Staunen


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Staunen

Staunen oder Verwunderung ist ein emotionaler Zustand als Reaktion auf das Erleben von etwas Unerwartetem, das nicht den bekannten Denkmustern/Schemata entspricht.

Es wird begleitet von einem neurobiologischem Zustand der Erregung, einem inneren Unruhezustand, der sich motivationsfördernd auswirkt, bisher Unbekanntes zu erforschen und zu lernen. Das bereitgestellte Erregungspotential ermöglicht, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, das durch die Konfrontation mit dem „unpassenden“ Neuen verloren ging. Das entspricht dem Staunen als Auslöser für einen „Konflikt durch Überraschung“ nach Berlyne (1960).[1]

Durch Staunen initiiertes Lernen ist somit von innen heraus/intrinsisch motiviert, weil der Mensch inneres Gleichgewicht anstrebt. [2]

Leichtes Erstaunen wird auch durch die Interjektion ei! ausgedrückt.

Inhaltsverzeichnis

Philosophie

Aristoteles sieht im Staunen (thaumázein) den Beginn des Philosophierens, das einen starken Akzent auf die Verwunderung legt. Die Philosophie würdigt Dinge kritischer Betrachtung, die zunächst als selbstverständlich erscheinen. Selbstverständlichkeiten werden bezeichnet als „bloße Meinung“ (dóxa). Bei genauem Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten, zeigen sich erstaunliche, bisher unberücksichtigte und neue Wahrheiten (alétheia). Die Dissonanz zwischen bloßer Meinung und neuer Wahrheit fördert das Streben nach Wissen. Indem das philosophische Staunen die bisher wenig bedachten Dinge hinterfragt, bringt es die Wissenschaft voran.

Staunen als Motivation, Neues zu entdecken

Staunen erzeugt eine innere Bewegung und Anspannung, die in einer aktiven eigenständigen Auseinandersetzung mit einer Sache mündet (Aristoteles, Schreier, Schiefele). Die Neugier wird angeregt. Dieses Unerwartete soll verstanden werden, zu etwas Bekanntem gemacht und verinnerlicht werden. Auf diese Weise wird Staunen zu einer Fragestellung und erzeugt die Motivation, etwas Neues zu lernen.

Ausprägung

Die Art des Staunens kann unterschiedlich gefärbt sein, je nachdem, ob das Unerwartete, Verwunderliche eher ein „gläubiges“ oder „ungläubiges“ Staunen hervorruft. Entsprechend wird es von unterschiedlichen Emotionen begleitet, wie Bewunderung, Respekt, Verehrung, oder Befremden, Irritation, Argwohn.

Tritt ein unerwartetes Ereignis sehr plötzlich ein, reagiert der Mensch mit „Verblüffung“ und in gesteigerter Form mit Erschrecken.

Zitate

„Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.“

Platon: Theaitetos 155 D

„Staunen veranlasste zuerst – wie noch heute – die Menschen zum Philosophieren.“

Aristoteles: Metaphysik I 2, 982 b 12

„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“

[3]: Albert Einstein

Einzelnachweise

  1. D.E. Berlyne (1974): Konflikt, Erregung, Neugier. Zur Psychologie der kognitiven Motivation. Klett-Verlag Stuttgart (Original 1960)
  2. UNI Köln, A. Schulte-Jantzen 2002 Staunen-Lernen
  3. Zitate von Albert Einstein

Weblinks

Literatur

  • Aristoteles: Metaphysik, Rowohlt Verlag, ISBN 3-499-55544-1
  • Ute Guzzoni: Das Erstaunliche und die Philosophie. Freiburger Abschiedsvorlesung in: Information Philosophie, Heft 02/2001
  • Jeanne Hersch: Das philosophische Staunen. Einblicke in die Geschichte des Denkens, Piper Verlag 1981, ISBN 3-492-11059-2
  • Ekkehard Martens: Vom Staunen oder Die Rückkehr der Neugier, Reclam Verlag 2003, ISBN 3-379-20057-3
  • Doris Daurer: Staunen - Zweifeln - Betroffensein. Mit Kindern philosophieren, Beltz, Weinheim/Basel, 1999.
Wikiquote Wikiquote: Staunen – Zitate






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