Räter


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Die Räter waren ein antikes Volk des Alpenraumes. Sie sind die Namensgeber der späteren römischen Provinz Raetia.

Inhaltsverzeichnis

Räter oder Rhäter?

Die gelegentliche Schreibung Rhäter und Rhätien, wie sie auch ganz offiziell von der Rhätischen Bahn (RhB) verwendet wird, ist pseudo-antikisierend und findet keinen Rückhalt in antiken Belegen.

Geschichte

Vermutlich um 800 v. Chr. kamen die Räter in den östlichen Alpenraum. Einige römische Geschichtsschreiber bezeichneten sie als besonders kriegerisch und berichteten von ihren Raubzügen gegen Nachbarvölker; eine Beschreibung, die wohl auch politisch geprägt war: Ein Kriegsgrund rechtfertigte die „Vervollständigung“ der römischen Macht gemäß dem von Augustus formulierten Anspruch auf die Weltherrschaft.[1]

107 v. Chr. versuchten die Römer erstmals, in rätisches Territorium vorzudringen, was ihnen aber aufgrund des schwierigen Terrains nicht nachhaltig gelang.

Im Jahre 15 v. Chr. wurden die Räter von Tiberius und Drusus (Stiefsöhnen des Kaisers Augustus) unterworfen und verloren ihre Unabhängigkeit an das Römische Imperium. Die Provinz →Raetia entstand – jedoch ragte sie nach Norden und Westen weit über die vermuteten rätischen Gebiete hinaus und umfasste von ihnen auch nur einen kleineren Teil.

Geographie

Aus römischen und griechischen Quellen ist bekannt, dass die Räter in Nachbarschaft zu Vindelikern, Helvetiern und Boiern lebten. Ihr Gebiet soll sich im Süden bis nach Verona und Como erstreckt haben. So umfasste das ursprünglich rätische Gebiet die Region Tirol (das heutige Trentino, Südtirol, Nordtirol, Osttirol), das östliche Unterengadin sowie das Münstertal (vgl. Geschichte des Kantons Graubünden) und ist daher etwa deckungsgleich mit der jüngereisenzeitlichen Fritzens-Sanzeno-Kultur, die heute allgemein als rätisch angesehen wird.

Kultur

Da sich in der Antike weder Griechen noch Römer besonders für die Räter interessierten, ist wenig über sie bekannt. Einige Erwähnungen beziehen sich jedoch auf kriegerische Aktivitäten, vermutete Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen der Räter und den gepriesenen rätischen Wein.

Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass sie Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Eine Blütezeit erlebte die rätische Kultur, als die Macht der benachbarten Etrusker abnahm.

Herkunft und Sprache

Hauptartikel: Rätische Sprache

Die rätische Sprache war einst über die alpinen Regionen Italiens, Österreichs, der Südschweiz und Deutschlands verbreitet. Sie ist durch eine Anzahl von Inschriften bekannt, die in Alphabeten nordetruskischer Art gehalten sind.

Die Herkunft der Räter und des Rätischen ist umstritten. Die geographische Nähe ließ schon die römischen Schriftsteller Titus Livius, Pompejus Trogus und Plinius vermuten, dass die Räter mit den Etruskern verwandt gewesen seien. Sie sollen nämlich Nachfahren von Etruskern gewesen sein, die ein gewisser Rätus auf der Flucht vor ins ursprüngliche norditalienische Siedlungsgebiet dringenden Kelten in die Alpen geführt habe – dies mag man freilich als ätiologische Sage belächeln. Eine zweite Möglichkeit, den Volksnamen abzuleiten, bietet die Göttin Rätia, die von den Rätern verehrt wurde. In jüngerer Zeit wurde auch eine linguistische Verwandtschaft zwischen „Raeti“ und „Rasenna“ – wie die Etrusker sich selbst nannten – vorgeschlagen.

Livius zufolge soll sogar der Klang des Rätischen dem des Etruskischen geähnelt haben (Theodor Mommsen illustriert dies linguistisch in Römische Geschichte). Hinzu kommt die Tatsache der Verwendung ähnlicher Alphabete. Diese Hinweise auf eine Verwandtschaft mit dem Etruskischen verdichteten 1998 die Sprachwissenschaftler Stefan Schumacher und Helmut Rix durch Analysen der rätischen und der etruskischen Textfragmente. Demnach sollen beide Sprachen Glieder einer Sprachfamilie des Mittelmeerraumes sein, der sie den Namen tyrsenische Sprachen geben (vgl. →Tyrsener, Literatur auch → Rätische Sprache).

Dass die Räter Indogermanen gewesen seien, wie im 19. und 20. Jahrhundert manchmal vermutet wurde, wird heute abgelehnt (wenn auch zum Teil mit der – ebenso abgelehnten – Begründung des Privatgelehrten Linus Brunner, die Sprache sei semitischen Ursprungs, s. Lit.).

Das (Bündner-)Romanische wie auch das Ladinische – beide heute mit dem Friulanischen zum Rätoromanischen zusammengefasst – geht nicht auf die rätische Sprache zurück, sondern auf das Vulgärlatein der romanisierten Bevölkerung dieser Gebiete. Dabei ist nicht auszuschließen, dass sich Sprache und Kultur der vorrömischen (im Osten und Südosten rätischen, im Westen und Südwesten möglicherweise keltisch-ligurischen und/oder lepontischen) Bevölkerung in irgendeiner Form in der romanischen Kultur erhalten haben und die Grundlage für das Selbstverständnis der Romanen bilden.

Einzelnachweise

  1. So raetiafilm.de

Siehe auch

Abgeleitete Begriffe Ethnien, Völkerfamilien Sprachen

Literatur

  • Stefan Schumacher: Sprachliche Gemeinsamkeiten zwischen Rätisch und Etruskisch. In: Der Schlern 72, Heft 2, S. 90-114 (Bozen 1998)
  • Paul Gleirscher: Die Räter. Rätisches Museum, Chur 1991
  • Ingrid R. Metzger, Paul Gleirscher (Red.): Die Räter. Aus Anlass der vom Rätischen Museum Chur erarbeiteten gleichnamigen Wanderausstellung. Athesia, Bozen 1992, ISBN 88-7014-646-4 (mit Bibliographie)
  • Linus Brunner, Alfred Toth: Die rätische Sprache – enträtselt. Sprache und Sprachgeschichte der Räter. St. Gallen, 1987 (Digitalisat einer engl. Ausgabe des Buches) – zur von der Fachwelt verworfenen „Semiterthese“

Weblinks







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