Ausbildung, die deutsche Lebensmittelversorgung, die Wohnungsknappheit, die militärische Lage und die Tauchtiefen deutscher U-Boote gab. Als Gegenleistung für seine Auskunftsfreudigkeit erwartete er, in den in Deutschland verbreiteten Propagandaradiosendungen sprechen zu dürfen.
Stattdessen wurden Burger, Heinck und Quirin im Hotel, Kerling zusammen mit Thiel bei seiner in New York lebenden Ehefrau festgenommen. Haupt hatte die Dreistigkeit besessen, sich bei einem FBI-Büro in Chicago nach seiner Einberufung zu erkundigen, wo man ihn mit "alles in Ordnung" in Sicherheit wiegte, um ihn zu beschatten. Er führte nach einer Woche seine Aufpasser zum Versteck von Neubauer.
Der Fall wurde vor einem Militärgericht verhandelt, bei dem Generalstaatsanwalt Francis Biddle persönlich die Anklage vertrat. Obwohl alle erstaunlich detailliert Geständnisse ablegten und keine Versuche zu Sabotageakte verübt hatten, wurde ihnen die Tatsache, dass sie als Deutsche Sprengmittel ins Land gebracht hatten, als Verstoß gegen die Kriegsgesetze ausgelegt. Weder ihre Geständnisse noch die Bekundung ihrer angeblichen Abscheu gegenüber der Diktatur in Deutschland, noch ihre Beteuerungen, niemals tatsächlich einen Sprengstoffanschlag vorgehabt zu haben, halfen ihnen. Das am 8. August 1942 verkündete Strafmaß für Dasch lautete dreißig Jahre Zuchthaus, für Burger lebenslänglich. Alle übrigen wurden zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt und noch am gleichen Tage hingerichtet. Dasch und Burger wurden im April 1948 durch Präsident Harry S. Truman begnadigt und nach Westdeutschland abgeschoben.
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