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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die polnische Stadt Ryn (dt. Rhein) siehe Ryn. |
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| Rhein | |
|---|---|
| Daten | |
| Lage | Europa |
| Länge | 1324 kmdep1 |
| Quelle | Alpen (siehe Rheinquelle)Vorlage:Infobox Fluss/QUELLKOORDINATE_fehlt |
| Mündung | Nordsee (siehe Rhein-Maas-Delta)Vorlage:Infobox Fluss/MÜNDUNGSKOORDINATE_fehlt |
| Flusssystem | Rhein |
| Einzugsgebiet | 198.735 km²dep1 |
| Abflussmenge | 2.330 m³/s |
| Einwohner im Einzugsgebiet | ca. 50 Millionen |
| Großstädte | siehe Kapitel Siedlungen |
| Rechte Nebenflüsse | siehe Kapitel Nebenflüsse |
| Linke Nebenflüsse | siehe Kapitel Nebenflüsse |
| Durchflossene Seen | Bodensee |
| Schiffbar | 883 km (Großes Rheinschiff) |
Der Rhein ist ein Strom im Übergangsbereich von Mittel- und Westeuropa. Sein Einzugsgebiet umfasst weite Teile der Schweiz, Deutschlands und der Niederlande, dazu vor allem Gebiete im Osten Frankreichs und im Westen Österreichs. Die größten zum rheinischen Fluss-System gehörenden Flüsse sind Aare, Mosel und Main, bis 1904 auch die Maas. Der Rhein ist der längste Nordseezufluss und eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt.
Inhaltsverzeichnis |
Der Rhein hat eine Gesamtlänge von ungefähr 1324 km[1], 883 davon sind für die Großschifffahrt nutzbar. Die mittlere Abflussmenge kurz vor dem Delta beträgt 2.330 m³/s. Die höchste dort je gemessene Abflussmenge betrug 12.000 m³/s (Hochwasser 1926), die niedrigste 600 m³/s (Sommer 1947). Seine Gewässerkennzahl ist 2.
Das Quellgebiet des Rheins liegt im Übergangsbereich von den West- zu den Ostalpen. Die hauptsächlichen naturräumlichen Einheiten, die er durchfließt, sind nördliches Alpenvorland, Oberrheingraben, Mittelgebirgsschwelle und Niederrheinisches Tiefland. Der Rhein ist der größte Zufluss in die Nordsee, weitere wichtige Nordsee-Zuflüsse sind westlich von ihm die Maas, östlich von ihm die Ems, die Weser und dann die Elbe. Seine Fließrichtung auf gröberem Maßstab ist meist nördlich oder nordwestlich.
Das Einzugsgebiet des Rheins umfasst 198.735 km² in neun Staaten und hat Anteil an den kontinentalen Großregionen Westeuropa und Mitteleuropa. Der Rhein durchfließt die Staaten Schweiz, Österreich, Deutschland und Niederlande. Für Liechtenstein und Frankreich ist er Grenzfluss. Sein Einzugsgebiet umfasst auch nahezu ganz Luxemburg und kleine Teile Belgiens und Italiens. Es grenzt (von Westen im Uhrzeigersinn) an jene der Meereszuflüsse Maas, Ems, Weser und Elbe (alle Nordsee), Donau (Schwarzes Meer) sowie Po und Rhône (beide Mittelmeer).
Der Name „Rhein“ geht möglicherweise (wie auch der Name der Rhône oder die antike Bezeichnung Rhaina für die Wolga) auf die indogermanische Wurzel H1reiH- für „fließen“ zurück. Aus dieser Wurzel entstanden u. a. auch das deutsche Verb „rinnen“, das spanische „rio“ (Fluss) oder das altgriechische rhëin für „fließen“, das auch in deutsche Fremdworte (wie etwa Diarrhöe, Rheologie etc.) Eingang gefunden hat. Die Kelten nannten den Fluss Rhenos, die Römer Rhenus; in der Antike wurde der Fluss zudem als Rhenus Pater verehrt. Möglicherweise wurde der Name zuerst von der vorrömischen (rätischen?) Bevölkerung im Quellgebiet des Rheines benutzt und dann von Kelten und Römern übernommen. Der Name könnte aber auch von den Kelten selbst eingeführt worden sein, bedeutet keltisch ro-ean doch „fließendes Gewässer“ oder auch „großes Wasser“.
Der Name des Rheins lautet in Dialekten und anderen Sprachen des Einzugsgebiets: rätoromanisch Rein, schweizerdeutsch Rhy, französisch Rhin, lëtzebuergesch (luxemburgisch) Rhäin, ripuarisch Rhing, niederländisch, niederdeutsch Rijn, friesisch Ryn.
In sonstigen Sprachen heißt er: englisch Rhine, dänisch und norwegisch Rhinen, schwedisch Rhen, keltisch Rhenos, griechisch Ρήνος Rinos, lateinisch Rhenus, italienisch Reno, spanisch Río Rin, portugiesisch Rio Reno, rumänisch Rin, russisch Рейн (река), tschechisch Rýn, polnisch und slowenisch Ren, ungarisch und kroatisch Rajna, türkisch Ren Nehri, arabisch نهر الراين, japanisch ライン川, koreanisch 라인 강, chinesisch 莱茵河.
Man untergliedert den Lauf des Rheins in den Bereich der Quellflüsse (siehe Rheinquelle), den Alpenrhein, den aus Obersee, Seerhein und Untersee bestehenden Bodensee, den Hochrhein, den Oberrhein, den Mittelrhein, den Niederrhein und das Rhein-Maas-Delta.
Oberhalb des Zusammenflusses von Vorder- und Hinterrhein zum Alpenrhein bei Tamins liegt das umfangreiche und weitverzweigte Einzugsgebiet der Quellflüsse des Rheins. Es gehört überwiegend zum schweizerischen Kanton Graubünden und reicht vom Gotthardmassiv im Westen über das italienische Valle di Lei im Süden bis zur Davoser Landschaft im Osten. Die fünf größten Quellflüsse sind Vorderrhein, Hinterrhein, Albula, Landwasser und Gelgia (Julia).
Der Vorderrhein entsteht aus zahlreichen Quellbächen in der obersten Surselva und fließt etwa in West-Ost-Richtung. In seinem Unterlauf durchströmt der Vorderrhein die Ruinaulta (Rheinschlucht).
Der Hinterrhein ist oberhalb seines Zusammenflusses mit dem Vorderrhein überwiegend nach Norden orientiert, in seinem Oberlauf nach Osten. Er durchfließt die drei Talkammern Rheinwald, Val Schons und Domleschg-Heinzenberg. Dazwischen liegen die Schluchtlandschaften Rofla und Via Mala. Seine Quellbäche liegen im Adulamassiv (Rheinwaldhorn, Rheinquellhorn, Güferhorn).
In den Hinterrhein mündet bei Sils aus Osten die Albula, ein dem Hinterrhein mindestens ebenbürtiger Wasserlauf. Die Albula selbst hat mit der Gelgia (Julia) und dem Landwasser ebenbürtige, wenn nicht bedeutendere Zuflüsse mit großen Einzugsgebieten. Die Quellbäche der Albula liegen um Bergün/Bravuogn, die der Geglia oberhalb Bivios am Julierpass und die des Landwassers in einem weiträumigen Talsystem um Davos.
Als Rheinquelle wird oft der im Vorderrheingebiet liegende Lai da Tuma (Tomasee) mit dem ihn durchfließenden Rein da Tuma angesehen. Nimmt man das Kriterium der mündungsfernsten Quelle als entscheidend, müsste allerdings die Quelle des ebenfalls vorderrheinischen Reno di Medel als Rheinquelle betrachtet werden. Der Rein da Tuma wird nach diesem Kriterium auch von Rein da Maighels, Rein da Curnera und Dischmabach übertroffen.
Die Quellen des südlichsten Zuflusses Reno di Lei befinden sich in Italien, um den Lago di Lei. Das vom Reno di Medel entwässerte tessinische Val Cadlimo ist das einzige südlich des geomorphologischen Alpenhauptkamms gelegene Rheingebiet.
Zahlreiche größere und kleinere Quellflüsse enthalten den Namensteil ‹Rhein›. Beispiele:
Zwischen Tamins und seiner Einmündung in den Bodensee fließt der Rhein auf knapp 100 km Länge in überwiegend nördlicher Richtung und fällt dabei von 599 auf 396 m. Er durchströmt hier ein glaziales, breit ausgeräumtes, alpines Kastental des Alpenrheins. Bei Sargans verhindert nur eine wenige Meter hohe Landstufe, dass er durch Seeztal, Walensee und Zürichsee Richtung Aare fließt. Anfangs inmitten des Schweizer Kantons Graubünden und in der Schweiz, bildet der Alpenrhein in den unteren Talbereichen die Grenze zwischen der Schweiz im Westen und Österreich und Liechtenstein im Osten.
Die Mündung des Rheins in den Bodensee ist als Binnendelta ausgebildet. Es ist im Westen vom Alten Rhein und im Osten vom unteren Rheindurchstich begrenzt. Diese „Rheindelta“ genannte Landschaft ist in weiten Teilen Natur- und Vogelschutzgebiet und umfasst die österreichischen Ortschaften Gaißau, Höchst und Fußach. Der natürliche Rhein verzweigte sich einst in mindestens zwei Arme, durch sich ablagerndes Geschiebe entstanden kleine Inseln. Da in der örtlichen alemanischen Mundart die Einzahl des Wortes als «Isel» ausgesprochen wird, und diese Wortform fälschlich als „Esel“ verstanden wurde, findet sich dort heute «Esel» als offizieller Flurname.
Eine Rheinregulierung mit einem oberen Rheindurchstich bei Diepoldsau und dem unteren Rheindurchstich bei Fußach nahm man vor, um der beständigen Überschwemmungen und der starke Sedimentation im westlichen Rheindelta zu steuern. Nach ihr musste auch die Dornbirner Ach umgeleitet werden, sie fließt heute parallel zum kanalisierten Rhein in den Bodensee. Ihr Wasser zeigt dunklere Farbe als der Rhein, seine hellere Schwebfracht kommt aus dem Hochgebirge. Durch den fortwährenden Eintrag von Sedimentfracht in den Bodensee ist dessen Verlandung absehbar. Ähnliches widerfuhr etwa schon dem ehemaligen Tuggenersee.
Der abgeschnittene Alte Rhein hinterließ zunächst eine Sumpflandschaft. Er wurde später in einen künstlichen Graben eingepfercht und wurde so flussaufwärts auf etwa zwei Kilometern bis Rheineck SG schiffbar gemacht.
Hauptartikel: Bodensee
Hauptartikel: Obersee
Die Strömung des kalten, grauen Gebirgswassers setzt sich noch ein Stück an der Oberfläche des Sees fort und mischt sich zunächst nur wenig mit dem eher warmen, grünlichen Wasser des Obersees. Erst am so genannten Rheinbrech fällt die Strömung auf Grund der größeren Dichte von kaltem Wasser abrupt in die Tiefe ab. Die Strömung drängt erst wieder auf der anderen Seite am nördlichen deutschen Ufer vor der Insel Lindau an die Oberfläche und folgt diesem bis etwa Hagnau am Bodensee. Ein kleiner Teil der Strömung zweigt vor der Insel Mainau in den Überlinger See ab. Die Hauptströmung wird im Konstanzer Trichter von der Rheinrinne aufgenommen und zum Abfluss geleitet. Je nach Wasserstand ist diese Strömung auf der ganzen Länge deutlich wahrzunehmen.
Der Rhein trägt sehr große Mengen an Ablagerungen in den Bodensee ein. Daher ist im Mündungsbereich ein permanenter Kiesabbau mit Schwimmbaggern nötig. Die großen Sedimentfrachten sind auch Folge der umfangreichen Meliorationen flussaufwärts.
Über den Obersee haben drei Staaten direkten Zugang zum Rheinweg, nämlich die Schweiz im Süden, Österreich im Südosten sowie Deutschland mit Bayern im Nordosten, Württemberg im Norden und Baden im Nordwesten.
Hauptartikel: Seerhein, Untersee
Vom Obersee führt der vier Kilometer lange Seerhein in den 30 cm tiefer gelegenen Untersee. Am Beginn des Seerheins, in der Mitte der alten Konstanzer Rheinbrücke, beginnt die Kilometrierung des Rheins (vgl. Kapitel Kilometrierung).
Auch im Untersee lässt sich die Strömung des vom Seerhein kommenden Wassers verfolgen; auch hier vermischt es sich nur wenig mit dem Wasser des Sees. Die nördlichen Teile des Untersees (Zeller See und Gnadensee) bleiben von der Durchströmung nahezu unberührt.
Seerhein und Untersee bilden auf weite Strecken die Grenze zwischen der Schweiz und Baden. Allein das Stadtzentrum von Konstanz liegt gleichsam als deutscher Brückenkopf südlich des Seerheins.
Hauptartikel: Hochrhein
Bei Stein am Rhein am Westende des Untersees beginnt der Hochrhein. Er fließt im Gegensatz zu Alpenrhein und Oberrhein vor allem nach Westen und fällt dabei von 395 m auf 252 m.
Unterhalb von Schaffhausen liegt der Rheinfall, bei einer mittleren Wasserführung von 373 m³/s (mittlerer Sommerabfluss ca. 700 m³/s) hinter dem Dettifoss in Island der zweite Wasserfall Europas nach Fallenergie. Das Bild des Hochrheins wird von seinen zahlreichen Staustufen geprägt. Auf den wenigen verbliebenen natürlichen Abschnitten gibt es jedoch noch mehrere „Laufen“ genannte Stromschnellen. Beim aargauischen Koblenz mündet die Aare, die mit einem durchschnittlichen Abfluss von 557 m³/s deutlich wasserreicher als der Rhein (439 m³/s) ist, der aber den längeren Oberlauf hat.
Der Hochrhein ist fast auf seiner gesamten Strecke Grenze zwischen der Schweiz im Süden und Baden im Norden. Bei Stein am Rhein, bei Schaffhausen und bei Basel ragt die Schweiz jedoch über den Fluss nach Norden.
Hauptartikel: Oberrhein
Im Zentrum von Basel, der ersten Großstadt am Laufe des Stroms, liegt das „Rheinknie“; hier endet der Hochrhein, der Fluss fließt nun als Oberrhein nach Norden durch die etwa 300 km lange und bis zu 40 km breite Oberrheinische Tiefebene, seine Höhe fällt dabei von 252 m auf 76 m. Die wichtigsten Zuflüsse in diesem Bereich sind die Ill unterhalb von Straßburg, der Neckar in Mannheim und der Main gegenüber von Mainz. Bei Mainz verlässt der Rhein den Oberrheingraben und durchfließt das Mainzer Becken.
Die Südhälfte des Oberrheins trennt Frankreich (Elsass) von Deutschland (Baden), die Nordhälfte Rheinland-Pfalz im Westen von Baden und Hessen im Osten und Norden. Eine Kuriosität dieses Grenzverlaufs sind die seit 1945 zu Hessen gehörenden, sogenannten rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz.
Das Oberrheintal war bereits in Antike und Mittelalter eine bedeutende Kulturlandschaft Europas. Heute ist der Oberrhein Standort zahlreicher wichtiger Industrie- und Dienstleistungsbetriebe mit den Zentren Basel, Straßburg und Mannheim-Ludwigshafen. Die Oberrheinlandschaft hat sich durch die Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert stark verändert. Wegen der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit fiel der Grundwasserspiegel beträchtlich, wodurch Seitenarme trockenfielen und der Auen-Urwald stark zurückging. In Frankreich wurde der für die Rheinschifffahrt wichtige Rheinseitenkanal angelegt, der einen beträchtlichen Teil des Flusswassers mit sich führt.
Hauptartikel: Mittelrhein
Bei Bingen endet das Mainzer Becken, der Fluss tritt auf 70 m Meereshöhe als Mittelrhein ins Rheinische Schiefergebirge ein und wird es auf 50 m wieder verlassen. Linksrheinisch grenzen hier die Gebirgszüge von Hunsrück und Eifel an, rechtsrheinisch Taunus und Westerwald. Die charakteristisch enge Talform entstand erdgeschichtlich durch Tiefenerosion des Flusses in eine sich hebende Scholle. Wichtige Zuflüsse des Mittelrheins sind Lahn und Mosel, die bei Koblenz von rechts und links münden. Fast über die ganze Länge des Mittelrheins verläuft der Fluss im Bundesland Rheinland-Pfalz.
Am Mittelrhein dominieren wirtschaftlich Weinbau und Touristik. Der Talbereich zwischen Rüdesheim und Koblenz zählt zum Weltkulturerbe. Bei Sankt Goarshausen umfließt der Rhein den berühmten Loreleyfelsen.
Hauptartikel: Region Niederrhein
In Bonn geht der Mittelrhein mit der Mündung der Sieg und dem Eintritt in das Norddeutsche Tiefland in den Niederrhein über. Der Niederrhein liegt zwischen 50 und 12 m. Wichtigste Zuflüsse sind Ruhr und Lippe. Wie schon dem Oberrhein, so wurde auch dem mäandrierenden Niederrhein wasserbaulich ein festes Flussbett geschaffen. Weil die Deiche hier weiter zurückliegen, hat der Niederrhein aber bei Hochwasser mehr Ausdehnungsfläche als der Oberrhein.
Der Niederrhein liegt vollständig in Nordrhein-Westfalen. Seine Ufer sind meist stark besiedelt und industrialisiert, besonders in den Agglomerationen Köln, Düsseldorf und Ruhrgebiet. Wichtigste Hafenstadt ist Duisburg mit dem größten Binnenhafen Europas. Stromabwärts von Duisburg ist die Region eher agrarisch geprägt. In Emmerich spannt sich die längste Hängebrücke Deutschlands über den an dieser Stelle mehr als 400 Meter breiten Strom. Bei Krefeld-Uerdingen quert die Uerdinger Linie den Rhein, eine Sprachgrenze, die die niederdeutschen Dialekte von den hochdeutschen trennt.
Hauptartikel: Rhein-Maas-Delta
An der niederländisch-deutschen Staatsgrenze beginnt das Rhein-Maas-Delta, die zentrale Landschaft der Niederlande. Weil der rheinische Zufluss überwiegt, ist auch die kürzere Bezeichnung Rheindelta gebräuchlich, das dann aber vom Binnendelta des Rheins am Bodensee klar zu scheiden ist, aber auch die längere Rhein-Maas-Schelde-Delta, weil die Schelde im selben Delta ausläuft.
Bestimmend für die Gestalt des Rheindeltas sind zwei Flussteilungen (Bifurkationen), zum einen die Rheinteilung bei Millingen in Waal und Nederrijn, zum anderen der Abzweig der (Gelderschen) Issel (niederländisch: IJssel) vom Nederrijn bei Arnheim. So entstehen drei Hauptstromverläufe, die jedoch keine durchgehenden Benennungen tragen: der größte und südliche Hauptarm wird vom Stromverlauf Waal – Merwede – Noord – Neue Maas – Neuer Wasserweg gebildet; der mittlere durch Nederrijn und Lek; der nördliche durch die (Geldersche) Issel. Außer ihnen sind noch drei weitere Stromverläufe aufgrund hoher Abflussmenge bedeutend: die Neue Merwede, die vom südlichen Hauptarm abzweigt; die Alte Maas, gleichfalls ein Seitenfluss des südlichen Hauptarms; sowie das Dordtse Kil, ein Abzweig von der Alten Maas.
Bis zur Elisabethenflut 1421 floss die Maas etwas südlich der heutigen Linie Merwede-Oude Maas Richtung Nordsee und bildete mit Waal und Lek einen gemeinsamen, archipelartigen Mündungsbereich, dessen damaliger Zustand wegen zahlreicher Meeresbuchten, ästuarartig erweiterter Flussläufe, vieler Inseln sowie beständiger Küstenveränderungen heute schwer fassbar ist. Die Maas mündete danach bis 1904 weiter flussaufwärts bei Gorinchem in die Waal. Aus Hochwasserschutzgründen trennte man dann die Maas vom Rhein durch eine Schleuse („Abgedammte Maas“) und grub einen neuen Abfluss für sie. Seitdem fließt sie westlich über diese sogenannte „Bergse Maas“ und danach die Amer in die ehemalige Meeresbucht Hollands Diep.
Der Mündungsbereich ganz im Nordwesten, auf Höhe der hier unterbrochenen Dünenketten, hieß bereits in der Antike und heißt auch heute noch Maasmündung (Maasmond). Dies erklärt vielleicht die vom Mittelalter bis in die neueste Zeit fortdauende und verwirrende Verwendung des Namens „Maas“ für heute unzweifelhaft rheinische Unterläufe.
Die Hydrographie des heutigen Deltas ist geprägt von den Delta-Hauptarmen, weiteren Stromarmen (Holländische Issel, Linge, Vecht u.a.) sowie kleineren Flüssen und Bächen. Viele Fließgewässer wurden stillgelegt („abgedämmt“) und dienen jetzt wie die zahlreich angelegten Kanäle zur Entwässerung von Poldern. Der Bau der Deltawerke veränderte das Delta in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend. Gegenwärtig fließt an nur noch fünf Stellen Rheinwasser ins Meer oder in von ihm abgetrennte ehemalige Meeresbuchten, und zwar über die Unterläufe von Neuer Merwede, Neuem Wasserweg, Dordtse Kil, Spui und Issel.
Das Rhein-Maas-Delta ist ein Gezeitendelta, denn nicht nur die Sedimentation der Flüsse, sondern auch die Gezeitenströme bestimmten seine Gestalt. Dies bedeutete im Falle von Sturmfluten höchste Gefahr, weil solche Hochwasser wegen starker Gezeitenströme riesige Landflächen in die See reißen konnten. Selbst heute noch, nach den Regulierungsmaßnahmen der Deltawerke zur Sturmflutsicherung, sind Ebbe und Flut bis weit ins Landesinnere merklich. An der Waal beispielsweise pendelt die Stelle des am weitesten landwärtigen Gezeiteneinflusses zwischen Brakel und Zaltbommel. Nach dieser Gezeiteneinflussgrenze schied man in der Regel einen oberen von einem unteren Flussabschnitt, etwa Beneden Merwede (Untere Merwede) von Boven Mervede (Obere Merwede) im Falle der Merwede.
Die ersten Anfänge des Rheins lassen sich bis ins Miozän vor ca. 12 Millionen Jahren zurückverfolgen. Das Quellgebiet des Urrheins wird im Bereich des Kaiserstuhlmassivs vermutet. Der Urrhein hatte teilweise ein anderes Flussbett als heute. Er floss ab etwa Worms mitten durch Rheinhessen und auf die Binger Pforte zu. Die Gegend um Oppenheim und Mainz ließ er dabei rechts liegen.
Geologische und geomorphologische Vorgänge haben die Talverläufe und -formen des Rheins geprägt. So floss der Rhein in frühen Erdzeitaltern in Mäandern auf breitem und flachem Talgrund, der heute noch auf den Rheinhöhen zu erahnen und durch Rheinschotter nachzuweisen ist. Senkungen (Kölner Bucht) bewirkten, dass der Rhein ins Mittelgebirgsvorland Sand und Schotter ablagerte und Hebungen (Rheinische Schiefergebirge), dass er sich in Zwangsmäandern eintiefte. Da die Landschaft sich in Schüben hob, bildete er bei Stillstand jeweils einen breiten Talboden aus, in den er sich bei der nächsten Hebung wiederum einschnitt. Flussterrassen in gleicher Höhe beiderseits des Flusses zeigen heute diese verschiedenen Hebungsphasen an. Die jüngste und niedrigste der Terrassen ist die Inselterrasse im Flusslauf selbst. Im Schotterfächer des Rheins ab der Kölner Bucht unterscheidet man Niederterrasse, Mittelterrasse und Rheinische Hauptterrasse. Außer der Tektonik wirkten bei deren Bildung auch die Unterschiede im Wasserabfluss zwischen den Kalt- und Warmzeiten der Eiszeit entscheidend mit.
Hauptartikel: Liste der Rheininseln
Die Rheininseln werden je nach geographischer Lage oder Sprachgebrauch als Wörth, Werth, Aue oder einfach als Insel bezeichnet. Einige Inseln sind, bedingt durch Strombaumaßnahmen, keine Inseln im wörtlichen Sinne mehr, werden aber immer noch so bezeichnet. In den meisten von der Großschifffahrt nicht mehr befahrbaren Stromarmen sind Marinas entstanden. Im Ober- und Niederrhein sind wegen der Rheinbegradigung keine Inseln im Sinne des Wortes mehr vorhanden, d.h. sie liegen nicht im Rhein, sondern im Uferbereich.
In der Vergangenheit fror der Rhein immer wieder ganz oder teilweise zu. Im 20. Jahrhundert nahmen diese Ereignisse durch die zunehmende Einleitung von Abwässern ab. Im Jahr 1929 war der Fluss fast auf seiner gesamten Länge zugefroren. 1947 zerstörte Treibeis in Neuwied die hölzerne Behelfsbrücke. 1956 staute sich das Eis bei Bingen auf einer Strecke von 40 km. Im Winter 1962/63 war der Rhein das letzte Mal streckenweise zugefroren. An der Loreley staute sich das Eis so stark, dass keine Eisbrecher mehr durchkamen, es wurde gesprengt. Auf der Waal waren oberhalb Zaltbommel mehrere Schiffe mitten im Strom festgefahren. Da die Niederländer fürchteten, dass beim Losbrechen des Eisstaus die Schiffe die Brücke von Zaltbommel zum Einsturz bringen könnten, sollten die Schiffe gesprengt werden. Sozusagen im letzten Moment konnten Eisbrecher die Schiffe befreien. In kalten Wintern kommt es wegen der geringeren Strömungsgeschwindkeit im niederländischen Fahrgebiet manchmal zur Eisbildung.
Da es früher noch keine Kühlschränke gab, wurde das Eis aus dem Rhein in Felsenkellern gelagert, in Stroh verpackt und im Sommer verkauft. Es fanden auch Kirmesfeste auf dem Rhein statt, und man nutzte die Eisdecke, um mit Fuhrwerken zum anderen Ufer zu gelangen.
Gefährlich werden Eisstaus, wenn die oberhalb liegenden Orte durch Hochwasser gefährdet werden, oder wenn das Eis sich in Bewegung setzt. Dann können Uferbereiche größere Zerstörungen erfahren.
Die Maas war bis 1904 mit 400 m³/s Abflussmenge und 920 km Länge einer der wichtigsten Zuflüsse im Rheinsystem. Seitdem mündet der Hauptteil des Maaswassers nicht mehr in die Waal, den Hauptarm des Rheindeltas, sondern in die ehemalige Meeresbucht Hollands Diep. Davon unabhängig existiert weiterhin die Benennung wichtiger Abschnitte von Armen des Rheindeltas nach der Maas (vor allem Nieuwe Maas und Oude Maas).
Der wasserreichste und zugleich viertlängste Nebenfluss des Rheins ist die Aare. Diese entwässert große Gebiete der Schweiz und bringt mit einem mittleren Jahresabfluss von 590 m³/s deutlich mehr Wasser ein, als der Rhein am Zusammenfluss selbst mitführt (470 m³/s). Jedoch hat der Rhein genannte Flusslauf bis hierhin eine leicht längere Fließstrecke zurückgelegt. Zudem ist der kurz vorher erfolgende Zufluss der zwei großen Alpenflüsse Limmat und Reuss in die Aare zu berücksichtigen. In der Reihe der wasserreichsten Rheinzuflüsse folgen Mosel (290 m³/s), Main (190 m³/s) und Neckar (140 m³/s).
Wassermengen der Zuflüsse über 200 km:

Die beiden längsten heutigen Rheinzuflüsse sind die Mosel mit 544 km und der Main mit 524 km. Eine Fließlänge über 200 Kilometer weisen ferner Neckar, Aare, Lippe, Lahn, Ruhr und die elsässische Ill auf.
Fließlängen der Zuflüsse über 200 km:

In der Tabelle sind alle Zuflüsse mit mindestens 60 Kilometer Fließlänge aufgeführt. Zusätzlich zu erwähnen ist die 32 Kilometer lange, in den Untersee mündende Radolfzeller Aach, da sie Wasser aus der Donauversickerung aufnimmt.
| Rhein-Km | R/L | Nebenfluss | Länge in km | Abfluss in m³/s | Flussabschnitt |
|---|---|---|---|---|---|
| R | Ill (Vorarlberg) | 72 | Alpenrhein | ||
| R | Bregenzer Ach | 80 | Obersee | ||
| R | Argen | 78 | Obersee | ||
| R | Schussen | 62 | Obersee | ||
| L | Thur | 130 | Hochrhein | ||
| R | Wutach | 90 | Hochrhein | ||
| L | Aare | 291 | 590 | Hochrhein | |
| 164,4 | L | Birs | 73 | Hochrhein | |
| R | Elz | 90 | Oberrhein | ||
| 289,1 | R | Kinzig | 90 | Oberrhein | |
| 311,3 | L | Ill (Elsass) | 208 | 58 | Oberrhein |
| 334,3 | L | Moder | 93 | Oberrhein | |
| 344,0 | L | Sauer | 70 | Oberrhein | |
| 344,5 | R | Murg | 79 | Oberrhein | |
| 370 | R | Pfinz | 60 | Oberrhein | |
| 400,2 | L | Speyerbach | 60 | Oberrhein | |
| 428,2 | R | Neckar | 367 | 140 | Oberrhein |
| 496,6 | R | Main | 524 | 190 | Oberrhein |
| 518,7 | L | Selz | 63 | 0,77 | Oberrhein |
| 529,1 | L | Nahe | 116 | Oberrhein | |
| 585,7 | R | Lahn | 242 | Mittelrhein | |
| 592,3 | L | Mosel | 544 | 290 | Mittelrhein |
| 610,2 | R | Wied | 102 | Mittelrhein | |
| 639 | L | Ahr | 89 | Mittelrhein | |
| 659,3 | R | Sieg | 155 | 52 | Niederrhein |
| 703,3 | R | Wupper | 113 | 15 | Niederrhein |
| 735,6 | L | Erft | 103 | Niederrhein | |
| 780,1 | R | Ruhr | 221 | 79 | Niederrhein |
| 797,7 | R | Emscher | 84 | Niederrhein | |
| 814,4 | R | Lippe | 255 | 46 | Niederrhein |
| 925,5 | L | Maas (bis 1904) | 920 | 400 | Delta (Waal) |
| 1012,7 | L | Oude Maas | Delta (Nieuwe Maas) | ||
| R | Alte Issel | 80 | Delta (IJssel) | ||
| R | Berkel | 110 | Delta (IJssel) | ||
| R | Schipbeek | 86 | Delta (IJssel) |
An den Ufern des Rheins befinden sich 20 Gemeinden mit 100.000 und mehr Einwohnern. Nicht wenige gingen aus römischen Siedlungen hervor, wie Basel, Straßburg, Mainz, Koblenz, Bonn, Köln, Neuss, Nimwegen, Utrecht und Leiden. Diese gehören zu den wichtigsten Rheinstädten und liegen alle am linken Rheinufer, da der Rhein Grenze des Römischen Reiches war. Die drei größten Rheinstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Köln, Rotterdam und Düsseldorf. Über 300.000 Bewohner weisen mit Duisburg, Bonn und Mannheim weitere drei Städte auf. Karlsruhe, Utrecht, Wiesbaden, Straßburg und Krefeld haben über 200.000 Einwohner. Rheinstädte mit staatlichen Hauptstadtfunktionen sind Basel, Straßburg, Wiesbaden, Mainz und Düsseldorf, früher gehörten auch Karlsruhe und Bonn in diese Liste. Die Hauptorte dreier Bundesländer Deutschlands liegen also am Rhein. Die Rheingroßstädte sind zumeist Zentren von weitaus größeren unmittelbar zusammenhängenden Siedlungsgebieten (Agglomerationen), die im nächsten Kapitel behandelt sind.
| Rhein-km | Großstadtgemeinde | Ewz. | Rheinabschnitt | Ufer des Stadtkerns |
|---|---|---|---|---|
| 167 | Basel | 166.000 | Oberrhein | L |
| 294 | Straßburg | 273.000 | Oberrhein | L |
| 359 | Karlsruhe | 286.000 | Oberrhein | R |
| 425 | Mannheim | 308.000 | Oberrhein | R |
| 425 | Ludwigshafen | 164.000 | Oberrhein | L |
| 499 | Mainz | 196.000 | Oberrhein | L |
| 503 | Wiesbaden | 275.000 | Oberrhein | R |
| 591 | Koblenz | 116.000 | Mittelrhein | L |
| 655 | Bonn | 315.000 | Niederrhein | L |
| 688 | Köln | 991.000 | Niederrhein | L |
| 699 | Leverkusen | 161.000 | Niederrhein | R |
| 740 | Neuss | 153.000 | Niederrhein | L |
| 743 | Düsseldorf | 578.000 | Niederrhein | R |
| 762 | Krefeld | 241.000 | Niederrhein | L |
| 777 | Duisburg | 497.000 | Niederrhein | R |
| 884 | Nimwegen | 161.000 | Delta | L (Waal) |
| 1000 | Rotterdam | 586.000 | Delta | R (Nieuwe Maas) |
| Arnheim | 143.000 | Delta | R (Nederrijn) | |
| Utrecht | 283.000 | Delta | R (Oude Rijn) | |
| Leiden | 118.000 | Delta | R (Oude Rijn) |
Am Rhein liegen 17 Agglomerationen (hier im Sinne von zusammenhängendem Siedlungsgebiet) mit mehr als 100.000 Einwohnern. Neben der polyzentrischen Agglomeration des Ruhrgebiets haben die vier monozentrischen Agglomerationen von Köln, Düsseldorf, Rotterdam und Basel mehr als 700.000 Bewohner.
| Rhein-km | Agglomeration | Ewz. | Rheinabschnitt | Größte Gemeinden der Agglomeration |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Konstanz | 111.000 | Seerhein | Konstanz, Kreuzlingen |
| 165 | Basel | 731.000 | Oberrhein | Basel, St. Louis, Huningue, Weil am Rhein, Lörrach, Birsfelden, Allschwil, Binningen, Reinach, Münchenstein, Muttenz, Dornach |
| 287 | Straßburg | 390.000 | Oberrhein | Straßburg, Kehl, Schiltigheim |
| 362 | Karlsruhe | 600.161 | Oberrhein | Karlsruhe |
| 425 | Mannheim | 1.579.252 | Oberrhein | Mannheim, Ludwigshafen |
| 500 | Mainz-Wiesbaden | 795.725 | Oberrhein | Mainz, Wiesbaden |
| 591 | Koblenz | 250.000 | Mittelrhein | Koblenz, Neuwied, Andernach |
| 655 | Bonn | 899.753 | Niederrhein | Bonn |
| 688 | Köln | 1.846.241 | Niederrhein | Köln, Leverkusen, Frechen |
| 743 | Düsseldorf | 824.000 | Niederrhein | Düsseldorf, Neuss, Ratingen |
| 775 | Ruhrgebiet | 5.300.000 | Niederrhein | Duisburg, Krefeld, Essen, Bochum, Dortmund (polyzentrische Agglomeration) |
| 884 | Nimwegen | 161.000 | Delta | Nimwegen |
| 975 | Dordrecht | 195.000 | Delta | Dordrecht, Papendrecht, Zwijndrecht |
| 1000 | Rotterdam | 820.000 | Delta | Rotterdam, Schiedam, Vlaardingen, Spijkenisse, Rozenburg |
| Arnheim | 143.000 | Delta | Arnheim | |
| Utrecht | 365.000 | Delta | Utrecht, De Bilt, Maarssen | |
| Leiden | 189.000 | Delta | Leiden, Leiderdorp, Voorschoten, Oegstgeest |
Zu den bedeutendsten Mittelstädten (20.000 – 100.000 Einwohner) gehören oberhalb Basels Chur, Konstanz und Schaffhausen, am Oberrhein Kehl, Speyer, Worms und Ingelheim, am Mittelrhein Bingen, Andernach, Neuwied und Königswinter, am Niederrhein Wesseling, Dormagen, Wesel und Emmerich sowie im Delta Dordrecht, Deventer und Zwolle.
Zu den bedeutendsten Gemeinden unter 20.000 Einwohnern gehören Vaduz, Breisach, Rüdesheim und Remagen.
Einen Gesamtüberblick über die Fauna des Rheins und seine Veränderungen im Verlaufe der Zeit gibt es nicht. Im Vergleich zu heute kann man für die Zeit vor den großen Begradigungen und Uferverbauungen und vor den starken anorganisch- und organisch-chemischen Belastungen infolge Industrie und verstärktem Bevölkerungsanstieg, d.h. bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhundert, von einer deutlich reichhaltigeren einheimischen Fauna ausgehen, der praktisch keine durch den Menschen verursachten Einschleppungen (Neozoen) beigemischt waren. Diese letzteren sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und vor allem ab Beginn der 1990er Jahre besonders augenfällig geworden[2] und haben dazu geführt, dass heute die Mehrzahl der Steine besiedelnden größeren Wirbellosenarten eingeschleppte Formen darstellen. Darunter fallen zum Beispiel die zahlreichen bei Niedrigwasser beobachtbaren Vertreter der Asiatischen Körbchenmuschel.
Die Arten größerer Wirbellosen (das tierische Makrobenthos) sind von größenordnungsmäßig rund 160 Arten im Niederrhein um das Jahr 1900 auf rund 25 Arten im Jahre 1971 zurück gegangen und haben sich erst ab den 1980er Jahren wieder deutlich erholt. Sie erreichten gegen 2000 wieder um die 130 Arten. Hinzu kamen während des 20. Jahrhunderts zunehmend mehr eingeschleppte Arten, die um 1998 bereits rund 20 zusätzliche, teilweise massenhaft vorkommende Arten darstellen. Von der Biomasse her dominieren sie heute die Fauna des tierischen Makrobenthos im Rhein.
Zur Zeit beherbergt der Rhein wieder 63 Fischarten, lediglich der Stör fehlt. Alle auffindbaren Fische sind essbar. Durch den Bau von Fischtreppen an den Wehren können heute auch wieder Wanderfische wie Lachs und Meerforelle bis zum Oberrhein und in die Nebenflüsse aufsteigen und dort laichen. Auch die Artenvielfalt von Muscheln, Schnecken und Insekten hat zugenommen, es sind auch Neueinwanderer darunter.
Den Hauptanteil an den Fischarten haben: Rotauge, Stint, Hecht, Wels, Neunauge, Äsche, Barbe, Döbel, Aal, Ukelei, Flussbarsch und Brachse. Neu eingewanderte Arten sind: Sonnenbarsch und Zander, sowie die aus der Donau stammende Marmorgrundel (Grundeln) und der Weißflossengründling. Der Schneider am Oberrhein und Flunder und Quappe am Niederrhein haben ihre Bestände vergrößert. Der Lachs vermehrt sich seit 1994 in einigen Nebenflüssen zunehmend natürlich. Die Anzahl der Kleintiere lag im Jahr 2000 fast so hoch wie vor 100 Jahren.
Im Niederrhein wurden seit etwa 1800 immer ca. 33–39 einheimische Fischarten gefunden, wobei die unterste Zahl in der Zeit um 1910 bis 1950 auftrat. Der Anteil der eingeführten gebietsfremden Fischarten vergrößerte sich dabei von ursprünglich 1 bis 2 Arten im 19. Jahrhundert auf etwa 11 Arten in den 1990er Jahren (nach Angaben in[3]).
Der Rhein ist vom Bodensee bis zu seiner Mündung ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet. Er dient auch anderen Vogelarten als Leitlinie beim Vogelzug.
Der Winterbestand an Wasservögeln betrug im Jahr 2000 etwa 2 Millionen Exemplare, verteilt auf 42 Arten. Die wichtigsten Arten sind:
| Schadstoff | 1985 | 1992 | 2000 |
|---|---|---|---|
| Ammonium-N2 | 37.000 | 16.800 | 6.800 |
| AOX | 4.675 | 890 | 1.100 |
| Blei | 550 | 330 | 250 |
| Cadmium | 9 | 5,9 | 5,1 |
| Chrom | 500 | 220 | 150 |
| Phosphor (total) | 32.000 | 13.000 | 13.000 |
| Quecksilber | 6 | 3,2 | 1,6 |
| Zink | 3.600 | 1.900 | 1.400 |
Nach den Angaben des Umweltbundesamtes, das für Deutschland ökologische Aufgaben wahrnimmt, nimmt die Schadstoffbelastung des Rheins seit 1960 kontinuierlich ab. Dies ist einerseits auf die systematische Abwasserreinigung durch den Bau von Kläranlagen zurückzuführen und andererseits auf die Tatsache, dass die Industrie immer weniger mit Chemikalien und Schwermetallen belastete Abwässer in den Rhein einleitet. Die oberelsässischen Kaligruben leiten aber immer noch einen großen Teil nicht brauchbarer Salze in den Rhein ab, obwohl diese Einleitungen nach einem Schadensersatzprozess der Stadt Amsterdam vor dem Gericht in Straßburg reduziert sein sollen. Heute leben wieder etwa 63 Fischarten im Rhein. Trotz der deutlichen Reduzierung der Gewässerbelastung durch Haushalts- und Industrieabwässer transportiert der Rhein jährlich noch immer Schwermetalle und Chemikalien wie Pestizide in Richtung Nordsee und belastet damit die Trinkwasserversorgung der Rheinanlieger. Die in der Tabelle angegebenen Werte beziehen sich auf die Messstelle Bimmen am Niederrhein. Diese Daten werden von der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins veröffentlicht. Diese Kommission besteht seit 1950. Einfluss und Bedeutung bekam sie aber erst nach 1986.
Am 1. November 1986 brannte eine Lagerhalle der Firma Sandoz in Schweizerhalle bei Basel am Rhein. Die mit dem Löschwasser in den Rhein gelangten Chemikalien (insbesondere Phosphorsäureester und Quecksilberverbindungen) vernichteten dort einen großen Teil des tierischen und pflanzlichen Lebens. Nach dem Brand bei Sandoz schien der Rhein auf weiten Strecken tot zu sein, doch erholte er sich in den folgenden Monaten und Jahren durch Hochwasser und Wiederbesiedlung. Durch verstärkten Aus- und Neubau von Kläranlagen und weitere Maßnahmen zum Gewässerschutz, hat sich die Rheinbiozönose daher wieder erholt, war danach aber stärker von Neozoen besiedelt als zuvor. Nicht zuletzt als Folge dieses Unfalls wurde die Löschwasserrückhalterichtlinie erlassen.
Andere den Rhein belastende Giftstoffe, zum Beispiel Pestizide und Rückstände von Medikamenten, sind in der Tabelle noch nicht berücksichtigt.
Viele Städte entnehmen Wasser aus dem Rhein zur Trinkwassergewinnung, dabei handelt es sich meist um Uferfiltrat. Die Niederlande sind darauf besonders angewiesen. Um bei Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen schnell reagieren zu können, wurde eine Alarmzentrale eingerichtet.
Der Rhein ist auf weite Strecken Schifffahrtsstraße und dazu beidseitig von Eisenbahnlinien und Autobahnen begleitet. Vor allem an Schnittstellen mit anderen Handelsachsen bildeten sich bedeutende Wirtschaftsstandorte aus (so Köln, Koblenz, Mainz, Ludwigshafen, Basel).
Für die Chemie mit Kohle/Teerfarben, die Petrochemie, die Kunststoffindustrie und die Ölraffinerien werden Kohle und Erdölprodukte billig herangeschafft und weiterverarbeitet; die Chlorchemie (Polyvinylchlorid) bekommt ihr Salz durch die Massentransportschifffahrt. Das Transportaufkommen 2005 betrug 236,765 mio.To. Bedeutendster Wirtschaftsfaktor nach Handel und Industrie ist der Tourismus.
Wein prägt wie nichts anderes den Natur- und Kulturraum des Rheins. Landschaftsnamen wie Rheingau, Rheinhessen oder Kaiserstuhl (Baden) sind gleichzeitig Weinbaugebiete. Besonders schwer ist der Weinanbau in den Steillagen des Mittelrheintales. An vielen Stellen war die Umwandlung in großflächigere mit Maschinen bebaubare Parzellen nicht möglich. Da aber der Wein in den Steillagen der schiefrigen Hänge besonders gut wird, lohnt sich hier doch manche Mühe. Der Wein ist ein Wirtschaftsfaktor für die Region.
Siehe auch Mittelrhein (Weinbaugebiet)
Brücken prägen das Erscheinungsbild des Rheins wesentlich mit. Die ersten festen Brücken bauten vermutlich die Römer über den Strom, sie benutzen ebenso wie die Brückenbauer des Mittelalters und der Frühneuzeit die Baustoffe Stein oder Holz. Ein Wandel ergab sich darin erst durch die Industrialisierung, die ganz neue Materialien und Techniken aufbrachte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es vor allem Eisenbahnbrücken, die durch Größe und das Material (Stahl) einen neuen Akzent setzten (Vgl. die Hohenzollernbrücke in Köln). In der Hochzeit der Moderne und des Automobilverkehrs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts übernahmen dann zahlreiche neue Straßenbrücken, darunter große Autobahnbrücken, die Führung bei den Neubauten. Deren Erscheinungsbild bestimmten neben Stahl und dem Werkstoff Beton auch neue Brückenbautechniken mit (Vgl. die Südbrücke Koblenz). Einen relativ neuen Akzent setzen seit Ende des 20. Jahrhunderts Fußgänger- und Radfahrerbrücken (vgl. Mimram-Brücke bei Straßburg).
Die wichtigsten kommerziellen Rheinhäfen befinden sich am Ober- und am Niederrhein: Rheinhäfen beider Basel, Straßburg, Kehl, Karlsruhe, Wörth am Rhein, Germersheim, Speyer, Ludwigshafen, Mannheim, Worms, Gernsheim, Mainz, Lahnstein, Koblenz, Bendorf, Andernach, Bonn, Godorf / Wesseling, Köln-Niehl, Leverkusen, Dormagen, Neuss, Düsseldorf, Krefeld, Duisburg-Ruhrort, Orsoy, Walsum, Rheinberg, Wesel, Emmerich am Rhein, Nimwegen, Dordrecht und Rotterdam.
Die bestehende Kilometrierung für Deutschland bzw. die Niederlande ist seit dem 1. April 1939 gültig, rechnet von Konstanz ab und ersetzt alle vorherigen Einteilungen. Ihr Nullpunkt liegt in der Mitte der alten Konstanzer Rheinbrücke und endet mit Kilometer 1036,20 westlich von Hoek van Holland (Einmündung in die Nordsee bei Kilometer 1032,80). Nach ihr richten sich die Schifffahrt und alle Behörden. Diese Kilometrierung misst für Seerhein, Untersee und Hochrhein 145 km (Konstanz bis Basel, km 0–145), für den Oberrhein 283 km, (Basel bis Mannheim, km 145–428), für den Mittelrhein 232 km (Mannheim bis Bonn, km 428–660) und für den deutschen Niederrhein 205 km (Bonn bis Grenze, 660-865). Geologisch gesehen beginnt der Mittelrhein jedoch erst in der Nähe von Mainz, wo der Rhein in das Mainzer Becken einfließt.
Ab dem Pannerdense Kop, unterhalb von Millingen am Rhein in den Niederlanden, läuft die Kilometrierung in den drei Rheinarmen Waal, Nederrijn und Issel gleichlautend weiter. In der Schifffahrt ist es deshalb wichtig, bei einer Kilometerangabe immer auch das jeweilige Fahrwasser zu nennen. Auf niederländischen Strecken ist die Kilometerbezeichnung durch Tafeln mit weißen Ziffern auf schwarzem Grund an jeweils nur einem der Ufer angebracht. Hier werden nur die vollen Kilometer angezeigt.
Die vollen Rheinstrom-Kilometer zeigen große, rechtwinklig zur Stromachse an beiden Ufern stehende Tafeln an. Die 500-Meter-Marken tragen ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund. Die übrigen 100-Meter-Marken, es sind etwa 100 cm × 50 cm große Rechtecke auf etwa 2 m hohen Eisenstangen , sind mit den Ziffern 1 bis 4 und 6 bis 9 beschriftet.