
Die Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture) im Rahmen der Informationstechnologie (IT) beschreibt das Zusammenspiel von Elementen der Informationstechnologie und der geschäftlichen Tätigkeit im Unternehmen. Sie unterscheidet sich von Begriffen wie Informationsarchitektur oder Softwarearchitektur durch den gesamthaften Blick auf die Rolle der Informationstechnologie im Unternehmen. Oft geht damit auch ein höherer Abstraktionsgrad einher. Die Unternehmensstrategie oder IT-Strategie ist dabei vorgegeben und wird in der Unternehmensarchitekturinitiative detailliert. Eine erfolgreiche Unternehmensarchitekturinitiative geht immer vom Top-Management aus.
Teilweise werden unter der Unternehmensarchitektur nur die Schlüsselprozesse und deren IT Bedürfnisse verstanden. In diesem Fall wird diese vom Top-Management ohne Einbindung der IT erstellt[1]. In diesem Fall ist die Entwicklung der Strategie und der IT Strategie integraler Bestandteil der Unternehmsarchitekturentwicklung.
Entgegen ihrer Bezeichnung sind Unternehmensarchitekturen nicht auf Unternehmen beschränkt sondern werden auch von Regierungen und dem Militär genutzt.
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Als Ursprung der Unternehmensarchitekturen und Vorbild für viele Unternehmensarchitekturen gilt das Zachman Framework. Es wurde 1987 von John Zachman veröffentlicht[2]. Die Weiterentwicklung der Unternehmensarchitektur wurde in den folgenden Jahren vor allem durch Militär und Regierung der Vereinigten Staaten vorangetrieben:
Bislang besteht keine allgemein anerkannte Definition des Begriffs Unternehmensarchitektur. Dennoch lassen sich aus den Gemeinsamkeiten der Definitionen Eigenschaften einer Unternehmensarchitektur ableiten [3]. Ein Ansatz hierzu ist der ISO-Standard 15704, der allgemeine Anforderungen an die Unternehmensarchitektur definiert. In diesem Standard wird Architektur als Beschreibung (Modell) der grundsätzlichen Struktur der Teile eines Systems sowie der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Elementen verstanden. Auf dieser Grundlage wird zwischen zwei Typen der Unternehmensarchitektur unterschieden:
Die Unternehmensarchitektur befasst sich mit der geschäftlichen Tätigkeit des Unternehmens und der Unterstützung dieser Tätigkeiten durch die Informationstechnologie (IT). Hierbei werden oftmals die folgenden Architekturbereiche betrachtet:
Diese Basisarchitekturen können, je nach Sichtweise, um weitere Architekturen ergänzt werden. TOGAF ergänzt beispielsweise die Sicherheitsarchitektur (Beschreibung der Sicherheitsprozesse, Sicherheitssysteme und die Aufgaben der beteiligten Organisationseinheiten mit der die für die Organisation geeignete Informationssicherheit erreicht wird) und die Betriebsarchitektur (Betrieb und Verwaltung der Software, Hardware und Kommunikationsinfrastruktur).
Die Struktur kann zur Darstellung des aktuellen (Ist-Architektur) oder eines angestrebten zukünftigen Zustandes (Soll-Architektur) der Unternehmensarchitektur genutzt werden. Die Weiterentwicklung der Unternehmensarchitektur, aus dem IST zum SOLL, ist ein Kreislauf [4]. Sie weist eine Verwandtschaft zum ISO 9000 Qualitätsprozess auf. Als erster Schritt erfolgt die Beschreibung der Soll-Architektur, die aus der Geschäfts- und IT-Strategie abgeleitet wird. Nächster Schritt ist die Planung, Konzeption und Umsetzung von Projekten für die Transformation der Ist-Architektur. Anschließend erfolgt die Kontrolle der Ergebnisse. Sobald sich Geschäfts- oder IT-Strategie verändern ist ein erneuter Durchlauf des Kreislaufes zur Aktualisierung der Unternehmensarchitektur erforderlich. Für die weitere Detaillierung können die Ansätze der einzelnen Enterprise Architecture Frameworks genutzt werden (vgl. Architecture-Development-Methode (ADM) aus dem TOGAF).
Zu den Ergebnissen der Unternehmensarchitektur zählen:
Eine Unternehmensarchitektur dient zum Business-IT-Alignment. Sie stellt die einzelnen Architekturen und deren Zusammenhänge dar um die Komplexität beherrschbar zu machen. Dadurch soll die Unternehmens-IT agiler werden. Außerdem sollen IT-Investitionen besser bewertet und unnötige Investitionen vermieden werden können. Ferner kann die Unternehmsarchitektur zur Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern dienen. Insbesondere im Bereich Fusionen und Übernahmen – aber auch bei der Aufteilung eines Unternehmens in mehrere Unternehmen – können Unternehmensarchitekturen wertvolle Dienste leisten und Zeit und Geld sparen.
Der Unternehmensarchitekturprozess soll Wert schöpfen für alle Beteiligten, was von vielen Methoden leider nicht berücksicht wird. KLUGE, DIETZSCH und ROSEMANN geben einen Ansatz, wie diese Wertrealisierung gemessen werden kann [5].
Enterprise Architecture Frameworks unterstützen die Unternehmensarchitektur. Sie stellen eine Grundlage dar, aus der sich eine konkrete Unternehmensarchitektur ableiten lässt. Je nach Framework liegt der Schwerpunkt auf der Strukturierung oder Entwicklung der Unternehmensarchitektur.
Programmier-Frameworks sind keine Enterprise Architecture Frameworks. Programmier-Frameworks unterstützen bei der Programmierung und können die Architektur einer Anwendung bestimmen − nicht jedoch eine Unternehmensarchitektur.
Über den Einsatz von Enterprise Architecture Frameworks gibt es wenig gesicherte Informationen. Laut einer Umfrage des Institute For Enterprise Architecture Developments aus dem Jahr 2005 werden die folgenden Frameworks in relevantem Umfang in der Praxis genutzt:[6]
Neben den Enterprise Architecture Frameworks unterstützen Enterprise Architecture Tools ebenfalls bei der Unternehmensarchitektur. Mit Ihrer Hilfe lassen sich die unterschiedlichen Modelle der Unternehmensarchitektur erstellen und verwalten. Darüber hinaus ermöglichen sie die Koordination der Projekte, welche die Unternehmensarchitektur weiterentwickeln. Laut einer Studie von Forrester Research aus dem Jahr 2007 sind die folgenden fünf Werkzeuge Marktführer[7]. Im deutschsprachigen Raum ist zusätzlich das Werkzeug planningIT weit verbreitet. Das Marktforschungsunternehmen Gartner Inc. ordnet planningIT in einer Studie aus dem Jahr 2008 der Gruppe der Marktführer zu.[8]
| Werkzeug | Hersteller | Unterstützte Frameworks (Auswahl) |
|---|---|---|
| Corporate Modeler Suite | Casewise | DoDAF, FEAF, TOGAF, Zachman |
| ARIS Solution for Enterprise Architecture | IDS Scheer | DoDAF, FEAF, TOGAF, Zachman |
| MEGA Modeling Suite | MEGA International | DoDAF, FEAF, TOGAF, Zachman |
| ProVision | Metastorm | DoDAF, FEAF, TOGAF, Zachman |
| System Architect | Telelogic | DoDAF, FEAF, TOGAF, Zachman |
| planningIT | alfabet AG | TOGAF, Zachman, DoDAF |
Die für das individuelle Unternehmen entwickelte Unternehmensarchitektur kann als Kommunikationsgrundlage für die verschiedenen Formen von Governance in der Unternehmung dienen, wie z.B. BPM Governance, Corporate Governance, Data Governance, IT-Governance oder SOA-Governance. Diese verschiedenen Formen von Governance definieren auch die Rollen/Verantwortlichkeiten/Entscheidungen im Rahmen der Unternehmensarchitektur.
Eine Unternehmensarchitektur muss, wenn sie erfolgreich sein soll, immer vom Top-Management initiiert werden. Sie wird in einem langen Prozess (häufig 6-18 Monate, unternehmensabhängig auch länger) erstellt und führt kurzfristig nicht zu höherem Gewinn, sondern zu zusätzlichem Aufwand. Voraussetzung für eine Unternehmensarchitektur ist ein Team, das in Vollzeit die Unternehmensarchitektur entwickelt. Dieses Team muss durch Mitarbeit der übrigen Bereiche unterstützt werden. Es ist unrealistisch, eine vollständige Unternehmensarchitektur zu erstellen. Dies würde Jahre bzw. Jahrzehnte benötigen. Deshalb soll die Unternehmensachitektur nur die relevanten Bereiche des Unternehmens in einer geeigneten Granularität darstellen.
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