Revolver


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Dieser Artikel befasst sich mit dem Revolver als Faustfeuerwaffe, andere Bedeutungen unter Revolver (Begriffsklärung).
Schnittzeichnung; Deutscher Reichsrevolver Modell 1883
Schnittzeichnung; Deutscher Reichsrevolver Modell 1883

Ein Revolver (engl.: to revolve; lat.: revolvere weiterdrehen) ist eine Faustfeuerwaffe, bei der die Ladung (Projektil, Pulver) oder die Patronen in Kammern in einer Trommel kreisförmig angeordnet sind. Durch das Spannen des Schlaghahns wird die Trommel gedreht und eine neue Kammer vor den Lauf und unter den Hahn transportiert.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Ein Revolver ist eine mechanische Feuerwaffe, welche für jeden Schuss erneut feuerbereit gemacht werden muss. Dies geschieht einerseits durch das Spannen des Hahns von Hand oder durch das Abziehen des Abzuges, welcher dann mechanisch den Hahn spannt.

Wenn der Hahn eines Revolvers von Hand gespannt werden muss, spricht man von einem Single Action Abzug (SA). Kann der Hahn auch durch das Betätigen des Abzuges gespannt werden, so spricht man von einem Spannabzug oder auch von einem Double Action Abzug (DA); dieser kann in der Regel auch als Single Action benutzt werden. Sofern dies nicht der Fall ist, heißt das Abzugssystem Double Action Only (DAO).

Die Munition des Revolvers ist kreisförmig in einem Zylinder angeordnet, der als Trommel bezeichnet wird. Für jeden neuen Schuss wird die Trommel mechanisch gedreht, damit eine Ladung vor dem Lauf positioniert wird.

Konstruktionsbedingt werden, anders als bei Pistolen, bei Revolvern nach einem Schuss die Patronenhülsen nicht automatisch ausgeworfen, sondern müssen entladen werden.

Geschichte

Fälschlicherweise wird oft Samuel Colt als Erfinder des Revolvers bezeichnet, es gab jedoch schon weit vor ihm Waffen mit ähnlichem Funktionsprinzip. Schon um 1600 gab es Steinschloss- und Radschlosswaffen, die über eine Trommel verfügten. Diese musste vor der Schussabgabe von Hand gedreht werden. Erst nach der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert und mit der Erfindung des Zündhütchens konnten mehrschüssige Waffen weiter entwickelt werden. Das größte Problem war, die Trommel exakt ausgerichtet vor den Lauf zu bringen. Bei den frühen Versuchen gab es sehr viele Rückschläge in Form von Quasi-Rohrkrepierern. Eine erste funktionierende Entwicklungsstufe war der Bündelrevolver (auch Pepperbox genannt). Hier wurde auf eine einläufige Konstruktion verzichtet, es wurden einfach 6 oder 8 Läufe zusammengefasst. Dies ging jedoch auf Kosten von Gewicht und Handlichkeit.

Colts maßgebliche Erfindung war eine Mechanik, bei der durch Spannen des Hahns die Trommel gedreht wird, bis sich die nächste Kammer hinter dem Lauf befindet und dort bis zur Schussabgabe arretiert wird. Im Jahre 1834 fuhr Samuel Colt per Schiff von England in die USA zurück. Er beobachtete, wie der Steuermann sein Ruder mit Hilfe eines Holzbolzens von unten arretierte. Somit blieb das Ruder gerade und das Schiff auf Kurs. Colt war von dieser Mechanik begeistert und schnitzte sofort ein Modell seiner Idee. Noch im selben Jahr ließ er vom Büchsenmacher John Pearson ein Modell anfertigen. Das nachher in Paterson New Jersey hergestellte Colt-Paterson-Modell war geboren. 1836 bekam Colt sein Patent und somit war es möglich, die ersten funktionierenden und sicheren Colt- Modelle zu entwickeln. Die Errungenschaft bestand unter anderem in einem Metallbolzen, der in eine Aussparung an der Trommel einrastet und somit eine sichere Arretierung der Trommel vor dem Lauf ermöglicht sowie einem Block zwischen den einzelnen Zündhütchen, um ein Überzünden zu verhindern. Somit begann die Ära der Perkussionsrevolver:

Perkussionsrevolver

Ein Perkussionsrevolver ist nichts anderes als eine Vorderlader-Waffe. Bei ihr wird zunächst das Schießpulver von vorne in die Trommelkammer eingefüllt. Anschließend wird das Projektil (üblicherweise eine leicht übermaßige Rundkugel) mit Hilfe eines Ladestocks oder der Trommelachse in die Kammer gedrückt (später kam auch das so genannte Minié-Geschoss zum Einsatz; dieses war in seiner Form den heutigen Projektilen ähnlich). Um diesen zeitraubenden Vorgang abzukürzen, wurden teilweise bereits geladene Wechseltrommeln mitgeführt. Auch gab es Pulverflaschen mit mehreren Einfüllstutzen, die in Anordnung und Abmessung zur Trommel passten, so dass sämtliche Kammern in einem Arbeitsgang mit Pulver befüllt wurden. Am 29. August 1839 wurde Colt ein US-Patent für einen Kugelsetzer erteilt. Hierbei handelt es sich um einen unter dem Lauf angebrachten Hebel, der umgangssprachlich als Ladehebel oder Ladepresse bezeichnet wird. An der Rückseite hat jede Kammer ein Piston zur Aufnahme des Zündhütchens.

Zwischen 1850 und 1870 gab es eine Fülle an Herstellern von Perkussionsrevolvern.

Patronenrevolver

Bereits 1857 brachten Smith & Wesson den ersten Patronenrevolver, das Model No 1, auf den Markt. Dank der Patente von Rollin White und der Exklusivrechte für Smith & Wesson waren alle andere Waffenhersteller noch bis 1871 daran gebunden, ausschließlich Perkussionsrevolver herzustellen. Erst als diese Patente ausliefen, wurden auch die Colt-Revolver dafür umgerüstet. Die ersten Umbauten (so genannte Conversions) waren noch selbst entworfene Patente, wie ein Perkussionsrevolver zu einem Patronenrevolver umgebaut werden konnten. Bald aber kamen doch einige Modelle auf den Markt, die auf die damals üblichen Patronen abgestimmt waren. Zu Beginn hatte sich der Markt noch nicht auf ein System geeinigt. Remington bot seine Modelle mit Wechseltrommel an, so konnte man wahlweise die Waffe mittels Perkussionszündung oder mit Randfeuerpatronen verwenden.

Die ersten Waffen benutzten Randfeuerpatronen, welche ursprünglich für Unterhebelrepetiergewehre verwendet wurden (vergl. Henry-Rifle und Winchester). Smith & Wesson hatten mit dem Modell No 1 und 2 (siehe oben) das Rim-Fire-System im Einsatz. Hier wurde im unteren Rand der Patrone Knallquecksilber eingearbeitet; schlug der Hahn auf den Rand der Patrone, konnte die Treibladung gezündet werden. Für sehr kleine Kaliber verzichtete man gänzlich auf die Treibladung und ließ das Projektil nur durch das Knallquecksilber antreiben (vergleiche Flobertpatrone).

Weiterhin gab es Stiftfeuerrevolver wie z. B. den Lefaucheux-Revolver. Die Treibladung wurde mittels einer Zündladung gezündet, diese wiederum wurde von einem Stift gezündet, der außen am Hülsenrand saß. Der Hahn schlug von oben auf den Stift, trieb diesen in die Zündladung usw. Umständlich war, dass jede Patrone genauestens in die Trommel eingelegt werden musste und zwar mit dem Stift in eine Aussparung in der Trommelkammer (siehe auch Lefaucheux-Zündung).

Letztlich konnte sich die Zentralfeuerpatrone (vergl. Zentralfeuerzündung) durchsetzten. Hier war mittig im Patronenboden ein Zündhütchen eingearbeitet. Der Hahn schlug mit einem Dorn auf das Zündhütchen, welches die Treibladung zündet.

Ab diesem Zeitpunkt konnte man von einem modernen Revolver sprechen, der sich seit der Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert kaum mehr veränderte. Wesentliche Unterschiede gibt es in der Form der Lademöglichkeiten. Mussten bei den Colt-Modellen die Patronen noch einzeln seitlich durch eine Ladeklappe geladen und entladen werden, kamen von Smith & Wesson Kipplaufmodelle auf den Markt, welche ein wesentlich schnelleres Laden und Entladen ermöglichten. Letztlich etablierte sich die 1889 von Colt auf den Markt gebrachte ausschwenkbare Trommel, die eine ähnlich schnelle Versorgung wie der Kipplauf ermöglichte, aber bei der die Waffe trotzdem einen stabilen geschlossen Rahmen hatte. Das Nachladen erfolgte von Hand entweder einzeln oder mittels vorkonfektionierter Bündelpackungen, den so genannten „Speedloadern“, die nach dem Auswerfen der leeren Patronen sechs oder mehr Patronen gleichzeitig in die leeren Kammern drückten und somit eine wesentlich schnellere Schussfolge gewährleisteten. Speedloader verwenden u. a. Polizei und Sicherheitsdienste.

Besonderheiten

In der Trommel sind im Regelfall sechs Patronen untergebracht, was dieser Waffenart den Spitznamen „sixgun“ bzw. „Sechsschüsser“ einbrachte. Es gibt aber auch fünf-, sieben- und achtschüssige Modelle (z. B. der leichte Smith & Wesson AirLite) oder auch Modelle wie der neunschüssige LeMat-Revolver, der außerdem in der Mitte eine Schrotladung abfeuern konnte. Auch gab es frühe Modelle mit einem einklappbaren Messer bzw. Stilett.

Andere Waffen auf dem Revolver-Prinzip

Ein Vergleich des Revolver-Prinzips mit der von Richard Jordan Gatling erfundenen und nach ihm benannten Gatling Gun ist nur bedingt zulässig. Bei der Gatling dreht sich ein Laufbündel inklusive Verschlüsse kontinuierlich um eine gemeinsame Achse. Der hintere Teil des Systems liegt in einer feststehenden Hülse mit einer Handkurbel zum Antrieb. Kurvenförmige Einfräsungen im zylindrischen Teil der Hülse öffnen und schließen die Verschlüsse im Laufe einer Rotation. Oben wird die Patrone zugeführt und unten der Schuss ausgelöst. Der kontinuierliche Ladevorgang erlaubt hohe Kadenzen bis 10 000 Schuss/Min, zudem überhitzen die Läufe weniger als bei Einzellaufwaffen. Bei einem Revolver dagegen dient die Trommel als Magazin und die Waffe hat nur einen Lauf.

Auf Basis des Revolvers wurden jedoch Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland Revolverkanonen entwickelt. Dieses verfügen wie der Revolver über nur einen Lauf und eine sich drehende Patronenlager-Trommel. Diese dient jedoch nicht als Magazin sondern trennt den bei automatischen Waffe ablaufenden Zyklus Laden-Schießen-Entladen räumlich voneinander. Die Munition wird von außen zugeführt.

Bilder

Siehe auch

Weblinks

Commons
 Commons: Revolver – Bilder, Videos und Audiodateien

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