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Als Reisläufer wurden spätmittelalterliche Schweizer Söldner bezeichnet, die bis ins 17. Jahrhundert im Dienste zahlreicher europäischen Herrscher standen. Das mittelhochdeutsche Reis bedeutet hierbei den Aufbruch, das Fortbewegen oder Reisen, in diesem Zusammenhang die Kriegs-Reise, den Kriegszug.
Die grosse Zeit der Reisläufer waren die Kriege um das Herzogtum Mailand um 1500. Die Schweizer Schlachten in Italien zählen mit zu den blutigsten Gemetzeln, die sich Söldnerheere je lieferten.
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Reisläufer wurden wegen der militärischen Erfolge der Eidgenossen in der Zeit der Burgunderkriege (1474-1477) angeworben. Sie unterstanden nicht der Strafgewalt des Kriegsherrn, sondern derjenigen ihrer eigenen Hauptleute, also nicht fremden, sondern eigenen Richtern und eigenem Recht. Übervölkerung vor allem in den Urkantonen, „Feldsucht“ der jungen Männer, also Lust auf Abenteuer, Beute und Sold waren wichtige Gründe, den jeweiligen „Aufgeboten“ der Obrigkeit Folge zu leisten oder auch auf eigene Faust auszuziehen.
Über je mehr der scheinbar unbesiegbaren eidgenössischen Reisläufer ein Kriegsherr verfügte, desto besser waren seine Siegchancen. Das galt insbesondere in den italienischen Kriegen, als Papst, Deutsches Reich, Spanien und Frankreich in dem in Italien entstandenen Machtvakuum Fuss zu fassen suchten. Als wichtigstes Mittel der Anwerbung bürgerte sich das Zahlen von Pensionen an offizielle Vertreter der Kantone oder einflussreiche Persönlichkeiten wie z. B. Kardinal Matthäus Schiner ein, und nicht selten überboten sich die künftigen Kriegsgegner gegenseitig zum Vorteil der eidgenössischen Politiker, was diese, spätestens seit der Schlacht bei Marignano, in den Ruf der Korruption auf Kosten des Volkes brachte, zumal sich Fälle häuften, in denen Schweizer gegen Schweizer kämpften. Ein so erfahrener Politiker wie Jakob Meyer zum Hasen wurde samt seinen Ratskollegen im „Pensionensturm“ 1521 hinweggefegt, ja, das Pensionenwesen als die wirtschaftliche Seite des Reislaufs war eine der wichtigsten Triebfedern der Reformation Zwinglis.
Die Taktik der Reisläufer bestand darin, die gegnerischen Truppen mit Gewalthaufen zu überfallen, bevor diese richtig zur Aufstellung gekommen waren. Ein Gewalthaufen war eine bis zu 50 Glieder tiefe Kampfformation. Vorne standen die Pikeniere mit ihren fünf Meter langen Spiessen, dahinter kamen die Hellebardenträger und Schwertkämpfer mit langen Zweihändern. Das erste und oft auch das letzte Glied bildeten gepanzerte Doppelsöldner, diese trugen einen Eisenhelm (Morion) und waren mit Handfeuerwaffen (Arkebuse) bewaffnet. Der Zusammenprall zweier Gewalthaufen war furchtbar. Wenn die Spiesse und Hellebarden im Gedränge nicht mehr benutzt werden konnten, wütete man mit kurzen Schwertern, sogenannten "Katzbalgern".
Oft standen den Reisläufern deutsche Landsknechte gegenüber, mit welchen es immer wieder zu blutigen Schlachten um die Gunst des Goldes der Fürsten und Kriegsherren gekommen war. Die Landsknechte selbst orientierten sich in ihrer Aufstellung stark an den Schweizer Söldnerheeren und entwickelten diese später immer weiter. Anfangs galten Landsknechte als die schlechteren Schweizer und erhielten geringeren Sold und weniger Beute. Durch verschiedene politische Ereignisse und militärische Niederlagen der Reisläufer schwand jedoch ihr Ansehen und ihre Verfügbarkeit, wodurch die deutschen Landsknechte in den folgenden Kriegen Europas die dominierenden Söldnertruppen waren.
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Die Schrecken des frühneuzeitlichen Schlachtfeldes aus der Sicht des Reisläufers und Künstlers Urs Graf, 1521 |
1515: Schlacht bei Marignano |
Urs Graf: Kriegsrat auf dem Pavierzug |
Mit der Bundesverfassung von 1848 wurde in der Schweiz die Reisläuferei verboten. Aber noch 1855 rekrutierte das viktorianische England 3.338 Reisläufer für den Krimkrieg. Doch bevor die "British Swiss Legion" (B.S.L) gegen die russischen Truppen ins Feld ziehen konnte, wurden die Feindseligkeiten eingestellt.
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