
Unter Unsterblichkeit versteht man allgemein ein Konzept, dass zeitlich unbegrenztes Leben in physischer oder spiritueller Form ermöglicht.
Inhaltsverzeichnis |
Um für eine Person physische Unsterblichkeit zu erreichen muss es zum eine möglich werden den Tod des Organismus zu vermeiden und zum anderen muss das Bewusstsein und dessen Aktivität erhalten bleiben.
Per Definition müssen alle Todesursachen ausgeschlossen werden um tatsächlich physische Unsterblichkeit zu erlangen. Es gibt drei Hauptursachen für das Sterben:
Aubrey de Grey, einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet, definiert das Altern als: "Eine Ansammlung von sich summierenden Veränderungen der molekularen- und zellulären Strukturen in einem erwachsenen Organismus, welche durch die Stoffwechselprozesse des Lebens entstehen und sich - bei weiterem Fortschreiten - selbst negativ auf den Stoffwechsel auswirken und dadurch zu pathologischen Veränderungen bis hin zum Tode führen." Im Einzelnen umfassen diese Veränderungen nach Auffassung de Greys: Den Verlust von Zellpopulationen (z.B. Gehirn, Immunsystem), Mutation zu- oder Aktivierung oder von Onkogenen, Zellalterung, Mutation der Mitochondrien-DNA, lysosomale Abfallprodukte, extrazelluläre Abfallprodukte, Proteinverkettung, Schwächung des Immunsystems, Endokrinologische Veränderungen. Um das Altern zu überwinden wäre es nach dieser Vorstellung notwendig Lösungen für jeden dieser Aspekte zu finden; de Grey macht dazu in seinem Programm "Strategies for Engineered Negligible Senescence" Vorschläge.
Krankheiten sind zumindest theoretisch ein lösbares Problem. In den vergangenen Jahrzehnten wurden große Fortschritte beim Verständnis der zugrundeliegenden Genetik, Umwelteinflüssen und dem Krankheitsverlauf gemacht. Stetig besser werdende Diagnosemöglichkeiten und Früherkennungsprogrammen erhöhen den potentiellen Erfolg von therapeutischen Interventionen. Praktische sind die Erfolge bei der Behandlung von Krebs, HIV und Autoimmunerkrankungen Heute schon gut erkennbar.
Selbst wenn Krankheiten und der Alterungsprozess überwunden wären, könnte das Leben immer noch durch Unfälle oder absichtliche Gewalttaten beendet werden. Für die Rettung des Lebens unter solchen Umständen sind die Schnelligkeit und die Qualität von Notfallmaßnahmen von entscheidender Bedeutung.
Der Beweis für biologische Unsterblichkeit bei höher entwickelten tierischen und pflanzlichen Lebensformen steht noch aus. Sollte ein Wesen existieren, das Beschädigungen in demselben Maße reparieren kann in dem sie auftreten, so wäre es nach heutiger Sicht zeitlich unbegrenzt lebensfähig. Bei den meisten bekannten Tieren nimmt die Fähigkeit zur Selbstregeneration im Verlaufe des Lebens aus verschiedenen Gründen jedoch ab.
Diese Unsterblichkeit ist naturgemäß in der Realität dadurch begrenzt, dass die Organismen durch äußere Einflüsse und Krankheiten sehr wohl zu Tode kommen können.
Durch die biologisch unsterblichen Spezies konnte gezeigt werden, dass das Altern nicht zwangläufigen Gesetzen im Sinne des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik folgt. Vielmehr ist es eine Eigenart des Lebens dem eigenen System Energie zuzuführen und höher-entropische Abfallprodukte auszuscheiden. Es wird daher angenommen, dass das Altern eine Folge des Evolutionsprozesses ist - warum sich allerdings Altern als Selektionskriterium durchgesetzt hat bleibt bisher eine offene Frage. Der programmierte Zelltod und das Problem sich verringernder Telomere findet sich bereits in einfachsten Organismen. Dies könnte die Folge eines Kompromisses zwischen einer Vermeidung von Krebs einerseits und dem Altern andererseits sein.
Unter den modernen Theorien zur "Evolution des Alterns" finden sich unter andrem:
→ Hauptartikel: Transhumanismus
Die vertretenen Standpunkte basieren auf einer materialistischen Interpretation des Geistes, im Gegensatz zum kartesischen Dualismus oder verwandten Ansätzen, die diesbezüglich kein Mehr an Klarheit brächten, stattdessen aber zusätzliche Fragen aufwerfen würden, wie etwa nach der Natur und der Funktionsweise des geistigen Stoffs und dessen Interaktion mit physischer Materie.
Zusätzlich ist klar, dass wir uns strukturell ständig verändern. Gewebe, Zellen und Nervenverknüpfungen werden permanent auf- und Abgebaut. Nach sieben Jahren besteht der menschliche Körper zum allergrößten Teil nicht mehr aus den selben Atomen wie zuvor. Auch kognitiv wandeln wir uns ständig. Wir machen neue Erfahrungen, lernen Neues, nehmen Neubewertungen von Bekanntem vor und vergessen das ein oder andere.
Kurz gesagt: Eine allumfassende Erhaltung eines Zustands ist praktisch kaum möglich und vom Standpunkt des menschlichen Selbstverständnis auch gar nicht wünschenswert. Unter diesen Umständen wäre man ein statisches, passives Wesen, das ontologisch näher an einem Film läge, als an dem üblichen Menschenbild.
Bei der Überlegung zur Unsterblichkeit steht zu Beginn die Erkenntnis, dass die Menschen, wenn sie Unsterblichkeit wünschen, dies in der Regel nicht auf ihren Körper (Arme, Beine, Herz, Lunge) beziehen, sondern sie wollen, dass ihr Geist, ihr Wesen, ihre Persönlichkeit weiter existiert. Im natürlichen Umfeld sind diese Wesensmerkmale über die Aktivität des Gehirns manifestiert. Prinzipiell spricht wenig für die Annahme, dass die eine Persönlichkeit auf eben dieses eine Gehirn festgelegt ist. Es ist davon auszugehen, dass man eine weitere Instanz der gleichen Person erhielte, wenn man eine Atomar exakte Kopie des Menschen (ein Replikant) an einem zweiten Ort erzeugen würde - den heutigen Erkenntnisstand nach sind quantenmechanische Genauigkeitsbegrenzungen für diese Erörterung nicht relevant. Es wird also davon ausgegangen, dass es nicht entscheidend ist die selben Kohlenstoff- und Wasserstoffatome zu verwenden, sondern dass sie austauschbar sind und nur ihre Funktion entscheidend ist.
Einen Schritt weiter kann man auch davon ausgehen, dass man auch noch die gleiche Person erhielte, wenn man eine zelluläre Kopie anfertigt, aber die Zellen - bei identischer Funktionsweise - mit anderen Materialien realisiert - auch hier kommt es nicht darauf an das selbe Element zu verwenden, sondern die identische Funktionsweise zu realisieren.
Auch die exakte zugrunde liegende Algorithmik scheint nicht entscheidend zu sein. Wichtig ist, dass das selbe Ergebnis in einer ausreichend ähnlichen Zeit produziert wird.
Diese Argumentationskette führt zu einem Funktionalismus an dessen Basis die Erkenntnis steht, dass das Bewusstsein eine Sammlung von Erinnerungen, von Verarbeitungs- und Reaktionsmustern ist, wobei es nicht darauf ankommt wie diese Funktion realisiert ist, oder durch welche logischen Baugruppen; eine biologische Zelle wäre demnach genauso gut wie die digitale Nachbildung derer Funktionsweise.
Bereits heute ist die Lebensspanne in den Industrienationen weit über dem Niveau früherer Tage. Dazu haben Fortschritte bei der Hygiene, Ernährung, dem Lebensstandard und ganz allgemein in der medizinischen Versorgung geführt. Durch die Weiterentwicklung von Technologien in den Bereichen Gentherapie, Zelltherapie, regenerative Medizin, Biomedizin und Mikro- bzw. Nanotechnologie ist damit zu rechnen, dass ein weiterer signifikanter Anstieg der Lebenserwartung möglich wird. Wie üblich werden sich diese Entwicklungen schrittweise vollziehen, sodass bereits mittelfristig mit greifbaren Resultaten gerechnet werden kann, die mit der Zeit immer umfassender und wirkungsvoller werden sollten. Robert Freitas, ein Wissenschaftler auf dem Gebiet der theoretischen Nanorobotik, konstruiert Modelle von Nanomaschinen, die in Zukunft dauerhaft im menschlichen Körper eingesetzt werden könnten, um Pathogene zu eliminieren, Krebs in Schach zu halten und Reparaturarbeiten durchzuführen. Somit könnte möglicherweise der Alterungsprozess zum Stillstand gebracht werden, indem es zu einem Gleichgewicht zwischen den Verschleißerscheinungen einerseits und regenerativen Prozessen andererseits kommt.
→ Hauptartikel: Kryonik
Bei ausreichend tiefen Temperaturen, in der Praxis -196°C, kommt jede Form von Bioaktivität im Organismus zum erliegen; damit wird jeder weitere Verfall des Gewebes gestoppt. Die Kryonik, das Einfrieren des ganzen Körpers oder des Gehirns, als Sitz des Bewusstseins, ist eine Hoffnung auf eine Verlängerung des Eigenen Lebens für die Menschen, deren Alterungsprozess zu weit Fortgeschritten ist oder sein wird, als dass sie von dem technischen Stand der Lebensverlängernden Maßnahmen profitieren könnten. Im optimalen Fall werden zukünftige Generationen diese Kryonik-Patienten wieder zum Leben erwecken wenn der medizinische Fortschritt in Lage sein wird deren primäre Todesursache - Krankheit, Verletzung oder Altern - zu behandeln.
Moderne Kryonik-Verfahren nutzen zur Konservierung einen als Vitrifizierung bezeichneten Prozess, mit diesem wird die organische Materie nicht im klassischen Sinne eingefroren, sondern, sie geht bei diesen extrem tiefen Temperaturen, in eine Glas-ähnliche Struktur über. Damit kommt es nicht zu der ansonsten beobachteten Zellschädigung durch die Bildung von Eiskristallen. Besonders beim Gewebe des Gehirns ist es entscheidend die exakte Struktur zu konservieren, weil nur so die Hoffnung besteht, die darin enthaltene Information, welche das Bewusstsein des Individuums darstellen, in der Zukunft rekonstruieren und wieder zum Leben erwecken zu können.
→ Hauptartikel: Cyborg
Die Umwandlung eines Menschen in einen Cyborg sagt im Wesentlichen aus, dass der Mensch durch technische Implantate erhalten oder verbessert wird. In Anfängen kann eine solche Perspektive bereits heute bei der Entwicklung künstlicher Herzen gesehen werden, obwohl die Mensch-Gemachten Systeme dem Biologischen Vorbild noch klar unterlegen sind. Cyborgologie umfasst potentiell die Integration von Neuro-Implantaten zum Erhalt und zur Erweiterung kognitiver Möglichkeiten und den Austausch biologischer Organe und Systeme durch leistungsfähigere technische Alternativen.
Unter Mind-Uploading versteht man die Auslagerung, zumindest der Bewusstseinsrelevanten Teile, des Gehirns in ein digitales Medium. Durch diesen Prozess könnte man zum einen eine digitale Alternative zur Kryonik, als konservierende Maßnahme, schaffen. Zum anderen könnte es auch möglich sein, das gespeicherte Bewusstsein in einer digitalen virtuellen Welt zum "Leben" zu erwecken. Grundsätzlich ist die Frage legitim in wieweit diese Simulation einen Realitätsanspruch erheben kann, allerdings ist jeder Eindruck den unser Bewusstsein natürlicher Weise von der Umwelt erhält auch nicht mehr als ein virtueller, erzeugt von unseren Sinnesorganen und den beteiligten Zentren im Gehirn. Alternativ wäre es auch denkbar das Bewusstsein bei Bedarf in eine geeignete physische Einheit (z.B. Roboter) zu transferieren, dessen Sinneseindrücke zu verarbeiten und über seine Adduktoren (z.B. Arme oder Beine) mit der Umgebung zu interagieren.
Für das Erlangen von Unsterblichkeit bietet diese Methode des Uploading einen guten Sicherheitsvorteil, da man vor physischen körperlichen Schäden sicher wäre und man zusätzlich Backups auf räumlich verteilten digitalen Systemen speichern könnte.
Als theologisches Prinzip ist die Idee der Unsterblichkeit in fast allen Religionen ein entscheidendes Glaubenselement, wobei einerseits dem jeweils verehrten Gott oder Pantheon das Attribut des Unsterblichseins anhaftet, andererseits auch dem menschlichen "Kern" (im Folgenden Seele genannt) Unsterblichkeit zugebilligt wird. Im Daoismus besteht zumindest in einigen Strömungen die Überzeugung, der Mensch könne seinen Geist durch Kultivierung soweit entwickeln, dass er Unsterblichkeit erlangt und ein Xian wird.
Die Vorstellung, ein Mensch könne unter besonderen Umständen leibliche Unsterblichkeit erlangen, hat zu allen Zeiten Geschichtenerzähler und Literaten fasziniert und überall auf der Welt Eingang in Sagen und Legenden gefunden. Ein bekanntes Beispiel ist die jüdische Sagengestalt des Ahasver.
Die philosophische Argumentation für die Unsterblichkeit (der Seele oder des Geistes) geht u.a. zurück auf Platon. Das Hauptargument lautet: Die geistige Seele kann nicht sterben, d.h. zerstört oder zerteilt werden, weil sie eine einfache, nicht-zusammengesetzte, immaterielle Substanz ist.
Immanuel Kant, der sich zum Christentum bekannte, formulierte 1793 in seiner religionsphilosophischen Schrift "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" seine Doktrin für eine Vernunftreligion. Kant postuliert dabei die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele.
Besonders in der Antike versuchten die Menschen, die für ihren Körper fehlende Unsterblichkeit, durch Ruhm zu erreichen, auf dass ihr Name ewig erinnert würde und dadurch Unsterblichkeit erlange.
Moderne Autoren und Filmproduzenten haben sich ebenso des alten Themas angenommen und unsterbliche Heldenfiguren wie den Highlander und Perry Rhodan geschaffen.
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History