
Ajatollah Ruhollah Musavi Chomeini (auch Khomeini; Persisch آیت اللات روح العزى موسوی خمینی[ɔːjætoˈlːɔːh ruːɦoˈlːɔːh xomeɪ̯ˈniː]) (* 1902 in Chomein; † 3. Juni 1989 in Teheran) war ein schiitischer Geistlicher und der politische und spirituelle Führer der Islamischen Revolution im Iran von 1978 bis 1979. Mit ihr stürzte er aus dem französischen Exil die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi, dem damaligen Schah des Iran. Chomeini gilt als der Gründer der Islamischen Republik im Iran. Er war bis zu seinem Tod 1989 als Oberster Rechtsgelehrter deren Staatsoberhaupt.
Er wurde 1902 im Ort Chomein als Ruhollah Musavi (Persisch: روحالله موسوی [ruːɦoˈlːɔːh muːsæˈviː]) geboren. Chomeinis genaues Geburtsdatum ist umstritten. Es gibt Quellen, die angeben, er sei:
Sein Mausoleum im Süden von Teheran hat vier Minarette mit jeweils 91 m Höhe. Die Höhe von 91 m wurde angeblich entsprechend dem Alter Chomeinis in Mondjahren bei seinem Tod 1989 gewählt.
Ruhollah Musavi Chomeini, benannt nach seinem Geburtsort Chomein, war der Sohn des Seyyed Mustafa Musavi (1856–1903). Ruhollahs (übersetzt: Seele Gottes) Großvater hieß Ahmad Musavi, als Seyyed und damit direkter Nachfahre des Propheten wurde der Familienname auf den 7. Imam, Musa al-Kazim, bezogen.
Über die Herkunft der Familie gibt es zwei verschiedene Versionen: Ahmad Musavi, der Großvater, soll:
Chomeinis Großvater Ahmad Musavi Hindi soll, nach der zweiten Version, in Kintur geboren sein, beim damals berühmten Lehrer Mir Hamed Hosein Hindi Neischaburi studiert haben und 1830 nach Nadschaf [10] gezogen sein, wo er 1869 starb.
Mustafa Musavi, Chomeinis Vater, studierte islamische Theologie in Isfahan, Nadschaf und Samarra, dort unter Mohammad Hasan Schirazi, und soll den religiösen Titel eines Mudschtahid erworben haben. Er hatte mit Hadschiyeh Agha Chanum, der Tochter des Mirza Ahmad Modschtahed-e Chonsari, sechs Kinder jeweils drei Mädchen und Söhne. Nach der Geburt der ersten Tochter soll die Familie von Nadschaf nach Chomein gezogen sein. Die Söhne hießen
Mustafa Musavi starb, als Ruhollah gerade 5 Monate alt war. Darüber gibt es drei Versionen:
Ruhollah, der nach dem Tod seines Vaters von seiner Tante Sahebe erzogen wurde, soll mit 15 Jahren die Schule beendet haben und von seinem ältesten Bruder Morteza im Fach Islamkunde unterrichtet worden sein.
1918 ging Chomeini nach Arak, um eine Ausbildung zum Rechtsgelehrten zu erhalten. 1922 wechselte er nach Qom, wo sich gerade die islamische Rechtsschule unter Abdolkarim Haeri Yazdi im Aufbau befand. 1936 erhielt er dort die Qualifikation eines Mudjtahid [14] und den religiösen Titel Hodjatoleslam. [15] 1943 veröffentlicht er seine Schrift: Kašf al-asrār (Enthüllung der Geheimnisse), die gleich die Abschaffung der Monarchie aufnimmt.
Mit diesen Thesen stand Chomeini nicht allein: sein Vorgänger war Seyyed Nabawi Safawi, der 1941 in Teheran die Organisation Fedayin-e Eslam (die sich für den Islam aufopfern), bestehend aus Theologie-Studenten und Angehörigen der Unterschicht, gründete. Die Forderungen der Fedayin-e Eslam, eine Vorwegnahme von Chomeinis Hokumat-e eslami, aus dem Jahre 1970 lauteten: Errichtung einer islamischen Regierung unter Führung eines Imams, Anwendung der Scharia, Reinigung der persischen Sprache von unislamischem Wortschatz, Panislamismus und Nationalismus, Verstaatlichung des Erdöls, Djihad gegen westliche Mächte, Verbreitung der Ideologie des Martyriums. Die Feddajin-e Islam organisierten Demonstrationen und fielen durch verschiedene Attentate auf Schriftsteller und Regierungsmitglieder in den Jahren 1946-1951 auf. [17]
Bis 1963 unterrichtet Chomeini islamisches Recht und Philosophie in Qom, um im gleichen Jahr erstmals öffentlich aufzutreten und zum Widerstand und Sturz des Schahs aufzurufen. Mit dem Tode des Großayatollah und Marja-e taqlid Husain Borujerdi gab es nun keine bindende Verpflichtung der Geistlichkeit, sich aus politischen Dingen herauszuhalten, insbesondere die Weigerung Borujerdis seinen Studenten die Berechtigung zum Ijtihad zu verleihen, bremste jegliche politische Tätigkeit innerhalb der Geistlichkeit. [18]
Am 22. März 1963, anlässlich des Todestages des 6. Imams, Dschaʿfar as-Sādiq, predigte Chomeini in Qom erstmals öffentlich mit einem Paukenschlag:
Chomeni wird von Soldaten, die die Hochschule daraufhin stürmten, vorübergehend festgenommen.
Nach der Rede vom 3. Juni 1963, am Aschura-Tag, [20] gehalten gegen den Tyrannen unserer Zeit - jeder wusste, dass damit der Schah gemeint war, wird Chomeini am 5. Juni 1963 verhaftet. Gehrke [21] spricht von einem bewussten, im politischen Sinne in den Vordergrund spielen, ohne die Akklamation der anderen führenden Geistlichen zu haben. Durch seine bewusst gewählte Konfrontation gegen den Schah, die er zum damaligen Zeitpunkt nicht gewinnen konnte, zog er zumindest die gemäßigten Kleriker auf seine Seite, indem sie für ihn notgedrungen Partei ergreifen mussten.
Chomeinis Aufruf vom 3. Juni 1963 richtete sich vordergründig auch gegen die vom Schah propagierte Weiße Revolution. Die Haltung der Kleriker dazu war gespalten, von Zustimmung (Hussein Schariatmadari, Mahmoud Taleghani) bis zur strikten Ablehnung, um als Sprachrohr der betroffenen Großgrundbesitzer gegen den Schah zu opponieren, einige Kleriker waren selbst davon betroffen. [22]
Am 2. August 1963 [23] wird Chomeini auch aufgrund des Drucks von Großayatollah Schariatmadari freigelassen, weil dieser ihn kurzerhand zum Marja erklärte und damit eine Art ungeschriebene Immunität über Chomeini ausbreitete. Mit dieser Erhöhung seines religiösen Ranges hat Chomeini sozusagen eine Sprosse der Leiter übersprungen.
Chomeini stand danach bis zum 7. April 1964 unter Hausarrest und hatte nach offiziellen Angaben mit den Behörden eine Vereinbarung getroffen, nicht mehr die Interessen und Sicherheit des Landes zu gefährden. [24]
Mit dem Aufruf Chomeinis vom 28. Oktober 1964 gegen das Kapitulationsgesetz, eine weitere Brandrede, endete die Geduld des Schah-Regimes. Am 4. November 1964 wird Chomeini verhaftet und mit einer Militärmaschine in die Türkei (Bursa) in die Verbannung geflogen.
Nach dem ersten Exil in Bursa (Türkei) wurde er im Oktober 1965 auf sein Drängen hin [25] in den Irak abgeschoben, wo er sich zuerst in Bagdad, dann in Nadschaf, einem heiligen Ort der Schiiten, niederließ. Er konnte sich dort relativ frei bewegen und seine Studien und Lehrtätigkeit fortsetzen. In diesem Klima entstand Chomeinis wichtigstes Werk: Der Islamische Staat (1970).
Nach dem Abkommen von Algier (1975) wurde der Bewegungsspielraum für Chomeini in Nadschaf durch die irakischen Behörden stärker eingegrenzt, im Gegenzug versagte der Schah die Unterstützung der Kurden auf irakischem Gebiet.
Vier, über den Ereignissen des Jahres 1978 herausragende, Ereignisse führten innerhalb eines Jahres zum Machtverfall des Schah und zum unaufhaltsamen Aufstieg Chomeinis.
Schmähung
Am 7./8. Januar 1978 erschien in der iranischen Zeitung Ettelā'āt ein Artikel über Chomeini. Jahrelang hatte der Propagandaapparat des Regimes nichts unversucht gelassen, die pure Existenz Chomeinis zu leugnen [26] und nun wurde Chomeini als kommunistischer Verschwörer geschmäht. Dieser Artikel, unter dem Pseudonym Ahmad Rashidi-ye Motlagh erschienen, gilt als die Initialzündung der islamischen Revolution. Als Urheber gelten der SAVAK sowie der Informationsminister unter dem Schah. Die am 9. Januar stattfindende Sympathiekundgebung, aufgerufen von den Geistlichen in Qom, wurde von der Armee gewaltsam aufgelöst, dabei wurden 300 Demonstranten verletzt, 80 starben. Die nun im 40-tägigem Rhythmus landesweit ablaufenden Protestkundgebungen steigerten sich einmal hinsichtlich der Masse der Teilnehmer und zum zweiten hinsichtlich der Verletzten und Todesopfer bis Ende 1978.
Kinobrand
Am 25. Jahrestag des CIA-Putsches gegen Mossadegh, am 19. August 1978, wird ein Kino in Abadan in Brand gesteckt. 477 Kinobesucher starben, unter anderem sollen die Ausgänge verschlossen worden sein. Als Urheber wird der SAVAK verdächtigt. Nach heutigem Wissen soll für die Planung und Durchführung ein Verwandter von Chamenei verantwortlich gewesen sein. Chomeini hatte schließlich eine Fatwa gegen koloniale Programme und westliches Kino ausgesprochen. [27]
Schwarzer Freitag
Am 5. September 1978 finden anlässlich des Fastenmonats Ramadan im ganzen Land Demonstrationen statt. Zwei Tage danach rufen Schah-Gegner - eine Allianz aus Geistlichkeit und Nationale Front - zum Generalstreik auf, der allein in Teheran von 100.000 bis 200.000 Menschen, je nach Quelle, befolgt wird. In der Nacht zum 8. September wird das Kriegsrecht über Teheran und 10 weitere Städte verhängt.[28] 200 Chieftain-Panzer und 100.000 Soldaten, gut ein Viertel der gesamten Armee lässt der Schah in Teheran zusammenziehen. [29] Der als schwarze Freitag bekannte 8. September 1978, das Militär schießt wahllos in die Menge, führt zu einem Blutbad: zwischen 106 und 2.000 [30] bzw. bei 4.490 [31] soll die Zahl der Opfer liegen. Am 9. September 1978 ruft Chomeini die iranische Armee zum Aufstand gegen das Schah-Regime auf, die Armee bleibt jedoch kaisertreu. Auch Chomeinis Aufruf zum Generalstreik am 13. September 1978 führt zu keinem Erfolg. Chomeini schien in dieser Phase isoliert zu sein.
Ausweisung aus dem Irak
Chomeini, der seit 1978 auf Drängen des Schahs in Nadschaf unter Hausarrest stand, wird am 6. Oktober 1978 von Saddam Hussein des Landes verwiesen, der Schah hatte anscheinend ein Geheimabkommen abgeschlossen. [32] Chomeinis Einreise zunächst nach Kuwait wurde von den dortigen Behörden abgeschlagen, der Ayatollah war der Monarchie doch zu gefährlich. Frankreich, der Notbehelf, hat danach zugestimmt. Chomeini blieb keine andere Wahl und er dachte damals keine Sekunde lang daran, ins Ausland, nach Paris zu reisen. Das sei ein Land, das keine iranische Kolonie ist. [33]
Doch erst in Neauphle-le-Château, seinem Wohnort in Frankreich, - in Nadschaf war Chomeini nur ein Ayatollah unter vielen - war es für Chomeini möglich, mit den Möglichkeiten der internationalen Presse Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und die Verbreitung seiner Reden mittels Tonbandmitschnitte in den Iran zu forcieren. Taheri [34] zählt in den wenigen Monaten 132 Rundfunk-, Fernseh- und Presseinterviews auf. Beheshti spielte bei der Verbreitung in den Iran eine entscheidende Rolle. [35] Der heilige Greis unter dem Apfelbaum, ein Bild das in der westlichen Presse von keiner Zeitschrift ausgelassen werden konnte. Dazu noch ein paar passende Worte:
In Nadschaf entstand Chomeinis wichtigste Abhandlung, basierend auf mitgeschriebenen Vorlesungen, die er zwischen Januar und Februar 1970 hielt.[37]
Hokumat-e eslami (Der islamische Staat) behandelt
Chomeinis Ansichten, der Pflicht für Muslime zur Errichtung eines islamischen Staates, der einzig nach religiösen Grundlagen geleitet werden sollte, sind nicht neu, er berief sich explizit auf Scheich Fazlollah Nuri, der 70 Jahre zuvor schon solche Gedanken verbreitete. Tatsächlich hat Chomeini die über Jahrhunderte quietistische Haltung des schiitischen Klerus mit Hokumat-e eslami negiert.
Bis zur Rückkehr aus dem Exil war, wie Mohsen Kadivar feststellte, Chomeini für einen Rat der Rechtsgelehrten mit allgemeiner Vollmacht, danach nur noch für die Vollmacht des einen Rechtsgelehrten (Marja-e taqlid).
Mohammad Reza Pahlavi verbot, was er in seinen Memoiren zutiefst bedauerte, jegliche Veröffentlichung dieses Traktates im Iran, was dazu führte, dass Schahgegner im Iran sich nicht über die wahren Absichten Chomeinis informieren konnten.
Taqiyya (das Verheimlichen der wahren Absichten), ursprünglich als Schutz der Schiiten vor sunnitischer Verfolgung gedacht, war für Chomeini ein erlaubtes Mittel zur Selbsterhaltung. Dies schloss er jedoch bei den Fällen der Zerstörung heiliger Stätten, dem Abfall vom Glauben und alle Handlungen die den Glauben verderben, kategorisch aus. Das Verbot der taqiyya war zwar in erster Linie an Theologen gerichtet, doch:
Taqiyya wurde von Chomeini, im Gegensatz zur üblichen rein defensiven schiitischen Vorsichtsmaßnahme, offensiv im Sinne des Djihad ausgelegt. [41] Dazu passt die Anweisung an seine Theologiestudenten vom April 1963, die zur Wehrpflicht eingezogen werden sollten:
Göbel [42] schreibt darüber: Chomeinis Absicht ist klar, er lässt die Regierung die Revolutionäre, die sie stürzen sollen, gleich selbst ausbilden.
Auch in seinem Pariser Exil benutze Chomeini die Form der taqiyya, indem er zwar nicht log, doch wesentliche Passagen seiner Vorstellungen ausließ. Insbesondere seine der westlichen Presse gegebenen Interviews zeigen eine Verschleierung seiner Vorstellungen:
Weiter:
Nachdem der Schah am 16. Januar 1979 das Land verlässt, kündigt Chomeini seine baldige Rückkehr an. Hektische Betriebsamkeit davor schon in Neauphle-le-Château. Es kommt zu Besuchen der unterschiedlichsten Fraktionen und Führern der Nationalen Front, der mitgliederstarken Tudeh Partei und machte selbst vor amerikanischen Politikern nicht halt. Das Ziel war allen gemeinsam: Sturz des Schah bzw. der Schah muss weg.
Chomeini, der eine wie auch immer vom Schah legitimierte Regierung nie anerkannte, formte in Paris einen Schulterschluss zwischen Mullahs, Bürgerlichen und Linken, die gemeinsam am Sturz des Schah mitarbeiteten. Mehdī Bāzargān, der von Chomeini als Übergangs-Ministerpräsident gebilligt wurde, sollte die erste Phase wie Riyahi [46] schreibt bilden. Der Unbestechliche, von allen Fraktionen anerkannt, sollte sich der Neutralität der Armee versichern, die diese dann auch am 11. Februar 1979 erklärte. Gleichzeitig sollte Bazargan der Garant und die Beruhigung der Bürgerlichen, Demokraten und Linken vor einer absoluten Machtübernahme der Kleriker sein, da Bazargan zwar eine religiöse aber demokratische Republik befürwortete.
Die Regierung Schapur Bachtiar, der letzte vom Schah eingesetzte Ministerpräsident, lässt zuerst am 25. Januar 1979 den Flughafen von Teheran schließen, am 30. Januar wieder freigeben. Damit war eine Rückkehr Chomeinis möglich. Rund 150 Journalisten der Weltpresse begleiteten am 1. Februar, zusammen mit 50 engen Getreuen den Ayatollah auf dem Flug von Paris nach Teheran. Dem Abflug um 01:15 Uhr mit der Air France Boeing 747 ging ein Tauziehen hinter den Kulissen voraus. Chomeini selber teilte den Journalisten mit, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. [47] Zbigniew Brzeziński spricht von einem Entführungsplan der Maschine, eine Organisation aus London habe den Abschuss der Maschine angekündigt, schahtreue Luftwaffenpiloten flogen Tage zuvor Scheinangriffe.
Am 1. Februar 1979 um 9:39 Uhr Ortszeit betritt Chomeini zum ersten Mal seit über 14 Jahren wieder iranischen Boden. [49] Der Empfang auf dem Flughafengelände Mehrabad durch Kleriker, Politiker und Journalisten wird von den Massen abgetrennt, die Landung live im Fernsehen übertragen. Der erste Weg führt Chomeini vom Flughafen zum Friedhof Behest-e Zahara, dem Märtyrerfriedhof in Teheran. Der Weg dahin vor einem Millionenpublikum, das die Straßen umsäumt, wird zu einer Triumphfahrt. Die dortige Rede richtet sich gegen den Schah, er habe nur die Friedhöfe ausgebaut, gegen den Ministerpräsidenten Schapur Bachtiar: illegal - und an die Armee: wir wünschen uns so sehr, dass ihr unabhängig seid. [50]
Am 11. Februar tritt die Regierung Bachtiar zurück, da auch das Militär seine Neutralität erklärte. Die Gegenregierung Bazargan, seit 5. Februar 1979 von Chomeini eingesetzt, übernimmt die Regierungsgeschäfte. Zwei Tage später beginnt die erste Verhaftungswelle die führende Militärs und Politiker des Schah betrifft. Zwei Wochen später wird die Islamisch Republikanische Partei (IRP) gegründet, die Chomeinis Staatsdoktrin des Velayat-e Faqih gegen die Entwürfe anderer Oppositionsgruppen durchsetzen sollte. Mittels des allmächtigen Revolutionsrates, dann der vorgegebenen Zusammensetzung der Expertenversammlung gelang es dem mehrgleisig vorgehenden Chomeini innerhalb von einem Jahr die komplette Macht an sich zu reißen. Nach dem Referendum vom 30. März 1979 wird am 1. April 1979 von Chomeini die „Islamische Republik Iran“ ausgerufen, in deren am 3. Dezember 1979 angenommenen Verfassung die Statthalterschaft der Rechtsgelehrten festgeschrieben wurde. Chomeini wurde in der Verfassung als Revolutionsführer, oberster Rechtsgelehrter und Stellvertreter des 12. Imam auf Lebenszeit festgeschrieben.
Geiselnahme von Teheran
Am 4. November 1979 kam es zur Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch radikale Studenten und zum Beginn der mehr als einjährigen Geiselkrise, für die Chomeini, zuvor einer Erklärung indirekt aufgerufen hatte.
Am 7. Dezember 1979 sanktioniert Chomeini die Geiselnahme mit den Worten: die US-Botschaft ist das Spionagezentrum unserer Feinde gegen die geheiligte islamische Bewegung.[52] Die fehlgeschlagene Befreiungsaktion Operation Eagle Claw bezeichnete Chomeini als einfältiges Manöver, welches durch den Willen Gottes zum Scheitern verurteilt war. Er hat den mächtigsten König der Könige aus dem Land gejagt, die stärkste Armee im Nahen und Mittleren Osten in die Knie gezwungen, so Nirumand, [53] und nun der Fehlschlag der Befreiungsaktion. Fürchtet euch nicht, Amerika ist zu nichts fähig, Worte die nun zur Gewissheit wurden.
Phase II
Mit der Geiselnahme beginnt, nach Riyahi [54], die zweite Phase der Etappe einen theokratischen Staat zu errichten, dem nachlassenden Schwung der Revolution, mit dem Aufbau eines äußeren Feindes, neue Kräfte zuzufügen. Die Ablösung des demokratisch gesinnten Mehdī Bāzargān gegen den Strohmann Bani-Sadr, der den Anspruch hatte, die islamische Revolution als zweiter Mossadegh - ohne über die Basis einer politischen Partei zu verfügen - an sich reißen zu können. Trotzdem erklärte er am 26. Februar 1980:
Bani-Sadr, der am 25. Januar 1980 erste gewählte Präsident des Iran, wird nach einer Kritik gegen die Schließung sechs weiterer Zeitschriften am 22. Juni 1981 von Chomeini abgesetzt. Chomeini lässt ihm mittels Parlament seine Amtsunfähigkeit mitteilen. Bani-Sadrs Amtsenthebung wurde mit 177 zu 1 Stimme, bei 11 Enthaltungen vom Parlament am 21. Juni 1981 verabschiedet. Bani-Sadr war vom 19. Februar 1980 bis zum 10. Juni 1981 Oberbefehlshaber der Streitkräfte und durfte im Ersten Golfkrieg seine militärische Unerfahrenheit beweisen.
Phase III
Unter Phase III bezeichnet Riyahi die Übernahme aller Regierungsgewalt durch Kleriker, die, spätestens nach dem Sturz Bani-Sadrs seinen Anfang fand. Damit einhergehend die Gründung bzw. Ausweitung der Befugnisse der paramilitärischen Verbände wie die iranische Revolutionsgarde (Pasdaran) und die Basidj. Im Zuge des inner-iranischen Machtkampfs wurden neben den linken und monarchistischen Oppositionsgruppen auch jetzt abweichende Wegbegleiter aus seiner Pariser Exilzeit hingerichtet bzw. zur Flucht gezwungen. Die Säuberungswelle erreichte ihren Höhepunkt 1981, nachdem die Volksmudschahedin eine Serie von Bombenanschlägen gegen Büros der IRP verübt hatte, bei denen zahlreiche hohe Regierungsvertreter ums Leben gekommen waren. Zum Schluss wurden selbst religiös-liberale Kräfte, die bis dahin eine Allianz mit der IRP gebildet hatten, stark eingeschränkt bzw. verfolgt.
Exil
Die Revolution hatte u. a. zur Folge, dass Millionen Iraner innerhalb kürzester Zeit das Land verließen. Bis Ende 1982 sind 2,5 Millionen Iraner ins Exil gegangen, darunter mindestens 200.000 Intellektuelle.[56] Viele wanderten in die USA (1,5 Millionen), Deutschland (110.000), Großbritannien (80.000), Kanada (75.000), Frankreich (62.000) und Australien (60.000) ein.
Das Verbot von 22 Zeitungen und Zeitschriften am 20. April 1979, eine der ersten Maßnahmen, sollte nach Chomeini:
Bis 1985 wurden nach und nach über 800 Zeitungen von der Zensur eingeschränkt oder verboten.
Nach der Stabilisierung des Systems der Herrschaft des einen Rechtsgelehrten durch die Annahme der Verfassung am 3. Dezember 1979, ging es Chomeini darum, den Widerstand dagegen auszuschalten. Bereits am 7. September 1979 warnte er mit den Worten:
Der Revolutionsrat beschloss auf Anweisung Chomeinis am 4. Juni 1980 alle Universitäten des Landes zu schließen. Chomeini war sich der Unterstützung der Studenten und des Lehrkörpers mit den Worten:
nicht sicher. Hintergrund war die Störung der Rede Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānīs im April 1980 in der medizinischen Fakultät.
vom 17. Dezember 1980 bringt die Sorge Chomeinis auf den Punkt. Am 23. Januar 1982 plädierte Chomeini für die Wiedereröffnung der Universitäten nach einer vollzogenen Islamisierung des Lehrkörpers und der Studenten, welche erst im Herbst 1984 abgeschlossen wurde und zur teilweisen Wiedereröffnung führte. [58]
Mit dem Verbot der Tudeh Partei, am 4. Mai 1983, war die intellektuelle Säuberungsaktion abgeschlossen. Zuvor wurde die Nationale Front, die demokratische Partei Kurdistans, die Freiheitsbewegung, die Fedajin-e Khalq, die Modjahedin-e Khalq, die Forghan-Gruppe, etc. verboten.
Nachdem bereits am 2. März 1979 das Schahvermögen verstaatlicht wurde, traf dies am 8. Juni 1979 die iranischen Privatbanken, am 25. Juni 1979 die Versicherungen und am 5. Juli 1979 die Industriebetriebe der 51 Großindustriellen des Iran. [59] Am 23. Dezember 1979 wurde vom Revolutionsrat die Fusion des Bankensektors vorgeschrieben. [60]
Am 8. April 1980 erklärte Chomeini:
Die weitere Ansprache an das Irakische Volk: erhebt euch, bevor dieses korrupte Regime euch in jeder Weise zerstört, schneidet seine kriminelle Hand von eurem islamischen Land ab ist eine Kampfansage an Saddam Hussein. Schon am nächsten Tag kommt es zu einem Artillerieduell bei Qasr-e Schirin, bei dem 15 iranische Revolutionsgardisten verletzt werden. [62] Der Vorkrieg hatte begonnen.
Am 30. April 1980 wird die iranische Botschaft in London durch vom Irak unterstützte Terroristen besetzt. Das Ereignis wurde als die Belagerung der iranischen Botschaft bekannt, die durch das Eingreifen des britischen SAS am 5. Mai 1980 beendet wurde.
Am 4. September 1980 greifen iranische Verbände die irakischen Städte Mandali und Khanaqin an, die irakischen Verbände beantworten dies am 10. September 1980 mit der Besetzung eines Gebietes bei Musian am Schatt al-Arab. Dieses 120 km² große Gebiet war im Abkommen von Algier dem Irak zugesprochen jedoch nicht übergeben worden. [63] Am 17. September 1980 kündigte Saddam Hussein das Abkommen von Algier und beanspruchte die volle Souveränität über den Schatt al-Arab. Am 22. September 1980 um 14:00 Uhr Ortszeit begann der Krieg mit massiven irakischen Luftschlägen auf iranische Flughäfen der Städte Teheran, Tabriz, Kermanschah, Ahvaz, Hamadan und Dezful. Gleichzeitig rückte die irakische Armee mit insgesamt 100.000 Mann an drei Stellen über die iranische Grenze vor. Chomeini soll, nach der Überbringung der Nachricht durch Banisadr, das erste Mal die Beherrschung verloren haben. Seine Hände zitterten, (...) so verängstigt hatte ich den Imam noch nie gesehen. [64]
Im ersten Jahr des Ersten Golfkriegs (1980-1988) verweigerte Chomeini den von der UNO vorgeschlagenen Waffenstillstand, ein Jahr danach ignorierte er den von Saddam Hussein verkündeten einseitigen Waffenstillstand.
Nach dem Zurückdrängen der Iraker von iranischem Gebiet, Mitte 1982, wurde das Kriegsziel auf den Sturz der despotischen Regimes des Irak ausgerichtet. Der Eroberung und Befreiung des Irak sollte nur der Anfang für die Befreiung Jerusalems darstellen. Chomeini, der bereits am 11. Februar 1980 die Ausweitung der Revolution auf die ganze Welt forderte und explizit die Revolutionäre aufforderte,
erzwang auch damit die Weiterführung des Krieges für weitere sechs Jahre. Für ihn war der Krieg ein
Jeden Teilnehmer des Krieges bezeichnete er als Märtyrer, der im Falle des Todes direkt in das Paradies einkehren würde. Mit der Ansprache an die Nation:
Die Kampftaktik der „menschliche Welle“, mit kaum oder nicht ausgebildeten Zivilisten als Vorhut für die paramilitärischen Pasdaran, die sogenannten Basidji, trat erstmals am 30. September 1982 am Frontabschnitt bei Mandali auf. In einer Einzelaktion starben dabei mindestens 4.000 Iraner, dagegen 300 der verteidigenden Iraker. [68] Bis Jahresende 1983 hatte der Krieg auf beiden Seiten mindestens 350.000 Tote, 300.000 Verwundete und 90.000 Gefangene gekostet. [69] Frontkommandeure, die persönlich bei Chomeini in Qom vorsprachen und die die militärische Lage sowie die Sinnlosigkeit des Einsatzes schlecht ausgebildeter Freiwilliger zur Sprache brachten, entgegnete Chomeini:
Am 9. August 1983 setzte der Irak erstmals auch chemische Kampfstoffe in einem Frontabschnitt ein. Im Februar 1985, bei der verlustreichsten Offensive des Krieges auf Basra, starben fast 50.000 Iraner. Zur ideologischen Aufrüstung wird von Chomeini auch der Koran zu Hilfe gezogen:
Die Ablösung von Seyyed Ali Chamene'i und die Ernennung von Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte am 2. Juni 1988 brachte die Wende. Die Kriegsmüdigkeit der iranischen Bevölkerung, sowie die Aussichtslosigkeit den Krieg gegen den Irak und gegen westliche Interessen zu gewinnen, erklärte sich Chomeini am 18. Juli 1988 schließlich bereit, die UN-Resolution 598 eines Waffenstillstandes anzuerkennen. Zitat: Diese Entscheidung kam mir so bitter vor wie der Trunk eines Becher Gifts. [72]
In dem vom 22. September 1980 bis zum 20. August 1988 brutal geführten Krieg mit hohen zivilen Opfern waren allein auf iranischer Seite mindestens 500.000 Menschen ums Leben gekommen. Die materiellen Schäden des Krieges auf iranischer Seite werden mit 644 Milliarden Dollar veranschlagt.[73]
Chomeini, der nach islamischer Lehre nur zwischen Muslimen, Schutzbefohlenen (Dhimmi) und Ungläubigen unterschied, vertrat daneben auch das islamische Harbi-Konzept, das die Tötung von nicht unterworfenen Nicht-Muslimen vorsieht. Chomeini erklärte in einer Rede über den Djihad am 12. Dezember 1984:
Besonders betroffen waren die Bahai, die systematisch verfolgt wurden und heute noch im Iran verfolgt werden. [76] 1979 wurde das Haus des Bab in Schiraz zerstört, [77] 1980-1981 die geistliche Führung der Bahai exekutiert, bis 1985 die gesamte Elite der Bahai in 210 Hinrichtungen eliminiert [78], die Bahai gehen von 202 Hingerichteten und 15 Vermissten aus. [79] Nachdem Chomeini am 28. Mai 1983 die Bahai als Spione bezeichnete, wurde die Religion der Bahai offiziell am 15. September 1983 verboten. Vermutlich sind mindestens 10.000 gläubige Bahai ins Exil geflohen.[80]
Unmittelbar nach der Machtübernahme Chomeinis wurden 23 Generäle und 30 Offiziere des Schahs hingerichtet, 80 % der ersten zweihundert Exekutierten gehörten dem Militär bzw. Geheimdienst des Schahs an. [81] Amnesty International verzeichnete vom Beginn der Revolution im Februar 1979 bis Ende 1981 3.800 Hinrichtungen, bis Ende Dezember 1983 wurden 5.447 Hinrichtungen gezählt. [82]
Kurz nach dem Ende des Iran-Irak-Krieges gab es eine weitere Hinrichtungswelle. Die Zahlen gehen von 1.367 [83], 2.700 [84] bis zu spekulativen 10.000 [85] politischen Gefangenen im Iran aus, die Mehrheit von ihnen waren Anhänger der Volksmudschahedin und diverser linker Gruppierungen. Die Hinrichtungen ab Juli 1988 [86] gelten als die zweitgrößte Hinrichtungswelle während der islamischen Republik.
Um Regimegegner zu erkennen rief Chomeini im August 1981 jeden Bürger auf:
Nach Presseberichten zeigte eine Mutter, Tage danach, ihren Sohn beim Staatsanwalt an. Chomeini soll diese Frau mit den Worten: was du vollbracht hast ist vorbildlich, alle sollen sich nach dir richten, empfangen haben. [88]
Blutspende von Verurteilten
Der Mangel an Blutkonserven und die Unmöglichkeit sofortiger Besorgung derselben führt meist zum Tod der Verletzten, so das Schreiben des Oberstaatsanwalts der Islamischen Republik Iran, vom 2. Oktober 1981. Aus diesem Grunde, so das Schreiben weiter soll zur Lösung dieses Problems geheim angeordnet werden, dass von den zum Tode verurteilten Personen, vor der Vollstreckung Blut abgenommen wird. Chomeini, so der Oberstaatsanwalt wurde um Rat gebeten. Er [Chomeini] gab bekannt, dass diese Maßnahme durchaus mit den religiösen Gesetzen vereinbar sei. [89]
Verfolgung im Ausland
Auch geflüchtete Regimegegner waren im Ausland vor Verfolgung und Exekution nicht sicher. Über 120 [90] wurden durch Auftragsmorde exekutiert, die bekanntesten Attentate waren:
Bereits kurz nach dem Erscheinen des Romans „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie im September 1988 erschienen erste Kopien davon im Iran. Die Buchbesprechung und Auszüge wurden kurz darauf im iranischen Rundfunk verbreitet, deren Sendungen Chomeini regelmäßig verfolgte. Ein unbekannter Geistlicher übersetzte, auf eigene Initiative, eine 700 Seiten Version und überreichte diese, etwa einen Monat danach, dem Büro Chomeinis. Chomeinis Kommentar nach dem Lesen war:
Damit schien die Angelegenheit erledigt, kein Hinweis auf ein Importverbot oder Fatwa, bis am 12. Februar 1989 erste Unruhen aus Pakistan publik wurden.
Am 14. Februar 1989 rief Chomeini in einer Fatwa alle Muslime zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie auf, auf Grund der von ihm als blasphemisch erachteten Äußerungen gegen den Propheten Mohammed in Rushdies Roman „Die satanischen Verse“.[92]
Ein Kopfgeld, auf Rushdie ausgesetzt, erhöhte sich innerhalb weniger Tage auf rund 9,2 Millionen DM. [94] Der Tötungsbefehl der Fatwa, die nach üblicher schiitischer Lehrmeinung, nach dem Tode seines Verfassers seine Gültigkeit verliert, wurde nach dem Tode Chomeinis von Chamenei und Rafsandjani bekräftigt.
Der als liberal geltende Chatami erklärte am Rande der UN-Vollversammlung 1998: wir sollten die Angelegenheit Salman Rushdie als völlig abgeschlossen betrachten. Weiterhin bekräftigte Chatami, dass es in der Praxis keine Entscheidung gegeben habe, in dieser Angelegenheit tätig zu werden[95] sprich von der Regierung keine Mörder gedungen wurden.
Die Ursachen für das Ausstellen dieser Fatwa kurz vor seinem Tode liegen oberflächlich
Seine Abneigung gegen die Monarchie der Pahlavi reicht zurück zu Reza Schah Pahlavi:
Chomeini hat in den 40er-Jahren, je nach Autor, ein (1944) bis zweimal Mohammad Reza Pahlavi persönlich getroffen. 1944 soll er entgegen der Etikette, bei einem Besuch des Schahs in Qom, den Herrscher sitzend und nicht stehend empfangen haben. [104]
Die USA galten für Chomeini als großer Satan, der teuflische Pläne ausheckt, die zur fremden Vorherrschaft führt. In seinen Memoiren behauptete Rafsandschani, Revolutionsführer Chomeini habe in den achtziger Jahren zugestimmt, die Parole „Marg bar Amrika“ (Tod Amerika) nicht mehr zu benutzen. [108]
Am 7. August 1979, dem letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan, proklamierte Chomeini den internationalen Al-Quds-Tag [111] - al-Quds, die koranische Umschreibung für Jerusalem - um die Solidarität aller Muslime mit den palästinensischen Volk zu bekunden und die Befreiung der Muslime unter dem zionistischen Regime anzumahnen. Der al-Quds-Tag, mittlerweile ein Selbstläufer der jedes Jahr zu Demonstrationen führt, sollte an den durch den Koran implizierten Anspruch auf Jerusalem, die drittheiligste Stadt der Muslime neben Mekka und Medina, erinnern.
Auf der anderen Seite bestätigte Chomeini den Status der jüdischen Religion, so wie der Koran vorsieht, als Schutzbefohlene. Artikel 13 der Verfassung der islamischen Republik Iran nahm diesen Grundsatz explizit auf, ebenso ist nach Artikel 64 zumindest ein Abgeordneter jüdischen Glaubens, momentan Maurice Motamed, im iranischen Parlament vorgesehen. Diese Ambivalenz drückt sich auch im privaten Sektor aus. So berichtete am 27. Februar 1985 die israelische Zeitschrift Maariw, dass eine enge Verwandte Chomeinis unter strenger Geheimhaltung in einem Jerusalemer Krankenhaus behandelt werde. Zuvor sollen schon weitere Verwandte Chomeinis in Israel behandelt worden sein. [112]
Nach den Waffenlieferungen Israels an den Iran, während des ersten Golfkrieges, mäßigte Chomeini seine Worte.
jüdische Auswanderung
Im Zeitraum zwischen 1948 und 1966 sind ca. 45.000 Juden nach Israel ausgewandert. 1966, im Jahr des letzten Zensus, wurden 60.683 Juden im Iran gezählt, 39.716 allein in Teheran, gefolgt von Schiraz mit 6.852 und Isfahan mit 2.507 Juden. [113] Demnach hätten mindestens 35.000 Juden den Iran seit der islamischen Revolution verlassen - realistische Schätzungen gehen von 25.000 Juden im Iran des Jahres 2007 aus. Laut Rafsandjani gibt es keine Probleme mit dem hoch geschätzten Judentum als Buchreligion. [114]
Nach der Wahl Gorbatschows zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion, richtete Chomeini am 1. Januar 1989 einen Brief an diesen, worin er Gorbatschow bat:
und den Rat anbrachte:
um abschließend darauf hinzuweisen,
Gorbatschow soll darauf, am 16. Februar 1989, folgendermaßen geantwortet haben: Ungeachtet verschiedener Sichten auf die Geheimnisse des Weltengebäudes (...) hat man sich in der UdSSR zur Aufgabe gestellt, die Hoheit allgemeinmenschlicher Werte gegenüber allen anderen Interessen und Zielen zu gewährleisten. [116]
Das Verhältnis zwischen Chomeini und den Kommunisten der Tudeh Partei war geprägt von einer gewissen Ambivalenz, vor dem Sturz des Schah war für Chomeini jede Hilfe recht. Auch in den ersten Monaten der islamischen Revolution biederte sich die Tudeh Partei förmlich Chomeinis Vorstellungen an. So erklärt das 16. Plenum des ZK der Tudeh Partei Irans im März 1979 in Teheran: Die Tudeh-Partei Irans unterstützt die Initiativen Seiner Heiligkeit, des Ayatollah Khomeini, in Bezug auf die Verkündung einer islamischen Republik. Sie wird sich voll und ganz für deren Realisierung einsetzen. [117] Für Chomeini galten Kommunisten als Gottlose. 1981 wird die Tudeh Partei als Moskau-treu eingestuft, 1983 endgültig verboten.
In einem Interview mit Oriana Fallaci [121] angesprochen auf die islamische Kleidung entgegnete Chomeini:
Die Zusammenfassung der umfangreichen Abhandlungen Chomeinis zum Thema Frauen [122] hat die Stichpunkte: heilige Frauen des Islam, Status und die Rolle der Frau im Islam, die islamische Revolution, die Familie, Kampf der Frauen und Militär und endet bei Fehlverhalten.
Auch in seinen berühmten 40 Hadithen [125] hat Chomeini eine Abhandlung über den Teufel verfasst.
Anlässlich der Bitte des Papstes Johannes Paul II. bezüglich der Geiselnahme von Teheran, Chomeini möge doch die Geiseln freilassen, antwortet dieser in einem Brief vom 10. November 1979:
Die Verehrung der Person Chomeini, die mit der Bezeichnung seiner Anhänger Imam sowie unser heiliger Imam, in Anlehnung an die zwölf schiitischen Imame, einherging, die seine Fortsetzung gleich in Artikel 1 der iranischen Verfassung mit seiner Namensnennung fand und der er selber nie widersprach, führten zu einem Personenkult, der sich ins quasi-messianische steigerte. Chomeini du bist meine Seele, ein Ausspruch der von vielen Iranern zu hören war, dazu seine Worte:
und der Glaube er könne Wunder vollbringen, besäße eine überirdische Kraft [129], wird zur Realität.
Gholamasad [130] spricht von einer eschatologischen Hoffnung auf eine messianische Erlösung. Er [Chomeini] wäre der Stellvertreter des entrückten 12. Imam, der das Paradies auf Erden errichtet und dies wäre eben nur durch den Islam und die islamische Revolution möglich. Damit, so Gholamasad, [131] ist der
Die Rede Chomeinis, kurz nach Beginn des ersten Golfkrieges: in diesem Krieg wollen die weltverschlingenden Blutegel des Imperialismus alle Unterdrückten der Welt vernichten, ich aber verkünde erneut meine Hilfe für alle Befreiungsbewegungen der Welt bezieht sich genau auf diesen Punkt. Lautsprecherdurchsagen unterstützten diesen Anspruch mit den Worten: der Imam hat uns frei gemacht. [132]
Auf Propagandaplakaten wird Chomeini teilweise als Moses mit Schriftrolle (Koran) dargestellt bzw. tritt er dem Pharao (Schah) mit feuerspeienden Drachen entgegen. [133] Dieses Stabwunder des Moses wird auf Chomeini übertragen, der archetypische Konflikt zwischen Gut und Böse, Gerechtigkeit und Tyrannei, in Chomeinis Verständnis nur durch aktives Tätigwerden zu gewinnen. [134] Eine Religion, die den Krieg ausschließt so Chomeini in seiner Interpretation des Islam ist unvollkommen. Ich denke, dass auch Jesus, wenn man ihm dazu Zeit gelassen hätte, genauso gehandelt haben würde wie Moses. [135]
Chomeini soll nach Angaben von Hussein Ali Montazeri jede Nacht in anderen Räumlichkeiten zugebracht haben und Hussein Schariatmadari titulierte ihn als „der Gefangene von Jamkaran“. Das Wohnhaus Chomeinis wurde von der Außenwelt abgeriegelt und hatte sich, so Taheri [139] in eine Festung verwandelt, mit elektronischem Sicherheitssystem und Flak-Batterie. Chomeini kehrte nach seinem Exil und der Landung in Mehrabad nur am 24. Januar 1980 aufgrund einer Herzschwäche von Qom nach Teheran zurück.
Saddam Hussein soll 1982, so der syrische Geheimdienst nach Angaben einer Zeitung, für die Ermordung von Chomeini ein Kopfgeld von umgerechnet 200 Millionen Euro zugesichert haben. [140]
Bereits im September 1978 bot der damalige Geheimdienstchef des Irak, Barzan Ibrahim at-Tikriti, bei einem Geheimbesuch in Teheran, dem Schah die Beseitigung von Chomeini an. Der Schah drückte seine Dankbarkeit aus, wollte aber von einem inszenierten tödlichen Unfall nichts wissen. [141]
1928/1929 [142] heiratete Chomeini Batol Saghafi, genannt Frau Ghodsi, die 15-jährige Tochter des Agha Mirza Mohammad Saghafi, eines Klerikers aus Teheran. Aus dieser Ehe, Chomeini lebte monogam, gingen sieben Kinder hervor, zwei Söhne und drei Töchter überlebten die Kindheit.
Chomeinis bekannte Enkelkinder:
Chomeini verließ nach seiner Rückkehr in den Iran nie das Haus seiner Tochter, in das er zog. Er besuchte wie Kapuscinski schreibt: nichts und niemanden. Er lebte asketisch, ernährte sich nur von Reis, Joghurt und Früchten, und bewohnte nur ein einziges Zimmer mit kahlen Wänden, ohne Möbel, nur eine Schlafstätte auf dem Boden und ein Stoß Bücher. [150] Auf einer Decke sitzend, den Rücken an die Wand gelehnt, empfing er ausgesuchte Gäste. Die Menschenmassen, die verständlicherweise nicht zu ihm vordringen durften, konnten ihn am Balkon winken sehen.
Chomeini hat neben seinen bekannten Traktaten auch Gedichte geschrieben. Taheri [151] zitiert zwei Gedichte vermutlich in den dreißiger/vierziger Jahren geschrieben, mit dem Titel Der Mandelbaum sowie Tamerlan. Der Mandelbaum befasst sich mit der Vergänglichkeit des Lebens, denn dieser Mandelbaum ist ein Bote des Schöpfers. Nach einem Gewitterregen sind die Blüten geknickt und verstreut, nackt steht die Braut des Gartens da ... ein Augenblick nur der Undankbarkeit führt zu einer furchtbaren Strafe für die, die Gott vergessen. In Tamerlan befasst sich Chomeini mit den Greueltaten des mongolischen Herrschers Timur: Er war es, der alle Gebote des Herrn mißachtete, doch einer ist da, der die Mächtigen in den Staub wirft, einer ist da, der die Schuldigen zerstückelt, ihm ist Hindi der Weise ergeben und keinem anderen.
Abū l-Hasan Banīsadr (Neue Presse, 3. Dezember 1981):
Ayatollah Schariatmadari (zitiert nach Banīsadr):
Oriana Fallaci (Süddeutsche Zeitung, 29. September 1981):
Mehdī Bāzargān (Der Spiegel Nr. 46/1979):
Piruz Khaefi: [152]
Hassan Nasih (Die Welt, 3. Juli 1980)
Egyptian Gazette, Kairo (zitiert nach: Der Spiegel Nr. 47/1979):
Nach elf Tagen im Krankenhaus, er hatte sich einer Darmoperation unterzogen, starb Chomeini am 3. Juni 1989 um 22.20 Uhr Ortszeit, nach einem zweiten Herzanfall in einem Teheraner Krankenhaus. [153]
Die letzten Worte Chomeinis, zu seiner Frau und seinen Kindern, gegen 13 Uhr gesprochen, sollen:
gewesen sein.
Die Nachricht vom Tode des Ayatollah wurde am 4. Juni 1989 um 05.30 Uhr über Radiodurchsagen der Öffentlichkeit mitgeteilt. Das Staatsbegräbnis geriet außer Kontrolle, Millionen versuchten den Sarg zu erreichen, dabei sollen 11.000 Menschen verletzt und dutzende Menschen zu Tode gequetscht worden sein. Nachdem Trauernde an dem Leichentuch zerrten, fiel der Leichnam zu Boden. [155] Per Hubschrauber wurde dann der Leichnam aus der Innenstadt von Teheran zum Friedhof Behesht-e Zahra geflogen. [156] Noch Tage nach seinem Tod wurden Tausende am Grab gezählt. Weil befürchtet wurde, dass Trauernde Erde von der Grabstelle mitnehmen und, bei den Massen, die Leiche freilegen könnten, wurde die Grabstelle mit Containern abgeriegelt und von Soldaten bewacht. An dieser Stelle wurde später das Mausoleum von Chomeini errichtet.
Einen Tag nach Chomeinis Tod, am 4. Juni 1989, wurde sein früherer Schüler, der damalige Staatspräsident Ayatollah Seyyed Alī Chāmene'ī vom Expertenrat mit den Stimmen von 60 der 70 anwesenden Mullahs überraschend zum Obersten Rechtsgelehrten gewählt. Chomeini hatte die Nachfolgeregelung vermutlich längst getroffen, da für das Amt auch Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī zur Verfügung gestanden hätte, der in den letzten Monaten als rechte Hand Chomeinis fungierte.
Der islamische Staat erschien erstmals in der englischen Übersetzung 1979 im amerikanischen Manor-Verlag in einer westlichen Sprache mit dem propagandistischen Titel wie Thoß und Richter [157] schreiben: Ayatollah Khomeini´s Mein Kampf. Hier wird direkt der Vergleich mit Hitler gesucht ebenso scheint in der Einleitung auf ein psychologisches Profil des CIA zurückgegriffen worden sein. Das Titelblatt bezeichnet diese Übersetzung als offizielle Übersetzung der US-Regierung. 1979 erscheint die französische Übersetzung von Kotobi und Simon: Pour un gouvernement islamique, 1981 eine weitere Übersetzung aus den USA von Algar Hamid [158]. 1983 erscheint eine deutsche Ausgabe von Hasan Nader und Ilse Itscherenska [159] in der DDR übersetzt und gedruckt, in West-Berlin erschienen. ISBN 978-3-922968-21-4
Kurze Auszüge aus allen drei Werken sind 1980 als Meine Worte. Weisheiten, Warnungen, Weisungen im Moewig-Verlag erschienen, eine Übersetzung aus dem französischen ins deutsche. ISBN 978-3-8118-6601-0
in europäische Sprachen übersetzt: