Unterentfelden


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Unterentfelden
Wappen von Unterentfelden
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Aarau
BFS-Nr.: 4013Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5035
Koordinaten: (645549 / 246686)47.3694388.041671417Koordinaten: 47° 22′ 10″ N, 8° 2′ 30″ O; CH1903: (645549 / 246686)
Höhe: 417 m ü. M.
Fläche: 2.87 km²
Einwohner: 3793

(31. Dezember 2007)

Website: www.unterentfelden.ch
Karte
Karte von Unterentfelden

Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Pixel

Unterentfelden (schweizerdeutsch: Underäntfälde) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im unteren Suhrental und grenzt an den Kanton Solothurn.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Dorf liegt nordwestlich der Mündung der Uerke in die Suhre, am Rande einer ausgedehnten flachen Ebene. Diese wird durch sanft ansteigende, bewaldete Hügel begrenzt, im Westen durch den Ischlag (Einschlag), im Norden durch den Distelberg und im Nordosten durch den Gönert. Die beiden Gewässer waren auf dem Gemeindegebiet vollständig begradigt. Sie wurden vor kurzem mit grossem Aufwand wieder renaturisiert. Die überbaute Fläche ist lückenlos mit derjenigen der Nachbargemeinde Oberentfelden zusammengewachsen.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 287 Hektaren, davon sind 88 Hektaren bewaldet und 107 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 470 Metern auf dem Ischlag, die tiefste Stelle liegt auf 406 Metern an der Suhre.

Nachbargemeinden sind Aarau im Norden, Suhr im Osten, Oberentfelden im Süden sowie die solothurnischen Gemeinden Schönenwerd und Eppenberg-Wöschnau im Westen.

Geschichte

Im Jahr 965 schenkte der deutsche Kaiser Otto der Grosse den Hof Endiveld dem Kloster Disentis. Die Benediktinermönche verkauften den unteren Teil des Hofes; dieser fiel nach mehreren Besitzerwechseln an die Grafen von Habsburg-Laufenburg. Mindestens seit 1306 übte die Hauptlinie der Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Unterentfelden lag nun im Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Die Einführung der Reformation erfolgte 1528.

Die Beziehungen zur Nachbarstadt Aarau waren sehr eng, aber auch problembeladen. Bereits 1312 war die niedere Gerichtsbarkeit an den Aarauer Bürger Ulrich Trutmann übergegangen, 1411 an die Stadt selbst. Ständige Streitereien über die Bodennutzung veranlassten die Aarauer, die niedere Gerichtsbarkeit im Jahr 1576 an Bern abzutreten, im Austausch gegen einen Anteil an den Zolleinnahmen in Biberstein. Mit der Zeit erwarben die Stadt und zahlreiche Stadtbürger immer mehr Grundstücke auf dem Distelberg und auf dem Gönert, die erst 1793 nach einer Grenzbereinigung wieder in den Besitz der Bewohner Unterentfeldens gelangten. Der Steckhof Roggenhausen, seit 1527 zur Stadt gehörend, war allerdings nicht Bestandteil dieser Vereinbarung.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Unterentfelden wurde eine eigenständige Gemeinde im neuen Kanton Aargau. Das Dorf war damals hauptsächlich von Taunern bewohnt, die neben der Landwirtschaft auf zusätzliche Einkünfte angewiesen waren. Diese boten sich vor allem in der Heimarbeit für die Aarauer Textilindustrie.

Die Suhrentalbahn wurde am 19. November 1901 eröffnet. Der Bau eines neuen Schulhauses führte 1911 fast zum Bankrott der Gemeinde, die daraufhin eine Fusion mit Aarau anstrebte. Diese kam allerdings nicht zustande, weil die Stadt Steuererhöhungen befürchtete. Nach 1950 entwickelte sich Unterentfelden immer mehr zu einer Wohngemeinde. Aufgrund der flächendeckenden Überbauung des Distelberg-Südhangs stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von zwanzig Jahren um fast das Dreifache. Seit 1970 ist sie allerdings stagnierend, da die Baulandreserven fast vollständig erschlossen sind.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb auf grünem Dreiberg stehende braune Ente, im Schildhaupt begleitet von drei balkenweise gestellten sechsstrahligen roten Sternen.» Das Wappen erschien erstmals 1828 auf einem Siegel, beruht aber auf einer Fehlinterpretation des Ortsnamens. Der mittelalterliche Name Endiveld bedeutet nicht etwa «Entenfeld», sondern «Ende des Feldes». Ausserdem ist die Farbe der Ente nicht korrekt, da Braun in der Heraldik unzulässig ist.[1]

Es gab bereits mehrere erfolglose Anläufe, diesen Zustand zu korrigieren. 1948 startete die kantonale Wappenkommission einen ersten Versuch: Die «falsche» Ente sollte durch ein etymologisch begründbares Emblem ersetzt werden. Beim nächsten Änderungsvorschlag 1964 zeigte sich die Kommission kompromissbereiter: Dem Gemeindewappen wurde die Ente zugestanden, jedoch sollte sie nun weiss sein und auf einem blauen Gewässer schwimmend in grünem Hintergrund eingebettet sein. Die Gemeinde lehnte auch diesen Vorschlag ab. Um anlässlich des 200. Jahrestages der Kantonsgründung eine heraldisch korrekte Wappensammlung veröffentlichen zu können, kam vom Kanton im Jahr 2002 nunmehr der Vorschlag, es solle lediglich die Farbe der Ente von Braun ins heraldisch korrekte Rot geändert werden. Die Gemeindeversammlung konnte sich zwar noch denkbar knapp mit einer roten Ente anfreunden, nicht aber die Bevölkerung. Es wurde umgehend das Referendum ergriffen. Somit durften die Unterentfelder am 18. Mai 2003 über die Wappenfrage ihrer Gemeinde abstimmen. Mehr als zwei Drittel der Abstimmenden stimmten gegen die rote Ente.[2][3]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[4]

Jahr 1764 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 273 726 912 1182 1981 3259 3190 3436 3195

Am 31. Dezember 2007 lebten 3793 Menschen in Unterentfelden, der Ausländeranteil betrug 21,9 %.[5] Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % reformiert. 29,3 % römisch-katholisch, 4,8 % moslemisch und 1,3 % christlich-orthodox; 0,5% gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 88,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,0 % Italienisch, 1,9 % Serbokroatisch, 1,6 % Albanisch, 1,1 % Französisch.[6]

Politik und Recht

Gemeindehaus Unterentfelden

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2006–2009 ist Heinz Lüscher (SP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Unterentfelden bildet zusammen mit Oberentfelden, Hirschthal und Muhen den Friedensrichterkreis Entfelden.

Wirtschaft

In Unterentfelden gibt es rund 1600 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 36 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungsbereich.[7] Es gibt einige mittelgrosse Industrieunternehmen, darunter ein Stanzwerk, eine Möbelfabrik, ein Metallverarbeitungsbetrieb, die CARDAG - ein Unternehmen der Trüb-Gruppe(u.a. Kreditkartenherstellung für die gesamte Schweiz) und die Firma Leica (Hersteller von Geosystemen). In der Gemeinde existiert nur noch ein einziger landwirtschaftlicher Betrieb. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Aarau und weiteren Gemeinden der Agglomeration.

Verkehr

Unterentfelden liegt an der Hauptstrasse zwischen Aarau und Sursee. Östlich des Dorfes verläuft eine Umfahrungsstrasse, die gleichzeitig als Zubringer zum Anschluss Aarau-West der Autobahn A1 dient; diese befindet sich rund drei Kilometer weiter südlich. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die Suhrentalbahn (seit 2002 AAR bus+bahn genannt) zwischen Aarau und Schöftland, die direkt neben der Hauptstrasse verläuft (Haltestellen Distelberg, Post und Oberdorf).

Bildung

Die Gemeinde verfügt über vier Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Realschule unterrichtet werden. Ein geplantes Bauvorhaben der Schule Entfelden sieht vor, noch einen einzigen Kindergarten zu betreiben. Obwohl dies für 80% der Kinder einen weiteren Weg darstellt, regt sich kaum Widerstand. Die Sekundarschule und die Bezirksschule können im benachbarten Oberentfelden besucht werden. Seit 1876 ist Unterentfelden die Standortgemeinde der Schweizerischen Schule für Schwerhörige Landenhof, in der hörbehinderte Kinder sämtliche Schulstufen der obligatorischen Schule absolvieren können. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  2. Mehrheit für heraldisch verpönte Farbe - azonline.ch, 19. Mai 2003
  3. Weltwoche, Ausgabe 20/2003
  4. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Aarau - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  5. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  6. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau






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