
Untermensch war ein Begriff aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten und der Eugeniker. In der Ideologie des Nationalsozialismus galten die „Arier“, also besonders die germanischen Völker, den übrigen als überlegen. Insbesondere die Juden galten für die Nationalsozialisten als schlimmste Feinde, schon in Hitlers Buch Mein Kampf wurden sie als „Volksverderber“, „Reichsfeinde“ usw. gebrandmarkt. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten mussten sie mit dem Schlimmsten rechnen. Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 legten fest, wer als Jude oder „Mischling“ galt und wer „Arier“ war. Aber auch andere "Fremdrassige" wie Slawen, Schwarze oder Roma und Sinti, ferner als „minderwertig“ geltende Minderheiten der deutschen Mehrheitsbevölkerung wie "deutschblütige" "Asoziale" wurden als „Untermenschen“ angesehen, wurden verfolgt und waren von "Ausmerze" bedroht.
Die Nationalsozialisten konnten sich dabei auf weit verbreitete volkstümliche Einstellungskomplexe wie Antisemitismus und Antiziganismus stützen.
Inhaltsverzeichnis |
Der Philologe Victor Klemperer macht in seinen berühmten Tagebüchern aus der Zeit des Nationalsozialismus (Eintrag vom 26. Dezember 1940) folgende Beobachtung:
In dem ihrer Verwendung des Begriffs am nächsten kommenden Sinne hatten die Nationalsozialisten den Terminus „Untermensch“ vom Titel der deutschen Übersetzung des 1922 erschienen Buches The Revolt against Civilization: The Menace of the Under Man (dt.: Der Kulturumsturz – Die Drohung des Untermenschen 1925) des amerikanischen Anthropologen, Rassisten und Eugenikers Lothrop Stoddard übernommen. Da selbst die meisten englischsprachigen Historiker nicht wissen, dass das Konzept ursprünglich von einem Amerikaner stammt, wird der Begriff zumeist falsch ins Englische rückübersetzt mit „sub-human“ (wonach sich jeweils eine englische und eine kanadische Punkband Subhumans nannten). Ein führender Nationalsozialist, der Stoddard als Schöpfer der Formel vom slawischen „Untermenschen“ identifiziert, ist Alfred Rosenberg, der in seinem Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts (1930) schreibt, dass der typische russische Bolschewist ein Vertreter jener Art von Mensch sei, „den Lothrop Stoddard als ‚Untermenschen‘ bezeichnete.“ (S. 214). Obwohl er dies selbst nicht explizit so ableitet, mag auch Stoddard bei seiner Wortschöpfung beeinflusst gewesen sein von Friedrich Nietzsches Konzept des Übermenschen. Jedenfalls demonstriert Stoddard in einer Passage seines Buches (S. 261), dass er mit dem Begriff vertraut ist.[1]
→ Hauptartikel: Der Untermensch
Als im Sommer 1941 die Wehrmacht in die Sowjetunion einfiel, veröffentlichte der SS-Reichsführer Himmler eine Broschüre mit dem Titel „Der Untermensch“. Das Heft sollte die deutsche Bevölkerung zum Hass gegen die sowjetischen Völker aufstacheln und die Kampfmoral der Truppen stärken. Nicht wie oft angenommen gegen die slawischen Völker, denn dieses Wort taucht in der Broschüre nicht auf. Die Broschüre fand sowohl in Westeuropa als auch bei den osteuropäischen Verbündeten Deutschlands wie Kroatien, der Slowakei und Bulgarien enormen Anklang, wobei die jeweilige Ausgabe in der Landessprache abgedruckt wurde.
Das Heft enthielt weniger Informationen über die Sowjetunion und den Kommunismus, sondern bestärkte vor allem primitive rassistische Vorurteile. Der überwiegende Teil dieses Heftes bestand aus Fotos, die in entstellter Form sowjetische und nicht, wie oft angenommen, nur russische Kriegsgefangene mit fratzenhaften Gesichtern zeigten.
Auch die „Wochenschau“ zeigte regelmäßig Propagandafilme über den Russlandfeldzug. Einfach gebaute russische Holzhäuser, ärmlich gekleidete Bauern und schlechte Straßen sollten die Deutschen davon überzeugen, wie „primitiv“ die Russen lebten. Zugleich sollte der deutsche Einmarsch gegenüber der breiten Öffentlichkeit begründet werden.
In einigen deutschen Nachkriegsfilmen, aber auch in den deutschen Fassungen ausländischer Streifen (u.a. mit Louis de Funès) wird der Begriff "Untermensch" verwendet, allerdings nicht im Zusammenhang mit einer Herabwürdigung von Angehörigen fremder Völker, sondern als Bezeichnung für charakterlich tiefstehende Angehörige des eigenen Volkes.
Schon Ende 1941 kam es zu ersten Differenzen zwischen dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler und der Wehrmacht wegen der Herausgabe jener Broschüre. Einige Befehlshaber der Wehrmacht waren der Meinung, man könne die russische Bevölkerung durch eine liberale Politik gewinnen und sie sich zum Verbündeten im Kampf gegen den Bolschewismus machen. Himmler widersprach dem entschieden, weil die Völker der Sowjetunion seiner Meinung nach minderwertig waren. Dennoch wurde im Laufe des Jahres 1942 der Verkauf der Broschüre eingestellt. – Der Reichenau-Befehl vom 10. Oktober 1941 enthielt den Begriff „Untermensch“ als Hauptbegründung für die völkerrechtswidrige Ermordung von Russen.
Die Nationalsozialisten benötigten klare, in der Bevölkerung populäre Feindbilder. Solche waren der „Ewige Jude“ und der „bolschewistische Untermensch“. Alles, was die Nationalsozialisten, aber auch andere rechtsextremistische Kräfte wie die Deutschnationalen bekämpften (Judentum, Pazifismus, Demokratie, den Kommunismus, Freimaurerei) wurde in diese Feindbilder einbezogen (siehe auch: Holocaust, Kirchenkampf).
Im Zuge der japanischen Expansion gegen China und Südostasien im Zweiten Weltkrieg fanden zwangsweise Menschenversuche an Kriegsgefangenen und Zivilisten statt. Die Einheit 731 wurde später für biologische und chemische Menschenversuche mit Krankheitserregern und Kampfstoffen bekannt, beispielsweise mit Pesterregern, Pockenerregern und Kampfgasen. Die Versuchspersonen in diesen Gefangenenlagern wurden von den Japanern als „maruta“ (japanisch für Holz, Material, Rohstoff) bezeichnet, worin eine Geringschätzung zum Ausdruck kommt, ähnlich derjenigen des „Untermenschen“.
Für Domenico Losurdo gibt es in der Neuzeit, nämlich im totalen Krieg und im Kolonialismus zwei Arten, mit denen der Nächste aus der Gemeinschaft der Menschen ausgeschlossen und für Mitleid unzugänglich gemacht werden soll, damit brutalste Gewalt sich entfalten kann:
1. „naturalistische Despezifikation“, die die Voraussetzungen für den Ausschluss aus der menschlichen Gesellschaft auf ethnischer oder rassistischer Ebene feststellt und darauf aus ist, dem Gegner insgesamt das Menschsein abzusprechen;
2. Despezifikation auf politisch-moralischer Basis, so dass der Feind aus der politisch-sozialen Wertegemeinschaft ausgeschlossen und bekämpft werden kann.
Dabei könne es in den Auseinandersetzungen auf politisch-moralischer Basis, wie sie für Revolutionen und Bürgerkriege kennzeichnend sind, leicht zu Überschreitungen in naturalistische Despezifikation kommen, ehe zum Gedanken von der Einheit des Menschengeschlechts zurückgekehrt wird.[2]
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History