
Rudolf Arnheim (* 15. Juli 1904 in Berlin; † 9. Juni 2007 in Ann Arbor, Michigan), jüdisch-stämmiger deutsch-US-amerikanischer Medienwissenschaftler, Kunstpsychologe und Begründer der Kunstpädagogik.
Er gehörte zum Kreis jener deutsch-englischen Kunstwissenschaftler, die durch erzwungene Emigration wichtige Brückenfunktionen zwischen der europäischen und amerikanisch-anglophonen Kultur übernahmen (vgl. Aby Warburg, Erwin Panofsky, Ernst Gombrich, Ernst Kris). Arnheims Werk wird der Kunstwissenschaft, Medienwissenschaft, Ästhetik (Philosophie) und der Psychologie (Gestalttheorie, Gestaltpsychologie) zugeordnet. Seine bedeutenden wissenschaftliche Beiträge liegen in den Bereichen Filmtheorie, Medienkunsttheorie, Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik.
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Arnheim war von 1925 an Mitarbeiter und von 1928-1933 Kulturredakteur und Filmkritiker der von Siegfried Jacobsohn gegründeten Wochenzeitschrift Die Weltbühne. Er promovierte 1928 in Berlin bei den Begründern der Berliner Gestalttheorie Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Lewin. 1933 zog er aufgrund politischer und rassischer Verfolgung nach Rom und arbeitete dort bis 1937 für das Lehrfilminstitut des Völkerbundes an einer umfassenden Enzyklopädie des Films. Zudem war er Mitredakteur der Filmzeitschriften Intercine und Cinema. 1939 ging er ins Exil nach London und übersetzte für den Auslandsdienst der BBC. Aber schon ein Jahr später zog er nach New York um.
Bis 1942 hatte er ein Rockefeller-Stipendium am Office of Radio-Research und ein Guggenheim-Stipendium für eine „Übersetzung der Gestalttheorie auf die bildenden Künste“. Von 1942 bis 1969 lehrte er an der New School for Social Research im Fach Kunstpsychologie und von 1943 bis 1966 am Sarah Lawrence College in New York. 1959/60 verbrachte er einen Lehr- und Studienaufenhalt in Japan. 1968 wurde er Professor für Kunstpsychologie am Carpenter Center for the Visual Arts der Harvard University. Von 1974 bis 1984 war er Dozent für Kunstpsychologie am kunsthistorischen Institut der University of Michigan in Ann Arbor, wo er sich wissenschaftlichen und schriftstellerischen Tätigkeiten widmete und am 9. Juni 2007 im Alter von 102 Jahren in einem Altenheim starb.
Mit seiner Dissertation über das Ausdrucksproblem begründete Arnheim das Fach der Ausdruckspsychologie.
Als Kulturredakteur der Wochenzeitschrift Die Weltbühne oblag ihm 1928-33 gemeinsam mit Carl von Ossietzky und Edith L. Jacobsohn die Herausgabe einer der wichtigsten links-liberalen kulturpolitischen Zeitschriften der Weimarer Republik. Er arbeitete für bedeutende Filmzeitschriften (Cinema, Bianco e Nero, Sight and Sound) und ästhetische Zeitschriften (Journal of Aesthtetics an Art Criticism, British Journal of Aesthetics).
Bereits mit knapp 30 Jahren war Arnheim als Filmredakteur und -theoretiker bekannt. In seinem ersten theoretischen Buch Film als Kunst (1932) vertritt er vehement die Möglichkeiten des künstlerischen Films gegenüber der aufkommenden Unterhaltungsindustrie (der Tonfilm zerstörte um 1930 radikal die Spielräume experimentellen Filmschaffens), zieht sich später in die Nischen produktiver Filmkultur zurück: Dokumentar-, Bildungs- und Avantgardefilm. Ebenso im Medium Radio: Mit Rundfunk als Hörkunst (Manuskript 1933, Erstveröffentlichung in Englisch 1936 als Radio) erkundet er die künstlerischen Möglichkeiten des Radios, insbesondere von Hörspielen und erweitert damit seine Filmtheorie zu einer Theorie der Medienkunst, die jeweils auf Analysen der sinnlichen Wahrnehmung gemäß der Gestalttheorie aufgebaut sind.
Arnheims grundlegende Leistung von Art and Visual Perception (1954) kann mit einer neuen Begründung zur allgemeinen Ästhetik auf Grundlage der Wahrnehmungstheorie der Gestalttheorie angesetzt werden. Die wissenschaftliche Auffassung, allein vom Prüfbaren auszugehen, wurde strikt durchgehalten. Basierend auf Kurt Lewins Anwendung der physikalischen Feldtheorie auf die Psychologie wendet Arnheim die Feldtheorie im visuellen Bereich von einfachen Grundkonfigurationen bis zu Kompositionsanalysen an. Außerdem bietet das Werk eine Art Gestaltungslehre der bildenden Künste auf Basis der Gestalttheorie.
Visual Thinking (1968) holt zum Rundumschlag gegen eine idealistische, sinnenfeindliche Theorie der Erkenntnis aus, um ein Denken von den Sinnen her theoretisch zu begründen. Arnheim zeigt am Beispiel der Abstraktion die enge Bindung von begrifflicher an die sinnliche Abstraktion auf. Als Kenner der Warburgschule weiß er um die mnemotechnische Funktion der Bilder, definiert sie als perzeptuelle Wahrnehmungsbehälter und damit als Leitmedien, in denen sich sprachliche Verknüpfungen erst einbetten: Wir denken wahrnehmungsgemäß.
Die American Psychological Association verleiht den "Rudolf Arnheim Award for Outstanding Achievement in Psychology and the Arts". Im Jahre 2004 erhielt ihn Diana Deutsch.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Arnheim, Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-US-amerikanischer Medienwissenschaftler und Kunstpsychologe |
| GEBURTSDATUM | 15. Juli 1904 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 9. Juni 2007 |
| STERBEORT | Ann Arbor, Michigan |
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