Das Patriarchat (griechisch πατριαρχία, von πατήρ, patér - „Vater“; αρχή, arché - u. a. „Ursprung“, „Herrschaft“), auch Androkratie genannt, ist eine Herrschaftsform, die durch die Vorherrschaft von (meist älteren, vgl. Gerontokratie) Männern über Familien, Sippen, Gemeinden, Diözesen oder Völker gekennzeichnet ist.
Gegenbegriff dazu ist das Matriarchat bzw. die Gynaikokratie.
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Das Patriarchat hat in der Regel folgende Merkmale:
Kennzeichnend für patriachalische Gesellschaften ist, dass die Vaterschaft zuvorderst über die biologische Abstammung festgelegt wird. Demgegenüber tritt die soziale Vaterschaft in den Hintergrund. Weil es für die biologische Abstammung, abgesehen von den neu entwickelten genetischen Vaterschaftsfeststellungsverfahren, keine mit der Mutterschaft vergleichbaren augenscheinlichen Beweise (Austritt der Leibesfrucht aus dem Mutterleib) gibt, muss in patrilinear-abstammungsgeleiteten Gesellschaften die Geschlechtlichkeit der Frau an die Ehe gebunden werden, um sicherzustellen, dass der Ehemann der Mutter auch biologisch der Vater ist. Verstöße gegen die Eingrenzung der weiblichen Sexualiät werden mit strafrechtlichen (→ Ehebruch) und zivilrechtlichen Sanktionen und gesellschaftlicher Ächtung geahndet.
Die Entstehung des Patriarchats ist nach wie vor umstritten.
Je stärker die Merkmale des „Patriarchats“ ausgeweitet sind, desto schwieriger ist es zu bestimmen, wie alt es sei. Marija Gimbutas (Archäologie), Humberto Maturana (Neurobiologie) und Wilhelm Reich (Psychiatrie) - siehe auch James DeMeo und dessen auf Wilhelm Reichs Arbeit aufbauende Saharasia-Theorie) - haben - unabhängig voneinander - Beweisführungen vorgelegt, denen zufolge patriarchale Herrschaftsstrukturen vor ca. 7000 Jahren entstanden sind, und zwar auf Grund von Klimaveränderungen, die zu Wanderungen der Menschen führten. Anhand von archäologischen, paläoklimatischen, sprachwissenschaftlichen und soziologischen Studien gehen diese Forscher davon aus, dass der Übergang von egalitären, als friedlich angenommenen Verhältnissen zu gewaltsamen, kriegerischen in besonderen Gegenden der Alten Welt, in Nordafrika, im Nahen Osten und in Zentralasien stattgefunden habe: Diese relativ feuchten Gebiete trockneten allmählich aus und wurden mit der Konsequenz verlassen, dass durch den Zusammenfall der Umwelt- und Kulturbedingungen die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau und Mann in traumatisch prägender Weise zerstört worden seien, so wie es aktuelle Vergleichsstudien aus den Hungergebieten Afrikas plausibel gemacht hätten.
Sollte die - weiter gehende - Hypothese eines „Ur-Matriarchates“ zutreffen (→Urgesellschaft), so gelten die vorliegenden Forschungsergebnisse zur Entstehung des Patriarchats heute als die wahrscheinlichsten. Ein „Ur-Patriarchat“ wird zwar von zahlreichen Mythen nahe gelegt (siehe auch Adam), sie spiegeln aber lediglich eine persönliche Weltsicht im Kontext ihrer Entstehungszeit wider und stellen darüber hinaus allenfalls Hypothesen ohne beweisende Kraft dar.
Die Theorien der Matriarchatstheoretikerinnen wurden von der Feministin Cynthia Eller kritisiert. Ihr zufolge gibt es keine Beweise, dass es ein Patriarchat in Europa erst nach der Einwanderung indogermanischer Völker gegeben habe, sie zieht allerdings oben genannte Studien nicht heran, sondern beschränkt sich auf die 'Göttin-Bewegung' in den USA.
In modernen Gesellschaften werden die meisten Regierungen von Männern geführt. Die beginnende Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts öffnete Frauen den Weg zur Verhütung und verbesserte deren Gleichberechtigung, dies ermöglichte es Frauen, sich der Herausforderung der traditionellen Hegemonie der androkratischen Strukturen zu stellen. Jedoch zeigen Studien aus Afrika, Australien und Europa, dass immer noch deutlich mehr Männer leitende Positionen innehaben als Frauen. Die skandinavischen Länder haben mit fast 40% die größte Zahl an Frauen in leitenden Positionen, wohin gegen die arabischen Länder nur eine Rate von rund 6% aufweisen.
Die logisch entgegengesetzte Herrschaftsform zu Androkratie wäre die Frauenherrschaft (Gynokratie), die es allerdings nach übereinstimmender Auffassung von Historikern und Feministinnen nie gegeben hat. Mit dem Begriff Matriarchat werden dagegen Gesellschaften bezeichnet, in dem die Frauen kulturschöpferisch und prägend tätig gewesen sind, aber nicht geherrscht haben.
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