
Die Umweltpsychologie (auch: "ökologische Psychologie" oder etwas missverständlich "Ökopsychologie") ist eine relativ junge Teildisziplin der Psychologie. Sie befasst sich mit den sogenannten Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen als Beziehungen zwischen der physikalisch-materiellen und soziokulturellen Außenwelt und menschlichem Erleben und Verhalten.
Neue Arbeitsgebiete in diesem Bereich sind Fragestellungen zur Globalisierung und Nachhaltigen Entwicklung.
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Der Umweltbegriff wurde von Jakob Johann von Uexküll in die psychologische Wissenschaft eingeführt. Umwelt umfasst sowohl die "Innenwelt" als auch die "Außenwelt" und deren wechselseitige planmäßige Anpassung aneinander. Für Uexküll ist Umwelt ein System, das aus den Beziehungen zwischen Subjekt und Umwelt gebildet wird.
Diesem eng gefassten Begriff steht die gegenwärtig geläufigere, weiter gefasste Definition von Umwelt gegenüber:
Die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt stellen ein komplexes System dar. Um ein Verständnis für die Umweltpsychologie zu erreichen sind folgende Begriffe ebenfalls von Bedeutung:
Natur
Unter Natur versteht man alle anorganischen und organischen Erscheinungen, die ohne Zutun des Menschens existieren bzw. sich entwickeln.
Kultur
Durch seine geistigen Fähigkeiten hat der Mensch große Möglichkeiten in die Natur einzugreifen und diese zu verändern. Durch seine Fähigkeiten (handwerklich & geistig) und Leistungen (künstlerisch & technische) gestaltet er seine natürlichen Bedingungen und schafft "Kultur".
Zivilisation
ist die Gesamtheit und Stärke der Veränderungen und Verbesserungen sozialer und materieller Lebensbedingungen, die durch wissenschaftlichen und technischen Fortschritt erzielt werden.
Der Mensch ist also nicht nur ein Geschöpf der Natur, sondern auch ein Produkt seiner selbst hervorgebrachten Kultur und Zivilisation. In diesem Brennpunkt hat der Mediziner und Psychologe Willy Hellpach bereits am Anfang der 20. Jahrhunderts von den DREI UMWELTEN des Menschen gesprochen und hat die Formulierung Psychologie der Umwelt geprägt.
Soziale, kulturelle und natürliche Umwelt
Im Mittelpunkt der Umweltpsychologie stehen also die Wechselwirkungen zwischen Menschen und der sie umgebenden physischen Umwelt. Diese zeigen sich darin, dass die Menschen in ihrem Handeln sowohl stark von ihrer Umwelt beeinflusst werden, aber auch auf diese zurückwirken, indem sie die Umwelt an ihre Bedürfnisse anpassen. Hinzu kommt, dass aus Sicht der Umweltpsychologie die Umwelt immer in Relation zu den Menschen gesehen werden muss, dass die beiden Aspekte nicht losgelöst voneinander betrachtet werden können.
Umweltpsychologie zeichnet sich durch den Anspruch zur Interdisziplinarität aus, der sich aus der Erkenntnis ergibt, dass die menschliche Umwelt in ihrer hohen Komplexität einer vielschichtigen Herangehensweise bedarf. Es wird deshalb stets die Zusammenarbeit mit Ingenieuren, Naturwissenschaftlern, Ökonomen, Soziologen, Politologen und anderen Fachleuten gesucht.
Umweltpsychologie als Wissenschaft ist problemorientiert und nicht theorieorientiert. Das heißt: es existieren nur wenige umweltpsychologische Theorien und zur Lösung konkreter Probleme greift die Umweltpsychologie auf Theorien und Erkenntnisse aller psychologischen Disziplinen zurück. Für eine Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes spielt also beispielsweise Wissen aus der Kognitions-, Sozial-, Arbeits-, Organisations und der Werbepsychologie eine Rolle.
Wie anfangs erwähnt, kommt dem Thema „Umweltschutz" innerhalb der Umweltpsychologie eine zentrale Rolle zu und das Wissen von Psychologen als Fachleute für menschliches Verhalten ist in Bezug auf den Umweltschutz immer dann gefragt, wenn es darum geht zu verstehen, warum Menschen wider besseres Wissen ihre Lebensgrundlage zerstören, den Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln nachzuvollziehen, Menschen zu umweltgerechterem Verhalten zu bewegen und die Kommunikation zwischen Menschen zu verbessern.
Während die Erforschung der Mensch-Umwelt-Beziehung den wesentlichen Gegenstand der Umweltpsychologie darstellt, befasst sich die Umweltschutzpsychologie speziell mit psychologischen Aspekten des Umweltschutzes.
Neben dem Begriff der Umweltpsychologie werden auch Ökologische Psychologie bzw. Ökopsychologie im gleichen Kontext verwendet.
Folglich bildet die wissenschaftliche Untersuchung von Zusammenhängen (kausaler und korrelativer Art) zwischen Variablen der Umwelt und dem Erleben und Verhalten der in ihr lebenden Menschen den Mittelpunkt umweltpsychologischen Forschungsinteresses. Themen wie "Umweltverschmutzung" oder "Umweltbewusstsein" stellen anwendungsbezogene Teilbereiche, jedoch nicht das ausschließliche oder primäre Gebiet umweltpsychologischer Forschung dar. Eine wissenschaftlich betriebene Umweltpsychologie ist also für die Weiterentwicklung theoretischer Modelle der Wirkungszusammenhänge von Mensch-Umwelt-Beziehungen zuständig, hat jedoch darüber hinaus auch etliche praxisnahe Probleme zu bewältigen - hier ergeben sich reiche Betätigungsmöglichkeiten für diplomierte Umweltpsychologen.
Um den Aufgabenbereich der Umweltpsychologie zu verdeutlichen, seien ein paar Beispiele für Fragestellungen aufgeführt, wie sie sich in umweltpsychologischer Forschung finden:
Reicht eine Beschreibung physikalischer Art aus, um die Wirkungen von Schall auf Menschen vorherzusagen? In welchem Verhältnis stehen Reizgrößen zur psychologischen Reaktion (Empfindung, Beurteilung...)? Ist die bebaute Umwelt ein besonderes Biotop, dessen Art und Gestaltung z.B. Kriminalität fördern kann? Wirkt sich die architektonische Gestaltung von klinischen Settings auf das kommunikative Verhalten der Patienten aus?
Fragestellungen, die insbesondere im Bereich der amerikanischen "environmental psychology" behandelt werden:
Was bedeutet ökologisch bewusstes Handeln in einer komplexer werdenden Wirklichkeit angesichts begrenzter Erfahrbarkeit, Bewertbarkeit, Verkraftbarkeit und Handlungsfähigkeit? Welches Naturverhältnis des Menschen lässt sich daraus ableiten und welche umweltpsychologischen Förderstrategien können als konstruktive Antwort hierauf gefunden werden?
Wie kam es, dass der Bezug des Menschen zum Erhalt unserer Natur (dem Ökosystem) so beeinträchtigt wurde, so dass immer mehr ökologische Krisen auf der Erde, und damit den Menschen drohen? Wie kann die Ökopsychologie das Bewusstsein zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen fördern?
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