Die Terroranschläge am oder vom 11. September 2001 waren eine Reihe von Selbstmordanschlägen auf zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten, die vom islamistischen Terrornetzwerk Al-Qaida geplant, koordiniert und von 19 seiner Angehörigen ausgeführt wurden. Je fünf bzw. einmal vier Attentäter entführten zwischen 8.10 Uhr und etwa 9.30 Uhr Ortszeit (EDT) vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und eines in das Pentagon in Arlington, Virginia. Das vierte Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Attentätern, Besatzung und Fluggästen bei Shanksville in Pennsylvania in der Nähe von Pittsburgh ab. Bei den Anschlägen kamen 2.996 Personen und die 19 Attentäter ums Leben.[1] Durch die Evakuierungsmaßnahmen konnten in New York über 15.000 Menschen gerettet werden.
Das in den Vereinigten Staaten verwendete Kürzel „9/11” (nine-eleven) für die „September 11 attacks” ist die amerikanische Schreibweise des Datums. In ähnlicher Schreibweise steht die Zahl 911 (nine-one-one) für die Notrufnummer in den USA.
Die Ereignisse dieses Tages werden wegen ihrer weitreichenden Folgen weltweit als historische Zäsur betrachtet, die das begonnene 21. Jahrhundert stark prägen.[2] Der damalige wie heutige Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, leitete daraufhin einen Antiterrorkrieg ein. Die USA führten den Krieg in Afghanistan 2001 und begründeten auch den Irakkrieg 2003 als Reaktion auf die Anschläge.
ausführlich in: Terroranschläge am 11. September 2001/Ablauf
Zeittafel:
Das erste Anzeichen der vier Entführungen, im Nachhinein betrachtet, war der Ausfall des Transpondersignals von American-Airlines-Flug 11 um 8:20 Uhr Ortszeit (EDT). Kurze Zeit später wurde durch einen Anruf der Stewardess Madeline Amy Sweeney bei der Bodenkontrolle bestätigt, dass es sich um eine Entführung handelte. Spätere Ermittlungen ergaben, dass diese erste Entführung gegen 8:15 Uhr geschah, zu diesem Zeitpunkt hob United-Airlines-Flug 175 ab. Ein Kontakt der Entführer untereinander zu diesem Zeitpunkt ist nicht nachgewiesen worden.
Gegen 8:38 Uhr wurde NORAD, die zentrale Stelle der Luftverteidigung, über die Vorfälle informiert, verbunden mit der Bitte um eine visuelle Überprüfung von Flug AA 11 durch Militärflugzeuge. Um 8:45 Uhr, ungefähr zur selben Zeit, zu der auch Flug 175 der United Airlines entführt wurde, starteten zwei F-15. Der abgeschaltete Transponder hinderte die Fluglotsen jedoch daran, den F-15-Piloten sofort die aktuelle Position von Flug AA 11 mitzuteilen.
Um 8:46 Uhr Ortszeit flog American-Airlines-Flug AA 11 in den Nordturm des World Trade Centers. Zu diesem Zeitpunkt ging man oder konnte man noch von einem Unfall ausgehen. Im Südturm wurden deshalb die Menschen durch Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, Ruhe zu bewahren und an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben. 17 Minuten später, um 9:03 Uhr (13:03 UTC) flog das zweite Flugzeug (United-Airlines-Flug 175) in den Südturm des WTC.
Damit wurde den Behörden und vielen Zuschauern der Fernsehmeldungen klar, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern einen gezielten Angriff handelte. Daraufhin wurden nach und nach alle Zivilflüge in den USA eingestellt und Abfangjäger gestartet, um New York zu schützen.
American Airlines Flug 77 war zwischen 8:50 und 9:00 Uhr entführt worden. Um 9:37 Uhr Ortszeit flog der Jet in das Pentagon und schlug eine Bresche durch drei Gebäudeteile. Die Schäden und das nachfolgende Feuer bewirkten dann gegen 10:10 Uhr den Einsturz eines der beschädigten Abschnitte.
Als Reaktion auf diesen weiteren Angriff wurden gegen 9:45 Uhr alle Flugzeuge unter Androhung eines Abschusses aufgefordert, den nächstmöglichen Flughafen anzusteuern. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das vierte Flugzeug, United-Airlines-Flug 93, allerdings schon in der Gewalt der Entführer. Als sein Anschlagsziel werden später das Weiße Haus, das Kapitol in Washington oder der Landsitz des US-Präsidenten in Camp David vermutet. Seine Flugroute zu diesem Zeitpunkt ist unbekannt. Um 10:03 Uhr stürzte es, möglicherweise infolge eines Kampfes zwischen den Entführern und den Geiseln an Bord, in der Nähe von Pittsburgh ab. Entgegen ersten Berichten brachten die Entführer, nicht die Geiseln, das Flugzeug zum Absturz. Dabei starben 44 Menschen (33 Passagiere, sieben Crewmitglieder und vier Entführer).
Mit zusammen rund 90 m³ Treibstoff wirkten die in das WTC geflogenen Jets wie große Brandbomben. Der Südturm stürzte nach 56 Minuten um 9:59 Uhr, der Nordturm nach 102 Minuten um 10:28 Uhr komplett ein. Über zweitausend Menschen (2.123), darunter 343 Feuerwehrmänner, befanden sich noch in den Türmen und wurden beim Einsturz getötet. Dutzende waren bereits aus den oberen Stockwerken in den Tod gesprungen, da ihnen alle Fluchtwege abgeschnitten waren und sie im Feuer zu ersticken oder zu verbrennen drohten. Fünf weitere Gebäude des WTC, darunter das benachbarte WTC 7, wurden ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahnstationen. 23 weitere Gebäude, die das WTC umgaben, wurden zum Teil so schwer beschädigt, dass sie später aufgegeben werden mussten.
In Arlington bei Washington zerstörte der Flugzeugaufprall und das dadurch ausgelöste Feuer einen Flügel des Pentagongebäudes (US-Verteidigungsministerium). Dort starben 184 Personen (2 Piloten, 4 Flugbegleiter, 48 Passagiere, 5 Entführer im Flugzeug, 125 Menschen im Gebäude).
ausführlich in: Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA/Die Rettungseinsätze
Mit dem Beginn des Rettungseinsatzes hatten die Einsatzkräfte ganz unterschiedliche Probleme zu bewältigen. Zum großen Teil gleichzeitig liefen Aktionen verschiedener Organisationen:
Die Räumung der WTC-Gebäude und des Pentagon rettete vielen Tausenden Menschen das Leben. Bei den weiteren Arbeiten ab 12. September können nur wenige Überlebende in der direkten Nachbarschaft geborgen werden. Aus den Flugzeugen gab es keine Überlebenden.
Seit 2005 werden in den USA vermehrt Diskussionen um gesundheitlichen Spätfolgen bei Rettungskräften und Überlebenden der Anschläge insbesondere in New York geführt. Bis Mai 2002 waren insgesamt etwa 40.000 Personen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten an Ground Zero beteiligt. Sie und die Menschen, die in dieser Zeit in der Nachbarschaft gearbeitet oder/und gewohnt haben, waren in unterschiedlich hohem Ausmaß einer Atemluft ausgesetzt, die deutlich mit Schadstoffen belastet war. Die Abschätzung der Anzahl des möglicherweise (auf Langzeitfolgen zu beobachten) und des tatsächlich geschädigten Personenkreises, auch der Anwohnerschaft, bis hin zu frühzeitigen Todesfällen durch Lungenkrebs u. a. hat erst begonnen.
Die Interpretation der Passagierlisten der entführten Flugzeuge machte rasch klar, dass es sich bei den Tätern um Islamisten gehandelt hatte. Veröffentlicht wurden jedoch, beispielsweise bei CNN, nur getrennte Opfer- und Täterlisten, welche den jeweiligen Flügen zugeordnet wurden. Die 19 Attentäter sind bekannt, u. a. waren es Mohamed Atta al Sayed und Ziad Jarrah. Muhammad Haidar Zammar gilt als wichtiger Rekrutierer und Khalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef als Planer der Anschläge. Die Regierung der USA beschuldigte Osama bin Laden als Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida Auftraggeber der Anschläge zu sein.
Dieser bekannte sich zunächst nicht öffentlich zu den Anschlägen, sondern stritt in einem Interview sogar jede Verbindung ab. Erst im Verlauf des Afghanistankrieges wurde ein umstrittenes Videoband entdeckt, in dem er mit führenden Mitgliedern seiner Gruppe über die Planung der Anschläge sprach. In weiteren Erklärungen und Videobotschaften bekannte er sich dann zu seiner Führungsrolle, zuletzt wenige Tage vor der Wiederwahl von George W. Bush zum US-Präsidenten im November 2004.[4]
Die Terrorgruppe Al-Qaida hat sich etwa seit 1991 – dem Zweiten Golfkrieg der Vereinigten Staaten gegen den Irak und der anschließenden Stationierung von US-Militär in Saudi-Arabien – auf den Kampf gegen „den Westen“ und seine Werte orientiert. Sie sehen die USA als den „großen Satan“, der den „kleinen Satan“ (den Staat Israel) decke, um die islamische Nation zu unterdrücken, zu spalten, ihre Reichtümer auszubeuten und sie an ihrer Einigung und Ausbreitung des Islam zu hindern. Sie sehen den Westen von „Ungläubigen“ und „Kreuzzüglern“ (Juden und Christen) beherrscht. Daraus leiten sie das Recht zum wahllosen Töten von Zivilisten und Bürgern verschiedenster Nationen ab, darunter auch Muslimen in den USA. Einige der Attentäter des 11. September 2001 (die sogenannte Hamburger Zelle), darunter ihr mutmaßlicher Anführer Mohammed Atta, lebten zuvor als Studenten in Hamburg. Dort wurden die Anschläge auf das WTC und das Pentagon angeblich geplant. Nach ihrer Einreise in die USA absolvierten sie dort eine verkürzte Pilotenausbildung. Sie waren dem FBI teilweise bis zu zwei Jahre vor den Anschlägen bekannt und wurden zeitweise überwacht.
Die Anschläge vom 11. September 2001 waren nicht die ersten Anschläge der Al-Qaida gegen US-amerikanische Ziele. Bereits in den Jahren zuvor griff ein Selbstmordattentäter das Kriegsschiff USS Cole (DDG-67) im Jemen an; es folgten Bombenattentate auf US-Botschaften in Kenia und Tansania sowie bereits 1993 ein erster Sprengstoffanschlag in der Tiefgarage des WTC. Die USA antworteten unter US-Präsident Bill Clinton bereits mit Raketenangriffen auf vermutete Terroristen-Lager in Afghanistan und eine vermeintliche Chemiewaffenfabrik im Sudan.
In den 1980er Jahren hatten Bin Laden und seine Mitstreiter als ausländische Mudjahedin am Partisanenkrieg gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans teilgenommen. Die CIA belieferte diese „Gotteskrieger“ mit je zur Hälfte von den USA und Saudi-Arabien finanzierten Waffen sowie mit Geheimdienstinformationen und half auch bei deren Ausbildung in Pakistan. Ihr Hauptfeind war damals die Sowjetunion als „Unterdrücker“ der islamischen Afghanen und der Tschetschenen.
Als Attacken einer bisher unbekannten Dimension hatten die Terroranschläge vom 11. September 2001 weitreichende Konsequenzen für New York City für die Vereinigten Staaten, während der Rest der Welt vor allem von ihren politischen Folgen betroffen wurde.
Die Terroranschläge am 11. September 2001 wurden in der amerikanischen Öffentlichkeit als gravierendster Angriff auf das Festland der USA seit 1941 verstanden, wobei einzelne Stimmen auch an die britische Intervention von 1814 erinnerten. Sie hatten daher für New York City für die Vereinigten Staaten gravierende Konsequenzen, während der Rest der Welt vor allem von ihren politischen Folgen betroffen wurde.
Bei diesen Anschlägen mit vier entführten Passagierflugzeugen als Tatwerkzeug starben etwa dreitausend Menschen. Durch die 24 offiziell als vermisst geltenden Personen und die Zurechnung der Täter ergeben sich in den Medien z. T. etwas abweichende Zahlen.[5]
Die Gesamtzahl der Todesopfer beträgt 3.018:
Die Anzahl der akut verletzten Personen wurde bisher nicht mitgeteilt. Als langfristige Folge der Rettungsaktion ist mit weiteren Todesfällen bei den Helfern etc. zu rechnen (s. o.).
Von den 2.603 getöteten Personen in und an den beiden Türmen des WTC in New York waren 411 Helfer: 343 Feuerwehrangehörige, 60 Polizisten und 8 weiteres Sanitätspersonal. Nur von etwa 1.600 Personen in New York konnten in den folgenden Jahren sterbliche Überreste durch Befunde identifiziert werden.[9]
Die Verteilung der Toten nach Gebäuden des WTC beruht auf Schätzungen der genannten Berichte: Etwas unter 1.400 Opfer gab es in den durch Flugzeugen zerstörten Etagen und den Stockwerken darüber. Ca. 800 Personen im Nordturm (zuerst getroffen) und 600 im Südturm. Dazu zählen auch die etwa 200 Menschen, die aus den brennenden Gebäuden stürzten.
Von diesen Opfern ist bei 327 Personen bekannt, dass sie keine US-Bürger waren und aus 80 verschiedenen Ländern stammten.[10]
US-Präsident Bush befand sich zum Zeitpunkt der Einschläge bei einer Schülervorlesung in Florida. Er wurde wenige Minuten nach dem Anschlag auf WTC 2 mit den Worten informiert: Mr. President, America has been attacked. („Herr Präsident, Amerika ist angegriffen worden“) – zu diesem Zeitpunkt wusste er bereits von der Kollision eines Flugzeugs mit dem Nordturm des WTC. Er zeigte anfangs keine auffällige Reaktion, sondern setzte seine Anwesenheit bei der Schulveranstaltung etwa 15–20 Minuten lang fort. Danach gab er eine erste Stellungnahme ab und bestieg die bereitstehende Air Force One, sicher auch um sich vor möglichen weiteren Anschlägen zu schützen. Am Abend kam er nach Washington.
Erste Erinnerungsstellen in New York waren Absperrzäune oder Wandflächen, an denen Angehörige und Freunde Fotos, Briefe an die Toten, Gedenkstücke (Souvenirs wie das Lieblingsplüschtier der Tochter) angebracht haben. Diese Stellen sind aus den Stellen gewachsen, wo in den ersten Tagen nach den Anschlägen von den verzweifelnden Angehörigen Vermisstenanzeigen angebracht wurden. Andere stellten dort und bei Kirchen Kerzen auf.
Fast weltweit wurde Erschrecken und Mitgefühl mit den Opfern bekundet und gegenüber amerikanischen Stellen zum Ausdruck gebracht. Aus wenigen arabischen Ländern wurde öffentlicher Jubel über die Anschläge bekannt. Der damalige irakische Staatschef Saddam Hussein begrüßte sie in einer öffentlichen Ansprache und rief zu Freudenfeiern auf. Obwohl auch in Palästina gefeiert wurde, wiesen die dortigen radikal-islamistischen Organisationen jegliche Beteiligung zurück und PLO-Chef Jassir Arafat sprach Bush sein Bedauern aus.
In Schweigeminuten und Trauerfeiern wurde am 12. September und den Folgetagen in zahlreichen Ländern der Opfer der Anschläge gedacht. Führende Politiker vieler Staaten verurteilten diese in Reden an ihre Bevölkerung und sandten Beileidsschreiben an die USA. Am 15. September 2001 kam es z. B. in Berlin zu einer Solidaritätsdemonstration von etwa 300.000 Teilnehmern, darunter dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und dem US-Botschafter Daniel Coats.
In einer großen, landesweit im Fernsehen übertragenen Trauerfeier im Footballstadion von New York gedachten Vertreter aller in New York beheimateten Gruppen und Religionen gemeinsam der Toten und bekräftigten gegenseitig ihre multikulturelle Toleranz als wesentliches Merkmal der Weltmetropole New York.
Viele Familien und Freunde von Opfern haben Gedenkstiftungen (engl. memorial funds and projects) gespendet oder gegründet, um Not zu lindern und ihr möglichst langfristig vorzubeugen. Soweit dies nach dem Verlust eines Familienangehörigen finanziell gemildert werden kann. Oft sind Selbsthilfegruppen entstanden, die spezielle Schwerpunkte haben, die sich aus der Gruppenzusammensetzung ergeben.
Dazu gehören, neben vielen anderen:
Daneben gab es vielfältige Arten Sachspenden zu leisten: Blutspenden, kostenfreie Hotelbenutzung, medizinische Versorgung und Medikamente für Menschen ohne legalen Aufenthaltsnachweis (Sans-Papiers), Konzerte oder CDs deren Einnahmen zum großen Teil an die Funds ging, mietfreier Büroraum für Gruppenzusammenkünfte usw.
Die US-Bundesregierung legte ein 8 Mrd US$-Programm auf, sogenannte Liberty Bonds.[11]
Am 12. September 2001 traten viele nationale wie internationale Gremien rund um die Welt zu Krisensitzungen zusammen Die NATO rief am 12. September 2001 erstmals seit ihrem Bestehen den „Bündnisfall“ aus, fasste den Angriff auf die USA also als Angriff auf alle NATO-Mitgliedsstaaten auf.[12] Ebenso verurteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in seiner Resolution 1368 die Anschläge einstimmig.[13]
Neun Tage nach den Anschlägen, am 20. September 2001, hielt US-Präsident Bush eine Rede vor beiden Kammern des Kongresses. Dies untermauerte die Bedeutung der Ereignisse, da dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gewöhnlich nur zur jährlichenRede der Lage der Nation Zugang zum Kapitol, dem Sitz des Kongresses, gewährt wird. In seiner Rede bedankte sich Bush für die Vereinigten Staaten für die internationalen Solidaritätsbekundungen, wobei er die besonderen Beziehungen zu Großbritannien betonte.[14] Darüber hinaus identifizierte er Al-Qaeda unter der geistigen Führung von Osama bin Laden als für die Anschläge verantwortliche Organisation, deren Zentrale er in Afghanistan vermutet, und rief einen „Krieg gegen den Terror“ („war on terror“) aus.[15]
Des Weiteren führte Bush in seiner Rede drei Dichotomien ein. Zunächst differenzierte er zwischen dem afghanischen Volk einerseits und der ihrer Regierung der Taliban andererseits, wobei er deren Menschenrechtsverletzungen kritisierte und unter Androhung von Konsequenzen von ihnen die Auslieferung der Qaeda-Angehörigen verlangte.[16] In der zweiten Unterscheidung forderte Bush die internationale Staatengemeinschaft auf, sich dem Krieg gegen den Terror anzuschließen. Dieses Anliegen stellte er also so bedeutend für die Vereinigten Staaten heraus, dass er aus einer eventuellen Verweigerungshaltung eine Komplizenschaft mit dem Terrorismus folgerte: „Jede Nation muss sich nun entscheiden: Entweder seid ihr auf unserer Seite oder auf der der Terroristen.“.[17] Darüber hinaus sprach er Muslime von einer Mitverantwortung für die Anschläge frei und stellte die Interessen der Qaeda als gegensätzlich zu denen des Islam heraus.[18]
Nach internen Streitigkeiten vor allem zwischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell wurde Afghanistan ein Ultimatum zur Auslieferung Bin-Ladens gestellt. Das Angebot der Taliban, ihn nach islamischem Gastrecht an ein befreundetes islamisches Land auszuliefern, wurde als unzureichend zurückgewiesen.
Im September 2002 leitete Bush aus dem Kampf gegen den Terror das Recht der USA auf Präemptivkriege ab, was als Bush-Doktrin bekannt wurde. Einerseits gab es verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Länder, die zur Festnahme mutmaßlicher Terroristen und zur Zerstörung von angeblichen Terrorgruppen führte, andererseits – hauptsächlich von US-amerikanischer Seite – auch eine Abkehr von internationalen Verträgen und Abmachungen, die vor allem außerhalb der USA zu Irritationen führte. So prägte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Begriff des Alten Europa, womit er diejenigen europäischen Staaten meinte, deren Regierungen sich 2003 gegen den zweiten US-Krieg mit dem Irak wandten – insbesondere Deutschland, Frankreich und Russland.
Inneramerikanisch, unter dem Begriff Disaster Preparedness, und weltweit wurden die Anstrengungen für den Katastrophenschutz, die Flughafensicherheit und Luftsicherheit verstärkt.
Einen Monat nach den Anschlägen begannen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten die Bombardierung von Taliban-Stellungen und afghanischer Infrastruktur; bis zum Jahresende wurde das Regime unter Mullah Omar im Krieg in Afghanistan gestürzt. Dabei bedienten sich die USA auch bewaffneter innerafghanischer Oppositionsgruppen, vor allem der sogenannten „Nordallianz“, eines gegen die Taliban gerichteten Militärbündnisses verschiedener afghanischer Gruppierungen. Bin Laden konnte jedoch aus seinem unterirdischen Versteck in Tora Bora entkommen und im Grenzgebiet zu Pakistan untertauchen.
Die anschließende Befriedung und Sicherung des neu eingesetzten, dann durch Wahl bestätigten Präsidenten Hamid Karzai wird auch durch Bundeswehrtruppen mitgetragen. Damit wurde das im Grundgesetz auf Landesverteidigung begrenzte Einsatzgebiet der Bundeswehr auch auf Einsätze außerhalb des NATO-Gebiets ausgedehnt: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, so der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD).
Im Rahmen des Afghanistankrieges wurden aus der Umgebung der Taliban über 1.000 Verdächtige gefangengenommen, von denen viele bis heute in Haft sind. Bei ihnen handelt es sich größtenteils um Personen arabischer oder asiatischer Herkunft. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Bedingungen, unter denen diese Menschen – die meisten von ihnen auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf der Insel Kuba – gefangen gehalten werden. Im Einzelnen wird ihnen Kontakt nach außen verwehrt, sie werden ohne Anklage festgehalten und ihre Identität wird geheim gehalten. Dadurch werden unabhängige Untersuchungen verhindert. Eine Klage auf öffentliche Verhandlung wurde in der Berufungsinstanz abgewiesen.[19][20]
Die US-Regierung definiert die in Guantánamo inhaftierten Personen nicht als Kriegsgefangene im Sinne von Artikel 4 des III. Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Nach welchem Recht sie behandelt werden müssen, ist innerhalb der USA selbst und international stark umstritten.
Die straf- und zivilrechtlichen Schritte wurden und werden von vielen Nationen mitgetragen. Dieser Kampf wurde in vielen westlichen Ländern zum Anlass genommen, Einreisebedingungen zu verschärfen, Überwachungsmaßnahmen auszuweiten und grundlegende Menschenrechte einzuschränken. Die Volksrepublik China erklärte bereits einige Jahre zuvor einen Krieg gegen den Terror. Durch das Einschwenken der USA auf diesen Kurs wurde die Position der chinesischen Führung gestärkt. Russland erklärte nachträglich seinen Krieg in Tschetschenien als Kampf gegen den Terror, um die Kritik daran abzuschwächen.
Als Folge der Terroranschläge führte die Bundesrepublik Deutschland die zu Zeiten der RAF verwendeten Fahnundsmaßnahmen der Rasterfahndung und der Kronzeugenregelung wieder ein und erließ zwei Ansammlungen juristischer Detailregelungen, die im politischen Diskurs als „Antiterrorpakete“ bekannt wurden.
Neben den offiziellen Maßnahmen gab es kurz nach den Anschlägen in den USA auch zahlreiche durch Rachegefühle motivierte Übergriffe gegen arabisch aussehende Menschen (oftmals auch Turban tragende Sikh) und islamische Einrichtungen. Diese reichten von Beleidigungen über Todesdrohungen und Brandanschläge bis hin zu vereinzelten Morden.[21]
Der Freedom Tower (deutsch: Freiheitsturm) wird als Nachfolgebebauung seit dem 27. April 2006 auf dem Ground Zero an der Stelle des zerstörten und abgetragenen World Trade Centers gebaut. Das Hauptgebäude wurde von dem Architekten Daniel Libeskind sowie von David Childs aufgrund des Masterplans von Libeskind entworfen. Dem ging eine lange Diskussion um die Art der Neubebauung voraus. Im Jahr 2002 hatte die Stadt New York zunächst das angesehene Büro Beyer Blinder Belle mit der Erstellung von sechs unterschiedlichen Entwürfen beauftragt. Diese fielen jedoch in der Meinung vieler New Yorker durch, da die darin geplanten Hochhäuser auf dem Gelände niedriger waren als das frühere World Trade Center und vor allem nicht spektakulär genug seien[22]. Der nunmehr in Bau befindliche, von Libeskind entworfene Turm sollte mit 541 Metern (1776 Fuß) ursprünglich das höchste Gebäude der Welt werden, wird aber nach der Planung vom Burj Dubai übertroffen werden.
Seit 2002 wurden alle relevanten Aspekte - vor allem das Vorwissen der Regierung, die Vorgeschichte und Ausbildung der Täter, der genaue Verlauf der Anschläge, der Umgang der beteiligten US-Behörden damit und die technischen Ursachen der Einstürze - mehrmals sowohl von offiziell beauftragten Behörden wie auch von unabhängigen wissenschaftlichen Institutionen, Universitätsabteilungen und Einzelexperten untersucht.
Die technische Seite wurde 2002 erstmals von der FEMA untersucht; nachdem ihr Erstbericht als unzureichend kritisiert wurde, erhielt das National Institute of Science and Technology einen genau definierten Forschungsauftrag, den es in eigener Regie in Einzelaufgaben unterteilte und an Fachexperten delegierte.
Für die administrativen Aspekte setzte das Repräsentantenhaus gegen erhebliche Widerstände der US-Regierung eine paritätisch besetzte Untersuchungskommission durch. Diese nahm über ein Jahr nach den Ereignissen ihre Arbeit auf und hatte den Auftrag, Vorgeschichte, Verlauf und administrative Bewältigung der Anschläge zu klären, um mittelfristige politische Schlussfolgerungen zu ermöglichen. Dabei standen die technischen Aspekte nicht im Vordergrund. Einige Repräsentanten der Opfer wurden bei den öffentlichen Hearings angehört.
Folgen der Untersuchungen waren u. a. die Änderungen von Einsatzrichtlinien der New York Fire Department, der New York City Police Department, CIA und FBI, die Gründung des Heimatschutzministeriums und die Städte-Kampagne „Preparedness“.
Die Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass Abstimmungsprobleme zwischen verschiedenen Einzelbehörden und fehlende gemeinsame Entscheidungsplattformen die Terrorakte möglich gemacht haben. Zahlreiche Missverständnisse, Informationsmängel, Nichtweitergabe von Befehlen, unklare Vorgaben und falsche Reaktionen auf allen Ebenen - besonders zwischen CIA und FBI bei der Überwachung möglicher Täter im Vorfeld, der Federal Aviation Administration (FAA, zivile Flugaufsicht) und der militärischen Luftabwehr NORAD im Verlauf sowie zwischen Verteidigungsminister und Weißem Haus in der Reaktion - wurden im Detail nachgewiesen und scharf kritisiert. Schlüsse für die Einrichtung effektiver Entscheidungswege und Kompetenzverteilung wurden gezogen und seitdem teilweise umgesetzt.
Zu den längerfristigen und tiefergehenden Ursachen des islamistischen Terrors gibt es verschiedene Theorien: „Antiimperialistische“ Erklärungsmuster machen den Westen – hier wiederum besonders die USA und Israel – aufgrund ihrer angeblich verfehlten Nahostpolitik selbst für den Hass verantwortlich. Die Tatsache, dass Bin Laden ein ehemaliger Verbündeter der USA und speziell der CIA war, wird auch als Beweis für eine fatale Außenpolitik gesehen, bei der die Unterstützung militanter Gruppierungen während des Kalten Krieges in den entsprechenden Ländern eine Situation geschaffen habe, die schließlich auf die USA selbst zurückgefallen sei. Dies wird als Blowback bezeichnet. Auch das Versagen der reichen westlichen Industriestaaten gegenüber dem Problem der Armut durch eine einseitige Globalisierung habe dem Terror einen Nährboden geschaffen. Diese Sicht vertreten vielfach linke Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Menschenrechtler wie die Inderin Arundhati Roy. Andere Analysen weisen darauf hin, dass Bin Laden durch Baugeschäfte seiner Familie in Mekka ein Milliardenvermögen erworben hat und nicht als Vertreter der Armen gelten könne. Auch für die ökonomische Entwicklung Palästinas habe er seine Mittel nicht eingesetzt.
Aus kultursoziologischer Perspektive wird das Phänomen des so genannten islamischen Terrorismus auch als Frontbildung gegen kulturelle Modernisierung im jeweiligen Heimatland gedeutet. Die Verunsicherung, die mit dem Brüchigwerden alter tradierter Strukturen und Ideologien einhergeht, wird demnach durch verstärkte Besinnung auf die eigenen Wurzeln (z. B. wird der Salafismus genannt) kompensiert und im terroristischen Kampf gegen die westlichen Repräsentanten jeglicher Modernisierung ausgelebt. Durch den spektakulären Anschlag im Zentrum der westlichen Welt soll die Verletzlichkeit der „Juden und Kreuzfahrer“ demonstriert werden.
In diese kultursoziologische Perspektive fügt sich auch die gelegentliche geäußerte Einschätzung des Terrorismus' als „Islamfaschismus“ ein, die im terroristischen Kampf gegen die Weltmacht USA sowie den „Erzfeind Israel“ primär eine Form des Antisemitismus erkennt, die mit ähnlichen Stereotypen und Erklärungsmustern operiere wie der „klassische“ europäische Antisemitismus.
Hauptartikel: Verschwörungstheorien zum 11. September 2001
Die Ereignisse vom 11. September haben zu einer Vielzahl von Verschwörungstheorien geführt. Die sich als Skeptiker bezeichnenden Autoren und Gruppierungen führen zahlreiche Umstände an, die ihnen ungeklärt oder widersprüchlich erscheinen, und schließen daraus auf andere Ursachen und Täter, meist die US-Regierung selbst und ihre Geheimdienste. Manche nehmen an, dass den US-Behörden absichtlich Untätigkeit verordnet wurde, andere behaupten eine direkte Vorbereitung und Durchführung der Anschläge durch die CIA und andere Bundesbehörden.
Seit 2005 fordert das sogenannte „9-11-Truth-Movement“ eine neue unabhängige Untersuchung der Ereignisse. Dies wird mit angeblicher Voreingenommenheit, Auslassungen, Fehlern und Nichtbeachtung von anderen Hypothesen, etwa einer gezielten Sprengung der WTC-Gebäude, begründet. An den bisherigen Untersuchungen beteiligte und nichtbeteiligte Wissenschaftler der USA lehnen diese Forderung jedoch nahezu geschlossen ab, da den vorgebrachten Thesen jede Evidenz und Plausibilität fehle.
Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 gestaltete Eric Fischl die Werkreihe ten breaths mit Gouachen und Plastiken, die stürzende und abgestürzte Personen zeigen. Die Skulptur Tumbling Woman, die eine Frau im freien Fall darstellt, wurde in den USA kontrovers diskutiert. Die Werkreihe verarbeitet die Pressebilder von den Verzweifelten, die sich nach den Anschlägen aus den Fenstern der brennenden Türme vom World Trade Center in die Tiefe stürzten, um dem Feuertod zu entgehen.
Es existieren zahlreiche weitere Filme – vor allem Dokumentarfilme in englischer Sprache – zu diesem Thema.
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